Ideologische Dienstleister: Wer sind die “Experten” der ARD?

Das, was gemeinhin als “Faktencheck” verkauft wird, ist eine systematische Anwendung des Fehlschlusses ad auctoritatem, also der Versuch, nicht vorhandene Argumente durch den Verweis auf einen angeblichen Experten zu kompensieren, die eigenen Behauptungen durch eben diesen Experten glaubwürdig erscheinen zu lassen. Wobei es dem Junk, den Faktenchecker wie die ARD-Faktenfinder verbreiten, eigen ist, dass diejenigen, die als vermeintliche Experten aufgeboten werden, ebenfalls keine Argumente oder Begründungen, sondern in den meisten Fällen ausschließlich Bewertungen und Leerformeln beizutragen wissen. Das kann auch gar nicht anders sein, denn, wenn man diejenigen, die als Experten angeführt werden, etwas näher betrachtet, dann kommt man schnell zu der Feststellung, dass die meisten der “Experten”, vielleicht auf irgend einem Gebiet Experte sein mögen, aber auf dem, zu dem sie befragt werden, sind sie in der Regel nicht ausgewiesen, können sich den Expertenstatus somit zwar zuweisen lassen, ihn aber nicht belegen.

Wir haben gestern ausführlich ein Machwerk von Wulf Rohwedder besprochen, in dem er versucht, Transhumanismus zur “Verschwörungserzählung” derer zu machen, die er in SEINEM Feindeslager verortet: “Impfgegner, LGBTIQ-Feinde, Technologieskeptiker, Esoteriker, religiöse Extremisten, Klimawandelleugner … Coronaleugner-Szene”.

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Dr. habil Heike Diefenbach hat in einem Kommentar bereits gesagt, was es zu diesem Blödsinn inhaltlich zu sagen gibt:

““Verschwörungsmilieu”?!?

Entschuldigung, die Themen “Transhumanismus” und “Human enhancement” (ich weiß jetzt nicht, wie das ins Deutsche übertragen wurde) sind regelrechte Bewegungen, die sich zu einer solchen (spätestens) durch die Futuristen zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt haben.

Beides sind inzwischen längst gängige Begriffe – und handlungsleitende Konzepte – in der Medizin, in der KI-Entwicklung; sie werden von Leuten aller möglichen Fachrichtungen an Unis diskutiert.

Und jetzt, da es eine breite Öffentlichkeit mitbekommen hat und Kritik übt, jetzt sollen diese Themen plötzlich Spezialitäten irgendwelcher “Verschwörungstheoretiker” sein?! Das ist so offensichtlich faktisch falsch, dass man Mitleid mit Rohwedder haben muss – ob seiner eigenen vollumfänglichen Uninformiertheit oder ob seiner Hilflosigkeit angesichts des neuerlichen Auftrags, alles, was auf Kritik in der Bevölkerung stößt, auf Biegen und Brechen – und vollkommen ohne Hoffnung auf Erfolg – als falsch, rechts, Verschwörungstheorie, anti-… (Beliebiges einsetzen!) etc. etc. darstellen zu müssen.

Na ja, Leute wie er machen deutlich, dass es stimmt: bei manchen Menschen wäre schon das kleinste bisschen “human enhancement” oder “human augmentation” ein bemerkenswerter Gewinn, der sie für die (Mit-?/)Menschen erträglicher machen würde.

Der Versuch, eine offenkundig breit, nicht nur in der vermeintlichen Wissenschaft diskutierten Idee darüber, wie man Menschen aufpeppen [human augmentation], in ihrer Leistungskraft verbessern, an bestimmte Umweltbedingungen anpassen kann, eine Idee, die in Teilen an die alte Unterscheidung in Herrenrasse und Sklavenrasse erinnert, zu einer Verschwörungserzählung machen zu wollen, ist an Frechheit [oder Dumpfheit] kaum zu überbieten, angesichts der Millionen von Textseiten, die bereits zu diesem Thema gefüllt wurden.

Instrumentell für diesen Versuch sind zwei “Experten” Sebastian Bartosch und Jan Rathje, die angeblich über Transhumanismus etwas zu sagen wissen.

Wir haben schon vor einer Weile darauf hingewiesen, dass die ARD dann, wenn es um Experten geht, beim letzten Aufgebot angekommen ist, nunmehr schon ideologisch Versehrte und Leute, die sich auf dem vierten Arbeitsmarkt über Wasser halten, mit ideologische Dienstleistungen an all diejenigen verkaufen, die mit Fördergeldern hantieren, ausgraben und promoten muss. Das scheint der Deal zu sein, auf dessen Basis sich Leute, die vom Thema in der Regel keinerlei Ahnung haben, dazu hergeben, “den Experten” für die ARD zu machen, um auf keinerlei Grundlage die vermeintliche “Expertise” für den regelmäßigen Versuch der “Faktenfinder” zu liefern, Missliebiges per Bewertung, nicht etwa per Argumentation, zu diskreditieren.

Wir stellen im Folgenden zusammen, was die beiden ARD-Experten für sich als “Expertise” zum Thema “Transhumanismus” ins Feld führen können.

Beginnen wir mit Jan Rathje, der das ist, was wir als ideologischen Dienstleister bezeichnen, auch Förderexistenz genannt, und damit das erreicht hat, was Sebastian Bartosch wohl erst noch erreichen will.

Über Jan Rathje

“Jan Rathje ist Senior Researcher bei CeMAS und Politikwissenschaftler. Er studierte in Potsdam und Greifswald mit den Schwerpunkten Rechtsextremismus und Politische Theorie. Von 2013 bis 2014 war er in der mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Schleswig-Holstein tätig. Zwischen 2015 und 2020 leitete er mehrere Projekte zu Verschwörungsideologien und Antisemitismus für die Amadeu Antonio Stiftung. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen Online-Rechtsextremismus, Verschwörungsideologien, Antisemitismus sowie Souveränismus in Deutschland und den USA.”

Wir haben die Gastspiele auf dem vierten Arbeitsmarkt fett gesetzt. Wie man sieht, findet die berufliche Karriere, wenn man es denn Karriere nennen kann, ausschließlich auf dem vierten Arbeitsmarkt statt, durch Arbeit in Projektchen, unter dem Dach der AAS-Stiftung, die in der Regel vom Bundesministerium für die Vernichtung von Steuergeld (BMFSFJ)  oder einem Landesministerium mit gleichem Auftrag, finanziert werden.

Ein genauer Blick zeigt, dass Rohwedders “Experte” für Verschwörungstheorie und Transhumanismus, bestenfalls und mit viel gutem Willen ein Einpunkt-Expert ist – aber keiner für Transhumanismus ist. Seine Expertise umfasst genau einen Aspekt der Wirklichkeit wie ein Blick in sein bisheriges wissenschaftliches Wirken zeigt. Wir haben diesen Blick zunächst über die einschlägigen Quellen auf seinen wissenschaftlichen Output gerichtet. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass seine Darstellung bei der AAS-Stiftung, von der wir angenommen haben, dass das nicht alles sein könne, doch alles ist:

Reichsbürger hinten, vorne, Reichsbürger links und rechts und oben und unten. Dieses Thema einer studentischen Hausarbeit ist alles, was den “Experten” der AAS-Stiftung zu beschäftigen scheint, mit Ausnahme eines Beitrags für die Bundeszentrale für Politische Bildung, in dem sich Rathje mit anderen fragt, wie man Menschen zu mündigen Bürgern erziehen kann. Eine Frage, von der wir denken, dass Rathje eine denkbar ungeeignete Person ist, sie zu beantworten. Es ist eben einfach nicht mehr Expertise vorhanden.

Seit 2018 ist zu dieser Bestandsaufnahme nicht viel hinzugekommen, in jedem Fall nichts, was einen anderen Themenbereich, z.B. Transhumanismus abdecken würde:

Die zusammengestellten Publikationen machen vor allem deutlich, dass die “ARD-Experten” im eigenen Saft braten und keinerlei Eindruck auf die wissenschaftliche Gemeinschaft machen, wie man daran sehen kann, dass es genau 9 Verweise auf diese fünf Arbeiten gibt. Das ist das Schicksal derer, die sich in Projekten und anderen, von Stiftungen oder Ministerien finanzierten Organisationsformen herumdrücken, um ein Legitimationsprojekt durchzuführen und nach drei Jahren einen Endbericht zu verfassen, für den sich niemand interessiert, mit dem man nichts werden kann, sich für nichts empfehlen kann, was mit Wissenschaft zu tun hat. Das Ende als vermeintlicher “ARD-Experte” ist quasi zwangsläufig.


Kommen wir zu Sebastian Bartoschek, der immerhin schon etwas zu “Transhumanismus” veröffentlicht hat. Indes, die Veröffentlichung allein macht nicht den Experten.

“Der Psychologe Sebastian Bartoschek beschäftigt sich schon lange mit Verschwörungsmythen, ebenso mit dem Thema Transhumanismus”, behauptet Rohwedder. Und in der Tat:


Ob eine einzige Veröffentlichung aus dem Jahre 2020 an der Schnittstelle zwischen Transhumanismus und Gesundheitswissenschaften Bartosch zum “Experten” für Transhumanismus macht, ist eine Frage, die wir die Tendenz haben, zu verneinen. Es sieht eher wie der Versuch aus, die eigene Existenz mit einem aufkommenden Modethema für diejenigen, die auf dem Vierten Arbeitsmarkt Steuergelder als Fördermittel einsetzen, um sich das zu kaufen, was sie gerne als Expertenmeinung hätten, attraktiver zu machen. Es könnte die blanke Not sein, die hier spricht:



Das Expertenfinden der Faktenfinder findet offenkundig auf dem Market for Lemons statt, eine Zwischenstation beim Race to the Bottom.



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