Die wenigsten werden Modern Monetary Theory kennen oder den Begriff gehört haben. Mir ging es so, als ich vor einigen Tagen von Dr. habil. Heike Diefenbach darauf angesprochen wurde. Mordern Monetary Theory [MMT] ist ihr im Zusammenhang mit dem DeGrowth Unfug über den Weg gelaufen, DeGrowth, der neue Kult dessen Anhänger glauben, man könne Mehrwert ohne Wachstum erwirtschaften.
Zu blöd, um auch nur eine weitere Zeile darauf zu verschwenden.
MMT ist eine andere Bedrohung.
MMT ist zwar keine Theorie, bestenfalls eine Sammlung von wirren Ideen, die als Theorie ausgegeben werden. MMT wurde auch noch NIE empirisch geprüft, aber das heißt nicht, dass MMT nicht schon in politischer Anwendung wäre, nicht längst die Legitimationsbasis für Entscheidungen abgeben würde, verantwortungslose Entscheidungen, die von Finanzministern in westlichen Staaten getroffen werden.
Denn: MMT übt auf [dumme oder bösartige] Polit-Darsteller einen Reiz aus, dem sie nicht widerstehen können: MMT verspricht „dem Staat“ die Fähigkeit, Geld aus dem Nichts zu erschaffen, und MMT behauptet, ohne je einen Beleg dafür erbracht zu haben, dass Staaten Schulden in beliebiger Höhe machen können, ohne dass daraus negative Folgen für die über beide Ohren verschuldete Volkswirtschaft entstehen.
Zwei Behauptungen, auf die sich Polit-Darsteller entsprechender intellektueller Ausstattung stürzen, wie die Fliegen auf den geschimmelten Käse.
Und falls Sie denken, das sei alles noch weit weg, im Hier und Jetzt nicht relevant … Ende 2022 hatten wir im Rahmen unserer Wahl zum Denkbehinderten des Jahres Jamila Schäfer, die ökonomische Kenntnislosigkeit in einem Ausmaß zum besten gegeben hat, das erstaunlich ist:
Man weiß nicht, wo man anfangen soll.
Die Liste ist lang.
Es sei ein Mythos, dass das Geld, das ein Staat ausgebe, erwirtschaftet werden müsse, verkündet Schäfer und erklärt dem staunenden Zuhörer, dass sich der finanzielle Spielraum eines Bundeshaushalts aus Steuereinnahmen und Kreditaufnahme ergebe.
Man nehme die Kredite bei der Zentralbank auf [weiß man davon etwas bei der Bundesbank?], bestimme die gewünschte Laufzeit und Verzinsung.
Das war’s.
So einfach ist die Welt.
Ein Land, so belehrt die Kenntnislose weiter, könne in seiner Währung nicht Pleite gehen. Das stimmt, so kann man mit Robert Habeck ergänzen. Deutschland wäre selbst im schlimmsten Fall nicht pleite, aber man könnte mit der in Deutschland geltenden Währung halt nichts mehr kaufen.
Der ganze aneinander gereihte Blödsinn mündet in den folgenden Höhepunkt: „Mit Kredit“ könne man „die Konjunktur in der Währung … stablisieren“, sagt Schäfer und besser könnte man dieses in belehrender Absicht erstellte Video nicht zu einem Abschluss bringen.
Das, was Schäfer hier verbreitet, Geld müsse nicht erwirtschaftet werden, stamme vielmehr aus Kreditaufnahme und Steuern, ein Land könne nicht pleite gehen und Kredit könne Währung stabilisieren, ist offenkundiger Unfug, Unfug, der unter dem Label „Modern Monetary Theory“ an Leichtgläubige und Ahnungslose vertrieben wird.
Aber der Einfluss der MMTs ist nicht auf die beschränkt, die etwas benötigen, das sie in Übereinstimmung mit ihrer Ideologie nachplappern können, er geht weiter.
Die Beseitigung der Schuldenbremse von Lars Klingbeil betrieben und von Friedrich Merz gesegnet, ist ein in der MMT gepriesenes Instrument, denn in MMT ist man der Ansicht, Schulden seien kein Problem, in beliebiger Höhe machbar und wären vor allem an keinerlei fixe materielle Werte gebunden.
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Die 500 Millionen Euro, die in Infrastruktur „investiert“ werden sollen, spiegeln die Idee aus MMT wieder, dass Regierungen „Geld schaffen“ (über Bonds) um brachliegende Ressourcen zu mobilisieren, um die Vorausgaben dann später über Steuern wieder zu amortisieren. Keynes lugt hinter all diesem Blödsinn. Klingbeil als Finanzminister hat dieses kreditäre Geldverteilen fast schon enthusiastisch als die Basis von Wachstum und ökonomischem Aufschwung gefeiert.
Schließlich stammt die Idee für den mittelfristigen finanzstrukturellen Plan gemäß Artikel 5 der Verordnung (EU) Nr. 2024/1628 aus dem Hause Klingbeil. Der Plan sieht zusätzliche Ausgaben von 1.5% des BIP bis 2030 vor, das sind 1.5% BIP über der von der EU vorgegebenen Grenze von 2,7% BIP [net expenditure rule, reference rate]. Das ist mehr als nur ein Anklang an MMT, in dem Schulden gemacht werden, um Wachstum zu befördern und Steuern genutzt werden sollen, um Inflation zu verhindern.
MMT ist eine Realität, längst in unverantwortlichen Finanzpolitiken umgesetzt und deshalb ist es an der Zeit, einen kurzen Abriss für MMT zu geben.
Die vielleicht abstruseste Idee, die in diesem Kontext entwickelt wurde, bezieht sich auf die Funktion von Geld. Geld hat in MMT lediglich die Funktion eines Zahlungsmittels, es ist per Gesetz „vom Staat“ geschaffen, kommt erst durch staatliche Verfügung überhaupt in Existenz. Geld entsteht also nicht aus dem Austausch von Waren, Geld hat keinerlei Wert, weshalb es in MMT keinerlei Bindung an reale Werte für Geld gibt. Mit anderen Worten, die MMTs kennen den Unterschied zwischen Respresentation [Fiat-Geld] und realem Wert etwa von Gold [Commodity-Money] nicht. Während Ersteres lediglich einen Wert repräsentiert, hat Letzteres einen Wert.
Jedenfalls in der normalen Welt.
In der Welt der MMTs ist das anders. In ihrer Welt IST GELD, das von der mystischen Organisation, die sie Staat nennen, geschaffen wird, der Wert. Gelddrucken schafft erst den Wert. Ohne das Geld „des Staates“ gäbe es keinen Wert von Commodities, eine Idee, die auf Georg Friedrich Knapp zurückgeht, der die Staatstheorie des Geldes geschrieben und darin behauptet hat, dass Geld per Gesetz existent werde, als eine Art Chip, dem ein Wert zugewiesen wird – von wem? Vom Staat.
In der MMT gibt es keine Austauschprozesse, die den Wert von Gütern bestimmen. Vielmehr bestimmt der Staat durch die Menge des Geldes, die er auf den Markt wirft, die Güternachfrage. Wer sich mit Ökonomie beschäftigt, wird nicht nur die absurde Idee, „der Staat“ habe über eine Zentralbank einen Steuerhebel in der Hand, um die Nachfrage nach Gütern zu steuern, über Kredite in beliebiger Höhe eine Möglichkeit, die Konjunktur einer Wirtschaft zu steuern und Wachstum zu generieren, irritierend, wenn nicht lächerlich finden, er wird auch die zentrale Rolle des Preises vermissen.
Indes: Preis – als Funktion von Angebot und Nachfrage – kommt in der Phantasiewelt der MMTs nicht vor, der Welt unbegrenzter Schulden, die möglich sind, wie Abba Lerner geschrieben hat, der Vater von „Functional Finance“ und Wegbereiter der MMT, weil „national debt is no danger to society“. Und warum ist es für eine Gesellschaft kein Problem, wenn eine unverantwortliche Regierung Schulden in einer Höhe anhäuft, die niemand mehr zurückzahlen kann. Ganz einfach: Nationale Verschuldung „is not a burden on the nation in the same way as an individual’s debt to other individuals‘ is a burden on the individual“ (Lerner, 1943: 43).
Und wenn man nun fragt, warum unbegrenzte Schulden kein Problem für einen Staat unter MMT sind, dann beginnt der Versuch, den Murx zu verstehen mit der Erkenntnis, dass Geld für diese Leute einen Wert an sich darstellt, ein Asset, das sie nach Belieben und in welcher von ihrer mystischen Einheit „dem Staat“ auch immer gewünschten Form schaffen können. Mit dem Geld SCHAFFEN sie Wert. Es ist nicht so, dass Geld Ausdruck eines vorhandenen Wertes, dessen Repräsentation ist, nein, es ist der WERT, der dann auf Güter aufgeteilt wird, wobei die Frage, wie denn der individuelle Wert von z.B. Schnürsenkeln bestimmt wird, etwas zu sein scheint, was MMTs und die Schuldenbuckel-Politiker, die damit ihre Eskapaden rechtfertigen, nicht zu interessieren scheint. Die ganze „Theorie“ zeichnet sich durch ein weitgehendes Fehlen von „Menschen“ aus, besser: eine Menschenfeindlichkeit, die sich gewaschen hat. Bürger sind reine Figuren monetärer Randbedingungen, die vollständig über Schulden, also in den Augen dieser Leute „Wertschaffung“ oder Steuern, gesteuert werden.
Sie tauschen nach Maßgabe eines Staates und unter Verwendung seiner Währung, deren Wert derselbe Staat durch Schulden und Steuern bestimmt. Die einfache Welt von Schäfer, hier kommt sie wieder, denn natürlich haben Schulden und das Drucken von Geld einen inflationären Effekt. Die Geldmenge wächst durch aufgenommene Kredite, die wiederum durch die Zentralbank finanziert werden, indem die Zentralbank das Geld in erforderlicher Höhe druckt, was zwangsläufig zu Inflation und einer Entwertung des Geldes führen muss.
Indes in der Welt der MMTs ist das nicht der Fall.
Schulden sind inflationsneutral und wenn doch Inflation, aus unbekannter Tiefe aufsteigt, dann kann man die Inflation wieder wegsteuern, Steuern nehmen das Geld, das „der Staat“ in seiner großen Güte zuvor an seine Bürger ausgeteilt hat, wieder aus den Taschen der Bürger und reduzieren auf diese Weise die Inflation. Ocampo hat 2020 das Akronym MMT als Magical Monetary Thinking aufgelöst, eine freundliche Auflösung für eine Sichtweise die besser als „Malicious Monetary Thinking“ bezeichnet wäre.
Ocampo hat auch die empirische Bewährung der Ideen, die hinter MMT stehen, untersucht und zeichnet in seinem Beitrag ein verheerendes Bild dessen, was mit MMT angerichtet werden kann, denn letztlich ist MMT keine neue Idee, vielmehr ein Flickenteppich vorhandener Ideen, die bis zum Beginn des 1900 Jahrhunderts zurückreichen und z.B. als Chartalismus verbreitet waren. Gemeinsam ist diesen Ideen, die Annahme, Geld sei an sich ein Wert, ein bedruckter Schein bedürfe keines Gegenwerts, erhalte seinen Wert durch Gesetz, wie Knapp denkt oder durch staatliche Ausgabe und Kontrolle. Indes, was passiert, wenn ein Ding, das Wert nur representiert, von dem, was der Representation erst den Wert gibt, entkoppelt ist, die Existenz Letzteren ernsthaft geleugnet wird, das hat Ocampo am Beispiel der Inflation der 1920er Jahre in Deutschland drastisch dargestellt:
„It was not the increasing quantity of central bank notes [in modern economies reserves] that caused the hyperinflation … it was the growth of fiat currency that was unbacked of backed only by government bills, which there never was a prospect to retire enough taxation.“
Der Irrtum, man könne Geld als aus eigenem Recht wertloses Zahlungsmittel von Werten, die es repräsentiert, abtrennen und in beliebiger Höhe einsetzen, um staatliche Ziele, welche Clique sie auch gerade formulieren mag, zu finanzieren und Steuerung auf einem Markt voller Marionetten, voller Bürger ohne Präferenzen, die unabhängig „vom Staat“ existieren, einsetzen, um gewünschte Ergebnisse (und keine anderen) zu erreichen, ist die Bürger in der Weimarer Republik teuer zu stehen gekommen.
Und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich diese Geschichte nicht jederzeit wiederholen kann, vielmehr stehen die Zeichen günstig für eine Wiederholung. Steigende „Staatsausgaben“, steigende „Staatsschulden“, ein sinkender Gegenwert in Produktion und Wertschöpfung, Steuern in einer Höhe, die kaum noch Spielraum für weitere Erhöhungen lassen und somit das angebliche Instrument zur Steuerung von Inflation, dass MMT bereitstellt, nutzlos machen.
Die Kulisse steht.
Die Akteure spielen.
Das Publikum leidet.
Das Spiel nähert sich seinem Höhepunkt.
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Die Menschen müssen und werden durch den Zusammenbruch des Finanzsystems lernen. Diejenigen, die das Überleben bringen auch das Zeug mit, den Klumpatsch wieder aufzubauen, was ich wegen meines Alters nicht mehr erleben werde. Zwar habe ich mit Unterstützung meiner Frau, die mir eigentlich nie glaubt, bis es eintritt, materiell vorgesorgt, aber ich fürchte, unsere Kinder werden zu blöd sein, es zu nutzen.
Ein Falschmünzer hat versehentlich statt eines 20-DM-Scheins einen mit 18-DM Aufschrift gedruckt. Um ihn einzulösen, geht er in eine weit abgelegene Wirtschaft und bittet dort, ihm den Schein zu wechseln.
Antwort: „Möchten Sie es in zwei 9-DM-Scheine oder drei 6-DM-Stücke gewechselt haben?“
MMT basiert auf der Fehlannahme, Geld und Kaufkraft seien dad selbe – was nicht verwundert, weil im mikroskopischen Betrachterfokus des Einzelanwenders von Geld sieht das auch zuweilen so aus.
Natürlich kann der Herrscher beliebig viel Herrschergeld drucken – die Kaufkraft wird damit aber freilich nicht vermehrt, sondern Untertanen abgefressen.
Ja die „Magic Money Tree-Fraktion“ ist wahrlich geistig zerrüttet. Man fragt sich warum eigentlich überhaupt noch Steuern, wenn Staat beliebig viel Geld erzeugen kann? Wohl zur Gängelung der „you own nothing and be Happy“ Schuldsklaven? Dann noch Hamburg…der Schwachsinn nähert sich wahrlich einem Höhepunkt.
Demnach findet doch die MMT „Staatsknete“ Krönung und Endziel im zukünftigen Digitalgeld. Ohne Wert und (für die Herrschenden) beliebig zu vermehren, dient es nicht als Tauschwährung sondern, programmierbar mit Verfallsdatum, der Gängelung und Lenkung der Menschen. Oder nicht?
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Show CommentsSehr geehrte ScienceFiles–Macher,
ich bewundere Ihre Entschlossenheit und Ihr Wissen, dicke Bretter zu bohren, aber ist das die Mühe wirklich wert? Ich, 72, habe das seit 15 Jahren auch hinsichtlich des Geldsystems in meinem Umfeld versucht. Das andere Thema war die mohammedanische Eroberung. Ich habe drei Menschen gewonnen, die mir zuhören. Zwei davon verstehen die Ansätze der österreichischen Schule. Der Dritte ist, obwohl wirklich alter Preuße, durch seine DDR–Erziehung in marxistischer Wirtschafts“wissenschaft“ unrettbar verbrannt.
Die Menschen müssen und werden durch den Zusammenbruch des Finanzsystems lernen. Diejenigen, die das Überleben bringen auch das Zeug mit, den Klumpatsch wieder aufzubauen, was ich wegen meines Alters nicht mehr erleben werde. Zwar habe ich mit Unterstützung meiner Frau, die mir eigentlich nie glaubt, bis es eintritt, materiell vorgesorgt, aber ich fürchte, unsere Kinder werden zu blöd sein, es zu nutzen.
Ein Falschmünzer hat versehentlich statt eines 20-DM-Scheins einen mit 18-DM Aufschrift gedruckt. Um ihn einzulösen, geht er in eine weit abgelegene Wirtschaft und bittet dort, ihm den Schein zu wechseln.
Antwort: „Möchten Sie es in zwei 9-DM-Scheine oder drei 6-DM-Stücke gewechselt haben?“
MMT basiert auf der Fehlannahme, Geld und Kaufkraft seien dad selbe – was nicht verwundert, weil im mikroskopischen Betrachterfokus des Einzelanwenders von Geld sieht das auch zuweilen so aus.
Natürlich kann der Herrscher beliebig viel Herrschergeld drucken – die Kaufkraft wird damit aber freilich nicht vermehrt, sondern Untertanen abgefressen.
Ja die „Magic Money Tree-Fraktion“ ist wahrlich geistig zerrüttet. Man fragt sich warum eigentlich überhaupt noch Steuern, wenn Staat beliebig viel Geld erzeugen kann? Wohl zur Gängelung der „you own nothing and be Happy“ Schuldsklaven? Dann noch Hamburg…der Schwachsinn nähert sich wahrlich einem Höhepunkt.
Demnach findet doch die MMT „Staatsknete“ Krönung und Endziel im zukünftigen Digitalgeld. Ohne Wert und (für die Herrschenden) beliebig zu vermehren, dient es nicht als Tauschwährung sondern, programmierbar mit Verfallsdatum, der Gängelung und Lenkung der Menschen. Oder nicht?
Dann können wir ja Steuern abschaffen! Der Staat druckt sich seinen Geldbedarf einfach selber.
Keynes neu verpackt => MMT