Von Ideologen dominiert: An der TU-Dortmund ist Wikipedia-Nutzung verboten

Ist heute der Tag der Erinnerung?

Manche Dinge brauchen eben ihre Zeit…

Es ist schon ein paar Jahre her, da haben wir gemeinsam mit Arne Hoffmann einen Offenen Brief geschrieben, in dem wir auf die ideologische Unterwanderung der Wikipedia hinweisen.

Der Brief, er ist heute so aktuell wie damals.

wikipedia-de-sEin paar Jahre später, hält die Erkenntnis, dass es sich bei der deutschen Wikipedia um ein ideologisches Machwerk handelt, das u.a. von linken Genderista unterlaufen ist, die es für ihre Zwecke missbrauchen, auch in der deutschen Wissenschaft Einzug.

An der deutschen Wissenschaft kann man Theorien der Adaption von Innovationen, z.B. die Diffusionstheorie von Everett Rogers deutlich machen. Letztere unterscheidet Phasen der Adaption. Um eine Innovation, ein neues Produkt, eine neue Erkenntnis übernehmen zu können, muss man (1) von seiner Existenz wissen, (2) von der positiven Wirkung der Innovation überzeugt sind (oder von der Richtigkeit der neuen Erkenntnis), (3) eine Entscheidung treffen, die Innovation zu nutzen bzw. sich die neue Erkenntnis zu eigen zu machen, (4) die Entscheidung umsetzen und (5) sich mit der Umsetzung von der Nützlichkeit der Innovation bzw. der neuen Erkenntnis überzeugen.

Menschen sind bekanntlich unterschiedlich.

wikipedia-en-s

Manche sind mutig, andere feige. Manche sind offen, andere eher an tradierten Rollen orientiert. Manche suchen Wissen, manche fürchten es eher usw. Da Wissenschaftler auch Menschen sind, gilt dies auch für Wissenschaftler, so dass sich die mutigen, offenen und an Erkenntnis Interessierten unter Ihnen, zu First Movern qualifizieren, die bestimmte neue Erkenntnisse oder Innovationen aufnehmen, noch bevor andere überhaupt Kenntnis davon oder den Mut gefasst haben, sich das Neue zu eigen zu machen.

  • Walter Krämer ist ein solcher First Mover.
  • Walter Krämer ist Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Fakultät für Statistik der TU-Dortmund.
  • Und Walter Krämer warnt vor der Benutzung der deutschen Wikipedia.
  • Er warnt nicht nur davor, er spricht ein Nutzungsverbot der deutschen Wikipedia für Abschlussarbeiten aus, die bei ihm erstellt werden. Wer in seiner Abschlussarbeit bei Krämer die deutsche Wikipedia zitiert, ist raus.

Warum?

Na weil die deutsche Wikipedia anders als die englische Wikipedia von Ideologen dominiert wird.

Arne Hoffmann und wir haben es schon vor Jahren gesagt.

Nun ist es auch in der Wissenschaft angekommen.

Mal sehen, wie lange es dauert, bis es sich an andere Universitäten herumgesprochen hat.
Gut Ding will eben Weile haben, aber die Zeit hat noch alle ideologischen Projekte beendet.

TU Dortmund Kraemer Wikipedia


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Wikipedia ist hauptsächlich ein Todesanzeiger

Das PewResearchCenter hat gerade die Liste der jeweils 10 am häufigsten gelesenen Artikel auf Wikipedia veröffentlicht, und zwar nach Sprachen getrennt.

Auszählungen zum Leseverhalten sind immer aufschlussreich, lassen sie doch Schlüsse über die Wahrnehmung von Informationsquellen und über die Interessen derjenigen, die die entsprechenden Informationsquellen nachfragen, zu.

WischopediaUnd entsprechend wissen wir, dass Wikipedia für 20.264.610 englischsprachige, 5.694.946 deutschsprachige und 2.514.702 russischsprachige Nutzer ein Todesanzeiger ist. Sie lesen den Nekrolog für 2015 bzw. die Liste der Toten pro Jahr, interessieren sich also in erster Linie für Todesanzeigen. Entsprechend muss man schließen, dass für viele Wikipedia so etwas wie ein Zentralanzeiger der Verstorbenen ist, ein Ort, ein virtueller Friedhof, auf dem man zwar keine Grabsteine betrachten, aber doch die Namen der Toten bestaunen oder bewundern kann.

Ob sich die Online-Enzyklopädie ob dieser Entwicklung auch offiziell ein neues Image, sagen wir ein morbides oder nekrophiles Image gibt, wird abzuwarten bleiben.

Ein Blick auf die sonstigen Suchbegriffe bzw. die Kategorien, denen die einzelnen Artikel zugerechnet werden können, hat – unterschieden nach Sprachen, folgendes Aussehen:

  • Englischsprachige Leser:
    • Todesanzeigen
    • Film und Fernsehen
    • Soziale Medien
    • Islamischer Staat
    • Landeskunde
  • Spanischsprachige Leser:
    • Sport
    • Weltkriege
    • Chemie
    • Landeskunde
    • Film und Fernsehen
  • Deutschsprachige Leser:
    • Todesanzeigen
    • Landeskunde
    • Film und Fernsehen
    • Islamischer Staat
    • Computer IT
  • Russischsprachige Leser:
    • Soziale Netzwerke
    • Landeskunde
    • Todesanzeigen
    • Politik
    • Film und Fernsehen
  • Französischsprachige Leser:
    • Islamischer Staat
    • Soziale Medien
    • Film und Fernsehen
    • Französische Autoren
    • Landeskunde
  • Italienischsprachige Leser:
    • Film- und Fernsehen
    • Landeskunde
    • Politik
    • Islamischer Staat
    • Astronomie

Wikipedia ist neben Todesanzeiger also noch ein Blatt für Fernseh- und Filmnachrichten. Wissenschaftliche Themen schaffen es in den wenigsten Sprachen in die Top-10 der Beiträge, Themen der Politik ebenso selten. Lediglich der Islamische Staat hat es geschafft, intensiv genug auf sich aufmerksam zu machen, so dass er in die Phalanx aus Todesanzeigen, Film- und Fernsehnachrichten, die die Leser von Wikipedia dort nachfragen, einbrechen konnte.

Irgendwie stellt man sich unter einer Enzyklopädie etwas anderes als einen Todesanzeiger und ein Programmheft für Film- und Fernsehen vor…

Petition fordert Ende der Anonymität bei Wikipedia

Wer uns seit Jahren folgt, der weiß, dass wir uns vor einigen Jahren mit dem deutschen Versuch von Wikipedia beschäftigt haben, und zwar deshalb, weil unter dem Deckmantel der Online-Enzyklopädie eine Vielzahl von Ideologen ihr Unwesen treibt und versucht, die Einträge auf Wikipedia der eigenen Weltsicht anzupassen. Das führt soweit, dass lebende Personen diffamiert und denunziert werden, es führt dazu, dass Inhalte auf Wikipedia schlicht falsch sind, und es führt dazu, dass die deutschsprachige Wikipedia keine Online-Enzyklopädie ist, sondern eine Online-Möglichkeit der Verbreitung von ideologischem Unsinn aller Art.

In einem Offenen Brief, den Michael Klein und Arne Hoffmann gemeinsam an Jimmy Wales geschrieben haben, wurden vier Grundprobleme von Wikipedia identifiziert, die dazu geführt haben, dass Wikipedia zu einem Instrument in den Händen von Ideologen aller Art verkommen ist:

  • WischopediaDas Fehlen jeglicher Form von Kriterien, die das Auffinden von Information und das Schreiben von Artikeln strukturieren.
  • Die daraus resultierende Selektivität vieler, wenn nicht der meisten Artikel in Wikipedia.
  • Die feindliche Übernahme der Wikipedia durch Ideologen, die durch die zuvor beschriebenen Prozesse erleichtert wird.
  • Die negativen Anreize für bzw. das Abschrecken von fähigen, potentielle/n Autoren, die zur Wikipedia beitragen wollten, darauf aber aufgrund der ideologischen Infizierung der Wikipedia verzichten, sowie die Verschwendung von Humanressourcen und die Lähmung von Ressourcen in so genannten Editier-Schlachten.

Hinzu kommt ein Problem, das diese vier sich gegenseitig verstärkenden Probleme noch überschattet: Die Anonymität bei Wikipedia, die genutzt wird, um Nutzernamen als Tarnschild für Gruppen von Ideologen zu missbrauchen, die 24/7 darüber wachen, dass ihrer ideologischen Auslegung der Wirklichkeit keine Anpassung an dieselbe widerfährt, die Anonymität, die dazu führt, dass die Diskussionen über Beiträge auf Wikipedia unter den Wikipedianer in einer Rohheit und mit einer Aggression geführt wird, die kaum vermuten lässt, dass alle am selben Projekt arbeiten (wollen), und schließlich ist es die Anonymität von Pseudonymen wie Fiona B, Fiona Baines oder San Fran Famer, hinter der sich mehr oder weniger kleine Persönchen verstecken und ihr Mütchen dadurch kühlen können, dass sie die eigene Anonymität nutzen, um Personen, die mit ihrem Namen zu dem stehen, was sie sagen und tun, zu diffamieren und zu denunzieren.

Unsere entsprechenden Beiträge reichen in die Jahre 2012 und 2013 zurück. Der Offene Brief an Jimmy Wales stammt vom 29. Juli 2012.

Vor diesem Hintergrund freut es uns, dass wir auf eine aktuelle Petition aufmerksam gemacht wurden, die Daniel Hermsdorf gestartet hat, und deren Ziel es ist, mehr Transparenz auf Wikipedia herzustellen, und zwar dadurch, dass Texte auf Wikipedia nur noch von namentlich bekannten Personen editiert werden dürfen.

Damit greift Daniel Hermsdorf eine Forderung auf, die wir schon vor Jahren gestellt haben, und er begründet sie u.a. damit, dass die derzeitige Möglichkeit, anonym zu editieren, ein „Einfallstor für intransparente, undemokratische und manipulative Einwirkungen auf das Online-Lexikon“ ist. Um die „Möglichkeit einer Manipulation von Inhalten“ auf Wikipedia zu reduzieren, fordert Hermsdorft die „Aufhebung der Anonymität“.

Wikipedia Anonymitaet PetitionEine Forderung, der wir uns nur anschließen können, schon weil nicht erkennbar ist, welche Gründe diejenigen, die an einer öffentlichen Online-Enzyklopädie mitarbeiten, daran hindern sollten, ihre Identität bekannt zu machen. Die einzigen Gründe, die auf Anhieb einfallen, sind dieselben Gründe, die Mitarbeiter der Stasi gehindert haben, sich denen, die sie ausspioniert haben, zu erkennen zu geben, oder es sind Befürchtungen wie die, dass es nicht so gut angesehen ist, wenn herauskommt, dass z.B. von den politischen Vereinen der Parteien oder vom BMFSFJ finanzierte Organisationen ihre Ressourcen aus den Geldbörsen der Steuerzahler einsetzen, um eine kleine Armee von Agitateuren zu unterhalten, die auf Wikipedia dafür sorgen, dass Beiträge zu den Themen, die den entsprechenden Organisationen am Herzen liegen, auch in der politisch richtigen Ideologie abgefasst sind.

Alle, die reell und mit lauteren Motiven an Wikipedia mitarbeiten wollen, können eigentlich keinen Grund dafür haben, anonym bleiben zu wollen.

Die Petition von Damiel Hermsdort dümpelt derzeit bei rund 405 Unterzeichnern, was angesichts der angeführten Argumente unverständlich ist und unbedingt geändert werden muss.

Wir rufen deshalb unsere Leser auf, die Petition von Daniel Hermsdorf zu unterstützen.

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Wikipedia zum Gender Pay Gap: Ahnungslosigkeit trifft Ignoranz

Was fürchten Sozialwissenschaftler? de.Wikipedia. Warum fürchten Sozialwissenschaftler de.Wikipedia? Weil dort zuweilen ein Unsinn steht, der an Halbwissen und an assoziativ imaginierten Kenntnissen kaum zu überbieten ist. Nicht zuletzt deshalb reagieren die meisten Sozialwissenschaftler, die das „Wissenschaftler“ und nicht das „Sozial“ betonen, sehr gereizt darauf, wenn ihre Studenten de.Wikipedia zitieren, und nicht zuletzt deshalb steht in den meisten Merkblättern unterschiedlichster Hochschulen zur Art und Weise, in der eine studentische Seminar-, Bachelor- oder Magisterarbeit erstellt werden soll, in Variation immer derselbe Satz: Wikipedia ist keine wissenschaftliche Quelle!

WischopediaUnd wer für die Berechtigung der Warnung vor Wikipedia eine Begründung braucht, ein Anschauungsbeispiel, der sollte sich ansehen, was die deutsche Ausgabe der Online-Enzyklopädie, die mit einer richtigen Enzyklopädie vor allem im Bereich der Sozialwissenschaften so viel zu tun hat, wie ein Kaufladen für Kinder mit der Auslage von Edeka, zum Thema Gender Pay Gap zu sagen weiß.

Das Gender Pay Gap oder besser: das Gender Wage Gap, dazu gleich mehr, ist bekanntlich der prozentuale Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn aller männlichen und aller weiblichen Erwerbstätigen. Anders formuliert: Man wirft alle Bruttostundenlöhne der Männer in einen Topf, und zwar ohne Rücksicht auf die unterschiedliche Art und Weise, in der der jeweilige Bruttostundenlohn zu Stande kommt, tut dasselbe für die Bruttostundenlöhne der Frauen und dividiert die sich jeweils ergebende Summe durch die jeweilige Anzahl der Erwerbstätigen. Die resultierenden Werte kann man dann voneinander abziehen, um die nominale Differenz zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenlöhnen zu erhalten, und man kann die Differenz auf den durschnittlichen Bruttostundenlohn der Männer prozentuieren, um den bekannten Prozentwert, der durch die Medien als unbereinigtes Gender Pay Gap geistert, zu erhalten.

Die Ausagekraft des unbereinigten Gender Pay Gaps ist gleich null, denn man vergleicht Äpfel mit Birnen, Vollzeiterwerbstätige mit Halbtagserwerbstätigen, Hochgebildete mit Niedriggebildeten und so weiter. Wer entsprechend das unbereinigte Gender Pay Gap, also die öminösen 22% für Deutschland, zitiert, der hat sich schon als Dilettant, der keine Ahnung hat, disqualifiziert. Um überhaupt etwas über ein Gender Wage Gap aussagen zu können, muss man seine Theoriengeschichte kennen und berücksichtigen, und hier beginnt die Geschichte der Ahnungslosigkeit und der Ignoranz, die sich zu einem Unsinnsartikel zum Gender Pay Gap bei Wikipedia verschworen haben.

rubbish„Die in der Analyse des Gender Wage Gap vorrangig zur Anwendung kommenden Verfahren sind die Regressionsanalyse und die Oaxaca-Blinder Zerlegung.

Bei der multiplen linearen Regressionsanalyse wird die geschlechtliche Zugehörigkeit als eine Variable unter vielen in die Analyse einbezogen und so der Beitrag einzelner Faktorengruppen zur Erklärung der Lohndifferenz untersucht.

Bei der (nach Ronald Oaxaca und Alan Blinder benannten) Oaxaca-Blinder Komponenten-Zerlegung werden empirische Untersuchungen zur Frage, welcher Anteil des Gender Wage Gap auf Diskriminierung zurückzuführen ist, vorrangig mit Hilfe dieses Verfahrens durchgeführt. Dieses Modell beruht auf der Annahme, dass sich der Entgeltunterschied additiv aus zwei Komponenten zusammensetze, von denen eine ausschließlich auf Unterschieden in bestimmten „erklärenden“ Variablen wie etwa Qualifikation und Branche (dem sogenannten Ausstattungseffekt) beruhe, die zweite hingegen ausschließlich auf einer unterschiedlichen Behandlung von Beschäftigtengruppen mit ansonsten gleichen Eigenschaften (den sogenannten Gruppeneffekt).“

Um sich zum Gender Wage Gap sinnvoll äußern zu können, muss man zunächst einmal wissen, was das Gender Wage Gap eigentlich ist. Wir haben hier die Bezeichnung Gender Wage Gap benutzt, weil es eine gute Möglichkeit darstellt, die Scharlatane unter den Gapern von den Ernsthaften zu unterscheiden. Und wenn wir bei den Ernsthaften, den Wage-Gapern, bleiben, dann müssen wir feststellen, dass zunächst ein paar theoretische Annahmen notwendig sind, um überhaupt zum Gender Wage Gap zu kommen und die theoretischen Annahmen entstammen der Humankapitaltheorie von Gary S. Becker. Das ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet Feministen und andere Sozialisten, die nicht müde werden, das in ihrem Fall: Gender Pay Gap zu beschwören, auf der Humankapitaltheorie aufsetzen, denn ohne Beckers Arbeiten hätten sie nie von einem Gap erfahren, was man im Nachhinein als unglückliche Fügung der Geschichte ansehen muss.

Wie dem auch sei, Becker ist Neoklassischer Ökonom, d.h. er geht davon aus, dass man Fakten zu Darstellungszwecken vollständig im ökonomischen Modell erklären kann. Nehmen wir den Fakt der Höhe des Lohnes von Person X, dann kann dieses Gehalt nach Ansicht von Becker vollständig durch das Humankapital und die Produktivität von X erklärt werden. Person X investiert in Humankapital und kann seiner Investition entsprechend Humankapital an einen Arbeitgeber verkaufen, der wiederum das Humankapital in Produktivität umrechnet und entsprechend entlohnt, wobei mehr Humankapital mit mehr Produktivität und entsprechend höhererm Lohn einhergeht.

Diese Idee hat Jakob Mincer (1974) zu seiner berühmten Mincergleichung inspiriert, in der versucht wird, Humankapital, das man nicht direkt messen kann, in messbare Bestandteile zu zerlegen. Wenn man davon ausgeht, dass zwischen Humankapital und Gehalt eine je desto Beziehung besteht, je höher das Humankapital, desto höher das Gehalt, dann legt diese Annahme eine lineare Beziehung zwischen Humankapital und Gehalt nahe, und die einfachste Form eine solche Beziehung darzustellen, ist die Regressionsgleichung:

Gender Wage Gap

Im Fall der Mincergleichung wird das (logarithmierte – logarithmiert, um Ausreißerwerte einzuebnen) Gehalt als Funktion formaler Bildung (x1) und Arbeitserfahrung (x2) angenommen. Die Betas (ß) geben an, wie stark sich formale Bildung oder Arbeitserfahrung auf den Lohn auswirkt und z gibt an, wie groß der Anteil des Gehalts ist, der nicht über Arbeitserfahrung und formale Bildung erklärt werden kann. Entsprechend kann man auf Grundlage der Mincer-Gleichung erwarten, dass ein älterer Arbeitnehmer für eine vergleichbare Tätigkeit besser entlohnt wird, als ein jüngerer Arbeitnehmer, eben weil er über mehr Arbeitserfahrung verfügt und für ihn die Wahrscheinlichkeit, dass er Fehler macht, geringer ist als für einen jüngeren Arbeitnehmer. Dieses Alters-Gap hat bislang keinen medialen Aufruhr verursacht, im Gegensatz zum Gender-Gap, denn hier sind andere Interessen im Spiel.

Man kann die Mincergleichung nach Geschlecht zerlegen (siehe Abbildung), wobei das S hier angibt, dass mehrere persönliche Charakteristika (also Arbeitserfahrung und formale Bildung) in die Berechnung eingegangen sind. Diese Gleichung ist die Grundlage der Dekomposition, die Oaxaca vorgeschlagen hat. Oaxacas Vorschlag zerlegt die Regressionsgleichung in einen erklärten Teil, der sich in der Abbildung außerhalb der eckigen Klammern findet und einen unerklärten Teil (innerhalb der eckigen Klammern). Wer sich ein wenig mit den Gleichungen befasst, sieht, dass der ganze Zauber der Dekomposition darin besteht, für alle Charakteristika die Effektstärken (ß) für die Berechnung der Gehälter von Männern von denen der Berechnung von Frauen zu subtrahieren. Zudem subtrahiert Oaxaca die Konstanten (a) voneinander, was interessant ist, da „a“ den y-Achsenabschnitt angibt, an dem die Regressionsgerade die y-Achse schneidet. Den y-Achsenabschnitt kann man als eigenschaftsfreies Anfangsgehalt interpretieren, was zu dem Schluss führt, dass Oaxaca implizit anzunehmen scheint, dass ein unterschiedliches Anfangsgehalt bei Kontrolle der Charakteristika auf Diskriminierung zurückzuführen ist.

Wie man den Ausführungen entnehmen kann, basiert das Gender Wage Gap in seiner dekompostierten zerlegten Form auf einer linearen Regression und somit auf den idealen Annahmen, die bereits Becker in seinem Modell hat, d.h. dass es möglich ist, das Gehalt, das ein Mensch für seine Arbeit erhält, vollständig als Funktion seines Humankapitals, also seiner Bildung und seiner Arbeitserfahrung in Mincers Operationalisierung zu erklären. Die ideale Modellwelt und vor allem die Fähigkeit, sie empirisch zu finden, hängt nun davon ab, nach Möglichkeit alle relevanten Charakteristika zu erfassen, die Humankapital, d.h. Arbeitserfahrung und Bildung abbilden und Gehalt erklären. Und hier trennen sich die Pfade der Wisseschaftler:

linear regressionOaxaca (1973) nimmt an, dass Humankapital durch die folgenden Variablen abgebildet wird: Bildungsstand, Arbeitserfahrung, Beruf, Wirtschaftszweig, Gesundheitsprobleme, Teilzeitarbeit, Familienstand, Region, städtisches Wohngebiet. Blinder (1973), der unabhängig von Oaxaca zu einer ähnlichen Methode der Dekomposition gekommen ist, denkt, dass die folgenden Variablen zur Operationalisierung von Humankapital taugen: Alter, Region, Bildungsstand, Ausbildungsstand, Beruf, Gewerkschaftsmitgliedschaft, Gesundheit, lokaler Arbeitsmarkt, Mobilität, Verbleib auf dem derzeitigen Arbeitsplatz (Blinder, 1973). Die erheblichen Unterschiede in den Variablen, die man in die Analyse steckt, haben entsprechende Unterschiede in den Ergebnissen zur Folge.

Das ist misslich, denn die Validität der Idee von Oaxaca und von Blinder, die Unterschiede der linearen Erklärung des Gehalts von Frauen bzw. von Männern als Diskriminierung zu interpretieren, hängt natürlich massiv davon ab, wie vollständig die Variablen erfasst sind, die Humankapital und damit Produktivität und über Produktivität Gehalt erklären. Deshalb sind sich Ökonomen, die ernsthaft mit der Erklärung von Gehaltsunterschieden befasst sind, der Relativität der Erklärung bewusst und zudem zurückhaltend, ihr Ergebnis als Diskriminierung zu interpretieren. Dass die Höhe des Gender Wage Gaps von den Variablen, die im Modell berücksichtigt wurden, abhängig ist, hat Oaxaca selbst thematisiert:

„It is clear that the magnitude of the estimated effects of discrimination crucially depends upon the choice of control variables for the wage regression. A researcher’s choice of control variables implicitly reveals his … attitudes towards what constitutes discrimination in the labour market”(Oaxaca, 1973: 699).

Das ist eine sehr nette Umschreibung dafür, dass die von Oaxaca erdachte Methode für ideologischen Missbrauch sehr anfällig ist, denn die „attitude towards discrimination“ kann den einen vermeintlichen Forscher davon abhalten, eine Variable zu berücksichtigen, die ein anderer Forscher berücksichtigt hat. Wie dem auch sei: Die Werte, die am Ende der Dekomposition stehen, können nicht als nominale Werte interpretiert werden und schon gar nicht eignen sie sich, um Mythen über das Ausmaß des Gender Wage Gaps zu spinnen – es sei denn, man will die Gender Wage Forschung als Gender Pay Mythos für seine Zwecke missbrauchen.

Das bringt uns zurück zum Beitrag auf Wikipedia.

Wie die oben zitierte Passage aus Wikipedia vor dem Hintergrund der zugegebener Maßen ausführlichen Darstellung zeigt, sind die Autoren des Wikipedia Artikels weitgehend mit Ignoranz und Ahnungslosigkeit geschlagen.

Sie sind der Meinung, die Oaxaca Komponenten Zerlegung müsse von einer multiplen Regression unterschieden werden, obwohl die Methode von Oaxaca gerade auf den Ergebnissen einer multiplen Regression aufbaut.

Sowohl die Methode von Blinder als auch die Methode von Oaxaca beruhen, wie das Zitat von Oaxaca deutlich macht, nicht auf der simplen Zerlegung in erklärten Gehaltsunterschied und Diskriminierung, sondern auf einer Vielzahl von Annahmen, von denen die Annahme, es sei möglich, die Variablen, die einen Einfluss auf Humankapital und Produktivität haben, im Modell alle zu berücksichtigen, mitnichten die einfachste ist.

Darüber hinaus werden nicht Entgeltunterschiede „erklärt“, es wird Entgelt erklärt und in der Dekomposition werden die Effektstärken der jeweiligen Erklärung für Männer und Frauen voneinander substrahiert.

Die Ahnungslosigkeit darüber, was bei der Analyse des Gender Wage Gaps eigentlich geschieht, schlägt sich in einer Vielzahl von Fehlern im Beitrag zum Gender Pay Gap nieder, von denen hier nur einige angsprochen werden sollen:

  • nonsense2de.Wikipedia: „Die Arbeitsmarktsegregation, d.h. Frauen und Männer arbeiten tendenziell in verschiedenen Wirtschaftssektoren oder Branchen, und die Unterbewertung der Arbeit von Frauen werden von der Europäischen Kommission als wichtige Gründe für den Gender Pay Gap angegeben. Untersuchungen zeigen, dass Berufe, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, im Durchschnitt schlechter bezahlt sind als von Männern dominierte Berufe.“
  • Tatsächlich: Die Berechnung des Gender Wage Gaps basiert auf dem theoretischen Gerüst der Humankapitaltheorie. Was hier auf Wikipedia wie eine Diskriminierung durch Strukturen, das Patriarchat oder einen sonstigen Bösewicht daherkommt, ist in der Humankapitaltheorie das Ergebnis individueller Entscheidungen: Weil die meisten Frauen damit rechnen, ihre berufliche Karriere an irgend einem Punkt zu unterbrechen, um der Pflege des Nachwuchses willen, investieren sie nicht im gleichen Ausmaß in ihre Karriere wie Männer. Sie wählen Berufe, für die allgemeines Humankapital, das leicht transferierbar ist, ausreicht und meiden Berufe, in denen spezielles Humankapital, das mit Arbeitserfahrung und Commitment erreicht wird, benötigt wird. Spezielles Humankapital ist für Unternehmen wertvoller als allgemeines Humankapital, da man einen BA für soziale Arbeit leicht mit einem anderen BA für soziale Arbeit ersetzen kann, es jedoch mit hohen Kosten verbunden ist, den Spezialisten im Unternehmen, der die Programmierung von CNC-Geräten beherrscht, zu ersetzen. Entsprechend wird spezielles Humankapital besser bezahlt als allgemeines Humankapital. Das ist nicht verwerflich und schon gar keine Diskriminierung, ergibt sich vielmehr daraus, dass spezifisches Humankapital einfach wertvoller ist. Spezifisches Humankapital findet sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Investitionsentscheidungen öfter bei Männern als bei Frauen.
  • de.Wikipedia: „Die unterschiedliche Bildungs- und Berufswahl von Frauen und Männern wird durch geschlechtsspezifische Stereotypen beeinflusst.“
  • In Deutsch: Frauen treffen Lebensentscheidungen, die manchen Autoren bei de.Wikipedia nicht passen. Mit Diskriminierung hat das überhaupt nichts zu tun, und die Stereotypisierung, so sie vorhanden ist, mag man beklagen, aber man wird akzeptieren müssen, dass manche Frauen, wie Catherine Hakim (2000) gezeigt hat, rund 20% der weiblichen Bevölkerung, es vorziehen, in Familie und nicht in Karriere zu investieren.
  • de.Wikipedia: „Der Einfluss des privaten Engagements für die Familie auf Leistung einerseits und auf berufliche Karriere und Einkommen andererseits ist Gegenstand zahlreicher Studien. Die Europäische Kommission führt als einen der wichtigsten Gründe für den Gender Wage Gap die ungleiche Verteilung der Aufgaben in der Familie und Pflege, die weitgehend von Frauen getragen werden, an. […] US-Forscher bezeichnen die durchschnittlichen, mit Kindern verbundenen Einkommensverluste als „Mutterschaftsstrafe“ („motherhood penalty“). Diese Einkommenverluste sind auch nach der statistischen Kontrolle anderer relevanter Faktoren wie z. B. Bildung, Erfahrung, Voll- oder Teilzeitarbeit und Ethnizität vorhanden“
  • Wenn die Europäische Kommission auf den Einfluss „des privaten Engagements“ für Kinder hinweist und US Forscher auf einen Einkommensverlust von Müttern, wenn sie denn wieder arbeiten, hinweisen, dann muss festgestellt werden, dass niemand gezwungen wird, Kinder in die Welt zu setzen. Wenn eine Entscheidung zur Mutterschaft getroffen wird, dann geht damit ein Verlust von Humankapital einher (U.a. Wikipedia gebührt das Verdienst darauf hingewiesen zu haben und Frauen darin zu ermutigen, nicht in spezielles Humankapital zu investieren), denn die Zeit außerhalb des Arbeitsmarktes ist eine Zeit, in der man sein Humankapital nicht erhöhen kann, insbesondere nicht das spezifische Humankapital, das Gehaltsvorteile verschafft und in das Mütter ohnehin nicht investieren. D.h. die arbeistlose Zeit, in der sich Mütter um den Nachwuchs kümmern, ist eine Zeit, in der sie relativ zurückfallen, denn ihr ohnehin nur allgemeines Humankapital verliert weiter an Wert, da Männer, die in der Zeit, in der Frauen Mutter sind, arbeiten, ihren Abstand zu den Müttern mit Blick auf das Gehalt vergrößern. Auch das hat nichts mit Diskriminierung zu tun, sondern damit, dass man nicht alles gleichzeitig machen kann und entsprechend zu den Entscheidungen und den Konsequenzen, die damit einhergehen, stehen muss.

Nonsense on stiltsDer Beitrag zum Gender Pay Gap auf de.Wikipedia zeichnet sich also durch ein munteres Durcheinander aus, das mit einer Darstellung der Diskussion zum Gender Pay Gap nichts zu tun hat und nicht einmal dann, wenn man verquere Ansätze wie den Devaluations-Ansatz oder die feministische Geschlechtsrollentheorie berücksichtigt, die von nicht-Ökonomen ersonnen wurden, um eine ökonomische Variable zu erklären, dem Stand der Forschung enstprechen. Der Beitrag vermittelt vielmehr den Eindruck von nicht-Können, von Ahnungslosigkeit gepaart mit Ignoranz, ein Eindruck, der durch das zwanghafte zitierten von OECD, Europäischer Kommission und sonstiger offizieller Quellen, von denen man nicht gerade objektive und schon gar keine korrekten Darstellungen zu ideologischen Themen erwarten kann, noch verstärkt wird.

Das Bild des ideologischen Durcheinanders, das nicht nur der ökonomischen, sondern auch der soziologischen Forschung zum Thema Gender Wage Gap Gewalt antut, wird dadurch abgerundet, dass sich unter den Bearbeitern bezahlte Aktivisten wie Fiona B. (aka Fiona Baine, aka Fiona) finden, die ihre nicht vorhandenen Kenntnisse von Fakten (wir wissen ja seit einer in Mannheim preisgekrönten Publikation, dass Frauen genetisch an der Kenntnis von Fakten ge-, be- oder verhindert sind) durch ideologische Agitation auszugleichen versuchen. Was dabei herauskommt, ist ein Unsinn, der den Schluss nahe legt, dass das Projekt Wikipedia zumindest in Deutschland gescheitert ist.

Schließlich geht es um Aggregate, wenn von Männern und Frauen die Rede ist. Aggregate haben in der Regel die Angewohnheit sich innerhalb der Gruppen, die verglichen werden, stärker zu unterscheiden als zwischen den Gruppen. Mit anderen Worten: Der Gehalts-Gap zwischen einer Mausschubserin, die tagelang verzweifelt versucht, von einer Maske in die nächste zu kommen und der Putzfrau, die in der Zwischenzeit das Büro der Mausschubserin erkennbar reinigt, ist vermutilch höher als das Gap zwischen Männern und Frauen, nur thematisiert es niemand, weil Putzfrauen nicht einmal unter Staatsfeministen eine Lobby haben, die kennen nämlich nur sich und ihre eigenen Vorteile.

Literatur

Becker, Gary S. (1996). The Economics of Life. From Baseball to Affirmative Action, to Immigration. How Real-World Issues Affect our Everyday Life. New York: McGraw-Hill.

Becker, Gary S. (1976). The Economic Approach to Human Behavior. Chicago: University of Chicago Press.

Blinder, Alan S. (1973). Wage Discrimination: Reduced Form and Structural Estimates. Journal of Human Resources 8(4): 436-455.

Hakim, Catherine (2000). Work-Lifestyle Choices in the 21st Century. Oxford: Oxford University Press.

Mincer, Jacob (1974). Schooling, Experiences and Earnings. Cambridge: National Bureau of Economic Research.

Oaxaca, Ronald L. (1973). Male-female Wage Differentials in Urban Labour Markets. International Economic Review 14(3): 693-709.

Wikipedia beschwört Diversity und meint ideologische Gleichschaltung

Die Wikipedia soll mehr als eine reine Online-Enzyklopädie sein. Die Wikipedia soll, geht es nach dem Willen der Wikipedianer zum Weltkulturerbe ernannt zu werden.  Und wie es sich für einen Aspiranten zum Titel des Weltkulturerbes gehört, so streben die Wikipedianer in Deutschland danach, zum Weltkulturerbe-Musterkind zu werden.

Wikimedia-diversityUnter dem Stichwort „Wikipedia Diversity“ müht sich die Wikipedia derzeit, vermeintliche Lücken in ihrem editorial team, also unter denen, die sich freiwilig in Wikipedia engagieren, zu schließen, Lücken, die, wie es in einem Bericht von der Beuth Hochschule für Technik in Berlin heißt, der wiederum, wenig divers von Ilona Buchem erstellt wurde, zu minderer Qualität des auf Wikipedia veröffentlichten Materials führen sollen. Welche Lücken? Gender-Lücken natürlich. Der Bericht der Beuth Hochschule für Technik ist übrigens Teil einer Kollaboration zwischen der Hochschule Beuth und Wikimedia Deutschland, der 80.000 Euro aus Spendengeldern für Wikipedia geopfert werden (In Worten: ACHTZIG TAUSEND Euro, siehe Abbildung).

Unter der Überschrift der Gender-Diversity stellt Buchem einige mehr oder weniger abstruse Behauptungen auf, warum der geringe Frauenanteil unter denen, die die Wikipedia gestalten, ernsthafte Konsequenzen haben, sich negativ auf die Qualität der Wikipedia auswirken soll, u.a.: Männer erstellten „umfangreichere und detailliertere Ausarbeitungen von Themen“ (12) als Frauen, Themen „wie Kunst, Philosophie und Religion, die von Frauen präferiert editiert“ (12) würden, blieben häufig unterrepräsentiert.

Die Wortwahl von Buchem macht dabei deutlich, dass alle vermeintlich negativen Folgen der Unterrepräsentation von Frauen unter den freiwilligen Wikipedianern vermutete Folgen sind. Wenn man die Ideologie der Genderisten teilt, nach der alles besser wird, wenn möglichst viele Frauen an etwas arbeiten, dann mag einem dies wie eine sinnvolle Annahme vorkommen. Wenn man jedoch mit Rationalität beschlagen ist, dann fragt man sich, welche Qualität, die für die Erstellung eines fachlich einwandfreien und kompetenten Textes notwendig ist, Frauen eher besitzen als Männer oder welche Exzellenz vom Geschlechterproporz abhängig ist. Anders formuliert, man fragt sich, ob Intelligenz nach Geschlecht selegiert und auch wenn man, nach Lektüre von Diversitäts-Literatur dazu neigen könnte, dem zuzustimmen, gibt es doch keinerlei Indizien, die auf eine entsprechende schiefe Verteilung von Intelligenz zwischen den Geschlechtern hinweisen würden.

Und so ist es kein Wunder, wenn Buchem in ihrem Beitrag die negativen Konsequenzen, die der geringe Frauenanteil bei den freiwilligen Editierern der Wikipedia angeblich haben soll, als gegeben voraussetzt, also nicht belegt und sich statt dessen den vermeintlichen Gründen zuwendet, aus denen sich Frauen nicht für Wikipedia engagieren: Wikipediabeiträge würden zumeist nachts geschrieben, und Frauen hätten auch nachts mehr familiäre Pflichten zu erledigen als Männer, die entsprechend Zeit hätten, in Wikipedia zu editieren, so schreibt sie (13). Darüber hinaus sei das Wikipedia-Klima einer Frauenbeteiligung nicht förderlich, der Umgang nicht sozial genug für Frauen, die Technik, die beherrscht werden müsse, um an Wikipedia mitarbeiten zu können, nicht frauenfreundlich genug und die Unterstützung für Frauen lasse auch zu wünschen übrig. Das alles soll sich irgendwie auf die Qualität der Beiträge auf Wikipedia auswirken.

Patriarchat_coverDie Qualität der Beiträge auf Wikipedia war bereits in der Vergangenheit Thema auf ScienceFiles. Stammleser von ScienceFiles werden sich noch daran erinnern, dass Dr. habil. Heike Diefenbach eingeladen wurde, um einen Beitrag über das Patriarchat für Wikipedia zu schreiben. Eigentlich wären mit diesem Beitrag alle Kriterien erfüllt, die die Wikipedianer heute unter der Überschrift „Diversity“ beschwören. Eigentlich, so sollte man denken, müssten die Wikipedianer den Beitrag eines weiblichen Wissenschaftlers, der allen Kriterien der Wissenschaftlichkeit entspricht, mit offenen Armen begrüßen, nicht nur, weil Diversität hergestellt ist, sondern auch weil die nachgewiesene fachliche Kompetenz von Dr. habil. Heike Diefenbach, die ihren Niederschlag in einer Vielzahl von Publikationen gefunden hat, den Status des Weltkulturerbe-Aspiranten erhöht hätte.

Doch manche Wikipedianer haben sich überhaupt nicht gefreut. Sie haben die Diversität, die Kompetenz und den Statusgewinn verschmäht. Der Text über das Patriarchat, den Dr. habil. Heike Diefenbach geschrieben hat, war wissenschaftlich, nicht ideologisch und hat dem staatsfeministischen Verständnis, das bei manchen Wikipedianern herrscht, Fakten entgegen gesetzt, und eines wollen Ideologen nicht, mit Fakten konfrontiert werden.

Ideologen verschanzen sich lieber in Wortgebäuden vorgeschützter guter Absicht, Wortgebäuden, die der „Förderung“ der Diversität gewidmet sind und auf der Prämisse der hilflosen Frau basieren, die bei Wikipedia alleingelassen, in ihrer technischen Illiteralität versinkt und keine Möglichkeit hat, auf die Dienste einer Online-Hilfsgruppe zurückzugreifen, um die eigenen Mängel zu bewältigen. In dieses Bild vom formbaren Dummchen, an dem sich hervorragend verdienen lässt, passt die scharf analysierende, kompetente Wissenschaftlerin nicht, sie passt schon dehalb nicht, weil sie keiner Mentoring- und Mediationskonzepte, keiner Lernangebote und Informationsmaterialien bedarf, und mit letzteren wollen die Wikipedianer doch ihren DIversitäts-Anspruch zementieren (und Spenden dafür zweckentfremden). 

beuth_logoGender-Diversität hat demnach und im Gegensatz zu dem, was Ilona Buchem von der Hochschule Beuth schreibt, keine fachliche, keine inhaltliche und keine qualitative Komponente, sondern eine Feigenblattfunktion. Gender-Diversity ist Teil einer ideologischen Landschaft voller psychologischer und materieller Selbstbereicherer. Wer sich in ihr bewegt, findet Gender-Diversity so lange gut, bis ein Gender-Diverser einen Text liefert, der nicht in die ideologische Landschaft passt, der die Gefahr mit sich bringt, Einnahmequellen, die sich auf dem Zerrbild der benachteiligten Frauen errichten lassen, zu beseitigen. Anders formuliert: Wer Gender- Diversity in seinen Hallen einführt, bei dem kann man sicher sein, wessen Geistes Kind er ist. Er ist mit Sicherheit nicht an fachlich kompetenten, qualitativ hochwertigen und entsprechend kritischen Texten interessiert, sondern an ideologischem Gleichklang, am Gegenteil dessen, was mit Diversität angeblich angestrebt wird.

Deshalb wird das Bild der hilflosen Frau bei Wikipedia verbreitet. Deshalb werden ernsthafte Frauen, werden weibliche Wissenschaftler wie Dr. habil Heike Diefenbach von Wikipedia ferngehalten. Denn: Sie stören die schöne ideologische Eintracht und das gegenseitige sich.Spenden-zu-Schustern. Sie fallen durch fachlich kompetente Beiträge auf, die mit dem Selbstverständnis von Wikipedia als Sprachrohr des Staatsfeminismus nicht konform gehen und statt dessen ideen vertetren, die z.B. Feminismus als emanzipative Bewegung sehen und nicht als Ideologie, deren Ziel darin besteht, Frauen auf Fertilität und Staatsnützlichkeit festzulegen und als minderbemittelt zu brandmarken. Frauen sind für diese Wissenschaftler Menschen eigener Individualität und eben nicht Mittel zum freien Missbrauch im Rahmen von „Gender-Diversity“-Selbstbereicherung.

Wikipedia SpendenaffaereUnd so verrät sich die Gender-Diversity-Gemeinde als das, was sie ist, ein Zusammenschluss ideologischer Kumpane, die aus finanziellem Eigennutz daran arbeiten, ein bestimmtes Weltbild zu verbreiten, ein kollektivistisches Weltbild, in dem kein Platz für Individualität ist. Dass dem so ist, sieht man schon daran, dass sie Frauen als Gruppe fördern wollen und individuellen Frauen, die mit Kompetenz und Fähigkeit beschlagen sind, ablehnend gegenüber stehen. Anders formuliert: Gender-Diversity ist nur ein Fetisch in der Welt der Ideologen, der spätestens dann fallengelassen wird, wenn diese Ideologen mit real existierenden Frauen, die sich nicht als hilfsbedürfig, sondern als kompetent erweisen, konfrontiert sind, denn es bedarf der Behauptung einer Hilflosigkeit von Frauen, um Spendengelder zweckentfremden zu können.

Mit 80.000 Euro finanziert Wikimedia Deutschland die Wikepedia-Diversity, die auf der behaupteten Hilflosigkeit von Frauen basiert, 80.000 Euro, die von Spendern aufgebracht wurden, von denen kaum einer an diese Verwendung gedacht haben dürfte, die seinen Spenden nun zuteil wird. Wer vor diesem Hintergrund noch für Wikipedia spendet, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

P.S.

Übrigens ist die Beuth Hochschule für Technik, an der Ilona Buchem lehrt, ein Musterschüler des Professorinnenprogramms II (Beitrag dazu folgt), mit dem Männer von Ausschreibungen an Universitäten ferngehalten werden sollen. Manchmal fügen sich die Dinge von ganz allein.

Wikipedia und Moral

Über die letzten Tage  haben sich erfreulicherweise wieder eine Reihe von Unterstützern für den Offenen Brief, den Arne Hoffmann und ich nun schon vor einiger Zeit an Jimmy Wales geschrieben haben, gemeldet. Die Wikipedia-Debatte, die wir wohl ausgelöst haben, ist offensichtlich nicht mehr zu unterdrücken, sie kommt aus den unterschiedlichsten Richtungen und die verschiedensten Organisationen sind zwischenzeitlich darauf aufmerksam geworden, dass bei Wikipedia Ideologen unter dem Deckmantel der Anonymität versuchen, ihre ideologische Sicht der Dinge zu verbreiten und lebende Personen zu diffamieren. Das: die Diffamierung lebender Personen auf den Seiten und in den Beiträgen von Wikipedia Deutschland, und die in niedriger Absicht getätigten Versuche, Organisationen, die man als politischen Feind ausgemacht hat, zu diskreditieren war der Anlass für den Offenen Brief an Jimmy Wales. Es war der Anlass für Beiträge, die zwischenzeitlich in Focus, Handelsblatt, eigentümlich frei und auf der Achse des Guten. Und es ist der Anlass für eine ganze Reihe von Personen, unseren Offenen Brief an Jimmy Wales zu unterstützen. So hat Gabi Auth, deren Unterstützungsemail mich gerade erreicht hat, ihre Unterstützung wie folgt begründet:

„Ich unterstütze den offenen Brief an Jimmy Wales. Ich habe selbst einige Zeit dort geschrieben und Texte geprüft und mich aus den im Brief genannten Gründen von Wikipedia zurückgezogen. Leider bin ich seitdem mehr als skeptisch, was den Informationsgehalt der Enzyklopädie angeht.“

Nun müsste man eigentlich denken, dass eine immer größere Zahl von Personen, die sich darüber beklagt, dass in Wikipedia Deutschland diffamiert und diskreditiert wird, führe dazu, dass sich die Wikipedianer an die menschliche Qualität erinnern, von der alle großen Philosophen ausgegangen sind, dass Menschen sie haben: Moral, Moral in Form von Empathie für andere. Die Anwendung der entsprechenden Empathie wäre denkbar einfach und bestünde, legte man Kants Imperativ zu Grunde, darin, sich zu fragen, wie man selbst es wohl finden würde, wenn man in der Wikipedia diffamiert würde. Nun, ich sehe zwar ein, dass dieser Gedanke für anonyme Autoren schwierig ist und von ihnen nicht nur verlangt, die Position eines anderen einzunehmen, sich vorzustellen, wie sich etwas für diesen anderen darstellt, die Fähigkeit des „looking glass self“ zu benutzen, wie George Herbert Mead das genannt hat, sondern auch verlangt, dass sie über ihren Schatten springen und die Feigheit, die sie zum anonymen Diffamieren veranlasst, überwinden, aber ich hätte dennoch erwartet, dass der ein oder andere der aktiven Ideologen zumindest kurz innehält mit seinem ideologischen Aktivismus.

Diese Erwartung stützt sich auf die Ansicht, die viele Philosophen in ihren Werken vertreten haben: Kant hat in der Vernunft die Voraussetzung von Moral gesehen und Vernunft und zwangsläufig dann auch Moral als die Eigenschaften betrachtet, die Menschen erst zu Menschen machen. Thomas Hobbes hat seinen Rechtspositivismus gar auf der Überlegung aufgebaut, dass nur Vernunft Moral hervorbringen kann, dass Moral sich aus der Einsicht ergibt, dass wer austeilt, gewöhnlich mit Gegenwehr zu rechnen hat und dass daraus entstehende Streitereien ineffizient sind und die menschliche Entwicklung behindern. Die Idee der menschlichen Entwicklkung schließlich war für Adam Smith das A und O, die Grundlage der Entwicklung für ihn die „Sympathy“, also die Fähigkeit, sich in den Kopf des Gegenüber zu versetzen, eine moralische Verbindung zu dem Gegenüber, dem Handelspartner im Werk von Smith, aufzubauen.

Das ist kein Spendenaufruf für Wikipedia!

Diese Grundlagen des Menschseins, wie sie von Philosophen über Jahrtausende verteilt beschrieben und gelegt wurden, scheinen bei ideologischen Wikipedianern außer Kraft gesetzt zu sein. Diese Ideologen scheinen aus dem Projekt „Mensch“ ausgeschieden zu sein und keinerlei Idee davon zu haben, dass ihre Diffamierungen menschlichen Schaden anrichten, und zwar bei denen, die als Zielscheibe missbraucht werden. In allen Diskussionen unter Wikipedianern, in allen Äußerungen, die ich verfolgt habe, ob im Wikipedia-Kurier oder auf den verschiedensten Diskussionsseiten ist mir nie ein Beitrag aufgefallen, in dem der jeweilige Wikipedianer sich gefragt hätte, wie es sich für die Opfer der Wikipedia-Kampagnen wohl anfühlt, diffamiert zu werden. Niemand hat sich auch nur ansatzweise gefragt, wo das Recht herkommen soll, das anonyme Wikipedianer für sich in Anspruch nehmen, wenn sie andere – aus dem Schutz der eigenen Anonymität heraus – diffamieren und diskreditieren. Mit anderen Worten, manchen Wikipedianern fehlt jeder Sinn für moralische Verantwortung, sie sind ihr jeweils eigenes moralisches Vakuum, dessen Vernunft nicht hinreicht, um sich an die Stelle des Diffamierten zu setzen und sich zu fragen, wie man es wohl fände, wenn man an dessen Stelle stünde. Damit fehlen Ihnen die Grundlagen, die z.B. Kant als Voraussetzung gesehen hat, um überhaupt von „Mensch“ zu sprechen.

Dies ist inbesondere bei denen so, die ohne mit der Wimper zu zucken und obwohl sie, wie Fiona Baine lauthals erklärt haben, sich aus der Wikipedia zurückzuziehen, weitergemacht haben, als sei nichts gewesen, als sei man nicht gerade als anonymer Autor zu besonderer Sorgfalt im Umgang mit anderen aufgerufen. Nein, eine solche Frage der „Sorgfalt“, der „Verantwortung“ stellt sich für diese „Wikipedia-Autoren“ nicht. Sie opfern ihre Menschlichkeit, ihre vielleicht vorhandene Restvernunft den eigenen niederen Motiven und freuen sich, wenn ihnen Gleichgesinnte Unterstützung anbieten, etwa in der Form, wie dies Andreas Kemper (alias Schwarze Feder) gerade im Wikipedia-Kurier getan hat.

Kemper berichtet – wären da nicht die gelegentlichen Einsprengsel der ideologischen Fiesheit, die ihn zu besetzen scheint,  in der Form: „nicht so gut weg kommt, wie sie es sich wohl wünschen“ mit Blick auf eigentümlich frei – fast nüchterner Weise von fast all den zwischenzeitlich erschienen Beiträgen, in denen sich die Autoren gegen die ideologische Unterwanderung der Wikipedia und ihre Nutzung als Plattform zur Diffamierung wenden. Aber es ist eben nur fast eine nüchterne Betrachtung. Es ist Kemper nämlich nicht möglich, sein Lagerdenken, das die Welt in rechts und links bzw. böse und gut einteilt, zu überwinden, sich davon zu emanzipieren. Noch bezeichnender ist es, dass es ihm nicht einmal in den Sinn kommt, sich zu fragen, warum die verschiedensten Autoren, die Wikipedia kritisieren, das tun. Das, so mutmaßt er am Ende seines Beitrags, könne nur der Ausdruck einer Kampagne der Rechten sein, seiner Gegner, die verlangen, in der Wikipedia „besser weg zu kommem“.

Das ist entlarvend, so entlarvend, dass man es gar nicht weiter zu kommentieren braucht, denn, wir erinnern uns an den alten Herrn Mead und sein looking glass self: Wann unterstelle ich anderen, dass sie eine Kampagne angezettelt haben, um in der Wikipedia besser weg zu kommen? Genau, dann wenn es mir als Gedanke naheliegt, wenn ich eine eigene Kampagne angezettelt habe, um z.B. andere in der Wikipedia zu verleumden und zu diskreditieren. Etwa in der plumpen Weise, in der Kemper zum Ende seines Beitrags versucht, mich und Arne Hoffmann zu diskreditieren, in dem er Aussagen, die Arne und ich getroffen haben, aus dem Zusammenhang reißt und mich mit „bezahlte“ und „mental gestörte Extremisten“ zitiert, während Arne irgendwo einmal „Faschisten“ geschrieben hat.

Wikipedia – Truth based on who edits last

Das summiert den schlechten Stil, der bei Wikipedia herrscht, in hervorragender Weise, denn belegen will Kemper, wie fies, Arne und ich doch sind, denn, wie er behauptet will, geht es uns darum, Wikipedianer zu beleidigen. Nun, ich habe zwar wenig Hoffnung, aber ich will doch auch etwas zur Aufklärung von Herrn Kemper beitragen. Wenn „bezahlt“ eine Beleidigung ist, dann können wir unsere Ökonomie zumachen, denn ich fürchte z.B. bei Aldi besteht man an der Kasse darauf, dass „bezahlt“ wird. Und da bei Aldi an der Kasse meistens Frauen sitzen, Herr Kemper, die darauf bestehen, dass „bezahlt“ wird, werden Sie ihren entsprechenden Vorwurf sicher nicht aufrecht erhalten. – oder? Gleiches gilt für „mental gestörten Extremisten“. Das ist eine Diagnose. Wollte man den Ausdruck „mental gestört“ verbieten, Psychiater und Psychologen hätten vermutlich etwas dagegen. Und da mental gestörte Personen sich nach wie vor in der Minderzahl befinden und daher nicht die Normalität ausmachen, müssen sie, wenn man eine Normalverteilung unterstellt, an den Rändern der Normalverteilung, also den Extremen zu finden sein – jeder Statistiker weiß das. Und weil nun klar ist, dass das, was Kemper als „Beleidigungen wie beim Fußvolk“ (also Arne und ich) einordnet, keine Beleidigungen sind, habe ich zum Abschluss eine Aufgabe für Herrn Kemper, die darin besteht, die folgenden drei Fragen zu beantworten:

  1. Warum haben sich wohl die unterschiedlichsten Leute gegen die Praxis bei Wikipedia gewendet, Personen und Organisationen zu diffamieren? Hinweis: Die Antwort hat nichts mit politischer Kampagne zu tun.
  2. Stellen Sie sich vor, Herr Kemper, jemand behauptet und verweist auf jemand anderen, der das gesagt haben soll, ihre Arbeit sei eine Anammlung von Unsinn, strotze nur so von inhaltlichen und methodischen Fehlern und außerdem seien Sie homophob und das Ganze stünde für jeden an 24 Stunden und sieben Tage die Woche zum Lesen bereit auf Wikipedia, wie würden Sie sich wohl fühlen? Hinweis, ich habe das, was über Gerhard Amendt auf Wikipedia steht, als Grundlage für diese Frage genutzt.
  3. Jetzt kommt die schwierigste Frage: Finden Sie es moralisch vertretbar bzw. integer, dass man unter Ausnutzung von Anonymität über lebende Personen herzieht und ihnen, ohne den Kontakt mit ihnen zu suchen (obwohl sie noch leben und man sich mit ihnen unterhalten könnte), die übelsten Dinge unterstellt, um sie zu diskreditieren?

Ich weiß,  das ist viel verlangt. Ich weiß, Empathie und Transfer, beides wird hier verlangt, sind seltene Güter in Deutschland. Aber an schwierigen Aufgaben kann man wachsen und am Ende doch tatsächlich so etwas erzielen wie moralische Integrität. Es ist nie zu spät – versuchen Sie es!

Bildnachweis
Henze & Partner
Wikipedia – „Truth based on who edits last“

AUFRUF zum SPENDENBOYKOTT von Wikipedia Deutschland

SPENDENBOYKOTT von WIKIPEDIA Deutschland

Stellen Sie sich vor, Sie nehmen den Brockhaus zur Hand, schlagen unter Wolfgang Amadeus Mozart nach und lesen dort: Infantiler Möchtegern-Komponist, der bis zu seinem frühzeitigen Ableben in Salzburg und Wien dilettiert hat und in enger Verbindung zu feudalistischen Herrschern stand, die in Reichtum schwelgten, während um sie herum Kinder und Frauen an Hunger starben. Wir sind sicher, diese Beschreibung würde Reaktionen nach sich ziehen, die wütend oder empört, in jedem Fall aber irritiert ob der Diskreditierung von Wolfgang A. Mozart als Komponist wären. Die beschriebene Form der Diskreditierung, allerdings von lebenden, nicht von toten Personen des öffentlichen Lebens, findet sich neben sachlich falschen und ideologisch verzerrten Inhalten und in großer Zahl in der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist diese Form der öffentlichen Herabwürdigung und ideologisch motivierten Fehlinformation gegen die wir uns mit diesem Aufruf richten:

Wir rufen zu einem Boykott von Wikipedia Deutschland auf: Keine Spenden mehr für die Wikimedia-Foundation Deutschland, denn mit Spenden wird der Missbrauch von Wikipedia Deutschland als ideologische Plattform finanziert – Spender finanzieren damit ihre eigene Fehlinformation und die Diskreditierung lebender Personen!

Begründung:

Ausgehend von einer Reihe von diffamierenden Einträgen in der deutschsprachigen Wikipedia und dem offensichtlichen Bemühen einiger Wikipedia-Autoren, die Plattform als Mittel in einem ideologischen Kampf zu nutzen, haben wir uns in einem Offenen Brief an den Gründer der Wikipedia, Jimmy Wales, gewendet. Der Offene Brief, der auch an die Mitglieder des Präsidiums der Wikimedia Foundation Deutschland verschickt wurde, stellt nicht nur die erheblichen Probleme dar, die die deutschsprachige Wikipedia mit ideologischer Unterwanderung hat, er zeigt auch die Strukturen und Prozesse auf, die für die Unterwanderung verantwortlich sind. Und: er verweist darauf, dass die Anonymität der Autoren die Wurzel allen Übels ist. Ganz wie es z.B. der Neue Institutionalismus von Oliver Williamson voraussagt, nutzen bestimmte politische Gruppen die Anonymität der Wikipedia, um die Plattform zu unterwandern und zum Propagandaorgan ihrer eigenen Ideologie zu machen. Die Belege für diese Behauptung sind mittlerweile zahlreich und betreffen Artikel aus allen Bereichen der Wikipedia.

Ein Teil der Belege und weitere Informationen zur ideologischen Unterwanderung der Wikipedia sowie der Offene Brief findet sich unter den folgenden Links:

http://www.danisch.de/blog/2012/04/01/enigma-geschichtsfalschung-in-der-wikipedia/
http://der.kritisator.de/2012/propagandaschmiede-wikipedia/
http://genderama.blogspot.de/2012/08/wikipedia-irrsinn-erste-auenstehende.html
http://genderama.blogspot.de/2012/08/leserbrief-wie-es-einem-in-der.html
http://genderama.blogspot.de/2012/08/wikipedia-wie-feministinnen-hunderte.html
https://sciencefiles.org/2012/07/29/feindliche-ideologische-ubernahme-deutsche-wikipedia-droht-im-desaster-zu-enden/
https://sciencefiles.org/2012/08/19/die-wikipedia-files/
https://sciencefiles.org/2012/08/08/entideologisierung-der-deutschen-wikipedia-update/
http://www.theeuropean.de/heather-de-lisle/6780-wikipedia-und-der-gute-name

Man würde vermuten, dass der Betreiber einer Plattform, der darüber informiert wird, dass seine Plattform von Ideologen unterwandert ist und dazu missbraucht wird, Personen des öffentlichen Lebens zu diffamieren und persönlich herabzuwürdigen, erschreckt auf diese Information reagiert (nicht zuletzt, weil damit auch strafrechtliche Tatbestände geschaffen werden). Nicht so im Falle der Wikipedia. Die Wikimedia-Foundation Deutschland und Jimmy Wales hüllen sich in Schweigen. Sie wollen zu den offensichtlichen Problemen der Wikipedia nicht Stellung nehmen. Dabei häufen sich die Indizien, die auf eine ideologische Unterwanderung hinweisen. So werden oftmals relevante Informationen, obwohl bekannt, nicht berücksichtigt, und die Schreiber ideologischer Beiträge auf Wikipedia scheinen im Dauereinsatz zu sein, so dass sich die Vermutung aufdrängt, dass hier bezahlte Autoren am Werk sind.  Im Verlauf der letzten Wochen haben sich viele Wikipedia-Insider über die Zustände und das Klima innerhalb der Wikipedia beklagt. Nur eines hat es in den letzten Wochen nicht gegeben: Eine Reaktion der Wikimedia-Foundation Deutschland oder von Jimmy Wales. Angesichts z.B. der für jeden lesbaren Diffamierungen lebender Personen auf den Seiten der Wikipedia wäre eine Reaktion nicht nur angebracht gewesen, sondern ein Gebot des Anstands.

Die Weigerung der Wikimedia-Foundation, sich mit dem Missständen auf Wikipedia auseinander zu setzen und dafür Verantwortung zu übernehmen, lässt nur die folgenden Schlüsse zu:

Zwar ist die Wikimedia-Foundation Deutschland sehr gut in der Lage, Spenden entgegen zu nehmen, hat aber kein Problem damit, dass mit diesen Spenden die Diffamierung von lebenden Personen auf den Seiten der Wikipedia finanziert wird.

Zwar ist die Wikimedia-Foundation Deutschland in der Lage, Spenden einzusammeln, aber sie ist nicht in der Lage oder Willens, Sorge dafür zu tragen, dass zumindest die Grundregeln des Anstands auf den Seiten der deutschsprachigen Wikipedia eingehalten werden.

Zwar nimmt die Wikimedia-Foundation Spenden gerne und aktiv entgegen, sieht aber der ideologischen Unterwanderung der Wikipedia untätig zu (oder die Mitglieder der Wikimedia-Foundation begrüssen die Unterwanderung).

Zwar ist die Wikimedia-Foundation Deutschland sehr agil, wenn es darum geht, Spenden zu sammeln, sie ist aber überhaupt nicht beweglich, wenn es darum geht, sich mit Kritik auseinander zu setzen oder gar Verantwortung für Missstände zu übernehmen.

All dies hat zur Folge, dass Spender die Diffamierung anderer finanzieren, dass sie die Wikimedia-Foundation bezahlen, die nach eigenen Angaben, zwar die Plattform „Wikipedia“ unterhält, aber keine Verantwortung dafür übernehmen möchte, was auf der Plattform betrieben wird, und es hat zur Folge, dass jeder Spender dabei mithilft, dass die deutschsprachige Wikipedia weiter von Ideologen unterwandert wird.

So kann das nicht weitergehen.

Deshalb rufen wir alle, die noch wissen, was Anstand ist, die nicht dafür spenden wollen, dass die deutschsprachige Wikipedia zu einer ideologischen Plattform ausgebaut wird, auf der die Diskriminierung anderer zum täglichen Geschäft und Auftrag wird und alle, die die Wikimedia-Foundation nicht für die Bereitstellung einer Plattform zur Diffamierung anderer finanzieren wollen, dazu auf, KEINE SPENDEN MEHR AN DIE WIKIPEDIA-DEUTSCHLAND zu richten.

  • Mike Buchanan, CEO Campaign for Merit in Business
  • Prof. em. Dr. Günter Buchholz
  • Dr. habil. Heike Diefenbach
  • Rainer Ebeling, Radio 6150
  • Arne Hoffmann, M.A.
  • Dr. Johannes C. Kerner
  • Michael Klein, M.A.
  • Dr. Michael Kühntopf
  • Dr. Andreas Kraußer
  • Thomas Lehmann
  • Stephan Linke
  • Rainer Luka, WikiMANNia.org
  • Alexander Majer-Wendelstein
  • Dipl.-Ing. Manfred Worm Schäfer

Wenn Sie den Boykott-Aufruf unterstützen wollen, dann schreiben Sie uns eine Email: science-watch@hotmail.co.uk

Wir freuen uns, die folgenden Personen als weitere Unterstützer des Aufrufs gewonnen zu haben:

  • Dr. jur. Fritz Baur
  • Hadmut Danisch, Forschungsmafia.de
  • Sepp Michael Drescher
  • Sebastian Hertel
  • Dr. Bruno Köhler
  • Eckhard Kuhla
  • Thomas R.E. Lentze
  • Eike Scholz
  • H.-Norbert Ulbrich

UPDATE

Eine sehr gute Zusammenstellung der ideologischen Unterwanderung der Wikipedia findet sich bei Michael Mannheimer.

Wikipedia-Banner gibt es jetzt auch in Englisch – zugleich ein Update zu den Wikipedia-Files

Aufgrund der hohen Nachfrage haben wir uns entschlossen, das Wikipedia-Banner auch in englischer Sprache zur Verfügung zu stellen. Kevin hat sein graphisches Talent abermals walten lassen und die Ergebnisse sind abermals hervorragend.

Da die Ressonanz auf die Wikipedia-Files alle Erwartungen übertroffen hat, und wir mittlerweile den Überblick darüber verloren haben, wer wo das Banner auf seiner Seite angebracht hat, bitte ich diejenigen, die das Banner angebracht haben, um eine kurze Mail an science-watch@hotmail.co.uk.

Wie Eric im Forum von Manndat mitgeteilt hat, war der endgültige Abschied derer, die das Pseudonym „Fiona Baine“ bevölkern, von nur kurzer Dauer (weitere Informationen zum „Comeback“ gibt es hier). Die nunmehr unter IP aus Landshut und ohne Namensnennung erfolgende Agitation, die dieselben Themen zum Gegenstand hat, die unter dem Pseudonym „Fiona Baine“ bearbeitet wurden, kann man als Indiz für zweierlei werten: (1) Versteckte sich hinter dem Pseudonym „Fiona Baine“ nur ein Agitator, dann hängt entweder sein Lebensunterhalt von der Tätigkeit ab oder er hat eine Manie entwickelt, die behandelt werden müsste. (2) Handelt es sich um mehrere Agitatoren, dann kann man nicht mehr abstreiten, dass sie eine gemeinsame ideologische Agenda verfolgen, und entweder aus den Reihen entsprechend motivierter politischer Organisationen stammen oder eine ebensolche formiert haben. Ziel in beiden Fällen: Ideologischer Missbrauch der Wikipedia.

In jedem Fall ist die fortgesetzte Agitation ein Beleg für die ideologische Unterwanderung der Wikipedia. Und die vielen Beispiele aus anderen Bereichen, von Beiträgen über Musiker bis Beiträgen über das Klima, die in den letzten Tagen zusammengetragen wurden und hier und hier jeweils am Ende der Texte verlinkt sind, bestätigen dies ebenfalls. Wie wir an anderer Stelle dargelegt haben, ist das System „Wikipedia“ ein System, das opportunistisches Verhalten geradezu herausfordert, da z.B. das Einschleusen von Agitatoren durch die Nutzung von Pseudonymen unbemerkt erfolgen kann, über eine rund-um-die-Uhr-Nutzung eines einzigen Pseudonyms kann man sich erhebliche Vorteile im Editier-Krieg verschaffen und über eine informelle Netzwerbildung z.B. mit fröhlichen Türken oder Farmern aus San Francisco kann man die entsprechenden Vorteile noch kumulieren. Wer ein solches System wissentlich betreibt, der fordert damit zum opportunistischen Verhalten auf und akzeptiert, dass die Wikipedia eine Enzyklopädie der ideologischen Desinformation wird bzw. ist.

Entsprechend der verbreiteten Praxis, die Bevölkerung zu warnen, davor, dass Rauchen töten kann, davor dass man ersticken kann, wenn man seine Rübe in eine Plastiktüte steckt oder davor, dass ein Gewaltvideo Gewaltszenen enthält, wäre es langsam an der Zeit, einen Warnhinweise auf die Seite von Wikipedia zu schreiben: „Mit dem Lesen der Texte auf Wikipedia setzen Sie sich ideologischer Indoktrination aus“. Da eine entsprechende Aktion noch  auf sich warten lässt, ist es derzeit das Beste, unser Banner zu verbreiten und die Web-Welt vor dem ideologischen Moloch der deutschsprachigen „Wikipedia“ zu warnen. Dazu gibt es nunmehr Banner in unterschiedlichen Größen und in deutscher und englischer Sprache.

Update

Zwischenzeitlich habe ich Folgendes über unsere Wikipedia-Aktion gelesen:

„Was “Maskulinisten” abziehen ist jenseits jeder Diskussion — dass sie zum Beispiel stolz Links von PI-News präsentieren, diekreditiert sie besonders.“

Der Kommentar, dessen Tonus mir seltsam vertraut vorkommt, provoziert die folgende Reaktion: Das Wikipedia-Problem, das wir seit nunmehr Wochen anprangern, besteht gerade darin, dass bei Wikipedia die Welt durch eine ideologische Brille betrachtet wird. Schaut man durch diese Brille, dann wird ein einfacher Link, der allein in diesem blog mehrere 1000Mal vorkommt, zu einem „stolz präsentierten“ Link, und schaut man durch diese Brille, dann ist alles, was nicht die eigene ideologische Überzeugung widerspiegelt, etwas, das diskreditiert.

Ich weigere mich, eine derart bornierte Sicht der Dinge einzunehmen. Im Gegensatz zu „Torsten“, der die zitierte Stelle geschrieben hat, frage ich einen Arzt oder einen Maurer, bevor ich ihn seine Arbeit machen lasse, nicht nach seiner politischen Gesinnung. Einmal davon abgesehen, dass die politische Ausrichtung von z.B. PI-News nichts daran ändert, dass bei Wikipedia eine ideologische Suppe gerührt wird, die zum Himmel stinkt (es handelt sich um eines dieser unsäglichen ad-hominem Argumente, wobei sich die Frage stellt, wie fixiert auf PI-News man sein muss, wenn man genau diesen Link aus der Vielzahl der Links aussondert…), bringen Zuweisungen wie die von Torsten „diskreditiert sie besonders“ nicht viel. Sie haben etwas von dem Kleinekinder-Singsang, in dessen Verlauf dem jeweiligen Gegener das eigene Können und seine Fehlstellen vorgesungen werden (Ich kann was, was Du nicht kannst…). Wer es immer noch nicht verstanden hat: Wenn ich jetzt schreibe, Torsten, dass Du auf den Seiten von Netzfeminismus kommentierst, diskreditiert Dich besonders – und dann? Eben! Deshalb bringen derart kindische Aussagen nichts. Sie gehören in den Kindergarten, nicht in den Diskurs erwachsener Menschen.

In einem neuen Beitrag schildert Arne Hoffmann die neuesten Entwicklungen. U.a. verweist er auf die engen Verflechtungen zwischen Wikimedia und der ideologischen Unterwanderung von Wikipedia, die man wohl, nachdem man den Beitrag von Arne gelesen hat, als in gegenseitigem Einverständnis zwischen Wikimedia-Verantwortlichen und Ideologen stattfindende Unterwanderung von Wikipedia ansehen muss. Wie lange es möglich ist, derart offen Basenwirtschaft zu betreiben und gleichzeitig die Hand aufzuhalten, um von willigen Spendern zu nehmen, ist eine interessante Frage. Die derzeitige Haltung einiger Wikimedia Projektmanager konstituiert vor diesem Hintergrund ein natürliches Experiment, dessen Ausgang – wenn man dem alten Sprichwort vom Krug, der so lange zum Brunnen geht, bis er bricht, glauben kann, nicht offen ist.

Kevin’s Bannershow findet sich hier.

Ein paar Beispiele aus dem reichhaltigen Angebot habe ich angefügt.

Bildnachweis:
Centurean2

Die Wikipedia-Files

AUFRUF FÜR EINE IDEOLOGIEFREIE WIKIPEDIA

Die deutsche Wikipedia ist von Ideologen unterwandert. Das haben wir bereits in einem Offenen Brief an Jimmy Wales festgestellt. In der letzten Zeit häufen sich zudem die Indizien dafür, dass nicht irgendwelche privaten, sondern von politischen Organisationen finanzierte Ideologen die deutschsprachige Wikipedia benutzen, um ihre Ideologie an den Leser zu bringen, um Leser zu manipulieren und die auf Wikipedia vorhandenen Informationen in der ideologisch gewünschten Weise aufzubereiten.

Es ist vorhersehbar, dass die Adressaten, an die sich die nachfolgende Beweisführung richtet, versuchen werden, die von uns präsentierten Belege  als „Verschwörungstheorie“ zu diskreditieren und lächerlich zu machen. Die Leser seien daher an dieser Stelle und ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Unterschied zwischen einer „Verschwörungstheorie“ und einer „Theorie über eine Verschwörung“ darin besteht, dass Letztere die aufgestellte Behauptung einer Verschwörung mit prüfbaren Indizien belegt. Als Konsequenz aus der im folgenden präsentierten langen Liste der Belege, die dafür sprechen, dass die deutschsprachige Wikipedia von bezahlten Ideologen unterwandert wurde, bleibt denjenigen, die diese Theorie widerlegen wollen, lediglich die Möglichkeit der Offenlegung (- abgesehen von der Möglichkeit persönlicher Angriffe und Diffamierungen), also die Möglichkeit, Belege und Indizien dafür anzuführen, dass die Annahme, nach der politische Institutionen bezahlte Autoren in die Wikipedia entsenden, um dort ihre politische Ideologie zu verbreiten, nicht zutrifft.

Die Behauptung, etwas sei eine Verschwörungstheorie ist zu einem beliebten Mittel geworden, um  Personengruppen zu diskreditieren oder Meinungen zu unterdrücken, sie lächerlich zu machen. Wer sich einen Eindruck von der wissenschaftlichen Diskussion über Verschwörungstheorien machen will, dem seien die Bücher von Coady (2006) und Byford (2011) nahe gelegt. Wer in die Welt der Verschwörungstheorien eintauchen will, dem sei das Kompendium von Broderick und Miller (2008) empfohlen.

Im Gegensatz dazu, will ich die Leser dieses blogs heute explizit auf eine Reise in die Welt der Beweisführung mitnehmen, eine Argumentationsreise, in deren Verlauf aus der Annahme einer Verschwörung  eine gut belegte Theorie über eine Verschwörung wird. Wissenschaftstheoretisch ist das nun Folgende hochinteressant, denn es zeigt, dass der Rubikon zwischen einer Verschwörungstheorie, die bloße Behauptung ist, und einer Theorie über eine Verschwörung durch empirische Belege, durch das Sammeln von Indizien überschritten wird, und so wird aus der  „mutige Antizipation“ wie K. R. Popper das wohl genannt hätte, unter der Beweislast der im Laufe der Zeit angesammelten Belege, eine Gewissheit über eine tatsächlich vorhandene Verschwörung.

Der  Rest des Textes wird die folgende Behauptung mit Indizien belegen:

Die Anonymität von Autoren der deutschsprachigen Wikipedia wird von bestimmten politischen Organisationen genutzt, um ihre politische Agenda über von ihnen bezahlte Wikipedia-Autoren unter dem Schutz einer pseudo-Objektivität in die öffentliche Arena zu tragen und ihre Ideologie über die Artikel der deutschsprachgigen Wikipedia zu verbreiten.

Es gibt eindeutige Indizien, die auf bestimmte politische Organisationen und Stiftungen als Finanzierer der im folgenden beschriebenen Infiltration verweisen, aber derzeit können hier noch keine genauen Aussagen gemacht werden. Wie jede Theorie, so ist auch die vorliegende Theorie im Wachsen – aber: Dass die deutschsprachige Wikipedia von Ideologen mit eindeutigem Auftrag unterwandert ist, das belegen die im folgenden zusammengetragenen Indizien.

  • Die Indizienkette beginnt mit einer Anfrage an Dr. habil. Heike Diefenbach, sie möge doch den Wikipedia Eintrag zum Thema „Patriarchat“ erstellen. Die Bitte, von einem oder mehreren hinter dem Pseudonym „Fiona Baine“ versteckten Nutzern hatte ganz offensichtlich nicht das erwünschte ideologische Resultat. Statt dessen hat Dr. habil. Heike Diefenbach eine wissenschaftlich fundierte Ausarbeitung zum Thema „Patriarchat“ geleistet, objektiv, intersubjektiv prüfbar und nicht ideologisch, drei Auszeichnungen, auf die bei der deutschsprachigen Wikipedia offensichtlich kein Wert gelegt wird. Die gesamte Dokumentation zu diesem Fall, findet sich hier.
  • Ideologen am Werk zeichnen sich dadurch aus, dass Sie eine bestimmte Sicht der Dinge durchsetzen wollen. Die entsprechende Sicht hat eine untrügliche Eigenschaft – Andersdenkende, diejenigen, die als der politische oder sonstige Feind von Ideologen identifiziert werden, werden diskreditiert und diffamiert. Die von uns hier adressierten Ideologen entstammen dem links-extrem feministischen Milieu und haben entsprechend die Diffamierung von Personen auf ihre Fahnen geschrieben, die sie der Männerbewegung zuordnen. So hat es z.B. Arne Hoffmann getroffen.
  • Ein weiteres Erkennungszeichen von Ideologen am Werk ist ihre mangelnde Variablität. Ideologen sind, was man rigide und dogmatische Persönlichkeiten nennen kann. Sie können nicht links oder rechts von dem Denken, was ihnen eingetrichtert wurde (oder sie sich selbst eingetrichtert haben), und entsprechend findet sich der immer gleiche ideologische Sermon in unterschiedlichen Beiträgen. Dies wurde auf sciencefiles für eine ganze Reihe von Beiträgen, die im weitesten Sinne Personen oder Organisationen der Männerbewegung zum Gegenstand haben, nachgewiesen.
  • Als Reaktion auf die vielfältigen ideologischen Diffamierungen, Denunziationen und Falschdarstellungen, die sich in der deutschsprachigen Wikipedia finden, haben Michael Klein und Arne Hoffmann einen Offenen Brief in deutscher und englischer Sprache an den Gründer der Wikipedia, Jimmy Wales, gerichtet. Arne Hoffmann hat die Hintergründe des Offenen Briefes und insbesondere die markanten Unterschiede, die zwischen der deutsch- und der englischsprachigen Wikipedia bestehen und die eindeutig auf das Wirken von Ideologen in der deutschsprachigen Wikipedia hinweisen, zusammengefasst.
  • Der Offene Brief hat eine Vielzahl von Reaktionen nach sich gezogen. Die wichtigsten Reaktionen wurden auf Sciencefiles und auf dem blog von Arne Hoffmann zusammengestellt. Dabei handelt es sich u.a. um die Mitteilung von Erfahrungen eines altgedienten Wikipedianers oder die Erfahrungen, eines aktiven Wikipedianers, der bestehende Einträge in der Wikipedia von ihrem ideologischen Gehalt befreien wollte.
  • In der Nachfolge zu unserem Offenen Brief haben sich Insider, die sich auf den vielfältigen Schauplätzen, auf denen Wikipedianer Artikel schreiben, diskutieren, aber vor allem Editier-Schlachten führen, sich bekriegen, beleidigen und anfeinden, auskennen, erstaunliche Informationen zusammen getragen. So weist ein Nutzer nach, dass Wikipedianer ihre Netzwerke nutzen, um unentgeltliches Marketing für eigene Publikationen zu betreiben. Als weiterer Sprengstoff hat sich der Beleg erwiesen, dass der Benutzer „Fiona Baine“ nahezu Tag und Nacht und ohne Pause auf Wikipedia präsent ist und agitiert: „Finn hat seit dem 03.07.2012, also innerhalb von 44 Tagen 2500 Einträge, Änderungen, Meldungen und Diskussionsbeiträge bei Wikipedia gemacht, dass sind im Schnitt fast 57 Einträge pro Tag. Geht man von ca. 10 Minuten pro Eintrag aus, so ist der User Finn rund 10! Stunden am Tag nur mit Wikipedia beschäftigt. Da steckt doch mehr als eine Person [da]hinter!“.
  • Vemutlich hat die Aufdeckung, dass hinter „Fiona Baine“ mehr als eine Person stecken, dazu beigetragen, dass die Nutzer ihr Pseudonym „Fiona Baine“ in einer melodramatischen Art und Weise, die mehr an einen schlechten Hollywood Film als an richtige Personen erinnert, beerdigt haben und sich aus der ideologischen Arbeit zumindest unter diesem Pseudonym zurückgezogen haben.
  • Gleichzeitig ist ein alter Bekannter, schwarze Feder, alias Andreas Kemper zu neuem Leben erwacht und agitiert nunmehr auf den Seiten der Wikipedia nicht nur für seine Bücher und seine trotz aller Anstrengungen immer noch nicht von Wissenschaftlern rezipierte „Idee“ des „Klassismus“, sondern für einen Antidiskriminierungsrat dessen Ziel indes nicht darin bestehen soll, die Diffamierung und Diskreditierung Dritter auf den Seiten der Wikipedia zu unterbinden, sondern die entsprechenden Diffamierer vor Kritik von außen zu schützen.

Die Indizienkette dafür, dass es sich bei „Fiona Baine“ um ein von mehreren genutztes zu politischer Agitation missbrauchtes Pseudonym handelt, ist dicht und sehr konkret. Da auch die hinter „Fiona Baine“ steckenden multiplen Persönlichkeiten von etwas leben müssen, ist der Schluss, dass gezielt und vermutlich auch systematisch (von vermutlich politischen Organisationen oder Stiftungen) versucht wird, die deutschsprachige Wikipedia zu infiltrieren und für die eigenen ideologischen Zwecke zu missbrauchen, gerechtfertigt.

Da die Verantwortlichen der Wikimedia Foundation Deutschland zwar bei Spenden immer schnell zur Stelle sind, Kritik und Hinweise auf Fehlentwicklungen aber bislang aussitzen zu können glauben, haben wir, Kevin Fuchs, Arne Hoffmann und Michael Klein, uns entschieden, eine Aktion für eine ideologiefreie deutschsprachige Wikipedia nach Vorbild der englischsprachigen Wikipedia zu starten. Kevin Fuchs hat zu diesem Zweck sein grafisches Talent walten lassen und unsere Idee für ein Banner, das Unterstützer dieser Aktion z.B. auf ihrer Homepage anbrigen können, in die Tat umgesetzt. Hier ist das Ergebnis:

Wir streiten

Für eine ideologiefreie deutsche Wikipedia

nach englischem Vorbild

und wir sagen

Nein zur Manipulation von Information

auf den Seiten der deutschsprachigen Wikipedia.

Bitte unterstützen Sie diese Aktion. Laden Sie das Banner als gif oder iframe herunter und platzieren Sie es auf Ihrer Website, in ihrem blog, in Ihrer Email oder im Forum!

HTML-CODE für das Banner in zwei Größen:

<iframe src=“http://cuncti.net/images/banners/wikipedia/wikipedia-de.htm&#8220; frameborder=“0″ marginwidth=“0″ marginheight=“0″ scrolling=“no“ width=“728″ height=“150″>

<
iframe scrolling=“no“ marginheight=“0″ marginwidth=“0″ frameborder=“0″ width=“468″ height=“96″ border=“0″ src=“http://cuncti.net/images/banners/wikipedia/wikipedia-de-s.htm“&gt;

Wir bedanken uns bei Thorsten für die empirische Arbeit.

Weitere Informationen finden sich im blog von Arne Hoffmann. In einem neuen Beitrag zeigt Arne Hoffmann, dass die Diffamierung von Personen, die als politischer Gegner angesehen werden, in der Wikipedia Tradition hat. Eine neue und sehr umfassende Zusammenstellung zu Bereichen, in denen die Beiträge auf Wikipedia einen erheblichen ideologischen bias aufweisen, eine Sammlung von Reaktionen frustrierter Wikipedianer sowie ein Überblick über die „Qualität“ von Argumenten und die Art der Argumentation, die auf den Diskussionsseiten von Wikipedia gepflegt wird, finden sich in einem Beitrag auf WikiMANNia.

UPDATE zu den WIKIPEDIA-Files

Legacy

Bürger in Wut
Cashkurs.com
CSN Deutschland
Der Kritisator; mit eigenen Beispielen der ideologischen Unterwanderung der Wikipedia
Die Hannoveraner
eigentümlich frei – Magazin
Log Medienkonzept
LW Freiheit
MANNdat
Medienanalyse International
Mlm Infos
Net News Express
PI-News
Preussische Allgemeine Zeitung
Reconquista Europa
Shortnews
WikiMANNia, sowie die englische Ausgabe der WikiMANNia
Wirtschaftsfacts.de

Literatur
Broderick, James F. & Miller, Darren W. (2008). Web of Conspiracy. A Guide to Conspiracy Theory Sites on the Internet. Medford: Information Today.

Byford, Jovan (2011). Conspiracy Theories. A Critical Introduction. New York: Palgrave Macmillan.

Coady, David (2006). Conspiracy Theories: The Philosophical Debate“. Aldershot: Ashgate.

Bildnachweis:
4thPoint
Weird Wonderful Web

Wem nutzt Anonymität?

Der Nutzen der Anonymität war im Zusammenhang mit dem Offenen Brief, den Arne Hoffmann und ich an Jimmy Wales, den Gründer der Wikipedia geschrieben haben, in vielen Diskussionen Gegenstand der Auseinandersetzung. Letztlich ist Anonymität jedoch kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zum Zweck, und entsprechend muss sich Anonymität am Ergebnis, das durch Anonymität produziert wird, messen lassen. Und dieses Ergebnis, so will ich hier darlegen, spricht eindeutig gegen eine Anonymität – zumindest eine Anonymität von Wikipedia-Autoren.

Das Folgende ist ein Auszug aus dem ganz alltäglichen Editier-Krieg auf Wikipedia. Ich habe den Auszug zufällig gewählt. Es wäre problemlos möglich andere, noch heftigere Schlachten darzustellen, den Kreis der Beteiligten auszuweiten usw., aber für die Zwecke des vorliegenden Beitrags reicht das Teilstück als Beispiel dafür, was auf den Seiten der Wikipedia vorgeht und mit welchen „Anstandsformen“ sich die Kontrahenten gegenübertreten.

Kann nur empfehlen, die arbeit auch zu lesen – bei Hoffmann kam da einiges interessantes raus. Hier wäre das auch angebracht. Bei Sanfran ist das odeur etwas abgestanden, ich kenn das verhalten sonst nur von Konfliktsocken. Polentario Ruf! Mich! An! 23:08, 22. Jul. 2012 (CEST)

SanFran versucht eine einizige Studie – die von Rosenbrock – als Mehrfachquelle darzustellen. Klassische Verleumdung bzw Aufblähung eines Solospielers zu einem mehrstimmigen Chor. Deswegen die änderung. Bastein sollte noch gesetzt werdenPolentario Ruf! Mich! An! 23:14, 22. Jul. 2012 (CEST)

Lern ersteinma, was „Verleumdung“ ist, Gold..oops, ich meine Polentario, und dann lerne, wie man Artikel schreibt. Dass du in der Studie von Risenbrock eine gaanz böse „Stasiquelle“ siehst und unbedingt entfernen möchtest, ist inzwischen aller klar. Aber bitte entferne keine Belege. –SanFran Farmer (Diskussion) 23:17, 22. Jul. 2012 (CEST)

„Konfliksocken“, „Verleumdung“, ja, ja, Polentario. Hast du etwas zu deinen Bearbeitungen zu sagen? –SanFran Farmer (Diskussion) 23:26, 22. Jul. 2012 (CEST)

Wie auf der VM schion azsgeführt: Rosenbrok habe ich dutzendfach im Artikel Hoffmann eingebaut, Gesterkamp halte ich für nur bedingt zitierfähig, SanFran Farmer für verzichtbar. Polentario Ruf! Mich! An! 07:28, 23. Jul. 2012 (CEST)

„Konfliktsocken“, „halte ich …. SanFran Farmer für verzichtbar“ – was soll dieser PA-Stil, Polentario, den du nach der Diskussion zum Arne-Hoffmann-Artikel hier fortführst? Dein Feldzug gegen Rosenbrock ist schon bedenklich. Schließlich hat er sich mit manndat, Arne Hoffmann und Co. beschäftigt. Die Dankbarkeit drückte sich in massenhaften Hetz-Kampagnen incl. verächtlicht-Machen und Gewaltandrohungen in den einschlägigen Blogs und Foren, in denen Michael Klein und Arne Hoffmann auch verkehren, gegen ihn aus. Daran kannst du lernen, was der Unterschied zwischen einer reputablen Quelle und Verleumdung ist.–Finn (Diskussion) 13:48, 23. Jul. 2012 (CEST)

Wie ist diese unanständige und aggressive Form der Auseinandersetzung zu erklären? Wie kommt es zu dieser Vielzahl der logischen Fehlschlüsse, ad hominems, unbelegten Behauptungen und persönlichen Nickligkeiten? Ich will an dieser Stelle ein paar Forschungsergebnisse zusammentragen, die einen kleinen Einblick in die Psyche mancher Wikipedia-Nutzer geben und einen Beitrag zur Beantwortung der Frage liefern, warum bei Wikipedia so viel Zeit für die Bearbeitung persönlicher Animositäten und so wenig Zeit für die Arbeit an Beiträgen bleibt.

Der erste Einblick in den Streit-Moloch „deutschsprachige Wikipedia“ entstammt einem Vortrag, den Dr. Thomas Roessing von der Universität Mainz im Jahre 2011 auf einer Konferenz der International Association for the Development of the Information Society (IADIS) in Rom gehalten hat. In seinem Vortrag analyisert Thomas Roessing Vandalismus und Editier-Kriege in der Wikipedia. Dabei beschreibt er Editier-Kriege als regelmäßig vorkommende, ideologische Auseinandersetzungen, bei denen die jeweiligen Kontrahenten mit „instrumental editing“ arbeiten, also damit, Quellen zusammen zu suchen, die die eigene ideologische Position unterstützen bzw. die ideologische Position der Kontrahenten unterminieren. Diese Praxis der willkürlichen Quellenauswahl, die Arne Hoffmann und ich in unserem Offenen Brief angesprochen und auf das Fehlen eindeutiger Kriterien darüber, was eine verlässliche, reliable oder brauchbare Quelle auszeichnet, wie man sie erkennt, zurückgeführt haben, ist nach Ansicht von Thomas Roessing eine Ursache dafür das heftige Konflikte „regularly escalate to intense argument and sometimes members of the community loose their temper“ (Roessing, 2011).

Eine weitere Ursache dafür, dass Editier-Kriege ausbrechen, hat Roessing auf Basis einer empirischen Analyse, in die 500 Vandalismusmeldungen (darunter 69 Editier-Kriege) eingegangen sind, die innerhalb von 10 Tagen und im November 2009 auf Wikipedia-Deutschland erfolgt sind, identifizieren können. Die Ursache ist schnell benannt: Die Administratoren, die eigentlich dafür da sind, Editier-Kriege zu unterbinden bzw. angesichts eines Editier-Krieges eine Entscheidung für die eine oder andere der Konfliktparteien zu treffen, machen ihre Arbeit nicht: „Administrators play a key role in Wikipedia’s system for conflict resolution. They do their work properly in simple and undisputed cases but tend to leave a discussion alone when it comes to heavy conflicts among users“. Und: „Of the 69 cases that were archived without a decision by an administrator or another resolution, 14 were consensual discussions, 9 somewhat disputed and 46 heavily disputed discussions. It is plausible that administrators fear to anger other users by deciding a disputed argument and thus refrain from doing so“ (Roessing, 2009).

Eine weitere, neben der von Roessing angesprochenen Ursache für die „Arbeitsverweigerung“ der Administratoren ist besteht wohl darin, dass Administratoren durch das Fehlen der bereits angesprochenen Kriterien nicht wissen, wie sie entscheiden sollen bzw. keine Basis haben, auf die sie ihre Entscheidung für alle nachvollziehbar stützen können. Das System „Wikipedia“ ist eine Zeitbombe, denn die nicht gelösten Konflikte gehen ja nicht weg, vielmehr steht zu vermuten – und die Tatsache, dass die Konfliktherde immer von den selben Autoren ausgehen, spricht dafür – das Konflikte, die in einem Bereich nicht gelöst wurden, in den nächsten Bereich getragen werden.

Neben dem Fehlen eindeutiger und verlässlicher Kriterien, die die Arbeit bei Wikipedia strukturieren, ist die Anonymität der Autoren eine weitere Ursache für Umgangston, schwelende Konflikte und die zuweilen vergiftete Atmosphäre. Dass dem so ist, zeigt eine Studie aus Süd-Korea. Im Jahre 2007 hat die Süd-Koreanische Regierung  Kommentatoren in Diskussionsforen mit mehr als 300.000 Besuchern pro Tag dazu verpflichtet, sich zu registieren und einen Identitätsnachweis zu führen. Im Jahre 2009 wurde die entsprechende Regelung auf Diskussionsforen mit mehr als 100.000 Besuchern pro Tag ausgedehnt. Wenn man die sprichwörtliche asiatische Freundlichkeit in Rechnung stellt, dann ist das Ergebnis dieser Untersuchung, die Daegon Cho durchgeführt hat, selbstredend: Die Anzahl der Beiträge in den Diskussionsforen ist nach kurzem Rückgang nach Einführung des Gesetzes wieder gestiegen, dagegen ist der Umgangston (noch) freundlicher geworden: Beleidigungen und ungezügelte verbale Einlassungen gingen deutlich zurück. Zieht man den Freundlichkeitsbonus, den man Asiaten gewähren muss, ab und transferiert dieses Ergebnis nach Deutschland, dann kann man sich ungefähr vorstellen, wie grundlegend eine Verpflichtung, sich als Wikipedia-Autor unter seinem richtigen Namen zu registrieren, sich auf den Umgangston, die Anzahl der Editier-Kriege und – letztlich – auf die Qualität der Wikipedia-Beiträge auswirken würde.

Die  namentliche Registrierung der Wikipedia-Autoren hätte einen weiteren Effekt: Die politische Einflussnahme durch Parteien, Organisationen, Stiftungen und Verbände würde erkennbar. Ich habe auf diesem blog schon vom Sozialdemokratischen Pressekonzern Deutschland berichtet. Die Versuche der Heinrich-Böll-Stiftung, die öffentliche Meinung durch angebliche „Expertisen“ zu beeinflussen, waren auch schon Gegenstand auf diesem blog. Wer vor diesem Hintergrund denkt, poltische Parteien, Stiftungen, Verbände, Interessenvertretungen welcher Art auch immer, würden davor zurückschrecken, bezahlte Autoren in die Wikipedia einzuschleusen, um vor Ort Meinungsbildung zu betreiben, ist aus meiner Sicht grenzenlos naiv.

Bleibt abschließend noch die Frage zu klären, was an Anonymität insgesamt so schön ist. Warum will ein Autor in Wikipedia nicht namentlich für sein Werk einstehen? Warum will er nicht stolz auf seine namentlichen Beiträge verweisen? Diese Fragen können mit Reicher, Spears und Postmes (1995) beantwortet werden, die davon ausgehen, dass von Anonymität eine Verstärkung der eigenen sozialen Identität ausgeht. Deutlich formuliert: Wer sich als Individuum zu einsam in der Welt fühlt, wird durch seine Zuordnung zu einer Gruppe sicherer und zieht aus der Zuordnung Status (jedenfalls in seiner Einbildung). Ein Autor, der zwar nicht namentlich, dafür aber als Vertreter von XY bekannt ist, erzielt in seinen eigenen Augen somit einen Zugewinn an Wichtigkeit. Dass dieser Zugewinn an Wichtigkeit sowohl positive als auch negative Effekte zeitigen kann, haben Robert Johnson und Leslie Downing bereits 1979 gezeigt als sie eine Reihe weiblicher Studenten zur Hälfte in die Montur des Ku Klux Klan, zur Hälfte in die Arbeitskleidung einer Krankenschwester gesteckt haben. Die „Krankenschwestern“ waren, vor allem dann, wenn sie anonym blieben, also kein Namensschild tragen mussten, in aller Regel bereit, einen Stromstoß, den sie einem unbekannten Delinquenten verpassen sollten, in seiner Stärke zu reduzieren, während die anonymen Ku Klux Klanler bereit waren, die Stärke der Stromstöße zu erhöhen. Anders formuliert: Die Frage, wozu Anomymität genutzt wird, ist eine Frage der sozialen Zuordnung: Wer sich einer „netten“ oder „höflichen“ Gruppe zuordnet, wird sich in der Anonymität nett und höflich verhalten, wer sich einer aggressiven und ideologischen Gruppe zuordnet und noch dazu die Last der Unfehlbarkeit mit sich trägt, wird sich entsprechend verhalten und wie es Cohen 1996 festgestellt hat, und die Anonymität dazu nutzen, Andersdenkende mit Hass, Beleidigung, Drohungen und Verächtlichmackung zu verfolgen.

Die Frage, welcher Gruppe sich bestimmte Wikipedia-Autoren zuordnen, kann vor diesem Hintergrund und am konkreten Beispiel von jedem Leser selbst beantwortet werden. Die Erfahrung zeigt hier, dass diejenigen, die sich aggressiven und ideologischen Gruppen zuordnen, zu viele sind, als dass eine Anonymität der Autorenschaft weiterhin aufrecht erhalten werden könnte. Abgesehen davon, will ein mit einer personalen Identität ausgestatteter Autor unter normalen Umständen namentlich bekannt sein und nicht hinter einem „Gemeinschaftswerk“ stehen, d.h. eine Pflicht zur Offenlegung der Identität für Wikipedia-Autoren würde als positiver Anreiz zur Mitabreit auf all diejenigen wirken, die sich nicht vorstellen können, ihr Wissen einem anonymenEditier-Mob vorzuwerfen.

Literatur

Cho, Daegon (2012). Real Name Verification Law on the Internet: A Poison or Cure for Privacy? University of Pittsburgh: School of Information Systems and Management.

Cohen, Julie .E. (1996). The Right to Read Anonymously: A Closer Look at ‚Copyright Management in Cyberspace. Connecticut Law Review 28(981).

Johnson, Robert & Downing, Leslie (1979). Deindividuation and Valance of Cues: Effects on Prosocial and Antisocial Behavior. Journal of Persoanlity and Social Psychology 37(9): 1532-1538.

Reicher, Stephen D., Spears, Russel & Postmes, Tom (1995). A Social Identity Model of Deindividuation Phenomena. European Review of Social Psychology 6(1): 161-198.

Roessing, Thoma (2011). Vandalism and Conflict Resolution in Wikipedia. An Empirical Analysis on How a Large-scale Web-based Community Deals with Breaches of the Online Peace. Paper for the IADIS International Conference „Web-based Communities and Social Media 2011“.

Bildnachweis:
Roger Freberg
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