Wer friert ist ein Verschwörungstheoretiker, und wer nicht großzügig ist, wertet Flüchtlinge aus der Ukraine ab – Szenen aus einer Junk Studie

Eine erstaunliche Behauptung.

Sie kommt aus dem WSI, dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut, das sich der DBG über die Hans-Böckler-Stiftung leistet. Es ist also nicht das, was man als unvoreingenommene oder unparteische Forschung betrachten kann. Und – weil wir nicht jede Studie lesen und hier besprechen können, haben wir in diesem Post vor, ein paar Tricks of the Trade an unsere Leser weiterzugeben, damit sie in der Lage sind, sich schnell einen Überblick über eine angebliche Studie und ihre Ergebnisse zu verschaffen.

Betrachten wir zunächst, was der Autor der Studie, die einen Zusammenhang zwischen Einstellungen postuliert, nämlich “Verschwörungsdenken” und der “Abwertung von Ukraine-Flüchtlingen”, im Abstrakt behauptet, dass er getan und gefunden hat.

Einst, das nur nebenbei bemerkt, war es verpönt, Einstellungen mit Einstellungen zu korrelieren. Weil, wie soll man es sagen, es ist keine Wissenschaft. Es ist Willkür, und die Ergebnisse sind in der Regel von den Vorlieben des und davon abhängig, was der vermeintlich Forschende seinen Befragten unterstellen will. Und natürlich lässt sich zwischen Einstellungen keine Richtung bestimmen. Wer will sagen, ob Abwertung von Ukraine-Flüchtlingen, falls es sie gibt, zu “Verschwörungsdenken” führt oder umgekehrt? Und was sagt der vermeintliche Zusammenhang, der zudem eine Scheinkorrelation abbilden kann, also einen über eine dritte Einstellung erklärte Korrelation, über die aus, bei denen er sich findet? Ideologisch, und das ist der Punkt hier, sagt es sehr viel aus, jedenfalls für den vermeintlichen Forscher, der solche Zusammenhänge zum Anlass nimmt, sich über seine Befragten, diejenigen, die freiwillig an seiner Befragung teilgenommen haben, zu echauffieren. Wissenschaftlich betrachtet sind solche Zusammenhänge nutzlos, so nutzlos wie das Wissen darum, dass Leute, die glauben, Chemtrails seinen real denken, 9/11 sei von FBI und CIA inszeniert worden. Es ist wissenschaftlich nutzlos, wie gesagt, nicht ideologisch. Begriffe wie “Abwertung”, eine “Abwertung der Einstellungen”, die Befragte freiwillig zum Ausdruck gebracht haben, um einem angeblichen Forscher behilflich zu sein, haben natürlich keinen Platz in der Wissenschaft. Sie finden sich bei denen, die ein Interesse daran haben, bestimmte Einstellungen zu diskreditieren, Ideologen eben.

Wir sind heute im Bereich der Ideologie, denn Andreas Hövermann bearbeitet mit seiner Ideologie, die Ideologie seiner Befragten. Und dabei will er Folgendes getan und gefunden haben:

“Der vorliegende Report analysiert anhand von Befragungsdaten des HBS-Erwerbspersonenpanels (N=6.234) vom April/Mai 2022 vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine und der sich zuspitzenden Energiekrise Ausprägungen rechtspopulistischer Einstellungen in Deutschland. Hierzu wird auf das Verschwörungsdenken und die Abwertung von geflüchteten Ukrainer*innen fokussiert.”

Und in diesem “Bericht” kommt es, wie es kommen muss:

“Die Analysen zeigen hohe Zusammenhänge zwischen den beiden Phänomenen und größere Zustimmungsraten unter Befragten jüngeren Alters sowie unter Befragten mit niedrigem Schulabschluss oder geringem Haushaltseinkommen; jedoch auch, dass die Phänomene keineswegs ausschließlich in diesen Populationen verortet werden können. Analysen früherer Einstellungen der Befragten ergeben, dass viele Zustimmende auch zuvor Verschwörungsdenken mit Bezug zur Pandemie teilten und gegen den Regierungskurs aufbegehrten [Ausbegehrten, stellen Sie sich das vor!].”

Bereits hier kann man einwenden, dass der Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus [was unter Populismus zu verstehen ist, hat Dr. habil. Heike Diefenbach gerade anschaulich dargestellt] und Verschwörungsdenken und Abwertung von Ukraine-Flüchtlingen erst zu zeigen wäre. Dass ihn Hövermann nicht zeigt, sondern voraussetzt, weist inn eindeutig als Ideologen aus. Er kommt nicht einmal auf die Idee, bei Linken und Linkspopulisten nach “Verschwörungsdenken” zu suchen. Und wer eine Forschung darauf zuschustert, dass nur eine Seite der Medaille betrachtet wird, der findet als Ergebnis, wenig überraschend, auch nur eine Seite der Medaille.

Aber belassen wir es einstweilen dabei.
Wir kommen eh darauf zurück.

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Was machen wir in der Regel, wenn wir das Abstrakt eines angeblich wissenschaftlichen Beitrags gelesen haben?
Wir lesen das Fazit und die Schlussfolgerungen, um zu sehen, ob sich der Autor am Ende seines Textes noch an das erinnert, was er am Anfang geschrieben hat. Im Falle von Hövermann finden wir Folgendes:

“Beide untersuchten Phänomene – das Verschwörungsdenken und die Abwertung UkraineGeflüchteter erweisen sich als sehr eng miteinander zusammenhängend, da sie häufig von denselben Befragten geteilt werden und die Überlappung der Zustimmung erheblich ist. Dies verdeutlicht die Offenheit und Nähe des Verschwörungsdenkens gegenüber Abwertungen von als „fremd“ markierten Gruppen, die eindeutig als rechtspopulistisch eingestuft werden können. Dieser Befund passt in das Bild aus der Pandemie von scheinbar harmlosen Demonstrationen – teilweise als „Spaziergänge“ bezeichnet, auf denen zwar häufig darauf gepocht wurde, nur Maßnahmenkritik äußern zu wollen, aber gleichzeitig kaum Distanzierungen von mitlaufenden rechtsextremen Akteur*innen und ihren Inhalten erfolgten. Daraus gilt es unbedingt zu lernen, da es nun im Zusammenhang der Energiekrise erneut als erfolgsversprechend für rechte, anti-demokratische Akteur*innen erscheint, Proteste zu vereinnahmen und Themen als Propagandaplattformen zu nutzen, die stark durch Verunsicherungen geprägt sind.”

Sie sehen, die Phantasie von Herrn Hövermann hat seit dem Abstrakt um einiges zugenommen. Wir befinden uns, wie so oft bei Junk-Science im Bereich des ideologischen Phantasierens, das bei Hövermann seinen Ausdruck darin findet, dass er die “Abwertung von als ‘fremd’ markierten Gruppen”, die er gemessen haben will, “eindeutig als rechtspopulistisch einstuft”, obschon er “rechstpopulistische Einstellungen” an keiner Stelle in seinem Text auch nur definiert, was beachtlich ist, immerhin findet sich der Begriff “rechtspopulistische Einstellung” 24 Mal im Verlauf der 35 Textseiten, die Hövermann zusammengeschrieben hat. Um eine gemessene Einstellung einer ungemessenen Einstellung zuordnen zu können, bedarf es eines Kriteriums. Im vorliegenden Fall ist das klar: Hövermann weiß, dass Rechtspopulisten “Fremde ablehnen”, wozu also messen. Ideologie in Reinkultur. Außerdem weiß er, dass Kritik an Maßnahmen im Zusammenhang mit der vermeintlichen Pandemie ausschließlich von Rechtspopulisten kommt, die sich als “scheinbar harmlose Demonstranten” getarnt und an Dingen teilgenommen haben, die “teilweise als ‘Spaziergänge” bezeichnet” wurden. Die Frage, ob Hövermann Ideologie oder Wissenschaftler ist, ist damit eindeutig beantwortet. Zum Wissenschaftler fehlt Hövermann eine eindeutige Zutat: Das Wollen zu wissen.

Hövermann weiß schon alles. Das wirft die Frage nach dem Zweck der vermeintlichen Forschung auf.

Um diesen Zweck zu bestimmen, reicht es, die institutionelle Anbindung von Hövermann zu betrachten: Gewerkschaften. Man kann also so sicher wie das Amen in der Kirche vorhersagen, dass Hövermann an irgend einer Stelle seiner Auftragsarbeit, Forderungen nach Finanzierung vermeintlich finanziell Schwachgestellter aufstellen wird. Erinnern Sie sich noch an den Hinweis auf Haushaltseinkommen und Schulabschluss im Abstrakt? Damit ist klar, Hövermann sucht nach einem Zusammenhang zwischen den Einstellungen, die er aus seiner Ideologie heraus, bedenklich findet und einem geringen Einkommen und einem niedrigeren Schulabschluss. Warum? Um Geld zu fordern und die Klientel des DGB für dumm zu erklären. Der DBG, Auftraggeber von Hövermann, ist eine Institution, deren Zweck darin besteht, Geld zu fordern, um sein Dasein nach Außen zu finanzieren und nach innen Funktionäre und Leute wie Hövermann durchfüttern zu können. Und siehe da:

“Klar scheint, dass benachteiligte Bevölkerungsgruppen nicht nur deutlich stärker durch die Inflation belastet sind und diese Belastungen auch kaum (oder gar nicht) durch Rücklagen kompensieren können (vgl. Dullien/Tober 2022b). Bei ihnen fehlt aber darüber hinaus auch deutlich häufiger das Vertrauen in die Politik und auch die fokussierten Ausprägungen rechtspopulistischer Einstellungen finden hier deutlich häufiger Zuspruch. Ob die jüngst bekanntgegebenen Maßnahmen des mittlerweile 3. Entlastungspakets insgesamt ausreichen werden, um für eine spürbare Entlastung, aber auch glaubhafte Vermittlung der wirksamen und prioritären Berücksichtigung dieser Gruppen sorgen können, ist somit von enormer Bedeutung – auch für die Stabilität des gesellschaftlichen Zusammenhalts und unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung.”

Ob Sie es glauben oder nicht, manchmal leiden wir darunter, dass Junk wie der von Hövermann so vorhersagbar ist.

Gut.
Wir wissen nun, woran wir mit Hövermann sind.
Es ist somit nur noch zu klären, wie er das, was er angeblich gemessen haben will, gemessen hat, also das Verschwörungsdenken und die Abwertung von Ukrainern, die geflüchtet sind.
Und jetzt geht es ans Eingemachte, zunächst beim “Verschwörungdenken”:

  • “Die erste Aussage lautet „Der Krieg gegen die Ukraine wird genauso künstlich dramatisiert wie die Corona-Pandemie“. Hier wird ein verschwörerisches Denken erfasst, da in der Aussage die jüngsten Krisen als nur scheinbar problematisch und gefährlich wahrgenommen und die Krisen als vorsätzlich und bewusst schlimmer dargestellt angesehen werden.”

Falls Sie es nicht glauben, das ist tatsächlich die Begründung, die Hövermann anführt. Sie finden den Text auf Seite 7 seines Werkes.

COVID-19 war eine Großkrise. Merken Sie sich das. Und wenn Sie der Ansicht sind, es sei alles nicht so schlimm gewesen, dann sind Sie ein Verschwörungstheoretiker. Mehr noch, wenn Sie denken, die Bericherstattung oder das, was Polit-Darsteller über beide Krisen verbreiten, sei nicht objektiv, sei nicht die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit, sofern es von westlichen Medien und westlichen Regierungen verbreitet wird, dann sind sie ein noch schlimmerer Verschwörungstheoretiker. Man muss schon sehr überzeugt von den eigenen Irrtümern sein, um sich nicht vorstellen zu können, dass die “jüngsten Krisen” bewusst schlimmer dargestellt werden als sie sind. Man muss, um genau zu sein, eine Welt ohne Interessen bewohnen, eine Welt voller Papaschlümpfe, die für das Wohl ihrer Kinder-Schlümpfe sorgen, ganz ohne eigene Interessen. Und natürlich ist die Aussage als Messung unbrauchbar, denn es mag Leute geben, die zwar denken, die Corona-Pandemie werde “künstlich dramatisiert”, nicht jedoch der Krieg in der Ukraine und umgekehrt. Eines der obersten Gesetze der Fragestellung in der empirischen Sozialforschung lautet: VOLLSTÄNDIGKEIT. Eine Frage, die nur einen Teil des interessierenden Gegenstandes abfragt oder, wie im vorliegenden Fall, eine Verbindung herstellt und den Befragten suggerieren will, dies sei die einzig denkbare Verbindung, ist unbrauchbar. Junk!

Nächste Aussage:

  • “Die zweite Aussage lautet „Der Krieg in der Ukraine dient nur der Ablenkung von der CoronaPandemie“. Indem von der „Ablenkung von der Pandemie“ gesprochen wird, wird unterstellt, dass dadurch bestimmte Tätigkeiten der Verschwörer im Zusammenhang mit der Pandemie leichter verdeckt gehalten werden und weniger Aufmerksamkeit bekommen. Drastischer noch, kann es sogar so verstanden werden, dass es den impliziten und konspirativen Vorwurf enthält, dass der eigentliche und wahre Kriegsgrund eventuell gar in der Pandemie selbst liegt.” Das schreibt Hövermann und man staunt, auf welche Gedanken der Gewerkschaftsmann so kommt. Ist er am Ende ein Verschwörungstheoretiker.

Es hat schon amüsante Seiten, die Begründungen von Hövermann zu lesen, warum er denkt, eine Aussage, deren Bedeutung am Wort “Ablenkung” hängt, messe den Glauben an eine Verschwörungstheorie. Insofern mit dem Krieg in der Ukraine der Schwerpunkt der Berichterstattung eindeutig von – bei der ARD “Corona-Pandemie”, zunächst zu “Krieg in der Ukraine” und dann zu “Angriffskrieg in der Ukraine” verschoben wurde, muss man zunächst feststellen, dass eine thematische Verschiebung nicht von der Hand zu weisen ist. Die Frage, die sich an diese Feststellung anschließt: Warum hat der Krieg in der Ukraine, an dem Deutsche nicht direkt beteiligt sind, die Corona-Pandemie, an der Deutsche direkt beteiligt sind, so weitgehend verdrängt? Dass es sich um ein Ablenkungsmanöver handelt, ist eine Hypothese, die in diesem Zusammenhang fast schon naheliegt, nur derjenige, der Sohn von Papaschlumpf, der denkt, Polit-Darsteller und Medienaktivisten verfolgten keine eigenen Interessen, sieht ihn nicht und schreit “Verschwörung”, wenn man ihn mit der Nase darauf stößt. Und nur ein Ideologe findet eine Hypothese anstößig und weigert sich, sie zu prüfen. Letzteres machen Wissenschaftler. Auch die zweite Aussage ist unbrauchbar, um – was will Hövermann noch einmal damit messen? – ah, genau: Verschwörungsdenken zu messen.

Das wars. Mit diesem Junk will Hövermann “Verschwörungsdenken” gemessen haben. Eine Behauptung, die ans Unglaubliche grenzt. Bestenfalls hat Hövermann damit gemessen, wie gut Befragte den Sprach-Code kennen, den MS-Medien verbreiten. Sie wissen schon: Schein-Referenden, Ultrarechte Wahlsieger, Angriffs-Krieg, usw. In diesen Sprachcodes sind Angehörige der Mittelschicht in der Regel besser bewandert als Angehörige der Unter- bzw. der Oberschicht, sie haben einfach aufgrund der Abhängigkeitsstrukturen, in denen sie sich befinden, einen höheren Anreiz, den Junk nachzuplappern, und schon ist erklärt, warum Hövermann einen Zusammenhang mit Einkommen und Schulabschluss findet, denn beide sind definierende Kriterien für die Zugehörigkeit zu Unter-, Mittel- oder Oberschicht.

Bleibt noch die Frage, wie die Abwertung von Ukraine Flüchtlingen operationalisiert wurde.
So:

  • “Die erste Aussage lautet „Wir können nicht noch mehr Geflüchtete in Deutschland aufnehmen“ und ist eher generell formuliert, da sie sich nicht spezifisch und explizit auf Ukraine-Geflüchtete bezieht.”

Eine Reminiszenz an die “Das-Boot-ist-voll”-Aussage aus Kreisen von CDU/CSU, nur umgekehrt. Wir alle wissen, dass aus Sicht der politischen Linken, die in ihrer Mehrheit von Steuerzahlern ausgehalten werden, der Flüchtling als solcher an die Stelle des edlen Indianers getreten ist, der sich bei Karl May findet und nun verboten ist. Der Flüchtling ist edel, zurückhaltend, bescheiden und gut und natürlich ist er sozial unter denen angeordnet, die ihn benutzen wollen, um sich auf seinem Rücken zu profilieren: den politschen Linken. Die Aussage, dass man nicht noch mehr Geflüchtete aufnehmen könne, als man es als Land bereits getan hat, gilt diesen Kostgängern der Toleranz und Steuerzahlungen anderer als fremdenfeindlich. Denn aus ihrer Sicht sind begrenzte Ressourcen ein Problem, das andere haben. Sie leben auf Kosten der Steuerzahler, oft genug über staatliche Organisationen finanziert und haben somit keine Sorgen, denn das Geld des Staates kommt von der Zentralbank… Indes ist die Aussage, “Wir können nicht noch mehr Geflüchtete in Deutschland aufnehmen” eine, die prüfbar ist. Dass Hövermann sie nicht als empirische Aussage erkennt, sondern als BEWERTUNG missversteht, sagt alles über die ideologischen Kreise in denen er sich bewegt, und die mit Wissenschaft nicht vereinbar sind. Übrigens gibt es mehr Flüchtlinge als die aus der Ukraine. Aufgrund zeitlicher Nähe den Befragten zu unterstellen, wenn sie von “Geflüchteten” hören, dann denken sie in erster Linie an Ukrainer, ist ein methodologisches Fiasko und ein weiterer Punkt, an dem Hövermann seinen eigenen Vorurteilen geformt im Echozimmer, in dem er mitruft, auf den Leim gegangen ist.
Die Aussage misst nichts.
Sie ist unbrauchbar.

Weiter geht es:

  • “Die zweite Aussage „Deutschland sollte bei der Aufnahme Geflüchteter aus der Ukraine großzügig sein“ thematisiert ebenfalls, in welchem Ausmaß Geflüchtete aufgenommen werden können. Diese Aussage ist aus methodischen Gründen andersherum gerichtet, sodass hiermit auch explizit positive Einstellungen erfasst und Ja-Sage-Tendenzen verhindert werden können.”

Zwei Missverständnisse in einer Aussage. Hövermann hat wohl den Begriff “confirmation bias” aufgeschnappt, der die Tendenz von Befragten zum Gegenstand hat, durchweg positiv zu antworten, und zwar ohne den Text der Aussage in Rechnung zu stellen. Er will, wie er schreibt, diese Tendenz dadurch verhindern, dass er die Aussage dreht.
Oh dear.
Fragen zu alternieren, dient nicht dazu, einen Affirmation Bias zu vermeiden, sondern dazu, diejenigen herauszufiltern, die ihn haben, denn sie werden, ungeachtet der Tatsache, dass ihr bisheriges Antwortverhalten sie als jemanden ausweist, der grundsätzlich “Ja” zu Steuererhöhungen sagt, auch zum Vorschlag, Steuern generell abzuschaffen, “Ja” sagen, eben wegen ihres “Confirmation Bias”, so dass man nicht weiß, was nun wirklich ihre “Meinung” zu Steuern ist, weil man nicht weiß, wo der Befragte, wenn man so will, gedankenlos zugestimmt hat. Eine methodologische Brache, dieses WSI.

Und natürlich ist die “großzügige Aufnahme” kein rein quantitatives Maß. Großzügig kann man im Hinblick auf die Anzahl sein, man kann es auch im Hinblick auf die Art der Leute sein, die hereingelassen werden oder man kann, wie Biden im Süden der USA im Hinblick auf beides “großzügig” sein und freie Einreise für zahllose Drogenhändler, Kriminelle und Terroristen, neben Arbeitssuchenden ermöglichen.
Abermals ist die Aussage nicht brauchbar.

Bleibt noch eine dritte Aussage, um die Abwertung [!sic] von Flüchtlingen aus der Ukraine zu messen:

  • “Die dritte Aussage „Geflüchtete aus der Ukraine sollten sich in Deutschland erstmal hintenanstellen“ fokussiert nun, wie in Deutschland mit
    Geflüchteten umgegangen werden sollte. Konkret wird das Bild der Menschenschlange bemüht, bei der andere Gruppen als Geflüchtete Vorrechte haben und zuvor zum Zuge kommen sollten, bevor Geflüchtete aus der Ukraine an der Reihe sind.”

Wäre Hövermann nicht der bornierte Ideologe, der er nun einmal ist, er wüsste, dass mit der Aussage “Geflüchtete aus der Ukraine sollten sich in Deutschland erstmal hintenanstellen” eine Frage der Gerechtigkeit [Equity] angesprochen ist. Es ist nicht naheliegend, Leuten, die keinerlei Beitrag zu einem Gemeinwesen geleistet haben, Vorzugsrechte einzuräumen, wie dies Hövermann offenkundig für richtig hält, weil er davon ausgeht, dass er die Kosten nicht wird tragen müssen. Jede Wette, wenn ihm zwei, drei Ukrainische Flüchtlinge in seine zwei-Zimmer-Mietwohnung einquartiert würden, die er mit Kost und Logis zu versorgen hat, er würde die Aussage oben nicht als Ausdruck der Abwertung von Flüchtlingen aus der Ukraine sehen, sondern als Frage der Gerechtigkeit. Warum soll er, Hövermann, für die Kosten der Flüchtlinge aus der Ukraine aufkommen? Das ist ungerecht. Marthas Vineyard lässt grüßen.

Wir stehen somit vor einem ideologischen Scherbenhaufen. Hövermann will die “Abwertung von Flüchtlingen aus der Ukraine” gemessen haben, und zwar dann, wenn ein Befragter der Ansicht ist, man könne nicht noch mehr Flüchtlinge in Deutschland aufnehmen, was mit Ukrainern zunächst einmal nichts zu tun hat, wenn unser Befragter denkt, dass auch Großzügigkeit ihre Grenzen hat und nicht mit der Gießkanne verteilt werden kann, weil Ressourcen nämlich begrenzt sind, jemand die Kosten tragen und jemand wegen Flüchtlingen aus der Ukaine kürzer treten muss. Schließlich gilt Hövermann Gerechtigkeit als verderblich und Flüchtlinge aus der Ukraine abwertend. Wer denkt, dass ein Flüchtling aus der Ukraine keine Vorzugsbehandlung vor dem Flüchtling aus dem Niger erhalten soll, der schon drei Wochen länger in Deutschland ist, ist demnach ein fremdenfeindlicher Rechtspopulist der Ukraine-Flüchtlinge, nicht etwa Niger-Flüchtlinge abwertet. Das Beispiel macht die Idiotie, die in “Studien”, wie der von Hövermann ihren Niederschlag gefunden hat, so richtig deutlich.

Und damit sind wir beim abschließenden Votum: JUNK SCIENCE.
Sind Sie überrascht?
Mit den Ergebnissen, die Hövermann gefunden haben will, müssen wir uns nicht mehr beschäftigen. Hier versucht ein Ideologe seine Vorurteile hinter Daten und Statistik zu verstecken. Dabei zuzusehen hat für Wissenschaftler etwas von Masochismus. Nichts für uns. Wenn Sie Hövermanns Studie begegnen, nutzen Sie das Papier als Brennmaterial.
Es gibt einen kalten Winter.

Noch ein wichtiger Hinweis aus der Redaktion: Die Frage, ob alle, die nun aus der Ukraine nach Deutschland kommen, flüchten, ist eine offene Frage, die man untersuchen würde, wäre man Wissenschaftler. Hövermann ist das nicht. Er will es so, also hat es so zu sein. Damit befindet er sich aktuell nicht nur im Widerspruch zum allen, was Wissenschaft auszeichnet, er ist auch im Konflikt mit Friedrich Merz, der im Zusammenhang mit der ungehinderten Einreise aus der Ukraine von Sozialtourismus spricht. Sicher eine Aussage, die Ukrainer nicht abwertet, sondern ihren Fähigkeiten Rechnung trägt. Wie alle Menschen so sehen auch Ukrainer Vorteile, die ihnen geboten werden, und wer würde nicht mal kurz nach Deutschland reisen, hier Urlaub auf Kosten der Einheimischen machen, sich problemlos an einer Hochschule einschreiben und alle Vorteile genießen, die mit der besonderen Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wird, verbunden sind? Wo Möglichkeiten sind, gibt es Opportunisten. Die Annahme, dass ein Gutteil der Geflüchteten aus der Ukraine die Gunst der Stunde nutzt, ist eine plausible eine rationale Annahme [die man entsprechend prüfen müsste]. Deshalb kommt sie Ideologe Hövermann nicht in den Sinn.



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