Glyphosatanisten: Stimmungsmache in den Diskurswelten der Ahnungslosen

Wer heute etwas gelten will, der ist gegen Glyphosat.
Gegen Glyphosat oder Roundup, wie es früher hieß, zu sein, ist in, trendy und cool.

Der Linke von Welt ist gegen Glyphosat.
Der Gutmensch von Welt ist gegen Glyphosat.

Denn Glyphosat ist schlecht.

Es vernichtet nicht nur Unkraut, es ist auch karzinogen.
Es macht krank:
Menschen sterben …
erliegen dem Krebs …,
wegen Glyphosat…, 
wegen des Krebes durch Glyphosat, …
wegen Monsanto.

Monsanto, ist die Reinkarnation des Satans, den es zu zerstören gilt.

So der Diskurs in der Welt der Ahnungslosen.

Monsanto ist übrigens nur einer von gut 80 Herstellern von Glyphosat. Nachdem das Patent auf Glyphosat im Jahr 2000 ausgelaufen ist, wird das Unkrautvernichtungsmittel vornehmlich in China hergestellt.

Glyphosat ist übrigens auch kein Unkrautvernichtungsmittel, das ins Grundwasser gelangt, jedenfalls nicht leicht. Das ist mit für den Erfolg von Glyphosat verantwortlich. Glyphosat blockiert ein pflanzliches Enzym und wird fest an Bodenpartikel gebunden. Ein Eintrag ins Grundwasser ist nur schwer möglich. Obendrein ist Glyphosat für Bienen und andere Fluginsekten ungefährlich, denn es attackiert gezielt ein bestimmtes Enzym. Pflanzen haben dieses Enzym. Tiere und Menschen haben es nicht.

Kein Wunder also, dass Helmut Greim, David Saltmiras, Volker Mostert und Christian Strupp, die 14 Studien analysiert haben, in denen getestet wurde, ob Glyühosat kreberregend ist, zu einem eindeutigen Ergebnis kommen: Glyphosat ist für Menschen so harmlos wie Trinkwasser: Es gibt keinerlei Hinweise auf einen karzinogenen Effekt von Glyphosat.

“Glyphosate, an herbicidal derivative of the amino acid glycine, was introduced to agriculture in the 1970s. Glyphosate targets and blocks a plant metabolic pathway not found in animals, the shikimate pathway, required for the synthesis of aromatic amino acids in plants. After almost forty years of commercial use, and multiple regulatory approvals including toxicology evaluations, literature reviews, and numerous human health risk assessments, the clear and consistent conclusions are that glyphosate is of low toxicological concern, and no concerns exist with respect to glyphosate use and cancer in humans. This manuscript discusses the basis for these conclusions. Most toxicological studies informing regulatory evaluations are of commercial interest and are proprietary in nature. Given the widespread attention to this molecule, the authors gained access to carcinogenicity data submitted to regulatory agencies and present overviews of each study, followed by a weight of evidence evaluation of tumor incidence data. Fourteen carcinogenicity studies (nine rat and five mouse) are evaluated for their individual reliability, and select neoplasms are identified for further evaluation across the data base. The original tumor incidence data from study reports are presented in the online data supplement. There was no evidence of a carcinogenic effect related to glyphosate treatment. The lack of a plausible mechanism, along with published epidemiology studies, which fail to demonstrate clear, statistically significant, unbiased and non-confounded associations between glyphosate and cancer of any single etiology, and a compelling weight of evidence, support the conclusion that glyphosate does not present concern with respect to carcinogenic potential in humans.”

Wie gewöhnlich, lassen sich Panik-Aktivisten von Fakten und wissenschaftlicher Forschung nicht beeindrucken und versuchen, wie dies in der Vergangenheit der ARD-Monitor getan hat, diejenigen, deren wissenschaftliche Ergebnisse sie nicht widerlegen können, persönlich zu diskreditieren. Entsprechend hat es Helmut Greim getroffen.

Und wie gewöhnlich sind die Panik-Aktivisten nicht mit wissenschaftlicher Evidenz zu beeindrucken. Auf Kreuzzügen für das Gute stören Fakten in der Regel, weshalb die Grünen darüber schwadronieren, dass Glyphosat die Menschheit vergiftet, während Greenpeace und all die anderen, die pseudo-moralische Entrüstung als Ersatz für ihre nicht vorhandenen Kenntnisse benutzen, zum Sturm auf die Industrie-Bastille aufrufen: Die Guillotine steht auch schon bereit und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt ist der Erste, der aufs Schafott steigen soll, um einen Kopf kürzer gemacht zu werden, hat er doch „im Alleingang“ wie es heißt, entschieden, dass Glyphosat fünf weitere Jahre in der EU zugelassen wird, nicht nur das, Schmidt hat mit seiner Zustimmung den Ausschlag im EU-Rat der Landwirtschaftsminister gegeben.

Seitdem herrscht das Pandemonium. Die Retter der Menschheit vor Krebs, die diese Rettung zu ihrem Lebenssinn erkoren haben, sind in geballter Wut über Schmidt hergefallen. Und wenn es darum geht, Stimmung zu machen, dann dürfen natürlich die sogenannten Meinungsforschungsinstitute der politischen und journalistischen Linken, allen voran Civey nicht fehlen. Dieses Institut, das es schaffen, selbst der nach-Forsa-Meinungsforschung noch einen schlechteren Namen zu geben, verschickt in seinen Befragtenpanels derzeit Emails mit dem folgenden Text

“Das gestrige Votum zu einer weiteren Verwendung des Unkrautgifts Glyphosat für fünf Jahre hat in der deutschen Politik für Empörung gesorgt. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) stimmte im EU-Parlament der Verlängerung zu, gegen den ausdrücklichen Willen der SPD. Renate Künast von den Grünen nannte dies einen “ungeheuren Vorgang”, Marco Buschmann von der FDP sieht eine „vorsätzliche Verletzung der gemeinsamen Geschäftsordnung” und Andrea Nahles (SPD) spricht von einem „schweren Vertrauensbruch”.

Civey möchte von Ihnen wissen:

Wie bewerten Sie, dass Agrarminister Schmidt gegen den Willen der SPD der weiteren Zulassung von “Glyphosat” zugestimmt hat?”

Manipulation erfolgreich, Meinungsforschung tot.

Warum Civey das noch wissen will, ist eine spannende Frage, denn dass nach einer Einleitung, in der man denen, die man angeblich befragen will, gesagt hat, dass sie dann, wenn sie der Zustimmung von Schmidt positiv gegenüberstehen, sich zum einen nicht in die Reihe der Empörten stellen und zum anderen ziemlich alleine dastehen, weil sie den „ungeheuren Vorgang“, die „vorsätzliche Verletzung der gemeinsamen Geschäftsordnung“ oder den „schweren Vertrauensbruch“ nicht verurteilen, ist sichergestellt, dass nicht viele die Aktion von Schmidt positiv bewerten werden.

Wenn es Civey also offensichtlich nicht darum geht, die Meinung der Befragten zu erfragen, dann kann es nur darum gehen, die Befragten dazu zu missbrauchen, Stimmung zu machen, sie zur Abgabe einer bestimmten Bewertung zu manipulieren. Wie das geht, haben Amos Tversky und Daniel Kahneman schon vor Jahren dargelegt. Wenn man Zustimmung will, muss man einen Rahmentext formulieren der Positives hervorhebt, wenn man Ablehnung will, dann muss man einen Rahmentext formulieren, der Befragten Negatives einhämmert. Civey hämmert seinen Befragten Negatives ein und bekommt zwar nicht deren Meinung, dafür aber, was gewollt war: Ablehnung des ungeheuren Vorgangs, der vorsätzlichen Verletzung der gemeinsamen Geschäftsordnung, des schweren Vertrauensbruchs durch Schmidt.

Das hat mit Meinungsforschung nichts mehr zu tun, ist aber nützlich, um politische Stimmung zu machen, Menschen in die Pfanne zu hauen und der eigenen Peer-Group Hilfestellung dabei zu liefern, die Feinde der Befreiung von Glyphosat auf die Guillotine zu bringen.

Einen guten Text zum Thema Glyphosat gibt es beim European.

Informationen zum EU-Prozess der Glyphosat-Zulassung und weitere Analysen und Gutachten zu Glyphosat gibt es bei der EU-Commission.

Nachtrag:

Scheint ein heißes Thema zu sein.
Zu den Anfragen, die uns erreichen:

Die WHO teilt die Ansicht der European Food Safety Authority (EFSA) und des Bundesamts für Risikobewertung, dass Glyphosate NICHT krebserregend sind (und auch das Erbgut nicht schädigen).

Die Behauptung, Glyphosate hätten Erbdefekte zur Folge, geht auf diese Studie zurück, die u.a. vom BfR hier zerpflückt bzw. kritisiert wird.

Glyphosate als Rückstände in Bier (besteht aus Gerste, Gerste wird mit Glyphosaten behandelt) sind unschädlich und die Konzentration geht zurück.

Eine sehr lesenswerte Zusammenstellung der Irrtümer, falschen Behauptungen, Fake News und Lügen, die im Zusammenhang mit Glyphosaten im Umlauf sind, findet sich hier.

Viel Spass beim Lesen!

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Vom mündigen Bürger zum Reiz-Reaktions-Deppen: Spiegel/BENTO macht‘s möglich

Seit Verlage wie der Spiegel die Manipulations-Möglichkeiten die „online“-Echtzeitbefragung bieten, entdeckt haben und seit Civey angetreten ist, auch noch den Rest Glaubwüridgkeit zu beseitigen, den die Meinungsforschung auf welchen Wegen auch immer und gegen alle Wahrscheinlichkeit hat retten können, ist es vorbei mit der Glaubwürdigkeit und der Meinungsforschung. Beide sind im Maelstrohm der politischen Instrumentalisierung verschwunden und haben den Leumund der empirischen Sozialforschung mitgerissen.

Das neueste Beispiel eines so brachialen Versuchs der Meinungsmanipulation durch eine Meinungsabfrage stammt von BENTO, dem Spiegel-Ableger, der die 18- bis 30jährigen zur Zielgruppe hat, und wenn es diese Zielgruppe ist, die BENTO liest und nicht etwa die 6- bis 11jährigen, dann sagt dies einiges über den Infantilisierungsgrad von Teilen der deutschen Bevölkerung.

Im Zusammenhang mit den unsäglichen Ereignissen um den Antaios-Verlag auf der Deutschen Buchmesse, in deren Zusammenhang sich u.a. der deutsche Börsenverein als das rückwärtsgewandte, ewig-gestrige, sozialen Wandel bekämpfende Gremium von Pop-Oligarchen entpuppt hat, das er nun einmal ist, hat auch BENTO einen Beitrag, vermutlich auch mehrere Beiträge veröffentlicht. Zum Ende eines dieser Beiträge findet sich die folgende Meinungsabfrage, die Don Alphonso aufs Twitter –Korn genommen hat und in der er den Ausgang der Abfrage beklagt.

Und so schlimm das Ergebnis dieser „Meinungsabfrage“ auch sein mag, wir beklagen nicht das Ergebnis, wir beklagen die Tatsache, dass man das Klientel von BENTO offensichtlich mit den einfachsten Manipulations-Mitteln im Arsenal der Meinungsabfrage manipulieren kann.

Wir sprechen deshalb von Meinungsabfrage, weil dies mehr den Impetus der Schule mit sich bringt. Meinungsabfragen interessieren sich im Gegensatz zu Meinungsumfragen nicht dafür, welche Meinung die Befragten haben, sondern dafür, ob die Indoktrination dazu geführt hat, dass die abgefragte auch die politisch korrekte Meinung ist. Es ist wie in der Schule, der Lehrer (BENTO) prüft, ob seine Lehrinhalte (Indoktrination) von den Schülern (Lesern von BENTO) auch auswendig gelernt und aufgesagt werden können.

Die brachiale Manipulation, die in dieser Abfrage offenkundig ist, sie ist von Civey zu verantworten, einem Berliner Start-Up, das wohl angetreten ist, Meinungsumfragen zu erledigen und endgültig in Meinungsmanipulationen, die z.B. belegen, dass die meisten BENTO-Leser sich nicht einmal auf dem Entwicklungsstand von Pawlows Hund befinden, denn der hat ohne materielle Belohnung nichts getan, umzuformen.

Civey ist entsprechend unser Klassifikation somit als Junk-Institut anzusehen, und zwar aus folgenden Gründen:


Wollte man fragen, ob Leser der Ansicht sind, dass die Buchmesse nur bestimmten Verlagen zugänglich gemacht werden soll, dann würde man fragen:

Soll die Frankfurter Buchmesse für alle Verlage offen sein?

Wenn man, aus welchen Gründen auch immer, wissen will, ob Leser radikale Verlage nicht auf der Buchmesse haben wollen, dann ist es ein methodischer Fehler, der zum Himmel schreit, wenn man diese Leser mit einem Stimulus ködert ohne ein Gegengewicht zu setzen, etwa so:

Sollen radikale (z.B. links- oder rechtsradikale) Buchverlage auf der Frankfurter Buchmesse zugelassen werden?

Wer seine Frage auf genau eine Seite des politischen Spektrums beschränkt ohne das Gegenstück des Linksradikalismus zu erwähnen, suggeriert damit, dass sich diese Frage überhaupt nur für rechtsradikale Verlage stellt, d.h. der wichtigste Stimulus in der Frage ist das Adjektiv „rechts“.

Das Adjektiv „rechtsradikal“, das hier anstelle von rechtspopulistisch oder rechtsextrem steht, kommt indes in der Frage gar nicht vor. In der Frage ist schlicht von „rechte[n] Verlage“ die Rede. Erst die Antwortmöglichkeiten:

“Ja, radikales Gedankengut hat in unserer Gesellschaft keinen Platz bzw.
Nein, auch rechtsradikale Meinungen müssen ausgehalten werden,”

stellen die Verbindung von „rechts“ und „radikal“ her. Sie tun das auf eine besonders perfide Weise, die in der positiven Antwort nahelegt, es gäbe nur einen Radikalismus der Rechten, was uns Liberale herzlich amüsiert und einmal mehr zeigt, wie borniert linke Manipulateure doch sind. Zudem wird „radikales Gedankengut“ mit „rechtsradikaler Meinung“ gleichgesetzt und da wir bereits wissen, dass „radikales Gedankengut“ nur von Rechts kommt, ist auch klar, dass BENTO hier abfragt, ob es gelungen ist, die eigenen Leser zu stupiden Aufsagern der indoktrinierten Meinung zu machen. Es gelingt trotz des verzweifelten Einsatzes all der brachialen Methoden für nur 67% der BENTO-Leser:

67% (von 20?) sind der Ansicht, dass radikales Gedankengut in unserer Gesellschaft keinen Platz habe, eine nette Absurdität, denn diese 67% vertreten hier natürlich überaus radikales Gedankengut, das auf eine 1000jährige Geschichte zurückblicken kann. Daraus, dass 67% nichts dabei finden, eine solche Absurdität als ihre Meinung auszugeben, kann man wiederum schließen, dass sie nicht darüber nachgedacht haben, was sie hier als ihre Meinung abgeben, sondern auf den Reiz „radikales Gedankengut“ im Zusammenhang mit „rechts“ reagiert haben. Rechts sowieso, aber besonders in Verbindung mit „radikal“ löst bei den 67% der Leser von BENTO, die entsprechend abgestimmt haben, eine, dem Speichelfluss von Pawlows Hund vergleichbare Reaktion aus, die dazu führt, dass sie ohne zu zögern und zu denken, alle Errungenschaften der modernen Demokratie über Bord werfen und sich in eine Reihe mit den Vätern des Ermächtigungsgesetzes stellen.

Wenn es die Absicht von BENTO ist, einen Teil seiner Leser zu affektiven Marionetten zu erziehen, die sich, wie es wohl die Leser von Streichers Stürmer getan haben, daran ergötzen, wenn der auserkorene Feind in welcher Form auch immer diskreditiert wird, wenn ihm demokratische Grundrechte verweigert werden, wenn er zum Aussätzigen erklärt und am besten interniert, in jedem Fall aber aus dem öffentlichen Leben entfernt wird, dann hat BENTO bei 67% (von 20?) Erfolg – ob man darauf stolz sein kann, formal betrachtet (und vermutlich auch inhaltlich) in einer Reihe mit Streichers Stürmer zu stehen, das ist eine andere Frage.

Bleibt abschließend noch festzustellen, dass diejenigen, die diese Frage zu verantworten haben, eine Schande für alle sind, die sich wirklich mit der Erforschung von Meinungen beschäftigen. Wenn Civey, wie wir begründet vermuten, für diese Frage verantwortlich ist, dann ist auch klar, welcher Agenda die Gründung und der schnelle Aufstieg dieses Berliner Instituts folgt.

Die Schleimscheißerei (Warum soll man etwas nicht beim Namen nennen?) „Du hast eine sehr differenzierte Meinung, wie sehen das Deine Freunde?“, mit der denjenigen unter den BENTO-Lesern, die besonders minderbemittelt sind, Honig ums Maul geschmiert werden soll, um auf diese Weise Zugriff auf ihre Facebook- und Twitter-Freunde zu erhalten, dient natürlich nur dazu, die von Cambridge Analytica erfundene Methode, so genannte BIG DATA zu sammeln, umzusetzen. Vermutlich sind die Informationen, die Civey auf diese Weise von den einfältigsten unter den BENTO-Lesern sammelt, bares Geld wert, wenn es darum geht, für andere Kunden Marketing-Kampagnen zu zimmern. Dies erklärt dann auch, warum Marketing-Konzeptze so häufig versanden und Geld kosten, aber nichts bringen, denn deren Zuschnitt basiert auf den Angaben von Einfältigen, die zum Glück immer noch eine Minderheit in der Gesellschaft sind.

Nachtrag:
Ein Leser hat uns darauf hingewiesen, dass die Junk-Abfrage nach seiner Ansicht nicht von Civey, sondern von Opinary ist. Das macht es nicht wirklich anders. Letzteres ist ein Klon von Ersterem und verantwortlich wären entsprechend nicht “Gerrit, Janina, Oliver, Lian oder Adam, sondern Cornelius Frey, Pia, Max und Stephen.

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Sich selbst erhaltende Korruptionsnetzwerke – wie man 95% Zustimmung generiert

Der heutige Arbeitstag beginnt mit der folgenden Pressemeldung von Reuters:


Berlin (Reuters) – Die große Mehrheit der Deutschen unterstützt einer Umfrage zufolge den Ausbau der erneuerbaren Energien.

95 Prozent halten demnach die stärkere Nutzung von Ökostrom-Kraftwerken für wichtig oder sogar sehr wichtig, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe am Dienstag vorab aus einer repräsentativen Erhebung des Instituts Kantar Emnid im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) berichteten. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zustimmung um zwei Prozentpunkte gewachsen – dies liege aber noch innerhalb des Fehlerbereichs der Umfrage. Vier Prozent fänden den Ausbau weniger oder überhaupt nicht wichtig. Ein Prozent machte keine Angabe.

“95 Prozent sind ein deutliches Votum an die kommende Bundesregierung, den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben”, sagte der stellvertretende AEE-Geschäftsführer Nils Boenigk den Zeitungen.”

Die Zeitungen, an die sich „Nils Boenigk“ richtet, werden diese Vorwahl-Umfrage natürlich pflichtschuldigst übernehmen und genau mit den Inhalten, die seine Lobbygruppe vorgibt, verbreiten. Den Anfang haben der Spiegel und das Hamburger Abendblatt bereits gemacht.

Wer also gegen einen weiteren Ausbau erneuerbare Energien ist, der ist hoffnungslos in der Minderheit, so jedenfalls will es die Studie des Instituts „Kantar Emnid“, die natürlich, wie könnte es anders sein, repräsentativ ist. Bevor wir zur Nutzung von Umfragen zum Zwecke der Meinungsmanipulation kommen, hier noch ein kleiner Blick auf das Korruptions-Netzwerk, das sich in diesem Fall Emnid bedient hat.

Die Agentur für Erneuerbare Energien, eine üppig ausgestattete Lobbygruppe, die allein 5 Pressesprecher unter ihren 18 Angestellten unterhält, sie hat die Studie in Auftrag gegeben und die Pressemeldung über das Ergebnis der Studie erstellt und über die Funke-Mediengruppe verbreitet.

Das Ziel der Studie besteht darin, eine breite Mehrheit der Deutschen als pro erneuerbare Energien auszuweisen, um auf dieser Grundlage die öffentliche Meinung mindestens beeinflussen, vielleicht auch manipulieren zu können [Fehlschluss ad populum: Siehst Du, alle sind der Meinung…”] und über die Pressemeldung Druck auf die Bundesregierung auszuüben, auf dass die Fördermittel aus dem Steuertopf für die Industrie erneuerbarer Energien auch in Zukunft fließen mögen.

Der Druck, der mit den so passenden Ergebnissen im Interesse der eigenen Klientel auf die Bundesregierung ausgeübt wird, kommt wiederum von einer Lobbyorganisation, zu deren Förderern und Finanziers u.a. die folgenden Organisationen und Institutionen gehören:

  • Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
  • Berliner Energieagentur (eine Ausgründung des Berliner Senats)
    Usw.

Gleich zwei Bundesministerien finanzieren somit eine Lobbyorganisation, die ihr Geld dazu benutzt, vermeintlich repräsentative Studien in Auftrag zu geben, deren passende Ergebnisse genutzt werden, um die Bundesregierung öffentlich und mit angeblich 95% der Bevölkerung im Rücken, dazu zu drängen, die erneuerbaren Energien auszubauen.

Dieser Kreis der Korruption ist eines der staatlich finanzierten und betriebenen Systeme, mit denen versucht wird, die öffentliche Meinung im Sinne der Politik zu beeinflussen, die man sowieso durchzuführen gedenkt. Auch die Europäische Union bedient sich dieser Technik mit großem Erfolg, wie Christopher Snowdon gezeigt hat. Mit Demokratie hat das ganze nichts zu tun, eher mit einem großangelegten Meinungsbetrug durchgeführt von entsprechenden Korruptionsnetzwerken.

Nun zur Auftragsstudie mit den passenden Ergebnissen.

Das, worum es bei der Umfrage ging, steht bereits im ersten Absatz der Pressemeldung der Agentur für Erneuerbare Energie:

„Das Ergebis der Umfrage beweist, wie breit der gesellschaftliche Konsens ist, der die Energiewende in Deutschland trägt”, sagt Nils Boenigk, stellvertretender Geschäftsführer der AEE. „95 Prozent sind ein deutliches Votum an die kommende Bundesregierung, den Ausbau der Erneuerbaren Energien entschlossen voranzutreiben“, so Boenigk mit Blick auf die Bundestagswahl im September.

In der Tat, eine Zustimmung von 95% sind ein stolzer Wert. Tatsächlich ist eine solche überwältigende Zustimmung ein Wert, der jeden Sozialforscher die Stirn in tiefe Falten legen und im Geist die Frage bewegen lässt, ob er hier Junk gemessen hat. Hat ein Sozialforscher diese Bedenken nicht, dann hat er es offensichtlich darauf angelegt, eine überwältigende Zustimmung mit seiner Befragung zu erreichen.

Sie glauben, das sei nicht möglich?
Ah, nichts ist leichter, als Befragte zu einem bestimmten Antwortverhalten zu manipulieren.

Nehmen wir die folgende Aussage, bei der es sich um die Form der Aussage handelt, die von Emnid im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien genutzt wurde:

Stärkere Nutzung und Ausbau Erneuerbarer Energien sind

  • Überragend wichtig
  • Sehr wichtig
  • Wichtig
  • Weniger Wichtig
  • Überhaupt nicht wichtig

Schon die Frage ist ein Musterbeispiel der Manipulation, denn es gibt keinerlei negative Formulierung. Wer diese Frage entwickelt hat, wusste, was er als Ergebnis haben will, wird den Befragten doch bereits durch die Antwortalternativen suggeriert, dass Ausbau oder Nutzung erneuerbarer Energien in vier Fällen wichtig ist und nur in einem Fall überhaupt nicht wichtig. Eine korrekte Formulierung umfasste die Antwortalternativen „sehr wichtig“, „eher wichtig“ „eher unwichtig“, „sehr unwichtig“.

Nun wollen wir als Antwort-Manipulateur natürlich nicht nur mit den Antwortalternativen dafür sorgen, dass die Befragten die richtige Antwort geben. Entsprechend formulieren wir eine Frageeinleitung, die sich in etwa wie folgt liest:

In den letzten Jahren ist die Energiewende in Deutschland von der Bundesregierung vorangetrieben worden. Der Schutz des Klimas und der Ausstieg aus der gefährlichen Kernenergie machen einen Ausbau der alternativen Energien notwendig, um nicht nur die Stromversorgung Deutschlands, sondern auch die Gesundheit der Bürger und das weltweite Klima zu sichern. Im Folgenden bitten wir Sie für jede der genannten Aussagen anzugeben, für wie wichtig sie den entsprechende politische Aufgabe halten:

Stärkere Nutzung und Ausbau Erneuerbarer Energien sind

  • Überragend wichtig
  • Sehr wichtig
  • Wichtig
  • Weniger Wichtig
  • Überhaupt nicht wichtig

Was wäre wohl das Ergebnis, wenn man die Aussage wie folgt einleiten würde:

Die Kosten für Erneuerbare Energien steigen von Jahr zu Jahr. Schon jetzt ist der Strompreis in Deutschland so hoch wie sonst nur noch in Dänemark. Gleichzeitig hat die teure Energiewende nicht dazu geführt, dass Deutschland auf Strom aus Kohle und anderen fossilen Brennstoffen verzichten könnte. Wie ist vor diesem Hintergrund ihre Einschätzung der Wichtigkeit der folgenden politischen Aufgaben:

Stärkere Nutzung und Ausbau Erneuerbarer Energien sind

  • Sehr wichtig
  • Eher unwichtig
  • Unwichtig
  • Sehr unwichtig
  • Vollkommen unwichtig

Junk von Emnid

Seltsamerweise macht die Agentur für Erneuerbare Energie keinerlei Angaben darüber, in welchem Kontext das Ergebnis, dass 95% der Befragten die Nutzung und den Ausbau erneuerbarer Energien für wichtig halten, zustande gekommen ist. Dass es nicht der zuletzt genannte Fragekontext war, kann als sicher angenommen werden. Dass der Fragekontext genutzt wurde, um Befragte zu bestimmten Antworten zu manipulieren, das legen schon die Antwortvorgaben nahe. Auch die folgende Aussagebatterie legt nahe, dass es in der Junk-Studie der Agentur für Erneuerbare Energien ausschließlich darum gegangen ist, hohe Zustimmungswerte zu erreichen.

Studenten, die wissen wollen, wie man einen Confirmation Bias produziert, um ihn ideologisch zu nutzen, können die Aussagen in der Abbildung rechts als Beispiel benutzen. Mit dem Begriff des Confirmation Bias wird die Tendenz von Befragten umschrieben, Aussagen zuzustimmen. Deshalb wird in Aussagebatterien wie der folgenden normalerweise mindestens eine Aussage negativ formuliert, dass dies im vorliegenden Fall unterlassen wurde, zeigt, dass es gerade darum gegangen ist, einen confirmation bias zu produzieren, um ihn für die eigenen ideologischen Zwecke nutzen zu können.

Es ist schändlich, dass Institute wie Kanter Emnid sich für derartige Junk-Umfragen hergeben.

Es ist auch schändlich, dass Medienvertreter mangels Urteilsfähigkeit oder -willigkeit ihren Leser einen derartigen Junk kritiklos zumuten.

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LfM-Fake-News Studie: Fachkräfteportal für Kinder- und Jugendhilfe verbreitet Falschnachrichten

Es ist immer wieder erstaunlich, dass Menschen, die bar jeder Ahnung darüber sind, was empirische Sozialforschung ist und wie man die Ergebnisse, die im Rahmen von z.B. Meinungsumfragen gewonnen werden, interpretiert, sich dennoch auf diese Ergebnisse stürzen und eine phantasievolle Narration weben, die mit den Daten überhaupt nichts zu tun hat.

morons2Wir haben eine solche Narration beim Fachkräfteportal für Kinder- und Jugendhilfe gefunden, für das wir bislang nur feststellen können, dass sich dort keine Fachkräfte finden, wenn es um die Interpretation von Umfrageergebnisse geht. Statt dessen findet sich dort der Ausdruck dessen, was man im Englischen raving madness nennt.

Zunächst die Narration. Die Zahlen in Klammer beziehen sich auf unsere kostenfreie Überprüfung dieser Fake-News:

“Falschmeldungen im Internet sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Dies hat eine Studie der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfahlen (LfM) ergeben [1].

Fast 80% der Jugendlichen sind bereits mit Fake News in Berührung gekommen, erkennen diese aber häufiger als Erwachsene. [2]

Neben der Hassrede im Netz, deren steigende Brisanz erst vor zwei Wochen durch eine Studie der LfM belegt wurde, ist auch das Thema der verfälschten Information, der sogenannten Fake News oder auch “alternativen Wahrheit” inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das belegt eine weitere Studie der Landesanstalt für Medien NRW (LfM). [3]

Danach ist mehr als die Hälfte der deutschen Onlinenutzer (59%) schon einmal mit Fake News in Berührung gekommen. [4]

Jüngere Nutzer erkennen dabei eher als Ältere Falschmeldungen. In der Gruppe der 14- bis 24-jährigen haben bereits 77 Prozent Fake News im Internet gesehen. [5]

Kennzeichnungsmöglichkeiten und neue Löschgesetze werden von vielen Befragten befürwortet. [6]”

Und nun zur Berichtigung der Fake-News, die von keinerlei Fachkräften aus dem Fachkräfteportal für Kinder- und Jugendhilfe verbreitet werden.

[1]
Falschnachrichten im Internet sind nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Aussage ist zum einen Unsinn, zum anderen wurde in der Umfrage, auf die sich diese Behauptung bezieht, keinerlei Versuch unternommen, die gesellschaftliche Mitte zu bestimmen. Fake-News.

Frosa LfM Fake News 1[2] Fast 80% der Jugendlichen sind nicht mit Fake News in Berührung gekommen, weil in der Umfrage überhaupt nicht danach gefragt wurde, ob Jugendliche mit Fake-News in Berührung gekommen sind. Die Umfrage wurde von Forsa, dem Institut zur Forcierung gewünschter Ergebnisse durchgeführt, und deshalb muss man genau hinsehen. Wenn man genau hinsieht, dann liest man das Wörtchen „(vermutliche)“ vor Fake News. D.h. Forsa hat seine Befragten gefragt, ob sie „persönlich schon (vermutliche) Fake News bzw. Falschnachrichten im Internet bemerkt haben“. Was also erfragt wurde ist, ob die Befragten GLAUBEN, dass sie schon einmal eine Fake News gesehen haben. 13% der Jugendlichen, das sind 14 bis 24jährige für Forsa, weil das Institut zu wenige Befragte hat, um bei 18 Jahren einen Schnitt zu machen, sagen, dass sie häufig etwas, das sie für Falschnachrichten gehalten haben, gesehen haben (ob es sich dabei um Fake News gehandelt hat, ist eine ganz andere Frage), 35% sagen, sie haben ab und zu etwas gesehen, das sie für Falschnachrichten gehalten haben und 29% sagen, dass sie selten etwas gesehen haben, was sie für Falschnachrichten gehalten haben. Das macht in der Addition 77% der 15 bis 24jährigen. Daraus werden beim Fachkräfteportal für Kinder- und Jugendhilfe fast „80% der Jugendlichen“, die bereits mit Fake News in Berührung gekommen sein sollen. Ob derartige Phantasien unter dem Einfluss von Designerdrogen, Opiaten, Selbstüberschätzung oder Dummheit zu Stande kommen?

[3]
Fake News haben nichts mit alternativen Fakten zu tun. Alternative Fakten und Fake News sind auch immer noch nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Hier geht die Phantasie eines offensichtlich linken Schreibers mit ihm durch. Jedenfalls ist in keiner der Studien, auf die sich der Phantast bezieht, auch nur entfernt versucht worden, die Mitte der Gesellschaft zu operationalisieren.

[4]
Noch einmal zur Erinnerung: Forsa fragt danach ob man „persönlich schon (vermutliche) Fake News bzw. Falschnachrichten im Internet bemerkt“ hat.

Für die 59% der deutschen Onlinenutzer gilt deshalb, dass sie nicht mit Fake News in Berührung gekommen sind, sondern in 9% der Fälle angeben, häufig etwas, das sie für Fake News gehalten haben (unabhängig davon, ob es sich tatsächlich um Fake News gehandelt hat), bemerkt zu haben, 28% wollen ab und zu etwas, das hätte Fake News sein können, bemerkt haben und 22% selten. Deshalb ist die Aussage, dass 59% der deutschen Onlinenutzer mit Fake News in Berührung gekommen sind, schlicht falsch. Das sollte auch bei den Fachkräften für was auch immer ankommen.

[5]
Die 80 % aus der Unterüberschrift, die dort Jugendlichen zugeschrieben wurden, sind nun zu 77% in der Gruppe der 14 bis 24jährigen mutiert. Die Aussage ist dennoch falsch, denn die 77% der 14 bis 24jährigen, bei denen es sich nach aller Erfahrung um nicht mehr als 195 Befragte handeln dürfte, wurden nicht nach tatsächlichen Fake News befragt, sondern nach etwas, das ihnen wie Fake News vorgekommen ist. Wenn die Befragten ungefähr dasselbe Urteilsvermögen haben, wie die Fachkräfte des Fachportals, dann dürfte alles, was ihnen wie Fake News vorgekommen ist, keine Fake News gewesen sein.

[6]
Frosa LfM Fake News 2Die Behauptung haben wir anhand der Daten (Tabelle links) näher betrachtet. Auf den ersten Blick stimmen 86% der Befragten der Aussage zu „Es braucht neue Gesetze, damit Facebook und Co, Fake News schneller löschen müssen“. Auf den zweiten Blick sagen 35% der Befragten, dass sie die ganze Aufregung nicht verstehen, weil es Fake News schon immer gegeben habe, ebenso viele geben an, nicht an Fake News interessiert zu sein. Wenn sie nicht an Fake News interessiert sind, werden sie wohl kaum der Aussage zustimmen, dass es neue Gesetze braucht, um Facebook und Co zum schnelleren Löschen von Fake News zu zwingen, denn: Sie interessieren sich ja nicht für Fake News. Das lässt zwei Möglichkeiten: Die Daten von Forsa sind falsch oder die Befragten haben tatsächlich beidem zugestimmt, mehr Gesetzen gegen und keinem Interesse an Fake News. In beiden Fällen ist die Itembatterie Junk, im ersten Fall qua Datenfälschung im zweiten Fall qua Zustimmungs-Bias, denn offensichtlich haben eine Reihe von Befragten generell ihre Zustimmung erklärt und nicht darauf gehört, was ihnen am Telefon als Aussage präsentiert wurde.

Eine der wenigen Freiheiten, die in Deutschland noch zu bleiben scheinen, ist die Freiheit, in der Öffentlichkeit die eigene Unkenntnis zur Schau zu stellen. Die Verantwortlichen des Fachkräfteportals für Kinder und Jugendhilfe haben davon gerade ausgiebig Gebrauch gemacht.


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Mitläufereffekt: Plötzlich ist eine Mehrheit für Zensur

Schon 1975 hat Kurt Holm in seinem Standardwerk über die Befragung den Mitläufereffekt als Mittel der Meinungsmanipulation in Umfragen beschrieben. Den Befragten wird suggeriert, dass zu einer bestimmten Frage bereits eine Mehrheit oder eine Obrigkeit oder eine Autorität zu einem bestimmten Urteil gekommen ist und dann werden die Befragten gefragt, zu welchem Urteil sie denn kommen: „Dieser Appell an den Mitläufereffekt“, so schreibt Holm, hat „natürlich nur einen Sinn, wenn der Befragte auch tatsächlich unter dem Eindruck steht, dass so wie er denkt und handelt, auch viele andere denken und handeln, ohne offen darüber zu sprechen“ (Holm, 1983: 63).

Holm_Entsprechend kann der Mitläufereffekt auch als Variante sozialer Erwünschtheit angesehen werden, soziale Erwünschtheit, die darin besteht, mit seiner Meinung die Mehrheitsmeinung zu repräsentieren, sich als Mitglied der Mehrheit, der In-Group darzustellen, nicht als Außenseiter mit abweichender Meinung.

In jedem Fall führen Mitläufereffekt und soziale Erwünschtheit dazu, dass Befragte den Befragern nach dem Mund reden, was Letztere leidlich ausnutzen, wenn es darum geht, eine bestimmte Verteilung von Antworten in angeblich repräsentativen Befragungen herbei zu manipulieren.

YouGov leistet dies seit neuestem sogar in besonders innovativer Weise und in eigenen Worten dadurch, dass „1036 Personen ab 18 Jahren im Zeitraum vom 7. bis 11. April repräsentativ befragt“ wurden. Wie man repräsentativ befragt, ist eine Frage, die mit Sicherheit niemand bei YouGov beantworten kann, einfach deshalb nicht, weil die Formulierung vollkommener Unsinn ist.

Aber darum geht es auch nicht. Es geht darum, mit dem Wörtchen „repräsentativ“ jenen Köder zu legen, den Journalisten gerne fressen, so dass die Ergebnisse von YouGov ihren Weg in die Medien Deutschlands finden, sich dort in Schlagzeilen wie: „Mehrheit der Deutschen finden Gesetzentwurf gegen Hasskommentare sinnvoll“ niederschlagen.

Die Mehrheit der Deutschen hat mit Sicherheit keine Ahnung, was in dem Gesetzentwurf, den sie nach den Ergebnissen, die YouGov verkaufen will, „sinnvoll finden“, steht. Entsprechend muss diese Mehrheit, nicht der Deutschen, sondern der 1036 Befragten, die YouGOV zusammenbekommen hat, auf das Vertrauen, was YouGOV an Informationen über den Gesetzentwurf bereitstellt.

YouGov Stellt diese Informationen bereit:

You Gov Hasskomentare Grafik 1„Die Bundesregierung will stärker gegen Hasskommentare und Falschnachrichten im Internet vorgehen. Sie stimmte dem Gesetzentwurf von Justizminister Heiko Maas zu. Dieser sieht vor, dass Betreiber sozialer Netzwerke innerhalb von 24 Stunden strafbare Inhalte löschen müssen. Sonst drohen im Extremfall bis zu 50 Millionen Euro Bußgeld. Sind Sie der Meinung, dass dieses Vorgehen sinnvoll ist, um gegen Hasskommentare und Falschnachrichten im Internet vorzugehen?“

Die Mehrheit der Befragten, die nicht wissen, was im Gesetzentwurf steht, erfährt von YouGov, dass das, was sie nicht kennen, von der Bundesregierung bereits abgesegnet wurde, dass Betreiber sozialer Netzwerke strafbare Inhalte löschen müssen, die zwar wenig mit Hasskommentaren und gar nichts mit FakeNews zu tun haben, aber dennoch mit beidem in Verbindung gebracht werden. Sie werden dann gebeten, anzugeben, ob das Gesetz, mit dem gegen strafbare Inhalte in sozialen Netzwerken vorgegangen werden soll, ein Vorgehen, von dem sie zwar nicht wissen, wie es aussieht, so dass sie es auch nicht beurteilen können, von dem ihnen aber gesagt wurde, dass es gegen strafbare Inhalte gerichtet sei, also gegen Kriminalität und dass es die Bundesregierung bereits abgesegnet habe, auf jeden Fall sinnvoll ist, eher sinnvoll ist, eher nicht sinnvoll ist oder auf keinen Fall sinnvoll ist.

Und als wäre der Aberwitz nicht bereits auf die Spitze getrieben, geben nunmehr die Befragten, zu dem, von dem sie nicht wissen, wie es funktionieren soll, weil es noch niemand weiß, nicht einmal Heiko Maas weiß es, eine Beurteilung darüber ab, ob das, von dem sie nicht wissen, wie es funktionieren soll, sinnvoll ist.

Letztlich misst die Frage von YouGov, die man nicht anders als als vollkommenen Blödsinn bezeichnen kann, Blödsinn, der mit Manipulationsabsicht in die Welt gesetzt wird, nichts, gar nichts.

Das hindert YouGov natürlich nicht daran, reißerische Schlagzeilen zu formulieren und das Ergebnis den Pressevertretern anzudienen, die gerne auf solche Ergebnisse zurückgreifen, um ihre eigene Ideologie bestätigt zu finden.

Fragt man nun, wie es dazu kommt, dass Meinungsforscher ihre Aufgabe vor allem darin sehen, Zustimmung zu dem herbei zu manipulieren, was als politisch Korrekt angesehen wird, dann bieten sich eine Reihe von Erklärungen an:

Die Erklärung durch Opportunismus: Meinungsforscher finden, was der, der die Meinungsforscher bezahlt, gerne erfunden hätte.

Die Erklärung durch Inkompetenz: Mit dem Advent des Genderismus an Hochschulen sind Methoden der empirischen Sozialforschung und die dazu gehörigen Kenntnisse weitgehend verschwunden. Die meisten Absolventen haben keine Ahnung mehr von Reliabilität und Validität und kennen auch die Kunst des Frageformulierens nicht einmal mehr vom Hörensagen.

Die Erklärung durch Isomorphie: Meinungsforscher rekrutieren sich alle aus dem selben Meinungssumpf, zeichnen sich alle durch die selbe Unkenntnis im Hinblick auf die Methoden empirischer Sozialforschung aus und sind entsprechend darauf angewiesen, Fragen zu kopieren und zu verwenden, die andere Meinungsforscher, die genauso inkompetent sind, aber nicht so zögerlich, bereits formuliert haben.

Welche Erklärung zutrifft, ist anyones guess.


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