Die Geschichte, die ich in diesem Post erzählen will, ist nicht die Geschichte der SED-Transformation in die LINKE bei Beibehaltung des kommunistischen Gerüsts, es ist vielmehr eine Geschichte zur Atmosphäre, die mit der LINKE in Berlin wieder Einzug halten wird (Ich habe daran keinen Zweifel, denn Kommunisten leben davon, die eigene Position sakrosankt zu stellen und jede Alternative zu bekämpfen und deren Vertreter zu kriminalisieren, tun sie das nicht, sind sie, die Linken, Geschichte).
Die Nachfolgepartei der Nachfolgepartei der Nachfolgepartei der Mauerschützenpartei hat wieder eine Mehrheit
In Berlin ist die Ex-SED-Partei mit 25,7% der abgegebenen Stimmen als stärkste Partei aus der Wahl hervorgegangen. 25,7% Linksextremisten aus einer Partei, die mehr an eine Freakshow, denn an eine Partei erinnert…
Zumindest muss man seit der Wahl in Berlin nicht mehr über die Verbindungen von Blockparteien ins Milieu organisierter Kriminalität spekulieren. Sie sind nun öffentlich.
Für all diejenigen, die vom Erbe, das diese Partei, wohl gemeinsam mit den bis heute verschwundenen SED-Milliarden verwaltet, nicht viel wissen, hier ein wenig Anschauungsmaterial über die Bindung, die DDR-Bürger an ihren Staat und ihre Einheitspartei hatten und die Anstrengungen, die sich die Vertreter dieses Staates gegeben haben, die Bindung mit einer Art “Loyalitätsprogramm” aufrecht zu erhalten.
Die Geschichte, die ich in diesem Post erzählen will, ist nicht die Geschichte der SED-Transformation in die LINKE bei Beibehaltung des kommunistischen Gerüsts, es ist vielmehr eine Geschichte zur Atmosphäre, die mit der LINKE in Berlin wieder Einzug halten wird (Ich habe daran keinen Zweifel, denn Kommunisten leben davon, die eigene Position sakrosankt zu stellen und jede Alternative zu bekämpfen und deren Vertreter zu kriminalisieren, tun sie das nicht, sind sie, die Linken, Geschichte).
Am 21. September 1989 erhielten Antragsteller, die eine “politische Plattform” mit dem Namen “Neues Forum” gründen wollten, einen ablehnenden Bescheid aus dem Ministerium für Staatssicherheit:
„Ziele und Anliegen der beantragten Vereinigung widersprechen der Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik und stellen eine staatsfeindliche Plattform dar. Die Unterschriftensammlung zur Unterstützung der Gründung der Vereinigung war nicht genehmigt und folglich illegal. Sie ist ein Versuch, Bürger der Deutschen Demokratischen Republik über die wahren Absichten der Verfasser zu täuschen.“
Das ist starker Tobak für die Antragsteller und ihre zu diesem Zeitpunkt 1.500 Unterstützer, die ihren Antrag mit einem Aufruf verbunden haben, den man nach wie vor auf den Seiten von “Revolution 89” nachlesen kann.
Ich spitze den Schrieb ein wenig zu, aus didaktischen Gründen.
Der Aufbruch 89 liest sich wie eine Mischung aus Schülerzeitung und Salon-Diskussion im Rahmen von “Intelligenzia”. Dass sich das DDR-Regime von solchen Aktivitäten “gefährdet” gesehen hat, ist ein Witz der Geschichte, der über das, was vielen Regimen zu widerfahren scheint, erklärt werden muss: Ein vollständiger Verlust von Tuchfühlung zu Land und Leuten und der Realität, in der diese Leute, man nennt sie auch Bürger, leben.
Der Aufbruch 89 ist an Harmlosigkeit kaum zu überbieten. Ein Gemeinschaftskundelehrer wäre mit sich zufrieden, wenn seine Schüler einen solchen Aufruf zuwege bringen würden – darüber hinaus ist der biedere Versuch, eine “politische Plattform” zugelassen zu bekommen, eben das: bieder.
Die Kommunikation zwischen Gesellschaft und Staat sei gestört, so die Ausgangsdiagnose des Aufbruchs. Gestörte Kommunikation führe zu Verdrossenheit und verhindere den politischen Dialog, in den Bürger der DDR eingebunden werden müssten.
“Wir verzetteln uns in übelgelaunter Passivität und hätten doch Wichtigeres zu tun für unser Leben, unser Land und die Menschheit”.
Das schreiben die Autoren des Aufbruch 89, der von Michael Arnold, Student, Bärbel Bohley, Malerin und etlichen weiteren Vertretern dessen, was man in der DDR wohl “die Intelligenzia” genannt hat, unterschrieben wurde.
Vielleicht ist die Abgehobenheit, das Weltfremde dieses Aufrufs eine Funktion der intellektuellen Zirkel, in denen er formuliert wurde. Indes, ich kann nicht anders als zu schmunzeln ob naiv-kindlicher Feststellungen wie, man wolle einerseits eine bessere Versorgung, mehr Warenangebot, andererseits und angesichts der sozialen und ökologischen Kosten kein unbegrenztes Wirtschaftswachstum oder man wolle wirtschaftliche Initiative, aber keine Ellenbogengesellschaft, oder:
“… Wir wollen das Bewährte erhalten und doch Platz für Erneuerung schaffen, um sparsamer und weniger naturfeindlich zu leben”.
Ist es nicht trollig, wie hier – in den Worten der Autoren “Widersprüche” geschaffen werden, auf die jeder Lehrer in der Kaderschule der SED in Kleinmanchow (Hakeburg) mit Klopfen auf die Schulter derjenigen, die den ideologisch-verquasten Unfug der Pseudo-Gegensätze, wie sie mit Agitprop von Linken konstruiert werden, seit es sie gibt, zu Papier gebracht haben, reagieren kann?
Sicher, die Leute mussten vorsichtig sein, konnten nicht mit dem Scheunentor in den Stall fallen. Gerade deshalb sagen die Stereotype, die ihren Aufruf tragen, die Widersprüche, die sie konstruieren, so viel über sie selbst aus: Es soll in der Tat wirtschaftliche Initiative geben, die nicht in eine Ellenbogengesellschaft mündet, sofern es eine Ellenbogengesellschaft außerhalb der Propaganda von Linken jemals gegeben hat.
Wie dem auch sei, die Staatsführung hat auf diesen Pennäler-Aufruf verschreckt und ablehnend reagiert, zuerst von einer “staatsfeindlichen Plattform” gesprochen, dann im heftigen Rückwärtsrudern und angesichts des Antrags auf Grundlage von Artikel 29 der DDR-Verfassung, der Versammlungsfreiheit zum Recht der DDR-Bürger deklariert hat, von der nicht vorhandenen gesellschaftlichen Notwendigkeit für eine solche Plattform gesprochen, die wiederum Voraussetzung für die Wahrnehmung von Versammlungsfreiheit war.
Das “Neue Forum”, der Aufruf 89 wurde zum Dauerbrenner bei Leipziger Montagsdemonstrationen, das Neue Forum am 8. November 1989, einen Tag vor der Öffnung der Mauer zugelassen. Als der Antrag für eine “politische Plattform” gestellt wurde, hatte der Aufruf 89 rund 1.500 Unterstützer, als das “Neue Forum” zugelassen wurde, waren es mehr als 200.000. Dazwischen hatte Erich Honecker die Kreisleitungen der SED angewiesen, derat “konterrevolutionäre Gruppen” im Keim zu ersticken.
Honecker, wie so viele, die im zu Diensten waren, ihn umringten, hatte schon lange jeden Kontakt zur Realität verloren. Die SED der DDR bestand in weiten Teilen aus Leuten, die im eigenen Saft braten, wärend an der Grenze zur BRD der obligatorische Mord am Republikflüchtling stattfand.
Realitätsverlust ist ein zweischneidiges Schwert. Trifft er diejenigen, die auf Positionen der Regierung sitzen, dann ist das Fiasko eines mit Ansage, trifft er diejnigen, die regiert werden, dann kann ein politischer Mob die absurdesten Forderungen in die Tat umsetzen und auf “Unterstützung in der Bevölkerung” verweisen, trifft er beide, dann haben wir Berliner Zustände.
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