Krieg gegen Jungen: OECD-Boshaftigkeiten enttarnt

Längst haben die seltsamsten Organisationen einen politischen Einfluss gewonnen. Organisationen wie die OECD oder die Bertelsmann-Stiftung nehmen Einfluss auf die unterschiedlichsten politischen Bereiche, ohne dass klar wäre, auf Grundlage welcher Expertise, geschweige denn demokratischen Legitimation sie das eigentlich tun.

Die OECD hat mit ihren PISA-Studien nicht nur eine lukrative Einnahmequelle für sich aufgetan und sich als Arbeitgeber für Bildungsforscher bzw. solche, die es gerne wären, etabliert, sie hat mit ihren Berichten auch einen erheblichen Einfluss auf politische Entscheidungsträger gewonnen und beeinflusst regelmäßig nationale Gesetzgebung, so zum Beispiel in Deutschland und im Bereich von „Gender“. In diesem Bereich, vor allem wenn es um Bildung geht, herrscht immer noch der Mythos, dass Mädchen Jungen gegenüber Nachteile hätten, obgleich spätestens seit 2002 bekannt ist, dass Jungen bei schulischer Bildung erhebliche Nachteile haben. Diese Realität passt jedoch nicht in die Welt, die Genderisten bewohnen. Sie leben in einer Phantasie aus Patriarchat, Sexismus und Benachteiligung von Mädchen und Frauen, aus der sie nicht geweckt werden wollen und die sie mit einer Boshaftigkeit und einem Zynismus gegen jeden Einbruch der Realität verteidigen, die ihresgleichen suchen.

Deshalb kann man es nicht hoch genug gewichten, dass es Dr. habil. Heike Diefenbach und Dr. Markus Meier gelungen ist, die Realität tief in das Land der Gendermythen zu tragen und einen Beitrag, in dem sie den Genderreport der OECD in einer Weise auseinandernehmen, die nichts mehr von ihm übrig lässt, in der Zeitschrift „Gender and Education“ zu platzieren. Der Beitrag wurde Ende letzter Woche veröffentlicht, und er wird für erhebliche Aufregung im Echozimmer der Genderisten sorgen, sind sie doch nunmehr mit Kritik im eigenen Haus, in dem sie sich doch sicher und vor Kritik gefeit gefühlt haben, konfrontiert.

Gegenstand des Beitrags von Heike Diefenbach und Markus Meier ist der PISA Genderreport, der 2015 veröffentlicht wurde. Von diesem Report – wie von den PISA-Berichte – geht nicht nur in Deutschland ein Einfluss auf Gesetzesinitiativen aus, die gegen die vermeintliche Benachteiligung von Mädchen und Frauen vorgehen sollen. Man kann also feststellen, dass der Genderreport der OECD erheblichen politischen Einfluss hat, und zwar bei denen, die jeden Strohhalm greifen, wenn es darum geht, ihre ideologischen Träume zu verwirklichen.

Einen dieser Strohhalme haben Heike Diefenbach und Markus Meier nunmehr gekappt. Sie haben in einer Weise, die man nur als umfassend bezeichnen kann, gezeigt, dass der OECD Gender Report eine Ansammlung von wilden Assoziationen und von Behauptungen ist, die die Autoren der OECD gegen ihre eigenen Ergebnisse verteidigen müssen, die nicht zum Gender Mythos der benachteiligten Mädchen passen wollen.

Die Phantasiewelt, die die Autoren der OECD und mit ihnen die meisten Genderisten bewohnen, wird von Diefenbach und Meier wie folgt zusammengefasst. Jungen werden als robust und selbständig, von der Natur aus bevorteilt und jeder pädagogischen Intervention unzugänglich karikiert, die unbeschadet von schulischen Problemen ihren Weg in der Gesellschaft gehen. Dagegen werden Mädchen als sanft, zu sanft, um in Mathematik erfolgreich zu sein, dargestellt, als schwache Personen, die Hilfe und Unterstützung benötigen, um erfolgreich zu sein. Dieses dichotome Zerrbild ist die implizite Annahme, die dem Genderreport der OECD zugrunde liegt und die seine Autoren mit Zähnen und Klauen, wie Furien, so zusagen, gegen die Realität verteidigen.

Um die eigenen Ergebnisse vor der Realität zu schützen, muss man schon einmal Daten unterschlagen. Also unterschlagen die Autoren des OECD-Genderreport, die sich auf die schlechteren Leistungen von Mädchen in Mathematik stürzen, dass der Gender Gap in Mathematik durchschnittlich ganze 11 Punkte betrifft, die Jungen besser sind als Mädchen. Allerdings sind Mädchen im Bereich „Sprache“ um durchschnittlich 38 Punkte besser als Jungen. Kein Problem für die OEDD-Autoren. Sie verteidigen ihre Gender-Phantasie, die man als Gender-Vorurteil bezeichnen muss, indem sie diese Realität einfach unterschlagen.

Um das Vorurteil des kleinen Mädchens, das der rauen Bildungswelt, so schutz- und hilflos ausgeliefert ist, aufrecht erhalten zu können, bedienen sich die OECD-Autoren, wie Diefenbach und Meier aufdecken, auch sehr kruder Tricks. So berichten die OECD-Autoren den Anteil der Frauen in tertiärer Bildung nur für den Zeitraum 1896 bis 1980, beenden ihre Datenreihe also just zu dem Zeitpunkt, zu dem, wie Diefenbach und Meier feststellen, der Einfluss des Genderismus auf die Bildung so richtig sichtbar wurde: Seither werden Jungen aktiv diskriminiert und Mädchen bevorzugt, und Mädchen haben Jungen in der sekundären und tertiären Bildung abgehängt. Bereits seit den 1950er Jahren, so zeigen die Daten der OECD, die Diefenbach und Meier präsentieren, gibt es in der tertiäre Bildung keine Nachteile mehr für Frauen. Seit 68 Jahren ist demnach der Gegenstand des Feminismus/Genderismus entfallen. Diese Aussage basiert natürlich auf der Annahme, Genderismus richte sich auf die Beseitigung von Nachteilen von Mädchen. Diese Annahme muss als falsch angesehen werden. Tatsächlich geht es dem Genderismus darum, Jungen aktiv zu benachteiligen und Mädchen zu bevorzugen. Genderismus ist eine aktiv boshafte Ideologie, deren Vertreter in einem so engen ideologischen Gefängnis sitzen, dass sie problemlos jede Form von boshafter Diskriminierung zu publizieren bereit sind, so lange sie sich nur gegen Jungen richtet. Aus der umfassenden Darstellung der Fehlinterpretationen, Auslassungen und zynischen Interpretationen, die Diefenbach und Meier für den Genderreport der OECD zeigen, hier ein paar Beispiele:

Dass Jungen bei sekundärer und tertiärer Bildung weit hinter Mädchen zurückbleiben, wird von den Autoren des OECD-Genderreports einmal als Ausgleich für historische Ungerechtigkeit angesehen, einmal als Ausgleich dafür, dass Jungen im späteren Berufsleben Mädchen angeblich überholen. Beide Behauptungen entbehren jeglicher empirischer Grundlage. Tatsächlich, so zeigen Diefenbach und Meier, widersprechen die empirischen Befunde der „Kompensationshypothese“. Die Autoren des OECD-Genderreport halten die These dennoch aufrecht. Sie verteidigen ihre Phantasie gegen die Realität und tun dies in einer boshaften Art und Weise, die man nur verstehen kann, wenn man annimmt, dass die Autoren angetreten sind, um Jungen sühnen zu lassen, für welchen eingebildeten religiösen Sparren auch immer.

Wie so oft, wenn Personen, die über keine wissenschaftlichen Kenntnisse verfügen, Berichte schreiben, die wissenschaftlich sein sollen, findet sich die Konfusion von Korrelation und Kausalität. Auch hier können Diefenbach und Meier für den Genderreport sehr gut zeigen, wie die OECD-Autoren ihre willkürliche Annahme einer Kausalität in ihre Daten hineinlesen und selbst gegen widersprechende Befunde verteidigen.

Sehr ausführlich und in einer Weise, die keinen Zweifel daran lässt, dass es sich bei den OECD-Autoren um intellektuelle Mängelwesen handelt, die sich Schuhe anziehen, die ihnen um mehrere Größen zu groß sind, demonstrieren Diefenbach und Meier diese intellektuellen Defizite der OECD-Autoren am Beispiel von MINT-Müttern.

In Gender-Kreisen gilt das Rollenmodell als ganz wichtig.
Weil, so die Erzählung, es so wenige Frauen in z.B. MINT-Berufen gibt, deshalb gibt es so wenige Mädchen, die MINT-Fächer studieren.
Im Datensatz der OECD findet sich eine relevante Menge von Müttern im MINT-Bereich, die nach Ansicht der OECD-Autoren als Rollenmodell für ihre Töchter dienen können.
Nur: Sie tun es nicht.
Die Ergebnisse der OECD-Autoren widersprechen ihrer eigenen Hypothesen: Töchter von MINT-Müttern finden sich noch seltener in MINT-Fächern als Töchter von nicht-MINT-Müttern.
Anstatt diese Realität zur Kenntnis zu nehmen, winden sich die Autoren von einem Widerspruch zum nächsten. Diefenbach und Meier haben dies Satz-für-Satz nachvollzogen. Eine Wohltat für Freunde der Wissenschaft. Ein Suizidgrund für die Enttarnten.

Schließlich outen sich die OECD-Genderreport-Autoren als die zynischen, wie Diefenbach und Meier anmerken bzw. boshaften Menschen, die sie nun einmal zu sein scheinen. Irgendwie macht Genderismus verbittert und boshaft oder Verbitterte und Boshafte finden sich überdurchschnittlich häufig im Genderismus ein. Wie auch immer, dass Boshaftigkeit und Genderismus zusammengehören wie die Henne und das Ei, das zeigt sich im Hinblick auf die Frage, ob Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen das Ergebnis einer Veranlagung sein könnten, die Jungen mathematische Inhalte eher verstehen lässt als Mädchen.

Die OECD-Genderautoren lehnen diese Erklärung vehement ab. Für Mädchen. Mädchen, so die OECD-Autoren, hätten von Geburt an dieselben Anlagen für Mathematik wie Jungen. Deshalb müssten die Nachteile in Mathematik (also die 11 Punkte durchschnittlicher Unterschied) ein Ergebnis von Stereotypen, maskuliner Schulkultur oder sonstigen Hirngespinsten sein, die bei Genderisten so hoch im Kurs stehen, sein.

Geht es allerdings darum, die Nachteile zu erklären, die Jungen im Schulsystem haben, wird die Erklärung über biologische Unterschiede plötzlich für die Autoren attraktiv. Da es in ihrer geistigen Welt keine Umstände im Bildungssystem gibt, die sich negativ auf Jungen auswirken können, müssen die Nachteile von Jungen sich als biologische Prädisposition erklären lassen. Jungen passen eben nicht zur schulischen Welt. Sie sind nicht in der Lage, ihr Denken und ihre Emotionen in einer Weise zu regulieren, wie es für den schulischen Erfolg notwendig ist.

Es gäbe noch viel zu sagen, über diesen Genderreport der OECD, der ein ideologisches Machwerk der übelsten Sorte darstellt, das von interessierten Kreisen genutzt wird, um ihre ideologischen Spinnereien in handfeste Gesetze und Regeln zu übersetzen, die jeden Tag in das Leben zumeist junger Menschen eingreifen und deren Biographien in einer Weise negativ beeinflussen, die ein anständiger Mensch nicht verantworten kann. Aber Genderisten sind keine anständigen Menschen (durchschnittlich betrachtet, bei einer geringen Standardabweichung). Diefenbach und Meier weisen schon früh in ihrem Beitrag daraufhin, dass Genderisten wie die OECD-Autoren nicht auf die Idee kommen, ihren eigenen Beitrag zum Fortbestand oder zur Verbreitung von Stereotypen zu betrachten, wie er z.B. daraus erwächst, dass Mädchen als hilfsbedürftige Dummchen dargestellt werden, die sich in der Welt nicht ohne Hilfe zurechtfinden können, während Jungen vom Erbgut als bildungsavers ausgewiesen werden, denen die vielfältigsten und stets unbenennbaren Vorteile zukommen sollen. Genderisten haben kein Gewissen und keinen Anstand (Mittelwert mit geringer Standardabweichung), wenn es darum geht, ihre ideologischen Phantasien zum Nachteil aller durchzusetzen. Es ist sehr wichtig, dass es mit der Arbeit von Diefenbach und Meier nunmehr einen Beitrag gibt, der deutlich macht, wie sehr von jeder wissenschaftlichen Norm das, was Genderisten zur Grundlage ihrer Maßnahmen machen, abweicht, dass man bei Machwerken wie dem Genderreport nicht davon ausgehen kann, dass es sich auch nur um den Versuch handelt, ein Bild der Realität zu zeichnen, das dieser gerecht wird, sondern vielmehr davon ausgehen muss, dass es sich um einen Versuch handelt, die Genderideologie gegen die Wirklichkeit zu verteidigen und eine Grundlage zu schaffen, auf der politische Agitation bis hin zur Gesetzgebung betrieben werden kann.

Ach ja: Jungen bleiben natürlich dabei auf der Strecke.
Kein Problem für Genderisten: Jungen sind dafür selbst verantwortlich, auch dann, wenn sie von Gender-Förderprogrammen aktiv benachteiligt werden. Boshaftigkeit und Genderismus gehören eben zusammen.

Meier, Markus & Diefenbach, Heike (2018). The OECD Between Political and Scientific Agendas – A Critique of the 2015 PISA Gender Report. Gender and Education.

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Unfähig oder hinterhältig? Steuerzahler zahlen in jedem Fall

Was passiert, wenn Bildungsforscher, die nicht nur Standardlehrbücher, sondern auch viele empirische Artikel zur deutschen Bildungsforschung beigetragen haben, mit einem Text konfrontiert werden, der die Bildungsforschung hinter Pestalozzi zurückwerfen will, können sich nicht-Bildungsforscher vielleicht nicht vorstellen. Deshalb ist im Folgenden zu lesen, was. Dr. habil. Heike Diefenbach zum DIPF-Versuch, Wissenschaft zu betreiben, den wir im Beitrag „Pädagogen lügen: Wie Bildungsnachteile von Jungen aus der Welt geredet werden sollen“ besprochen haben, zu sagen hat:

MIgrantenfamilienSo langsam muss man es als Bildungsforscher persönlich nehmen, wenn Leute, die sich Bildungsforscher nennen und solchen Schwachsinn produzieren, mit ihrem Schwachsinn die gesamte Bildungsforschung lächerlich machen:

Was das DIPF hier ernsthaft behaupten will, ist, dass Söhne in Deutschland immer oder stark überwiegend Eltern aus der Arbeiterschicht haben und Töchter in Deutschland immer oder stark überwiegend Eltern aus der Mittelschicht haben, denn NUR DANN, also genau unter dieser Bedingung, ließe sich der Effekt von „Schülergeschlecht“ auf die verschiedenen Maße von Schulerfolg durch „soziale Schichtzugehörigkeit der Eltern“ gänzlich oder nahezu wegerklären (denn nur dann wäre die Korrelation zwischen „Schülergeschlecht“ und „soziale Schichtzugehörigkeit“ hinreichend eng, um diese Variablen füreinander einsetzen zu können) – dies würde dann allerdings auch UMGEKEHRT gelten: der Effekt von „soziale Schichtzugehörigkeit der Eltern“ auf verschiedene Maße von Schulerfolg ließe sich durch „Schülergeschlecht“ wegerklären. SELBST DANN, wenn die eingangs formulierte Annahme stimmen würde, wäre es also ein rein willkürlicher Akt, wenn man die Korrelation in die Richtung interpretieren würde, die dem DIPF ideologisch genehm erscheint. Würde man es vorziehen, die Richtung der Korrelation umgekehrt zu interpretieren, würde die Schlagzeile lauten:

„Soziale Schicht (nahezu) bedeutungslos für Schulerfolg! Vielmehr erklärt ‚Geschlecht‘ den Schulerfolg in Deutschland!“

Na, das wäre doch wenigstens einmal etwas Neues!

Aber die eingangs formulierte Annahme ist selbstverstänlich abstrus, und deshalb ist die grandiose Erkenntnis, die das DIPF hier produziert haben will, diejenige, dass Variablen, die man in ein statistisches Modell hineingibt, gewöhnlich mehr oder weniger stark miteinander korrelieren, und zwar nicht nur die erklärenden jeweils getrennt mit der zu erklärenden Variable, sondern auch die erklärenden Variablen untereinander. Das ist IMMER so, und es wäre ein echtes Novum in der Geschichte der mit Statstik arbeitenden Sozialforschung, wenn jemand ein statistisches Modell anhand empirischer Daten testen würde und herauskäme, dass alle erklärenden Variablen vollkommen unabhängig voneinander sind.

Oder anders formuliert:
Wenn man in der empirischen Sozialforschung NUR DANN von relevanten statistischen Zusammenhängen sprechen wollte, wenn ALLE erklärenden Variablen einen statistischen Zusammenhang von NULL untereinander aufweisen würden, dann gäbe es in der empirischen Sozialforschung KEINERLEI relevante Zusammenhänge.

Was das DIPF hier als großartige bildungsforscherisch relevante Nachricht verkaufen will, ist schlicht die Trivialität

dass auch in Bezug auf die Erklärung von Schulerfolg mehrere Variablen erklärungskräftig sind und diese Variablen untereinander in einem Zusammenhang stehen.

Wow!!!

Wen will das DIPF denn damit veralbern??? Solche Dummheiten sind bestenfalls an Mainstream- Medien und deren Angestellte zu verkaufen, die ohnehin immer automatisch den Mund öffnen, wenn ein voll gefüllter Löffel an ihrem Horizont auftaucht. Aber die nimmt ja ohnehin fast niemand mehr ernst. Was also soll dieser schwächliche Versuch der Manipulation und Indoktrination?

Und dass es sich hier um einen solchen Versuch handelt, kann man aus einer einfachen Tatsache ableiten:
Die grandiose „Erkenntnis“ der DIPF-Angestellten, deren fachliche Qualität offensichtlich dazu ausgereicht hat, um am DIPF eine Anstellung zu finden (was ein sehr schlechtes Licht auf das DIPF wirft), hätte sich bei ihnen auch schon einstellen können, als es darum ging, die vermeintlichen schulischen Nachteile von „Mädchen“ zu behaupten und zu beklagen. Aber seltsamerweise fiel es ihnen nicht ein, eine differenzierte Sicht auf die angeblichen Nachteil von „Mädchen“ anzumahnen. Warum nur?

Naja, für Mädchenförderung und die pseudowissenschaftliche Legitimation derselben gab es und gibt es immer noch Geld, und beim Geld hört die wissenschaftliche Rechtschaffenheit auf.

Oder ist es möglich, dass jemand die unsägliche Arroganz besitzt zu meinen, dass er trotz vollkommener statistischer Unkenntnis eben solche, d.h. statistische Mittel einsetzen könnte, um sein ideologisches Geschwätz als Wissenschaft erscheinen zu lassen? Anders formuliert: Kann man sich selbst so sehr fehleinschätzen?

Ich fürchte es läuft auf die Frage hinaus: Wollen diese Leute bewusst täuschen, oder sind sie so erschreckend unfähig?

Then again – in beiden Fällen ist es ein unhaltbarer Zustand, dass solche Leute auf von Steuerzahlern finanzierten Stellen sitzen, um just dieselben Steuerzahler hinters Licht zu führen.

Pädagogen lügen: Wie Bildungsnachteile von Jungen aus der Welt geredet werden sollen

Bald sind es 15 Jahre. Im Dezember 2017 sind es 15 Jahre. 15 Jahre seit wir „Bringing Boys Back In“ veröffentlicht haben, jenen Beitrag, der wie kaum ein anderer die deutsche Bildungsforschung aufgemischt hat. Denn wir haben den damals (wie heute) geltenden Mythos, Mädchen hätten irgendwelche Nachteile in der Schule, über den Haufen geworfen und auf Basis einer Vollerhebung für alle Absolventen allgemeinbildender Schulen für Deutschland gezeigt, dass Jungen deutlich schlechter abschneiden als Mädchen: Sie machen seltener das Abitur, landen häufiger auf Sonderschulen, bleiben häufiger ohne Schulabschluss usw..

Hurrelmann BildungsverliererDass Jungen die Loser des deutschen Bildungssystems sind, hätte vermutlich keine großen Wellen geschlagen. Dass „Bringing Boys Back In“ es in alle regionalen und überregionalen Zeitungen Deutschlands geschafft hat und die Schulpleite der Jungen damit öffentlich wurde, hat einen einfachen Grund: eine Korrelation. Je höher der Anteil weiblicher Grundschullehrer, desto schlechter schneiden Jungen ab.

Zudem hat seit 2002 hat es eine Reihe von Studien gegeben, in denen gezeigt wurde, dass Jungen, bei gleichen Noten schlechtere Grundschulempfehlungen bekommen als Mädchen, dass Jungen bei gleicher Leistung schlechtere Noten erhalten als Mädchen und vieles mehr, das belegt: im deutschen Schulsystem werden Jungen benachteiligt.

Das Bekanntwerden dieser sozialen Tatsachen ist natürlich ein Dorn im Auge der Genderisten, die von Ministerien finanziert werden, um die erfundenen Nachteile von Mädchen zu bekämpfen. Und es ist ein Schlag für den Mythos der blütenweißen Weste weiblicher affektiver Hingabe, der von denselben Aktivisten – Steuerzahler kostenpflichtig – verbreitet wird, die schon die Mär von den Nachteilen, die Mädchen angeblich im deutschen Bildungssystem haben sollen, verbreiten.

Deshalb hat sich eine wilde Diskussion darüber entsponnen, ob weibliche Grundschullehrer Schuld daran tragen, dass Jungen im Bildungssystem benachteiligt sind. Marcel Helbig hat sich hier besonders hervorgetan mit seinen Versuchen, als Beichtvater eine Generalabsolution zu erteilen (Marke: Jungen sind selbst schuld, Mädchen nicht und Lehrerinnen schon gar nicht), zu der ihn jedoch weder seine Kompetenzen noch seine Daten befähigt haben.

Die Diskussion der Schuldfrage setzt natürlich die Akzeptanz der Nachteile von Jungen voraus. Ein Fauxpas der Aufregungsforschung, der von Autoren wettgemacht werden sollte, die zu zeigen versuchen sollen, was man nicht zeigen kann, nämlich, dass Jungen gar keine Nachteile im deutschen Bildungssystem haben, gar nicht die Bildungsverlierer im deutschen Bildungssystem sind. Da man nicht in Abrede stellen kann, was auf Basis der Daten für alle Absolventen schulischer Jahrgänge seit 1995 an deutschen Schulen wieder und wieder gezeigt wurde, dass Jungen erhebliche Nachteile gegenüber Mädchen haben, haben die entsprechenden Untermineure lauterer Forschung eine andere Strategie: Sie versuchen, so viel Unsinn über die schulischen Nachteile von Jungen in die Welt zu setzen, dass man vor lauter Unsinns-Bäumen den Wald nicht mehr erkennen kann.

Das neueste Beispiel für diese Strategie, mit der geistige Verwirrung gestiftet und verbreitet werden soll, kommt vom DIPF, dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung. Es liest sich wie folgt:

“Jungen bleiben häufiger sitzen und machen seltener Abitur. Mädchen zeigen wiederum schlechtere Schulleistungen in Mathematik. Das geht aus aktuellen Daten hervor, etwa vom Statistischen Bundesamt oder aus der PISA-Studie. Die Kennzahlen scheinen eine deutliche Sprache zu sprechen, weswegen in der öffentlichen Diskussion oft ein schnelles Urteil gefällt wird: Von den „Jungen als Bildungsverlierern“ oder davon, dass Mathematik „kein Mädchenfach“ sei, ist immer wieder die Rede. „Dabei wird jedoch übersehen, dass Jungen und Mädchen keine homogenen sozialen Gruppen sind“, gibt Josefine Lühe zu bedenken. In einer Studie hat die Bildungsforscherin gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) herausgefunden, dass sich der Einfluss der Geschlechtszugehörigkeit auf die Schulleistungen je nach sozialem Hintergrund unterscheidet. Sie empfiehlt daher, mit generalisierenden Aussagen zum Bildungserfolg nur aufgrund des Geschlechts vorsichtig zu sein.“ [Es ist schon lustig, wie diejenigen, die sich jahrelang nicht an der Homogenität der Gruppe der Mädchen, für die sie allerlei Nachteile erfinden und erfunden haben, gestört haben, nun, da die empirischen Tatsachen die schöne Welt der rosaroten Vorstellungen zerstört hat, darauf bestehen, Heterogenität innerhalb der Gruppen herzustellen.]

Wir müssen uns korrigieren. Lühe verbreitet keinen Unsinn, sie verbreitet Blödsinn, den man nicht mehr steigern kann. Sie behauptet allen Ernstes: Wenn man den sozialen Hintergrund von Schülern betrachtet, dann werden die Geschlechtsunterschiede zweitrangig. Und sie tut dies im Brustton der Überzeugung, man habe mit dem Verweis auf den sozialen Hintergrund etwas Neues entdeckt. Nicht, dass PISA-Studien seit nunmehr Jahrzehnten zeigen, dass das deutsche Bildungssystem sozial segregiert und Kinder aus einem Arbeiterhaushalt seltener ein Abitur erreichen und seltener eine Hochschule besuchen als z.B. Kinder aus Akademiker- oder Beamtenhaushalten.

Manche Erkenntnisse müssen offensichtlich reifen, ehe sie beim DIPF aufgenommen werden. Wir wollen jetzt nicht darauf hinweisen, dass Ralf Dahrendorf die soziale Segregation in deutschen Schulen schon in den 1960er Jahren beschrieben hat …

Wie dem auch sei. Nun hat man im DIPF die soziale Herkunft, nein, den sozialen Hintergrund als Variable entdeckt, und versucht damit, die Geschlechtsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen zu relativieren.

Ein Akt statistischer Inkontinenz.

Nehmen wir der Einfachheit halber an, dass von jeweils 100 männlichen und weiblichen Schülern eines Jahrgangs 60 weibliche und 45 männliche ein Abitur erreichen.

Die Ausgangsverteilung ist also 45 (m) : 60 (w).

Von den 45 (m) stammen 10 aus einem Arbeiterhaushalt, 35 nicht.
Von den 60(w) stammen 20 aus einem Arbeiterhaushalt, 40 nicht.

BenninghausVerwischen wir die geistige Nachvollziehbarkeit für die Lühes dieser Welt und interpretieren unsere Daten als Prozentwerte, dann kommen wir zu dem Ergebnis, dass der Anteil der Jungen, die ein Abitur erreichen, 45% beträgt, aber nur 22% davon stammen aus einem Arbeiterhaushalt. Bei den Mädchen erreichen 60% ein Abitur, 33% davon stammen aus einem Arbeiterhaushalt.

Die statistisch Illiteraten unter uns, die mit Prozentwerten hausieren gehen, sie aber nicht interpretieren können, mögen auf dieser Grundlage zu dem Schluss kommen, dass „sich der Einfluss der Geschlechtszugehörigkeit auf die Schulleistung je nach sozialem Hintergrund unterscheidet“. Man kann sogar, wenn man noch ein bisschen Regressionszinnober ergänzt, wie dies im DIPF geschehen ist, zu dem Schluss kommen, dass der „Effekt der Geschlechtszugehörigkeit … durch den sozio-ökonomischen Status der Jungen und Mädchen moderiert“ wird, und damit suggerieren, dass der sozio-ökonomische Status wichtiger sei, als das Geschlecht der Schüler. Man kann vieles, wenn man sich das Gehirn mit Betas und Prozentwerten benebelt und nicht mehr weiß, welche Rohdaten den Berechnungen zu Grunde liegen.

Denn: All das, ändert nichts daran, dass 45% der Jungen und 60% der Mädchen ein Abitur erreichen: Jungen also einen Nachteil gegenüber Mädchen im Hinblick auf die schulische Bildung haben. Dass in den 45% der Jungen weniger Jungen aus Arbeiterfamilien enthalten sind als in den 60% der Mädchen, ändert nichts am Gesamtergebnis. Es deutet nur darauf hin, dass sich das Gesamtergebnis aus einer Reihe von Faktoren, die für Bildungserfolg nachteilig wirken, zusammensetzt, von denen neben Geschlecht auch sozialer Status einer ist.

Und das ist eine uralte Kamelle: Das deutsche Bildungssystem segregiert seit Jahrzehnten nach sozialem Status, es ist eine Bildungsinstitution der Mittelschicht, in der Angehörige der Mittelschicht als Lehrer (absichtlich oder unabsichtlich) darüber wachen, dass Kinder aus der Arbeiter- oder Unterschicht nicht in die Bildungsquere ihres eigenen Nachwuchses kommen und am Ende noch mit diesen konkurrieren. Die Methoden, die dabei angewendet werden, sind z.B. bei der Arbeiterkindern verweigerten Grundschulempfehlung für das Gymnasium die Behauptung, dass die entsprechenden Kinder wenig bis keine Unterstützung im Elternhaus erhalten könnten und an diese Behauptung Zweifel an der Fähigkeit der Kinder zu knüpfen, an einem Gymnasium erfolgreich zu sein. Eine andere Methode besteht darin, Kinder aus Arbeiterfamilien, die den Verhaltenskodex der (weiblichen Teile der) Mittelschicht nicht kennen und nicht wissen, dass Konflikte nicht offen, sondern hinter dem Rücken des jeweils anderen ausgetragen werden, ob ihrer vermeintlichen Aggressivität und wegen sozial-emotionaler Störung auf Sonderschulen abzuschieben, ein Schicksal, das vor allem Jungen aus der Arbeiterschicht trifft.

All das ist seit Jahrzehnten bekannt und wird von den verantwortlichen Schulämtern kontinuierlich ignoriert. Die Mär, in Deutschland habe jedes Kind die gleichen Start- und Bildungschancen, sie ist einfach zu schön, um aufgegeben zu werden.

Hurrelmann BildungsverliererWozu also veröffentlichen Mitarbeiter staatlich finanzierter Institute wie des DIPF Unsinn wie den zitierten? Die Antwort haben wir oben bereits gegeben. Es geht darum, die Tatsachen, nämlich die schulischen Nachteile von Jungen, die aus Benachteiligung durch mehrheitlich weibliche Schullehrer erwachen, zu verwischen, sie in einem Meer aus Unsinn zu versenken, so dass es möglich ist, das Ergebnis der staatlich verordneten Schuljahre z.B. auf die falschen Geschlechtsrollenbilder in Familien der Arbeiterschicht zu schieben, so wie diese Lühe tut, die Familien mit „niedrigerem sozio-ökonomischen Status“ unterstellt, sie hätten häufiger Vorstellungen wie „es [sei] unmännlich, fleißig für die Schule zu sein“.

Wir würden diese Lühe gerne schütteln. Vielleicht fällt das ein oder andere Neuron im Rahmen dieses Vorgehens in eine sinnvolle Synapse, eine, die die Verarbeitung von Erkenntnissen, wie sie die Bildungsforschung seit Jahrzehnten produziert, erlaubt: Jungen werden trotz besserer Leistungen schlechter benotet als Mädchen, Jungen erhalten trotz gleicher Leistungen als Mädchen, seltener eine Grundschulempfehlung für das Gymnasium!

Wie passen diese empirischen Fakten zur Vorstellung, die Lühe Arbeiterfamilien unterstellt, in ihnen werde fleißig sein als unmännlich angesehen [Wie kommt Sie überhaupt auf die Idee, in Schulen würde Fleiß positiv bewertet?] Gar nicht. Sie zeigen, dass man im DIPF entweder nicht alle Tassen im Schrank hat, mit Sicherheit die Forschungsergebnisse der vergangenen Jahrzehnte nicht kennt oder ignoriert und offensichtlich versucht, die Tatsache, dass Jungen im Bildungssystem benachteiligt werden, und zwar von denen, die im Bildungssystem beschäftigt sind, unter einem Haufen Unsinn zu begraben.

Für alle, die es interessiert: Die Hierarchie im deutschen Bildungssystem sieht derzeit – wie bisherige Forschungergebnisse nahelegen – wie folgt aus:

  1. Deutsche Mädchen aus Mittel- und Oberschicht 
  2. Mädchen mit Migrationshintergrund
  3. Deutsche Jungen aus Mittel- und Oberschicht
  4. Mädchen aus der Arbeiterschicht (niedriges sozio-ökonomisches Milieu)
  5. Jungen aus der Arbeitschicht
  6. Jungen mit Migrationshintergrund

Literatur

Berg, Detlef, Scherer, Lucas, Oakland, Thomas & Tisdale, Timothy (2006). Verhaltensauffälligkeiten und schwache Leistungen von Jungen in der Schule – die Bedeutung des Temperaments. Otto-Friedrich Univeristät Bamberg: Professur für Psychologie mit schulpsychologischem Schwerpunkt.

Cornwell, Christopher M., Mustard, David B. & Van Parys, Jessica (2011). Non-Cognitive Skills and the Gender Disparities in Test Scores and Teacher Assessments: Evidence from Primary School. Bonn: Institute for the Study of Labor, IZA DP No. 5973.

Diefenbach, Heike (2012). Gegen den kollektiven Aktionismus! In: Hurrelmann, Klaus & Schultz, Tanjev (2012). Jungen als Bildungsverlierer. Brauchen wir eine Männerquote in Kitas und Schulen? Weinheim: BeltzJuventa, S.125-143.

Diefenbach, Heike (2010). Jungen – die ‘neuen’ Bildungsverlierer. In: Quenzel, Gudrun & Hurrelmann, Klaus (Hrsg.). Bildungsverlierer. Neue Ungleichheiten. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften, S.245-272.

Diefenbach, Heike (2007). Die schulische Bildung von Jungen und jungen Männern in Deutschland. In: Hollstein, Walter & Matzner, Michael (Hrsg.). Soziale Arbeit mit Jungen und Männern. München: Reinhardt, S.101-115.

Dunkake, Imke, Kiechle, Thomas, Klein, Markus & Rosar, Ulrich (2012). Schöne Schüler, schöne Noten? Eine empirische Untersuchung zum Einfluss der physischen Attraktivität von Schülern auf die Notenvergabe durch das Lehrpersonal. Zeitschrift für Soziologie 41(2): 142-161.

Entorf, Horst & Minoiu, Nicoleta (2005). Waht a Difference Immigration Policy Makes. A Comparison of PISA Scores in Europe and Traditional Countries of Immigration. German Economic Review 6(3): 355-376.

Geißler, Rainer (2005). Die Metamorphose der Arbeitertochter zum Migrantensohn. Zum Wandel der Chancenstruktur im Bildungssystem nach Schicht, Geschlecht, Ethnie und deren Verknüpfungen. In: Berger, Peter A. & Kahlert, Heike (Hrsg.). Institutionalisierte Ungleichheiten. Wie das Bildungswesen Chancen blockiert. Weinheim: Juventa, S.71-100.

Gomolla, Mechtild & Radke, Frank-Olaf (2009). Institutionelle Diskriminierung. Die Herstellung ethnischer Differenzen in der Schule. Wiesbaden. VS-Verlag für Sozialwissenschaften.

Kottmann, Brigitte (2006). Selektion in die Sonderschule. Das Verfahren zur Feststellung von sonderpädagogischem Förderbedarf als Gegenstand empirischer Forschung. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt.

Lehmann, Rainer & Lenkeit, Jenny (2008). ELEMENT. Erhebung zum Lese- und Mathematikverständnis. Entwicklungen in den Jahrgangsstufen 4 bis 6 in Berlin.
unter: http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/schulqualitaet/schulleistungsuntersuchungen/element5_ber.pdf?start&ts=1229526638&file=element5_ber.pdf

Lehrmann, Rainer & Nikolova, Roumiana (2005). Lese- und Mathematikverständnis von Grundschülerinnen und Grundschülern am Ende der Klassenstufe 5.
unter: http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/schulqualitaet/schulleistungsuntersuchungen/element5_ber.pdf

Lehmann, Rainer, Peek & Gänsefuß, Rüdiger (1997). Aspekte der Lernausgangslage und der Lernentwicklung von Schülerinnen und Schülern, die imi Schuljahr 1996/1997 eine fünfte Klasse an Hamburger Schulen besuchten. Bericht über die Erhebung im September 1996 (LAU 5)
unter: http://bildungsserver.hamburg.de/lau/

Weiterführende Texte auf ScienceFiles:

  1. Schulen sind jungenfeindliche Anstalten
  2. Jungen werden im deutschen Schulsystem benachteiligt
  3. Risse in der Meritokratie: Was wird in deutschen Schulen eigentlich bewertet?
  4. Es bleibt dabei: Je mehr männliche Lehrer desto besser schneiden Jungen ab
  5. Nachteile von Jungen im Bildungssystem
  6. Benachteiligung von Jungen im Bildungssystem

Beharrliche Lernverweigerung: Berliner Wissenschaftler versucht weiter der Realität zu trotzen

Manches, was wir zu lesen bekommen, macht uns sprachlos, anderes entsetzt uns, wieder anderes macht uns müde, unsagbar müde.

Hurrelmann BildungsverliererAls langjährige Bildungsforscher mit der entsprechenden Erfahrung sind wir kurz vor dem Stadium eines müden Methusalem, wenn wieder einmal ein Nachwuchswissenschaftler das Rad neu erfinden will oder seine Unkenntnis über das deutsche Bildungssystem und grundlegende Begriffe zu seiner Beschreibung zum Besten gibt.

Zur Erinnerung:
Deutschland hat ein Schulsystem mit unterschiedlichen Schultypen, die auf unterschiedlichem Niveau (Sonderschule bis Gymnasium) angesiedelt sein sollen.

In diesen Schulen finden sich Schüler mit bestimmten Fähigkeiten und Lehrer mit bestimmten Fähigkeiten. Die Schüler erbringen bestimmte Leistungen und die Lehrer bewerten die entsprechenden Leistungen mit Noten. Die Noten, die Lehrer vergeben, sind mindestens von den Fähigkeiten der Lehrer und den Fähigkeiten der Schüler abhängig und sind deshalb nicht deckungsgleich mit den schulischen Leistungen von Schülern.
Schließlich gibt es den Schulabschluss (oder eben nicht), das ist dann das Zertifikat dafür, dass man die angemessene Zeit am entsprechenden Schultyp abgesessen hat (oder nicht).

Das sind die Basics des deutschen Bildungssystems. Und entlang dieser Basics kann man einige beunruhigende Beobachtungen machen, z.B.:

(1) Jungen finden sich häufiger auf Sonderschulen und Hauptschulen als Mädchen.

(2) Jungen benötigen bessere Leistungen, um die gleichen Noten zu erhalten wie Mädchen.

(3) Jungen benötigen bessere Leistungen, um die gleiche Grundschulempfehlung zu erhalten wie Mädchen.

Das sind einige der beunruhigenden Beobachtungen, die zu erklären wären. Ebenso wie man erklären muss, warum Jungen umso besser im Schulsystem abschneiden, je mehr männliche Grundschullehrer ihre frühen Bildungsjahre begleitet haben.

Mit den entsprechenden Erklärungen hätten ernsthafte Wissenschaftler einiges zu tun. Vermutlich gibt es deshalb so wenig Versuche, die entsprechenden Erklärungen zu finden, weil es so wenige ernsthafte Wissenschaftler gibt.

Statt ernsthafter Wissenschaftler gibt es Ideologen, wie Marcel Helbig, der am Wissenschaftszentrum Berlin, das zwischenzeitlich wohl eher als Ideologenzentrum geführt wird, einen Unterschlupf gefunden hat, von dem aus er die Versuche, eine Erklärung für die oben genannten Phänomene zu finden, mit seiner Unkenntnis zu torpedieren versucht.

Mehr männliche Lehrer helfen Jungen nicht. Das Geschlecht der Lehrkraft hat keinen Einfluss auf den Bildungserfolg von Schülern. […] Dass Jungen schlechter in der Schule abschneiden, führt der WZB-Forscher auf Unterschiede in der Leistungsbereitschaft zurück.”

Man weiß wirklich nicht, ob man lachen oder schreien soll, ob dieses Beitrags unter der Rubrik: Unsinnige Erklärungen für ernsthafte Phänomene, der nur zeigt, dass Helbig nicht einmal den Kern des Problems verstanden hat, werkelt er doch seit Jahren mit Bildungserfolg herum und meint damit Schulnoten.

Und das ist es, was uns so müde macht.

Schulnoten fallen nicht vom Himmel, sie werden vergeben, von Lehrern. Lehrer sind keine Notengebungsautomaten, sondern Personen mit Vorlieben für Schüler mit bestimmten Eigenschaften (Die Bildungsforscher unter uns erinnern sich: The Ideal Pupil von Howard Becker – 1952 [!sic] erstmals als Konzept eingeführt), die ihre Notengebung beeinflussen, ergo entsprechen viele Noten nicht dem Leistungsvermögen von Schülern. Das wurde wieder und wieder belegt, nur der angebliche Bildungsforscher aus Berlin weiß es nicht – oder er tut sich aus ideologischen Gründen schwer, es zu akzeptieren.

Hurrelmann BildungsverliererSo wenig wie er weiß, dass es auf Hauptschulen, wo es mehr Jungen gibt, andere Bildungszertifikate gibt als auf Gymnasien, wo mehr Mädchen sind. Entsprechend bleiben die Jungen, weil mehr auf Hauptschulen sind als Mädchen, im Hinblick auf die Bildunszertifikate, die sie erreichen, hinter Mädchen zurück, die häufiger als Jungen an Gymnasien zu finden sind.

Dass Jungen auf Sonderschulen und Hauptschulen ausgesiebt werden und seltener als Mädchen als Schüler an Gymnasien ankommen, das ist das Explanandum. Das gilt es zu erklären. Und nicht die Schulnoten von Schülern der 9. Klasse am Eduard Spranger Gymnasium in Landau/Pfalz.

Wo wir gerade in der Pfalz sind, dort sagt man: “Herr, schmeiß Hirn!”, in einem solchen Fall. Aber Hirn würde nichts nutzen, denn der Berliner Helbig vom Wissenschaftszentrum ist nicht an Forschung, sondern an Ideologie interessiert.

Das ist leicht zu zeigen, wurde er doch schon mehrfach auf seine Irrtümer hingewiesen, und wenn man ihm zu gute hält, dass er mit durchschnittlicher Intelligenz begabt ist, dann hätten die Hinweise einen Lernprozess auslösen müssen. Haben sie aber nicht, sonst würde er nicht weiterhin mit seinen unsinnigen Erklärungsvorschlägen hausieren gehen. Bleibt also nur die Erklärung: Er ist nicht Wissenschaftler, sondern Ideologe und als solcher hat er in der Wissenschaft nichts zu suchen.

Das wurde bereits offensichtlich als Dr. habil. Heike Diefenbach von der Redaktion der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie gebeten wude, die Dissertation von Marcel Helbig zum nämlichen Thema einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Ergebnis der Prüfung: Note mangelhaft. Damit war sein Versuch, in der Bildungssoziologie Fuß zu fassen, beendet.

Entsprechend versucht Helbig seinen ideologischen Beitrag bei Erziehungswissenschaftlern unterzubringen, in der “Enzyklopädie Erziehungswissenschaft”, die wohl zu den Online-Enzyklopädien gehört, die von Gratisbeiträgen leben, die wiederum von Nachwuchswissenschaftlern geliefert werden. Offensichtlich findet bei der Online-Enzyklopädie auch keine Qualitätsprüfung statt, was abermals den Stellenwert derselben deutlich macht. Fände eine statt, der Beitrag von Helbig wäre nicht erschienen.

Entsprechend warnen wir an dieser Stelle alle Nutzer der Online-Enzyklopädie vor einem Beitrag, mit dem versucht werden soll, die Suche nach einer Erklärung der Nachteile von Jungen im deutschen Bildungssystem mit Ergebnissen, die nicht einmal entfernt zur Erklärung des Explanandums taugen, zu unterminieren. Wie allen ideologischen U-Booten, so geht es Helbig nicht darum, die Realität zu beschreiben, sondern die Realität vorzuschreiben und festzuschreiben, und zwar im Sinne der Ideologie, der er sich andienen möchte.

worship with usUnd weil er am WZB in Berlin Unterschlupf gefunden hat, huldigt er natürlich der Genderideologie, vermutlich dreimal täglich in der WZB-Kapelle: Oh Gendergott, gib’ mir Kraft, dass ich auch weiterhin der Realität widerstehen kann und gegen Wissen jeglicher Art resistent bin!”

Erneut belegter Befund: Linke Landesregierung verschärft jungenfeindliches Klima in Schulen

Unser Beitrag “Je linker die Landesregierung, desto schlechter schneiden Jungen in der Schule ab“, hat einigen Wirbel verursacht. Fast, dass wir uns nach 2002 zurückversetzt fühlen. Damals hat die Veröffentlichung von “Bringing Boys Back In” und die Tatsache, dass wir darin nicht nur die Nachteile von Jungen gegenüber Mädchen im deutschen Bildungssystem gezeigt haben, sondern auch gezeigt haben, dass die Nachteile umso geringer werden, je höher der Anteil männlicher Grundschullehrer ist, viel Staub aufgewirbelt.

Die Reaktionen damals wie heute waren bei gewissen Leuten bestimmter ideologischer Ausrichtung die gleichen: Ungläubiges Staunen, gefolgt von einem Abwehrreflex, gefolgt von entsprechenden Abwehrmaßnahmen, abermals gefolgt vom mehr oder weniger untauglichen Versuchen, unsere Ergebnisse zu diskreditieren.

Wir haben ein deja vu.

BenninghausJenseits dieser Reaktionen gibt es wohl auch eine Reihe von Lesern, die nicht nachvollziehen können, was bei der Berechnung der Zusammenhangsmaße eigentlich gemacht wurde, und weil ich gestern abend einer Reihe von guten Argumenten ausgesetzt war, die allesamt von der wie immer empathischen Dr. habil. Heike Diefenbach gemacht wurden (als Fürsprecher mancher Kommentatoren), haben wir heute die Daten aus dem eher rustikalen Excel in das elaboriertere SPSS (Statistical Package for Social Sciences, IBM SPSS Version 22) übertragen und alles noch einmal und in mehreren Varianten berechnet.

Da etliche Leser mit der Konstruktion des Index Probleme hatten, sie nicht nachvollziehen konnten oder Einwände dagegen erhoben haben, gibt es nunmehr vier Indices:

  • Den Ausgangsindex, ein 5-Minuten-Index, bei dem den Parteien mit steigender Linkslastigkeit steigende Werte zugewiesen werden, und bei dem die entsprechenden Werte addiert werden, wenn Länder von Koalitionen regiert werden.
  • Aber, so ein Einwand, dann hat ja eine Koalition aus CDU und SPD den Wert 5 und somit den Wert, den eine Landesregierung der Linken hätte, wenn es Sie denn gäbe. Also haben wir einen gestreckten Index berechnet, der deratige theoretisch mögliche Überlappungen vermeidet.
  • Dann gibt es einen gestauchten Index, der nicht vom theoretischen Möglichkeitsraum der Parteienkoalitionen ausgeht, sondern von den emprisch vorhandenen Koalitionen. Die entsprechenden Koalitionen auf Landesebene (und die Alleinregierung der CSU) wurden nach aufsteigender Linkslastigkeit sortiert, und es wurden Ihnen Werte von 1 bis maximal 6 zugewiesen, 6 ganz einfach deshalb, weil es sechs verschiedene Zusammensetzungen von Landesregierungen mit Blick auf Parteien gibt [also: 1 = CSU, 2 = CDU + SPD, 3 = CDU + Grüne, 4 = SPD + Grüne; 5 = SPD + Linke; 6 = Linke, SPD + Grüne].
  • Schließlich gibt es für die Daten-Mitteln-Fraktion einen eigenen Index, in dem die Werte für die Koalitionen gemittelt wurden.

Die Daten für die vier Indices und die Daten für die abhängigen Variablen sind in der folgenden Tabelle zusammengestellt, ebenso die Ergebnisse der Berechnungen.

Den Ergebnissen ist voranzuschicken, dass ich beim Übertragen der Daten festgestellt habe, dass ich die Leute in Mecklenburg-Vorpommern mit einer Linke-SPD-Regierung beglückt habe. Das habe ich korrigiert, und falls sich Leute in Mecklenburg-Vorpommern von dieser Regierungs-Aussicht bedroht fühlen, hier meine Entschuldigung.

Der kleine Fehler hat indes keinerlei Effekt auf die Ergebnisse, denn die statistisch feineren Analysen in SPSS, die es z.B. erlauben das von Dr. habil. Heike Diefenbach ins Spiel gebrachte Eta zu berechnen, also ein Maß, für dessen Berechnung das Skalenniveau der unabhängigen Variablen (hier der Indices) egal ist, bestätigen unser vorgestern veröffentlichtes Ergebnis. Damit sollten alle Diskussionen darüber, ob die Annahme von Linerarität, die der Berechnung von Pearsons r zugrunde liegt, im vorliegenden Fall gerechtfertigt ist oder nicht, beendet sein. Wie überhaupt alle Diskussionen darüber, ob die Ergebnisse, die wir publiziert haben, valide sind, damit beendet sein sollten (immer einen rationalen Diskurs und keinen emotionalen Diskurs vorausgesetzt).

Noch mehr nachteile von Jungen

Die Tabelle zeigt sehr eindrücklich, dass ein Zusammenhang zwischen den berechneten Indices und dem Abschneiden von Jungen in der Schule besteht. Kurz: Dass linke Landesregierungen zu Lasten des schulischen Erfolgs von Jungen gehen, ist abermals und noch eindrücklicher belegt als beim letzten Mal.

Im Einzelnen zeigen die Korrelationen Folgendes:

  • Die Werte für Eta zeigen für alle Arten der Berechnung des Index der Linkslastigkeit der Regierung dasselbe Ergebnis: Linkere Landesregierungen gehen mit größeren Nachteilen von Jungen gegenüber Mädchen beim Abitur und bei denen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, einher als weniger linke Landesregierungen.
  • Der Zusammenhang ist offensichtlich vollkommen unabhängig von der Art und Weise, in der Index berechnet wird. Er ist stabil.
  • Die Werte für Pearson’s R sind generell geringer als die Werte für Eta, was daraufhin deutet, dass die Annahme der Linearität des Zusammenhangs grundsätzlich gilt, dass innerhalb des Lagers der Linken aber Unterschiede vorhanden sind. Das ist insofern plausibel als die Landespolitiken von SPD und Linker in Brandenburg sich von der Landespolitik der Grünen und der SPD in Baden-Württemberg unterscheidet, was letztlich dafür spricht, dass innerhalb der Linken eine gewisse Fragmentierung vorhanden ist.
  • Dass Jungen häufiger die Schule ohne einen Abschluss verlassen als Mädchen lässt sich nicht linear als Ergebnis einer steigenden Linkslastigkeit erklären. Da Eta jedoch einen deutlichen Zusammenhang zwischen allen Indices der Linkslastigkeit, insbesondere dem gestauchten Index, der von der tatsächlichen Verteilung der Koalitionen auf Landesebene ausgeht, zeigt, muss man auch hier davon ausgehen, dass das jungenfeindliche Klima, das in allen Analysen zum Ausdruck kommt, innerhalb des linken Lagers immerhin in verschiedenen Graden der Intensität vorhanden ist.

Fazit:

  • Linke Regierungen auf Landesebene verschärfen das ohnehin schon jungenfeindliche Klima in Deutschland noch weiter.
  • Der Effekt linker Bildungspolitik zeigt sich besonders einheitlich bei der Bevorzugung von Mädchen mit Bezug auf die (Fach-)Hochschulreife.
  • Dagegen gibt es offensichtlich keine einheitliche Haltung bei linken Bildungspolitikern im Hinblick auf Schüler, die ohne Schulabschluss ihre Schulausbildung beenden. Das ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass die Mehrzahl derjenigen, die in ihr Berufsleben ohne einen Schulabschluss entlassen werden, Jungen sind.

Es gibt am Befund also nichts zu rütteln:

Linke Bildungspolitik bevorzugt Mädchen vor allem bei der (Fach-)Hochschulreife und schadet Jungen. Linke Bildungspolitik verschärft ein ohnehin schon jungen- und männerfeindliches Klima in Deutschland.

©ScienceFiles, 2015

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