Bürgergängelung: Gutmenschen im Dienst am eigenen Interesse

Man sollte denken, dass der Schutz bürgerlicher Freiheit und die Abwehr staatlicher Versuche, Bürger zu gängeln, ein gemeinsames Interesse aller Bürger ist. In der reinen Theorie mag das auch der Fall sein. In der Realität gibt es jedoch Interessen, z.B. das Interesse sich auf dem Rücken anderer Bürger ein Auskommen zu verschaffen. Wer ein solches Interesse hat, der behauptet derzeit z.B. er würde Rechtsextremismus bekämpfen, macht sich zum Büttel seines Staates und erhält als Belohnung Steuergelder als Lebensunterhalt.

Um derartige Interessen am Geld anderer verfolgen zu können, sich in den Besitz von Steuergeldern, also von Geld anderer zu bringen, ohne eine messbare Gegenleistung zu liefern, einen Nutzen für die entsprechenden Bürger bereitzustellen, ist es sinnvoll, eine Organisation zu gründen. Eingetragene Vereine stehen hoch im Kurs. Auch Gesellschaften oder Stiftungen, die dem Guten und Reinen gewidmet sind und deshalb mit Steuergeldern gefüttert werden, während sie selbst eine Steuerbegünstigung genießen, sind ein nützliches Mittel, wenn man versucht, die eigenen Interessen durchzusetzen.

Was nun noch fehlt sind Behauptungen wie: Man sei nur am Wohl der Bürger interessiert, wolle Bürger nur schützen, wolle deren Glück und Wohlstand sichern und dergleichen BS. Und weil jede Hans-Wurst-Organisation derzeit diese Behauptungen im Standard-Repertoire hat und in großer Menge als Presseerklärung verbreitet ohne darzulegen, was sie eigentlich dazu qualifizieren oder berechtigen soll, die Interessen anderer wahrzunehmen, deshalb muss man sich differenzieren, am besten, in dem man eine Studie in Auftrag gibt.

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von Gutmenschen ausging, dass alle Menschen geschützt werden sollen. So machten sich auch die Deutsche Adipositas Gesellschaft, die Deutsche Diabetes Gesellschaft, die Deutsche Diabetes Stiftung, die Deutsche Diabetes Hilfe, die „Gesundheitsstadt Berlin“, der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland und die Universität Kiel sogleich auf, um Menschen zu schützen, Bürger zu schützen, und zwar vor Adipositas.

So die Geschichte.

Die sieben Organisationen, deren Ziel darin besteht, Bürger vor Adipositas zu schützen, haben sogleich Tobias Effertz, Privatdozent an der Universität Hamburg (also nur mit Zeitvertrag angestellt) damit beauftragt, eine Studie zu erstellen, eine Studie, die zeigen soll, wie man Bürger vor Adipositas schützen kann, ohne zu verhindern, „dass jeder selbst entscheiden [kann], was er kauft“.

Diese Losung, jeder solle selbst entscheiden, was er kauft, ausgegeben von Ulf Fink, CDU-Gesundheitspolitiker und einer derjenigen, die es schaffen, zumindest sich um den Verstand zu reden, gilt seit der Erfindung des „Nudgings“ (Schubsen in Deutsch) als nicht mehr im Gegensatz dazu stehend, dass man Menschen faktisch die Wahlfreiheit beschneidet, wenn man die Handlungsalternativen durch Nudging verteuert. Wer würde wenn er die Wahl zwischen herkömmlicher Besteuerung und der Möglichkeit, 25% seines Einkommens direkt an Einrichtungen seiner Wahl zu verteilen, ohne dass sich auch nur ein Staatsdiener einmischt, noch die herkömmliche Besteuerung über das Finanzamt wählen? Seltsamerweise findet sich diese Art des Nudgings zur Freiheit nicht.

Stadt Bürgern Freiheit vom Staat zu erkämpfen und Wahlmöglichkeiten zu geben, lautet die Losung: Bürger in ihrer Handlungsfreiheit beschränken, damit sie sich nicht am Ende so entscheiden, wie sie wollen. Und so haben die genannten Organisationen nicht etwa eine Studie beauftragt, deren Ziel darin besteht, Bürger von staatlicher Gängelung frei zu machen, sondern eine Studie, die zeigen soll, dass noch mehr staatliche Gängelung glücklich macht. Nicht Gängelung macht frei, aber Gängelung macht schlank, und Schlanksein ist natürlich wichtiger als Freiheit … oder Glück.

Das zeigt die angebliche Studie von „PD Dr. Tobias Effertz, Universität Hamburg“: 0% Steuer auf Obst und Gemüse, 7% Steuer auf „normalen Lebensmitteln wie Nudeln, Milch oder Fleisch“, 19% Steuer auf Produkten mit viel Zucker und bis zu 29% Steuer auf Softdrinks. Wenn es darum geht, andere Menschen zu gängeln und in ihrer Wahlfreiheit zu beschränken, dann kennt die Besteuerungswut der Gutmenschen keine Grenzen, dann machen sie sich zum besten Vasallen ihres geliebten Staates und verbünden sich mit ihm, gegen die fetten Bürger, die – wenn man nicht auf sie aufpasst – fressen bis sie dick werden.

Tobias Effertz ist damit beauftragt zu zeigen, dass die höheren Steuern auf Nahrungsmitteln mit hohem Kalorienanteil und viel Zucker und saturierten Fettsäuren dazu führen, dass Bürger weniger davon in sich hineinstopfen und entsprechend zumindest nicht noch fetter, am besten dünner werden.

Nun ist es eine simple Wahrheit, dass der, der weniger isst, auch dünner ist als der, der mehr isst. Man muss nur die Opfer einer Hungersnot mit dem normalen Besucher eines Staatsbanketts vergleichen und sieht diesen Zusammenhang. Will man jedoch für Organisationen wie die besorgten Schützer der Menschheit vor Adipositas zeigen, was offenkundig ist, dann muss man sich entsprechend etwas einfallen lassen.

So etwas zum Beispiel:

𝐸I𝑟ep.,𝑗= 𝛽1,𝑗𝑃G1,𝑗+𝛽2,𝑗𝑃G2,𝑗+𝛽3,𝑗𝑃G3,𝑗+𝛽4,𝑗𝑃G4,𝑗+𝛽5,𝑗𝑃G5,𝑗….+𝛽𝑁,𝑗𝑃G𝑁,𝑗

Stark – oder? Beeindruckend und doch nichts anderes als die lineare Beschreibung des Zusammenhangs, dass derjenige, der mehr isst, auch mehr Kalorien aufnimmt. Um diesen trivialen Zusammenhang etwas wirkmächtiger zu machen, wurde die Kalorienaufnahme (EI = Energy Inake), einfach in verschiedene Produktgruppen zerlegt (PG), die aus verschiedenen Produkten bestehen, die mehr oder weniger Zucker usw. enthalten.

Um diesen Zusammenhang, (mehr essen, mehr Kalorien) zum Körpergewicht weiterzuentwickeln (nicht vergessen, es geht um Adipositas) ergänzen wir noch ein wenig Zinnober zur aufgenommenen Kalorienmenge, z.B. das Alter, das Geschlecht (vor allem Geschlecht), die physische Aktivität (wohlwissend, dass Dicke keinen Marathon laufen), die Körpergröße und die verzehrten Kalorien.

Und nun untersuchen wir, wie sich die Verteuerung von Produkten mit viel Zucker, gesättigten Fettsäuren, Sie wissen schon, und die Verbilligung von Obst und Gemüse auf die Entwicklung von EI, also die Kalorienaufnahme und das Körpergewicht auswirken. Dazu nehmen wir an, dass höhere Preise zu reduziertem Konsum führen und geringere Preise zu höherem Konsum und weil das so trivial ist, nennen wir es Elastizität der Nachfrage. Das angenommen können wir nun zeigen, dass dann, wenn die Steuern auf zuckerhaltige, fette Marsriegel erhöht werden, der Konsum von Marsriegeln zurückgeht, nicht weil er wirklich zurückgehen würde, denn das haben wir nicht gemessen, sondern weil wir annehmen, dass er zurückgeht, und weil der Konsum zurückgeht, und annahmegemäß der Konsum von billigem Obst und Gemüse steigt, deshalb sinkt die Menge der aufgenommenen Kalorien im Vergleich zu unserem Ausgangsmodell, eben weil weniger Zucker konsumiert wird. Und schwupp-di-wupp können wir zeigen, dass das Körpergewicht im Aggregat zurückgeht, dass Adipositas also vermutlich und vielleicht reduziert wird.

Es gehört zu den Geheimnissen mancher Ökonomen, wie sie es schaffen, sich selbst davon zu überzeugen, dass dann, wenn alle Annahmen, die sie in ihr Modell stecken, zutreffen und eben das herauskommt, was sie angenommen haben, etwas anderes herausgekommen ist, als sie selbst angenommen haben. Oder: Es  ist erstaunlich, dass es manche Ökonomen schaffen, dann, wenn die Annahme die sie machen, zu dem Ergebnis führt, das sie mit den Annahmen vorgegeben haben, dieses Ergebnis als etwas ganz Neues zu verkaufen.

Aber sei’s drum.
Die Beschützer der Menschen, die Deutsche vor Adipositas retten wollen, wollten nur eine Bestätigung dafür, dass höhere Steuern auf Zucker dünnere Deutsche zur Folge haben, was ja auch nicht ganz falsch ist: Wenn man z.B. allen Deutschen gar keinen Lohn mehr ausbezahlt und ihnen dafür Wertmarken aushändigt, mit denen sie nur die Waren erhalten, die in einem unter staatlicher Aufsicht erstellten Warenkorb enthalten sind, der weder in der Gefahr steht, dicke Deutsche zu produzieren noch betrunkene oder rauchende Deutsche, dann hat dies mit Sicherheit eine Auswirkung auf den Körperumfang der Deutschen.

Indes, es hat auch eine Auswirkung auf Substitute.
Dummerweise sind Menschen nämlich findig, auch wenn man mit Blick auf das, was sich derzeit an manchen Universitäten einfindet, eher der Ansicht sein kann, dieses „Naturgesetz“ sei falsch. Weil Menschen findig sind, deshalb finden sie Lösungen für Restriktionen, die ihnen von ihrem Staat verordnet werden, die sie aber nicht für richtig halten. Eine solche Lösung ist ein Schwarzmarkt. Ein solcher würde sich mit Sicherheit entwickeln, würde ein Staat seine Bürger auf Grundlage von Rabattmarken füttern wollen. Substitute werden Bürger auch dann finden, wenn die Steuern auf Zuckerhaltiges 29% betragen. Man kann Gemüse ganz streichen, um den Marsriegel zu essen. Man kann sich eine Bezugsquelle im freien, unbesteuerten Ausland schaffen und Marsriegel einschmuggeln. Man kann sich andere Dinge sparen, den Gang ins Kino, ins Sportstudio, die Weihnachtsgeschenke, kann mehr auf eigene Rechnung arbeiten, gegen Marsriegel … Menschen sind findig. Findiger als die Organisationen der Beschützer der Deutschen vor Adipositas.

Denen kann man eine Studie von 20 Seiten verkaufen, in der belegt wird, dass dann, wenn man annimmt, das höhere Preise die Nachfrage reduzieren, im Modell gezeigt werden kann, dass höhere Preise die Nachfrage reduzieren.

Unser Vorschlag gegen Adipositas: Lohn für Funktionäre reduzieren, Dienstfahrzeuge streichen und Aufenthalt am Schreibtisch regelmäßig durch einen Kilometer Daurlauf unterbrechen.

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Wir wollen nur Ihr Bestes: Ihre Leber, Ihre Nieren, Ihr Herz, Ihre Augen, Ihre Lunge…

Morgen ist Tag der Organspende. Seit 1983 wird der Tag der Organspende jeweils am ersten Samstag im Juni begangen. Samstags deshalb, weil Organspenden außerhalb der Arbeitszeit erfolgen sollen, schon weil eine Organspende nur dann möglich ist, wenn „der Tod … festgestellt ist“, wie man beim Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages weiß. Das macht Sinn, denn ohne Herz lebt es sich nicht so gut und nach Erfahrungsberichten ist auch ein Leben ohne Leber ziemlich saftlos.

Morgen ist also Tag der Organspende. Nie war Organspende so einfach und sicher wie heute: Dafür sorgt das Transplantationsgesetz (TPG). Dass es dennoch Organhandel durch Ärzte gegeben hat, kleine Unregelmäßigkeiten, die Ihr Vertrauen darin, dass Ihr Tod von diesen Ärzten korrekt festgestellt wurde, nicht dass man Sie aus Versehen lebend ausnimmt und tot und ausgeweidet zurücklässt, sollte Sie nicht in Ihrer Spendenfreude erschüttern. Es ist kein Grund zum Verzagen, denn: Nie war Nächstenliebe so einfach wie heute. Organspende ist gelebte Nächstenliebe wie Heiko Maas, Minister für … – war es Justiz?- weiß. Also leben Sie Nächstenliebe. Spenden Sie. Spenden Sie Organe. Sie spenden die Organe, wir kümmern uns um den Nächsten.

Die Zahl der Spendenfreudigen ist in Deutschland von 1.296 Organspendern im Jahr 2010 auf 864 Organspender 2014 zurückgegangen.

Schockbilder auch bald auf Fleischerzeugnissen

Heute tritt die neue EU-Tabakrichtlinie in Kraft: Ab sofort sehen Raucher beim Kauf einer Packung schwarze Zahnstümpfe, zerfressene Lungen und schwarze Raucherbeine. Die Schockbilder-Advokaten hoffen, mit den Bildern Raucher vom Rauchen abzuschrecken.

smoking cancerNun ist Rauchen eine Angewohnheit, die nicht umsonst unter der Bezeichnung „Sucht“ läuft, was darauf hinweist, dass die Entscheidung, mit dem Rauchen aufzuhören, bei vielen Abhängigen nicht unbedingt eine Option ist. Hinzu kommt, dass viele Raucher eine soziale Verpflichtung verspüren, nicht nur den Finanzminister über die Tabaksteuer glücklich zu machen, sondern auch die Raucher-Entwöhnungsindustrie auszuhalten. Was soll aus all den Sozialarbeitern, Sozialpädagogen, Medizinern, aus all den Entwöhnungshelfern werden, wenn einfach alle Raucher vom Rauchen abgeschreckt werden? Zum Glück produzieren Raucher das, was Ökonomen eine nicht elastische Nachfrage nennen, d.h. sie Rauchen unabhängig von Preis und Schockbildern auf der Packung.

Es geht auch nicht um die Raucher, sondern um die vielen Jugendlichen, die mit dem Rauchen gar nicht erst anfangen sollen. Sie abzuschrecken, ist das Ziel der Schockbilder, so hört man von den Schockbildphilen. Nun, verbotene Dinge und vor allem mit Schockbildern abschreckende Dinge, sie üben einen besonderen Reiz auf Jugendliche aus, die versuchen, ihre eigene Identität in Abgrenzung von der Mehrheitsgesellschaft zu bilden. Insofern wird sich in den nächsten Jahren zeigen, in welche Richtung das Nudgen der noch nicht-Raucher weist. Für die Forscher, die sich mit den unbeabsichtigten Folgen von Entscheidungen befassen, sind die Schockbilder in jedem Fall ein willkommenes quasi experimentelles Setting.

Nun, da die Schockbilder auf den Zigarettenpackungen als neue Richtlinie in Kraft getreten sind, brechen die Brüsseler Bürokraten, die ja nun eine gewisse Regelungsleere verspüren, zu neuen Ufern auf. Und weil Schockbilder in Brüssel und nicht nur dort so beliebt sind, scheint es erste Bestrebungen zu geben, die Verwendung von Schockbildern auszuweiten.

Die Forschung hat eine Unzahl von Belegen dafür angehäuft, dass Fleischkonsum schädlich ist, vor allem rotes Fleisch erfreut das Wachstum der Krebszellen in Organismen und gilt entsprechend als die Ursache hinter einer Vielzahl von Krebserkrankungen. Fleischkonsum ist somit der Gesundheit schädlich, erhöht die Kosten der Gesundheitsversorgung und muss daher eingedämmt werden. Schockbilder bieten sich an, um die Bevölkerung zu gesünderen Nahrungsmitteln zu nudgen.

Gleichzeitig setzt Fleischkonsum eine mit ethischen Grundsätzen nicht in Einklang zu bringende Massentierhaltung voraus, die letztlich eine Objektivierung von Lebewesen zur Folge hat und die menschliche Fleischeslust auf Basis der Qual anderer Kreaturen befriedigt.

Zudem ist Massentierhaltung einer der größten Verschmutzer der Umwelt, trägt Methan in die Atmosphäre und verstärkt damit die Erderwärmung und verseucht Grundwasser mit Phosphaten und Nitraten.

Der Tatbestand ist eindeutig: Fleischkonsum ist schädlich, Fleischerzeugung ist barbarisch und ethisch nicht vertretbar, Massentierhaltung umweltschädlich.

Um Europäer nicht nur vom schädlichen Tabakkonsum fernzuhalten, sondern auch vom noch viel schädlicheren Fleischkonsum, scheint man bei der EU-Kommission nun Pläne in der Schublade zu haben, die nur darauf warten, dass ein Kommissar seinen Mut zusammennimmt, um sie herauszuholen.

Folgerichtig müssten Verbraucher von Fleisch und Fleischerzeugnissen in Zukunft mit den Folgen ihres Tuns konfrontiert werden, mit Bildern aus der Massentierhaltung, auf den Verpackungen von Schnitzel und Steaks: Bilder davon, wie Küken gleich nach Geburt geschreddert werden, Bilder von Hähnchen, die mit dem Kopf nach unten in ihren Tot gefahren werden. Live-Aufnahmen aus Schlachthäusern dürften besonders geeignet sein, um europäische Konsumenten vom weiteren massenhaften Verzehr von Fleisch abzuhalten. Zudem sollte der Besuch von Schlachthöfen und von Abdeckereien für Kinder im Grundschulalter verpflichtend sein, um sie über die Lebensgrundlagen ihrer nachhaltigen und grünen Gesellschaft aufzuklären. Und natürlich dürfen auch Bilder von durch Krebs infolge von Fleischkonsum zerfressenen menschlichen Verdauungsträckten nicht fehlen.

Neue Hypothese: Herodes hat mit Tötung der Erstgeborenen Adipositas bekämpft

Seit Jahrtausenden wird Herodes als blutrünstiges Monster verunglimpft, das die eigene Macht durch Tötung aller Erstgeborenen sichern wollte.

Die Erzählung ist falsch. Ein Mythos.

Herodes ist nicht der machthungrige Auftraggeber der ersten Todessquads, er ist ein Vorreiter des modernen Nudgings.

Nudging-Science-CliffNudging, Stammleser von ScienceFiles wissen das, ist der Versuch von Regierungen, ihre Bevölkerung zum von der Regierung als richtig postulierten Lebensweg zu bringen. Wer könnte dazu geeigneter sein als Regierungen? Schließlich hat wissenschaftliche Forschung gezeigt, dass Menschen sich nicht immer rational verhalten. Die entsprechende Forschung ist zwar schon irgendwo zwischen alt und uralt, das hat Cass Sunstein jedoch nicht daran gehindert, sein Konzept des Nudging zu verbreiten, das vorsieht, Menschen zu ihrem Glück zu zwingen, nein, natürlich nicht zu zwingen, sie zu schubsen.

Die deutsche Regierung hat die Idee, die eigenen Bürger zu schubsen, mit Begeisterung aufgenommen, schon weil die in Regierungen versammelten Politiker alle um ihre geistige Überlegenheit wissen, die sie dazu befähigt, besser als Fritz B. zu wissen, was für Fritz B. gut ist. Entsprechend wird Fritz B. zum richtigen und guten Leben geschubst, durch Steuern, Abgaben, Verpflichtungen, die ihn dazu bringen, all das zu lassen, was ihm und der Regierung schadet und all das zu tun, was der Regierung nutzt.

Denn: Regierungen sehen das große Ganze, sehen da weiter, wo der beschränkte Horizont von Individuen am Ende ist, wissen, was die Zukunft bringt und in der Gegenwart zu zahlen ist … von anderen.

Und Herdodes, Herodes war der Vorkämpfer des modernen Nudgings. Er hat nicht nur vorhergesehen, dass die Zukunft Unruhe, Bürgerkrieg, ja die Zerstörung von Tempeln mit sich bringt, nein, er hat auch gewusst, welche unsäglichen Konsequenzen für die Volksgesundheit von Adipositas ausgehen.

Das legt eine Untersuchung nahe, die José G. B. Derraik und vier Kollegen gerade im Journal of Epidemiology and Community Health veröffentlicht haben: Erstgeborene haben ein höheres Risiko, fett zu werden als Zweitgeborene, so das Ergebnis, das auf der Analyse von Daten für 13.406 schwedische weibliche Geschwisterpaare basiert.

Das Ergebnis ist von hoher Relevanz für die Volksgesundheit, sind die Forscher doch der Ansicht, dass durch das Schrumpfen der Familie, die nurmehr aus maximal vier Personen besteht, die Adipositas der Erstgeborenen stärker ins Gewicht fällt und den Bevölkerungs-BMI negativ beeinflusst. Die Adipositas-Pandemie, die gesetzliche Krankenversicherungen weltweit in den Ruin zu treiben scheint, sie hat damit eine eindeutige Ursache: Erstgeborene.

HerodtheGreatWieder erweist sich Herodes als weitsichtiger Herrscher, als Nostradamus der antiken jüdischen Welt, als erster Nudger der Weltgeschichte und als jemand, der weiß, dass man dann, wenn es um die Volksgesundheit und die Zukunft geht, als weitsichtiger Herrscher, der über die fehlerhafte Handlungsentscheidung des lumpigen Individuums, wie Engels sagt, erhaben ist, seine Regierung auch an unpopulären und harten Maßnahmen nicht darf scheitern lassen.

Entsprechend muss man die Tötung der Erstgeborenen, die Herodes angeordnet hat, im Lichte der neuen Erkenntnisse neu bewerten. Nicht die Angst vor einem Verlust der Macht hat Herodes getrieben, sondern die Sorge um die Volksgesundheit. Eine Rehabilitätion von Herodes ist somit überfällig.

Dass Herodes nur männliche Erstgeborene hat töten lassen, ist vermutlich dem damaligen Stand der wissenschaftlichen Forschung geschuldet, die den Zusammenhang zwischen der Geburtsfolge und Fettleibigkeit für Männer bereits nachgewiesen hat, so wie dies auch in der modernen Forschung der Fall ist, die den entsprechenden Zusammenhang, der nun von Derraik et al.. für Frauen nachgewiesen wurde, für Männer schon seit Jahren kennt.

Nicht einmal die Regierenden haben volle Information, aber volle Überzeugung haben sie, wenn es darum geht, anderen den richtigen Weg zu weisen.

Derraik, José G. B., Ahlsson, Fredrik, Lundgren, Maria, Jonsson, Björn & Cutfled, Wayne S. (2015). First-borns Have Greater BMI and are More Likely to be Overweight or Obese: A Study of Sibling Pairs Among 26 812 Swedish Women. Journal of Epidemiology & Community Health; doi:10.1136/jech-2014-203568.

Effizientes Regieren durch entmündigte Bürger

Regierungen haben mit ihren Bevölkerungen ihre liebe Not: Bürger zahlen weniger Steuern als Regierungen es für notwendig halten, ja, manche enthalten ihre Steuern gar vor. Viele Bürger wollen einfach nicht einsehen, dass es gut für sie ist, wenn sie nach ihrem vermeintichen Hirntod Organe spenden. Andere rauchen und belasten die Gesundheitskassen, obschon sie über ihre Tabaksteuer die Kosten ihrer infolge des Rauchens eintretenden Krankheiten eigentlich mehr als gedeckt haben sollten, was die Frage aufwirft, was mit den Einnahmen aus der Tabaksteuer geschieht. Wieder andere essen sich dick und kugelrund mit Zucker, Fettsäuren gesättigt und ungesättigt, mit Harnstoff in Fleichverpackung, mit Antibiotika verdünnt in Milch und wollen einfach nicht essen, was gut für sie ist.

Ja, als Regierender hat man seine liebe Mühe und Not mit den dummen Bürgern, jenen Eingebildeten, die der Ansicht sind, sie wüssten selbst am besten, was für sie gut ist, jenen Fehlgeleiteten, die denken, sie könnten ein eigenständiges Leben ohne die richtige Führung durch ihre Regierung leben.

Um die Not der Regierenden zu lindern, tingelt Cass Sunstein durch die Welt und versucht sein Modell Nudging-Science-Cliffdes “Nudging”, des Schubsens an den Mann zu bringen. Cass Sunstein gehört, wie die Regierenden dieser Welt, zu jenen Erleuchteten, die nicht nur wissen, was richtig ist, sondern vor allem wissen, was für Sie, uns und uns alle das Richtige und das Beste ist. Sunstein nutzt sein intimes Wissen über die Wahrheit im täglichen Leben, um die Entscheidungen der Bürger, denen die Sunstein’sche Erleuchtung fehlt, in die richtige Richtung zu beeinflussen, die Bürger so zu manipulieren, dass sie Organe spenden, zuckerfrei essen, Wasser sparen, die Umwelt schützen, ziviles, unentgeltliches Bürgerengagement zeigen, um klammen Kommunen die Arbeiten abzunehmen, die diese Kommunen trotz hoher Grund- und Gewerbesteuereinnahmen nicht mehr leisten können, weil sie sich schon um Gleichstellung und Sozialhilfe kümmern müssen.

Die Manipulationstechnik, die Sunstein erfunden hat, um Bürgern vorzugaukeln, die Entscheidung, die gerade für sie getroffen wurde, sei eigentlich die Entscheidung gewesen, die sie auch selbst getroffen hätten, wenn man sie denn gefragt hätte und sie eine Entscheidung zu treffen gehabt hätten, hat bei der Bundesregierung begeisterte Zustimmung gefunden. Endlich, so mutmaßen die verzweifelten Regierer, haben sie ein Mittel an der Hand, das es ihnen erlaubt, Bürger zu dirigieren, damit sie die richtigen Entscheidungen treffen, sie zu manipulieren, denn die Entscheidungen, die die Regierenden für die richtigen halten, sind nicht deckungsgleich mit den Entscheidungen, die die Bürger für richtig halten, sie letztlich zu entmündigen, denn mit einem entmündigten Bürger regiert es sich besonders gut.

Der Anfang im Bürger-Schubsen ist bereits gemacht, wie man beim aufmerksamen Lesen einer Pressemeldung der Bundesregierung sehen kann.

Anlass ist die Steuermoral der Deutschen. Trotz der europaweit zweithöchsten Belastung mit Steuern und Abgaben, die Deutsche schultern, reichen die Einnahmen des Finanzministers hinten und vorne nicht, wie die Schlaglöcher auf Bundesautobahnen und die kurz vor dem Zusammenbruch stehenden Brücken zeigen. Grund für die nicht ausreichenden Steuereinnahmen sind aus Sicht der Regierenden einerseits Bürger, die Steuern vorenthalten, andererseits Bürger, die in ihrer jährlichen Steuererklärung so aberwitzige Dinge wie häusliche Arbeitszimmer, Arbeitsmaterialien, Fortbildungskosten oder gar Pendelkosten geltend machen und dadurch die Steuereinnahmen des Fiskus reduzieren.

Damit schaden Sie der Allgemeinheit, denn der Allgemeinheit werden durch die individuelle Steuererklärung Gelder entzogen und da individuelle Steuerzahler Teil der Allgemeinheit sind, schaden sie sich selbst. Dieser einfache Widerspruch, der belegt, dass Steuererklärungen, in denen Werbekosten geltend gemacht werden, demjenigen, der die Werbekosten geltend macht, ebenso schaden, wie der Allgemeinheit, ist ein Schluss, der Regierenden nur allzu bewusst ist, während individuellen Steuerzahlern die entsprechende Einsicht in der Regel versagt bleibt, denken sie doch, sie würden durch die Rückerstattung von zu viel bezahlter Steuer einen finanziellen Vorteil gewinnen.

Bürger sind – mit anderen Worten – nicht in der Lage einzusehen, dass es nicht nur ihre Pflicht ist, Steuern zu zahlen, sondern dass es in ihrem eigenen Interesse ist, ihnen Vorteile verschafft, so viel wie nur möglich Steuern zu zahlen und vor allem keine Werbekosten und andere Steuervergünstigungen geltend zu machen.

Ein klarer Fall für Nudging.

Und das sieht im vorliegenden Fall wie folgt aus:

Wir zitieren aus einer Pressemeldung der Bundesregierung:

“Weitere Vereinfachungen für Bürgerinnen und Bürger ergeben sich beispielsweise über das Angebot einer vorausgefüllten Steuererklärung.”

Die vorausgefüllte Steuererklärung ist das beste Mittel gegen Bürger, die sich einbilden, ihnen stünde eine Rückerstattung zu, gegen Bürger, die denken, sie könnten mit Kniffen eines Herrn Konz, der Finanzbehörde ein Schnippchen schlagen, und sie ist ein weiteres Mittel auf dem Weg der Bequemlichkeits-Entmündigung, mit der durch angebliche Serviceleistungen von Verwaltungen Bürgern ihre Handlungskompetenz und ihre Handlungsfreiheit Stück für Stück genommen wird.

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