Wie die Regierungen ihre Bevölkerung zensieren/schützen: YOUTUBE Löschdaten

Die Regierungen in Europa nehmen ihre Aufgabe, die eigene Bevölkerung vor Inhalten zu schützen, die sie nichts angehen oder die aus anderen Gründen zensiert werden, sehr ernst. Dies zeigt die neueste Statistik (euphorisch als “transparency report” bezeichnet) von YOUTUBE, die die Forderungen nach Löschung, die Regierungen an YOUTUBE gestellt haben, zusammenstellt. Schon das erste Datum zeigt, wie sehr Regierungen um unser aller Wohl besorgt sind. Die Anzahl der von Regierungen gestellten Forderungen, dass Inhalte auf YOUTUBE gelöscht werden sollen, die im zweiten Halbjahr 2009 noch 1.031 betragen hat, ist im ersten Halbjahr 2017 auf 19.176 angeschwollen. Waren es im zweiten Halbjahr 2009 noch 41.772 Clips oder Videos, die gelöscht werden sollten, waren es im ersten Halbjahr 2017 schon 76.714. Die häufigsten Gründe, die für die Löschung angegeben werden, gehören in die Bereiche von „Privatheit und Sicherheit“ bzw. „Nationaler Sicherheit“. In ca. 80% der Fälle kommt YOUTUBE den Forderungen der Regierungen auch nach.

Um welche Forderungen es sich dabei u.a. handelt, zeigen die folgenden Beispiele aus Deutschland, die ebenso zeigen, wie private Motive über Regierungen transportiert werden, wie sie zeigen, dass das Jugendrecht in Deutschland eine optimale Grundlage der Zensur bietet.

Request
The German government requested that we restrict a YouTube video for violating local youth protection laws. The video’s soundtrack is a rap song that contains violent imagery and implicitly glorifies Al Qaeda and the Charlie Hebdo attack.
Outcome
We restricted access to 3 videos on YouTube in Germany.

Request
We received a request from the Minister of Justice of the Federal State Rheinland Pfalz to remove an image from Image Search on google.de depicting him as a supporter of Islamic Sharia law in Germany.
Outcome
We did not remove content.

Request
We received a request to remove 70 YouTube videos for allegedly violating the German Children and Young Persons Act.
Outcome
We restricted some of the videos from view in Germany in accordance with local laws.

Betrachtet man die Gründe, aus denen die deutsche Regierung (oder Gerichte) die Löschung von Posts auf YOUTUBE verlangen, dann stehen an erster Stelle “Privatheit und Sicherheit” (39%), gefolgt von diffamierenden Inhalten (28%). Hate Speech, um die so viel Aufhebens unter Heiko Maas gemacht wurde, schlägt mit genau 4% der Forderungen auf Löschung zu Buche, in einem Fall wurde von der deutschen Regierung verlangt einen Beitrag zu löschen, in dem die deutsche Regierung kritisiert wird.

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland in der Spitzengruppe der Lösch- und Zensierwütigen. Gemessen an der Anzahl der Forderungen auf Löschung, die YOUTUBE seit 2009 erhalten hat, rangiert Deutschland an sechster Stelle. Gemessen an der Anzahl der Clips oder Videos, auf die sich die Löschforderung bezogen hat, liegt Deutschland an siebter Stelle. Die Abbildungen zeigen, dass Russland und das Vereinigte Königreich, in denen zu 81% bzw. 71% Löschungen wegen „Nationaler Sicherheit“ verlangt werden, Spitzenreiter mit Bezug auf die Anzahl der Löschforderungen (Russland) oder die Anzahl der zu löschenden Clips/Videos (Vereinigtes Königreich) sind. Sie werden gefolgt von der Türkei bzw. Spanien, an dritter Stelle haben sich die USA festgesetzt.

Insgesamt zeigen die Daten wie normal es mittlerweile geworden ist, dass Regierungen das, was ihre Bürger im Internet zu sehen bekommen, zensiert bzw. aus dem Netz entfernt sehen wollen.

Wie gut, dass Regierungen auf ihre Bürger aufpassen und dafür sorgen, dass sie nichts zu Gesicht bekommen, das ihre Kenntnisse in einer ungewünschten und (für Regierungen?) schädlichen Weise erweitern könnte. Wie gut, dass Regierungen bereit sind, für ihre Bürger zu entscheiden, was gut für sie ist. Und wie gut, dass es das deutsche Jugendrecht gibt, das es erlaubt, den Jugendschutz zum Vorwand zu nehmen, um allen, Jugendlichen wie Erwachsenen, den Zugang zu dem, was die Regierung für unangemessen hält, vorzuenthalten.

Kulturkampf: Anton Hofreiter rottet Insekten aus

Was uns an Politikern häufig regelrecht den Atem nimmt, ist die Sicherheit, mit der sie über Dinge schwadronieren, von denen sie keinerlei Ahnung haben. Sie klären ihre Zuhörer über ökonomische Zusammenhänge auf, kennen alle Motive, die menschliches Leben in Handlungen zum Ausdruck bringen kann, wissen immer genau was richtig ist und haben ihre grenzenlosen und zweifelsfreien Wissensbestände häufig ohne jede Form der entsprechenden Ausbildung erworben. Viele Politiker sind eben wahre Monster des Wissens, der Kompetenz und der kognitiven Einsicht. Da fragt man sich nur, warum sie ihre vielen Kompetenzen und Kenntnisse als Politiker verschwenden, wo sie doch in jedem beliebigen Bereich, den sie sich wählen, ein Vermögen nach dem nächsten aufgrund ihrer guten Ideen anhäufen können?

Vielleicht bilden sich viel, die meisten, alle [Unzutreffendes streichen]Politiker ja nur ein, sie wüssten etwas, tatsächlich wissen sie aber gar nichts. Vielleicht sind viele, die meisten, alle [Unzutreffendes streichen] Politiker einfach nur Spruchbeutel, die ihre Zuhörer für dumm halten und denken, sie kämen mit jedem Unsinn, den sie von sich geben, durch.

Szenenwechsel.

Ein Leser, der sich große Verdienste in der Erforschung lokaler Artenvielfalt erworben hat, besonders um Bachläufe herum, hat einem Vortrag von Anton Hofreiter, seines Zeichens grüner Bundestagsabgeordneter, gelauscht, einem Vortrag über Artenvielfalt und Insektensterben, in dessen Verlauf Hofreiter verkündet hat, dass die Insekten zu 75% gestorben sind. 75%, weder mehr noch weniger.

Unser Leser hat dies zum Anlass genommen, die folgende Frage zu stellen:

“Sie haben hier vom Insektensterben in Höhe von 75 % in den letzten Jahren gesprochen. Ich nehme mal an, dass es sich um die Studie von Hallmann handelt. Diese vergleicht die Werte von 1989 und 2016. Kritiker stellen fest, dass das Sterben im Vergleich zu 2014 nur rund 23% bedeutet hätte. Demnach müsste der größte Teil des Sterbens in den zwei Jahren danach stattgefunden haben. Wo sehen Sie die Ursache?”

Unser Leser berichtet weiter:

„Es folgten drei andere Fragen. Danach übertrug der Moderator ihm das Wort. Herr Hofreiter sagte gleich, dass er meine Frage zuerst beantworten wolle. In einem relativ strengen Tonfall belehrte er mich, dass so ein Sterben in Wellenform stattfinde und man durch solche Kurven einen Mittelwert ziehen müsse. 2014 wäre eben ein besonders gutes Jahr für Insekten gewesen, deshalb fiele das Ergebnis deutlich niedriger aus, der Mittelwert sei dann aber besagte 75 %.“

Es kommt eben nicht zusammen, was nicht zusammengehört.
Hofreiter und der Mittelwert sind inkommensurabel. Nichts vermittelt zwischen der Kenntnis, die ein ordinärer Mittelwert von seinem Nutzer erwartet und den Kenntnissen, die Hofreiter hier Andere belehrend, von sich zu geben können glaubt.

Die Rechnung von Hofreiter basiert auf den folgenden Bekannten:

  • Wir haben die Jahre von 1989 bis 2016.
  • Im Vergleich der Jahre 1989 und 2014 sind 23% weniger Insekten gefunden worden.

Das hat unser Leser vorgegeben, und Hofreiter hat es akzeptiert, wie seine Antwort zeigt.
Hofreiter ergänzt:

  • Insektensterben verläuft wellenförmig.
  • 23% stünden eben für ein gutes Jahr.
  • Der Mittelwert über die Jahre betrachtet sei aber 75%.

Wir haben auf Grundlage dieser Informationen einmal berechnet, wie das vermeintliche Insektensterben von 1989 bis 2016 jährlich ausgefallen sein müsste, um (1) wellenförmig zu verlaufen, (2) 2014 den Wert 23% anzunehmen und (3) insgesamt einen Mittelwert von 75% aufzuweisen.

Die Rechnung findet sich in der folgenden Tabelle.

Im ersten Beispiel nehmen wir eine Welle mit den Amplituden von 23% und 85% an. Problem: Der Mittelwert beträgt nur 53,64% bleibt damit deutlich unter 75%. Also haben wir die Verteilung gestaucht: 33% und 65% sind es nun, zwischen denen das Insektensterben oszilliert. Der Mittelwert ist noch geringer, beträgt nur 49%. Die Wellenbewegung zwischen 90% und 45% erbringt, wie man in Spalte fünf sehen kann, einen Wert, der schon nahe an die 75% herankommt, aber immer noch hinter dem Ziel zurückbleibt. Nicht einmal Werte von 95% und 55% reichen aus, um den Wert, den Hofreiter als Mittelwert verkaufen will, zu erreichen.

Nun verbindet sich, wie die folgende Abbildung zeigt, mit dem Ganzen ein kleines Problem, denn in allen Fällen, in denen wir versucht haben, den Hofreiterschen Mittelwert zu erreichen, haben wir nach nur wenigen Jahren, die komplette Insektenpopulation ausgerottet. In der Regel dauert es nur sechs Jahre, ehe, nach der Hofreiterschen Logik, keine Insekten mehr vorhanden sind. Nachdem wir uns draußen vergewissert haben, dass es noch Insekten gibt, müssen wir somit feststellen, dass Hofreiter offensichtlich Unsinn erzählt.

Aber vielleicht tun wir ihm Unrecht und er denkt, das Insektensterben habe seit den 23%, von denen unser Leser berichtet, also seit 2014 so viel Fahrt aufgenommen, dass mittlerweile im Mittel 75% der Insekten ausgestorben sind. Dummerweise, so zeigt die letzte Spalte der Tabelle, wird auch so kein statistischer Schuh daraus. Damit wir 75% der Insektenpopulation im Durchschnitt der Jahre 1989 bis 2016 verschwinden lassen können, müssen wir die Insektenpopulation im Jahre 2015 statistisch 4,5 Mal ausrotten und im Jahr darauf gleich – for good measure – noch einmal 10 Mal.

Es führt kein Weg daran vorbei.

Hofreiter hat Unsinn erzählt, großen Unsinn. Er hat dies nach dem Bericht unseres Lesers in einem belehrenden Ton getan, was vermuten lässt, dass er geglaubt hat, was er erzählt hat.

Was ist nun schlimmer: Ein Politiker, der den Unsinn glaubt, den er verbreitet oder ein Politiker, der weiß, dass er nichts weiß, aber denkt, dass er nichts weiß, weiß außer ihm niemand, weshalb er versuchen kann, sein Nichtwissen Dritten als Kenntnis zu verkaufen und diese Dritten auch noch zu belehren?

Die Studie, auf die sich Hofreiter bezieht, haben wir hier besprochen.


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Azubi-Hysteria: Wie die Normalität zur Katastrophe inszeniert wird

Die Erzeugung einer öffentlichen Medien-Hysterie durch Schreckensszenarien wie sie im Zusammenhang mit dem Klima, Herbiziden und Pestiziden, Gen- und Kerntechnik, Rechtsextremismus und Rassismus, Adipositas und anderen Mode-Themen der professionell Erregten erfolgt, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um die Grundlage für eine eigene Bereicherung (bzw. eine Bereicherung der eigenen Klientel) zu legen und gesetzliche Regulationen durchzusetzen, mit denen der gerade erst inszenierte Missstand gelöst werden soll. Wie könnte man den Ausstieg aus der Kernkraft legitimieren, wenn nicht manche glauben würden, dass die Menschen, die im Jahr 2536 leben, sofern es noch welche gibt, von den Resten des Endlagers in Gorleben erlegt werden?

Die heutige Hysterie, die in der Tagesschau verbreitet wird, geht auf einen Artikel in der Alpenprawda zurück. Die Zahl der Lehrlinge, die ihre Ausbildung abbrechen, sie sei besonders hoch, so berichtet das Blatt mit Verweis auf einen „Entwurf für den Berufsbildungsbericht“ 2018, in dessen Besitz es gelangt sein will. Wer auch immer diesen Bericht zum Zwecke der Erzeugung von Hysterie an die Münchner Menschen, die sich für Journalisten halten, geschickt hat, er hat einen gewissen Sinn für Humor.

So schreiben die Süddeutschen Journalismusazubis, dass dem Bericht zufolge, also dem Bericht, der erst noch veröffentlicht werden wird, aus dem die Alpenprawda vorab etwas berichtet, von dem behauptet wird, es sei ganz neu, gut 146.000 Auszubildende im Jahre 2016 ihre Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst hätten. Die Abbruchquote sei mit 25,8% sehr hoch, viel höher als in den Jahren zuvor, in denen sie stets zwischen 20 und 25 Prozent gelegen habe.

Katastrophe: „Immer mehr Azubis schmeißen hin!“

Und wenn es um die Schaffung Hysterie geht, dann dürfen Gewerkschaftler nicht fehlen. Sie laben sich an Hysterie, gibt sie ihnen doch die Gelegenheit, ihre wiederkehrende Forderung nach „Gesetzen“ und ihre eindimensionale Gedankenwelt, in der immer genau zwei Variablen Platz haben, unter das, was sie für das dumme Volk halten, zu bringen (Gewerkschaftler leben eben in ihrer Funktionärsluftblase). So sagt die DGB-Vizechefin Elke Hannack: „Viele steigen vorher aus, da sie mit der kargen Vergütung nicht über die Runden kommen“.

Die eindimensionale Welt, die Hannack bewohnt, sie kennt nur böse Arbeitgeber, die geringe Löhne bezahlen und nur geringe Löhne können der Grund für einen Abbruch der Ausbildung sein.

Doch beginnen wir vorne.

Die Daten, die die Süddeutsche Ausgabe der Prawda als neu verkaufen will, sind seit dem 30. August 2017 beim Statistischen Bundesamt in der Fachserie 11 Reihe 3 Bildung und Kultur „Berufliche Bildung“ veröffentlicht. Es sind somit keine neuen Daten, sondern die neusten, die man seit gut einem dreiviertel Jahr haben kann. Es sind auch die Zahlen, die man auf der Seite des Statistischen Bundesamts in einer eigens erstellten Tabelle abrufen kann. 2016: 146.376 vorzeitig gelöste Ausbildungsverträge. Ein richtiger Journalist, also einer, der recherchieren kann, der weiß natürlich, dass die neuen Daten, die man ihm vorab untergejubelt hat, gar keine neuen Daten sind, sondern bestenfalls neu aufbereitete alte Daten.

Die Abbrecherquote sei in bestimmten Berufen besonders hoch. Bei Sicherheitsfachkräften liege sie bei 50,6% weiß man bei der Tagesschau unter Berufung auf die Süddeutsche, auch bei Köchen, Restaurantfachkräften und Friseuren sei die Quote sehr hoch. Etwa jeder Zweite breche dort seine Ausbildung ab.

Damit ist der Boden für die Behauptung von Hannack bereitet, nach der der Abbruch von Ausbildungen durch arme und gute Azubis bösen Ausnutzer-Arbeitgebern geschuldet sei. Nur: Der Boden ist aus Sand.

Wie berechnet man eigentlich eine Abbrecherquote? Wir kommen jetzt in die Abteilung: Statistiken lesen ist nicht jedermanns Sache und fällt schon gar nicht in den Kompetenzbereich von Journalisten der Süddeutschen und von Gewerkschaftlern, wo auch immer sonst ihre Kompetenzen liegen mögen.

Beginnen wir ganz von vorne und fragen wir: Was ist die Basis der Berechnung der Abbrecherquote?

Wer sich mit den Daten des Statistischen Bundesamts auskennt, der weiß, dass die 146.376 Azubis, die 2016 vorzeitig ihren Ausbildungsvertrag gelöst haben, dies nicht alle im ersten Ausbildungsjahr getan haben. 48.228 haben ihren Ausbildungsvertrag in der Probezeit gelöst (dafür ist sie da), 83.727 im ersten Ausbildungsjahr, 42.171 im zweiten Ausbildungsjahr, 19.242 im dritten Ausbildungsjahr und 1.236 im vierten Ausbildungsjahr. Wie wird man der Tatsache gerecht, dass die gelösten Ausbildungsverträge sich auf alle Ausbildungsjahre verteilen?

Nun, man könnte die Abbrecherquote auf Basis aller Auszubildenden berechnen. Das haben wir getan. Ergebnis: 11,1% für 2016 und nicht die 25,8%, die die Süddeutschen in ihrem Vorabbericht gefunden haben wollen. Welche statistische Eselei die Süddeutschen begangen haben, welche Eselei man ihnen untergeschoben hat bzw. welcher Eselei sie aufgesessen sind, das zeigt sich, wenn man rekonstruiert, woher die 25,8% Abbrecherquote kommen.

Tatsächlich handelt es sich dabei um 28,7% und diesen Anteil erhält man, wenn man die aufgelösten Ausbildungsverträge für das Jahr 2016 auf die Basis der 2016 neu geschlossenen Ausbildungsverträge prozentuiert. Wie die folgende Abbildung zeigt, variieren die entsprechenden Anteile von 1991 bis 2015 zwischen 25% und 20%, was die Aussage, dass „seit Anfang der 1990er Jahre … Quoten von 20 bis 25 Prozent“ üblich gewesen sein sollen, die die Tagesschau mit Bezug auf die Süddeutschen macht, insofern nachvollziehbar macht, als nunmehr klar ist, was die statistisch Unkundigen da berechnet haben. Nur die Zahl für 2016, die haben sie falsch abgeschrieben, nicht 25,8% lautet der Anteil, sondern 28,7%.

Wie wir oben gezeigt haben, sind in der Anzahl der in einem Jahr gelösten Ausbildungsverträge gut 43% Ausbildungsverträge enthalten, die keine im laufenden Jahr neu geschlossenen Ausbildungsverträge sind, sondern Ausbildungsverträge, die in den Jahren zuvor geschlossen wurden. Die Statistik-Unkundigen berechnen hier also die Abbrecherquote auf falscher Basis und weil sich 25% oder 28% immer besser machen als mickrige 11%, wenn man Hysterie verbreiten will.

Wenn wir schon bei Abbruchquoten von Ausbildungsverträgen sind: Wer sich Seite 100 in der oben zitierten Fachserie 11 Reihe 3 des Statistischen Bundesamts zur Hand nimmt und Abbruchquoten berechnet, der sieht schnell, dass die höchsten Abbruchquoten (Zahlen für 2016) im Handwerk zu finden sind (14.5%; Basis: Alle Ausbildungsverträge), dass die Abbrecherquote unter Frauen (11,8%) höher ist als unter Männern (10,6% – schon weil Männer nicht die Option „Schwangerschaft“ haben, die heutzutage einen anerkannten Grund für einen Ausbildungsabbruch darstellt) und dass der Anstieg der Abbrecherquote, der in den letzten Jahren zu verzeichnen ist (siehe Abbildung), fast ausschließlich auf ausländische Auszubildende zurückzuführen ist. Während die Quote für alle Auszubildenden in den letzten Jahren von 10,7% (2013) auf 11,1% (2016) gestiegen ist, ist sie bei ausländischen Auszubildenden von 15,0% (2013) auf 16,1% (2016) gestiegen.

Kurz: Alles, was die Tagesschau mit Bezug auf die Süddeutschen JournalismusAzubis schreibt, ist unvollständig, falsch oder irreführend. Aber es ist als Boden geeignet, um eine Gewerkschaftstante in Stellung zu bringen, die dann den Satz sagt, den sie wohl wochenlang eintrainiert hat: „Viele steigen vorher aus, da sie mit der kargen Vergütung nicht über die Runden kommen“.

Wir haben uns die Mühe gemacht, die Ausbildungsberufe aus einer unglaublich detaillierten Statistik des Bundesamts herauszusuchen, die die höchste Anzahl von Ausbildungsabbrüchen vorzuweisen haben. Das Ergebnis ist in der folgenden Tabelle abgelegt. Nach Ansicht von Hannack ist diese Tabelle eine Rangliste der schlecht bezahlten Ausbildungsberufe, denn geringe Ausbildungsvergütungen sind ja für die Gewerkschaften der Grund dafür, dass Auszubildende ihre Ausbildung vorzeitig beenden.

Man muss diesen gewerkschaftlichen Unsinn nach dieser Tabelle nicht weiter kommentieren.

Funktionäre sind eine eigenartige Spezies, Gewerkschaftsfunktionäre im Besonderen. Während normale Menschen Wissen und Kenntnisse akkumulieren wollen, damit sie sich in der Welt zurechtfinden, ist es bei Funktionären in der Regel so, dass sie Wissen und Kenntnisse meiden wie der Teufel das Weihwasser. Beides, Wissen und Kenntnisse, könnten ihre Ideologie gefährden, als falsch erweisen und überhaupt, in einem eindimensionalen Gehirn ist kein Platz für mehr als zwei Variablen. Wäre darin mehr Platz, dann würden insbesondere Gewerkschaftsfunktionäre mit Sicherheit Kenntnisse und Wissen über die Gründe von Auszubildenden für einen Abbruch der Ausbildung vortragen, die man finden kann, wenn man Auszubildende fragt.

Das Bundesinstitut für Berufliche Bildung, liebevoll von seinen Mitarbeitern „BiBB“ genannt, hat eine solche Studie ausgeführt. 2.325 Auszubildende, die ihre Ausbildung abgebrochen haben, wurden nach den Gründen gefragt. Hier eine Zusammenfassung der Ergebnisse:

  • In 57% der Fälle geht die Initiative, die Ausbildung abzubrechen, von den Auszubildenden aus.
  • 70% nennen betriebliche Gründe für den Abbruch der Ausbildung, darunter:
    • Unzufriedenheit mit der Ausbildung bzw. dem gewählten Beruf
    • Unzufriedenheit wegen mangelnder Qualität der Ausbildung;
    • Konflikte mit Ausbilder oder Kollegen
    • Vermittlung durch Jobcenter erfolgte in einen unerwünschten Beruf
  • 45% nennen persönliche Gründe für den Abbruch der Ausbildung, darunter:
    • Gesundheitliche Beeinträchtigungen
    • Konflikte mit anderen Auszubildenden oder dem Ausbilder
    • Schwangerschaft
    • Prüfungsangst
    • Finanzielle Schwierigkeiten
    • Familiäre Schwierigkeiten

Erfolgt die Kündigung auf Initiative des Ausbildungsunternehmens, so finden sich die Gründe regelmäßig in einer unzureichenden Schul- oder Allgemeinbildung, unzureichenden sozialen Kompetenzen oder fehlendem Engagement der Azubis, wie man einer Studie leider angejahrten Studie von Emnid entnehmen kann (darin wurden 400 Auszubildende und 300 Ausbilder befragt).

Der Abbruch einer Ausbildung, so kann man als Fazit feststellen, ist kein eindimensionales Unterfangen, sondern das Ergebnis eines Prozesses, in dessen Verlauf eine Reihe von Gründen eine Rolle spielen.

Haben Sie bemerkt, was bei all den Gründen überhaupt nicht vorgekommen ist?

  • Ausbildungsvergütung.
  • Geld.
  • Bezahlung.
  • Lohn.

Geld, Dollarzeichen in den Augen wie bei Dagobert Duck, das ist ein Motiv, das nur bei Gewerkschaftsfunktionären in der Prominenz zu finden ist, wie sie sie anderen unterstellen. Sie sind die einzigen, die von morgens bis abends in Freund und Feind und in Geld denken. Fast, dass man Funktionäre bei Gewerkschaften als Ergebnis eines Neidprozesses ansehen könnte, der psychische Schäden herbeigeführt und vor allem die Fähigkeit, mehr als zwei Variablen zu berücksichtigen, beeinträchtigt hat.


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Statistik: Weniger Tote dank Sommerzeit

Die Zeitungen sind wieder voller Hilfestellungen dazu, wie man die Katastrophe, die sich als „Mini-Jetlag“ als Müdigkeit als Durcheinander der inneren Uhr einstellt, weil von Samstag auf Sonntag eine Stunde gestrichen wird, bewältigen kann.

Auch dieses Jahr, so steht zu erwarten, wird die Mehrheit der Bevölkerung ohne Krankenhausaufenthalt die Schwelle zur Sommerzeit nehmen. Auch dieses Jahr wird die Zahl derer, die von der Sommerzeit in den Suizid getrieben werden gering sein, ja selbst die Zahl derjenigen, die ihren Rausch nicht rechtzeitig ausschlafen kann, wird sich in Grenzen halten.

Tatsächlich ist die Sommerzeit ein statistischer Segen für eine Gesellschaft, in der alles an Quoten und Raten und Anteilen und vor allem ungleichen Anteilen gemessen wird. Statistisch schafft die Sommerzeit leben. Die eine Stunde, die fehlt, sie wirkt sich unglaublich positiv auf die Gesellschaft aus, in der sich pro Stunde 104 Tode ereignen. Eine Stunde weniger heißt entsprechend: 104 Überlebende. Die Sommerzeit verlängert Leben. Nicht nur das, die Sommerzeit, die eine fehlende Stunde, sie verringert die Kriminalität, 5 Raube weniger, 16 gefährliche Körperverletzungen, die statistisch nicht begangen werden, 46 einfache Körperverletzungen weniger, 103 weniger Betrogene, 271 Mal Eigentum, das nicht gestohlen wird …

Die Sommerzeit, sie wirkt sich lebensfördernd und kriminalitätsreduzierend aus. Wer es nicht glaubt, der soll nur schauen was passiert, wenn die Sommerzeit endet, dann gibt es plötzlich an einem Tag 104 Tote mehr, 5 zusätzliche Raubtaten, 16 zusätzliche gefährliche Körperverletzungen, 46 einfache Körperverletzungen, 271 zusätzliche Diebstähle und 103 zusätzliche Betrüge.

Wer angesichts dieser Zahlen, die die positive gesellschaftliche Wirkung der Sommerzeit eindrücklich belegen, an seinem „Mini-Jetlag“ festhalten will, dem ist nicht mehr zu helfen.

Nicht eingerechnet wurden all die positiven Wirkungen, die sich auf Sterbeziffer und Kriminalität daraus ergeben, dass es eine Stunde später hell und eine Stunde später dunkel wird.


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Ein Wegweiser durch den Umfrage-Junk – Keine CDU/FDP Mehrheit in Niedersachsen oder doch?

Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen …

Wie, so hat uns ein befreundeter Journalist gefragt, kann man sich durch die Sturzflut an Umfragen finden, die vor den Wahlen auf die Leser der verschiedensten Medien einprasselt, wie die Guten von den Schlechten, den Junk von den ansatzweise ernst zu nehmenden Umfragen unterscheiden?

Wir wollen ein paar Kniffe am Beispiel einer NDR-Umfrage zur Landtagswahl in Niedersachsen offenlegen.

Der NDR berichtet:

„Die CDU liegt in Niedersachsen in der Gunst der Wahlberechtigten aktuell deutlich vorn. Allerdings erreicht sie zusammen mit der FDP zurzeit nicht die Mehrheit. Bei den aktuellen Mehrheitsverhältnissen wären rein rechnerisch eine schwarz-grüne Regierung oder eine große Koalition möglich. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks.

„Wenn schon am nächsten Sonntag in Niedersachsen gewählt würde, wäre die CDU wieder die stärkste Partei im Land, wie schon bei der letzten Landtagswahl im Jahr 2013. Aktuell liegt die Union bei 40 Prozent. Sie hat damit im Vergleich zur letzten Landtagswahl deutlich hinzugewonnen (2013: 36,0 Prozent). Die SPD erreicht in der NDR Umfrage 32 Prozent (2013: 32,6 Prozent). Platz drei behaupten bei deutlichen Verlusten die Grünen mit 9 Prozent (2013: 13,7 Prozent), gefolgt von der FDP mit aktuell 7 Prozent (2013: 9,9 Prozent).
Neu im Landesparlament vertreten wäre die AfD. Sie erzielt in der NDR Umfrage jetzt 6 Prozent. Die Linke hingegen würde mit 3 Prozent erneut an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern (2013: 3,1 Prozent).

Weiter unten im Text findet sich dann das, was man zur Einschätzung der gerade zitierten Aussagen als die relevante Information ansehen kann:

„Das Meinungsforschungsinstitut infratest dimap befragte im Auftrag des NDR am 8. und 9. August 2017 insgesamt 1003 zufällig ausgesuchte, wahlberechtigte Personen ab 18 Jahren in Niedersachsen. Die Fehlertoleranz beträgt zwischen 1,4 Prozentpunkten (bei 5% Anteilswert) und 3,1 Prozentpunkten (bei 50% Anteilswert).“

Interessanter Weise ist hier erstmals von „zufällig“ ausgewählten Befragten die Rede. Natürlich lässt vergisst der NDR Schreiber nicht, darauf hinzuweisen, dass die Umfrage repräsentativ ist. Das Wort „repräsentativ“ ist ein fester Bestandteil des Katechismus und es ist notwendig, um den Lesern vorzugaukeln, hinter den Ergebnissen stände mehr als tatsächlich dahinter steht.

Was steht tatsächlich dahinter?

Zunächst einige Informationen, die Wahlforscher gut hüten: Als es noch Bundestags-Wahlumfragen in Deutschland gab, die diesen Namen verdienen, also Panelumfragen, bei denen dieselben Befragten zweimal vor einer Bundestagswahl und einmal nach einer Bundestagswahl u.a. danach gefragt wurden, welche Partei sie wählen werden bzw. gewählt haben, hat sich regelmäßig gezeigt:

  • Es gibt viele Wähler, die vor der Wahl eine andere Partei angeben als nach der Wahl. Ihr Anteil beläuft sich pi-mal-Daumen auf rund ein Viertel der Befragten.
  • Auf Basis der Vorwahlumfragen kann das tatsächliche Ergebnis der Bundestagswahl nicht vorhergesagt werden und auf Basis der Nachwahlumfragen noch viel weniger. Nachwahlumfragen leiden darunter, dass unter den Befragten, die nach einer Wahl gefragt werden, welche Partei sie gewählt haben, eine Gruppe, die zwischen 5% und 15% der Befragten umfasst, zu finden ist, die ihre Wahlentscheidung an den Wahlsieger anpasst, d.h. Bei Nachwahlumfragen wird der Anteil der Partei, die die Wahlen gewonnen hat, regelmäßig viel höher gemessen als er tatsächlich ist.
  • Im Gegensatz dazu leiden Vorwahlumfragen Vorwahlumfragen darunter, dass neue Parteien regelmäßig schlechter wegkommen als sie nach der Wahl dastehen. D.h. die Anteile von Parteien, die nicht im Parlament vertreten sind, sind in Umfragen vor der Wahl in der Regel zu niedrig.

Kurz:

  • Es gibt einen nennenswerten Anteil von Wählern, die vor der Wahl eine andere Partei in Umfragen angeben als sie tatsächlich wählen bzw. nach der Wahl als Partei angeben, die sie gewählt haben.
  • Es gibt die Tendenz, die eigene Wahl bzw. Wahlabsicht an das anzupassen, was man als Ergebnis der Bundestagswahl erwartet oder kennt.
  • Die Anteile neuer Parteien, die noch nicht im Parlament vertreten sind, sind in Umfragen regelmäßig geringer als in der nachfolgenden Wahl.

Das reicht eigentlich schon, um Wahlumfragen skeptisch gegenüber zu stehen.

Hinzukommt das, was von Umfrageinstituten gewöhnlich hinter der kryptischen Formulierung: „Die Fehlertoleranz beträgt zwischen 1,4 Prozentpunkten (bei 5% Anteilswert) und 3,1 Prozentpunkten (bei 50% Anteilswert)“ verborgen wird.

In kurzer Schreibweise 5% : 1,4%-Fehler bzw. 50% : 3,1% Fehler. Interpoliert man die Werte, dann ergeben sich 45 –Stimmenprozente auf die 1,7-Fehlerprozente verteilt werden müssen, also: 0,038% Fehler per 1% Stimme.

Die Umfrageergebnisse des NDR:

  • CDU: 40%
  • SPD: 32%
  • Grüne: 9%
  • FDP: 7%
  • AfD: 6%

Die Prozentwerte sind in sofern irreführend, als sie Mittelpunkt eines Wertebereichs sind, der durch den statistischen Fehler bestimmt wird. Bis 5% haben wir einen Fehler von 1.4% ab 5% einen Zuwachs von 0,038%-Fehler per 1% Stimmenzuwachs. Somit ergibt sich für die CDU ein Fehler von 2,73%, d.h. der tatsächliche Wert, der auf Grundlage der 1003 Befragten für das voraussichtliche Ergebnis der CDU bei der nächsten Wahl in Niedersachsen erwartet werden kann, liegt zwischen:

37,27% und 42,73%

Für die SPD ergibt sich ein Fehler von 2,426% und somit ein erwartetes Ergebnis zwischen 29,574% und 34,426%.
Die entsprechenden Wertbereiche für die Grünen, die FDP und die AfD lauten:

Grüne: 7,448% – 10,552%
FDP: 5,524% – 8,476%
AfD: 4.562% – 7,438%

Im dargestellten Wertebereich ist eine absolute Stimmenmehrheit für CDU und FDP enthalten (51,206%). Dieses Ergebnis hat die gleiche Wahrscheinlichkeit, wie das Ergebnis, das der NDR darstellt. Entsprechend ist der zweite Teil der Aussage: „Die CDU liegt in Niedersachsen in der Gunst der Wahlberechtigten aktuell deutlich vorn. Allerdings erreicht sie zusammen mit der FDP zurzeit nicht die Mehrheit.“ falsch. Die Daten, auf die sich der NDR Redakteur bezieht, lassen diese Aussage schlicht nicht zu. Eine absolute Mehrheit für CDU und FDP ist auf Basis dieser Umfrage ebenso wahrscheinlich wie keine absolute Mehrheit für CDU und FDP.

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