Ein Wegweiser durch den Umfrage-Junk – Keine CDU/FDP Mehrheit in Niedersachsen oder doch?

Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen …

Wie, so hat uns ein befreundeter Journalist gefragt, kann man sich durch die Sturzflut an Umfragen finden, die vor den Wahlen auf die Leser der verschiedensten Medien einprasselt, wie die Guten von den Schlechten, den Junk von den ansatzweise ernst zu nehmenden Umfragen unterscheiden?

Wir wollen ein paar Kniffe am Beispiel einer NDR-Umfrage zur Landtagswahl in Niedersachsen offenlegen.

Der NDR berichtet:

„Die CDU liegt in Niedersachsen in der Gunst der Wahlberechtigten aktuell deutlich vorn. Allerdings erreicht sie zusammen mit der FDP zurzeit nicht die Mehrheit. Bei den aktuellen Mehrheitsverhältnissen wären rein rechnerisch eine schwarz-grüne Regierung oder eine große Koalition möglich. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks.

„Wenn schon am nächsten Sonntag in Niedersachsen gewählt würde, wäre die CDU wieder die stärkste Partei im Land, wie schon bei der letzten Landtagswahl im Jahr 2013. Aktuell liegt die Union bei 40 Prozent. Sie hat damit im Vergleich zur letzten Landtagswahl deutlich hinzugewonnen (2013: 36,0 Prozent). Die SPD erreicht in der NDR Umfrage 32 Prozent (2013: 32,6 Prozent). Platz drei behaupten bei deutlichen Verlusten die Grünen mit 9 Prozent (2013: 13,7 Prozent), gefolgt von der FDP mit aktuell 7 Prozent (2013: 9,9 Prozent).
Neu im Landesparlament vertreten wäre die AfD. Sie erzielt in der NDR Umfrage jetzt 6 Prozent. Die Linke hingegen würde mit 3 Prozent erneut an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern (2013: 3,1 Prozent).

Weiter unten im Text findet sich dann das, was man zur Einschätzung der gerade zitierten Aussagen als die relevante Information ansehen kann:

„Das Meinungsforschungsinstitut infratest dimap befragte im Auftrag des NDR am 8. und 9. August 2017 insgesamt 1003 zufällig ausgesuchte, wahlberechtigte Personen ab 18 Jahren in Niedersachsen. Die Fehlertoleranz beträgt zwischen 1,4 Prozentpunkten (bei 5% Anteilswert) und 3,1 Prozentpunkten (bei 50% Anteilswert).“

Interessanter Weise ist hier erstmals von „zufällig“ ausgewählten Befragten die Rede. Natürlich lässt vergisst der NDR Schreiber nicht, darauf hinzuweisen, dass die Umfrage repräsentativ ist. Das Wort „repräsentativ“ ist ein fester Bestandteil des Katechismus und es ist notwendig, um den Lesern vorzugaukeln, hinter den Ergebnissen stände mehr als tatsächlich dahinter steht.

Was steht tatsächlich dahinter?

Zunächst einige Informationen, die Wahlforscher gut hüten: Als es noch Bundestags-Wahlumfragen in Deutschland gab, die diesen Namen verdienen, also Panelumfragen, bei denen dieselben Befragten zweimal vor einer Bundestagswahl und einmal nach einer Bundestagswahl u.a. danach gefragt wurden, welche Partei sie wählen werden bzw. gewählt haben, hat sich regelmäßig gezeigt:

  • Es gibt viele Wähler, die vor der Wahl eine andere Partei angeben als nach der Wahl. Ihr Anteil beläuft sich pi-mal-Daumen auf rund ein Viertel der Befragten.
  • Auf Basis der Vorwahlumfragen kann das tatsächliche Ergebnis der Bundestagswahl nicht vorhergesagt werden und auf Basis der Nachwahlumfragen noch viel weniger. Nachwahlumfragen leiden darunter, dass unter den Befragten, die nach einer Wahl gefragt werden, welche Partei sie gewählt haben, eine Gruppe, die zwischen 5% und 15% der Befragten umfasst, zu finden ist, die ihre Wahlentscheidung an den Wahlsieger anpasst, d.h. Bei Nachwahlumfragen wird der Anteil der Partei, die die Wahlen gewonnen hat, regelmäßig viel höher gemessen als er tatsächlich ist.
  • Im Gegensatz dazu leiden Vorwahlumfragen Vorwahlumfragen darunter, dass neue Parteien regelmäßig schlechter wegkommen als sie nach der Wahl dastehen. D.h. die Anteile von Parteien, die nicht im Parlament vertreten sind, sind in Umfragen vor der Wahl in der Regel zu niedrig.

Kurz:

  • Es gibt einen nennenswerten Anteil von Wählern, die vor der Wahl eine andere Partei in Umfragen angeben als sie tatsächlich wählen bzw. nach der Wahl als Partei angeben, die sie gewählt haben.
  • Es gibt die Tendenz, die eigene Wahl bzw. Wahlabsicht an das anzupassen, was man als Ergebnis der Bundestagswahl erwartet oder kennt.
  • Die Anteile neuer Parteien, die noch nicht im Parlament vertreten sind, sind in Umfragen regelmäßig geringer als in der nachfolgenden Wahl.

Das reicht eigentlich schon, um Wahlumfragen skeptisch gegenüber zu stehen.

Hinzukommt das, was von Umfrageinstituten gewöhnlich hinter der kryptischen Formulierung: „Die Fehlertoleranz beträgt zwischen 1,4 Prozentpunkten (bei 5% Anteilswert) und 3,1 Prozentpunkten (bei 50% Anteilswert)“ verborgen wird.

In kurzer Schreibweise 5% : 1,4%-Fehler bzw. 50% : 3,1% Fehler. Interpoliert man die Werte, dann ergeben sich 45 –Stimmenprozente auf die 1,7-Fehlerprozente verteilt werden müssen, also: 0,038% Fehler per 1% Stimme.

Die Umfrageergebnisse des NDR:

  • CDU: 40%
  • SPD: 32%
  • Grüne: 9%
  • FDP: 7%
  • AfD: 6%

Die Prozentwerte sind in sofern irreführend, als sie Mittelpunkt eines Wertebereichs sind, der durch den statistischen Fehler bestimmt wird. Bis 5% haben wir einen Fehler von 1.4% ab 5% einen Zuwachs von 0,038%-Fehler per 1% Stimmenzuwachs. Somit ergibt sich für die CDU ein Fehler von 2,73%, d.h. der tatsächliche Wert, der auf Grundlage der 1003 Befragten für das voraussichtliche Ergebnis der CDU bei der nächsten Wahl in Niedersachsen erwartet werden kann, liegt zwischen:

37,27% und 42,73%

Für die SPD ergibt sich ein Fehler von 2,426% und somit ein erwartetes Ergebnis zwischen 29,574% und 34,426%.
Die entsprechenden Wertbereiche für die Grünen, die FDP und die AfD lauten:

Grüne: 7,448% – 10,552%
FDP: 5,524% – 8,476%
AfD: 4.562% – 7,438%

Im dargestellten Wertebereich ist eine absolute Stimmenmehrheit für CDU und FDP enthalten (51,206%). Dieses Ergebnis hat die gleiche Wahrscheinlichkeit, wie das Ergebnis, das der NDR darstellt. Entsprechend ist der zweite Teil der Aussage: „Die CDU liegt in Niedersachsen in der Gunst der Wahlberechtigten aktuell deutlich vorn. Allerdings erreicht sie zusammen mit der FDP zurzeit nicht die Mehrheit.“ falsch. Die Daten, auf die sich der NDR Redakteur bezieht, lassen diese Aussage schlicht nicht zu. Eine absolute Mehrheit für CDU und FDP ist auf Basis dieser Umfrage ebenso wahrscheinlich wie keine absolute Mehrheit für CDU und FDP.

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Tricksen mit Statistik: Zahl der straffälligen Zuwanderer hat sich verringert oder doch nicht?

Entwarnung bei BMI und der WELT:

Wir lassen unkommentiert, dass die Welt hier die Kategorie der “strafauffälligen Zuwanderer” erfunden hat. Der Begriff ist natürlich vollkommener Unsinn, denn im Lagebild des BKA, aus dem die Mannen der WELT ihre Weisheit haben, ist von tatverdächtigen Zuwanderern die Rede, nicht von strafauffälligen. Was soll das auch sein „strafauffällig“? Wie hat man sich einen Zuwanderer vorzustellen, der mit Strafe oder wegen Strafe oder durch Strafe oder als Strafe auffällig wird. Immer mehr Journalisten scheinen eine Inkommensurabilität mit Sprache zu entwickeln.

Doch zurück zum Lagebild, das angeblich zeigt, dass die Anzahl der tatverdächtigen, der einer Tat verdächtigen Zuwanderer, die von der Polizei ermittelt wurden, im Vergleich des I. Quartals 2017 zum IV. Quartal 2016 gesunken ist. Der erste Blick auf die Statistik scheint diese Auffassung zu belegen: Vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2016 hat die Polizei rund 66.000 tatverdächtige Zuwanderer ermittelt. Vom 1. Januar bis zum 30. März waren es rund 64.700 tatverdächtige Zuwanderer. Ein Rückgang um 1.300 Zuwanderer. Und so meldet es die Welt ja auch in der ihr eigenen legasthenischen Weise: „Zahl strafauffälliger Zuwanderer hat sich verringert“.

Nun ist Quartal nicht Quartal.

Das IV. Quartal eines Jahres umfasst z.B. 92 Tage. Das erste Quartal eines Jahres entweder 90 oder (alle vier Jahre:) 91 Tage. 2017 waren es 90 Tage, zwei Tage weniger, an denen Zuwanderer Straftaten begehen und die Polizei tatverdächtige Zuwanderer ermitteln und statistisch erfassen kann. Wer mit Statistiken hantiert und Vergleiche anstellen will, der muss das in Rechnung stellen.

Ergo ergeben sich für das
IV. Quartal 2016: 66.000 tatverdächtige Zuwanderer / 92 Tage = 717 ermittelte Tatverdächtige pro Tag;
für das I. Quartal 2017: 64.700 tatverdächtige Zuwanderer / 90 Tage = 719 ermittelte Tatverdächtige pro Tag.

Tatsächlich ist die Anzahl der ermittelten tatverdächtigen Zuwanderer also gestiegen, nicht gefallen.
Ob das der WELT eine Berichtigung der gerade verbreiteten Meldung wert ist?

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Plumpe ARD-Manipulation: Linksextremismus verharmlosen Teil X

Wenn Sie sich schon einmal gefragt haben, warum die ARD nun eigene Faktenfinder aus den Zwangsgebühren finanziert, dann können wir Ihnen eine Antwort geben: Wenn man Lügen als Faktenfindung verpackt, gibt es vielleicht weniger Leser, die bemerken, dass sie belogen werden, oder wie Deep Throat sagt: „And a lie, Mr. Mulder, is most convincingly hidden between two truths.“

Linksextremismus. Eine unterschätzte Gefahr?

Das ist die Überschrift des Beitrags im ARD Faktenfinder. Die Antwort auf diese Frage wird indes nicht gegeben. Sie bleibt den Lesern überlassen. Das Autorenkollektiv Melanie Bender und Andrej Reisin, von denen niemand weiß, was sie dazu befähigen soll, Faktenfinder zu spielen und Nutzern der ARD die richtige Interpretation der Wirklichkeit zu servieren, will nur die Antwort suggerieren, nicht die Antwort geben. Am Ende kommt noch jemand und macht die beiden verantwortlich.

Der Beitrag beginnt mit ein paar Wahrheiten über den Linksextremismus. Politisch motivierte Straftaten von links hätten sich nahezu verdoppelt, von 4.418 Straftaten im Jahr 2001 auf 9.389 Straftaten im Jahr 2016. Auch die Gewalttaten seien in diesem Zeitraum gestiegen, um 45,7% von 1.168 auf 1.702.

Soweit so wahr.

Rechtsextremisten würden zwar mehr Straftaten begehen, darunter fänden sich aber vornehmlich Propagandadelikte (gemeint ist z.B. Volksverhetzung, das Verbreiten verfassungsfeindlicher Materialien). Rechne man diese heraus, was wir auf ScienceFiles regelmäßig vormachen, dann lägen Rechtsextreme und Linksextreme miteinander gleichauf, was die Gewaltdelikte angehe.

Haben Sie bemerkt, wie sie manipuliert wurden?
Die Antwort auf die Frage ob Linksextremismus eine unterschätzte Gefahr ist, hat nichts damit zu tun, wie viele Rechtextremisten Gewalttaten verüben. Hier Rechtsextremisten ins Spiel zu bringen ist das kleine-Schulkind-Syndrom: Der Schüler, der mit einer Fünf nach Hause kommt und versucht, seine Fünf dadurch besser zu machen, dass er auf einen Mitschüler verweist, der eine Sechs bekommen hat.

Bender und Reisin versuchen diesen alten Trick der Relativierung am Beispiel Gewalt. Ein Trick, den man leicht offenlegen kann, wenn man fragt, ob die Tatsache, dass im Dritten Reich mehr als sechs Millionen Juden getötet wurden, dadurch besser wird, dass in der Sowjetunion deutlich mehr als sechs Millionen Menschen als direkte oder indirekte Folge des Kommunismus getötet wurden.

Was dann folgt ist ein an Armseligkeit kaum zu übertreffender Versuch, Leser hinters Licht zu führen und ihnen zu suggerieren, dass linke Gewalt eigentlich gar keine Gewalt sei.

Es beginnt mit der Überschrift: “Was versteht die PMK[Politisch-Motivierte Kriminalität]-Statistik unter ‚Gewalt‘?”. PMK basiere auf einem anderen Gewaltbegriff als die PKS [Polizeiliche Kriminalstatistik], wird der erstaunte Leser belehrt: die PKS „fokussiere eng auf Gewaltanwendung gegen Personen“, dagegen würden bei der PMK Brand-, Sprengstoffanschläge, Widerstand gegen Polizeibeamte oder Landfriedensbrüche entgehen dem Gewaltbegriff der PKS, aber auch teilweise entgegen dem allgemeinen Verständnis von „Gewalt“ mit einbezogen“.

Mit anderen Worten, die Delikte, für die Linke deutlich häufiger als Rechte in die Statistik eingehen, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Landfriedensbruch etc. seien gar keine Gewalt. Das wollen Bender und Reisin ihren Lesern als Faktum unterjubeln.

Nun, beginnen wir mit der Definition eines Landfriedensbruchs, wie sie im Strafgesetzbuch (§ 125)  zu finden ist:

(1) Wer sich an
1. Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder Sachen oder
2. Bedrohungen von Menschen mit einer Gewalttätigkeit,
die aus einer Menschenmenge in einer die öffentliche Sicherheit gefährdenden Weise mit vereinten Kräften begangen werden, als Täter oder Teilnehmer beteiligt oder wer auf die Menschenmenge einwirkt, um ihre Bereitschaft zu solchen Handlungen zu fördern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Oder im besonders schweren Fall (§ 125a):

In besonders schweren Fällen des § 125 Abs. 1 ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter
1. eine Schußwaffe bei sich führt,
2. eine andere Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug bei sich führt,
3. durch eine Gewalttätigkeit einen anderen in die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung bringt oder
4. plündert oder bedeutenden Schaden an fremden Sachen anrichtet.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik enthält tatsächlich eine etwas andere Klassifikation von Gewaltkriminalität als die PMK-Statistik. “Gewaltkriminalität” umfasst die Delikte mit dem Schlüssel 892000, nämlich die folgenden:

  • 010000 Mord
  • 020000 Totschlag und Tötung auf Verlangen
  • 111000 Vergewaltigung und sexuelle Nötigung
  • 210000 Raub, räuberische Erpressung und räuberischer Angriff auf Kraftfahrer
  • 221000 Körperverletzung mit Todesfolge
  • 222000 Gefährliche und schwere Körperverletzung,
  • 233000 Erpresserischer Menschenraub
  • 234000 Geiselnahme
  • 235000 Angriff auf den Luft- und Seeverkehr;

Das bedeutet jedoch nicht, dass Landfriedensbruch keine Gewalttat bzw. nicht dem Gewaltbegriff, den das BKA benutzt, untergeordnet werden kann, wie sich zeigt, wenn man die Deliktgruppe, zu der Landfriedensbruch in den zusammenfassenden Statistiken der PKS gezählt wird, beschreibt. Es handelt sich dabei um die Deliktgruppe der Straßenkriminalität, Schlüsselnummer 899000:

  • 899000 Straßenkriminalität umfasst folgende Straftaten:
  • 111100 Vergewaltigung / sexuelle Nötigung überfallartig (Einzeltäter)
  • 111200 Vergewaltigung / sexuelle Nötigung überfallartig (durch Gruppen)
  • 132000 exhibitionistische Handlungen und Erregung öffentlichen Ärgernisses
  • 213000 Raubüberfälle auf Geld- und Werttransporte
  • 214000 räuberischer Angriff auf Kraftfahrer
  • 216000 Handtaschenraub
  • 217000 sonstige Raubüberfälle auf Straßen, Wegen oder Plätzen
  • 222100 gefährliche und schwere Körperverletzung auf Straßen, Wegen oder Plätzen
  • 233300 erpress. Menschenraub i.V.m. Raubüberfall auf Geld- und Werttransporte
  • 234300 Geiselnahme i.V.m. Raubüberfall auf Geld- und Werttransporte
  • *50*00 Diebstahl insgesamt an/aus Kraftfahrzeugen
  • *90*00 Taschendiebstahl insgesamt
  • *001005 Diebstahl insgesamt von Kraftwagen
  • *00200 Diebstahl insgesamt von Mopeds und Krafträdern (siehe Fußnote zu *00100)
  • *00300 Diebstahl insgesamt von Fahrrädern (siehe Fußnote zu *00100)
  • *00700 Diebstahl insgesamt von/aus Automaten (siehe Fußnote zu *00100)
  • 623000 Landfriedensbruch
  • 674100 Sachbeschädigung an Kraftfahrzeugen
  • 674300 sonstige Sachbeschädigung auf Straßen, Wegen oder Plätzen;

Es wird nicht einmal bei der ARD jemanden geben, der behauptet,  gefährliche und schwere Körperverletzung, Menschenraub, Geiselnahme, Raubüberfall, räuberischer Angriff auf Kraftfahrer seien keine Gewaltstraftaten. Dass die polizeiliche Kriminalstatistik die entsprechenden Straftaten nicht zur Kategorie der Gewaltkriminalität zählt, ist einem Anachronismus der Statistikerstellung geschuldet, der zwischen Straßenkriminalität und anderer Kriminalität unterscheidet und im Zusammenhang mit politisch motivierten Straftaten beseitigt wurde. Es hat nichts damit zu tun, dass Landfriedensbruch oder Raubüberfälle keine Gewalttaten darstellen würden.

Hier haben die beiden Faktenfinder der ARD sich allzu sehr auf das verlassen, was die Wikipedia behauptet.

Aber: Wie viele Leser sind den Faktenfindern bis hier auf den Leim gegangen und denken, nachdem sie an dieser Stelle im Text angekommen sind, dass Linke eigentlich weniger Gewalttaten verüben als Rechte, und zwar deshalb, weil Taten zur Gewalt der Linken gezählt würden, die eigentlich keine Gewalttaten seien?

Aber damit nicht genug. Im nächsten Absatz werden die Leser belehrt, dass bei linker Gewalt häufig Stein/Flaschenwurf im Vordergrund stehe, während rechte Gewalt meist von Angesicht zu Angesicht erfolge. Der Schluss, den normale Menschen daraus ziehen würden lautet: Rechte sind ehrlicher als Linke. Letztere werfen aus dem Hinterhalt Steine oder Flaschen in der Hoffnung, sie bleiben unerkannt, während Rechte die direkte Konfrontation suchen.

Das ist natürlich nicht der Schluss, den Bender und Reisin nahelegen wollen. Ihnen geht es darum, Linke als im Vergleich zu Rechten weniger gefährlich darzustellen. Entsprechend berichten sie, dass der „Anteil der Gewalttaten gegen Personen, bei denen lebensbedrohliche Verletzungen zumindest billigend in Kauf genommen wurden, im rechten Spektrum bei 33,8 Prozent liegt. Derselbe Anteil lag bei linken Gewalttätern gegen Personen bei zehn Prozent.

Wenn von linken und rechten Gewalttätern im Zusammenhang mit einer polizeilichen Statistik die Rede ist, dann handelt es sich dabei um Tatverdächtige, die die Polizei ermitteln konnte. Gewalttäter, die offen in Erscheinung treten, sind leichter zu ermitteln, als vermummte Gewalttäter, die aus einer Menge heraus einen Stein werfen, der, wenn er einen unbehelmten Kopf trifft, mit Sicherheit das Kriterium „lebensbedrohliche Verletzung wurde in Kauf genommen“ erfüllt. Weil vermummte Gestalten schwerer zu ermitteln sind als Rechte, die einen offenen Überfall durchführen oder eine Schlägerei anzetteln, deshalb ist die Anzahl der linken Tatverdächtigen, bei denen man davon ausgehen kann, dass sie eine schwere Verletzung billigend in Kauf genommen haben, geringer. Angebliche Faktenfinder sollten von derart einfachen Zusammenhänge, die jeder Kriminologe kennt, eigentlich schon einmal gehört haben.

Es sei denn, es geht den vermeintlichen Faktenfindern gar nicht darum, Fakten zu finden, sondern darum, die Realität anders darzustellen als sie ist, also die Fakten zu verdrehen, in dem sie Fakten ideologisch interpretieren. Dass Letzteres das Ziel von Bender und Reisin ist, muss man schon daraus folgern, dass die Antwort auf die Frage ob Linksextremisten eine unterschätzte Gefahr sind, logisch vollkommen unabhängig davon ist, ob Rechtsextremisten mehr Gewalttaten verüben als Linksextremisten; So wie die Frage, ob der Alkoholkonsum von Fritz K für dessen Leberzirrhose verantwortlich ist, vollkommen unabhängig davon ist, dass Ramon L. einen Leistenbruch hat.

Wer dennoch Vergleiche anstellt, will die selbstgestellte Frage danach, ob Linksextremismus als Gefahr unterschätzt wird, nicht beantworten, sondern relativieren oder verschleiern. Bender und Reisin wollen die Gefahr relativieren, ja verschleiern, versuchen sie die Leser doch damit zu trösten, dass Linke Gewalttäter einen Anlass bräuchten, um gewalttätig zu werden, einen wie die Demonstrationen anlässlich des G20 oder die anlässlich der Einweihung des EZB-Gebäudes in Frankfurt. Das mag all diejenigen trösten, die Opfer linker Gewalt in Berlin oder Leipzig oder Hamburg werden, ganz ohne Anlass.

Welche Fakten haben die Faktenfinder somit geliefert, welche haben Sie verdreht?

  • Gewalttaten von Linken sind seit 2001 um rund 50% gestiegen.
  • Das ist korrekt.
  • Die Anzahl der Gewaltaten die von Linken oder Rechten begangen werden, ist ungefähr gleich.
  • Das ist korrekt; für die Fragestellung aber vollkommen irrelevant.
  • Unter den Gewalttaen der Linken finden sich Taten, die eigentlich keine Gewalttaten darstellen, weil in der PMK-Statistik Dinge als Gewalt gezählt werden, die in der PKS nicht als solche gezählt werden.
  • Das ist nachweislich falsch.
  • Linke Gewalttäter handeln indirekt und nehmen seltener eine ernsthafte Verletzung ihres Opfers in Kauf als rechte Gewalttäter.
  • Das ist falsch. Die Aussage basiert auf Tatverdächtigen. Rechte Tatverdächtige sind leichter zu ermitteln als linke Tatverdächtige. Aber von einem Steinwurf aus einer Menge kann kaum behauptet werden, dass derjenige, der den Stein auf einen Polizeibeamten wirft, keine ernsthafte Verletzung bei dem Beamten in Kauf genommen habe. Wenn Bender und Reisin das suggerieren wollen bieten wir uns gerne an, mit einem repräsentativen Stein, der in Hamburg auf Polizeibeamte geworfen wurde, auf entweder Bender oder Reisin zu werfen. Der Lernerfolg ist uns sicher.

Der Versuch, Fakten zu finden, ist eine plumpe Form von Manipulation, die einmal mehr zeigt, dass die ARD-Faktenfinder keinerlei Qualifikation zum Faktenfinden, aber viel Qualifikation und Motivation (sie werden dafür bezahlt) zur Verbreitung falscher Aussagen haben.

Es ist unerträglich, dass Hinz und Kunz sich berufen fühlen und in öffentlich-rechtlichen Medien ein Forum dafür finden, sich anzumaßen Bürger mit ihrem ideologischen Blödsinn zu penetrieren. Es ist ärgerlich, dass wir uns auf einem Wissenschaftsblog mit derart plumpen und primitiven Versuchen, Menschen zu manipulieren, beschäftigen müssen. Aber vermutlich ist es in einer Zeit, in der Qualifikation als etwas betrachtet zu werden scheint, das man durch Selbstzuordnung zu denen, die man für die Guten hält, quasi verliehen bekommt und in jedem Fall nicht erwerben muss, nicht zu ändern.

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Den Weihnachtsmarkt im Dorf lassen

Ein Lkw, ein toter polnischer Fahrer, 12 tote Besucher des Weihnachtsmarkts auf dem Berliner Breitscheidplatz, mehr als 40 Verletzte, das ist die Bilanz vom Montagabend. Wer dafür verantwortlich ist, das weiß bislang niemand. Ob der Täter gefasst wurde, weiß auch niemand.

Soweit die Fakten.

Nun zu den Folgen.

questionmark2Es tobt ein ideologischer Krieg darüber, ob der Täter, von dem niemand weiß, ob er gefasst ist, ein Flüchtling ist, ob, wenn der Täter, von dem niemand weiß, ob er gefasst wurde, ein Flüchtling ist, dies auf die Masseneinwanderung zurückzuführen ist, die Merkel im Handstreich durchgeführt hat … All das sind offene Fragen, deren Antwort genau dann möglich ist, wenn der Täter gefasst ist.

Bis dahin gebietet es eigentlich die Pietät vor den Opfern, mit denen wieder alle Mitgefühl haben und natürlich Mitleid mit all den Angehörigen, bei denen wieder alle Gedanken der Politiker, die noch zu Gedanken fähig sind, sind, eigentlich zu schweigen.

Die Diskussion darüber, wer die Verantwortung für einen Anschlag trägt und um einen solche handelt es sich schon deshalb, weil es statistisch sehr sehr selten vorkommt, dass der aktuelle Fahrer eines Lkw, dessen vorheriger Fahrer erschossen im Beifahrersitz sitzt, sich irrtümlich von der Straße in einen Weihnachtsmarkt verirrt und dort beschleunig anstatt zu bremsen, sie kann dann geführt werden, wenn klar ist, wer für das, was passiert ist, die Verantwortung trägt.

Wir werden uns jedenfalls nicht an der ideologischen Schlacht beteiligen, die derzeit auf Basis von keinerlei Informationen und im Hinblick auf die Schuldfrage geführt wird.
Aber wir werden uns auch nicht an der Hysterie beteiligen, die Politiker und Journalisten in Deutschland im Griff zu haben scheint, wenn sie sich fragen, ob man sich angesichts des Anschlags in Berlin noch auf den Hambacher Christkindlmarkt trauen kann, etwa in der Weise, wie dies Angela Merkel tut. Sie fragt sich und Millionen von Menschen tun es ihr gleich, wie sie weiß, das Folgende:

„Millionen von Menschen auch ich fragen sich heute Morgen: Wie können wir damit leben, dass beim unbeschwerten Bummel über einen Weihnachtsmarkt, also an einem Ort, an dem wir das Leben feiern, ein Mörder so vielen den Tod bringt?
Eine einfache Antwort darauf habe auch ich nicht. Ich weiß nur: Wir können nicht und wir wollen nicht damit leben, auf all das zu verzichten: auf die Weihnachtsmärkte, die schönen Stunden mit Familie und Freunden draußen auf unseren Plätzen. Wir wollen nicht damit leben, dass uns die Angst vor dem Bösen lähmt.“

 

Und in der ARD, da fragt man nicht, da weiß man, dass man trotz der Terroristen und trotz des Anschlags in Berlin auch 2016 deutschlandweit Weihnachten feiern soll, schon wegen der Kinder und damit die Terroristen nicht gewinnen.

„Entscheidend ist aber auch, wie jeder Einzelne mit einem Terrorakt umgeht. Ein Land schützt sich auch durch Haltung. Wenn Terroristen die Adventszeit zerstören wollen, dann lasst uns – so schwer dies im Moment erscheint – am 24. Dezember so wie jedes Jahr Weihnachten feiern. Für unsere Kinder. Für unsere Demokratie, die auch emotional wehrhaft sein muss. Dieses christliche Fest gehört zur Identität von Millionen. Dies wäre die stärkste Antwort an diejenigen, die uns schaden wollen.“

ma-weihnachtsmarktEmotional wehrhaft muss man in der Tat sein, um diesen Ansturm der neuen Weihnachtlichkeit in einem Land, indem gestern noch Weihnachtslieder aus Rücksicht auf Mitbürger nicht christlichen Glaubens vermieden und allerlei ulkige Begriffe erfunden wurden, die an die Stelle von Weihnachten getreten sind, zu ertragen.

Und die beste Form, wehrhaft zu sein, ist Statistik.

Zunächst ordnen wir den Anschlag von Berlin einmal in einen internationalen Terror-Kontext von drei Tagen ein:

Samstag der 17. Dezember:

  • Schießerei in Khandahar: 6 Tote;
  • Bombenanschlag in Kayseri: 14 Tote und 55 Verletzte;
  • Schießerei in Lake: 8 Tote;
  • Schießerei in Pampore: 3 Tote;

Sonntag, der 18. Dezember:

  • Selbstmordattentat in Aden: 52 Tote und 63 Verletzte;
  • Schießerei in Al-Karak: 12 Tote und 30 Verletzte;
  • Autobombe in Benghazi: 7 Tote und 8 Verletzte;
  • Autobombe in al-Bab: 1 Toter;

Montag, der 19. Dezember:

  • Bombenanschlag in Kunduz: 1 Toter, 22 Verletzte;
  • Bombenanschlag in Bugti: 2 Tote;
  • Ermordung des Russischen Botschafters in der Türkei;
  • Bombenanschlag in Bagdad: 1 Toter, 8 Verletzte;
  • Lkw-Terroranschlag in Berlin: 12 Tote; 48 Verletzte;

Wie wohl die Menschen an all den Orten, die regelmäßig von Terroranschlägen betroffen sind, auf eine äquivalente Frage zu der, ob man nach Berlin noch über einen Weihnachtsmarkt in Deutschland laufen kann, reagieren würden? Vermutlich mit Unverständnis.

Dies umso mehr als es auf deutschen Weihnachtsmärkten in ihrer Mehrheit ruhig und friedlich, abgesehen von der ein oder anderen Rangelei unter dem Einfluss von Glühwein zugeht. Es gibt somit keinen Grund zur Hysterie oder gar zur Panik. Ja es gibt nicht einmal einen Grund, sich die Frage zu stellen, die Merkel sich stellt und von der sie behauptet, Millionen würden sich diese Frage auch stellen.

Statistisch betrachtet ist es nie sicherer auf einen Weihnachtsmarkt zu gehen als direkt nach einem Anschlag, schon wegen der erhöhten Polizeipräsenz, die, wie Kriminologen nicht müde werden, denen zu sagen, die es hören wollen, in einer positiven Korrelation zur Sicherheit steht: Mehr Polizeipräsenz, weniger Straftaten. Das ist die einfache Relation.

Doch zurück zu den Weihnachtsmärkten. Derzeit gibt es alleine in Berlin gut 70 davon, Deutschlandweit wohl mehrere Tausend. Gehen auf jeden Berliner Weihnachtsmarkt nur 1000 Berliner, dann ist die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Terroranschlages zu werden 1:5833. Das entspricht ungefähr der Wahrscheinlichkeit eines Hobbyelektrikers, an einem Stromschlag zu sterben. Da Berlin eine große Stadt ist, kann man davon ausgehen, dass nicht 70.000, sondern, sagen wir 200.000 Besucher die 70 Weihnachtsmärkte der Stadt aufsuchen. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Terroranschlages zu werden, sinkt entsprechend auf 1:16667, was ungefähr der Wahrscheinlichkeit entspricht, in einem Verkehrsunfall das Lebensende zu finden. In jedem Fall haben Berliner Weihnachtsmarktgänger ein deutlich geringeres Todesrisiko als Berliner Weihnachtsbratenesser: Deren Wahrscheinlichkeit an Krebs zu versterben, ist 1:7, die Wahrscheinlichkeit, unter dem Weihnachtsbaum und angesichts der Geschenke einem Schlaganfall zu erliegen, ist mit 1:23 auch deutlich höher als die, auf dem Weihnachtsmarkt von einem Terroristen ermordet zu werden.

Die Wahrscheinlichkeiten, die wir berechnen haben, beziehen sich nur auf die Berliner Weihnachtsmärkte. Nimmt man an, nimmt man sehr konservativ an, dass an einem beliebigen Tag rund 4,5 Millionen Deutsche deutschlandweit einen Weihnachtsmarkt besuchen, dann beträgt die Wahrscheinlichkeit, bei einem Weihnachtsmarktbesucht Opfer eines terroristischen Anschlags zu werden 1:375000, das entspricht in etwa der Wahrscheinlichkeit, am letzten großen Happen Stollen, den man geschluckt hat, zu ersticken.

Wir plädieren also dafür, den Weihnachtsmarkt im Dorf zu lassen.

breitscheidplatz-berlinTerroranschläge zielen darauf, Aufmerksamkeit zu erreichen und Angst zu verbreiten, Angst, die zu Fragen führt, wie sie Angela Merkel gestellt hat. Tatsächlich gibt es mehr Grund, Angst vor dem Vesus zu haben, wenn man in Neapel Urlaub macht als es Grund dafür gibt, Angst davor zu haben, einen deutschen Weihnachtsmarkt zu besuchen. Umso ärgerlicher ist es, wenn deutschen Politikern nichts einfällt als sich vor den Karren der Terroristen zu spannen und in ergebener Einfalt, statt in nüchterner Kalkulation, ihre Angst als die auszugeben, die angeblich Millionen Menschen in Deutschland haben. Mehr Rationalität und weniger Gefühlsduselei wäre manchmal sinnvoll.

Übrigens, 2015 gab es in Berlin 5.407 Raube und 112 Morde: Ob sich Millionen mit der Kanzlerin fragen, ob man überhaupt noch nach Berlin reisen oder in Berlin auf die Straße gehen kann?

Nachtrag

Alle trauern und haben Mitgefühl und Mitleid und Beileid und sind betroffen, aber den Namen des Platzes, des Ortes an dem der Weihnachtsmarkt zu finden ist und auf dem der Terroranschlag stattgefunden hat, den kennen die wenigsten. Im BMF ist man der Meinung, der Ort sei der Breidscheidplatz, auf Twitter ist der hashtag #breitscheitplatz. Recht haben beide nicht. Der Platz heißt Breitscheidplatz, benannt nach Rudolf Breitscheid einem SPD-Politiker und Abgeordneten des Weimarer Parlaments, den die Nazis inhaftiert haben und der im August 1944 Opfer eines alliierten Luftangriffs auf das Konzentrationslager Buchenwald wurde.

Wenn es darum geht, die eigene Betroffenheit zur Schau zu stellen, dann sind derartige Kleinigkeiten natürlich genau das: Kleinigkeiten.

 

Wie flüchtlingsfeindliche Vorfälle erfunden werden

  • (1) Statistiken zu führen, will gelernt sein. Nicht jeder, der denkt, er könne Statistiken erstellen und Daten sammeln, ist dazu in der Lage, schon weil es nicht so leicht ist, wie manche denken, eine präzise Beschreibung zu formulieren, die die Fälle, die in eine Statistik aufgenommen werden sollen, gegenüber allen anderen Fällen diskriminiert.
  • (2) Wir haben in einer Reihe von Beiträgen dargestellt, wie das Phänomen „Rechtsextremismus“ aufgeblasen und gepflegt wird, um die Illusion zu erzeugen, es wimmle nur so von Rechtsextremen in Deutschland. Dahinter stehen politische Motive, wie sie bei der LINKEN vorhanden sind, deren Bundestagsfraktion manisch jeden Monat nach politisch motivierter Kriminalität fragt, die von rechts ausgeht – nicht jedoch nach politisch motivierter Gewalt, die von links ausgeht.
  • mut-gegenr-echte-gewalt-aas(3) Und dahinter stehen finanzielle Motive. So haben wir gezeigt, wie der Gravy Train, das Nutznießernetzwerk der Kämpfer gegen Rechts funktioniert, und welche Interessen diese Nutznießer daran haben, die Gefahr von rechts, wie das dann heißt, aufzublasen und für sich als Einkunftsquelle zu sichern. Dies ist recht einfach, denn alles, was man mit Rechtsextremismus in Verbindung bringen kann, wird von Journalisten willig aufgenommen, da es zur politischen Hygiene des Biedermanns gehört, den Nazis keine Chance mehr zu geben. Entsprechend sind die Schlagzeilen dann gesichert, wenn man z.B. Kriminalität als Werk von Rechtsextremen darstellen kann. Nicht nur die Schlagzeilen sind sicher, auch die gesammelte Aufregung der „No-Nazi“-Bewegung ist sicher. Für Letztere wirkt ein Bericht über vermeintlich rechte Gewalt wie der Stimulus auf Pawlows Hund, und sie fallen in den Bekämpfen-Modus, was in Ministerien zur Folge hat, dass viel Geld von Steuerzahlern aufgewendet wird, um die gefährlichen Rechten zu bekämpfen. Das Geschäft mit dem Nutznießen, es kann beginnen.
  • (4) Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass die Schaffung von viel Aufmerksamkeit für Randprobleme, deren Gefahr man zu diesem Zweck völlig übertreiben muss, dazu führt, dass die entsprechenden Randprobleme aus ihrer Randständigkeit gelöst und in den Mainstream überführt, dort salonfähig gemacht werden. Soziologen nennen das eine Self-Fullfilling Prophecy, denn angeblich wollen Stiftungen wie die Amadeu-Antonio-Stiftung ja Rechtsextremismus beseitigen. Damit man sie dafür finanziert, müssen sie viel Aufmerksamkeit für ein marginales Problem schaffen, und mit dieser Aufmerksamkeit, die sie für den Rechtsextremismus schaffen, machen sie ihn in der Welt der Medien zur Normalität. Dadurch verliert der Rechtsextremismus, die Ächtung, die er vor dem Auftauchen der Stiftung hatte, erhält Zulauf und wächst. Und die Ursache dafür ist u.a. die Amadeu-Antonio-Stiftung und all die in den rudimentärsten sozialen Phänomenen Ungebildeten, die Ministerien derzeit bevölkern.

aas_fluechtlingsfeindliche-vorfaelleZentral dafür, dass öffentliche Gelder zur Bekämpfung von vermeintlichen Problemen verschleudert werden, ist eine entsprechende Aufbereitung der Probleme, die dazu führt, dass das vermeintliche Problem als tatsächliches und relevantes Problem wahrgenommen wird, dem man mit Steuergeldern entgegen treten müsse. Zu diesem Zweck führen die Amadeu-Antonio-Stiftung und der Stern auf dem gemeinsam betriebenen Portal „Mut gegen rechte Gewalt“ eine Statistik „flüchtlingsfeindlicher Vorfälle“. Die Statistik ist sehr nützlich. Sie wird in Medien zitiert, spielt immer da eine Rolle, wo deutlich gemacht werden soll, wie verbreitet flüchtlingsfeindliche, also rechte Gewalt doch ist und wird gerne in Anfragen der Linken und der Grünen im Bundestag zitiert, um die Bedeutung des rechten Problems zu demonstrieren.

Anhand welcher Kriterien ein Fall in die Statistik als „flüchtlingsfeindlicher Vorfall“ aufgenommen wird, welche Definition eines flüchtlingsfeindlichen Vorfalls Grundlage der Aufnahme entsprechender Fälle ist und wie zwischen flüchtlingsfeindlichen Vorfällen und nicht-flüchtlingsfeindlichen Vorfällen unterschieden wird, das alles sind Fragen, die kaum jemand bislang gestellt hat. Politiker stellen diese Fragen nicht, weil sie ihnen nicht in den Sinn kommen, denn um sie zu stellen, muss man eine gewisse Idee davon haben, wie Statistiken zu Stande kommen (außerdem passen ihnen die Ergebnisse in den ideologischen Kram). Journalisten stellen diese Fragen nicht, weil damit eine zusätzliche Recherche verbunden wäre, und der Journalist von heute recherchiert nicht.

Nein, falsch.
So stimmt das nicht.
Es gibt einen Journalisten, der recherchiert hat. Sein Name: Ansgar Mönter. Er schreibt für die Neue Westfälische und hat sich die fünf Vorfälle (zwischenzeitlich sechs) angesehen, die die Amadeu-Stiftung als flüchtlingsfeindliche Vorfälle für Bielefeld auflistet.

kraemer_so-luegt-man-mit-statistikSein Ergebnis: Keiner der Vorfälle kann als flüchtlingsfeindlicher Vorfall in Bielefeld gewertet werden, obwohl es einen tätlichen Angriff auf Flüchtlinge gab, den die Polizei registriert hat, aber das war die Polizei in Paderborn, nicht die in Bielefeld, denn der Vorfall, den die Amadeu-Stiftung auflistet, hat sich in Paderborn, nicht in Bielefeld ereignet. Ein Feuer in einer Flüchtlingsunterkunft in Bielefeld wird von der Amadeu-Antonio-Stiftung als flüchtlingsfeindlicher Vorfall gezählt, aber das Feuer ist in der Waschküche der Flüchtlingsunterkunft ausgebrochen und es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass Außenstehende an dem Feuer beteiligt sind, dass es sich um Brandstiftung handelt. Bei einem weiteren flüchtlingsfeindlichen Vorfall, den die Stiftung auflistet, handelt es sich um das „Verwenden von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen“, also abermals nicht um einen flüchtlingsfeindlichen Vorfall und ob die fünf jungen Männer, die im November 2015 in Bielefeld randaliert haben und dabei in der Paderborner Straße in Bielefeld Blumenkübel umgeworfen und Böller gezündet haben, privaten Frust abgebaut haben, wie die Polizei sagt oder fremdenfeindlich sein wollten, wie man bei der Amadeu-Stiftung mit Blick auf die Flüchlingsunterkunft, die sich auch in der Paderborner Straße befindet, behauptet, ist eine Frage, die der gesunde Menschenverstand im Sinne der Polizei beantwortet.

Ein einziger Check der Statistik der Amadeu-Stiftung hat eine Fehlerquote von 80%, wenn man wohlwollend ist, und von 100% wenn man das nicht ist, erbracht.

Statistiken leben von der Akkuratheit, jedenfalls dann, wenn man damit etwas über die Realität aussagen will. Auf die Akkuratheit von Statistiken kann man verzichten, wenn es nicht darum geht, etwas über die Realität auszusagen, sondern darum, einen Schein zu konstruieren, der der eigenen Ideologie, den eigenen (finanziellen) Interessen und den eigenen Zwecken dienlich ist. Es spricht vieles dafür, dass die Amadeu-Antonio-Stiftung das ist, was man in der Ökonomie einen opportunistischen Akteur nennt, einen, der versucht, andere zu täuschen, zu manipulieren, ganz in dem Sinne, in dem Oliver Williamson Opportunismus definiert hat: „By opportunism I mean self-interest seeking with guile. This includes but is scarcely limited to more blatant forms, such as lying, stealing, and cheating. Opportunism more often involves more subtle forms of deceit“ (Williamson 1985: 47).

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