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“Opfer rechter Gewalt”: Wie dumm können Journalisten eigentlich sein?

Bei der ARD wird heute eine Meldung des Verbands der Beratungsstellen Rechter Gewalt (VBRG) durchgereicht. Die Meldung dient dazu, die Gefahr rechter Gewalt wieder einmal zu beschwören, denn rechte Gewalt ist das Geschäftsmodell der Beratungsstellen, die unter dem Dach des VBRG zusammengefunden haben, um zentralere Lobbyarbeit betreiben zu können und für ihre Sache zu werben, ihre Sache, die umso besser finanziert wird, je besser es gelingt, die Gefahr von rechts zu beschwören und je mehr Opfer rechter Gewalttaten es zu vermelden gibt.

Die Anzahl der rechten Angriffe, so meldet die Tagesschau brav, d.h. so hat der verantwortliche Redakteur von der Pressemeldung des VBRG abgeschrieben, sei 2018 im Vergleich zu 2017 um 8% gestiegen – im Osten Deutschlands. Im Westen wird nicht gezählt, warum auch immer.

„1.212 Angriffe, die rassistisch und antisemitisch waren“, vermeldet die Tagesschau, ein Großteil davon Körperverletzungen. Seltsamerweise schrumpft die Anzahl der rassistisch motivierten Angriffe nur vier Zeilen weiter im Tagesschau Text auf 793 Fälle, was zum einen die hingekotzte Art der Texterstellung bei der Tagesschau, zum anderen deutlich macht, dass es nicht darum geht, korrekte Zahlen zu melden, sondern darum, rechtsextreme Gewalt zu inszenieren.

„Die Beratungsstellen erfassen regelmäßig mehr Taten als die Behörden“, so schreibt der namenlos gebliebene Schreiber der Tagesschau, der vermutlich der Ansicht ist, er sei Journalist. Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein, denn: ein Journalist hinterfragt, recherchiert und prüft. Nichts davon hat der Tagesschau-Schreiber getan.

Hätte er sich gefragt, warum die Opferberatungsstellen im Osten „regelmäßig mehr Taten“ erfassen als die Behörden, also die Polizei, dann wäre er vielleicht zu dem Gedanken fähig gewesen, dass Opferberatungsstellen sich nur dann rentieren, wenn es auch Opfer gibt, und je mehr Opfer es gibt, desto mehr rentieren sich Opferberatungsstellen. Die Opferberatungsstellen, um die es hier geht, sie hängen alle am Tropf von Bundes- und Landesministerien.

Der Verband der Beratungsstellen rechter Gewalt (VBRG) hatte 2017 z.B. einen Etat von 200.955,16 Euro. Das Geld kam zum Großteil vom Ministerium, das in der Verschwendung von Steuermitteln unerreicht ist, dem BMFSFJ. Über die gelebte Demokratie wurden 184.850 Euro in die Opferberatung gepumpt. 7.000 Euro hat die Amadeu-Antonio-Stiftung beigesteuert, die mit Matthias Quent auch gleich noch über einen eigenen Mitarbeiter im Verband verfügt (sofern Quent Mitglied im Verband ist, was obwohl Transparenz so groß geschrieben wird, angeblich, nicht wirklich klar ist), in jedem Fall wird er als offizieller Ansprechpartner genannt.

Der Etat des VBRG wird indes nicht für Opferberatung eingesetzt, sondern zur Beratung der Berater der Opfer. Die Kunst, von Steuerzahlern zu leben, ist in mehreren Schichten angeordnet. So gelingt es, mehrfach zu kassieren. Der VBRG berät also Opferberater darüber, wie sie Opfer beraten:

„Zur fachliche Qualifizierung der Mitarbeiter_innen der Mitgliedsorganisationen führte der VBRG verschiedene Veranstaltungen durch, z.B. im Rahmen einer Qualifizierungssreihe für angehende Berater_innen. Eine Fortbildung zum Thema „Antisemitismus als Gegenstand in der Beratung“ wurde in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment der ZWST durchgeführt. Darüber hinaus wurden themenspezifische Fachtage angeboten, z.B. zum Thema „rassistische Gewalt gegen Kinder“ sowie „Klient_innen mit ungeklärtem Bleiberecht“, an denen sich auch Beratungsstellen außerhalb der Verbandsstruktur beteiligten.“

Die vom VBRG beratenen Opferberater kommen z.B. aus Mecklenburg-Vorpommern. Dort kümmert sich LOBBI um die Opfer rechter Gewalt. LOBBI liegt ebenfalls den Steuerzahlern auf der Tasche. Das Geld kommt dieses Mal vom Ministerium für Soziales und Gesundheit des Landes Mecklenburg-Vorpommern und aus dem Europäischen Sozialfonds, dessen Mittel auf alle möglichen Weisen zweckentfremdet werden. Wir haben vor langer Zeit bereits, zusammengestellt, welchen Zielen der ESF eigentlich diente, bevor er von der Gutmenschen-Industrie als Mittel zur Selbstbereicherung entdeckt wurde.

In Brandenburg liegt die Opferberatung in den Händen des Vereins Opferperspektive, der – wie könnte es anders sein – öffentlich ausgehalten wird. Die Mittel der Opferperspektive werden vom Land Brandenburg über das Programm „Tolerantes Brandenburg“ ausgeschüttet. Zudem findet sich in der Liste der Förderer die gute alte Amadeu-Antonio-Stiftung wieder.

Natürlich werben diese professionellen Opferberater um Spenden. Nimmt man den VBRG zur Grundlage, dann kann man getrost davon ausgehen, dass Spenden eher keine Rolle spielen, knapp 5% der Mittel des VBRG stammen aus Spenden.

Wenn man, wie die professionellen Opferberater, dafür bezahlt wird, Opfer zu beraten und die eigene Bedeutung und somit die Finanzierung von der Zahl der Opfer abhängt, dann hat man ein entsprechendes Interesse an hohen Opferzahlen. Das mag hinreichend erklären, warum die Opferberater regelmäßig zu mehr Gewalttaten kommen als die Polizei.

Selbst ein Schreiber für die Tagesschau könnte eigentlich auf diese Idee kommen.

Und falls ihn diese Idee überfällt, vielleicht würde er sich auch fragen, wie die Opferberater eigentlich zu ihren Zahlen kommen.

Die Zuordnung von Tatmotiven zu Taten kann eigentlich nur erfolgen, wenn man den Täter zur Hand hat, ihn fragen kann. Nun sind Opferberatungsstellen Beratungsstellen für Opfer, nicht für Täter, d.h. ihre Zahlen basieren ausschließlich auf den Angaben der Opfer, was an sich schon eine erhebliche Fehlerquelle darstellt, denn Straftaten kann man auch vortäuschen, als Opfer kann man sich inszenieren. Das ist schon ausreichend, um Zweifel an den Zahlen des VBRG zu haben. Aber es kommt noch besser, wie die folgende Abbildung zeigt:

Gewaltkriminalität ist vom Bundeskriminalamt eindeutig über Straftatenschlüssel bestimmt. Als Gewaltkriminalität zählen z.B. schwere Körperverletzungen, Totschlag oder Raubdelikte. Nötigung und Bedrohung sind in keinem Fall Gewaltdelikte. Auch eine Sachbeschädigung ist keine Gewalttat und auch einfache Körperverletzungen zählen nicht als Gewaltkriminalität. Damit sind 747 der gemeldeten 1.212 Gewaltdelikte (die sich in der Abbildung nur auf 1.202 Delikte addieren) KEINE Gewaltdelikte, wie jeder schnell feststellen wird, wenn er eine Ohrfeige (einfache Körperverletzung) mit einem mehrfachen Knochenbruch infolge des Eintretens auf ein am Boden liegendes Opfer vergleicht. Hier wird also künstlich gebläht, versucht den Eindruck von mehr Gewalttaten zu erwecken als tatsächlich vorhanden sind. Warum?

Damit sind wir zurück beim Interesse, das Opferberater an möglichst vielen Opfern im Rahmen der Beschwörung einer öffentlichen Gefahr und als Mittel zum Zugang zu öffentlicher Finanzierung haben.

Damit nicht genug.

Unser fiktiver Tagesschau-Schreiber, dem nicht nur die Idee gekommen ist, dass die Pressemeldung, die er durchreichen will, Ausdruck partikularer Interessen ist, sondern der zudem festgestellt hat, dass die Menge der Gewalttaten gewaltsam erhöht wurde, mag vor diesem Hintergrund zu der Frage zurückkommen, woran man eigentlich eine rechte Gewalttat festmacht, wenn man nur das Opfer, nicht aber den Täter vor sich hat.

Dass nur die Erzählung des Opfers bleibt, die der Opferberater schon aus eigenem Interesse, in jedem Fall glauben wird, ist bereits klar. Bleibt noch die Frage, wie man zudem aus der zugeschriebenen rechten Gewalttat eine rassistische oder antisemitische Straftat macht.

Die folgende Abbildung lässt nichts Gutes vermuten:

Offenkundig wird die Erzählung des vermeintlichen Opfers mit dessen primären oder sekundären Eigenschaften in Verbindung gebracht. Wurde einem Farbigen auf die Nase gehauen, dann muss es sich um Rassismus handeln. Wurde ein Linker geohrfeigt, dann war es natürlich politisch-rechts motivierte Gewalt. In dieser Zählweise, die den Fehlschluss der Bejahung des Konsequens zur Norm erhöht, ist vollkommen ausgeschlossen, dass man einem Farbigen die Nase poliert, weil er sich daneben benommen hat, es ist ausgeschlossen, dass der Linke, dem eine Ohrfeige verpasst wurde, vom Opa geohrfeigt wurde, weil er sich auch nach 25 Jahren versuchter Erziehung an keinerlei Regeln des Anstands hält. Kurz: Die Zahlen des VBRG sind nichts wert. Sie können bestenfalls als Arbeitsnachweis der Opferberatungsstellen dienen, bei denen im Jahr 2018 also 1.212 Opfer vorstellig wurden.

Allein in Ostdeutschland gibt es 12 Opferberatungsstellen, die im VBRG organisiert sind. Eine Arbeitswoche hat 5 Tage, bei 52 Wochen sind das 260 Arbeitstage, übertragen auf die Opferberatungsstellen in Ostdeutschland werden daraus 3.120 Arbeitstage. 1.212 Opfer bedeuten somit, dass die Opferberatungsstellen in Ostdeutschland nur zu 39% ausgelastet sind. 61% der Tage eines Jahres finden sich dort keine Opfer ein. Das ist ein ganz anderes Bild als man in der Tagesschau vermitteln will.

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