Freie Urteilsbildung nicht erwünscht – Was man lesen darf und was nicht

Sind Sie fähig, sich eine eigene Meinung zu bilden oder muss man sie vor sich selbst, ihren Denkfehlern und ihrer leichten Beeinflussbarkeit (durch die Falschen) schützen? Diese Frage steht im Zentrum der meisten Debatten, die darum geführt werden, was “der Öffentlichkeit” zugemutet werden darf und was nicht. Und obwohl die Manipulation der öffentlichen Meinung in Deutschland an der Tagesordnung ist, gibt es doch bestimmte Tabus, deren Verbreitung sogar unter Strafe gestellt worden ist.

Eines dieser Tabus betrifft das tausendjährige Reich, dessen Bearbeitung nur unter Aufsicht und Begleitung erfolgen darf, fast so als hätte man Angst, eine eigenständige und unbeaufsichtigte Lektüre von z.B. Artikeln aus Julius Streichers “Stürmer” hätte sofort glühende Antisemiten zum Ergebnis. Nicht die eigenständige Urteilsbildung wird den meisten Deutschen anvertraut, nein, eine eigenständige Urteilsbildung wird unterbunden. So sehr sind Politiker in Deutschland von der Dummheit und Verfürbarkeit ihrer Bevölkerung überzeugt, dass sie tausenjährige Schriften (im Sinne des § 11 Abs. 3 des Strafgesetzbuches) nicht etwa unter den Ladentisch verbannt, sondern ganz aus dem öffentlichen Leben entfernt haben. Denn, so scheinen Politiker zu denken, liest ein Deutscher erst unbeaufsicht, z.B. “Mein Kampf”, dann lässt er sich, so er männlich ist, einen markanten Bart wachsen und läuft nur noch mit aufgerichtetem Arm durch die Gegend, während er, wenn er weiblich ist, nur noch im Dirndel und als Gebährmaschine, die nach dem Mutterverdienstkreuz strebt, unterwegs ist.

Eine andere Erklärung dafür, dass es im Strafgesetzbuch den § 130 “Volksverhetzung” gibt, fällt mir nicht ein. Denn damit jemand erfolgreich andere “zum Hass aufstacheln … zu Gewalt- und Willkürmaßnahmen auffordern kann”, die geeignet sind, den “öffentlichen Frieden” zu stören, muss derjenige gehört werden, seine Rede oder Schrift muss auf Empfänger treffen, denen die Inhalte etwas sagen, die die entsprechenden Inhalte schon kennen, nach ihnen suchen, sie für gut befinden. Indoktrination braucht immer zwei, einen der indoktriniert und einen der sich indoktrinieren lässt, weil ihm z.B. in der Schule nicht beigebracht wurde, wie er sich mit den Mitteln des kritischen Denkens davor schützt, vor anderer Leute Karren gespannt zu werden. Aber genau daran haben Politiker aller Couleur kein Interesse, denn Bürger, denen in der Schule nicht nachhaltiges Essen, sondern kritisches Denken beigebracht wurde, die wenden das erlernte Instrumentarium auch gegenüber Politikerreden an und hinterfragen die Politik, mit der sie traktiert werden.  Und so ist die Angst der Politiker davor, dass ihre Bevölkerung den falschen Inhalten ausgesetzt wird, nur die Kehrseite des eigenen Interesses daran, die eigene Bevölkerung nicht kritisch werden zu lassen.

Folglich ist es nur konsequent, dass man sich im Freistaat Bayern mittlerweile Sorgen darüber macht, dass das Copyright auf Adolf Hitlers “Mein Kampf”, das der Freistaat als “Erbe Hitlers” seit Jahrzehnten verwaltet und nutzt, um eine Publikation des Hitlerschen Kampfes zu verhinden, zum Ende des Jahres 2015 erlischt. Was tun?, so könnte man mit Lenin fragen, denn mit dem Ende des Copyrights drohen, so früchten die Hüter des Kampfgeheimnisses, wahre Veröffentlichungswellen: Buchmärkte und Verleger, so die Phantasie bei den Verantwortlichen, werden sich auf das einst Verbotene stürzen, es drucken, und die Massen werden es lesen, in sich hineinschlingen, nicht richtig verdauen und, nun, das Ergebnis ist klar: Ein Land voller armstreckender Schnauz-Bartträger und Amok laufender Gebährmaschinen. Angesichts dieser Drohung haben sich die Bayern zu einen mutigen Schritt entschieden, Sie und niemand sonst, werden “Mein Kampf” veröffentlichen, in einer Schulbuchversion, die mit verständlichen (!sic) Kommentaren von Wissenschaftlern bestückt ist und deren Ziel darin besteht, das Schreckenszenario, das sich in den Köpfen der Offiziellen eingenistet hat, zu verbannen.

Die Logik hinter dem eiligst auf den Markt zu bringenden kommentierten Schulbuch “Mein Kampf” ist wenig rühmlich: Man muss den Deutschen sagen, was sie zu denken haben, denn sonst denken sie das Falsche. Sie ist ein Schlag ins Gesicht des mündigen Bürgers, der von seinen Politikern gesagt bekommen muss, was richtig und was falsch ist. Diese Form der Entmündigung hat den Vorteil, dass die Deutungshoheit kollektiviert werden kann und sie hat den Vorteil, dass die individuelle Meinungsbildung weiter in Diskredit gebracht werden kann. Und ganz davon abgesehen hat sie den Vorteil, dass man geschichtliche Kontinuitäten unterschlagen kann, die manche derzeitige Politiken in einem doch sehr seltsamen Licht erscheinen lassen.

[1]Der deutsche Sonderweg ist nicht nur deshalb bedauerlich, weil Mehrkindfamilien so wie alle anderen Familien auch ein Garant für eine sozial und wirtschaftlich inakte Gesellschaft sind.

[2]Er [der Staat] hat mit jener faulen, ja verbrecherischen Gleichgültigkeit, mit der man heute die sozialen Voraussetzungen einer kinderreichen Familie behandelt, aufzuräumen und muss sich an Stelle dessen als oberster Schirmherr dieses köstlichen Segens eines Volkes fühlen. Seine Sorge gehört mehr dem Kinde als dem Erwachsenen.

[3]Deutschland braucht mehr Kinder in den Familien und mehr Familien in der Gesellschaft.

[4]Umgekehrt muss es als verwerflich gelten: gesunde Kinder der Nation vorzuenthalten. Der Staat muss als Wahrer einer … Zukunft auftreten, der gegenüber der Wunsch und die Eigensucht des einzelnen als nichts erscheinen und sich zu beugen haben.

[5]Insbesondere eine familienfreundliche Unternehmenskultur und der Ausbau der Kinderbetreuung spielen eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, die Rahmenbedingungen für Familien zu verbessern.

Zwei der fünf Zitate stammen aus “Mein Kampf” von Adolf Hitler, die restlichen drei Zitate entstammen bundesministerialen Veröffentlichungen aus den letzten fünf Jahren. Ich überlasse es den Lesern dieses Blogs, die  Zitate zuzuordnen.

Jenseits der Frage, welche beiden Zitate Adolf Hitler zu verantworten hat, ist die Feststellung interessant, dass Systeme oder Staaten, egal, welche ideologische Ausrichtung sie haben, ein gemeinsames Interesse daran zu haben scheinen, dass Individuen Nachwuchs produzieren – entweder zur Aufrechterhaltung der Sozialsysteme, wie es im Online Handbuch “Lokale Bündnisse für Familie”, das von der Universität Hannover im Auftrag des BMFSFJ zusammengestellt wurde, heißt oder als Kanonenfutter wie man nach Ende des tausend jährigen Reiches feststellen konnte. In jedem Fall richtet sich die Kinder-Rhetorik darauf, Kinder zum wichtigsten oder höchsten Gut zu stilisieren, das jeder sich zu wünschen hat (kaum eine Veröffentlichung des BMFSFJ zur Geburtenrate in Deutschland vergisst den Verweis darauf, dass eigentlich alle einen Kinderwunsch haben, sich den Wunsch aber, aufgrund ökonomischer oder sonstiger Widrigkeiten nicht erfüllen können). Und in jedem Fall ist der eigentliche Zweck, den “der Staat” mit dem Mehr an Bürgern verbindet, nicht der Zweck, den Kinderbesitzer mit ihren Kindern verbinden. In beiden Fällen ist es indes ein Verstoß gegen die Menschenwürde, wie sie z.B. Immanuel Kant beschrieben hat, denn beide Male werden Kinder als Zwecke missbraucht – ob im Krieg oder als Beitragszahler für die Sozialversicherung spielt hier keine Rolle.

Analogien wie die gerade hergestellte, zeigen wie wichtig es gewesen wäre, sich mit den Grundlagen dessen zu befassen, was den Nationalsozialismus ausgemacht hat, die Elemente offen zu legen, die als kulturelle Elemente die Zeiten überdauert haben und im Rahmen der Beziehung zwischen Staat und Bürger wiederkehren. Die Unterschiede sind marginal: Aus Volk wurde Gesellschaft, aus dem Volkskörper, der nach Nachwuchs ruft, sind die Sozialsysteme geworden, was unberührt geblieben ist, ist der Mythos, das Tabu, die Antwort auf die Frage, warum ist es schlecht, wenn Deutschlands Bevölkerung schrumpft? Wer diese Antwort sucht, wird kaum umhin können festzustellen, dass der alte Gedanke des gemeinsamen Blut-Bandes der Deutschen auch heute fortbesteht – oder: “Der Staatsbürger ist gegenüber dem Ausländer bevorrechtigt. Er ist der Herr des Reiches” – Auszug aus “Mein Kampf” oder nicht?

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12 Responses to Freie Urteilsbildung nicht erwünscht – Was man lesen darf und was nicht

  1. Simon Neuer says:

    “…denn beide Male werden Kinder als Zwecke missbraucht – ob im Krieg oder als Beitragszahler für die Sozialversicherung …”
    Das ist so nicht richtig. Denn Kinder zahlen keine Sozialbeiträge, sondern nur Menschen mit entspr. Einkommen – wennn die Tätigkeit sozialversicherungspflichtig ist. Kinder dürfen in Deutschland per Gesetz nicht arbeiten, so dass dieser Vergleich nicht richtig sein kann. Ob ein Kind nach 16 Jahren Beitragszahler wird, das ist ein Blick in die Glaskugel.

    Weiterhin möchte ich anmerken, dass die von Ihnen angeführten Stellen bzgl. Kinder nicht als das Argument gelten, diese Schriften unter Verschluss zu halten. Es geht vielmehr darum, dass 1) mit dieser Ideologie kein Geld verdient werden darf (moralische Gründe), 2) Rücksicht auf die Hinterbliebenen und Gezeichneten des dritten Reichs, 3) Keine schriftliche Steilvorlage für rechtsextreme Gruppen zu bilden

    Es geht hier nicht nur um das Buch, sondern für was diese Schriften stehen. Ich sehe hier eher ein Symbol anstelle einer Lektüre.

    Kritisches Denken: Schüler denken nicht kritisch. Es geht in der Schule nicht darum, sämtliches zu hinterfragen, sondern gegeben Theorien und Anwendungen zu erlernen. Dieses Basisinstrumentarium ist die Voraussetzung, um überhaupt kritisches Denken zu ermöglichen. Ebenso bedarf es m.E. an Erfahrungen. Und im jungen Alter von vielleicht 16 Jahren kann dies noch gar nicht vorhanden sein – in Einzelfällen sicherlich, aber nicht in der Masse. Demnach ist das kritische Denken eher ein Wunschtraum, selbst bei Erwachsenen. Die Manipulation ist heute wesentlich einfacher als noch vor 10 Jahren, haben wir doch heute viel bessere Kommunikationswege und bessere Erkenntnisse über das menschliche Verhalten. Schauen Sie sich nur das Marketing an: Neuromarking und ähnliches will das menschliche Handeln erklären. Und schon längst sind wir zB im Supermarkt den Konzepten ausgeliefert. Nur wenige lesen die Verpackungsangaben “kritisch”, sondern lassen sich von bunten Bildchen etc. leiten. Weil es eben auch bequemer ist. Ähnlich beurteile ich das auch bei den Politikerreden.

    Das Paradoxon ist jedoch, dass es die Menschen wissen. Den Reden wird per se kaum Glauben geschenkt und fast jeder weiss auch, dass im Kirschjoghurt mehr Sägespäne als Kirschen drin sind. Und dennoch funktioniert es!

    Und nach meiner Erfahung ist dies völlig unabhängig von der Bildung!

    Und sollte “Mein Kampf” irgendwann zu erwerben sein, ich kaufe es nicht, es interessiert mich nämlich nicht. Vielleicht die Version als Hörbuch…

    • Herr Neuer,
      warum stellen Sie sich blöd? Entschuldigen Sie meine Direktheit, aber ich verliere langsam die Geduld. Sie haben also noch nie gehört, dass die Notwendigkeit, der Deutschen Fertilität anzukurbeln damit begründet wird, dass die Sozialsysteme sonst nicht finanzierbar sind. Wenn Sie tatsächlich in dieser Unwissenheit leben, dann klicken Sie auf den Link im Text, die Seite der Uni Hannover, dort finden Sie das entsprechende Argument in schönster Deutlichkeit. Darüber hinaus möchte ich anmerken, weil ich das erst so um die 155Mal getan habe in den mittlerweile 202 Artikeln in diesem blog, dass der Witz an Ideologie gerade darin besteht, dass das, was behauptet wird und als Symbolik oder Mythos zusammengedichtet wird, nichts mit der Realität zu tun hat.

      Weiterhin hat niemand behauptet, dass die “angeführten Stellen bzgl. Kinder” als Argument gelten, warum “Mein Kampf” nicht veröffentlicht werden darf. Ich jedenfalls nicht. Und da ich den post geschrieben habe, steht auch nicht Entsprechendes in dem post. Die Stellen mit den Kindern sollen eine Kontinuität im Denken illustrieren, die es nicht nur im Hinblick auf die Kinder gibt, wie Sie feststellen werden, wenn Sie das Buch anhören, da Sie es ja nicht lesen wollen. Ich habe es gelesen und kann Ihnen sagen, dass die Kontinuitäten erschreckend sind. Die Verherrlichung und Verdinglichung von Nachwuchs als Zweck für den Staat, schien mir einfach die geeignedste, um meinen Punkt zu machen. Ich kann ja nicht das komplette Buch wiedergeben.. aus Platzgründen und weil dann Leute wie Sie denken, dass hier verfassungsfeindliche Inhalte veröffentlicht werden. Und vor denen muss man andere ja schützen.

      Neuromarketing – gutes Stichwort. Dazu werde ich demnächst mal etwas schreiben. Das ist der größte Blödsinn seit der Erfindung des Genderismus… Kennen Sie eigentlich jemanden, der schon einmal zu Aldi gegangen ist, weil er Käse kaufen wollte und mit einer Pferdedecke herausgekommen ist, und zwar deshalb, weil ihm deren Kauf suggeriert wurde? Sehen Sie, ich auch nicht. Soviel zum Neuromarketing …

      Und nun zum kritischen Denken. Hier ist meine Auffassung diametral zu Ihrer. Warum sollen Kinder nicht kritisches Denken lernen können? Haben Sie als Kind Ihren Eltern nicht Löcher in den Bauch gefragt? Das genau ist die Grundlage, auf der kritisches Denken wächst und sie ist offensichtlich bei Kindern schon vorhanden. Aber in Schulen wird ihnen Vorgekautes serviert, von dem sie genau erzählt bekommen, wann wie und wieviel davon sie essen sollen. Und wenn Sie dies als Theorien und Anwendungen lernen ansehen, dann kann ich nur feststellen, das hat mit Theorien und Anwendungen so viel zu tun wie Neuromarketing mit Wissenschaft – nichts. Im Gegenteil zu Ihnen halte ich es für grundlegend, dass Kinder lernen zu hinterfragen, zu hinterfragen und nochmals zu hinterfragen. Das ist nämlich die einzige Art, etwas zu lernen.

      • Simon Neuer says:

        Wer sagt denn, dass ich das Buch nicht gelesen habe? Ich würde es mir nur nciht kaufe!

        Sie haben natürlich recht, dass das deutsche Sozialsystem völlig vom Nachwuchs abhängig, das ist unbestreitbar. Ich wollte darauf hinweisen, dass es hierbei aber auch eine Quantität und eine Qualität gibt. Es ist demnach nicht garantiert, dass mit soundsoviel Kinder das Sozialsystem stabilisiert werden kann – sondern nur, wenn diese Kinder eben auch ein Einkommen erwirtschaften, welches Sozialversicherungspflichtig ist. Deshalb sehe ich diese Begründung als falsch an – denn sie betrachtet lediglich die Quantität! Ich bin mir sicher, dass Sie dies nachvollziehen können. Wie auch immer, Kinder können also höchsten potentielle Beitragszahler sein. Und diese Wahrscheinlichkeit liegt – betrachtet man die Zahlen der heute Arbeitslosen und Erwerbstätigen – bei rund 80%. Was jedoch in 10, 20 Jahren ist, wer weiß das schon.
        Ich stelle mich nicht blöd, aber die Aussage ist schlicht und ergreifend falsch.

        Beispiel Neuromarketing: Diverse Studien haben den Nachweis erbracht, dass rund 60%-70% des Einkaufs durch Spontanentscheidungen getätigt werden. Ich kenne massenhaft menschen, welche Dinge kaufen, auf die sie erst beim Stadtbummel aufmerksam wurden oder sich eben haben leiten lassen. Es geht nicht primär darum, dass sie statt Käse eine Decke kaufen, sondern darum dass Sie den Käse kaufen und ZUSÄTZLICH die Decke. Das will Neuromarketing, nicht die Substitution sondern die Addition im Warenkorb. Und es funktioniert hervorragend!
        Anhand des Neuromarkeing können Sie den Kunden steuern bzwl verleiten. Die Instrumente sind enorm vielfältig. Deshalb bin ich sehr auf Ihren Beitrag gespannt – denn (wie Sie anmerken), es ist auch heirbei nciht alles Gold was glänzt.

        Kritische Kinder: Es ist richtig und gut, dass Kinder hinterfragen. Es setzt jedoch immer eine Grundkenntnis voraus. Denn was wollen Sie hinterfragen, wenn Sie es gar nicht kennen oder deutlich unterinformiert sind? Wie wollen Sie zB ein Parteiprogramm hinterfragen, wenn Sie dieses gar nicht kennen? Diese Punkte stehen doch ebenso in Ihren Maximen für “kritische Wissenschaft”. Insofern halte ich es ebenso für sehr wichtig, die gegebenen Erkenntnisse zu vermitteln – und dann die Möglichkeit zu hinterfragen. Und da in der Schule sowohl die Zeiteinteilung sehr knapp ist und auch die Stoffmenge sehr hoch, bleibt die Frage offen, wie dies organisatorisch umzusetzen ist. Den Lehrern fehlt meist die Zeit für Diskussionsrunden – denn diese stehen so nciht auf dem Lehrplan, welcher umzusetzen ist.
        Und seien Sie mal ehrlich: Selbst in Universitäten machen Sie sich unbeliebt, wenn Sie einen Professor in seinem Monolog mit einer kritischen Frager unterbrechen – zumindest bei den meisten Professoren.
        Ich glaube so wie Sie, dass durch das Hinterfragen ein wesentlich höherer Erkenntnisgewinn steht als durch blankes Lernen. Aber ist es die Realität – kann es die Realität sein? Ich sehe dies nicht.

        • Zum ersten Absatz:
          Was soll ich dazu noch sagen. Sie machen exakt den Fehler, den die ganzen Genderisten im Hinblick auf die Nachteile von Jungen im Schulsystem machen. Dadurch, dass man eine Gruppe unterteilt, gehen die Zusammenhänge, die für die ganze Gruppen gelten nicht weg.

          Zum zweiten Absatz:
          Neuromarkting ist aus meiner Sicht schlicht und ergreifen ein Hype, dem Marketingler huldigen. Die Neuromarketing-Anstrengungen, die ich kenne, sind nichts anderes als die Sinus-Milieus mit Gehirnhälften kombiniert – bestenfalls wackelige Schlüsse auf Basis fragwürdiger Prämissen. Und was die Spontankäufe angeht, richtig, viele entscheiden sich spontan. Sie gehen durch eine Reihe und sehen Zahncreme, denken, Ja, ich brauche Zahncreme und dann nehmen Sie eine Marke aus dem Regal und entscheiden sich gegen alle anderen Marken. Wo ist hier der manipulative Einfluss des Neuromarketing? Mir scheint, Sie teilen das Überlegenheitsweltbild vieler Marketingler, die Kunden für manipulierbare Trottel halten, denen man suggerieren kann, was sie kaufen sollen. Ich verrate Ihnen einmal ein Geheimnis: Die meisten Kunden halten Marketingler für Trottel, die denken, man könne Kunden manipulieren.

          Zum dritten Absatz:
          Sie sollten das Grundsatzprogramm noch einmal lesen. Kritisches Denken ist eine formale Technik, dass sie dazu schreiben können müssen und lesen, ist glaube ich nicht der Erwähnung wert. Wenn in Schulen nicht Inhalte vermittelt würden, die nicht in Schulen gehören, wäre genug Zeit, um sich anhand einer alten Fibel z.B. zu überlegen, warum Kinder immer bei sinnvollen und nützlichen Tätigkeiten dargestellt sind und nie bei reinem Konsum, wie das heute der Fall ist. Wenn man aber statt dessen Jungen eintrichtern muss, dass sie potentielle Vergewaltiger sind und Mädchen, dass sie geborene Opfer sind, dann bleibt für kritisches Denken natürlich keine Zeit.

  2. Simon Neuer says:

    Noch eine Ergänzung:
    Im Grundsatz haben Sie aber völlig recht – rein rational gesehen.

    Aber ein solches Thema wird niemals rational diskutiert. (und das finde ich gut so).

    • Und was ist noch einmal der Nutzen davon, dass Themen nicht rational bearbeitet werden. Ich will’s nur anmerken, weil es zum Text passt: Die Nazis waren auch froh, dass die so genannte Judenfrage nicht rational diskutiert wurde…

      • Simon Neuer says:

        Ich würde diesen Zusammenhang, zwische notwendiger Rationalität und moralisch Aspekten als “ungewollte Wissenschaft” bezeichnen.

        Der Titel des Buches steht für ein Symbol der Massenvernichtung. Wenn Sie dieses Thema rational bearbeiten, dann kann es durchaus vorkommen, dass Sie zu einem moralisch ungewollten Ergebnis kommen. Und dies ist in Deutschland dann immer einen Aufschrei wert. Ob Sie recht haben oder nicht, spielt beim Thema NS/ Hitler usw. keine Rolle. Es sind Unwörter, welche jeder vermeiden sollte. So ist eben die deutsche Grundhaltung. Man kann es auch als Moral bezeichnen.

        • Tut mir leid Herr Neuer, das ist keine Moral, das ist grober Unfug, den man als normal begabter und denkender Mensch eigentlich nicht äußern sollte. Denken Sie, die Massenvernichtung an den Juden geht weg, wenn Sie das Buch von Adolf Hitler unter Verschluss halten? Sind Sie nicht an den Denkstrukturen interessiert, die so etwas möglich machen. In den sechs Jahren, die ich nun in England lebe, fasziniert mich kaum etwas so sehr wie der Versuch der Briten auch nach rund 70 Jahren zu verstehen oder doch zumindest einen Eindruck davon zu gewinnen, wie ein “Kulturvolk” wie die Deutschen zu kollektivem Massenmord kommen konnte.

          Sie scheint das nicht zu interessieren. Statt dessen fabulieren Sie hier von einer “Moral”, von der ich nur annehmen kann, dass Sie damit ihre Moral oder das was Sie dafür halten, meinen. Ich kann darin, dass man anderen den Mund verbieten will und sie von der für sich vielleicht wichtigen Bearbeitung deutscher Geschichte abhalten will, überhaupt nichts moralisches finden. Nebenbei bemerkt, wenn Sie es schaffen, durch ihr für Sie moralisch einwandfreies Verhalten ungewollte Folgen zu vermeiden, dann haben Sie ein Kunststück geschafft, das im Verlauf der Menschheitsgeschichte bislang noch niemand geschafft hat – dass jede Handlung unbeabsichtigte Folgen produziert ist der Grund, warum Planwirtschaften und Sozialismus unvermeidlich scheitern müssen.

        • Simon Neuer says:

          “Denken Sie, die Massenvernichtung an den Juden geht weg, wenn Sie das Buch von Adolf Hitler unter Verschluss halten?”
          Nein, aber wird es dadurch besser?
          Ich meine nicht meine Moral, sondern die Grundhaltung, die allgemeine Moral. Wenn Sie zB sagen, dass durch die Judenvernichtung eine der größten Logistikleistungen vollbracht wurden, dann haben SIe zwar recht, aber die Moral verbietet es, den NS-Verbrechern auch nur einen Funken an Ehrbarkeit zuzuweisen. Das ist nicht meine Moral.

          Wenn Sie wissen wollen, wie das dritte Reich zustande gekommen ist, wie es zu einer solchen Bewegung kommen konnte, dann nehmen Sie sich eines der unzähligen Bücher. Die Gründe sind weitgehend aufgeklärt, und daraus lernt man, zumindest in Deutschland.

          Grober Unfug ist, wenn man versucht mit rationalen Instrumenten unter dem Deckmantel der WIssenschaft die Massenvernichtung in jedweder Weise zu verunglimpfen. Die VÖ eines Titels von Hitler stellt m.E. genau eine solche Verunglimpfung dar. wer braucht das Buch, welche Informationen beinhaltet dieses Buch die “aufklären” oder gar informieren sollen? Wegen den Kommentaren kauft niemand dieses Buch, sondern weil man Hitlers Zeilen lesen möchte. Es ist eine gefährliche Ideologie, welche selbst rational denkenden Menschen als überflüssig erscheinen müsste. Denn es gibt keinen Nutzen, ausser den monetären für den Verlag. Soll jemand mit Hitler wirklich Geld verdienen dürfen? Sie bestätigen, ich verneine.

          Wie hoch schätzen Sie die potentiellen Absatzzahlen des Buches?

  3. Hans Meier says:

    Herr Klein, Sie haben einen „wunden Punkt der Deutschen Volksseele“ zielgenau getroffen. Die Indoktrination erzeugt nicht nur Anhänger, sondern eben auch Nachfolger.
    Man könnte fast meinen, das diesem Land, ein permanenter Exidus an einer Intelligenz-Schicht, den nachhaltigsten Schaden zufügte und Raum für die Wiederholungen, irrationalen Massenverhaltens ermöglicht, wie auch in dem Link zu sehen ist, http://bonner-presseblog.de/2012/05/10/kleine-multiplikatoren-fur-den-klimaschutz/ .
    „Der Kampf“ gegen rationale Vernunft, der als Fortsetzung von „dem Kampf“, den ein nationaler Sozialist in Gang setzte, hat nur den Begriff „national“ gewechselt aber der völlig irrsinnige „Überfremdungsgedanke“ gegenüber den bösen, weil zu klugen Juden, bezeichnen die Enkel der glühenden nationalen Sozialisten heute als „Finanzheuschrecken“ und die „Blut und Bodenfanatiker“ haben das Hakenkreuz gegen das „Öko-Kreuz“ auf ihren Fahnen getauscht und ihre Anhänger sitzen wiederum als Blockwarte mit ihrer Spießermentalität auf amtlich gefütterten Amts-Schaukelpferden und bewachen den Klimawandel. Beschallen und Belallen die Bevölkerung an den Empfangsgeräten wie zuvor.
    Ein größeres Schildbürgertum, so scheint mir, ist weltweit nur noch in Nordkorea, bzw. Kuba, anzutreffen.

  4. Molderson says:

    @Simon Neuer

    Sie bestätigen mit Ihrer Einrede, was der Artikel moniert: nämlich, dass das Beschweigen eine strategische Waffe der Manipulation ist. Selbst auf die argumentative Entgegnung reagieren Sie wie beschrieben, indem Sie allen anderen Menschen in einer Art Kollektivschuld unterstellen, nicht angemessen über das bildliche Thema, wie auch andere, reflektieren zu können. Das bedeutet im Klartext – und dieses Denkschema ist nun mal so typisch pseudo-elitär – dass noch der letzte sozialistisch bewegte Müllfahrer mit minderer Intelligenz allen anderen unterstellt, es mangele an Reflexionsvermögen. Diese faschistoid-selbstüberhöhende, autoritäre und überschätzende Eigendefinition ist zentraler Bestandteil nicht nur deutscher Kultur, sondern findet sich als organisatorisches Prinzip als gesellschaftsbestimmendes Element schon vor Hitler oder Honecker, vor der Kaiserzeit, als Wesenszug der Herrschenden. Es sind eben auch Linke, die diese Denke als generelle Überhaftigkeit beschreiben; und oft genug sich selbst meinen. Anhand von Herbert Wehner, Kommunist und später SPD lässt sich das auch noch exemplarisch nachweisen. Dieser war in der Hochphase seiner innerparteilichen Macht von fast allen nicht nur wegen seines Maules gefürchtet, sondern hielt regelmäßig Hof. Von Höflichkeit oder Achtung keine Spur; jeder subalterne Mensch mußte Wehner fürchten. Wurde jemand zu Wehner zitiert, brach der Schweiss aus, stand man im Büro von Wehner, ließ dieser die Leute vor dem Schreibtisch wie dumme Schuljungen warten, las Akten, telefonierte, instruierte die Sekretärin, las wieder Akten, um dann den Delinquenten zusammenzuschreien. Solches Verhalten charakterisiert das Denken; und nicht nur das Denken von Wehner, sondern das faschistoide Prinzip von Machtausübung im roten Gewand. Das ist die Banalität des Bösen, die sich anmaßt, über die Lektüre der Menschen zu entscheiden. Sie persönlich können an diesem Prinzip festhalten wollen, dann aber nur unter der Prämisse, dass Sie vor all den Wehners dieser Welt Ihre Bestimmung finden müssen. DAS aber ist ein und Ihr charakterliches Problem und hat mit Demokratie nichts zu tun.

    • Simon Neuer says:

      @ Molderson
      Das stimmt schon, und das Beispiel ist gut.

      Denken Sie, dass die positiven Effekte (Freiheit, Aufklärung, Rechtsstaatlichkeit) den etwaig negativen Effekten (Indoktrinationsgefahr) überwiegen?
      Oder anders formuliert: Geht die Diskussion um das Prinzip der Meinungsfreiheit/ Selbstbestimmtheit oder um das Buch “Mein Kampf”?

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