Die Reaktionen auf den letzten Beitrag, „Reiz der Unfreiheit“, in dem ich auf einige Problem hingewiesen habe, die sich mit der in der „Männerbewegung“ vorherrschenden Freude über das Urteil des Kölner Landrichters Beenken verbinden, haben mich dazu veranlasst, noch einen post nachzulegen, in dem ich auf die Prämissen aufmerksam machen will, auf denen die zum Teil hektische, fast schon hysterische Behandlung eines Themas, dessen Bedeutung für die Männerbewegung kaum geringer sein könnte, basiert.
Die Liste der Prämissen umfasst die folgenden Behauptungen:
- Deutschland ist voller religiös eifernder Eltern, die ihre Kinder misshandeln wollen.
- Die (vermeintlichen) religiösen Eiferer finden sich (angeblich) vornehmlich unter Juden und Muslimen.
- Die Beschneidung männlicher Kinder stellt eine Körperverletzung dar.
- Die Selbstbestimmungsrechte von Kindern sind sakrosankt.
- Die Interessen zum Schutz der misshandelten Kinder sind rein und bedürfen keinerlei Relation zu anderen Interessen.
Deutschland ist voller religiös eifernder Eltern, die ihre Kinder misshandeln wollen
Die (vermeintlichen) religiösen Eiferer finden sich (angeblich) vornehmlich unter Juden und Muslime.
The usual suspects. Die Sozialpsychologie ist voller Studien über In- und Outgroups. Sie alle eint die Aussage, dass Outgroups dazu dienen, den Zusammenhalt der Ingroup zu stärken. Entsprechend muss ich mich an dieser Stelle korrigieren: Die Diskussion um die Vorhaut von Jungen, ist das Fanal, um das sich manche Männerrechtler sammeln. Es ist zwar beschämend armselig, aber es ist so, und es zeigt, dass die „Männerbewegung“ über keine positive Definition der eigenen Sache verfügt. Statt dessen setzt sie sich auf jeden Karren der mit „Geschlecht“ beschrieben ist und macht sich zum Vasallen eines Staates, der mit seinen Regelungen bereits jetzt fast jeden Bereich des gesellschaftlichen Lebens durchsetzt. Eine Freiheitsbewegung zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Freiheit nicht nur für ihre Mitglieder fordert und einklagt. Eine Männerbewegung, die sich für die Beschneidung von Freiheiten anderer einsetzt, ist entsprechend keine Freiheitsbewegung, sie ist eine Hilfstruppe im Dienste des Staates. Dass die Hilfstruppe sich in ihrem Ansinnen, das Leben anderer zu regeln, dabei ausgerechnet gegen Juden und Muslime wendet und dass die Hilfstruppe sich selbst als „linke Männerrechtsbewegung“ beschreibt, ist eine Ironie der Geschichte und weist darauf hin, dass die Zuschreibung von Ideologieinhalten entlang des Kontinuums von rechts nach links schon lange jede inhaltliche Bedeutung verloren hat.
Die Beschneidung männlicher Kinder stellt eine Körperverletzung dar.
Wenn die Beschneidung männlicher Kinder eine Körperverletzung darstellt, dann stellt sich die Frage danach, wie andere post- und prä-natale Eingriffe zu qualifizieren sind: Was ist mit den Eingriffen zur Herstellung eines eindeutigen Geschlechts bei entsprechenden Fragezeichen? Was ist mit Abtreibung? Will die Männerbewegung wirklich dieses Fass wieder öffnen und darüber diskutieren, ob Abtreibung den Tatbestand des Mordes erfüllt? Und, wie ich bereits im letzten Beitrag geschrieben habe, was ist mit den vielfältigen Formen der Körperverletzung, die durch eine falsche Ernährung, durch mangelnde Bewegung, durch Vernachlässigung geschaffen werden? Soll hier auch der Staat regelnd eingreifen oder ist eine entsprechende Regulation nicht zielführend, weil sie sich nicht nur gegen Juden und Muslime richten würde?
Die Selbstbestimmungsrechte von Kindern ist sakrosankt.
Die Interessen zum Schutz der misshandelten Kinder sind rein und bedürfen keinerlei Relation zu anderen Interessen.
All die genannten Männer werden einer Hysterie geopfert, deren rationaler Kern kaum zu entdecken ist und der in dem Bestreben besteht, Verantwortung abzugeben. Genau wie Staatsfeministen, so sind manche Männerrechtler der Ansicht, der Staat könne als Vehikel genutzt werden, um missliebige Lebensentwürfe zu beseitigen. Genau wie Staatsfeministen so können manche Männerrechtler es nicht tolerieren, einen von ihnen missbilligten Lebensentwurf zu sehen. Genau wie Staatsfeministen sehen manche Männerrechtler ihre Aufgabe darin, Kindlein zu schützen, und genau wie Staatsfeministen sind manche Männerrechtler von einem Biologismus besessen, der sie außer Geschlecht keine relevanten Variablen mehr erkennen lässt und der mit einem Naturglauben einhergeht, der, würde er von allen geteilt, uns in der Höhle sitzen und mit Feuersteinen hantieren sehen würde.
Verantwortung in der Welt mancher Männerrechtler wird an den Staat delegiert. Der Staat regelt was gut und richtig ist, und er regelt vor allem alle, die für sich in Anspruch nehmen, noch Verantwortung zu tragen, Eltern z.B., die die Verantwortung dafür übernehmen, dass ihre Söhne beschnitten werden. Solche Eltern sind natürlich nicht zu tolerieren, denn für eine Qualle ist jede Gräte ein Fundamentalist.
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