Gibt es eine inoffizielle Jungenquote für Sonderschulen?

Dr. habil. Heike Diefenbach & Michael Klein

Sonderschueler201112Es gibt in Deutschland wohl kaum ein schlimmeres Verhängnis, das einen Schüler ereilen kann, als auf eine Sonderschule überwiesen zu werden. Wer auf eine Sonderschule abgeschoben wird, der ist nicht nur stigmatisiert, seine Bildungskarriere ist bereits zu Ende noch ehe sie begonnen hat.  So haben im Schuljahr 2011/2012 rund 75% der Absolventen von Sonderschulen dieselbe ohne jeglichen Schulabschluss verlassen, gut 23% haben einen Hauptschulabschluss, 2,5% einen Realschulabschluss und 0,2% eine Hochschulreife erreicht. Diese Zahlen, die den Euphemismus, der hinter der politisch korrekten Bezeichnung „Förderschule“ steht, als eben solchen, nein als Zynismus entlarven, sind der Grund dafür, dass wir nicht von Förder- sondern von Sonderschulen sprechen. Es mag politisch korrekt sein, von Förderschulen zu reden, es ist empirisch korrekt, von Sonderschulen zu sprechen, denn gefördert wird hier niemand, hier wird lediglich ausgesondert: Am Ende der Sonderschule stehen 75% Absolventen ohne gültigen Abschluss, ein Ergebnis, dass sie mit Sicherheit auch ohne die vermeintliche  Förderung erreicht hätten.

Obwohl ein solches Ergebnis, wie es die Abbildung darstellt, eigentlich dazu führen müsste, dass Sonderschulen beseitigt werden, da sie ein Lebenschancen-Killer par excellence sind und darüber hinaus keinerlei positiver Nutzen bestimmbar ist, der daraus erwachsen würde, dass man Kinder auf Sonderschulen überweist, sind Sonderschulen ein fester Bestandteil des deutschen Schulsystems, und wie Dr. Diefenbach immer sagt: „Wenn erst einmal institutionelle Plätze für was auch immer geschaffen sind, dann werden diese Plätze auch gefüllt, egal, ob Bedarf besteht oder nicht“. Schließlich, so könnte man anschließen, hängen Arbeitsplätze von Sonderschullehrern davon ab, dass der Nachschub an Sonderschülern auch fließt.

Kottmann SonderschuleNun sollte man meinen, dass Lehrer dann, wenn sie Kinder auf Sonderschulen überweisen, besonders sorgfältig und verantwortungsbewusst sind. Immerhin geht mit der Überweisung so gut wie sicher ein Ende der beruflichen Karrieremöglichkeiten und ein erheblicher Einschnitt in die Lebenschancen,  des von der Überweisung betroffenen Kindes einher, wie die Zahlen oben deutlich belegen. Diese Annahme stellt sich jedoch als frommer Wunsch heraus, wie ein genauer Blick auf die Überstellung an Sonderschulen, den Brigitte Kottmann (2006) angestellt hat, zeigt. Die Überweisung auf Sonderschulen scheint sich auf soziale Determinanten wie Geschlecht, soziale Schicht und ethnische Zugehörigkeit und auf disziplinarische Erwägungen zu gründen. Das Wohl des betreffenden Kindes scheint eher keine, bis eine marginale Rolle zu spielen.

Dazu passen Ergebnisse, die Heike Diefenbach unlängst im von Michael Matzner und Wolfgang Tischner herausgegebenen Sammelband „Handbuch Jungenpädagogik“ veröffentlicht hat. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kritierien, die eine Überstellug auf eine Sonderschule rechtfertigen, über die letzten Jahrzehnte immer weicher geworden sein müssen, da u.a. eine Verlagerung stattgefunden hat, vom „Förderschwerpunkt Lernen“ auf den „Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung“. So werden zwischenzeitlich rund 40.000 Kinder jährlich wegen angeblicher Defizite ihrer emotionalen Jungenpaedagogik 2Auflund sozialen Entwicklung auf Sonderschulen abgeschoben, rund 85% davon sind Jungen. Dies ist nicht nur ein Indiz dafür, dass Sonderschulplätze zunehmend mit weichen und kaum nachvollziehbaren, weil nicht explizit formulierten Kriterien gefüllt werden, es ist auch ein Indiz dafür, dass die Institution „Sonderschule“ ihren Anteil an den vorhandenen Ressourcen von Schulkinder fordert, koste es, was es wolle. Der Hunger nach Sonderschülern, den die Institution „Sonderschule“ entwickelt, wird zu 67% mit Jungen gefüllt, und da Jungen diejenigen sind, denen in Schulen die größten disziplinarischen Probleme nachgesagt, zugewiesen oder angedichtet werden, liegt der Verdacht nahe, dass Sonderschulen regelrecht dazu genutzt werden, um Kinder abzuschieben, die dem, was Lehrer als Idealbild vom guten Schüler haben, nicht entsprechen.

Und obwohl wir angesichts dieser Vorgeschichte auf einiges gefasst waren und obwohl Heike Diefenbach bereits mehrfach darauf hingewiesen hat, dass der Anteil der Jungen unter den Sonderschülern bemerkenswert stabil ist, ist das, was wir im Folgenden darstellen werden, nicht nur unglaublich, sondern ein Ergebnis, das wir in unseren langen Karrieren als Sozialforscher in dieser Dramatik und Konsistenz bislang nur einmal gesehen haben.

Die folgende Abbildung (links) zeigt die Entwicklung der Anzahl der Kinder, die sich auf Sonderschulen befinden, und zwar für den Zeitraum von 1993 bis 2012. Wie sich zeigt, sind die nominalen Schwankungen in der Anzahl der Kinder, die auf Sonderschulen überwiesen werden, beträchtlich, was die Abbildung auf der rechten Seite noch deutlicher macht.

Sonderschueler nach GeschlechtSonderschueler Veraenderung

Im Durchschnitt verändert sich die Anzahl der Sonderschüler im Beobachtungszeitrum um jährlich 6.986 Schüler. Die Schülerzahlen auf Sonderschulen verändern sich damit im Durchschnitt um jährlich zwei Prozent. Man sollte annehmen, dass sich diese Veränderung auch auf das Verhältnis von Jungen und Mädchen auf Sonderschulen auswirkt. Wie die nächste Abbildung zeigt, ist dies aber nicht der Fall.

Sonderschueler Anteile

Die Anteile von Jungen und Mädchen, die über einen Zeitraum von 20 Jahren auf Sonderschulen überwiesen wurden, sind stabil. Sie variieren lediglich im Nachkommabereich, zwischen 63,17% und 63,81% bei Jungen und zwischen 36,83% und 36,19% bei Mädchen. Der Mittelwert beträgt über 20 Jahre hinweg 63,47% für den Anteil männlicher und 36,53% für den Anteil weiblicher Sonderschüler. Die Standardabweichung beträgt für den Anteil männlicher und weiblicher Jugendlicher 0,20, über einen Zeitraum von zwanzig Jahren. Dies ist ein Ergebnis, dass einen empirischen Sozialforscher die Stirn runzeln lässt und wären die Daten keine amtlichen Daten, sondern Befragungsdaten, er würde nach einem Bias oder nach einer sonstigen Art von Fehler suchen, der bei der Erhebung bzw. der Erfassung der Daten gemacht worden sein könnte.

Hier handelt es sich aber um amtliche Daten. Jeder Sonderschüler, der über den betrachteten Zeitraum auf eine Sonderschule überwiesen wurde, ist hier erfasst. Die Tatsache, dass die Anteile von Jungen und Mädchen über den Beobachtungszeitraum standardisiert zu sein scheinen, muss also anders erklärt werden, aber wie?

Es ist weitgehend ausgeschlossen, dass ein Verlauf, wie ihn die letzte Abbildung zeigt, durch Zufall und ohne das standardisierende Zutun von Menschen zu Stande kommt. Wenn aber Zufall ausgeschlossen und sozial verursachte Systematik angenommen werden muss, dann bleiben nur die Erklärung, dass entweder die Stereotype, die von deutschen Lehrern landauf landab gepflegt werden, so erstaunlich identisch sind, dass die Anteile von Jungen, die bundesweit auf Sonderschulen überwiesen werden, in Bremerhaven wie in Hof weitgehend identisch sind, oder es bleibt die Erklärung, dass die Zuweisung auf Sonderschulen nach einem fest vorgegebenen Schlüssel, nach einer fest vorgegebenen Quote erfolgt, d.h. per Vorgabe an Schulen der Art: Im Schuljahr 2012/2013 müssen x Jungen und y Mädchen auf die Sonderschule überwiesen werden.

Was auch immer der Fall ist, angesichts der Tatsache, dass ein Sonderschulbesuch das Ende des Traums von der Berufskarriere bedeutet und die Lebenschancen der Betroffenen in umfassender Weise beeinträchtigt, ihnen ein Leben in Abhängigkeit von Jugend-, Sozial- und sonstigen -arbeitern vorgibt, sind die vorliegenden Ergebnisse wohl auf eine Form von Zynismus bzw. böser systemischer Banalität zurückzuführen,, die sprichwörtlich über Leichen geht, und der institutionellen Notwendigkeit, Sonderschüler zugewiesen zu bekommen, die Leben der entsprechenden Quoten-Sonderschüler opfert.

Rund 25.000 der gut 400.000 Schüler auf deutschen Sonderschulen wurden wegen Seh-, Hörbehinderung oder wegen einer nicht weiter spezifizierten Krankheit auf die Sonderschule überwiesen, d.h. rund 375.000 Sonderschüler finden sich auf Sonderschulen weil ihnen eine Lernschwäche, ein Rückstand in ihrer sozio-emotionalen, ihrer körperlichen oder ihrer geistigen Entwicklung attestiert wird. Wie oben bereits festgestellt, nehmen die Überweisungen wegen sozio-emotionaler Entwicklungsrückstände stetig zu, haben sich im Beobachtungszeitraum fast verdoppelt. Die Förderschwerpunkt übergreifenden Überweisungen auf Sonderschulen haben sich nahezu um das Sechsfache gesteigert. Allen den Überweisungsgründen, die wachsenden Überweisungszahlen trotz zurückgehender Schülerzahlen aufweisen, ist gemein, dass die Kritierien, die zur entsprechenden Überweisung auf eine Sonderschule führen, unbekannt und nicht objektivierbar sind. Es gibt keinerlei Vorgaben dazu, wann und warum eine Überweisung auf eine Sonderschule erfolgen soll und welche objektivierbaren Kriterien erfüllt sein müssen, um eine solche Überweisung zu veranlassen, schon weil es, wie gesagt, keine objektivierbaren Kriterien gibt. Angesichts der Folgen, die eine Sonderschulüberweisung für den Betroffenen hat, ist dieses Ausmaß an Willkür unglaublich, und es macht eigentlich nur Sinn, wenn man annimmt, dass es eben nicht darum geht, Schüler zu fördern, sondern darum, die Plätze an Sonderschulen zu füllen.

Untersuchung zeigt die wahre Motivation der Gutmenschen

Das „Soziale“ ist der Schrein der Moderne, der Tabernakel des Guten und Reinen, hinter dem sich eine Horde von Gutmenschen versammelt hat. Das „Soziale“ wird zunehmend überhöht, soweit, dass Menschen kein Recht auf eine eigene Exsitenz mehr zugestanden wird, sofern sie sich nicht in das „Soziale“ einordnen, das nicht nur vorhanden ist, sondern als „Gemeinschaft“ bereits Ansprüche auf z.B. individuelles Eigentum erhebt. Das „Soziale“ als das, was den Menschen angeblich ausmacht, soll fest im öffentlichen Bewusstsein fixiert werden: „Du bist nichts ohne deine Gemeinschaft.“ „Der Mensch ist ein soziales Wesen.“ Allein die Suchanfragen, in denen „der Mensch ist ein soziales Wesen“ in welcher Variation auch immer gesucht wird, die auf ScienceFiles führen, sind so hoch, dass es uns das Fürchten lehrt, vor dem, was da in Deutschland gelehrt werden soll bzw. gelehrt wird.

wandervogel_gDas „Soziale“ ist nicht nur existent, man kan sich auch am „Sozialen“, an der Gemeinschaft vergehen. Banker, Uli Hoeneß, alle, die nicht „solidarisch“ sind, wenn Dritte zur Solidarität aufrufen, vergehen sich an der Gemeinschaft, sie schädigen die Gemeinschaft und sind auf dem besten Weg, als „Volksschädling“ wiederentdeckt zu werden. Und natürlich müssen diese Vergeher an der Gemeinschaft, diese Feinde des Sozialen bestraft werden. Die Forderungen danach, „Besserverdienende“ höher zu besteuern, Bankern, die Bonuszahlungen zu streichen, Spekulateuren ihren Gewinn zu entziehen und vieles mehr, sind Formen der Bestrafung, Formen einer Bestrafung, die insofern  problematisch ist, als sie von Personen gefordert wird, denen keinerlei Nachteil durch das Verhalten von Banker X oder Uli Hoeneß entstanden ist und auch nicht entstehen wird. Dennoch fordern diese Personen die Bestrafung Dritter.

Warum?

Eine Erklärung, die von einer Reihe von Forschern vorgebracht wurde, allen voran die beiden Züricher Ökonomen Ernst Fehr und Urs Fischbacher, ist seit wenigen Jahren unter dem Begriff „altruistische Bestrafung“ bekannt. Altruistische Bestrafung besagt im Wesentlichen, dass Unbeteiligte einen (vermeintlichen) Übergriff auf einen Dritten bestrafen oder bestraft sehen wollen, weil dadurch gegen Fairnessregeln verstoßen wird. Wenn sich also Hans Moser auf Kosten von Fritz Fischer bereichert, dann sind altruistische Bestrafer zur Stelle und sorgen für „Fairness“, in dem sie Hans Moser bestrafen oder die Bestrafung von Hans Moser fordern. Demnach wären alle, die die Bestrafung von Uli Hoeneß fordern, altruistische Bestrafer, die zwar selbst keine Vorteile davon haben und auch keine Kosten davon, dass Uli Hoeneß bestraft wird, die aber „für die Gemeinschaft“ eintreten und „die Gemeinschaft“ zu ihrem Recht kommen lassen wollen.

Wir_statt_GierInteressanter Weise ist dieser Einsatz für die Gemeinschaft, diese Forderung der Bestrafung der Vergeher gegen die Gemeinschaft genau das, was von Bündnis 90/Die Grünen, von Gewerkschaften und von einer Reihe von selbsternannten Schützern der Gemeinschaft zu hören ist, und natürlich nehmen sie für sich altruistische Motive in Anspruch, denn sie haben nichts davon, dass Uli Hoemeß, Hans Moser oder Banker X bestraft werden, nein, sie kämpfen für Fairness, zuweilen behaupten sie auch, für Gerechtigkeit, besonders gerne für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen, und immer kämpfen sie für andere, nie für sich selbst, reine Altruisten sind sie, wahre Gutmenschen.

Sind Sie das wirklich?

EnviousEine bemerkenswerte und methodisch saubere Untersuchung von Eric J. Pedersen, Robert Kurzban und Michael E. McCullough, die in der Mai-Ausgabe der Proceedings of the Royal Society B: Biological Science erscheinen wird, räumt massiv mit dem Mythos der altruistischen Bestrafer, ja mit dem Mythos des sozialen Menschen als solchem auf. In drei verschiedenen Experimenten mit 315 Studenten, 538 Bürgern und abermals 394 Studenten, können die Autoren nicht nur zeigen, dass es kaum altruistische Bestrafung gibt, sondern sie können auch zeigen, dass die wenigen Personen, die Dritte bestrafen, ohne dass sie etwas davon haben, von einem ganz eigenen Motiv getrieben sind: Neid.

Wenn die Probanden in den Experimenten der drei Autoren mit einer Situation konfrontiert waren, in der sie eine ungerechte Behandlung von O durch D beobachteten und ihnen anschließend die Möglichkeit gegeben wurde, die ungerechte Behandlung von O durch eine altruistische Bestrafung von D zu „revidieren“, dann zeigte sich, dass nur ein sehr kleiner Teil der Probanden ein Interesse daran hatte, zu bestrafen: „…humans do not impose meaningful amounts of third-party punishment on behalf of absolute strangers. The nominal and statistically non-significant amount of punishment we did observe was apparently motivated by envy because of a comparatively unfavourable personal outcome rather than by moralistic anger“ (6-7).

Das ist ein vernichtendes Zeugnis für Gutmenschen, die ausnahmslos behaupten, im altruistischen Dienst am Nächsten, an der Gemeinschaft oder an was auch immer unterwegs zu sein und die darüber hinaus die Bestrafung Dritter fordern, die ihre Mission als Gutmensch als „Schädlinge“ an der Gemeinschaft oder als unfair oder als was auch immer identifiziert hat. Dahinter, so zeigen die Ergebnisse von Pedersen, Kurzban und McCullough steht blanker Neid, Neid, weil die nämlichen Gutmenschen im Hinblick auf Ressourcen, die sie sehr hoch einschätzen, schlechter abgeschnitten haben, als ihr Opfer, das Sie zum Feinde der Gemeinschaft stilisiert haben, um ihren Neid auszuleben.

Diese Erklärung hat Gutmenschen zum Gegenstand, die sich einen unmittelbaren Vorteil (und wenn er nur darin besteht, sich erleichtert und anderen schlecht gemacht zu haben) versprechen, wenn sie ihren Neid auf andere, zumeist in Form derogativer Ausbrüche gegenüber denjenigen, die gerade am öffentlichen Pranger stehen, öffentlich machen. Darüber hinaus gibt es noch eine Gruppe von opportunistischen Gutmenschen, die sich z.B. in Parteien finden und die ihren Nutzen daraus ziehen, dass sie den beschriebenen Neid ausnutzen wollen, um ihre ideologischen Ziele zu verwirklichen, indem sie z.B. eine höhere Besteuerung von „Besserverdienenden“, wer auch immer sie sein mögen, fordern. Was moralisch verwerflicher ist, den eigenen Neid als „Sorge um die Gemeinschaft“ zu verpacken oder diesen Neid für die eigenen ideologischen Zwecke auszunutzen, ist eine Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss.

Pedersen, Eric J., Kurzban, Robert & McCullough, Michael E. (2013). Do Humans Really Punish Altruistically? A Closer Look. Proceedings of the Royal Society B: Biological Science.
doi://dx.doi.org//10.1098/rspb-2012.2723

Gleichstellung an Universitäten: die Worte und die Wirklichkeit

dangerous jobsFalls es sich noch nicht bis zu Ihnen herumgesprochen hat: Frauen sind in Deutschland benachteiligt. Wie und vom wem, das ist bislang ein Geheimnis, aber dass sie benachteilgt sind steht fest, so fest, dass sich eine Unmenge von „guten“ Menschen zusammengerottet hat, um mit Programmen, Hilfsaktionen und Förderung dafür zu sorgen, dass die vielen Frauen, die aus eigener Kraft nicht vorankommen, in die Positionen gelangen, die die „guten“ Menschen für erstrebenswert halten.

Natürlich sind die „guten Menschen“, die Frauen helfen, aufgrund von Verdienst in die Position gelangt, in der sie nunmehr Frauen helfen wollen und (um?) sich selbst ein Verdienst (zu) verschaffen, und natürlich haben die entsprechenden „guten“ Menschen rein altruistische Motive und sind nur mit dem gesellschaftlichen Wohl, dem Wohl und Wehe anderer, mit dem Wohl aller außer dem eigenen beschäftigt. Und sie sind nötig, diese Menschen, die Frauenquoten fordern, Frauenförderung planen, Gutachten in Auftrag geben, um zu untersuchen, wie man die vermeintliche Benachteiligung von Frauen am profitabelsten für alle an der Frauenförderung Verdienenden nutzen kann (Dass als Ergebnis der ganzen Frauenförderung Frauen als Dummchen dargestellt werden, die aus eigener Kraft keinen Fuß auf den Boden bekommen, muss wohl als Kollateralschaden der Gutheit dieser „guten“ Menschen angesehen werden).

WissenschaftsratEine dieser Versammlungen von „guten“ Menschen (oder selbsternannten Gutmenschen) ist der Wissenschaftsrat. Der Wissenschaftsrat hat schon früh einen Mangel an Frauen in „Führungspositionen der Wissenschaft“ ausgemacht und vor allem das Fehlen von weiblichen Professoren beklagt. Die Wissenschaft ist ihrem Anspruch nach die Institution, in der Leistung und Qualifikation zum Vorankommen befähigt, in der Meritokratie herrscht. Daher ist es seltsam, dass der Wissenschaftsrat ausgerechnet Wissenschaftler verdächtigt, weibliche Bewerber um ihre Professorenstellen zu bringen. Aber der Wissenschaftsrat, in dem ja auch vermeintliche Wissenschaftler sitzen, muss das natürlich wissen. Und weil die Wissenschaftsradler das wissen, haben sie eine „Offensive für Chancengleichheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern“ gestartet. Das, was ich fett gesetzt habe, ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig.

Diese Offensive hatte 2011 ihr Fünfjähriges. Und damit auch alle etwas von dem Fünfjährigen haben, hat der Wissenschaftsrat ein Gutachten in Auftrag gegeben und bezahlt, in dem Ziele wiederholt und der Bestand des Erreichten aufgenommen wurde:

„Sie [gemeint sind die Allianzorganisationen zur Offensive für Chancengleichheit] werden verstärkt darauf hinarbeiten, den Frauenanteil bei der Neubesetzung von Entscheidungs- oder Führungspositionen dem jeweiligen Anteil an habilitierten oder entsprechend hoch qualifizierten Wissenschaftlerinnen in den verschiedenen Fächergruppen anzugleichen (8).“

Wie gesagt, das Gutachten wiederholt nicht nur, es nimmt auch Bestand auf, und die Autoren, wer auch immer sie gewesen sein mögen, denn namentlich genannt, sind sie nicht, kommen bei der Aufnahme des Bestands zu folgendem Ergebnis:

„Die erzielten Verbesserungen sind jedoch maßgeblich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Von einer deutlichen Erhöhung des Anteils von Wissenschaftlerinnen in Führungspositionen, der zentralen Zielstellung der Offensive für Chancengleichheit, kann nicht die Rede sein. Zwar gibt es insgesamt eine positive Entwicklung, von einer dem weiblichen Bevölkerungsanteil und dem weiblichen Studierendenanteil angemessenen Repräsentanz ist Deutschland aber noch deutlich entfernt. Dies belegt, dass die Ziele der Offensive für Chancengleichheit noch nicht erreicht und weitere Anstrengungen erforderlich sind“ (21).

Ich möchte die Leser auf zwei Dinge aufmerksam machen: Der Anteil der „Wissenschaftlerinnen in Führungspositionen“ wird mit dem „weiblichen Bevölkerungsanteil“ verglichen, und die Ziele der Offensive, den Anteil der „Wissenschaftlerinnen“ mit eben diesem „weiblichen Bevölkerungsanteil“ kongruent zu bekommen, sind nicht erreicht worden (weshalb mehr Steuergeld dafür geopfert werden muss, das zu erreichen, was die Offensive in den vergangenen fünf Jahren nicht erreicht hat).

GWkWir wollen uns an dieser Stelle bei Michael Matzner bedanken, der uns auf einen Bericht der „Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz – GWK“, sinnigerweise in der Friedrich-Ebert-Allee in Bonn ansässig, hingewiesen hat. Der Bericht trägt den Titel „Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung“, präsentiert sich als 16. (!sic) Fortschreibung des Datenmaterials (2010/2011) zu Frauen in Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen“ und ist offensichtlich ein Bericht, von dem wiederum der Wissenschaftsrat nichts weiß, sonst hätte er keine eigene Bestandsaufnahme in Auftrag gegeben, denn die guten Menschen im Wissenschaftsrat wollen ja nicht das Geld der Steuerzahler vergeuden – oder?

Der Bericht der GWK ist nur ein weiterer im kontinuierlich prasselnden Lamento der fehlenden Frauen, falsch: der benachteiligten Frauen, die  in den Führungspositionen der Wissenschaft nicht ankommen. Er ist entsprechend eine weitere Einnahmequelle für professionelle Frauenbenachteiligungs-Datensammler und ein weiteres schwarzes Loch, das Steuergelder anzieht und verschlingt. Aber: Er beinhaltet Informationen, die Michael Matzner und uns in Verzückung versetzt haben, Informationen zu den Anteilen weiblicher Bewerber auf z.B. Professuren an Universitäten (W1 bis W3). Die folgende Abbildung zeigt die prozentualen Anteile von weiblichen Bewerbern auf eine Professur, den prozentualen Anteil der Frauen, an allen, die es auf eine Liste geschafft haben und den Anteil der Frauen unter denen, die schließlich berufen wurden.

Bewerbungen Berufungen

Ein Blick auf die Abbildung zeigt, dass in fast allen Bundesländern, der Anteil der weiblichen Bewerber auf eine Professur, weit hinter dem „weiblichen Bevölkerungsanteil“ zurückbleibt. Die entsprechenden Anteile weiblicher Bewerber liegen in den Bundesländern regelmäßig deutlich unter 30% und betragen im Bundesdurchschnitt und für 2011 24,2 %. Frauen haben offensichtlich kein Interesse an einer Professur, das dem von Männern vergleichbar wäre. Weiter zeigt sich, dass der Anteil von Frauen, die es auf eine Liste schaffen, höher ist als der Anteil weiblicher Bewerber, was einen ersten Hinweis auf die bervorzugte Platzierung von Frauen gibt. Deutschlandweit wurden 2011 27,8 Prozent der Listenplätze an Frauen vergeben. Bei den Berufungen auf eine Professur ist der Frauenanteil abermals höher: Frauen stellen 29,1% der auf eine Professur Berufenen, was ein weiterer Hinweis darauf ist, dass Frauen bevorzugt werden. Wie stark die Bevorzugung ausfällt, welcher Vorteil Frauen aus ihrem Geschlecht erwächst, wenn es um die Berufung auf eine Professur geht, macht die folgende Abbildung deutlich. Die Balken stellen prozentuale Wahrscheinlichkeiten dar: Für Deutschland als Ganzes ergibt sich z.B. das weibliche Bewerber auf eine Professur eine um 20,25% höhere Wahrscheinlichkeit haben, auf eine Professur berufen zu werden – ein Ergebnis, das nicht so recht zu den Zielen und Ankündigungen passen will, wie sie der Wissenschaftsrat in den oben zitierten Passagen gemacht hat.

Berufungsvorteile

Wie die Abbildung zeigt, gibt es nur wenige Bundesländer, in denen weibliche Bewerber gegenüber männlichen Bewerbern nicht erhebliche Vorteile bei der Berufung auf eine Professur haben. Die Vorteile reichen von einer 46,7% höheren Wahrscheinlichkeit für weibliche Bewerber, berufen zu werden in Sachsen-Anhalt bis zu einer 2,31% höheren Wahrscheinlichkeit, auf eine Professur berufen zu werden, in Bremen. Deutschlandweit haben weibliche Bewerber eine um 20,25% höhere Wahrscheinlichkeit, auf eine Professur berufen zu werden.

Affirmative ActionDie Daten zeigen einerseits, dass der verglichen mit ihrem Bevölkerungsanteil geringere Anteil von Frauen unter den Professoren darauf zurückzuführen ist, dass sich deutlich weniger Frauen als Männer um die entsprechende Position bewerben (und dies obwohl der Anteil weiblicher Studenten höher ist als der Anteil männlicher Studenten). Sie zeigen darüber hinaus, dass es großer Unsinn ist, anzunehmen, Frauen würden sich entsprechend ihres Bevölkerungsanteils auf Professuren bewerben. Warum ein Gremium wie der Wissenschaftsrat, in dem zumindest auch vermeintliche Wissenschaftler sitzen, sich den Anteil von Frauen in der Bevölkerung zum Maßstab nimmt, ist mir sowieso nicht nachvollziehbar, der Anteil der Personen aus der Arbeiterschicht, an Universitäten in jeder Hierarchiebene und unter den Studenten deutlich unter dem Anteil der Arbeiterschicht an der Bevölkerung, genießt jedenfall keine entsprechende Prominenz unter den Wissenschaftsradlern. Schließlich zeigen die Daten, was sich hinter der angestrebten Gleichstellung an Universitäten wirklich verbirgt: die Begünstigung weiblicher Bewerber und die Diskriminierung männlicher Bewerber. Wie dies mit dem hehren Ziel, für Chancengleichheit von Wissenschaftlerinner und Wissenschaftlern offensiv sein zu wollen, vereinbart werden kann, ist mir nicht nachvollziehbar.

Für männliche Bewerber, die sich auf eine Professur bewerben wollen und die einer Diskriminierung entgehen wollen, seien die Universitäten und Fachhochschulen der Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen empfohlen. Ansonsten kann man männlichen Bewerbern eigentlich nur davon abraten, sich an einer deutschen Hochschule zu bewerben, denn, wie sich zeigt, erfolgt die Auswahl geeigneter Bewerber nicht nach meritokratischen Prinzipien, sondern nach Geschlecht und dies allein sagt schon eine ganze Menge über die deutsche Wissenschaftslandschaft aus, in der schweigende Professoren dabei zusehen, wie alles, was Wissenschaft ausmacht, dem Wahnsinn des Staatsfeminismus geopfert wird.

Das Folgende ist ein Kommentar von Dr. habil. Heike Diefenbach, der mir zu wichtig war, als dass ich ihn im Kommentarbereich belassen wollte:

Zum Beitrag zu ergänzen wäre, glaube ich, dass sich angesichts der 16. Fortschreibung des Datenmaterials zu Frauen in Hochschulen …, die mit „Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung“ betitelt ist, jedem, der sich einmal halbwegs ernsthaft mit Gleichheit oder Gerechtigkeit in irgendeinem Bereich beschäftigt hat, und insbesondere Bildungsforschern graue Haare wachsen oder sich die Fußnägeln ringeln sollten, denn es sollte doch wohl zumindest diesen Personen klar sein, dass von der Betrachtung von ERGEBNISgleichheit nicht auf das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von CHANCENgleichheit geschlossen weden kann, denn Chancengleichheit impliziert keineswegs, dass ein Gut, auf das alle die gleichen Chancen haben, am Ende zu gleichen Anteilen auf alle verteilt sein muss. Genau diese Letztere wird aber im Papier betrachtet, in dem es doch eigentlich um Chancengleichheit gehen soll.

Ich verstehe nicht, wie man einen so dummen Denkfehler machen kann. Wie, bitte, kommt man denn überhaupt auf die seltsame Idee, dass Chancengleichheit zu Ergebnisgleichheit führen müsste? Die einzig denkbare logische Verbindung ist herstellbar, wenn man annimmt, dass es keine verschiedenen Menschen gibt, sondern Klone oder Zombies oder irgendwelche Einheiten, die sich in keinerlei Eigenschaften voneinander unterscheiden oder am besten überhaupt keine Eigenschaften haben außer, dass sie Einheiten vom selben sind. Denn nur dann, wenn alle dasselbe wollen und dasselbe machen ist es überhaupt vorstellbar, dass alle bei gegebenen gleichen Chancen die gleichen Wahlen treffen, die sich in Ergebnisgleichheit niederschlagen würden.

Es sollte doch nun wirklich nicht so schwierig sein, das zu verstehen, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt! Man könnte meinen, das Papier sei eine bewusste Irreführung, aber ich bin ziemlich sicher, dass es einfach ein Produkt von Ignoranz gepaart mit dem ewig stupide und gebetsmühlenhaft wiederholten Mantra „Frauen sind benachteiligt – Frauen müssen vom Staat gefördert werden – Frauen sind benachteiligt – Frauen ….“ ist.

Denn auch, wenn es mir fernliegt zu behaupten, die Mehrheit der Kollegen Sozialwissenschaftler an deutschen Universitäten würde die konzeptionellen Unterschiede zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit, Nachteilen und Benachteiligung etc. auch nur ansatzweise verstehen (oder sich, obwohl es ihr Job ist, auch nur dafür interessieren), sollte man nämlich in Rechnung stellen, dass der so genannte Wissenschaftsrat alles andere als ein Rat von Wissenschaftlern ist und noch weniger ein Rat von Leuten, die irgendein klares Konzept von Wissenschaft haben. Vielmehr ist die Bezeichnung „Wissenschaftsrat“ so irreführend wie der Titel des Papiers, das angeblich von „Chancengleichheit“ handelt; in ihm sind nämlich neben Leuten, die einen Job an der Uni haben, „Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens“ zugange, also Leute, die aus keinerlei erfindlichem Grund etwas mit Wissenschaft zu tun haben könnten, aber einen Nebenerwerb gebraucht haben und sich anscheinend durch die Vorsilbe „Wissenschaft“ im Rat mit einer Aura der Fachkompetenz umgeben zu können glauben.

Vielleicht erklärt das, warum diese Leute Konzepte nicht verstehen und sich um Kopf und Kragen reden, und das Ganze hat unbestreitbar einen gewissen Unterhaltswert, aber dennoch ist nicht zu entschuldigen, was dieser „Rat“ meint, von sich geben zu müssen – nicht nur wegen der sachlich falschen und polemischen Aussagen, sondern auch und vielleicht vor allem, weil er dazubeiträgt, Wissenschaft und vor allem Sozialwissenschaften zu einer noch größeren Lachplatte zu machen als sie ohnehin schon sind.

Habe ich als Sozialwissenschaftlerin denn kein Recht auf Chancengleichheit, nämlich die gleiche Chance wie andere Leute in Professionen, noch Ernst genommen werden zu können??????

Die Mutation einer Nachricht oder öffentlich-rechtliche Meinungsmache

Medienwirkungstheorien weisen Medien in der Regel Effekte auf den öffentlichen Diskurs zu. Medien strukturieren den öffentlichen Diskurs, in dem sie eine Agenda setzen ( die sie, nolens volens aus der Agenda des öffentlichen Diskurses entnommen haben). Medien geben bestimmten Themen Prominenz oder „Sichtbarkeit“ (Salience), sie betonen bestimmte Themen vor anderen (Priming) und haben eine Gatekeeping-Funktion. Besonders die Gatekeeping-Funktion ist sehr interessant, denn die Forschung, Jaeckeldie sich dahiner versteckt, fragt danach, wie bestimmte Themen in die Medien kommen, genauer: Wie Redakteure in Medienanstalten (Anstalten!) aus der Flut der Informationen diejenigen aussortieren, die sie für berichtenswert halten. Untersuchungen in diesem Bereich, die in den USA eine lange Tradition haben, erbrachten dabei regelmäßig Ergebnisse, die die Hoffnung auf „objektive Medien“ oder den Glauben an „objektive Medien“ heftig erschüttert haben, in dem sie die Auswahl der Themen als Ergebnis von Vorlieben eines bestimmten Redakteurs, Weisungen, von Vorurteilen und Stereotypen, die besonders bei Medienschaffenden in endemischem Ausmaß vorhanden zu sein scheinen, ausgewiesen haben (dazu gibt es gute Abhandlungen in Kepplinger, 1989, S.9-15 und in Jäckel, 2005, S.185-210). Diese Ergebnisse bitte ich die Leser bei der nun folgenden Reise, deren Ziel darin besteht, die Mutation einer Nachricht nachzuvollziehen, im Kopf zu behalten (Übrigens gehen alle angesprochenen Theorien davon aus, dass die Nachricht, die von Medien veröffentlicht wird, irgendwie mit der Realität, über die berichtet wird, übereinstimmt. Eine Annahme, die nicht immer zutreffen muss, wie sich gleich zeigen wird.)

Ausgangsmeldung

Die Reise beginnt mit einem Informationsblatt für Medienvertreter, das auf den Seiten der „Drogenbeauftragten der Bundesregierung“ zu finden ist, und mit hoher Wahrscheinlichkeit (es kommen Zahlen darin vor) von Mitarbeitern des Bundeskriminalamts erstellt wurde. Darin finden sich unter „Zahl der Drogentoten“, die folgenden Angaben:

  • Im Jahr 2012 sank die Zahl der drogenbedingten Todesfälle auf 944 (minus 4 Prozent gegenüber 2011 mit 986) und damit auf den niedrigsten Stand seit 1988 (1988: 670).
  • Haupttodesursache: Überdosis von Heroin/Morphin in Verbindung mit anderen Substanzen.
  • Der männliche Anteil der Drogentoten betrug 81 Prozent.
  • Der Altersdurchschnitt der Drogentoten lag mit über 37 Jahren leicht über dem des Vorjahres.

Mutation 1

politiciansWie immer wenn Zahlen, die etwas über einen Ausschnitt der Realität in Deutschland aussagen, veröffentlicht werden, müssen sich „Beauftragte“ oder Politiker zu Wort melden, die die Daten mit ihrer jeweiligen Ideologie mischen, um die daraus entstehende Pampe „den Bürgern“ servieren zu können. Im vorliegenden Fall hat sich Mechthild Dyckmans, die Rechtswissenschaft studiert hat und von der deshalb niemand erwartet, dass sie mit Zahlen oder mit Realität umzugehen vermag, an den oben dargestellten Informationen, dem darin enthaltenen Datenmaterial, versucht. Das Ergebnis steht in einer „Gemeinsamen Presseerklärung“ und lautet:

„Es ist erfreulich, dass immer weniger Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums sterben. Das zeigt, dass unsere Beratungs- und Hilfsangebote sowie die zur Verfügung stehenden Angebote wirken. Aber jeder Drogentote ist einer zu viel. Deshalb müssen wir alles tun, damit diese Angebote erhalten bleiben und noch besser auf Risikogruppen zugeschnitten werden. Besonders über die Gefahren des Mischkonsums muss noch besser aufgeklärt werden. Sorge bereitet mir, dass die Zahl der verstorbenen Frauen angestiegen ist“.

Mutation 1 enthält zunächst einmal einen Fehlschluss, denn ob der Rückgang der Drogentoten etwas mit den Hilfsangeboten zu tun hat, wäre zu klären. Auf Grundlage der zur Verfügung stehenden Daten könnte man auch davon ausgehen, dass die Zahl der Drogentoten trotz der Hilfsangebote zurückgegangen ist. Über die Wirkung von Hilfsangeboten sagen die vorhandenen Daten nämlich schlicht nichts aus. Aber der Drogenbeauftragten ist diese Wertung besonders wichtig, haben doch soziale Probleme, die geringer werden, die unangenehme Konsequenz, dass die Steuermittel, die zur Beseitigung der nämlichen sozialen Probleme eingesetzt werden, reduziert werden könnten. Und die Angst, dass die finanziellen Mittel für die eigene Organisation reduziert werden könnten, hat noch jeden Funktionär auf die Beine gebracht und seiner Phantasie Flügel verliehen. Entsprechend fliegt Dyckmans auf die Erhaltung der Angebote auch bei geringerer Nachfrage und, ja, eigentlich sind trotz Rückgang mehr Mittel notwendig, denn die Angebote müssen noch besser auf Risikogruppen zugeschnitten werden.

Schon komisch, dass dann, wen offensichtlich nicht gut zugeschnitte „Angebote“ zu einem Rückgang von Drogentoten führen, die entsprechenden Angebote noch besser zugeschnitten werden müssen. Das ist zumindest legitimationsbedürftig, und was wäre besser, um Ausgaben im heutigen Klima zu legitimieren als Frauen zu instrumentalisierung und einmal mehr zu viktimisieren? Folgerichtig machen Frauen der Drogenbeauftragten Sorgen (den Anlass zur Sorge hat Ihr offensichtlich ein williger Referent aus einer Tabelle, die dem Informationsblatt für Medienvertreter angehängt ist, beschafft) und nicht etwa die 944 Drogentoten, ja nicht einmal die 177 weiblichen Drogentoten machen Frau Dyckman Sorge, sondern der Anstieg um 33 weibliche Drogentote macht ihr Sorgen. Gerechnet auf die Anzahl aller Drogentoten ist dies ein Anstieg um rund 4%, ein Anstieg, den man nicht groß genug reden kann und neben dem die Tatsache, dass 81% der Drogentoten im Jahre 2012 männlich sind, natürlich verblasst und keinerlei Anlass zur „Sorge“ bereitet.

Mutation 2

Media distortionMedien, einst von Politikwissenschaftlern als vierte Gewalt aufgebaut und zum Kontrollorgan von politischen Parteien und Herrschaftssystem stilisiert, haben seither regelmäßig und in deutlicher Weise gezeigt, dass sie nichts von beidem sind. Weder kontrollieren Medien noch sind sie eine vierte Gewalt, bestenfalls eine vierte Kolonne. Dafür können Medien jedoch nichts, denn Medien sind einfach nur Begriffshüllen, die von Medienschaffenden bewohnt werden. Und unter diese Medienschaffende verirren sich ganz offensichtlich kaum mehr kritische Geister oder Personen, die versuchen, Nachrichten an die Öffentlichkeit zu vermitteln. Die meisten Medienschaffenden scheinen ihre Aufgabe nicht in der Information, sondern in der Desinformation zu sehen, in der Vermittlung um ideologische Bewertungen angereicherter und sinnentstellter „Inhalte“. Entsprechend dieser „Agenda“ ist bei der ARD aus der hier berichteten Meldung, Folgendes geworden:

Mehr Frauen sterben an Drogen. … Dramatisch allerdings ist die Situation bei den Frauen. Im vergangenen Jahr starben 177 und damit 33 mehr als im Jahr zuvor. Drogenbeauftragte Dyckmans (FDP) äußerte sich besorgt: „Hier müssen wir sehen, ob die Angebote nicht ausreichend sind.“

Ich bin mittlerweile zu der Ansicht gelangt, dass Genderismus ein Krankheitsbild darstellt. Personen, die mit Genderismus infiziert sind, zeichnen sich durch eine psychopathologische Fixierung auf das weibliche Geschlecht aus, sehen in Veränderungen von 4% dramatische Situationen und sind permanent im sozialtechnologischen Hilfemodus unterwegs. Ich habe bereits über das Frauenbild dieser selbsternannten Gutmenschen geschrieben und will mich hier nicht wiederholen. Allerdings kann ich es mir nicht verkneifen, einmal mehr darauf hinzuweisen, dass derartige Formen von Wahnsinn, wie sie der Genderismus hervorbringt, früher zur Institutionalisierung oder doch zumindest zur Ruhigstellung der Befallenen geführt haben, während sie heute munter in öffentlich-rechtlichen Sendern herumzuspringen scheinen. Der von mir so gerne zitierte Bertrand Russell hat es einst furchtbar gefunden, dass die einzige Möglichkeit, den Irren, der sich für ein Rührei hält, als irr beurteilen zu können, sich daraus ergeben könnte, dass er sich in der Minderheit befindet. Was er wohl sagen würde, wäre er heute und nur für kurze Zeit deutschen öffentlich-rechtlichen Medien ausgesetzt? – Kaum vorstellbar.

Literatur

Jäckel, Michael (2005). Medienwirkungen. Ein Studienbuch zur Einführung. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.

Kepplinger, Hans Mathias (1989). Theorien der Nachrichtenauswahl als Theorien der Realität. Aus Politik und Zeitgeschichte B15: 3-16.

Geschlechterforscher fordert: Liebeslieder verbieten!

Berlin, rp.

Der Berliner Geschlechterforscher und Theologe David Thaler hat sich mit einer radikalen Forderung an die Öffentlichkeit gewendet: "Liebeslieder raus aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk", so fordert Thaler. 

mxpre5239Liebeslieder, so Thaler, feierten in den meisten Fällen Heterosexualität und machten Homosexuellen deutlich, dass sie kein normaler Bestandteil moderner Gesellschaften seien. Diese Form der Homophobie, so Thaler, vergifte das öffentliche Klima und störe den öffentlichen Frieden. Schwule und Lesben sollten nicht länger aushalten müssen, dass man sie öffentlich diffamiere und ausgrenze. Nichts anderes geschehe in Liebesliedern in denen mehr oder weniger offen die Freuden z.B. heterosexueller Aktivitäten gefeiert würden.

Der Vorschlag Thalers ist im Zentrum für Interdisziplinäre Frauen und Geschlechterforschung der TU-Berlin und am Zentrum für Transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität Berlin auf Zustimmung getroffen. So hat Anna Lisa Müller vom Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung darauf hingewiesen, dass in Liebesliedern nicht nur heterosexuelle Beziehungen als gesellschaftliche Norm dargestellt würden, sondern hedonistische Motive im Vordergrund stünden. Dies sei immer dann der Fall, wenn auf private Motive an einer Beziehung, die häufig im sexuellen Bereich liegen würden, und eben nicht auf soziale Motive an einer Beziehung wie z.B. den Dienst an der Gemeinschaft und die Sicherung des Fortbestands des Volkes, verwiesen werde.

Auch Thomas Schelle vom Zentrum für Transdisziplinäre Geschlechterstudien findet den Vorschlag von Thaler gut und richtig und ist darüber hinaus der Meinung, dass es höchste Zeit war, gegen das Feiern einer überbordenden Männlichkeit, wie sie in Liebesliedern stattfinde, vorzugehen. Vor allem in Reggae und Hip Hop gingen  das „Sexuelle“ und eine überbordende Männlichkeit eine intime Beziehung ein, die im Hip Hop mittlerweile dazu geführt habe, dass Eltern vor den „explicit lyrics“ gewarnt würden.

Bald in Deutschland verboten?

Bald in Deutschland verboten?

Schlimmer noch, so Schelle, sei es im Reggae. Bob Marley, einer der Protagonisten dieser Südseeinsel-Musik sage in einem Liedtext explizit. „I am willing and able, and I throw my cards on the table“. Dieses Feiern von Fähigkeit und von Leistungskraft, das dem unmenschlichen System des Kapitalismus eigen sei, und man müsse Marley aufgrund seines Erfolgs und des damit verbundenen Umsatzes als Kapitalist sehen, auch wenn er im Slum aufgewachsen sei, dürfe in einer modernen und durchgegenderten Gesellschaft nicht mehr als gesellschaftliche Normalität zur besten Sendezeit im Rundfunk verbreitet werden. Auch sei der martialische Akt, Karten auf den Tisch zu werfen, einer modernen Genderlichkeit nicht mehr angemessen.

Dies gelte auch für Liedtexte, in denen höchste Leistungskraft in eindeutigen heterosexuellen Situationen gefeiert würden, wie dies in „I want to make you sweat“ von Jacob Miller (Inner Circle) der Fall sei. In einer Zeit, in der Homosexualität zur gesellschaftlichen Normalität geworden sei, sei ein Feiern heterosexueller Leistungskraft ebenso wenig angezeigt wie es angezeigt sei, das aktiv Männliche einem passiv Weiblichen, wie dies im Lied von Miller der Fall sei, gegenüber zu stellen. Es müsse endlich Schluss sein mit der Bevorzugung heterosexueller und Diskriminierung homosexueller Lebensweisen, so Schelle abschließend.

Mit dieser Forderung schließt sich Schelle explizit Thaler an, der seinen Vorstoß wie folgt zusammefasst: „Wir können nicht länger einen großen Teil der Bevölkerung durch Liebeslieder verstören, die einen heterosexuellen Lebensentwurf feiern, der von diesem Teil der Bevölkerung nicht geteilt wird“. Dies, so Thaler, sei diskriminierend, homophob und sexistisch und deshalb sofort zu beenden. Die Chance zur Durchsetzung seiner Forderung schätzt er als gut ein. Das derzeitige gesellschaftliche Klima sei günstig um Queer-Ideen durchzusetzen. Sei erst einmal das Verbot für Liebeslieder in öffentlich rechtlichen Sendern durchgesetzt, dann könne man private Sender zur „Compliance“ anhalten, wie dies bei der Frauenquote auch gelungen sei, bei der öffentliche Arbeitgeber Vorreiter gewesen seien.

Das Ende von Vielfalt und Pluralismus – leider keine Dystopie

DGBBVFallen Sie auch einer unsäglichen Öde und Hoffnungslosigkeit zum Opfer, wenn Sie einen Blick auf Politiker werfen? Haben Sie auch dieses Gefühl von, deja vue, wenn Sie einen Funktionär vor sich sehen? Und das Fernsehprogramm: immer dieselben Unsympathen in immer denselben Rollen-Stereotypen mit immer demselben Aussehen von der Stange, so als wären sie handverlesen, um die neue Uniformität deutlich zu machen. Die Formulare von Bank X, bei der Sie ein Konto eröffnen wollen, stimmen mit denen von Bank Y überein, nur Kopf und Logo sind unterschiedlich. Anwalt R verwendet die selben Textbausteine wie Anwalt W – die Anwaltskammer macht’s möglich. Die Aufschriften auf Packungen sind normiert: Bei Plastik droht Kindern Erstickungsgefahr und bei Karton ist alles recycled. Die Birne in ihrer Lampe macht zwar nicht hell, aber sie entspricht der Regulation, und wenn Sie denken, Sie können eben einmal nach Tschechien fahren und eine normale Glühbirne erwerben, die auch Licht gibt, dann haben Sie sich geirrt: Harmonisierung!

cdu_bvBauern in Bayern erhalten dieselbe Subvention pro Liter Milch wie Bauern in Wales. Die Sicherheitsbestimmungen auf dem Flughafen in Heathrow entsprechen den Sicherheitsbestimmungen in Frankfurt. Der Vertreter einer beliebigen europäischen Gewerkschaft muss überhaupt nicht den Mund aufmachen, man weiß auch so, was er sagen will. Bei Funktionären von FIFA, UEFA oder DFB muss man nicht hinsehen, um zu wissen, die meisten sind übergewichtig und die, die es nicht sind, sind zumeist bestechlich oder zumindest einer kleinen Gabe nicht abgeneigt.

Mitglieder von Attac sehen weltweit gleich aus. Bei Greenpeace und anderen NGOs, die gutes zu tun, vorgeben, weiß man genau, welche ideologische Ausrichtung sie haben, dass die Spendenbitte auf dem Fuß folgt und dass sie natürlich eine Frauenquote in Aufsichtsräten von Vorständen befürworten. Und immer und immer wieder weiß man ohne genau hinzusehen, dass die große Mehrzahl derjenigen, die in der Öffentlichkeit große Worte schwingen, anderen ins Gewissen reden, sie von dem, was (für sie) gut ist, überzeugen wollen, in ihrem Leben noch nie etwas mit ihren Händen gearbeitet haben. All die beschriebene Gleichförmigkeit, die Soziologen dazu veranlassen kann, zu verzweifeln, insbesondere, wenn sie einen individualistischen Ansatz pflegen, muss erklärt werden: Warum sind Funktionäre, Politiker, Bürokraten, Verwaltungsangestellte oder Lehrer einfach untereinander austauschbar, ohne dass man einen Unterschied bemerkt?

uniformitIch könnte es mir nun einfach machen und sagen, weil ihre Leistung nicht an einem objektivierbaren Ergebnis gemessen wird, man daher keine Möglichkeit der Unterscheidung zwischen ihnen hat (außer vielleicht, dass Gewerkschaftsfunktionäre Champagner bevorzugen, während Parteifunktionäre eher auf Prosecco stehen…). Aber das ist zu einfach und erklärt nicht, warum man den Chef von „verdi“ in den Bundestag stellen und als Gesundheitsminister verkaufen könnte, und niemand würde einen Unterschied bemerken. Nein. Diese Antwort ist nicht befriedigend. Deshalb habe ich auf einen legendären Artikel zurückgegriffen, den Paul DiMaggio und Walter Powell im Jahre 1983 veröffentlicht haben, und auf dessen Grundlage man erklären kann, warum nan den Chef von Greenpeace mit dem Chef von Human Rights Watch austauschen kann, ohne dass jemand den Austausch bemerkt.

DiMaggio und Powell starten bei Max Weber und seiner These, nach der Bürokratien geschaffen werden, um Effizienz und Wettbewerb zu ermöglichen. Die Standardisierung in Bürokratien, so hat Max Weber geglaubt, erleichtere nämlich den Tausch von Gütern, u.a. dadurch, dass die Tauschregeln und der Ablauf eines Tausches festgelegt sind. Bürokratie war für Max Weber durch ihre Effizient legitimiert und nur durch ihre Effizienz. Wenn Bürokratie nicht zu Effizienz im Wettbewerb und in Märkten führt, dann hat sie für Max Weber keinen Sinn und keine Daseinsberechtigung (Max Weber hat bis 1920 geschrieben und somit die EU nicht gekannt…).

Weber WirtGesDiMaggio und Powell setzen hier an und machen aus dem Idealtypus von Bürokratie, wie ihn Max Weber beschrieben hat, einen Realtypus, der beschreibt, was wirklich ist. Bürokratie, so sagen DiMaggio und Powell ist nicht über Effizienz legitimiert, vielmehr ist es so, dass Bürokratien ein sich selbsterhaltendes System geworden sind, das sich nicht über seine Effizienz legitimiert, sondern über seine Existenz, und je mehr Bürokratie vorhanden ist, desto legitimer erscheint Bürokratie. Das passt schon eher zur Europäischen Union und ihrer Bananen-Krümmunsgwinkel-Richtlinie, und man könnte es als die normative Kraft des Faktischen beschreiben. Gibt es erst einmal Bürokratie, dann folgt die Ansicht, dass die viele Bürokratie legitim sein müsse, weil wäre sie es  nicht, dann gäbe es sie nicht, als astreine Tautologie auf dem Fuß. Wir leben eben nicht in einem rationalen, sondern in einem irrationalen Zeitalter, in dem der Wahnsinn nicht mehr auffällt, weil er zur bürokratischen Methode geworden ist (Wenn Sie nicht wissen, was ich meine: Sind Sie auch schon der Geldwäsche verdächtigt worden, weil sie eine Lebensversicherung abgeschlossen haben?).

Bürokratie, so DiMaggio und Powell, schafft sich selbst und legitimiert sich, durch den Akt der Ausbreitung. Das erklärt, warum man heutzutage nichts mehr tun kann, ohne auf Bürokratie und Normierung zu stoßen. Aber es erklärt noch nicht, warum die Vertreter der Bürokratie, die Funktionäre, Nicht-Regierungs-Aktivisten, die Politiker und alle anderen, die mit Worten ihren Lebensunterhalt verdienen, alle so uniform, so austauschbar, so gleichförmig sind. Zurück zu DiMaggio und Powell: Die Abkehr von der Effizienz hin zu Existenz als Legitimationsgrund und die immer größer werdender Übereinstimmung zwischen verschiedenen Organisationen führen DiMaggio und Powell auf Isomorphie zurück: „Isomorphism is a constraining process that forces one unit in a population to resemble other units that face the same set of environmental conditions“ (DiMaggio & Powell, 1983, S.149). Mit anderen Worten: Gleiche Randbedingungen (z.B. durch Harmonisierung) üben einen Druck auf „units“, also zum Beispiel Institutionen, Organisationen und Unternehmen aus, sich einander anzugleichen. Es gibt für die Autoren drei Arten von Isomorphie:

  • coercive isomorphism = Zwang
  • mimetic isomorphism = Nachahmung
  • normative isomorphism = normativer Druck

Zwang zur Einförmigkeit wird von gesellschaftlichen Randbedingungen, von immer mehr Regulationen, von immer mehr Vorgaben und Ansprüchen sich an einer vorgegebenen Norm auszurichten, ausgeübt. Entsprechend hat die Europäische Union ihr Ziel der Harmonisierung dann erreicht, wenn nicht nur Funktionäre und Politiker, sondern auch Unternehmensführer, Manager und Arbeiter uniform sind, wenn Sie und ich uns nur noch durch die Nasenlänge unterscheiden, weil unsere normierte Einrichtung in unseren normierten Häusern, die von normierten Gärten, in denen normierte Spielgeräte stehen und zwei normierte Kinder auf Zuruf schreien, identisch sind.

Die Notwendigkeit zur Nachahmung ergibt sich aus der Unsicherheit, die u.a. dadurch hergestellt wird, dass immer neue Regulationen Dinge regulieren, an die man bislang gar nicht gedacht hat. Entsprechend schaut man, was andere machen, um dann, wenn es schief geht, zumindest nicht alleine dazustehen. Der vorauseilende Gehorsam, mit dem manche Unternehmen, wie die Telekom, eine Frauenquote eingeführt haben, schafft entsprechend einen Präzedensfall und führt eine Harmonisierung zwischen Unternehmen herbei, bei anderen, die die Telekom zum Vorbild nehmen. Ähnliches kann man bei der Corporate Social Responsibility beobachten: Nicht mehr unternehmerische Ziele bestimmen das Unternehmensmanagement, sondern Compliance mit Umweltnormen, die wiederum von Umweltorganisationen, die sich zum verlängerten Arm der EU gemacht haben, überwacht werden.

zombiesDer normative Druck nimmt die Ergebnisse von Genderstudies und Bologna Prozess vorweg: Studenten, die keine eigenen Gedanken mehr haben und außer Kurs-Credits und Leistungsanforderungen nichts von bestimmten Seminaren erinnern, gleichgeschaltete Absolventen, die z.B. die Litanei des Staatsfeminismus herunterbeten können, wie einst Marxismus-Leninismus(ML)-Kader in der DDR die Gebete des ML auswendig kannten. Diese Zombies, die ihr Leben verbringen können, ohne auch nur eine einzige unabhängige Idee zu entwickeln, sind der Stock, aus dem sich wiederum die oben beschriebenen Funktionäre rekrutieren, die Politiker, die Gewerkschaftler, die Nicht-Regierungs-Aktivisten usw. Diese Dystopie, die derzeit von Harmonisierungs-Fanatikern, Staatsfeministen und geistlosen und ideenlosen Funktionären und Bürokraten in die Tat umgesetz wird, ist der Grund dafür, dass ich oben beklagt habe, dass die vielen institutionellen Zombies noch nie eine Arbeit mit ihren Händen ausgeführt haben. Hätten sie z.B. ihr Studium auf dem Bau verdient, dann hätte es passieren können, dass sie mit den Folgen von Regulationen konfrontiert worden wären, damit, dass praktisch nicht umsetzbar ist, was in bürokratischen Gehirnen ausgebrütet wurde oder auch nur damit, dass Menschen die Lust an Engagement und Einsatz verlieren, wenn sie ständig bürokratischer Gängelung ausgesetzt wird. Aber all diese Eindrücke aus dem wirklichen Leben fehlen den institutionellen Zombies, und entsprechend gibt es nichts, was ihrer Regulierungswut, was der Beseitigung von Vielfalt und Pluralismus durch Zombies, die gar nicht wissen, von was da eigentlich die Rede ist, Einhalt gebieten könnte.

DiMaggio, Paul J. & Powell, Walter W. (1983). The Iron Cage Revisited: Institutional Isomorphism and Collective Rationality in Organizational Fields. American Sociological Review 48(2): 147-160.

Unsinn der Woche: Diebstahl an der Gemeinschaft

Frank Wehrheim, ehemaliger Steuerfahnder für die hessische Landesfinanzverwaltung, der zwischenzeitlich das Metier gewechselt hat und nunmehr seine Erfahrungen in Buchform vertreibt, hat in der ARD ein bemerkenswertes Interview gegeben. Gegenstand des Interviews ist Uli Hoeneß, der Präsident des FC Bayern München, der eine Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung erstattet hat. Soweit so gut.

LamnekIFangen wir bei der kriminologischen Forschung oder der Analyse devianten und delinquenten Verhaltens an. Generationen von Kriminologen haben sich bemüht, Kriminalität als normales Verhalten normaler Menschen zu erklären, um von den Erbgut und anthropologischen Kategorien wegzukommen, die Kriminalität als vererbte Eigenschaft von Menschen, die manche haben und andere nicht oder als Ergebnis der Physiognomie von Menschen beschrieben haben. Kriminalität ist normal, so hat Hans Haferkamp in den 1970er Jahren geschrieben, und vor ihm haben Soziologen wie Robert K. Merton und Edwin K. Sutherland auf die sozialen und situativen Grundlagen von Kriminalität verwiesen und somit kriminelles Handeln als rationale Wahl in einer entsprechenden Situation bei entsprechenden Präferenzen erklärt. Die damals begründeten Ideen finden sich heute in allen gängigen Ansätzen der Kriminologie, im Broken Windows Approach von Wilson und Kelling (1982) ebenso wie in den Hot Spots von Marcus Felson (2002) oder dem Reasoning Criminal von Cornish und Clarke (1989).

Und dann kommt Frank Wehrheim, selbsternannter Experte für die Erklärung von Steuerhinterziehung und gibt ein Interview, das hinter alles, was erarbeitet wurde, zurückfällt.

Ich habe das Interview, in dem Uli Hoeneß, der Steuerhinterzieher, öffentlich an den Pranger gestellt wird, oben als bemerkenswert bezeichnet. Ich will hier spezifizieren, warum ich es für bemerkenswert halte:

  • Bemerkenswert ist die Nonchallance, mit der über Dinge spekuliert wird, die niemand weiß, immer unter der Prämisse, dass Uli Hoeneß ein ganz Böser ist, der durch die Welt läuft, um andere zu schädigen.
  • Noch bemerkenswerter ist, dass da ernsthaft jemand den Mund aufmacht und behauptet, Uli Hoeneß habe sich an „der Gemeinschaft“ vergangen.

LamnekIIDoch der Reihe nach. Uli Hoeneß hat gesagt, er habe keine Kapitalertragssteuer auf sein in der Schweiz deponiertes Vermögen gezahlt. Das ist, was wir bislang genau wissen. Und ginge es darum, selbst Uli Hoeneß mit Respekt und als normalen Bürger zu behandeln, es hätte damit sein Bewenden. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, Uli Hoeneß zum „Dieb an der Gemeinschaft“ aufzubauen, und deshalb wird wild spekuliert: „Das kann ich mir auch in diesem Fall vorstellen“, so sagt Herr Wehrheim. „Es kann allerdings auch so sein“, fügt er einige Zeilen weiter hinzu. „Einige bedienen sich fiktiver Geschäftsverbindungen“, weiß er wieder ein paar Zeilen weiter. Alle Spekulationen, die Herr Wehrheim anstellt, sind ausschließlich negativer Natur. Er spekuliert nicht, dass Uli Hoeneß sich vielleicht vertan hat. Er spekuliert nicht, dass etwas vergessen worden sein könnte. Er spekuliert nicht, dass es vielleicht eine Form der Notwehr gegen einen übereifrigen Staat ist, die Menschen dazu veranlasst, ihr Geld vor diesem Staat in Sicherheit zu bringen. Nein, die Welt von Herrn Wehrheim ist eine einfache. Es gibt Gute, wie ihn, und Böse wie Uli Hoeneß. Und letztere schädigen die Gemeinschaft.

Der nun folgende Teil ist der bemerkenswerteste im gesamten Interview. Er beginnt damit, dass Simone von Stosch, die das Interview für tagesschau.de führt, offensichtlich den Unterschied zwischen einem Psychologen und einem ehemaligen Steuerfahnder nicht kennt. Entsprechend fragt sie:

„Nun hat er offenbar versucht, Steuern zu hinterziehen. Wie beurteilen sie das psychologisch: Was treibt so viele Menschen, die ja genug auf dem Konto haben, zu solchen Aktionen?“

Wehrheim: „In meiner Laufbahn als Steuerfahnder habe ich dies bei allen Berufsgruppen erlebt – und quer durch alle gesellschaftlichen Schichten: bei Ärzten, Politikern, Ministern, sogar bei Finanzbeamten. Wer mehr Geld hat, der verfügt über einen größeren Hebel bei der Hinterziehung, bei dem geht es um höhere Summen. Die Energie, die dahinter steht – nämlich das Geld der Gemeinschaft vorzuenthalten – ist immer die Gleiche. Es scheint so zu sein, dass der Diebstahl an der Gemeinschaft – und nichts anderes ist Steuerhinterziehung – moralisch anders bewertet wird, als wenn man seinen Nachbarn bestiehlt. Die wachsene Gier spielt natürlich auch eine große Rolle.“

Taxes1Ich muss sagen, das ist starker Tobak, an Unsinn kaum zu überbieten, und es stellt die Welt, wie sie ist, auf den Kopf. Diebstahl setzt voraus, dass die Eigentumsrechte eines anderen missachtet und ihm sein Eigentum entwendet wird. Das Geld, das Uli Hoeneß in der Schweiz hat, ist aber nun einmal sein Eigentum. Auf dieses Eigentum von Uli Hoeneß erhebt der deutsche Staat Ansprüche in Form von z.B. Einkommens- und Kapitalertragssteuer. Dass er diese Ansprüche erhebt, macht ihn aber nicht zum Eigentümer. Hätte der gute Herr Wehrheim mit seiner abstrusen Theorie Recht, sein Auto gehörte, kraft der Kfz-Steuer nicht ihm bzw. seiner Leasing-Firma, sondern dem deutschen Staat (bzw. dem Bundesland, in dem er lebt). Das ist offensichtlicher Unsinn. Aber es ist noch nicht alles, denn Wehrheim entblöded sich nicht, eine Entität, „die Gemeinschaft“, zu schaffen und ihr gleich noch Rechte auf das Eigentum von Individuen einzuräumen.

Was soll diese Gemeinschaft sein? Und wie verhält sich „die Gemeinschaft“ zu Uli Hoeneß? Ist er Teil der Gemeinschaft? Wenn ja, dann hätte er sich selbst bestohlen, was logisch nicht möglich ist. Ist er aber nicht Teil „der Gemeinschaft“, wie kommt „die Gemeinschaft“ dann dazu, von ihm Steuern zu erheben- wofür? Normalerweise sind Steuern dazu gedacht, öffentliche Leistungen zu finanzieren. Sagen wir der Einfachheit halber: Leistungen für die Gemeinschaft. Warum sollte Uli Hoeneß also Leistungen finanzieren, von denen er nichts hat? Die kurze Ausführung zeigt nicht nur die Unsinnigkeit der Rede von „der Gemeinschaft“, sie verweist auch auf einen grundlegenden Irrtum, der Herrn Wehrheim sein Leben lang begleitet zu haben scheint: Steuern sind nichts, was Bürgern oktroyiert wird, sondern etwas, zu dessen Entrichtung sie sich im Austausch für bestimmte Leistungen entschlossen haben. Es ist also genau umgekehrt als Herr Wehrheim denkt: Nicht die Gier der Bürger führt dazu, dass sie „die Gemeinschaft bestehlen“, sondern die Gier des Staates, die sich in der Steuerhöhe niederschlägt, führt dazu, dass Bürger die Steuern als Diebstahl ansehen (und mit Recht) und versuchen, den Schaden den der staatliche Dieb anrichtet, so minimal zu halten wie nur möglich.

laffer-curveWäre Herr Wehrheim nicht nur lausiger Hobby-Psychologie, sondern z.B. auch ein wenig mit ökonomischer Forschung befasst, dann wüsste er, dass das Ausmaß an Steuerhinterziehung eine Funktion von Steuerlegitimation und Steuerhöhe (z.B. in der Laffer-Kurve beschrieben) ist. Je mehr Bürger der Ansicht sind, die Steuern seien unverhältnismäßig hoch, und je mehr sie denken, ihre Steuern würden einer Verwendung zugeführt, die sie nicht unterstützen, desto höher das Ausmaß von Steuerhinterziehung.

Aber dies sind Argumente, die in der wirklichen Welt diskutiert werden, nicht in der schwarz-weiß Welt von Wehrheim, in der der Steuerfahnder einst als Ritter des Guten die Bücher seiner Opfer durchforstet hat und in der ihm die Freude vermutlich ins Gesicht geschrieben war, wenn er ein paar Euro für „seinen Staat“ aus dem Fehlen eines Belegs für ein Buch von 25,99 Euro herauspressen konnte. Richtig, ich halte überhaupt nichts von „Bürgern“, die sich zu Bütteln ihres Staates machen und es als ihre Aufgabe ansehen, andere Bürger im Namen ihres Staates zu verfolgen. Ich halte deshalb nichts davon, weil wir genug geschichtliche Beispiele dafür haben, was das Ergebnis derartiger Herrschaftsstrukturen ist.

Und damit komme ich zu dem, was ich am Bedenklichsten finde: Uli Hoeneß wird hier, stellvertretend für alle anderen, die im seit einigen Monaten andauernden ideologischen Krieg gegen Menschen, die lieber keine Steuern zahlen, als die politischen Stiftungen der Parteien und alle politischen Vasallen, die sonst noch auf Kosten der Steuerzahler leben, zu finanzieren, öffentlich hingerichtet. Er wird zum Dieb an der Gemeinschaft stilisiert, und von hier ist es nur ein kurzer Weg zum Schädling an der Gemeinschaft oder zum Volksschädling:

„Der Ausdruck „Volksschädling“ erscheint 1920 im Völkischen Beobachter als Bezeichnung für Schieber und Wucherer: ‚Auch heute versagt das öffentliche Recht gegen die gemeinen Volkschädlinge der Schieber und Wucherer'“ (Schmitz-Berning, 2007, S.671).

Vok NationalsozialismusOriginalton Wehrheim in der öffentlich-rechtlichen Tagesschau.de, nachdem er Steuerhinterzieher als Diebe an der Gemeinschaft und von Gier getrieben dargestellt hat: „Steuervermeidung hat sich zu einem Sport entwickelt, und es gibt ja mittlerweile ganze Branchen, die Menschen dabei helfen, Steuern zu senken oder Steuern zu vermeiden. Das ist nach deutschem Steuerrecht vielleicht ganz legal“

Auch 100 Jahre nach der Feststellung im Völkischen Beobachter versagt also das Recht, nach Wehrheims Meinung. Und von dieser Feststellung, bis zur nächsten, ist es wiederum nur einen kurzen Schritt:

„Es entspricht dem Grundgedanken des nationalsozialistischen Staates, den Volksschädling und den Saboteur auch dann zu fassen, wenn er es versteht, sich zwischen den Maschen des geschriebenen Rechts hindurchzuwinden (Denkschrift des Preußischen Justizministers über ein künftiges ‚Nationalsozialistisches Strafrecht‘, zitiert nach Schmitz-Berning, 2007, S.672).“

Uli Hoeneß hat sich selbst angezeigt und derzeit weiß kaum jemand, ob und in welcher Höhe er tatsächlich Steuern hinterzogen hat. Dennoch wird er in der ARD öffentlich zum Abschuss frei gegeben. Der erste Schritt zur Überwindung des Rechtsstaates ist bereits getan und „gute Bürger“ wie Herr Wehrheim, immer zu Diensten, wenn es darum geht, die Sache des Staates zu vertreten, stehen in vorderster Front, um (wieder?) gegen Mitbürger vorzugehen.

P.S.

Es wäre eigentlich die Aufgabe von institutionalisierten Politikwissenschaftlern auf die Parallelen hinzuweisen, wie ich sie im Text aufgezeigt habe. Aber vermutlich sind die entsprechenden Politikwissenschaftler mit so „wichtigen“ Dingen wie Gender beschäftigt und merken entsprechend nicht, was um sie herum vorgeht.

Literatur

Cornisch, Derek B. & Clarke, Ronald U. (eds.) (1989). The Reasoning Criminal. Rational Choice Perspectives on Offending. New York: Springer.

Felson, Marcus (2002). Crime and Everyday Life. Thousand Oaks: Sage.

Haferkamp, Hans (1972). Kriminalität ist normal. Zur gesellschaftlichen Reproduktion abweichenden Verhaltens. Stuttgart: Enke.

Merton, Robert K. (1958). Social Theory and Social Structure. Glencoe: Free Press.

Schmitz-Berning, Cornelia (2007). Vokabular des Nationalsozialismus. Berlin: de Gruyter.

Sutherland, Edwin K. (1947). Principles of Criminology. Philadelphia: Lippincott.

Wilson, James Q. & Kelling, George L. (1982). Broken Windows.

Teilzeitarbeit: optimales Mittel für Herrschaft und Kontrolle

Halten Sie eigentlich eine Balance zwischen Work und Life? Der moderne Mensch, wie ihn sich Staatsfeministen träumen, hat seine Work-Life-Balance, ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Leben (Wir lernen: Leben hat nichts mit Arbeit zu tun). Selbstverständlich ist das Gleichgewicht kein individuell gewähltes, sondern ein institutionell vorgegebenes.

Work life balanceAn keinem Punkt der staatsfeministischen Ideologie wird die Einheit zwischen Sozialismus und Staatsfeminismus so deutlich wie in der Work-Life-Balance. Der sozialistische Kampf gegen Kapitalismus, wird im Rahmen der Work-Life-Balance zum sozialistisch-staatsfeministischen Kampf gegen die vorgeblich hegemonial-männlichen Werte von Arbeit und Leistung. Wer mehr als 32 Stunden in der Woche arbeitet, ist hegemonial männlich, opfert sein Leben der Arbeit, suspekt und mit Vorsicht zu betrachten, denn er weicht von der Vorgabe ab, die ihm der Staatsfeminismus im Hinblick auf die richtige Form der Lebensführung, die richtige „Work-Life-Balance“ macht.

Teilzeitarbeit passt perfekt in den sozialistischen Traum, den die Mittelschicht träumt: möglichst nichts arbeiten, bei vollem Lohnausgleich. Und Teilzeitarbeit passt perfekt in den staatsfeministischen Traum, den die feministische Mittelschicht träumt und dessen Ziel darin besteht, die Normen von Arbeit und Leistung zunächst als männlich zu deklassieren und dann nach Möglichkeit zu beseitigen. Warum? Arbeit und Leistung sind individuelle Eigenschaften. Sie schaffen Unterschiede und Pluralismus. Beides ist der Nukleus von Unkontrollierbarkeit. Wie soll man Menschen kontrollieren, die ihre Leben nach eigenen Vorstellungen planen und leben? Wie viel einfacher ist es, das Heer von Teilzeitarbeitnehmern und Work-Life-Gebalancten zu kontrollieren, die zur angegebenen Zeit am angegebenen Ort erscheinen, um dort das Vorgegebene (in Work wie in Life) zu tun? Kontrolle über Individuen zu haben, war zu allen Zeiten und an allen Orten das Ziel der Herrschenden, die staatsfeministische Harmonisierung, besser: Gleichschaltung der individuellen Leben ist der beste Weg zu Kontrolle.

AcemogluKontrolle funktioniert und funktionierte immer über die Schaffung von Abhängigkeit. Wer damit beschäftigt ist, Vorgaben gerecht zu werden, sozialen Erwartungen im Hinblick auf die Anzahl von Stunden, die er im Eigenheim verbringt, rechtlichen Erwartungen im Hinblick auf die Erfüllung von Verpflichtungen, wie sie mit den vorgegebenen Lebenswegen einhergehen (vom obligatorischen Kinderarztbesuch bis zum Schulpsychologen), der hat wenig bis gar keine Zeit, um eine Individualität zu entwickeln. Zudem wurde und wird die Bildung, entweder der Zugang oder der Inhalt von Bildung, regelmäßig als Kontrollmittel genutzt. Früher wurden Teile der Bevölkerung von Bildung ausgeschlossen, um sie leichter kontrollieren zu können. Heute funktionieren die Herrschaftsmittel in Schulen etwas subtiler. Niemand wird mehr ausgeschlossen. Heute wird verteilt und indoktriniert. Verteilt werden Kinder, die nicht in die Schablone vom „lieben Schüler“ passen, und zwar auf Sonder- und Hauptschulen, deren Abschluss, sofern sie überhaupt einen erreichen, was bei Sonderschulen eher die Ausnahme als die Regel ist, sie zu einem Leben in vergleichsweiser Armut oder in Abhängigkeit von Sozialarbeitern und sonstigen bereitwilligen Helfern befähigt (Es ist ein erheblicher Zynismus, dass Menschen zunächst von Bildung ausgeschlossen werden, ihnen die Möglichkeit genommen wird, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und dass sie dann, wenn ihnen erfolgreich ein eigenverantwortliches Leben verbaut wurde, zum Opfer und zur Einkommensquelle für dieselbe Schicht von Leuten werden, die für ihren Ausschluss verantwortlich sind.). Indokriniert wird über das Curriculum, das genutzt wird, um die staatsfeministische Ideologie als freie demokratische Grundordnung zu verkaufen.

Nach der schulischen Sortierung kommt die berufliche Sortierung. Wie Staatsfeminismus und Sozialismus unisono lehren, ist es schlecht, eigennützig zu sein. Vielmehr hat der Mensch ein soziales Wesen zu sein, denn soziale Wesen, diejenigen, die sich im Idealfall für die Gemeinschaft aufopfern, sind leichter steuer- und kontrollierbar. Das Soziale ist der Fetisch der staatsfeministisch-sozialistischen Gesellschaften, individuelles Streben nach eigenem Nutzen der Feind derselben. Individuen wird Sinn nur über die Einbindung in gesellschaftliche Gruppen gewährt. Sie erhalten Rechte „als Frau“, „als Kind“, „als abhängig Beschäftigter“ „als Engagierter im Bundesfreiwilligendienst“, sie werden mit Argusaugen beäugt, wenn sie ihre Individualität einklagen und ein eigenverantwortliches Leben führen wollen, oder gar nach etwas streben, was nicht im Einklang mit der staatsfeministischen Ideologie steht.

Nicht im Einklang mit Staatsfeminismus stehen, wie bereits erwähnt, als männlich deklassierte Normen von Arbeit und Leistung. Wer mehr als 40 Wochenstunden arbeitet, wird als Workoholic beschimpft. Wer sein Leben einer Berufung, einer Profession widmet, hat Glück, wenn er nicht als Volksfeind angesehen wird, und wer sich nicht an der gesellschaftlichen Fortpflanzung, dem eigentlichen Daseinszweck von Individuen im Staatsfeminismus beteiligt, der wird finanziell bestraft und gesellschaftlich geächtet.

PapaundcomputerDie Ideologie von Staatsfeminismus und Sozialismus fließt in Bildung und Arbeit zusammen. Bildung ist gefährlich, weil Individuen, die wissen, auf Ideen kommen, die staatsfeministische und sozialistische Lehren hinterfragen. Arbeit ist gefährlich, weil das aus Arbeit erzielbare Verdienst Unabhängigkeit schafft. Es ist von daher kein Zufall, dass es „der Banker“ zum bad boy moderner Gesellschaften geschafft hat. Der Banker ist an seinem Nutzen interessiert. Er arbeitet mehr als 40 Stunden, verdient gut und der Stand der Banker ist männlich dominiert. Beim Banker fließt alles zusammen, was Staatsfeministen hassen und die derzeitige Finanzkrise, als deren Ursache in sozialistischer Eintracht „die Banker“ identifiziert werden und nicht etwa sozialistische Programme wie sie z.B. (ausgerechnet) die Bush-Administration in ihrem Bemühen, möglichst viele Amerikaner im eigenen Haus zu installieren, ob sie sich das nun leisten können oder nicht, durchgeführt hat, ist der Kulminationspunkt aller Verwerflichkeit „der Banker“.

Teilzeitarbeit, so meine These, ist das Mittel, der modus operandi, der es dem Staatsfeminismus ermöglicht, seine Kontrolle über die Bevölkerung auszuweiten und zu verfestigen. Teilzeitarbeit dient einerseits dazu, mehr Fleisch für den Staat zu produzieren, denn Teilzeitarbeit ist das Patentrezept, mit dem angeblich Work und Life in Balance gebracht werden kann. Wobei Life hier nicht etwa Freizeit, sondern Fertilität bedeutet. Frauen wollen nämlich alle Kinder, und Teilzeitarbeit macht es möglicht. Aber Teilzeitarbeit ist mehr als Fertilitätsermöglicher. Teilzeitarbeit dient gleichzeitig, um männliche Arbeitsnormen von Leistung und Effizienz zu erodieren, denn auch Männer müssen in Teilzeit arbeiten, wenn sie sich vom staatsfeministischen Generalverdacht hegemonialer und nach Eigennutz strebender Mann zu sein, läutern wollen.

Wer erst einmal Teilzeit arbeitet, wer seine Work-Life-Balance im vorgegebenen Gleichgewicht hat, der kommt nicht mehr auf die Idee, er könne mehr erstreben, als ihm der Staatsfeminismus vorgibt. Er hat nicht mehr die Erlebnisse von „Flow“, wie sie sich am Ende einer Arbeitsstrecke von mehreren Stunden ergeben. Er hat nicht mehr die Erlebnisse von Effizienz und Produktivität, wie sie sich aus einer Verbesserung seiner Fertigkeiten ergeben. Er hat nicht mehr das Gefühl von Selbstwirksamkeit. Und wer Teilzeit arbeitet, bei dem verändern sich zwangsläufig die Arbeitnormen, wie eine Studie aus den Niederlanden zeigt (Wielers & Raven, 2013, S.111): „Our analyses have shown that the growth of part-time work in the Netherlands has contributed to the declining support for the work obligation norm“. Die Arbeit tritt in den Hintergrund, andere Dinge werden wichtig, Dinge, wie die Familie, die sicherstellen, dass die Individuen nicht Unabhängigkeit erreichen, sondern Abhängigkeit, die gemeinhin als Verantwortung ausgegeben wird.

vollzeitbeschaeftigte LehrerTeilzeitarbeit geht also mit einer Erosion von Arbeitsnormen einher und konsequenter Weise leidet die Arbeitsleistung als Folge davon. Hier ergibt sich eine weitere Möglichkeit der Kontrolle, da sich Teilzeitarbeiter nicht mit der selben Hingabe ihrer Arbeit widmen, kann man Teilzeitarbeiter da verstärkt einsetzen, wo eine intensive und form wie inhaltlich nützliche Vermittlung von indivdiuellen Fähigkeiten nicht mehr gewünscht ist: z.B. in Schulen. Die Abbildung zeigt den Anteil von Vollzeitlehrern in den Bundesländern. Er liegt in den meisten Bundesländern deutlich unter 70%. Auf Bundesebene ist der Anteil vollzeitbeschäftigter Lehrer an allgemeinbildenden Schulen zwischen 1992 bis 2001 von 70,6% auf 60,6% gesunken, an Grundschulen ist der entsprechende Anteil von 61,1% auf 53,2% zurückgegangen.

houchen lingwoodDer Anteil der Nebenbeilehrer, der Lehrer, die eine Work-Life-Balance entsprechend der Vorgabe hergestellt haben, ist somit gestiegen, der Anteil der Lehrer, die einen Beruf und eine Berufung „Lehrer“ ausüben, entsprechend gesunken und mit ihm, so kann man vermuten, die Qualität dessen, was in Schulen vermittelt wird. Diese Erkenntnis führt zurück zur Kontrolle, denn Kontrolle (und Macht) übt aus, wer andere in vorhersagbare Schemata pressen kann, Harmonisierung nennt das die EU, Gleichschaltung nannte man das früher. Teilzeitarbeit wurde von mir als optimales Mittel zur Ausübung von Kontrolle durch Gleichschaltung dargestellt. Teilzeitarbeit reduziert die individuellen Möglichkeiten zur Abweichung, und sie reduziert die Qualität des Ergebnisses der Arbeit. Beide Effekte laufen in Schulen, den zentralen Orten der Indoktrination zusammen. Immer mehr Teilzeit arbeitende Lehrer bringen Schülern immer weniger Dinge, die Individualität befördern, bei und reduzieren entsprechend die Zahl der Schüler, die ein anderes Leben zu leben wünschen, als im Staatsfeminismus vorgesehen. Ein gutes Beispiel sind hier Übertragungsleistungen. Übertragungsleistungen sind notwendig, damit Schüler Erlerntes auf neue Bereich anwenden und dort in der Lage sind, sich ein eigenes Urteil zu machen, eine eigene Einschätzung zu treffen. Übertragungsleistungen bleiben da auf der Strecke, wo Unterricht nach Vorschrift gemacht wird, wo sich Lehrer nicht als Person einbringen (können, mangels Fähigkeit oder Zeit), wo Schüler nicht gefordert werden, sondern nur vorgefertigten „Stoff“ beherrschen sollen. Und wie die PISA-Studien gezeigt haben, sind es gerade Übertragungsleistungen, bei denen deutsche Schüler versagen.

Dies ist die „schöne neue Welt“ des Staatsfeminismus, die nicht von ungefähr an die „schöne alte Welt“ erinnert, wie sie z.B. in der Sowjetunion und der DDR zu finden war, denn in seinem Kern ist Staatsfeminismus nichts anderes als Sozialismus.

P.S.
Die oben zitierte Studie von Wielers und Raven (2013) ist im vorliegenden Post etwas kurz gekommen, was u.a. daran liegt, dass ich mit der Operationalisierung der abhängigen Variable durch die Autoren erhebliche Probleme habe. Die abhängige Variable „Arbeitsnorm“ setzt sich aus vier Items zusammen, von denen zwei auf die Möglichkeiten zielen, die durch „Arbeit“ geschaffen werden, während zwei auf eine kollektive Ebene zielen und Arbeit als „Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft“ abfragen. Wie die Leser dieses blogs wissen, halten wir bei ScienceFiles nichts von derart kollektiven Vorgaben und im vorliegenden Fall schlägt sich die Tatsache, dass hier individuelle mit kollektiven Items gemischt werden, in einem Cronbach’s Alpha von 0.68 nieder. Ein lausig schlechter Wert, den die Autoren mit „which is about the usual reliability for this scale“ (108) abtun [Wie eine derartige Aussage Eingang in eine begutachtete Fachzeitschrift wie die European Sociological Review finden kann, ist mir nicht nachvollziehbar. Vielleicht üben sich die Gutachter ja als Teilzeit-Wissenschaftler]. Ich gehe davon aus, dass man die Reliabilität deutlich verbessern würde, trennte man die individuellen Items von den kollektiven. Aber ich habe nicht die Originaldaten der Autoren zur Verfügung, um diese Annahme, die die Erfahrung nahe legt, zu prüfen und mich entsprechend dazu entschlossen, die Ergebnisse der Autoren nur in der Tendenz und nicht im Einzelnen hier zu präsentieren.

Wielers, Rudi & Raven, Dennis (2013). Part-Time Work and Work Norms in the Netherlands. European Sociological Review 29(1): 105-113.

Exzellenz Initiative: ScienceFiles Strategisches Management für Anfänger

exzellenzinitiative II KopieExzellenzinitiativen sind der neueste Schrei. Selbst die Bundesregierung ist um Exzellenz bemüht, z.B. bei Universitäten. In Europa gibt es eine European Foundation of Quality Management, die sich um die Exzellenz von Unternehmen kümmert, und nichts ist so gegenwärtig in Management- und Marketingliteratur wie die Versuche, bei Unternehmern und Managern ein Bewusstsein für die Notwendigkeit von Exzellenz, von überlegenem Service, von After Sales Service, Kundenmanagement, Einkauf (Procurement), Lagerhaltung und was man sonst alles optimieren und auf eine Balanced Scorecard schreiben kann, zu schaffen. Und der Weg zum Olymp wird durch Strategisches Management geebnet.

Der Begriff des „Strategischen Managements“ ist wie so viele Begriffe im Management, ein sehr schillernder: Jeder benutzt ihn, die wenigsten wissen, was sie damit sagen (wollen). Manche nehmen Zuflucht zur griechischen Mythologie (Joyce & Woods, 2001), um ihm zu Leibe zu rücken, andere definieren ihn als Tautologie, nach der strategisches Management, strategische Entscheidungen beinhalte (Stahl & Grigsby, 1997, S.9), wieder anderen lösen das Problem dadurch, dass Sie die Bestimmung dessen, was strategisches Management nun sein soll, vermeiden. Sie wenden sich anderen Dingen zu, z.B. der Frage, welche Maßnahmen man im Rahmen von Strategischem Management treffen kann (Hungenberg, 2004) oder welche Perspektiven man im Rahmen des Strategischen Managements einnehmen kann (Kaplan & Norton, 1996). Aber alle sind sich einig: Strategisches Managment ist wichtig, wichtig für Exzellenz und, naja, eben für so richtig alles – vielleicht sogar für Profit.

Das hat uns überzeugt!

Und deshalb haben wir uns während des Abendessens und in Anbetracht einer Reihe von unterirdischen Kommentaren, die uns über die Tastatur desperater Individuen, die mit ihren Lebensentscheidungen offensichtlich nicht leben können, erreicht haben, entschlossen, bei ScienceFiles ein Strategisches Management einzuführen und es gleich zu nutzen, um eine Exzellenzinitiative zu starten. Nach sorgfältiger Analyse der relevanten Management-Literatur und unter dem Einfluss von „Old Peculiar“ haben wir die folgenden Variablen als konstituierend und insbesondere für die Exzellenz von ScienceFiles wichtig, ausgefiltert:

  • Corporate Vision, hier: ScienceFiles Vision
  • Corporate Mission, hier: ScienceFiles Mission
  • Corporate Social Responsibility
  • Corporate Image, hier: ScienceFiles Image
  • Corporate Identity, hier: ScienceFiles Identity
  • Compliance, hier: aussichtslos für ScienceFiles, daher nur für Leser relevant
  • Human Resource Management, fällt unter Corporate Identity (oder umgekehrt)

Und hier nun unser ScienceFiles Whitepaper on Excellence.

ScienceFiles Vision

ScienceFiles ist der kritischen Wissenschaft gewidmet. ScienceFiles hat das Ziel, den Missbrauch von Wissenschaft aufzuzeigen und Kriterien von Wissenschaftlichkeit in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Entsprechend ist es unsere Vision:

little alien„… that there is an intelligent life form on the other side of the screen“ Manager sprechen Englisch, was uns sehr zu pass kommt, weil wir im täglichen Leben auch viel Englisch sprechen, aber um nicht nicht Englisch-Sprecher zu überfordern, haben wir uns entschlossen, dennoch unsere Vision zu übersetzen (was ist eine Vision wert, die viele nicht verstehen?: „… es gibt eine intelligente Lebensform auf der anderen Seite des Bildschirms!“ (geliehen von Gene Roddenberry).

ScienceFiles Mission

SciencFiles will die Würde von wissenschaftlicher Erkenntnis und den Stolz darauf, in Übereinstimmung mit ihr zu leben, wiederherstellen. Dazu ist es notwendig, Dinge beim Namen zu nennen und das zu tun, was die meisten institutionalisierten Wissenschaftler sich nicht mehr trauen: Den Mund aufzumachen, Stellung zu beziehen, wissenschaftliche Erkenntnis in allen ihren Konsequenzen zu Ende zu denken, unbequeme Fragen zu stellen und Unbequemes auszusprechen.

ScienceFiles Mission: „To boldly go, where most (social) scientists don’t dare to go and to boldly say what most (social) scientists don’t even dare to think“. [Kühn und mutig in Bereiche vorstoßen, in die die meisten (Sozial-)Wissenschaftler sich nicht trauen und kühn und mutig die Dinge zu sagen, die die meisten (Sozial-)Wissenschaftler sich nicht einmal zu denken trauen.]

Corporate Social Responsibility

Wir sind ausgezogen gegen all diejenigen, die Ideologie unter dem Deckmantel der Wissenschaft verbreiten, die Wissenschaft missbrauchen oder pervertieren, vorzugehen, den Missbrauch von Wissenschaft durch Politiker, sonstige Ideologen und Lehrstuhlbesetzer zu bekämpfen, wo wir ihn antreffen.

"We shall never surrender!" Click for more information

„We shall never surrender!“
Click for more…

„We shall defend science, whatever the cost may be, we shall fight on the beaches, … we shall fight in the fields and in the streets, we shall fight in the hills, we shall never surrender“. [Wir werden die Wissenschaft verteidigen, wie hoch auch immer die Kosten sein mögen. Wir werden an den Stränden kämpfen, wir werden in den Feldern und in den Straßen kämpfen, wir werden in den Bergen kämpfen, wir werden niemals aufgeben zu kämpfen. (geliehen von Winston Churchill).

ScienceFiles Image

Ein Image ist „ein in der Psyche relevanter externer Zielgruppen fest verankertes, verdichtetes, wertendes Vorstellungsbild“ (Meffert, Burmann & Kirchgeorg, 2007, S.358). Wir haben entsprechend das richtige ScienceFiles-Image, wenn Sie genau das von ScienceFiles denken, was wir denken, dass Sie denken sollen. Nichts einfacher als das:

ScienceFiles ist toll. SciencefilesScienceFiles: So geht Wissenschaft. Ich wusste nicht, was Wissenschaft ist, dann habe ich ScienceFiles getroffen. ScienceFiles, Ich trau‘ sonst niemandem. Das wiederholen Sie jetzt bitte 20 Mal und dann können Sie es hoffentlich auswendig, und damit wir sehen, dass die „Message“ auch bei Ihnen angekommen ist, nehmen wir jetzt bereits Bestellungen für unseren demnächst startenden Devotionalien-Handel auf: Für ScienceFiles-Mugs (Humpen), ScienceFiles-T-shirts, ScienceFiles-Aufkleber (sic!) mit unserem schicken Logo bitte hier klicken.

ScienceFiles Identity – zugleich Human Resource Management

Das ist einfach und wurde am besten von Richie Spice zum Ausdruck gebracht. Oh, what a beat!

„I need a gideon boot and a khaki suit fi stand out inna babylon and defend di truth
mi nah go sit and watch babylon keep mi mouth pon mute“ Full lyrics

Compliance

Nichts ist so wichtig wie Compliance, und zwar weil es eine Unzahl unnötiger Vereinigungen und Komitees gibt, die ihre Aufgabe darin sehen, anderen Vorschriften zu machen. Entsprechend müssen diese anderen, um mit der ständig wachsenden und nicht mehr überschaubaren Kackophonie von Regelungen Schritt halten zu können, Compliance Abteilungen einrichten, in der sich Compliance Experten bemühen, mit der Auswurfgeschwindigkeit neuer Regelungen für z.B. die zulässige Helligkeit von Glühbirnen oder die zulässige Geschwindigkeit von Fußgängern in von beiden Geschlechtern gemeinsam benutzten Korridoren, zurecht zu kommen. Bei uns ist das anders. Wir haben nur zwei Compliance-Rules:

Regel 1: Alles, was es über den Umgang miteinander zu wissen gibt, steht in unserem Grundsatzprogramm. Regel 2: In jedem anderen Fall und sowieso gilt: Le blog c’est moi!

LouisXIVSF

So, damit sind die Grundlagen für unsere Exzellenz-Initiative gelegt. Die Idee für diese Initiative ist uns, wie gesagt, gestern Abend während dem Essen gekommen. Entsprechend gilt unser besonderer Dank, u.a.:

 

Literatur

Hungenberg, Harald (2004). Strategisches Management im Unternehmen. Wiesbaden: Gabler.

Joyce, Paul & Woods, Adrian (2001). Strategic Management: A Fresh Approach to Developing Skills, Knowledge and Creativity. London: Kogan-Page.

Kaplan, Robert S. & Norton, David P. (1996). The Balanced Scorecard: Translating Strategy into Action. Cambridge: Harvard-Business Press.

Meffert, Heribert, Burmann, Christoph & Kirchgeorg, Manfred (2007). Marketing: Grundlagen praxisorientierter Unternehmensführung, Konzepte, Instrumente, Praxisbeispiele. Berlin: Springer.

Stahl, Michael J. & Grigsby, David W. (1997). Strategic Management: Total Quality and Global Competition. Cambridge: Blackwell.

Auch Thilo Sarrazin hat das Recht auf freie Meinungsäußerung

Die Luft wird eng für Menschen, die ihre Meinung äußern wollen, und zwar dann, wenn diese Meinung nicht zu dem passt, was von Kommissionen, Konventionen, internationalen Vereinigungen und ich weiß nicht wer sonst noch denkt, er könne vorgeben, was politisch korrekt ist, beanstandet wird. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal in die Situation gerate, Thilo Sarrazin und seine seltsamen und weitgehend falschen Thesen  verteidigen zu müssen, aber die Geschwindigkeit und die Art und Weise, in der die Meinungsfreiheit von vermeintlich wohlmeinenden Gutmenschen eingeengt und letztlich und faktisch beseitigt wird, lässt keine andere Möglichkeit.

UNHR_leftIm Namen der Meinungsfreiheit muss auch Thilo Sarrzin seinen Unsinn unter der Bevölkerung verstreuen dürfen. Nur weil Sarrzins Unsinn im Gegensatz zu dem Unsinn, wie er regelmäßig aus politisch korrekten Lagern, von Gewerkschaften und Politikern kommt, nicht politisch korrekt ist, ist er nicht anders zu bewerten. Wer eine offene Gesellschaft will, in der sich Bürger eine Meinung darüber bilden können, was korrekt und was nicht korrekt ist, der kann nicht die Menge der Meinungsangebote von vorneherein auf die Meinungen beschränken, die ihm genehm sind. Denn dadurch macht er sich zum Herrscher über die Meinungsfreiheit und gibt deutlich zu erkennen, dass er Menschen für unmündige Idioten hält, die anfällig sind für die vermeintliche Verlockung z.B. rassistischer Inhalte oder für welche als zu gefährlich um frei zugelassen zu werdenden Inhalte auch immer. Dies ist Entmündigung und ist weder mit der Rede vom „mündigen Bürger“ noch mit den regelmäßigen Bekundungen, dass natürlich die Bürger der Ausgangspunkt aller Gewalt (die vom Volk ausgehende) seien, zu vereinbaren.

Diese beschriebene Einengung, ja, Beseitigung der Meinungsfreiheit wird im stillen Kämmerchen und von immer mehr selbst ernannten Kommissionen und Komitees betrieben. Da gibt es z.B. ein Committee on the Elimination of Racial Discrimination. Haben Sie jemals davon gehört? Ich nicht. Aber man lernt ja nie aus. Dieses Komitee, von dem man gerne gewusst hätte, wie seine Mitglieder bestimmt wurden, und wer sie bezahlt, richtet darüber, ob Mitgliedsstaaten der UN die „International Convention on the Elimination of All Forms of Racial Discrimination“ auch richtig anwenden bzw. einhalten. Ein Blick auf die Lebensläufe (einfach die Namen klicken) der Komitee-Mitglieder zeigt ein Stelldichein von ehemaligen Botschaftern und Politikwissenschafts-Professoren, gemixt mit Personen, die ein „kean interest in good governance“ haben. Eine perfekte Mischung von „Experten“, um über Meinungsfreiheit nicht formal, sondern inhaltlich zu sprechen.

CERDFolglich verwundert es nicht, wenn das Committee on the Elimination of Racial Discrimination in seiner Sitzung vom 26. Februar 2013 zu dem Ergebnis gekommen ist, dass Thilo Sarrazin, mit dem, was er in einem Interview mit den „Lettre International“ (2009) gesagt hat, gegen die Artikel 2, Absatz 1 d und 4 und 6 der Konvention (die, deren Zweck darin besteht, alle Formen rassistischer Diskriminierung zu eliminieren, welche Sprache!) verstoßen hat und dass die Deutsche Bundesregierung sich nicht angemessen verhalten hat, weil sich die (Bundes-)Staatsanwaltschaft geweigert hat, die Äußerungen als Volksverhetzung zu verfolgen. Bei allem Kampf gegen Rassismus haben die Mitglieder des Kommitee übersehen, dass in Deutschland die Justiz zumindest formal unabhängig ist, die Bundesregierung also zumindest offiziell nicht weisungsbefugt ist (nur bei Staatsanwälten, nicht aber bei Richtern). Aber solche Kleinigkeiten von Gewaltenteilung müssen hinter dem größeren Ganzen zurückstehen, und das größere Ganze besteht darin, dass die Herrschaften dieses Kommitees, deren Eignung zur Beurteilung von Fragen der Meinungsfreiheit mir immer noch nicht klar ist, der Meinung sind, dass Sarrazin mit seiner Meinung „dissemination of ideas based on racial superiority“, also Ideen, die die Überlegenheit einer Rasse über andere propagieren, verbreitet (Ich bin mir derzeit nicht im Klaren darüber, was es bedeutet, dass Individuen öffentlich gebrandmarkt werden können, und zwar von Komitees, die über keinerlei demokratische Legitimation dafür verfügen, und selbst wenn sie eine demokratische Legitimation hätten, so erinnerte mich die Form des Vorgehens massiv an die Ketzerprozesse des Mittelalters, Sie erinnern sich, die Zeit, die wir als die dunkle Zeit im Schulunterricht präsentiert bekamen.)

Und was hat er gesagt, der Herr Sarrazin:

Integration ist eine Leistung derjenigen, die sich intergrieren. … Die Türken erobern Deutschland wie die Kosovaren den Kosovo erobert haben. … Würden sich Türken integrieren, dann hätten sie einen vergleichbaren schulischen Erfolg wie andere Gruppen. … Je niedriger die soziale Klasse, desto höher ist die Fertilität. Weiter sagt Sarrazin, dass er die Zuwanderung nach Deutschland auf gebildete Migranten beschränken würde, dass Türken keine Anstrengungen unternehmen würden, ihre Kinder zu bilden, vor allem ihre „Kopftuch-Töchter“ nicht… usw.

CERD CommitteeDiese Aussagen, alles Aussagen, die etwas über die Realität behaupten und die man entsprechend prüfen kann (d.h. Sie, ich, wir können sie prüfen, wir brauchen niemanden, der das für uns tut!), finden die selbsternannten Wächter (selbsternannt schon weil mich und ich bin mir sicher sie auch niemand gefragt hat) über die „International Convention on the Elimination of All Forms of Racial Discrimination“ beanstandenswert, und deshalb hat die „state party“ also die deutsche Regierung gegen die Konvention verstoßen und muss (1) die Ansicht des Komitees in der Öffentlichkeit verbreiten und (2) dafür sorgen, dass in Zukunft Äußerungen wie die von Thilo Sarrazin nicht nur vor dem Richter enden, sondern auch verurteilt werden und ausserdem (3) muss die deutsche Regierung nachsitzen und einen Bericht schreiben, der auch zeigt, dass sie die Beanstandungen des Komitees richtig verstanden und umgesetzt hat.

Leben wir eigentlich in einer Demokratie? Ich dachte, alle Staatsgewalt geht vom Volke aus, und dennoch gibt es Komitees, die sich anmaßen, dem Volk zu sagen, was es zu sagen hat, und was nicht. Komitees, die der Ansicht sind, das Volk besteht aus so großen Dummköpfen, dass man Meinungen durch einen Filter der politischen Korrektheit, dessen Kalibrierung wiederum einem Komitee obliegt, das über die richtig Meinung wacht, ausfiltern muss, so dass die dummen Bürger nicht mit Ideen konfrontiert sind, die sie – so wie Pawlows Hund – von jetzt auf später zu Rassisten machen.

Wir sind gerade dabei, nicht nur die Demokratie, sondern auch die Meinungsfreiheit abzuschaffen. Meinungsfreiheit ist eine Voraussetzung für Demokratie. Eine Regierungsform, in der Bürger nicht mehr reden dürfen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, ist keine Demokratie, sondern eine Tyrannei der politisch Korrekten. Komitees wie das Committee on the Elimination of Racial Discrimination leisten ganze Arbeit, im Herbeiführen dieser Tyrannei, und ihre Mitglieder lassen sich dafür von den „dummen Steuerzahlern“, den Bürgern, die man vor falschen Meinungen schützen muss, sehr gut bezahlen.

Hier findet sich das „Urteil“ des Komitees zu Thilo Sarrazin.

Ein einziges Mitglied des Komitees hat sich gegen eine Rüge Deutschlands ausgesprochen. Hier die Stellungsnahme von Carlos Manuel Vazquez.