Schulsozialarbeit – Der totale Durchgriff des Staates auf die Familien

Wer genau hinschaut, findet im 14. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung unter 10.6.2 den 14-Kinder-und-JugendberihtPunkt “Schulsozialarbeit”. Schulsozialarbeit ist ein Wachstumsgewerbe für Sozialpädagogen. Die Zahl der Schulsozialarbeiter ist von 755 im Jahre 1998 auf 3025 im Jahr 2010 angestiegen, wie der Kinder- und Jugendbericht auf seiner Seite 329 zeigt. Die 3025 Schulsozialarbeiter sind zu 83% weiblich, die Quote ist hier also gleich doppelt erfüllt. 62% der Schulsozialarbeiter sich Sozialpädagogen. Wenn es darum geht, sich Stellen zu schaffen, dann gehören Sozialpädagogen zu den erfolgreichsten Lobbyisten in Deutschland.

Ist es recht einfach, das rasante Wachstum der Zunft der Schulsozialarbeiter zu zeigen, so ist es deutlich schwieriger herauszufinden, was die entsprechenden Schulsozialarbeiter in ihrer sozialen Arbeit in der Schule eigentlich so treiben. Auch darin haben sich Sozialpädagogen als ware Meister erwiesen, weder soziale Arbeit noch Schulsozialarbeit hat eine konkrete Bestimmung erfahren. Vielmehr befinden sich beide im Zustand des “anything goes”, des von Steuerzahlern finanzierten “anything goes”.

Die merkwürdie Leere, die einem erwartet, wenn man untersuchen will, was Schulsozialarbeiter und Sozialarbeiter nun konkret machen, worin ihr konkreter Nutzen besteht, könnte nicht besser aufgezeigt werden als durch das Zitieren der “Definition” von Schulsozialarbeit, die sich in den meisten Büchern zum Thema Schulsozialarbeit findet (z.B. im von Speck und Olk 2010 herausgegebenen Sammelband oder in Rademackers Beitrag zu Pötter und Segels 2009 herausgegebenen Sammelband):

“Schulsozialarbeit umfasst alle Formen der kontinuierlichen Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule, die eine Tätigkeit von sozialpädagogischen Fachkräften am Ort Schule und die Zusammenarbeit mit Lehrkräften dort zur Wahrnehmung von Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe für die … Schüler zum Ziel haben” (Rademacker, 2009, S.13).

Wer gedacht hat, Definitionen seien dazu da, einen Gegenstand inhaltlich zu bestimmen, etwa in der Art: Fussball ist ein Mannschaftsspiel, bei dem je 11 Akteure nach festen Regeln versuchen, einen Ball in einen rechteckigen mit einem Netz begrenzten Bereich zu befördern, der sieht sich getäuscht. Die vermeintliche Definition von Schulsozialarbeit ist eine administrative Positionsbestimmung, die einem Schulsozialarbeiter einen Platz zwischen Schule und Jugendamt zuweist. Eine solche Bestimmung ist ausreichend, wenn es in erster Linie darum geht, eine Position zu schaffen, ohne der Frage, wofür die entsprechende Position geschaffen wurde, allzu viel Gewicht beizumessen. Es ist eben eine Beschäftigungsmöglichkeit für Sozialpädagogen, aber nicht nur das.

SchulsozialarbeitDas Stichwort “Beschäftigung” bringt mich zurück zu der Frage, was Schulsozialarbeiter machen, was genau ihr Zweck und Nutzen ist? Der oben angesprochene Sammelband von Speck und Olk hilft hier schon weiter. Darin haben Speck und Olk (2010, S.114) für Sachsen-Anhalt 2432 Schüler, 738 Lehrer und 57 Schulsozialarbeiter befragt und herausgefunden, dass alle mit der Schulsozialarbeit “zufrieden” waren. Viel Aufwand für wenig Ertrag, und ein beredtes Zeugnis für eine bestimmte Form “wissenschaftlicher Begleitforschung”, die man besser als Legitimationsforschung bezeichnen würde. Wir wissen zwar nach wie vor nicht, was Schulsozialarbeiter so den lieben langen Tag über machen, aber wir wissen, dass sie selbst, die Lehrer an ihrer Schule und die meisten Schüler mit dem, was sie machen, zufrieden sind. Na dann!

Aber, ein Sammelband hat den Vorteil, dass noch mehr Beiträge versammelt sind, und so lernen wir von Lang und Vogel (2010, S.71-72), dass Schulsozialarbeiter “vertrauliche Gespräche” führen, worüber auch immer, Beistand leisten, wobei auch immer, persönlichen Kontakt zu Schulschwänzern halten, wozu auch immer und “Veränderungsprozesse in der Verwantwortung der Klienten” initiieren. Alles vermutlich sehr sinnvolle Tätigkeiten, wenngleich nicht gesagt werden kann, worin sie eigentlich bestehen. Und dann kommen im Beitrag von Lang und Vogeln (2010, S.72) doch noch zwei Tätigkeiten von Schulsozialarbeitern, die aufhorchen lassen:

    • “Einleitung von Interventionen in akuten Krisen (Inobhutnahme)
    • Schaffung von Freiräumen außerhalb des familiären Klimas von Kontrolle, Gewalt, Misstrauen, familiärer erzieherisch organisierter Abhängigkeiten”

Oha, denkt man, hier wird eine Erziehungsinstanz neben den Eltern aufgebaut. Hier wird der Überwachungsarm des Jugendamtes in die Schulen ausgedehnt, und hier wird eine “Bildungsinstanz” unabhängig von Schulen geschaffen, die genutzt werden kann, um Inhalte, die in Schulen nicht vermittelt werden, die dem Jugendamt oder wem auch immer wichtig sind, zu verbreiten. Mit anderen Worten, hier werden Indoktrinierungsstrukturen geschaffen, die den totalen Zugriff von Ämtern auf Kinder und ihre Familien ermöglichen.

Die Grundlage und Legitimation dazu findet sich zur Beruhigung von Sozialpädagogikstudenten, die es vielleicht etwas problematisch gefunden hätten, in die Leben anderer Menschen zu intervenieren, im Lebensweltansatz, der letztlich nichts anderes sagt, als dass Menschen von ihrem Alttag geprägt werden. Eine heftige Trivialität, die man allerdings prima zur Legitimation sozialpädagogischer Eingriffe in alle Lebensbereiche nutzen kann.

SGBVIIIWie die Definition oben zeigt, ist Schulsozialarbeit eine administrative Funktion, der lange Arm des Jugendamts in die Schule, wenn man so will. Entsprechend findet sich eine weitere Grundlage der Tätigkeit von Schulsozialarbeitern im so genannten Gesetz zur Neuordnung des Kinder- und Jugendhilferechts, das als Achtes Buch Eingang in das Sozialgesetzbuch gefunden hat. Dort steht in den Paragraphen 1 und 13:

§1:
“(1) Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit. (2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft. (3) Jugendhilfe soll zur Verwirklichung des Rechts nach Absatz 1 insbesondere 1. junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung fördern und dazu beitragen, Benachteiligungen zu vermeiden oder abzubauen …”

§13:
“(1) Jungen Menschen, die zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind, sollen im Rahmen der Jugendhilfe sozialpädagogische Hilfen angeboten werden, die ihre schulische und berufliche Ausbildung, Eingliederung in die Arbeitswelt und ihre soziale Integration fördern.”

InobhutnameMan beachte dreierlei: (1) werden in Deutschland nur Rechte eingeräumt, damit sich Horden von Dritten darum kümmern können, dass die Rechteinhaber die Rechte auch so ausüben, wie diese Dritte denken, dass es richtig ist. Rechte sind also keine individuellen Ermächtungen, sondern gerade im Gegenteil individuelle Entmündigung, werden doch Dritte damit beauftragt, sozialpädagogische Hilfen (von denen wir immer noch nicht wissen, wie sie aussehen) bereitzustellen; (2) stellt Sozialarbeit im Allgemeinen und Schulsozialarbeit im Besonderen ein Vehikel zur Kontrolle von Familien dar, die als nicht-gesellschaftskonform eingeschätzt werden, was gewöhnlich in den Begriffen sozialer “Benachteiligung” und der “Bildungsferne” seinen Niederschlag findet, aber natürlich generell auf alle nicht passenden Familien erweiterbar ist. (3) stehen Eltern unter Aufsicht der “staatlichen Gemeinschaft” (was auch immer das sein mag) bzw. der Erfüllungsgehilfen der staatlichen Gemeinschaft, der Schulsozialarbeiter bzw. aller sonstigen sozialen Arbeiter.

1984Deutlicher kann man den Durchgriff des Staates auf die Erziehung von Kindern nicht mehr machen, und deutlicher kann man auch nicht mehr sagen, dass Schulsozialarbeit eine zusätzliche Kontroll- und Überwachungsinstanz des Staates in Schulen ist, deren Zweck darin besteht, abweichende Kinder aus abweichenden Familien zu identifzieren und ihnen “zu helfen”. Wie die Tätigkeiten, die bei Lang und Vogel (2010, S.72) beschrieben werden, deutlich machen, besteht die Hilfe darin, die Kinder in “Obhut” zu nehmen, also ihren Eltern zu entziehen, oder einen Keil zwischen die Kinder auf der einen Seite und die “familiär erzieherisch organisierten Abhängigkeiten” auf der anderen Seite zu treiben. Bei George Orwell werden Kinder in Informanten der Partei/des Staates umfunktioniert, vor denen ihre eigenen Eltern Angst haben – Die Dystopie ist Wirklichkeit geworden. Und man kann nur abschließend und abermals feststellen: Wer unter diesen Umständen in Deutschland Kinder in die Welt setzt oder kritik- und widerstandslos und sehenden Auges in staatliche Bildungsanstalten schickt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. (Dabei könnten sich Eltern in Deutschland ein Beispiel an Eltern in den USA nehmen, die bereits auf die Barrikaden gehen und ihre Kinder nicht mehr zur Schule schicken, wenn versucht wird, ihnen vorzuschreiben, was ihre Kinder in der Schule zu essen haben und was nicht.)

AUFRUF

Wer konkrete Beispiel für die Tätigkeit von Schulsozialarbeitern beisteuern kann, zeigen kann, worin konkrete Schulsozialarbeit besteht, der möge sich doch an uns wenden .

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