Rostocker Ehrendoktorposse: Showdown um Snowden

Die Philosophische Fakultät der Universität Rostock hat durch den Rektor der Universität Rostock, Prof. Dr. Wolfgang Schareck, gerade die maximale Strafe für Unkenntnis der rechtlichen Regelungen, auf denen der Universitätsbetrieb in Rostock basiert, erhalten: Er hat die Entscheidung des Fakultätsrats der Philosophischen Fakultät Rostock, Edward Snowden den Ehrendoktortitel der Fakultät für Philosophie zu verleihen, beanstandet, den Rat der Fakultät aufgefordert, die Entscheidung aufzuheben und im Falle einer Weigerung, die letztliche Entscheidung im Rahmen der Rechtsaufsicht an das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern verwiesen.

Da versuchen sich Sozialwissenschaftler einmal leutselig zu geben und auf einen Wagen des Volkszorns aufzuspringen, da wollen sie einen mutigen Mann, der in weiten Teilen der USA als Landesverräter gilt, einmal für sein Engagement mit einem Ehrendoktortitel auszeichnen, und was passiert: Ihr Beschluss wird ihnen vom Rektor um die Ohren gehauen.

Uni RostockDabei haben die Mannen von der Philosophischen Fakultät alles ihnen nur mögliche getan, um die Weitergabe von Informationen durch Edward Snowden zu einer herausragenden wissenschaftlichen Leistung, zu einer Aktion von “wissenschaftliche(r) Bedeutung” zu stilisieren. Sieben Professoren, von Ulrich Beck und Micha Brumlik zu Claus Leggewie und Wolfgang Hoffmann-Riem wurden verschlissen, um die wissenschaftliche Bedeutung der Übergabe von Informationen an Zeitungen zu begründen. Was hat es gebracht? Nichts.

Auch der Versuch, Snowden als Vertreter einer uramerikanischen Freiheitskultur, als in der Tradition US-amerikanischer Bürgerrechtler wie Malcolm X und Dr. Martin Luther King stehend, aufzubauen, ihn zu einem amerikanischen Patrioten zu erklären und seine moralische Integrität und die ethische Dimension seines Handelns zur Grundlage der Verleihung einer Ehrendoktorwürde zu benutzen, hat nichts geholfen, ebenso wenig wie der Verweis darauf, dass man “wissenschaftliche Leistung nicht losgelöst von moralischen, ethischen und zivilgesellschaftlichen Dimensionen des sozialen Handelns und der Persönlichkeit des zu Ehrenden beurteilen” könne.

Am Ende mussten sich die eminenten Professoren, die gemeinsam mit u.a. ihren wissenschaftlichen Mitarbeitern den Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät in Rostock besetzen, von ihrem Rektor belehren lassen, dass in Mecklenburg-Vorpommern ein Ehrendoktortitel nur “aufgrund besonderer wissenschaftlicher Leitungen” verliehen werden dürfe und dass die “Übergabe eines umfangreichen Datenbestandes an ausgesuchte Medien mit dem Ziel einer Veröffentlichung und Auswertung dieses Datenbestandes durch diese Medien und zu dem Zweck, einen möglicherweise auch wissenschaftlichen Diskurs mit Blick auf die Aktivitäten verschiedener Geheimdienste und ihrer gesellschaftlichen, rechtlichen und sonstigen Implikationen … nicht als wissenschaftliche Leistung gewertet werden” könne.

TopitschDie ganze Angelegenheit ist mittlerweile über den Punkt der Peinlichkeit hinaus und man fragt sich, welche Funktion manche Positionsinhaber an Universitäten denselben eigentlich zuweisen. Wenn die Fakultätsräte der Philosophischen Fakultät in Rostock tatsächlich der Ansicht sind, dass man “wissenschaftliche Leistung nicht losgelöst von moralischen, ethischen und zivilgesellschaftlichen Dimensionen des sozialen Handelns” beurteilen könne, dann befördern uns der Herr Dekan Hans-Jürgen von Wensierski und die beiden Prodekane Frau Gesa Mackenthun und Elisabeth Prommer damit um 100 Jahre zurück in die Vergangenheit, und just in die Zeit, als man sich in Deutschland gegen das, was damals als Afterwissenschaft, heute als Pseudowissenschaft bekannt ist, gewehrt hat.

Damit war alles gemeint, was sich an Universitäten breit gemacht hat, ohne über eine wissenschaftliche Methode zu verfügen: Alfred Dippe hat 1895 in seinem Buch “Sozialismus und Philosophie auf den deutschen Universitäten”, festgestellt: “Die Wissenschaft der Sozialdemokratie ist Afterwissenschaft, weil sie der logisch scharfen Kritik nirgends standhalten kann”. Damit war gleichsam ein Startschuss gegeben, ein Startschuss für den Kampf von Wissenschaftlern gegen in bestimmter Gesinnung betriebene Wissenschaft, die eine solche schlicht nicht sein kann, weil Gesinnung sich auf die Wahrnehmung auswirkt und dafür sorgt, dass Forschungsergebnisse verzerrt werden. Nicht nur das: Bestimmte Fragestellungen tauchen im Rahmen einer bestimmten Gesinnung überhaupt nicht auf, oder wann hätte man jemals einen sozialistisch gesinnten Pseudowissenschaftler darüber forschen sehen, wie Transferzahlungen an vermeintlich Arme deren sozialen Aufstieg verhindern und die so oft bejammert Klassengesellschaft zementieren? Wann hätte man je einen Genderisten darüber forschen sehen (oder überhaupt forschen sehen), welchen Schaden der Genderismus im Motivationsgewebe der deutschen Gesellschaft hinterlässt?

Eigentlich sind diese Fragen im deutschen Positivismusstreit hinlänglich bearbeitet worden, aber wie sich zeigt, sind deutsche Sozialwissenschaftler insbesondere resistent gegen Einsichten, die in anderen Wissenschaften als common sense gelten: Wissenschaft ist eine Methode des Erkenntnisgewinns, es ist eine Methode, die bei Problemen beginnt und nach Ursachen sucht. Die Suche muss frei von Einschränkungen und entlang der wissenschaftlichen Methode erfolgen, d.h. es müssen Hypothesen über die Ursachen aufgestellt und es muss der Versuch unternommen werden, diese Hypothesen zu falsifizieren.

Adorno PositivismusstreitEntsprechend ist Wissenschaft unvereinbar mit Gesinnung, und sie ist zuweilen unvereinbar mit den herrschenden moralischen, ethischen und zivilgesellschaftlichen Dimensionen des sozialen Handelns. Sie dient der Erkenntnisgewinnung und manche Erkenntnis mag der herrschenden Moral, Ethik oder anderen zivilgesellschaftlichen Dimensionen widersprechen. Wer das nicht glaubt, der soll an Galileo Galilei denken, der sich in erheblichem Konflikt mit den moralischen und ethischen Vorstellungen seiner Zeit befand, geschweige denn, dass ihm sein etwaiges zivilgesellschaftliches Engagement gut bekommen wäre. Wer es nicht glaubt, der möge sich einen Wissenschafler vorstellen, der sich mit Fragen der gentechnischen Veränderung von Mais, Reis oder Getreide beschäftigt und die entsprechende Forschung vor dem Hintergrund der herrschenden moralischen, ethischen oder zivilgesellschaftlichen Engstirnigkeit beurteilen.

Und damit sind wir am Kern des Problems. Die Wissenschaftsauffassung, die die Fakultätsräte in Rostock an den Tag legen, ist eine Auffassung, die der Wissenschaft schadet, eine Mainstream-Auffassung, eine Art der Wissenschafts-compliance mit dem Zeitgeist. Einmal davon abgesehen, dass Edward Snowden keinerlei Beitrag zu wissenschaftlicher Erkenntnis geliefert hat, denn wollte man dies behaupten, man müsste jeden Archivar, der ein Buch von einem Wissenschaftler aus dem Mittelalter findet, das als verloren galt, mit einem Ehrendoktortitel ausstatten, mag es für Zeitgeist-Reiter, für Personen, die sich einen Vorteil davon versprechen, dass sie ihr Fähnchen in den Wind des Zeitgeistes hängen, einen gewissen Reiz ausüben, Edward Snowden einen Ehrendoktor anzudienen, aber abgesehen von Opportunismus ist es schwierig, ein anderes Motiv, gar ein wissenschaftliches Motiv ausfindig zu machen.

Daraus folgt, dass wissenschaftliche Motive der Entscheidung des Philosophischen Fakultätsrates nicht zu Grunde liegen können, sondern Motive des Opportunismus, vielleicht gepaart mit einer gewissen Mediengeilheit und dem Versuch, eine ansonsten wenig bemerkenswerte Fakultät in die Presse zu bekommen. Zu diesem Zweck wird dann mit hehren Begriffen geworfen, ein Informant der Presse wird zum Wissenschaftler stilisiert, ihm gar ein großes Verdienst um die Wissenschaft attestiert und die Krönung der salbungsvollen Orgie findet sich in der Behauptung, Wissenschaft müsse dem ethisch-moralisch-zivilgesellschaftlichen Zeitgeist entsprechen.

snowdenDas mag für jene Sozialwissenschaftler, die nicht wissen, was eine wissenschaftliche Methode ist und deren Tätigkeit in Weltanschauung besteht, lauter sein, für richtige Wissenschaftler ist es eine Katastrophe und der Gipfel der Heuchelei. Und wie hoch der Gipfel der Heuchelei ist, kann man durch ein einfaches Entfremdungsexperiment deutlich machen: Stellen Sie sich vor, die an die Presse gegebenen Informationen betreffen nicht die NSA und sind nicht politisch korrekt und dem Zeitgeist entsprechend, also z.B. gibt ein Insider Informationen darüber weiter, wie an Universitäten ein schwunghafter Handel mit Titeln betrieben wird, wie Externe sich bei manchen Professoren einkaufen können, um einen Doktortitel zu erwerben oder noch deftiger: Ein Wissenschaftler analysiert all die Doktortitel, die im Rahmen von Genderstudiengängen vergeben werden und zeigt, dass sie auf keinerlei wissenschaftlicher Basis stehen, keine Methode umfassen, keinerlei Erkenntnis erbringen und darüber hinaus irrelevanten Firlefanz zusammenschreiben. Ob die beiden fiktiven Gestalten dann mit einem Ehrendoktortitel aus Rostock rechnen können?

Um es  klar und deutlich zu sagen: Edward Snowden hat eine bewundernswerte Form von Zivilcourage bewiesen, und er verdient dafür, dass er es möglich gemacht hat, die Überwachung von Bevölkerungen durch ihren Staat zu analysieren und zu bewerten, Hochachtung. Es wäre wünschenswert, wenn es mehr Edward Snowdens gäbe, die es sich zum Ziel setzen, all die Strategien und Methoden, mit denen Staaten ihre Bürger gängeln bzw. im Zaum halten wollen, aufzudecken. Snowden ist also aus der Perspektive einer Ethik der Freiheit ein role model, das leider bislang noch darauf wartet, in Deutschland oder in anderen Ländern Schule zu machen. Aber Snowden ist kein Wissenschaftler und entsprechend niemand, dem man für besondere wissenschaftliche Leistungen einenTitel verleihen kann. Auf eine solche Idee kann man nur kommen, wenn man sich der Person Snowdens für seine ganz eigenen Zwecke bedienen will.

 

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16 Responses to Rostocker Ehrendoktorposse: Showdown um Snowden

  1. Frontinus says:

    Wenn Frau Schavan in Rostock Ehrendoktor wurde, warum nicht auch Herr Snowdon? Warum dann nicht auch Claudia Roth, Martin Schulz, Sebastian Edathy u.s.w. ?

    • M55 says:

      Fundierte “kritische Wissenschaft” hier… Der geografische Unterschied zwischen Lübeck und Rostock ist im wissenschaftlichen Sinne natürlich marginal, wenn man vom Uranus auf die Erde schaut…

  2. Michelson says:

    Hattet ihr auch über die rechtlichen Regelungen bei der Vergabe des Nobelpreises aufgeklärt? Was ich bis dato so gelesen habe lässt mich vermuten, das Vertreter der interessierten Kreise sich allem bemächtigen was so an Meinungsbildung und Deutungsgrundlagen vorherrscht und dieses nach Orwelschem Diktus verwendet. Ich bin auch der Meinung das Wissenschaft immer die Philosophie als Grundlage hat und deshalb akzeptiere ich die Rostocker Handlungsweise.
    In eurem letzten Absatz liegt so viel Widerspruch, da solltet ihr nocheinmal in euch gehen…
    Aber spricht hier nur ein Subjekt zu mir dann kann man es schon stehen lassen.
    Gruß Michelson

    • Das sind viele Sätze ohne eine Begründung, ohne auch nur ein Argument.
      Um nur ein Beispiel herauszugreifen:

      In eurem letzten Absatz liegt so viel Widerspruch, da solltet ihr nocheinmal in euch gehen…

      Wenn die Widersprüche so zahlreich sind, ist es sicher möglich, zumindest einen zu benennen – oder?
      Und ehrlich gesagt, weiß ich nicht so richtig, was der Stellenwert von “deshalb akzeptiere ich die Rostocker Handlungsweise” ist. Sofern Sie uns damit nicht mitteilen wollen, dass Sie den Schlüssel zur Weltherrschaft in Händen halten und deshalb das, was Sie akzeptieren, das Maß aller Dinge ist, bitte ich auch hier um eine Auf- oder doch Erklärung.

    • Aldo says:

      @Michelson
      DAS und DASS plus Beistrichsetzung: Üben, üben, üben statt schwätzen…

  3. alphachamber says:

    Wie politisch korrekte Heuchelei auch in den Wissenschaften Fuß zu fassen sucht (eigentlich eine “logische” Entwicklung) – und die Gefahr für ihre Glaubwürdigkeit – wurde in Ihrem exzellenten Artikel überzeugend verdeutlicht.

    “…Snowden ist also aus der Perspektive einer Ethik der Freiheit ein role model, …darauf wartet, in Deutschland oder in anderen Ländern Schule zu machen.”
    Da kann ich nicht zustimmen:
    Deutsche sind stets schnell dabei, aus Opfer oder Dissidenten Helden zu machen, allerdings:-
    1. Niemand außer Snowden kennt Snowdens wirklichen Beweggründe. Vor seiner Einstellung wurde er unzähligen, strengen Tests und Vergatterungen
    unterzogen und er musste genau wissen, auf was er sich einließ. In seinen noch jungen Dienstjahren plötzliche eine moralische Erleuchtung zu erfahren erscheint mir unglaubwürdig.
    2. Die groteske Ausgangssituation am Hong Konger Flughafen, sein ungehinderter Aufenthalt in H.K., die Rolle des US-Konsulates und die Chinas, lassen eher auf einen nachrichtendienstlichen “cock-up” schließen.
    3. Snowdens Info-Kiste ist die gleiche wie bei 10.000en anderen Mitarbeitern weltweit. Ob die alle “zu feige” sind sich zu outen, wissen wir nicht. Die Begünstigten können ihn ehren wie sie wollen, aber für die USA ist er nach aller Definition ein Verräter.
    4. Seine geklauten Daten sind 99.99% Zeug das so hängenbleibt, wenn man mit einem feinmaschigen elektronischen Netz die Erdoberfläche 24/7 trawled, also kein Material von “Philby-Niveau”. Der Effekt lag nur an der “Überraschung” des Normalbürgers, der nicht an ihre Erfassung oder ihren Umfang glaubte/dachte. Das Abhören eines Staatsoberhauptes ist das Ziel und der Heilige Gral jedes Dienstes – verwunderlich?
    5. Wer wahre Helden erlebt hat, empfindet es als eine Entwürdigung dieser Menschen, Snowden mit ihnen gleichzusetzen. Für mich ist er ein introvertierter Opportunist (‘at best’) oder eine Marionette (‘at worst’) mit allem was dazwischen liegen mag.
    Hier findet sich eine gute Zusammenfassung über die NSA/PRISM Affäre: http://liberalerfaschismus.wordpress.com/2013/07/30/die-geheimen-dienste-was-die-nsa-von-den-chinesen-lernte/

  4. markus says:

    Was ist mit Ehrendoktortiteln fuer Politiker ? Helmut Kohl, Weizsaecker, Willi Brandt ?

    • Nochmal das Argument:
      Es geht nicht darum, WER einen Ehrendoktortitel erhält, sondern darum:
      WESHALB er ihn erhalten soll.
      Normalerweise werden Ehrendoktortitel für “besondere wissenschaftliche Leistungen” vergeben, und man soll ja nicht ausschließen, dass es Politiker gibt (auch wenn mir jetzt aktuelle gerade keiner einfällt), die besondere wissenschaftliche Leistungen erbracht haben, die die Vergabe eines Ehrendoktortitels rechtfertigen.

      • Lernender says:

        Titel sind gesellschaftliche “Trigger Words” Völlig egal ob Doktor, Prinz von und zu, Herzog oder König oder Königin, Prinz oder Prinzessin.

        Der jeweilige Titel verschiebt die Augenhöhe etwaiger Diskussionen vom rationalen zu emotionalen. Irgendwie scheint es in der heutigen Gesellschaft sehr einschüchternd zu sein, gegen einen “von und zu” oder einem “Dr.” zu argumentieren und hinter diesem Argument zu stehen. Das beste Beispiel als sich die EU selber den Friedensnobelpreis überreichte.
        Auch eine Würde, eine Würde die sie sich selbst bedienten, um die Glaubwürdigkeit und die Kompetenz mittels “Triggerwords” zu verbreiten.

        Die Essenz der Geschichte war die, das jeglicher Friedensnobelpreis, der Preis an sich, an Wert verloren hat. Die Bevölkerung hatte in diesem Moment geblickt, die Verleihung des Friedensnobelpreis dient nicht außerordentlichen Bemühungen einzelner Personen, deren Historie eine gewisse Überzeugung und Leidensfähigkeit, damit Charakerstärke und Vorbildfunktion – sondern – auch der Friedensnobelpreis ist ein weiteres Instrument zur Beeinflussung der Masse.

        Fazit: Friedensnobelpreis – ade, Dr von und zu – ade, Prof, – ade, Abi – ade, -Abschluss MBA – ade..alles ade..

  5. karstenmende says:

    Die Motivation der Rostocker Uni (ideologische Verblendung, Unwissenheit oder Kalkül) sei jetzt mal dahin gestellt. Von deutschen Universitäten ist man ja so einige Absurditäten gewöhnt. Aber ist es nicht mittlerweile fast schon sinnvoller einen derartigen Titel abzulehnen? PR-technisch könnte das ratsam sein. Es erregt jedenfalls mehr Aufsehen, als derartig unsinnig begründete Titel entgegenzunehmen. Auch würde sich eine Begründung der Ablehnung eines solchen Titels unter diesen Umständen vielleicht sogar positiv auf den zukünfigen Werdegang auswirken. Es grenzt doch heutzutage schon fast an Peinlichkeit mit so etwas “geehrt” zu werden. Dieser Gedanke ist unabhängig von der Person Edward Snowden. Ich persönlich würde jedenfalls auf die Ehrendoktorwürde einer deutschen Universität verzichten, da sich die einstigen akademischen Maßstäbe total der ideologischen Willkür untergeordnet haben. Gender-Mainstreaming ist nur ein Beispiel hierfür – egal an welcher Uni. Und das allein könnte ich meiner Würde nicht antun. Wenn es wieder streng wissenschaftliche Prioritäten an den Lehrstätten gibt und die Ideologie aus diesen Häusern verbannt ist, würde ich meine Einstellung dazu ändern. Bis dahin sollte sich jeder potenzielle Anwärter auf einen solchen Titel genau überlegen, wie er mit einer solchen Nominierung umgeht.

  6. Roland Krast says:

    Finde den Artikel zwar richtig, aber was die Uni Rostock anbelangt, da haben die doch dem Herrn Gauck ebenfalls den Ehrendoktor verliehen, von der theologischen Fakultaet, dazu von der Uni Jena und der Uni Augsburg. Wofuer?

  7. µF says:

    … wenn man den fachdisziplinären Pachtzins an die Wissenschaftsdefinition nicht entrichtet und schaut, was z.B. das Verfassungsgericht in diesem Lande “schützt” (die Richter haben offenbar etwas Zeit gehabt, Humboldt wirklich zu lesen…), habe ich mit einer auch wissenschaftlichen Leistung Snowdens kein Problem. Es stört natürlich meine Eitelkeit, dass ein Informatiker (!) einen Grad von Reflexionsvermögen und Erkenntnisfähikeit (empirisch, a priori – völlig normale wiss. Ansätze) an den Tag legt, den wohl das Geschreibsel vieler BSc- und MSc-Arbeiten, die täglich hoch wissenschaftlich in den Geisteswissenschaften durchgewunken werden, kaum zu erreichen vermögen. Nach dunkler Erinnerung sind normative/angewandte Ethik auch heute noch wiss. Disziplinen??? Na ja, wer mit den Forschungsgegenständen nichts anfangen will, kann sich vielleicht heimlich eingestehen, dass die Studie, welche geordnet, konrolliert und gezielt in Gang gesetzt wurde, hervorragend läuft. Nur die Zahl der Probanden ist eben einmal 10exp9 größer als die durchschnittlicher Studien im Olymp “exakter” medizinischer Wissenschaft. Und die Autoren dieser Seite leisten ihren Beitrag… 🙂

  8. alphachamber says:

    Bez. der Kommentar vom 23. Mai von “alphachamber”.
    Der nach unten zeigende Daumen verrät, dass auch die Leser dieses Blogs (trotz deren zweifellos höherem Niveau), in der Lage sind, sich recht bereitwillig populistischen Meinungen anzuschließen.
    Hier werden die größten Männer der Geschichte – deren Leben, Taten und Gedanken Bibliotheken füllen – fast vom Sockel gestoßen, weil irgend ein “Forscher” Neuinterpretationen vermarktet, die sie als “Steigbügelhalter des Faschismus” erscheinen lassen. Gleichzeitig wird ein junger Spion zum Helden – von dem niemand nichts weiß, außer dem was er gesagt hat – weil er Obama beschämte (der ironischerweise hier selbst mal gefeiert wurde).
    Seine hehren Motive werden ihm unbesehen abgenommen. Normalerweise gilt: “…innocent until proven guilty”, bei ihm dreht man es so um: “…a hero until otherwise proven”. Für den der sich nicht so leicht überzeugen lässt:
    http://liberalerfaschismus.wordpress.com/2014/06/06/das-recht-auf-der-spionage-3/

  9. M55 says:

    bez. alphachamber Juni 12, 2014 um 3:51 nachmittags

    … “größte Männer der Geschichte”… Das klingt nach einem Geschichtsbild, für das eine Ehrung Snowdens natürlich katastrophal wäre…? Es gibt da ein Buch, wo jemand nach den Spuren derer sucht, welche den Pergamon-Altar in die Realität des Begreifbaren befördert haben…

    Bibliotheken & Archive sind in der Regel (bis heute) nur mit “Herrschaftswissen” gefüllt. Das lernt der Student aber heute besser nicht mehr, sonst würde er z.B. nach den Akten suchen, die unser verzerrtes Geschichtsbild D nach 1945 etwas gerade rücken könnten. Da wird wohl derzeit feucht fröhlich & tonnenweise aus “Sicherheitsgründen” am Bundearchiv vorbei geschreddert, und in 100 Jahren hat ein “großer Mann” der Geschichte Deutschland wiedervereint, der sich auf einen “großen Mann” der Nachkriegsgeschichte berief, welcher nie und nimmer etwas mit ganz dunklen Jahren (bundes)deutscher Nachkriegsjustiz zu tun hatte, die ernsthaftes Nachdenken über den Erhalt der deutschen Einheit rasant in “Hochverrat” verwandelte…

    Snowden wird evtl. auch etwas solcher Pseudogeschichte mitschreiben; vom alltäglichen Größen(wahn)mann ist er aber offenbar soweit entfernt, dass er trotzdem etwas begreifbar machen wollte und (begrenzt) konnte. Das ist “10.000en” (auch akademisch sicher höchst dekorierten) Besitzern der “Info-Kiste” irgendwie nie gelungen, so die überhaupt einen ihrer großen Gedanken dafür verschwendet hätten, wenn man sich des Amtes wegen auf den üblichen Befehlsnotstand berufen kann, falls das Dienen nicht mehr so richtig etwas mit dem Verfassungskonsens zu tun und evt. sogar Menschen auf den berüchtigten Dachboden getrieben hat.
    Exkurs: Die “großen Männer” des Bankings haben auch nie offen reflektiert, dass sie Tausende in den Selbstmord getrieben haben… Eine Ausnahme gabe es. Einen Mrd-schiebenden New Yorker Guru – Name leider entfallen -, der zumindest beschämt zugegeben hat, erst nach der Krise wirklich Bücher zur Rolle politischer Ökonomie in der Gesellschaftsentwicklung gelesen zu haben, um sein Tun (endlich) zu verstehen. Ob er auch so ein schlimm “Introvertierter” war, um diese (geistige) Größe an den Tag zu legen…

    Summa: Tausende Geistesgrößen, die “hätten können”, konnten nicht, und einzelne, die meinen, sie bewege sich doch, sind irgendwie immer Verräter an den schizophrenen Umständen ihrer Zeit… (um nicht das einfache Bild des zwangsläufigen Auflösens gesell. Widersprüche zu bemühen, welches von Einzelnen – ob groß oder nicht – zumindest angestoßen, jedoch niemals ohne die Breite der Gesellschaft auch vollzogen werden können…).

  10. alphachamber says:

    Hatte ich doch tatsächlich die Impertinenz zu hoffen, dass mein Kommentar und der Link einige sachliche und punktgenaue Argumente provozieren könnte. Falsch gedacht!
    Sofort kommt wieder dieses übliche, großspurige und selbstgerechte Demut/Sühne/Reue-Geschwafel – bar jeglichen Syllogismus – dafür aber ein exhibitionistisches Gemisch von Vermutungen, Wiki-Wissen und Ideologie.

    “Bibliotheken & Archive sind in der Regel (bis heute) nur mit “Herrschaftswissen” gefüllt.”
    Das ist falsch: Es gibt dort auch Kochbücher und Harry Potter 🙂
    Goda Meir sagte dies zu einem Besucher: “…don’t be so humble, you are not that great”.

  11. alphachamber says:

    Berichtigung zu meinem vorhergehenden Kommentar: Sollte “Golda” Meir heißen.

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