Sehr geehrter Herr Kollege Olbertz,
Dennoch haben Sie bislang in keiner für uns erkennbaren Weise auf den Brief reagiert. Ich habe zwar Verständnis dafür, dass es für Sie problematisch ist, Stellung zu den Aktivitäten von Profx Lann Hornscheidt zu nehmen, ohne eine bestimmte, rein ideologisch motivierte, Klientel gegen sich aufzubringen, und ich fürchte, dass Ihre diesbezügliche Zurückhaltung angesichts des Umgangs, der an der Humboldt-Universität immer wieder mit Dozenten und geladenen Vortragsgästen „gepflegt“ wird, mehr oder weniger gut begründet ist.
Dessen ungeachtet haben Sie ein wichtige Funktion inne, die bestimmte Verpflichtungen involviert, und vor diesem Hintergrund bin ich erstaunt und enttäuscht darüber, dass Sie sich bislang einer Stellungnahme zur im Brief enthaltenen Forderung enthalten haben – ganz davon abgesehen, dass ich dies als ein unkollegiales Verhalten uns bzw. mir gegenüber betrachte.
Eine Stellungnahme Ihrerseits ist m.E. etwas, was Sie uns sozialwissenschaftlichen Kollegen aufgrund Ihrer Funktion sozusagen schulden, und die Tatsache, dass Profx Lann Hornscheidt Studierende zu Straftaten ermuntert und anscheinend selbst dauerhaft ausführt – eine Tatsache, auf die wir in unserem Brief keine Bezug genommen haben, um deutlich zu machen, dass es uns um die Idee der Wissenschaft und ihre Repräsentanten geht –, hat inzwischen zusätzlichen Druck aufgebaut, dem Sie sich schwerlich werden entziehen können, aber m.E. auch nicht sollten.
Ich bitte Sie daher, recht bald eine Stellungnahme zu den Aktivitäten von Profx Lann Hornscheidt abzugeben. Sie bietet m.E. auch eine Chance, die Humboldt-Universität als ernstzunehmenden wissenschaftlichen Standort ein Stück weit zu rehabilitieren.
Schließlich möchte ich Ihnen versichern, dass es uns in keiner Weise darum geht, Profx Lann Hornscheidt als Person anzugehen, weshalb wir uns konsequent und öffentlich gegen eine Personalisierung des Konfliktes gewandt haben. Wir sind aber der Überzeugung, dass die Aktivitäten von Profx Lann Hornscheidt als verbeamteter Professorin (oder welchen Geschlechts er/sie subjektiv auch sein sollte) auch bei sehr viel gutem Willen nicht in Übereinstimmung mit der Idee der Wissenschaft gebracht werden kann, sofern Wissenschaft nicht schlicht identisch gesetzt wird mit Ideologie, Sozialaktivismus, Sektiererei, Nepotismus oder Lobbyismus. Dementsprechend ist die in unserem Brief formulierte Forderung als eine Form von Notwehr zu verstehen.
Sicherlich können Sie – nicht zuletzt aufgrund Ihrer persönlichen Biographie –die Gefahren einer Ideologisierung der institutionalisierten Wissenschaft mindestens ebenso gut würdigen wie ich bzw. wir es tun können, und ich danke Ihnen im Voraus für Ihr Verständnis und erwarte gespannt Ihre Stellungnahme.
Mit freundlichen Grüßen,
Dr. phil. habil. Heike Diefenbach
