Humboldt-Uni II – Erinnerung an Präsident Olbertz

HU-BerlinScheinbar funktioniert an der Humboldt-Universität nicht einmal die eMailbox so, wie man das erwarten würde oder, alternativ, nicht einmal der Präsident funktioniert in der Weise, wie man es aufgrund seiner Position von ihm verlangen muss. Seine Position sieht unter anderem vor, dass er seine Universität nach außen vertritt, z.B. dem lästigen Volk gegenüber, denen gegenüber, die Fragen an den Präsidenten der Universität richten, möge er deren Beantwortung auch noch so sehr unter seiner Würde empfinden, er muss sie beantworten, er ist Präsident einer aus Steuergeldern Einrichtung, die sich nach wie vor Universität nennen darf.

Sicher ist es schöner, wenn man sich von Kollegen als Präsident als “beliebtester Uni-Chef” feiern lassen darf. Und natürlich macht es mehr Spass, wenn man seinen Rücktritt erklären kann, um sich dann zum Weitermachen bewegen zu lassen, nachdem man mit dem Rücktritt erreicht hat, was man erreichen wollte. Das macht bestimmt Spass. Und wir sehen auch ein, dass man es als Präsident der HU-Berlin nich leicht hat, dass man gerade an der HU-Berlin mit einem aktivistischen Kern von Studenten konfrontiert ist, die nicht zuletzt vom dortigen Zentrum für Transdisziplinäre Geschlechterstudien und dem ASta bestückt werden.

Das alles sehen wir ein.

Number10Dennoch müssen wir sagen: Es ist eine Ungehobeltheit, ja eine Unfreundlichkeit, einen Brief völlig unbeantwortet zu lassen, die wir in der ersten Welt noch zu erleben hätten, in der jeder Brief beantwortet wird, selbst wenn es nur eine eMail an Number 10 ist. Und natürlich hat Downing Street Chef David Cameron seine Leute und beantwortet seine eMails nicht selbst, liest sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht einmal selbst, aber: das genau ist der Punkt, er hat seine Leute, einen funktionierenden Laden und nimmt seine Außenfunktion sehr ernst, d.h. er bestätigt den Eingang von eMails und seine Mitarbeiter beantworten die eMails – jede einzelne davon.

Bei Jan-Hendrik Olbertz scheint dies alles nicht der Fall zu sein. Weder scheint es ihm wichtig zu sein, Kollegen wie uns oder Steuerzahlern, wie den Unterstützern unseres Briefes, in dem wir fordern Lann Hornscheidt seiner/ihrer Position an der Universität zu entheben, Höflichkeit und Respekt entgegen zu bringen. Es ist ihm scheinbar auch nicht möglich, unseren Brief zu beantworten.

Deshalb haben uns entschlossen, noch einen Anlauf zu nehmen, schon um Präsident Olbertz die Möglichkeit zu geben, die bisherige Sprach- und Antwortlosigkeit zu erklären und wett zu machen, sich zu rehabilitieren. Zudem haben wir uns in der ScienceFiles-Redaktion entschieden, Jan-Hendrik Olbertz dieses Mal zwei eMails zu schicken, zwecks Nachhaltigkeit und für eine höhere Wahrscheinlichkeit, zur Kenntnis genommen zu werden, eine von Michael Klein und eine von Dr. habil. Heike Diefenbach (wer von den Lesern nachfragen will, was aus der Antwort auf den ersten Brief geworden ist, hier ist die eMail-Adresse: praesident@hu-berlin.de).

Die eMail von Michael Klein:

Sehr geehrter Herr Olbertz,

am 14. November haben Dr. habil. Heike Diefenbach und ich Ihnen eine eMail geschrieben, in der wir fordern, Profx Lann Hornscheidt ihrer/seiner Position an der Humboldt-Universität zu entheben. Die Forderung hat zwischenzeitlich 72 Unterstützer gefunden, und es ist nicht irgendeine Forderung, es ist eine wohlbegründete Forderung, die Kriterien des wissenschatflichen Arbeitens an Lann Hornscheidt anlegt und zu dem Schluss kommt, dass sie/er keines der Kriterien erfüllt, weshalb er/sie an einer Universität nichts zu suchen hat.

Vielleicht ist es ja dieser Umstand, der Sie so sprachlos macht. Vielleicht wissen Sie auch nicht, warum Lann Hornscheidt an der Universität beschäftigt ist, die auch Sie beschäftigt. Für denn Fall, dass diese Annahme zutrifft, fordern ich Sie auf: Stehen Sie zu Ihrer Unwissenheit und erklären Sie öffentlich, dass Sie auch nicht wissen, was Lann Hornscheidt an der Humboldt Universität soll! Sie sind es der Wissenschaft schuldig.

Aber vielleicht ist es ganz anders. Vielleicht haben die jüngsten Ereignisse an der Humboldt-Universität, die Erfahrungen mit studentischen Kadern, die Vorlesungen lahm legen oder “intervenieren”, ihre Spuren bei Ihnen hinterlassen. Vielleicht haben Sie schlicht Angst und suchen derzeit nach einem Ausweg aus dem Brief-Dilemma, der Sie auch morgen noch unbehelligt durch die Gebäude der Humboldt-Universität gehen lässt.

schreiWenn dies der Fall ist, dann rufe ich Sie dazu auf, sich mit Ihrer Angst in die Öffentlichkeit zu flüchten. Alle Welt outet sich derzeit, warum nicht auch ein Präsident mit seinen Ängsten. Das ist legitim und die Voraussetzung dafür, dass sich etwas ändert, z.B. dadurch, dass Ihnen ein Bodyguard zur Verfügung gestellt wird, den Sie aus dem Geld finanzieren, das freigeworden ist, weil Sie Lann Hornscheidt seiner/ihrer Position enthoben haben.

Vielleicht gehören Sie ja auch zu denen, die man als Prokrastinateure bezeichnen muss, Personen, die Angelegenheiten, die ihnen unangenehm sind, auf den jüngsten Tag vertagen, nur um die Unanehmlichkeiten nicht auf die eigene Kappe nehmen zu müssen.

Für diesen Fall muss ich Ihnen sagen, das Ihr Verhalten Dr. habil. Heiek Diefenbach, mir und den Unterstützern unseres Briefes gegenüber grob unhöflich ist und sie auffordern, ihren Narzismus zu Gunsten ihres Jobs zurückzustellen, zumal die Zeit drängt. Es mag Ihnen egal sein, dass Mitglieder Ihrer Universität, namentlich Lann Hornscheidt, Studenten zu Ideologen machen wollen und Wissenschaft mit Füßen treten, aber es sollte Ihnen schon aus Rücksicht auf ihre eigene Person nicht egal sein, wenn Mitglieder Ihrer Universität, namentlich Lann-Hornscheidt, zu Straftaten aufrufen. Das ist, das werden Sie zugeben, zwar geschichtlich gesehen für Berliner Universitäten keine Neuigkeit, aber doch für die nach dem Zweiten Weltkrieg beginnende Moderne etwas Neues.

Und wollen Sie es wirklich unkommentiert stehen lassen, dass ein Mitglied Ihrer Universität, das es auf die Position eines Professoren geschafft hat, wenn auch nur im Zentrum für Gender Studies, zu Straftaten aufruft und Studenten dabei assistiert, wie sie den Namen von Alexander und Wilhelm von Humboldt verunglimpfen?

Ich kann das einfach nicht glauben.

Entsprechend komme ich zum letzten “Vielleicht”, zur letzten Annahme, die dem gewissenhaften und beliebten Präsidenten, der Sie sind, gerecht wird. Vielleicht prüfen Sie derzeit die Möglichkeiten, Lann Hornscheidt von seiner/ihrer Position zu entfernen. Vielleicht stehen Sie derzeit in Verhandlungen mit dem Berliner Senat und eruieren, welche Schritte Ihnen offen stehen. Für diesen Fall freue ich mich auf Ihre Antwort, die mir dann bestimmt in den nächsten Tagen zugeht.

Mit freundlichen Grüßen,

Michael Klein

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One Response to Humboldt-Uni II – Erinnerung an Präsident Olbertz

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