Der Islam oder: Einbildung als Rettungsanker der Mittelschicht?

“Im Sommer 1954 versammelten Forscher um den US-amerikanischen Sozialpsychologen Muzafer Sherif 22 Jungen in einem Sommerlager. Die Jungen entstammten ausnahmslos weißen, protestantischen Elternhäusern der Mittelschicht. Die Jungen Robbers-Cave-Experimentwurden in zwei Gruppen geteilt, wobei die Forscher darauf geachtet haben, dass die physischen, geistigen und sozialen Talente der Jungen auf beide Gruppen ungefähr gleich verteilt waren. Beide Gruppen wussten zunächst nichts voneinander. Durch gemeinsame Tätigkeiten und Spiele entwickelten die Jungen beider Gruppen, die sich vor dem Sommerlager nicht gekannt hatten, ein Zusammengehörigkeistgefühl, das sich schnell in einem Gruppennamen niederschlug. Die eine Gruppe nannte sich “die Adler”, die andere Gruppe nannte sich “die Klapperschlangen”. Nachdem Mitglieder der Klapperschlagen und der Adler auf das Vorhandensein der jeweils anderen Gruppe hingewiesen wurden, entwicklten die Mitglieder beider Gruppen ein starkes “Wir-Gefühl”, dessen sichtbares Zeichen eine Flagge war, mit der Mitglieder beider Gruppen ihre Besitzstände zu signalisieren suchten. Gleichzeitig entstanden erste Gruppenanimositäten: Jungen aus beiden Gruppen belegten sich mit Schimpfworten, der jeweilige Gruppenname wurde von den Jungen der jeweils anderen Gruppe als Schimpfwort benutzt. Die Forscher nutzten diese Situation, um einen Wettbewerb auszuloben, an dessen Ende die Mitglieder der siegreiche Gruppe eine Trophäe und Medaillen erhalten sollten. Die Adler gewannen diesen Wettbewerb, was bei die Mitglieder der unterlegenen Klapperschlangen dazu veranlasst hat, die Unterkunft der Adler zu überfallen und die Trophäe, sowie die Medaillen und alle Taschenmesser, derer sie habhaft werden konnten, zu stehlen. Die Forscher hatten einen Krieg zwischen zwei Jungengruppen aus dem Nichts und auf Grundlage von willkürlichen Gruppenbezeichnungen geschaffen. Das Experiment von Sherif et al. ist als Robber’s Cave Experiment in die Geschichte der Sozialpsychologie eingegangen.”

Instrumentell für die Schaffung von Animositäten zwischen Jungen, die sich bis zum Start des Sommerlagers nicht kannten, war die Schaffung einer willkürlichen und fiktiven sozialen Identität und damit eines “Wir-Gefühls, die Benennung und damit Sichtbarmachung dieser Identität als “Klapperschlagen” und “Adler” und die Symbolisierung dieser Identität mit Hilfe von Artefakten, im vorliegenden Fall mit Hilfe einer Fahne. Die Einführung von Knappheitsbedingungen durch einen Wettbewerb, den nur eine beider Gruppen gewinnen kann, hat die Gruppenidentität nach innen gestärkt und nach außen in Ablehnung und Hass gegenüber der anderen Gruppe überführt. Schließlich hat der Ausschluss einer der beiden Gruppen von Ressourcen (signalisiert durch die Vergabe von Trophäe und Medaillen an die andere Gruppe) zu offener Feinschaft und Gewalthandlungen geführt.

Es braucht demanch nur eine eingebildete Zugehörigkeit, mehrere andere, die diese Einbildung teilen, ein Symbol für diese Zugehörigkeit und knappe Ressourcen, um einen Konflikt zwischen Gruppen zu schaffen.

Sherif Robbers caveNun denkt man, das sind Jungen und eben keine Erwachsenen. Bei Erwachsenen ist das anders. Erwachsene sind rationaler und durchschauen die Willkürlichkeit von Gruppenidentitäten. Erwachsene wissen, dass es keine Identität der “Klapperschlangen” gibt, keine Essenz, die die “Klapperschlangen” von den “Adlern” unterscheidet. Von Erwachsenen erwartet man, dass sie um eine geteilte Menschlichkeit wissen, dass sie in der Lage sind, eine Verbindung zwischen ihren eigenen Bedürfnissen und den Bedürfnissen anderer herzustellen, zu abstrahieren und zu denken: Es gibt Dinge, die alle Menschen teilen. Alle Menschen haben Grundbedürfnisse nach Nahrung, Trinken, Schlaf, suchen Sicherheit und Selbstbestätigung. Derartige Gemeinsamkeiten sind wichtiger als eingebildete Gruppenzugehörigkeiten.

Schade nur, dass die Hoffnung in die menschliche Rationalität in der Realität oft nicht wiederzufinden ist. In der Realität gibt es willkürlich zusammengebastelte Nationalstaaten. Die darin Eingepferchten denken tatsächlich, sie wären über die gemeinsame Verpflichtung, Steuern an eine Polit-Klasse zu entrichen, durch geheimnisvolle Kräfte, Klapperschlangen-Kräfte, miteinander verbunden und so zusammengeschweißt, dass es mehr Gemeinsamkeit zwischen einem Hamburger und einem Würzburger gibt als zwischen einem Türken und einem Deutschen.

Und wie Klapperschlangen und Adler im Robber’s Cave Experiment ihre Zusammengehörigkeit dadurch zementiert haben, dass sie sich von der jeweils anderen Gruppe absetzten, die jeweils andere Gruppe als deviant, abweichend und feindlich definiert haben, so findet auch heute die Definition von z.B. Deutschtum ausschließlich in Abgrenzung nach außen, z.B. vom Islam Fall statt. Der Islam, das sind die Adler der Klapperschlangen, so könnte man formulieren, aber das wäre falsch, denn im Gegensatz zu den Jungen, die 1954 dem berichteten Experiment unterzogen wurden, braucht es heutzutage keinerlei physisches Gegenüber mehr, von dem man sich abgrenzt.

Im Zeitalter medialer Dauerberieselung genügt es, sich Phantasien vom bösen Gegenüber zu machen, diese Phantasien dann mit einem Namen zu versehen, Islam zu nennen, um dann, zur Krönung der Aneinanderreihung von Fehlschlüssen, alle, die sich zum Islam Bekennen als Feinde auszumachen. Die sozialpsychologische Fehlfunktion, die Sherif und seine Mitarbeiter bei den Jungen in Robber’s Cave ausgemacht haben, geht entsprechend deutlich über das hinaus, was sich Sherif et al. vorstellen konnten.

Offensichtlich ist es für manche problemlos möglich, nicht nur eine willkürliche Bezeichnung mit ihren Ängsten und Bedrohungsphantasien zu füllen, sie sind auch in der Lage, diese Phantasien auf mehr als eine Milliarde Menschen zu übertragen und die Überzeugung zu vertreten, dass diese Milliarde Menschen des Teufels sind.

Der bindende Kitt für diesen Fehlschluss ist eine Variable, die Sherif und seine Mitarbeiter nicht berücksichtigt haben, die ihnen vermutlich nicht einmal in den Sinn gekommen ist: Essentialismus. Essentialismus meint die Zuweisung von unveränderlichen und für ein Zuweisungsobjekt konstituierenden Eigenschaften. Der Essentialismus für Islam lautet: böse Religion.

Essentialismus kennt keinerlei Differenzierung, basiert er doch gerade auf der Überzeugung, dass der Nukleus der bösen Religion sich wesenhaft in allen findet, die sich durch die böse Religion haben infizieren lassen. Entsprechend kann es für Essentialisten nur böse Muslime, Islamisten, Araber, wie auch immer man sie bezeichnen will, geben. Gute Muslime sind nicht vorgesehen, bringen das ganze kunstvolle Phantasiegebilde zum Einsturz.

Für diesen essentialistischen Wahn sind manche bereit, jede Menschlichkeit aufzugeben. Das äußert sich dann in einer unglaublichen Entfremdung von allem, was man als normal menschlich bezeichnet. Im sich ergebenden Zerrbild ist dann kein Platz für menschliche Bedürfnisse, für Hunger, Angst, Liebe, Furcht, Schrecken – all das, was die Vertreter eines entsprechenden Essentialismus für sich in Anspruch nehmen, ist damit gleichsam anderen entzogen: Muslime können es nicht haben, können weder Furcht, noch Hunger noch Liebe oder Angst empfinden. Man hat sie entmenschlicht, um die eigene Vorstellung, die auf der Grundlage einer herbeiphantaiserten Gemeinsamkeit gebildet wurde, aufrecht erhalten zu können. Und dieses Fundament wäre mit einem Schlag beseitigt, würde man Muslimen Menschlichkeit zugestehen.

TajfelNun hat die Gruppenzuordnung noch einen Zweck, der über die Not, sich eine Identität, eine soziale, keine personale, zu geben, hinausgeht: den der Sicherung von Ressourcen durch den Ausschluss anderer – und damit die letzte Zutat aus dem Robber’s Cave Experiment.

Und wieder denkt man: Robber’s Cave, das waren Jungen, keine Erwachsenen: Erwachsene wissen, dass der Zugang zu Ressourcen nicht von eingebildeten Zuordnungen abhängt, dass sich z.B. deutsche Politiker und deutsche Funktionäre, die allesamt die fiktive Eigenschaft teilen, deutsch zu sein, munter selbst bedienen und der Schaden, der von ihnen jährlich angerichtet wird, duch Klientelpolitik und Bevorzugung ihrer deutschen Spezies, deutlich höher ist als alle Kosten, die entstünden, ließe man Angehörige von als fremd etikettierten Gruppen an den vorhandenen Ressourcen partizipieren.

Wozu also das Beharren auf eingebildeten Kategorien, um andere von Ressourcen auszuschließen? Man kann nicht anders als ein unrühmliches Treten nach unten anzunehmen, ein Treten, das Getretene nicht diejenigen zur Rechenschaft ziehen sieht, die sie getreten haben, sondern ihrerseits nach unten treten lässt …

Die Angst der Mittelschicht vor dem sozialen Abstieg!

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42 Responses to Der Islam oder: Einbildung als Rettungsanker der Mittelschicht?

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  2. Joachim Winter says:

    …was also tun, wenn die Identität einer externen Gruppe so stabilisiert ist, dass sie einen selbt in eine andre hineinfantasiert und sich anschickt, deren Köpfe abzusäbeln. Wird man da nicht zwangsläufig in eine Gegenidentität hineiingezwungen? Nämlich der des zu vernichtenden Ungläubigen?

    • welche externe Gruppe hat denn eine stabilisierte Identität? Wenn Identitäten stabil sind, dann müssen Sie nicht mit Gewalt durchgesetzt werden… Anyway, ich bin mir nicht ganz klar darüber, von wem Sie reden, welche kohärente und homogene externe Gruppe Sie hier sehen.

      • Gerhard Helbig says:

        Sorry, ich kann ihnen intellektuell nicht immer folgen. Wir haben diese Gruppen mit all ihren Vor- oder Nachteilen doch zu tausenden auf der Welt und evtl. hat die Gruppenidentität aus verschiedensten Gründen evolutionäre Vorteile. Meistens werden „die Anderen „ auch nicht als böse bezeichnet sondern nur als „anders“, aber was ist mit der Gruppe „Stasi“ oder „Gestapo“. War es für den Verhafteten denn nicht sinnvoll vor (fast) allen Mitgliedern dieser Gruppe Angst zu haben?

        • aber was ist mit der Gruppe „Stasi“ oder „Gestapo“. War es für den Verhafteten denn nicht sinnvoll vor (fast) allen Mitgliedern dieser Gruppe Angst zu haben?

          Nein, es war sinnvoll vor denjenigen Angst zu haben, die sich einer Gruppe zugeordnet haben und versucht haben, über diese Zuordnung Status zu gewinnen und natürlich Macht über andere, die man dann ausnutzen kann. Was wäre wohl “die Stasi” ohne die vielen, die sich freiwillig zu Helfern der Stasi, zu Mitarbeitern der Stasi und zu IMs gemacht haben?

    • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

      @Joachim Winter

      Nein, wieso sollte man??? Identität hat viel mit Identifikation zu tun, und das ist etwas, was man nur selbst übernehmen kann!

  3. Gereon says:

    Sehr geehrter Autor,

    sicher kennen Sie das Sprichwort: Es kann niemand in Frieden leben, wenns dem bösen Nachbarn nicht gefällt.
    Bei Artikeln wie dem Ihren wird immer die raumgreifende Aggresivität des Islam (der Islamanhänger) gegenüber andersdenkenden/andersglaubenden ausgeblendet, sobald die Gruppe der Islamanhänger ein gewisses Maß an Anteil einer Bevölkerung hat. Sobald sie etwa 20-30% Anteil an einer Bevölkerung stellen, wird aggresiv und z.T. gewalttätig verlangt, das ihr Umfeld sich nach ihrem Gusto zu verdrehen hätte.
    Das war/ist so in Indien, in Malaysia, in Großbritannien und Frankreich, Schweden und Norwegen und hat auch hier schon ein erschreckendes Ausmaß angenommen. Wann immer von islamischer Seite dreist gefordert wird, wirft sich unser hochverräterisches Beamtentum und die hochverräterische Politik zum Kotau nieder.
    Kreuze werden entfernt, Schweinefleisch verbannt, Gebetsräume eingerichtet, Weihnachtsmärkte umbenannt, Martinszüge verboten, Moscheen erbaut mit Gebetsruf nach draussen, Schulen unterwandert, immer mehr Glaubensregeln unserem Kulturkreis zwangsübergestülpt.
    Bald wird es so sein, das unsere ganze musisch Kulturelle Aktivität verboten sein wird, weil Musik und Tanz nicht Scharia-konform sind. Bach , Beethoven und Mozart wird verboten sein. Und diese unsrere musische Kultur halte ich für den inneren Kern unserer Kulturellen Leistung, ganz wichtig zu deren Erhalt. Deshalb sind es keine diffusen Ängste die den Mittelstand bewegen sondern die ganz konkrete Bedrohung durch ständig aufgezwungenes schrittweises Zurückweichen vor einer recht kranken, gewalttätigen Steinzeitideologie.
    Ich möchte nicht zu den kulturellen Standards Saudi-Arabiens zurückkehren. Viele wollen das nicht.
    Ok, viele wollen auch nicht um ihre materieöllen Werte gebracht werden. Weder durch schleichende Enteignung wie den Rückgang der Hauspreise bei zunehmneder Ghettoisierung, durch zunehmende Kriminalität, durch die enorme Staatverschuldung der die ganze Asyl und Migrantenalimentierung durch Sozialleistung, Hilfsindustrie, Fördermafia erst möglich macht. Und nicht zuletzt auch durch den Rückgang der Qualität von Bildung und Ausbildung, Ingenieursleistung, Handwerk.
    Dies alles geschieht schon. Und ich denke, wir haben etwas zu verlieren und zu verteidigen. Oder gibt es einen Grund, das alles willfährig diesen Zudringlingen zu überlassen? Wenn ja, welchen?
    Ich finde, wenn die es so haben wollen, wie Zuhause, dann sollen sie dorthingehen und uns unsere Errungenschaften lassen. Ich will, das meine Kinder Bach hören können. Ohne Anst!

    Im Anhang zum Studium eine Liste der gewalttätig ausgerichteten Suren des Korans, zusammengestellt von einem islamkritischen Araber.

    Ich hoffe, ich bin Ihnen als dumpfbackiger, ausländerhassender, fremdenfeindlicher, geist und hirnloser dunkeldeutscher nadelstreifennazi nicht zu nahe getreten und verbleibe mit freundlichem Gruß:

    G.

    • Wie wäre es, Sie bringen einen Beleg für die raumgreifende Aggressivität “DES ISLAM” und da sie eine allgemeine Behauptung aufstellen, werden sie auch einen Beleg für die Existenz DES ISLAM bringen müssen. Und weil Sie das nicht können, bin ich bereit, Belege dafür zu akzeptieren, wie Deutschland über die letzten Jahrzehnte in aggressiver Weise von Türken übernommen wurde, die, wie wir heute sehen, in Regierung, Parteien, Verwaltung und auch sonst in allen Unternehmen Spitzenpositionen inne haben.

      • Lara says:

        1924 saß Hitler im Gefängnis. Hätte es damals schon das Internet gegeben, hätte sicher jemand die Gefährlichkeit der Nazis beschworen woraufhin ein anderer Kommentator darauf hingewiesen hätte, daß die NSDAP ja überhaupt gar keine Gefahr darstelle, weil ihre Mitglieder in “Regierung, Parteien, Verwaltung und auch sonst in allen Unternehmen [keine] Spitzenpositionen” inne hätten und daß es darum vollkommen lächerlich und weltfremd sei, sich über diese Partei Sorgen zu machen. Und überhaupt, diese eigenbildete Gruppenindentität der Braunhemden, man müsse sich die Partei ja nurmal differenziert betrachten, da gebe es ganz viele verschiedene Strömungen, die meisten seien bloß Mitläufer und überhaupt DIE BRAUNHEMDEN gäbe es ja gar nicht.

        Ich will damit nicht sagen, daß die Grünen wie die Braunen sind. Aber wenn man aus der Geschichte eines lernen kann, dann daß der Blick auf den status quo nicht geeignet ist, Vorhersagen über die Zukunft zu machen. Die demographische Entwicklung beispielsweise läßt da schon bessere Schlüsse zu. Oder lesen mal ein gutes Buch zum Aufstieg der Islamisten in der Türkei und die Reaktion der Laizisten. Letztere haben es auch lange nicht wahrhaben wollen, und dann war es zu spät. Reden Sie mal mit nicht-islamistischen Türken darüber, wie sie die Türkei heute im Urlaub wahrnehmen im Unterschied zu vor 25 Jahren…

        Wenn man natürlich nicht daran glaubt, daß es überindividuell wirkmächtige Größen gibt, dann kann einem diese Entwicklung natürlich egal sein. Kind ist Kind, Religion ist Religion, Kultur ist Kultur und was am Ende daraus wird purer Zufall. Und weil in Deutschland noch nie Islamisierung herrschte, weil wir hier schon seit Generationen keinen Bürgerkrieg mehr hatten, weil wir uns heute unseren Prosecco leisten können, wird das natürlich auch alles in Zukunft immer so sein.

        Aber der Punkt ist: Wenn erst einmal ein genügend hoher Anteil der Männer im wehrfähigen Alter sich nicht mehr zu Deutschland, seiner Kultur und den hier verlangten Werten bekennt bzw. – und das ist erst das eigentlich Schlimme – sich einem alternativen Wertesystem zugehörig fühlt, dann ist es zu spät. Wenn Sie dann jammern und sagen: “Aber 2015, da war das doch alles noch gar nicht abzusehen! Da gab es ja gar keine einflußreichen Türken in deutschen Unternehmen! Mimimi, das konnte ja keiner ahnen!” dann hilft Ihnen das auch nicht mehr.

        Wehret den Anfängen!

        • Nun, da wir Ihre Einsichten haben, kann ja nichts mehr schief gehen.

          Gibt es auch eine Begründung dafür? Oder einen Grund für uns, ihre Einsichten zu teilen?

          Tatsächlich gab es zu Hitlers Zeiten eine entsprechende Diskussion um die Gefährlichkeit von Hitler. Der Alte Hindenburg, seinerzeit Reichspräsident, musste in die Ernennung des Gefreiten zum Reichskanzler getrickst werden und der gute und sich selbst weit überschätzende Franz von Papen hat bis zum Schluss geglaubt, er könne Hitler die beherrschen. Was ist noch einmal der Mehrwert Ihrer Ausführungen?

    • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

      @Gereon

      “Bei Artikeln wie dem Ihren wird immer die raumgreifende Aggresivität des Islam (der Islamanhänger) gegenüber andersdenkenden/andersglaubenden ausgeblendet.”

      Was, bitte, meinen Sie mit “Artikeln wie dem Ihren”? Sind das alle Artikel, in denen nicht Ihre Meinung vertreten wird?

      Und welchen Sinn, glauben Sie, soll es haben, wenn Sie für Ihre vorgefasste und einseitige Anschauung durch Dinge belegen wollen, die einseitig sind und vorgefasste Anschauungen illustrieren sollen?

      Sie kennen ja sicher das Sprichwort: Wer etwas glauben möchte, der glaubt es halt!

      Ansonsten bleibt anzumerken, dass Sie als dumpfbackiger, ausländerhassender, fremdenfeindlicher, geist und hirnloser dunkeldeutscher nadelstreifennazi nicht über die Qualitäten verfügen, aufgrund derer sie uns zu nahe treten könnten – hierüber brauchen Sie sich also keine Sorgen zu machen!

    • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

      Und was, denken Sie, ist ein “Zuhause”? Und verfügen Sie über genug menschliche Anteilnahme, um sich vorstellen zu können, wie es ist, wenn man sich “zuhause” nicht zuhause fühlen kann, einem signalisiert wird, dass man nicht dorthin passt, man nicht erwünscht ist, man vielleicht als schlechter Mensch angesehen wird, weil man anderer Meinung ist als die Mehrheit, vielleicht verfolgt wird?

      Vielleicht sollten Sie Ihre Kinder nicht nur dazu anhalten, Bach zu hören, sondern auch, Kant zu lesen oder von mir aus die Bibel: zumindest im Neuen Testament steht ja etwas von Nächstenliebe.

  4. Dirk Wunderlich says:

    »Die Schaffung von Animositäten zwischen« allen möglichen Menschen, und damit einhergehend »die Schaffung einer willkürlichen und fiktiven sozialen Identität« für diese Menschen wird für das alte »Teile und herrsche«-Prinzip benötigt. Je besser dies den unsichtbaren Steuerlenkern gelingt – z. B. mittels bildgewaltiger und gleichgeschalteter Medien oder auch staatlicher »Bildung« –, um so perfekter die Herrschaft. Sämtliche Herrschaftsprinzipien (nicht -mittel), aus Neunzehnhundertvierundachtzig sowie Schöne Neue Welt werden längst angewendet (und immer weiter perfektioniert).

    • Das größte Problem, das Manipulierte daran hindert, sich als Manipulierte zu sehen, besteht darin, dass sie sich dann selbst als manipulierbar erkennen müssten. Eine Hürde, die so hoch ist, dass man sich lieber weiter manipulieren lässt und Menschlichkeit zu einem ausschließlichen Gut der Mitglieder der Eigengruppe macht, das den Mitgliedern der Fremdgruppe natürlich abgesprochen werden muss.

  5. Gerhard Helbig says:

    Es wird für mich immer undurchsichtiger. Steht da nicht vielleicht das Gleiche?

    • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

      @Gerhard Helbig?

      Was?

      Sie sehen, für mich ist Ihr Kommentar auch völlig undurchsichtig 🙂

  6. Lara says:

    Ich kann den Wunsch verstehen, mit dem Phänomen “Islam im Westen” differenziert umgehen zu wollen. Dieser Beitrag liest sich aber so, also bestünde die Differenzierung wieder einmal in einer Beschwörung des “es gibt kein Problem, Ihr bildet Euch das nur ein!”-Mantras.

    Aber wie auch immer man das Experiment mit den Jungs erklären mag und was auch immer man daran interessant finden mag: Die toten Journalisten sind nur die jüngsten Opfer einer Auseinandersetzung, die eben nicht um Medaillen und Adler geführt wird.

    Und ich bin mir sicher, das ist Euch auch klar. Würde ich in Eurem Text Muslime/Islam ersetzen durch Genderwissenschaftler/Genderstudies und Eure Texte zum Thema kommentieren mit: “Wozu also das Beharren auf eingebildeten Kategorien, um andere von Ressourcen auszuschließen?” Gönnt den Lann Hornscheidts dieser Welt doch etwas vom Kuchen! – Ihr würdet sicher widersprechen…

    Und sonst machen Sie doch mal ein wissenschaftliches Experiment: Gehen Sie nach Duisburg, in die Vororte, mit einem Banner auf dem steht “Liebe Moslems, DEN ISLAM gibt es nicht, Eure Gruppenidentität ist bloß eingebildet und ohne Essenz.” Vielleicht lernen Sie dabei was über Theorie und Praxis.

    • So richtig weiß ich nicht, was mir dieser Kommentar sagen will – sofern er überhaupt etwas sagen will, da Sie offensichtlich nicht verstanden haben und dies ja auch selbst sagen, was im Text argumentiert wird.

      Noch einmal noch einfacher: Den Islam gibt es deshalb nicht, weil es nicht einmal unter Muslimen Einigkeit darüber gibt, was der Islam sein soll. So wenig wie es unter Christen, die sich bekanntlich in mehrere Gruppen aufgespalten haben, Eingkeit darüber gibt, was das Christentum sein soll. Islam ist ein abstrakter Begriff wir Volltrottel, und er bezeichnet einen Gegenstand, der definiert wurde. Volltrottel kann man z.B. dadurch definieren, dass man alle die darunter versteht, die denken, wenn sie eine Variable gesammelt haben, dann hätten sie die Welt erklärt. Ich bin schon gespannt darauf, welche Operationalisierung von Islam sie vorschlagen, da sie offensichtlich meinen zu wissen, was “DER ISLAM” sei.

      Und sicher, warum sollte ich nicht mit dem Plakat nach Duisburg gehen. Es ist schon deshalb ungefährlich, weil Muslime in der Regel wissen, wie sehr sie sich voneinander unterscheiden, was Sie wüssten, wenn Sie jemals einen Muslim aus der Nähe gesehen hätten. Die Gruppenkohärenz, von der Sie fabulieren, ist eben eine der Einbildungen, von denen im Text die Rede ist und Sie sind es, die sie an Muslime heranträgt, denn ich wette, Sie haben viel zu viel Angst vor den furchbaren Menschen, um sich mit Ihnen abzugeben. Um so mieser finde ich es, wenn Sie Ihre eigene Angst auf andere projizieren und zu deren Kohärenz stilisieren.

      • Lara says:

        Ich habe keinen Zweifel daran, daß es im Islam einen Binnenpluralität gibt, ebensowenig wie ich daran zweifele, daß sich die überwiegende Zahl der Muslime wie diffus auch immer zu einem abstrakten Gesamt-Islam bekennen.

        Ich schlage Ihnen folgende Operationalisierung vor: Islam ist die Gemeinschaft aller Muslime, Muslim ist jeder, der sich selbst als solchen bezeichnet und sich in seiner Religionsausübung an der reichen Tradition seiner Religion orientiert.

        • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

          @Lara

          “Ich habe keinen Zweifel daran, daß es im Islam einen Binnenpluralität gibt,…”

          prima! Dann sind Sie den Fakten schon ein ganzes Stück näher gekommen!

          Ihre Definition von “Islam” ist aber falsch: Der Islam ist eine Religion und wird von seinen Anhängern auch so gesehen. Die “Gemeinschaft der Muslime” wird von derselben selbst die “Umma” genannt.

    • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

      @Lara

      Für mich beginnenn die Schwierigkeiten mit Ihrem Kommentar schon da, wo Sie schreiben: “Dieser Beitrag liest sich aber so, …”

      Kein Beitrag liest sich selbst, und schon gar nicht auf bestimmte Weise! SIE lesen diesen Beitrag so, und weil das so ist, müssten Sie begründen, warum Sie Ihre Lesart eine als dem Beitrag angemessene einschätzen.

      Ich jedenfalls kann das nicht nachvollziehen, und ich habe ganz und gar nicht den Eindruck, dass unser Text suggeriert, es gäbe kein Problem! Im Gegenteil – wir weisen doch gerade auf das Problem hin, dass anscheinend viele Leute DEN Islam und DIE Muslime heute so konstruieren wie vor nicht allzu langer Zeit DAS Judentum und DIE Juden konstruiert wurden.

      Aber klar, wer nicht gerne denkt oder es schlicht nicht kann, der kann auch keine Übertragungsleistungen bringen und wird immer stupide behaupten: das ist doch etwas gaaaaaaanz anderes, auch wenn er nicht weiß, warum.

      Vielleicht lernen Sie einmal etwas über formales Denken – damit Ihre Praxis Sie nicht erschlägt!

  7. jsbielicki says:

    Hat dies auf psychosputnik rebloggt.

  8. chomskyy says:

    Ich halte die Variablen des Modells für richtig (Gruppenbildung, Schaffung einer sozialen Identität, Identitäts- und Symbolpolitik, sowie Konkurrenz um Prestige, Macht, Einfluss, Privilegien, materielle Güter etc.).

    M.E. können diese Faktoren jedoch nicht erklären, weshalb z.B. die Variable Bildung vielfach einen starken Einfluss auf menschenfeindliche Einstellungen hat, auch das Überzeugungssystem (autoritärer Charakter, politisch und ideologische Einstellungen etc.) scheint mir kaum berücksichtigt zu werden. Die Frage würde sich auch stellen, weshalb es vielfach zwischen den verschiedenen Kohorten starke Unterschiede gibt oder zwischen den Geschlechtern. Zudem stellt sich die Frage, ob nicht auch individualpsychologische Merkmale oder institutionelle Faktoren oder sogar makrostrukturelle Faktoren einen Einfluss haben?

  9. Dr. habil. Heike Diefenbach says:

    @Michael Klein

    Michael, schreit Dir auch so laut und klar entgegen, was systematisch und seltsamerweise NICHT zu hören ist, hier überhaupt nicht thematisiert wird? Die ANGST von MITTELSCHICHTLERN vor Konkurrenz um Positionen?

    Das ist für mich der beste Hinweis darauf, dass wir ein Tabu berührt haben…..

  10. Es ist allgemein zu beobachten, daß Menschen zu Gruppenbildung neigen — und nicht nur Menschen, auch Tiere. Es bilden sich sogar heterogene Gruppen. Haustiere, wie Hunde, Vögel und Katzen fühlen sich zu einer Familie zugehörig und greifen sogar bei Streit mit Fremden ein. Das Problem liegt also tiefer. Jeder wird sich dort anlagern, wo er geboren wurde oder hingeraten ist. Er hat kaum andere Möglichkeiten. Niemand würde schlußfolgern, daß Moslems nur Moslems gebären. Es ist kulturelle Vererbung.
    Die Existenzbedingungen schweißen Menschen und Tiere zu Gruppen zusammen. Die größere Einheit hat mehr Überlebenschancen. Diese Information wird vererbt und ist im Verhalten angelegt. Ein anderes Beispiel wäre der Fernsehfilm “Die Welle”.
    Ein Überschuß an Ressourcen kann die in dem Artikel als unschön empfundenen Tendenzen überdecken, nie aber auslöschen. Die in diesem Zusammenhang oft beschworene Vernunft existiert nicht, sie ist eingebildet. Vernünftig ist genau die obige Gruppenbildung, denn sie sichert die Existenz, und vernünftig ist auch der Kampf gegen andere Gruppen um die Ressourcen.

    Es braucht demnach nur eine eingebildete Zugehörigkeit, mehrere andere, die diese Einbildung teilen, ein Symbol für diese Zugehörigkeit und knappe Ressourcen, um einen Konflikt zwischen Gruppen zu schaffen.

    Wer sich zugehörig fühlt, der wird auch zur Anerkennung der Symbole neigen, denn es sind nur Symbole, Zeichen. Diese bilden sich irgendwann, siehe “Leben des Brian”, Sandale oder Kürbis. Knapp müssen die Ressourcen nicht sein, aber das ist förderlich.

    Von Erwachsenen erwartet man, dass sie um eine geteilte Menschlichkeit wissen, dass sie in der Lage sind, eine Verbindung zwischen ihren eigenen Bedürfnissen und den Bedürfnissen anderer herzustellen, zu abstrahieren und zu denken: Es gibt Dinge, die alle Menschen teilen.

    Eben nicht, das Hemd ist näher als die Hose. Das ist ja der Sinn der Vererbung vernünftigen Verhaltens.
    Es ist das Trauerspiel aller Soziologie, daß immer der Wunsch vor den Fakten steht. Das ging nicht nur den Kommunisten so.

    Alle Menschen haben Grundbedürfnisse nach Nahrung, Trinken, Schlaf, suchen Sicherheit und Selbstbestätigung. Derartige Gemeinsamkeiten sind wichtiger als eingebildete Gruppenzugehörigkeiten.

    Gruppenbildung ist real und nicht eingebildet. Sie existiert in allen Tierklassen und war sicher ein Grund für den Schritt vom Einzeller zum Mehrzeller. Gruppenbildung gibt es auch bei Pflanzen. Sie bemerken Botenstoffe ihrer Nachbarpflanzen und reagieren vernünftig darauf, also existenzerhaltend.

    Schade nur, dass die Hoffnung in die menschliche Rationalität in der Realität oft nicht wiederzufinden ist.

    Sie ist es, existenzerhaltend. Vernünftig ist, was die Existenz erhält. Welche andere Definition gäbe es?

    In der Realität gibt es willkürlich zusammengebastelte Nationalstaaten.

    Die sind nicht gebastelt. Basteln sehe ich nicht abwertend, denn das wäre ein Irrtum. Nationalstaaten sind im Existenzkampf entstanden.

    Die darin Eingepferchten denken tatsächlich…

    Tja, die Gruppenbildung hat nicht nur Vorteile, sie ist auch ein Gefängnis. Die Zellen meines Körpers können nicht mehr allein spazierengehen. Staatlicher Zwang resultiert daraus. An der Übertreibung leiden wir. Der Kampf findet eben auch im Staat statt.

    denn im Gegensatz zu den Jungen, die 1954 dem berichteten Experiment unterzogen wurden, braucht es heutzutage keinerlei physisches Gegenüber mehr, von dem man sich abgrenzt

    Wir müssen erstens mit dem Ererbten klarkommen und können uns keine Flügel wachsen lassen und dieses Verhalten ist existenzsichernd, also vernünftig.

    Die Fehleinschätzung anderer Gruppen ist sicher vorhanden und läßt sich kaum vermeiden. Sie läßt sich sicher durch Kontakt abmildern.

    Die sozialpsychologische Fehlfunktion, die Sherif und seine Mitarbeiter bei den Jungen in Robber’s Cave ausgemacht haben

    Komplett auf dem falschen Dampfer! Es ist keine Fehlfunktion! Wie können sich Menschen anmaßen, mit ihrem kleinen Verstand etwas zu kritisieren, was die Natur in Jahrmillionen schuf, was sie nur in einem winzigen Teil begriffen haben, die noch nichtmal eine einfache elektrische Anlage planen und aufbauen können?

    böse

    Böse sind immer die anderen — für jede Gruppe, das ist ja der Sinn der Gruppenbildung. Man kann also ruhig davon ausgehen, daß man für die andere Gruppe auch böse ist.

    würde man Muslimen Menschlichkeit zugestehen

    Die spricht ihnen keiner ab. Es gibt einige Extreme, die es leicht in die Medien schaffen. Das ist nunmal so. Die für Deutschland angestrebte Mischung der Völker löst keine Probleme, sie macht latente Probleme erst wild.
    Wer meint, daß man reale Gegebenheiten nach Belieben ignorieren kann, der sollte mal ein paar Runden Alien, we come in Peace, spielen.

    Man kann den Gruppenzwang umorientieren, wenn man den Planeten gegen Aliens oder eine Klimakatastrophe kämpfen läßt.

    Es muß also nicht krank oder defekt sein, was man nicht versteht. Als Ingenieur bin ich wesentlich einfachere Systeme gewöhnt, aber auch da läßt eine Fehldiagnose die Therapie scheitern. Und in der Technik steht eine einfache und klare Frage am Ende und da läßt sich nichts gutbeten wie in der Medizin oder Politik oder Wissenschaft. Da geht nur der Erfolg.

    Wozu also das Beharren auf eingebildeten Kategorien, um andere von Ressourcen auszuschließen?

    Dieses Verhalten ist vererbt und sehr fest verdrahtet. Umerziehungsexperimente scheitern, wie die kommunistische Suche nach dem neuen Menschen — dieser wäre wohl kein Mensch mehr. Wer einfachste Systeme nicht analysieren und reparieren kann braucht an den kompletten Umbau einer Gesellschaft nicht zu denken.
    Die unbeschreibliche Naivität im Umgang der Bürger mit dem wachsenden Staat läßt diesen erst zu dem gefräßigen Leviathan anschwellen, der Stück für Stück allen die Freiheit nimmt, von ihnen lebt, sie unterdrückt, sie in Kriege schickt…

    In der Konkurrenz der Gruppen wird immer die aggressivste gewinnen, alle Ressourcen.

    Ich bitte um Nachsicht, ich habe nunmal eine völlig andere Sicht auf diese Dinge. Trotzdem ist es gut, daß sciencefiles seine Leser immer mal testet und fordert.

    Carsten

    „Das Grundübel unserer Demokratie liegt darin, daß sie keine ist. Das Volk, der nominelle Herr und Souverän, hat in Wahrheit nichts zu sagen.”
    von Arnim, Verfassungsrechtler und Parteienkritiker

  11. Karl Egger says:

    Meiner Meinung nach entspringt der Leitgedanke dieses Artikel einem unzulässigen Umkehrschluss.

    Das Experiment Sherifs hat aufgezeigt, dass Menschen ein starkes Gefühl von “Wir und die Anderen” entwickeln, wenn man sie in Gruppen einteilt und gegeneinander konkurrieren lässt, obwohl zwischen den beiden Gruppen im Grunde keinerlei Unterschiede bestehen.

    Daraus kann man aber nun nicht im Umkehrschluss folgern, dass die Gründe, warum Menschen sich als Gruppe sehen und ein “Wir und die Anderen” definieren, immer von aussen konstruiert sind und eigentlich keinerlei Grundlage hätten.

    Sherif hat genau darauf geachtet, dass die Jungen nur “weißen, protestantischen Elternhäusern der Mittelschicht” enstammten. Er wollte den kulturellen Faktor der Gruppenbildung ausschalten, damit der ihm nicht möglicherweise in sein Experiment reinfunkt. Deswegen kann das Experiment aber auch nichts darüber aussagen, wie konstruiert z. B. Unterschiede zwischen islamisch und christlich sozialisierten Gruppen sind.

    • Sherif hat weiße jungen aus der protestantischen Mittelschicht ausgesucht, um nicht in die damals aktulle Subgruppen-Diskussion, die z.B. im Rahmen der Krimininologie und im Anschluss an z.B. Tasher, Whyte geführt wurde, zu kommen. Beide hatten mit “The Gang” und “Street Corner Society” Beispiele vorgelegt, für die Bildung devianter, delinquenter Gruppen, die aus der Unterschicht rekrutiert wurden. Sherif und seine Mitstreiter wollten genau das nicht, eine Diskussion, dass ihre Ergebnisse aufgrund der Auswahl ihrer Population aus der Unterschicht zustande gekommen sind. Deshalb haben sie sich Jungen gesucht, die vom Verdacht, von der mainstream Kultur der USA der 1950er abzuweichen, so weit wie nur möglich entfernt sind, um zu zeigen, dass Gewalt und die Bildung von In- und Out-Groups gerade kein Phänomen der Unterschicht, sondern im Gegenteil, eines der Oberschicht ist.

      Ihrem letzter Absatz fehlt der Mittelterm, so dass der Schluss nicht korrekt ist. Irgendwie verbindet nichts zwischen dem, was vor “deswegen” steht und dem, was hinter “deswegen” steht. Es fehlt genau die Begründung dafür, warum die Ergebnisse, die mit Jungen aus weißen Mittelschichtsfamilien gewonnen wurden, nicht übertragbar sein sollen. Bislang behaupten Sie das nur.

      • Karl Egger says:

        Sie müssten begründen, warum Identitäten wie “Deutschtum” und “Islam” ebenso willkürlich und bar jeder Grundlage sind wie “Klapperschlangen” und “Adler”. Das ist der Punkt.

        • Oder Sie müssten begründen, warum eine willkürliche Bezeichnung wie “Deutschtum” einen Niederschlag in der Realität haben soll, also nicht willkürlich sein soll. Das können Sie nur, in dem Sie die Essenz von Deutschtum bringen, was schlicht nicht möglich ist, und insofern meinen Punkt stützt, durch Reductio ad absurdum ihrer Behauptung.

          • Karl Egger says:

            Das müsste ich wohl, wenn ich Sie von der tatsächlichen Existenz eines “Deutschtums” überzeugen wollte. Um auf einen unzulässigen Umkehrschluss hinzuweisen, ist das aber nicht nötig.

  12. Oliver says:

    @ Carsten Thumulla: Vielen Dank für diese hervorragende Zusammenfassung/Gegenüberstellung. Dieses Thema scheint nicht nur für mich eines der kontroversesten der letzten Monate zu sein.

    Vorneweg möchte ich klarstellen, dass ich kein ausländerfeindlicher, dumpfbackiger, … Nadelstreifennazi bin, ich bin in der Nachbarschaft von Türken, Italienern und (damals durfte man das noch sagen) Zigeunern aufgewachsen, habe mit denen Fußball gespielt, im Jugendzentrum Billard gespielt und am Samstagabend nach der selben Discomusik peinliche Tänze getanzt. Ich will damit nur sagen, dass ich keine anerzogenen Vorbehalte gegen Menschen anderer Kulturen habe. Ich hatte nie und habe keine Berührungsängste mit anderen Kulturen, obwohl ich nun wirklich nicht der große Partylöwe bin. Ich bin wahrscheinlich durchschnittlich viel gereist, habe türkische Freunde (sowohl aus Kindheitstagen als auch im Erwachsenenalter gefundene), empfinde mich selbst als ziemlich tolerant und menschenfreundlich. Außerdem führe ich ein (nicht-kirchliches, unreligiöses) Leben nach christlichen Grundsätzen und versuche diese auch meinen beiden Jungen zu vermitteln. Und obwohl meiner Generation (Jahrgang 1968) in der Schule ein reflexhaftes schlechtes Gewissen gelehrt wurde, sobald man an seine (deutsche) Nationalität erinnert wurde, weigere ich mich, alles “Fremde” automatisch gut oder sogar besser finden zu _müssen_ , nur weil es fremd ist.

    @ Frau Dr. Diefenbach, Herrn Klein: Ich schätze die sciencefiles seit einiger Zeit sehr, Ihre Seite ist aus meiner täglichen Meinungsbildung nicht mehr wegzudenken, auch wenn ich weder Akademiker und schon gar kein Wissenschaftler bin. Aber: dieser Artikel und insbesondere Ihre Antworten auf Gegenmeinungen erwecken bei mir den Eindruck, dass Sie nur zwei Zustände zulassen – den Gruppenkuschler, der jeden Asyl suchenden Menschen mit offenen Armen empfängt, aus Interesse an anderen Kulturen den Koran studiert und jeder Gruppierung/Religionsgemeinschaft/Sekte den nötigen Raum zur Entfaltung gibt oder den (oben erwähnten) dumpfbackigen Deutschen, der alles Fremde hasst, nur, weil er es nicht kennt und am liebsten mit der Keule auf seine muslimischen Nachbarn losgehen würde – schließlich will der ihm ja seinen Job/seine gesellschaftiche Position etc. streitig machen. Jetzt werden Sie wahrscheinlich wieder (rhetorisch sicherlich hochgradig intelligent, aber am Thema vorbei) nach Belegen meiner Aussagen fragen und diese Kritik auf die eine oder andere Art wegwischen.

    Es gibt aber Menschen, die ihre eigene Kultur in ihrem eigenen Land einfach nur behalten möchten. Die weder den türkischen Gemüsehändler noch die Moschee in der Innenstadt schlimm finden, _aber_ befürchten, dass _langfristig_ eine Veränderung in ihrem eigenen Land stattfindet, die ihnen eine Leitkultur aufzwingt die sie nicht für sich selbst und auch nicht für ihre Kinder und Kindeskinder haben möchten. Dass diese Angst entsteht und auch artikuliert wird, sollte in Zeiten von PEGIDA und dem Wirbel um Bücher wie “Unterwerfung” französischen Autors Michel Houellebecq niemanden wundern. Ob “der Islam” (bitte keine begrifflichen Haarspaltereien!) aggressiv auf dem Vormarsch ist oder ob “die Medien” dies nur hochspielen, ob es nur fundamentalistische Splittergruppen sind, die die Weltherrschaft anstreben, das spielt für die Notwendigkeit einer offenen Diskussion keine Rolle.

    Viele Menschen haben Angst vor der Zukunft, selbstverständlich aus verschiedensten Gründen. Und das ist kein allein deutsches Problem oder Phänomen. Menschen, die an ihrer Kultur festhalten wollen, “ihr” Land an ihre Kinder weitergeben wollen und nicht blauäugig die ganze Welt als ihr Zuhause sehen, zu verurteilen und abzukanzeln ist sicher keine Lösung. Ebenso wenig scheint es mir zielführend, allein Gruppenzugehörigkeit und Ressourcenknappheit ins Feld zu führen, da unsere Lebenswirklichkeit deutlich komplexer ist als ein Jugendcamp in den 50ern. Falls der Artikel eine Art Antwort auf die PEGIDA-Demonstrationen (die ich im übrigen nicht gutheiße) sein soll, kann ich nur sagen: Sechs. Setzen.

  13. Becker says:

    Was ihr Islamisten gewährt ist exakt das, was ihr Genderisten seit Monaten nicht zugesteht.
    (Nebenkriegsschauplatz, der von eurem Vohaben/Auftrag ablenken könnte?)
    Viel Vergnügen wünsche ich miteinander.

  14. rote_pille says:

    das war der mit abstand schlechteste artikel, den ich je auf dieser seite gesehen habe. der islam ist nicht “konstruiert”, er hat sich über jahrhunderte gebildet, genauso wie die westliche kultur. die immer agressiver auftretenden forderungen nach priviliegien, die vielen gewalttätigen straftaten (bei weitem nicht nur terroristische anschläge), die nicht-akzeptanz der kritik an der religion, der überproportionlae anteil an sozialleistungen, die vom muslimen ausgehen sorgen für diese reibungen. und auch wenn sie die augen verschließen und sich nicht als “westlich” bezeichnen wollen, ist es egal, da die muslime gegen sie zusammenhalten werden und sie einen nachteil bekommen. in europa gibt stadtteile, wo polizisten angegriffen werden, und raten sie mal, wer dort die mehrheit stellt!

    • Das war der mit Abstand schlechteste Kommentar, den ich jemals auf ScienceFiles gelesen habe, denn rote_pille (sind das bewusstseinsreduzierende Pillen) hat in keiner Weise verstanden, woraum es hier geht. Als kleine Hilfestellung: Was wäre, wenn wir den Islam nun nicht mehr Islam sondern Grumpf nennen, wäre er dann verschwunden, der Islam? Aber die Argumentation führt doch zumindest soweit, dass wir in einem Analogieschluss feststellen müssen, dass alle Linken Terroristen sind, denn Baader und Meinhof waren Linke.

      • rote_pille says:

        das problem ist, diese terroristen sind nicht die einzigen. es gibt viele leute, die ihre taten in den sozialen netzwerken bejubelt haben. viele haben eine feindliche haltung gegenüber dem westen, wenn sie in der mehrheit wären, hätten wir höchstwahrscheinlich ein problem. sehen sie einfach mal zu den islamischen staaten, und wie dort mit “ungläubigen” umgegangen wird. und ich meine nicht nur den is damit! sie unterschätzen die gefahr, die von diesen leuten ausgeht!

  15. cource says:

    hitler wurde bekanntlich durch die rüstungsindustrie krupp und konsorten an die macht gebracht und wieder gibt es die armen würstchen, die glauben wenn sie dem kapital in den arsch kriechen sie auch was vom kuchen abbekommen

    • Hat am Ende der internationale Finanzjudentum Hitler an die Macht gebracht? Ich dachte immer, das hätte Hitler gerade bekämpfen wollen. Aber man lernt nie aus…

  16. n'Leser says:

    Hallo Herr Klein,

    super Beitrag, auch der mit Mannheim. Frisches Layout, frischer Wind?

    Rudelbildung kann man mit jeder Gruppe ab Vorschulalter wiederholen. Ganz unwissenschaftlich. Das Argument das dies ja nur minderjährige betrifft ist natürlich albern. Ob nun iPhone/Android, BMW/Mercedes, Bayer/Dortmund (ok die haben nen merger gemacht) oder Klassik/Pop. Lagerbildung allerorten und alles 18+.

    Da gibt es dann noch die schöne Geschichte die mit:

    “als ich klein war dachte ich Erwachsene wüssten was Sie tun…”

    anfängt.

    Ich lebe übrigens in ner Großstadt. Hier gibt es haufenweise türkische Läden die gut laufen weil Sie gut sind. Meist Familienbetriebe die sich ausdehnen weil die Familie funktioniert. Fast alle nett und man kennt sich nach einiger Zeit.

    Wer mit erzählen will das die ihre nichtausgebildeten Fremden zufällig gleicher Religion aber anderer Sprache freiwillig ins Land lässt hat noch nicht mit denen gesprochen. Dann war der noch der türkische Vater der empört war das sein krimineller Sohn mit ner Bewährungsstrafe davon gekommen ist und das hat er dem Richter auch gesagt.

    Des weiteren posten hier Leute die offensichtlich noch nie in Ländern waren wo mehrere große Religionsgemeinschaften friedliche zusammenleben (ich habe da gearbeitet). Von nichts eine Ahnung aber die die Medienverblödete aufgehetzte meinung ablassen.

    Die meisten Toten haben die ach so gläubigen christlichen Wertegemeinschaften auf dem Gewissen. Mit Abstand.

    Für die AntiKoranargumentierer empfehle ich die übrigens die im Internet verfügbare Schriftenreihe “schöner morden mit der Bibel”. Viel Spass beim lesen.

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  18. Pingback: Vergifter des sozialen Klimas: Würden Sie dieser Kindergärtnerin Ihr Kind überlassen? | ScienceFiles

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