Grenzen der Volkserzieher: Freie Märkte sind unvereinbar mit Totalitarismus


Der neue Mensch ist nicht dick. Sicher nicht. Er ist auch nicht unsportlich. Das schon gar nicht. Er raucht nicht. Himmel hilf. Seine Kritikfähigkeit reduziert sich auf Aussagen wie „Du Nazi“ oder „Das ist ja anti […. beliebiges Gutwort einsetzen]“. Der neue Mensch, wie er den Do-Goodern und Regierungen in dem, was sich moderne Staaten nennt, vorschwebt, ist bereit, einen kleinen Selbstbehalt zu akzeptieren und den größten Teil seines Einkommens als Steuer zu entrichten. Er zahlt gerne mehr für den Strom, weil er Öko-Strom unterstützen will. Er zahlt gerne mehr für soziale Ausgaben, weil 1.000.000 Flüchtlinge den moralischen Wert von Deutschland steigern. Er geht zwanzig, oder dreißig oder fünfzigmal zum Arzt, zur Vorsorgeuntersuchung gegen X, Y und Z, weil er ein guter Bürger ist, der seine Ansprüche gegenüber der Krankenkasse nicht verlieren will. Der neue Mensch und gute Bürger murrt nicht einmal, wenn er im Alter feststellt, dass trotz der horrenden Abzüge für die Rentenversicherung nicht genug Geld vorhanden ist, um ein Alter in Würde zu führen. Es macht dem guten Bürger schlicht nichts aus. Er geht dann zur Tafel oder wühlt sich durch öffentliche Mülleimer. Der neue Bürger ist auch sehr darauf bedacht, die Hygiene der öffentlichen Meinung zu wahren. Deshalb sagt er nichts, was anstößig ist, bringt zur Anzeige, was er anstößig findet und tut alles, damit es anderen nicht besser geht als ihm selbst.

Der neue Bürger ist leicht zu schaffen, wenn totalitäre Strukturen es befördern. Wer keine Alternative hat, weil sein Staat Alternativen mit hohen Kosten versehen hat, der lässt sich leicht in eine Richtung schieben oder nudgen, wie es heute heißt. Wer sich vor sozialen Kosten fürchtet, weil jeder, der seine Organe der wichtigen Nachwelt nicht übergeben will, auf dass Ärzte und Händler sich eine goldene Nase an dem unentgeltlich überlassenen Gut verdienen, dem kann man gut die Option, die Spende zu verweigern, lassen. Er wird sie nicht nutzen. Wer fürchten muss, durch ein falsches Wort, eine unangepasste Äußerung von der Horde der Gutmenschen verfolgt und verbal gekreuzigt zu werden, in der Folge seinen Job zu verlieren und Gefahr zu laufen, in Obdachlosigkeit zu enden, der ist leicht gefügig zu machen, leicht zum Verstummen zu bringen, leicht einzunorden. Nun ergänzen wir noch Kinder und die Verhaltenspflichten, die als staatliche Forderung an die richtige Aufzucht gestellt werden und fertig ist das totalitäre Umfeld, in dem kaum mehr jemand den Mund aufmacht.

In einem freien Markt ist das anders.

Ein Markt ist im Wesentlichen ein Ort der Optionen. Es gibt viele unterschiedliche Angebote und Nachfrager. Jeder findet etwas, was zu ihm passt.

Ein Markt als solcher ist zu groß, als dass man ihn kontrollieren und beherrschen könnte. Freiheit hat den großen Nachteil, mit Phantasie verbunden und genutzt zu werden.

Deshalb schränken Staaten Märkte ein.
Deshalb verknappen sie das Angebot.

Denn mit jeder Regulation, die den Markt wieder ein Stück beseitigt, geht auch ein Stückchen Freiheit verloren.

Und mit jedem Stückchen Freiheit, das beseitigt wird, werden Bürger gefügiger, so die Rechnung. Mit jedem Stückchen Gefügigkeit, das Staaten gewinnen, verschwindet ein Stückchen Widerstand.

Deshalb ist es oberste Priorität totalitärer Staaten, Märkte, seien es Märkte, auf denen Produkte, Waren, Dienstleistungen getauscht werden, seien es Märkte, auf denen Meinungen oder Informationen getauscht werden, zu beschränken, zu regulieren, zu kontrollieren.

Was passiert, wenn Staaten oder staatliche Organe keine Kontrolle über Märkte haben, zeigt ein Beispiel aus Seattle. Dort haben Do-Gooders beschlossen, dass sie die Adipositas vieler US-Amerikaner nicht mehr mitansehen wollen und deshalb den Preis von Coca Cola, Dr. Pepper und den anderen Softdrinks, die viel Zucker für wenig Geschmack anbieten, verdoppelt.

Das geschieht natürlich nur zum Besten der Bürger. Immer wenn Freiheiten von Bürgern eingeschränkt werden, haben die staatlichen Gefängniswärter nur das Beste der Bürger im Sinn, deren Sicherheit, deren Gesundheit, deren Lebensfreude … Und Lebensfreude gewinnt man bekanntlich nicht dadurch, dass man Coca Cola trinkt …

Man stelle sich ein entsprechendes Gesetz in Deutschland vor. Die Bundesregierung beschließt, dass alle Softdrinks, die Zucker enthalten, mit einer hohen Steuer belegt werden und nunmehr das Doppelte des vorherigen Preises kosten. Der Beschluss ist flächendeckend. Von Rewe in Kiel bis Aldi in Berchtesgaden gelten die erhöhten Preise. Die Gängelung der Verbraucher ist umfassend. Es gibt kein Schlupfloch außerhalb von Schmugglerringen. Die Beschränkung der Freiheit zu trinken, was man trinken will, ist uneingeschränkt.

Nicht so in den USA.
Hier scheitern die Versuche, bürgerliche Freiheiten zu beschränken, regelmäßig am Pluralismus der US-Kultur, der sich u.a. darin äußert, dass Persönlichkeitsrechte weitgehend unantastbar sind und keine Regelung so umfassend oder durchsetzbar ist, als dass man sie nicht unterlaufen könnte. Dass dem so ist, hat die Stadt Seattle bzw. die Do-Gooders, die dort die Stadt-Regierung bilden, gerade erfahren. Sie wollen das Verhalten ihrer Bürger so steuern, dass Letztere weniger Softdrinks trinken. Steuern ist hier wörtlich zu nehmen, denn ausgeheckt wurde eine Steuer auf Softdrinks, die eine fast Verdoppelung des Preises zum Ergebnis hat. In einem totalitären Staat ohne Alternative, in dem der Markt reglementiert und unfrei ist, käme eine solche Regelung dem Zwang für Bürger gleich, ihre Präferenzen nunmehr mit dem doppelten Einsatz von finanziellen Ressourcen zu verfolgen. Nicht so in den USA. Dort gibt es nicht nur einen Markt. Dort gibt es auch selbstbewusste Marktakteure. Mehr noch: Die selbstbewussten Marktakteure betreiben Supermärkte.

Und so hat Costco, ein großer Einzelhändler, nicht nur seine Preisschilder dahingehend geändert, dass die Kunden über die Höhe der Steuer, die in einen Preis eingeht, unterrichtet werden, Costco informiert seine Kunden auch darüber, dass die selben Produkte außerhalb von Seattle deutlich billiger sind, ergänzt durch die Adresse des nächsten Supermarkts außerhalb der Jurisdiktion von Seattle. Als Ergebnis haben sich die Absätze von Softdrinks in Seattle erheblich reduziert und sind im Umland fast explodiert.

Sozialwissenschaftler sprechen hier von Renitenz. Renitenz setzt immer dann ein, wenn ein Akteur von einem anderen zu etwas gezwungen werden soll, das er nicht tun will. Höhere Preise für etwas bezahlen zu müssen, weil ein Gutmensch meint, es sei der Gesundheit eines anderen schädlich, zu viel davon zu trinken, weshalb er Einfluss auf dessen Trinkmenge nehmen will, ist ein Zwang, der mit Sicherheit Renitenz nach sich zieht. Wie gesagt, in totalitären Systemen haben diejenigen, die Zwang ausüben, gleich welche Form der Zwang annimmt, leichtes Spiel mit ihren Opfern. Wer sich nicht fügt, wird in den Untergrund gezwungen und bezahlt sein Beharren auf Handlungsfreiheit damit, kriminalisiert zu werden. In einem freien Markt ist das nicht möglich. Dort kann ein Gezwungener den Anbieter wechseln und seine Bedürfnisse woanders befriedigen. Dort haben diejenigen, die Zwang ausüben, nicht so leichtes Spiel mit denen, die sie zwingen wollen.

Deshalb ist bei denen, die gerne Zwang auf andere ausüben wollen, die deren Handlungen, Entscheidungen und Gewohnheiten durch Zwang verändern wollen, der Markt so verhasst. Deshalb wollen sie Märkte, gleich welcher Art, dadurch zerstören, dass sie sie reglementieren. Denn Märkte sind die Feinde des Totalitarismus.

Eine gute Zusammenfassung der Bauchlandung, die die Gutmenschen in Seattle erlitten haben, findet sich hier.

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Klotzen, nicht Kleckern: Wenn Sie ein Schwein sein wollen, dann bitte richtig

Die Unverfrorenheit, der man heutzutage gegenübersteht, ist erstaunlich. Politiker fälschen wissenschaftliche Arbeiten, erfinden ein ganzes Studium, finanzieren ihre Kumpane über eigens erfundene Programme, die von Steuerzahlern bezahlt werden. Und weil das noch nicht reicht, beschimpfen sie Bürger, die ihre bürgerlichen Rechte wahrnehmen, als Wut- oder Problembürger oder gleich als Pack, sprechen anderen demokratische Rechte vollständig ab und führen sich auf, als würde ihnen die Deutschland AG komplett gehören, als wären sie gar keine Angestellten, die im Auftrag von Wählern deren Willen ausführen müssen.

ncomms13327-f1Frechheit siegt, so hat man früher gesagt, wenn man mit Zeitgenossen konfrontiert war, deren Unverfrorenheit bis sie an einem selbst geraten sind, zum Erfolg geführt hat. Aber früher hat man auch gedacht, dass es eine Grenze der Frechheit gibt, die von zwei Seiten definiert wird: Von Seiten derjenigen, die sich auf diese Weise Vorteile verschaffen wollen, einfach dadurch, dass sie eine moralische Grenze für sich einhalten, also z.B. nicht zu offen auf Kosten von Steuerzahlern leben, keine Studienabschlüsse erfinden und keine Kinderpornographie auf Rechnern, die Steuerzahler finanziert haben, sammeln, und von Seiten derjenigen, die mit Unverfrorenen konfrontiert sind, die sich entsprechend Vorteile verschaffen wollen, einfach dadurch, dass sie Grenzen der Zumutbarkeit und Akzeptanz setzen und wenn es anders nicht geht, eine auf’s Maul geben.

Neue Forschung aus Deutschland, von der Universität Köln, die gerade in Nature Communications veröffentlicht wurde, stellt diese Sicht der Dinge in Frage und legt den Schluss nahe, dass man, wenn man sich wie ein Schwein verhalten will, sich am besten wie ein großes Schwein verhält.

Loukas Balafoutas, Nikos Nikiforakis und Bettina Rockenbach haben untersucht, wie sich Passanten verhalten, die einen Normverstoß auf einem Bahnhof beobachten. Den Normverstoß gab es in zwei Formen: als Kaffeebecher und als Müllsack. Beides wurde einfach auf den Bahnsteig geworfen. 100 Passanten und deren Reaktionen haben die Forscher beobachtet und in anschließenden Befragungen, weitere 510 und noch einmal 324 Befragte mit dem Szenario und einigen Fragen dazu konfrontiert.

Das Ergebnis:

Die Mehrzahl der Passanten, die beobachteten, wie ein Kaffeebecher oder ein Müllsack auf den Bahnsteig geworfen wird, unternimmt nichts, gar nichts, macht keinen Versuch, den Normverstoß zu bestrafen. Mehr noch: Die Minderheit derer, die den Normverstoß direkt bestrafen, indem sie den öffentlichen Müllentsorger z.B. verbal maßregeln wird geringer, wenn ein großer Müllsack anstelle eines kleinen Kaffeebechers auf den Bahnsteig geworfen wird. Mit einem gröberen Verstoß gegen die Regeln des Miteinanders geht also ein geringere Wahrscheinlichkeit von Konsequenzen einher. Das mag erklären, warum Politiker heute, wenn es darum geht, sich opportunistisch gegenüber den eigenen Bürgern zu verhalten, nicht mehr Kleckern, sondern Klotzen.

angst-vor-aergerAls Erklärung dafür, warum sie den wilden Müllentsorger nicht für seinen Normverstoß zur Rede gestellt und ihn nicht dafür verantwortlich gemacht haben, geben 53% beim Kaffeebecher und 67% beim Müllsack an, dass das „zu Streit führen könnte“. Angst ist somit die Ursache dafür, dass Personen, die sich in der Öffentlichkeit wie Schweine benehmen, kaum Konsequenzen für ihr Verhalten zu erwarten haben, und je größer ihr Regelverstoß, desto größer ist die Angst vor Streit, d.h. je größer der Schaden durch den Normverstoß (für die Allgemeinheit), desto unwahrscheinlicher die Konsequenzen für denjenigen, der sich wie ein Schwein benommen hat.
Dieses Ergebnis erklärt unsere Überschrift und das Verhalten mancher Politiker.

Wir entschuldigen uns an dieser Stelle ausdrücklich bei allen Schweinen, die zu intelligent sind, als dass sie ausgerechnet als Bezeichnung für Menschen herhalten sollten, die die Angst ihrer Mitmenschen ausnutzen. Wir begründen unsere Verwendung des Begriffs „Schwein“ mit kultureller Gepflogenheit, die den Begriff „Schwein“ dann, wenn er auf Menschen angewendet wird, seiner moralischen Befähigung, die ihn auszeichnet, wenn er auf die entsprechenden Tiere angewendet wird, entledigt.


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Untersuchung zeigt, was Wächter der politischen Korrektheit treibt

Wir haben wieder einmal ein kleines Juwel der Sozialforschung gefunden.

Zachary K. Rothschild, Mark J. Landau, Lucas A. Keefer und Daniel Sullivan sind dafür verantwortlich.

Und: “Another’s punishment cleanses the self: Evidence for a moral cleansing function of punishing transgressors” ist der Titel des Beitrags, der in der Zeitschrift Motivation and Emotion zur Veröffentlichung ansteht.

Die Untersuchung

Motivation Emotion SpringerIn drei Experimenten haben die Autoren die Idee getestet, dass eigene A-Moralität, das Wissen um eigene Verstöße gegen moralische Grundregeln (also z.B. das Begehen einer Straftat), dann als weniger schlimm empfunden wird, wenn es Andere gibt, die wegen moralischer Verfehlungen bestraft worden sind.

Das klingt zunächst etwas kryptisch.

Daher in Abfolge:

Alle drei Experimente begannen damit, dass ein Teil der Probanden eine kurze Begebenheit zu Papier bringen sollten, bei der sie in einer moralisch nicht vertretbaren Weise gehandelt haben.

Dann wurde den Probanden jeweils eine Geschichte zu lesen gegeben, und zwar in Experiment 1 von einem Studenten, dem vorgeworfen wurde aus einer Spendenbox an der Universität Geld gestohlen zu haben. Die Geschichte hatte drei verschiedene Ausgänge: (1) der Vorwurf gegen den Studenten hat sich als falsch erwiesen; (2) der Vorwurf hat sich als richtig erwiesen, aber der Student konnte nicht bestraft werden, weil er kein Student der Universität mehr war, (3) der Student wurde bestraft und von der Universität verwiesen.

Sodann sollten die Probanden auf einer 6-Punkte-Skala (“1” stimme überhaupt nicht zu bis “6” stimme voll und ganz zu) jeweils einschätzen, ob sie sich “außerordentlich rein”, “sehr sauber”, “dreckig” oder “verschmutzt” fühlten.

Ergebnis: Die Probanden, denen aufgegeben war, eine Episode zu erinnern und zu Papier zu bringen, in der sich sich in einer moralisch nicht vertretbaren Weise verhalten hatten, fühlten sich phyisch schmutziger als die Probanden, denen diese Aufgabe nicht gestellt worden war. Das Gefühl, psychisch verschmutzt zu sein, reduzierte sich erheblich, wenn die Probadenen mit der Version der Geschichte des Studenten konfrontiert wurden, in der der Student bestraft wurde.

Kurz: Das Wissen um die Bestrafung eines Dritten reduziert Gefühle der Verschmutzung aufgrund eigenen nicht moralischen Handelns.

Zwei weitere Experimente haben die Autoren durchgeführt, bei denen Sie Bedingungen und Einschätzungen variiert haben.

Die Ergebnisse bestätigen Experiment 1. So hatten Probanden, die ein eigenes nicht moralisches Verhalten berichtet hatten, größere Schuldgefühle als die Vergleichsgruppe, sie schätzten andere Personen, die sich nicht moralisch verhalten haben, als körperlich dreckiger ein als die Vergleichsgruppe, sie waren bereitwilliger als die Vergleichsgruppe ihr nicht moralisches Verhalten zu revidieren, eine Bereitschaft, die erloschen ist, wenn sie erfahren haben, dass ein Dritter für sein nicht moralisches Verhalten bestraft wurde.

Schließlich haben Probanden, die ein eigenes nicht moralisches Verhalten berichtet haben, einen Autofahrer, der eine Unfallflucht begangen hat und sich ebenfalls nicht moralisch verhalten hat, als boshafter eingeschätzt als die Vergleichsgruppe, wobei die Probanden gleichzeitig mehr eigene Schuld empfunden haben als die Vergleichsgruppe, allerdings nur so lange, bis sie erfahren haben, dass der Unfallflüchtige bestraft wurde.

So what?

Alle drei Experimente zeigen die symbolische Bedeutung öffentlicher Bestrafung von Personen, die sich moralisch nicht korrekt verhalten haben: Öffentliche, mediale Hinrichtungen wirken als moralische Reinigung für alle Betrachter, die sich ihrerseits moralisch nicht korrekt verhalten haben, die Straftaten begangen haben usw.

Mediale Hinrichtungen von Personen, die sich nicht moralisch verhalten haben, die also den Kanon der Regeln, die als für die Gesellschaft wichtig angesehen werden (sollen), nicht eingehalten haben, von Personen wie Uli Hoeneß oder Christop Daum, für die, die sich noch an ihn erinnern, dienen also nicht nur der Generalprävention, wie Kriminologen annehmen, also der Kenntlichmachung dessen, was passiert, wenn man z.B. Steuern hinterzieht, sie dienen auch der moralischen Reinigung, und dazu dienen sie all denen, die ihrerseits Leichen im Keller haben.

Entsprechend haben mediale Hinrichtungen oder Schauprozesse nicht nur eine positive generalpräventive, sondern auch eine negative Wirkung, führen sie doch dazu, dass all diejenigen, die sich ihrerseits schuldig fühlen, z.B. weil sie Steuern hinterzogen haben, z.B. weil sie Brandsätze geworfen haben, z.B. weil sie fremdes Eigentum zerstört haben, durch die öffentliche Zelebrierung der Bestrafung eines Dritten, von aller eigenen moralischen Verfehlung gereinigt.

Insofern öffentliche Hinrichtungen oder öffentiche Pranger eine reinigende Funktion für die Betrachter haben, quasi eine Form der Beichtstuhl-Absolution, lässt sich mediales Aufmerksam-Machen auf vermeintliche Verfehlungen Dritter natürlich dazu instrumentalisieren, die Leichen im eigenen moralischen Keller etwas tiefer zu verbuddeln.

Und das erklärt, warum Wächter der politischen Korrektheit aus dem Boden schießen, deren einziges Anliegen darin besteht, moralische Überlegenheit zu zelebrieren und die Abweichung von dem, was sie als politisch korrekt wahrnehmen, anzuprangern.

AfD-Watch, deren Ziel darin besteht, Dritte zu diffamieren und öffentlich zu brandmarken, Münkler-Watch, dessen Ziel darin besteht, einen konkreten Professor zu diffamieren und öffentlich zu brandmarken, der Jammerzirkus, der klagend ob des wachsenden Anti-Feminismus durch die Lande zieht und dessen Ziel darin besteht, alle, die Kritik am Genderismus üben, zu diffamieren und öffentlich zu brandmarken, die Antifas, die wechselweise gegen das furchtbare Kapital, die schreckliche Globalisierung, die verderbliche Kernkraft, die zersetzende Gentechnik zu Felde ziehen und regelmäßig versuchen, die Bösen in ihrer Bösartigkeit öffentlich zu kreuzigen, sie alle werden getrieben von dem Motiv, sich selbst zu reinigen, ihre eigenen moralischen Unzulänglichkeiten quasi auf Dritte zu projizieren.

Die öffentlichen Hinrichtungen, die wir in letzter Zeit beobachten können, sind somit nichts anderes als der Ersatz für den Beichtstuhl in der nicht-säkularen deutschen Gesellschaft: Sie verteilen Absolution an diejenigen, die sich selbst für moralisch unzulänglich und nicht gesellschaftsfähig halten.

Rothschild, Zachary K., Landau, Mark J., Keefer, Lucas A. & Sullivan, Daniel (2015). Another’s Punishment Cleanses the Self: Evidence for a Moral Cleansing Function of Punishing Transgressors. Motivation and Emotion (Online First).

Der Islam oder: Einbildung als Rettungsanker der Mittelschicht?

“Im Sommer 1954 versammelten Forscher um den US-amerikanischen Sozialpsychologen Muzafer Sherif 22 Jungen in einem Sommerlager. Die Jungen entstammten ausnahmslos weißen, protestantischen Elternhäusern der Mittelschicht. Die Jungen Robbers-Cave-Experimentwurden in zwei Gruppen geteilt, wobei die Forscher darauf geachtet haben, dass die physischen, geistigen und sozialen Talente der Jungen auf beide Gruppen ungefähr gleich verteilt waren. Beide Gruppen wussten zunächst nichts voneinander. Durch gemeinsame Tätigkeiten und Spiele entwickelten die Jungen beider Gruppen, die sich vor dem Sommerlager nicht gekannt hatten, ein Zusammengehörigkeistgefühl, das sich schnell in einem Gruppennamen niederschlug. Die eine Gruppe nannte sich “die Adler”, die andere Gruppe nannte sich “die Klapperschlangen”. Nachdem Mitglieder der Klapperschlagen und der Adler auf das Vorhandensein der jeweils anderen Gruppe hingewiesen wurden, entwicklten die Mitglieder beider Gruppen ein starkes “Wir-Gefühl”, dessen sichtbares Zeichen eine Flagge war, mit der Mitglieder beider Gruppen ihre Besitzstände zu signalisieren suchten. Gleichzeitig entstanden erste Gruppenanimositäten: Jungen aus beiden Gruppen belegten sich mit Schimpfworten, der jeweilige Gruppenname wurde von den Jungen der jeweils anderen Gruppe als Schimpfwort benutzt. Die Forscher nutzten diese Situation, um einen Wettbewerb auszuloben, an dessen Ende die Mitglieder der siegreiche Gruppe eine Trophäe und Medaillen erhalten sollten. Die Adler gewannen diesen Wettbewerb, was bei die Mitglieder der unterlegenen Klapperschlangen dazu veranlasst hat, die Unterkunft der Adler zu überfallen und die Trophäe, sowie die Medaillen und alle Taschenmesser, derer sie habhaft werden konnten, zu stehlen. Die Forscher hatten einen Krieg zwischen zwei Jungengruppen aus dem Nichts und auf Grundlage von willkürlichen Gruppenbezeichnungen geschaffen. Das Experiment von Sherif et al. ist als Robber’s Cave Experiment in die Geschichte der Sozialpsychologie eingegangen.”

Instrumentell für die Schaffung von Animositäten zwischen Jungen, die sich bis zum Start des Sommerlagers nicht kannten, war die Schaffung einer willkürlichen und fiktiven sozialen Identität und damit eines “Wir-Gefühls, die Benennung und damit Sichtbarmachung dieser Identität als “Klapperschlagen” und “Adler” und die Symbolisierung dieser Identität mit Hilfe von Artefakten, im vorliegenden Fall mit Hilfe einer Fahne. Die Einführung von Knappheitsbedingungen durch einen Wettbewerb, den nur eine beider Gruppen gewinnen kann, hat die Gruppenidentität nach innen gestärkt und nach außen in Ablehnung und Hass gegenüber der anderen Gruppe überführt. Schließlich hat der Ausschluss einer der beiden Gruppen von Ressourcen (signalisiert durch die Vergabe von Trophäe und Medaillen an die andere Gruppe) zu offener Feinschaft und Gewalthandlungen geführt.

Es braucht demanch nur eine eingebildete Zugehörigkeit, mehrere andere, die diese Einbildung teilen, ein Symbol für diese Zugehörigkeit und knappe Ressourcen, um einen Konflikt zwischen Gruppen zu schaffen.

Sherif Robbers caveNun denkt man, das sind Jungen und eben keine Erwachsenen. Bei Erwachsenen ist das anders. Erwachsene sind rationaler und durchschauen die Willkürlichkeit von Gruppenidentitäten. Erwachsene wissen, dass es keine Identität der “Klapperschlangen” gibt, keine Essenz, die die “Klapperschlangen” von den “Adlern” unterscheidet. Von Erwachsenen erwartet man, dass sie um eine geteilte Menschlichkeit wissen, dass sie in der Lage sind, eine Verbindung zwischen ihren eigenen Bedürfnissen und den Bedürfnissen anderer herzustellen, zu abstrahieren und zu denken: Es gibt Dinge, die alle Menschen teilen. Alle Menschen haben Grundbedürfnisse nach Nahrung, Trinken, Schlaf, suchen Sicherheit und Selbstbestätigung. Derartige Gemeinsamkeiten sind wichtiger als eingebildete Gruppenzugehörigkeiten.

Schade nur, dass die Hoffnung in die menschliche Rationalität in der Realität oft nicht wiederzufinden ist. In der Realität gibt es willkürlich zusammengebastelte Nationalstaaten. Die darin Eingepferchten denken tatsächlich, sie wären über die gemeinsame Verpflichtung, Steuern an eine Polit-Klasse zu entrichen, durch geheimnisvolle Kräfte, Klapperschlangen-Kräfte, miteinander verbunden und so zusammengeschweißt, dass es mehr Gemeinsamkeit zwischen einem Hamburger und einem Würzburger gibt als zwischen einem Türken und einem Deutschen.

Und wie Klapperschlangen und Adler im Robber’s Cave Experiment ihre Zusammengehörigkeit dadurch zementiert haben, dass sie sich von der jeweils anderen Gruppe absetzten, die jeweils andere Gruppe als deviant, abweichend und feindlich definiert haben, so findet auch heute die Definition von z.B. Deutschtum ausschließlich in Abgrenzung nach außen, z.B. vom Islam Fall statt. Der Islam, das sind die Adler der Klapperschlangen, so könnte man formulieren, aber das wäre falsch, denn im Gegensatz zu den Jungen, die 1954 dem berichteten Experiment unterzogen wurden, braucht es heutzutage keinerlei physisches Gegenüber mehr, von dem man sich abgrenzt.

Im Zeitalter medialer Dauerberieselung genügt es, sich Phantasien vom bösen Gegenüber zu machen, diese Phantasien dann mit einem Namen zu versehen, Islam zu nennen, um dann, zur Krönung der Aneinanderreihung von Fehlschlüssen, alle, die sich zum Islam Bekennen als Feinde auszumachen. Die sozialpsychologische Fehlfunktion, die Sherif und seine Mitarbeiter bei den Jungen in Robber’s Cave ausgemacht haben, geht entsprechend deutlich über das hinaus, was sich Sherif et al. vorstellen konnten.

Offensichtlich ist es für manche problemlos möglich, nicht nur eine willkürliche Bezeichnung mit ihren Ängsten und Bedrohungsphantasien zu füllen, sie sind auch in der Lage, diese Phantasien auf mehr als eine Milliarde Menschen zu übertragen und die Überzeugung zu vertreten, dass diese Milliarde Menschen des Teufels sind.

Der bindende Kitt für diesen Fehlschluss ist eine Variable, die Sherif und seine Mitarbeiter nicht berücksichtigt haben, die ihnen vermutlich nicht einmal in den Sinn gekommen ist: Essentialismus. Essentialismus meint die Zuweisung von unveränderlichen und für ein Zuweisungsobjekt konstituierenden Eigenschaften. Der Essentialismus für Islam lautet: böse Religion.

Essentialismus kennt keinerlei Differenzierung, basiert er doch gerade auf der Überzeugung, dass der Nukleus der bösen Religion sich wesenhaft in allen findet, die sich durch die böse Religion haben infizieren lassen. Entsprechend kann es für Essentialisten nur böse Muslime, Islamisten, Araber, wie auch immer man sie bezeichnen will, geben. Gute Muslime sind nicht vorgesehen, bringen das ganze kunstvolle Phantasiegebilde zum Einsturz.

Für diesen essentialistischen Wahn sind manche bereit, jede Menschlichkeit aufzugeben. Das äußert sich dann in einer unglaublichen Entfremdung von allem, was man als normal menschlich bezeichnet. Im sich ergebenden Zerrbild ist dann kein Platz für menschliche Bedürfnisse, für Hunger, Angst, Liebe, Furcht, Schrecken – all das, was die Vertreter eines entsprechenden Essentialismus für sich in Anspruch nehmen, ist damit gleichsam anderen entzogen: Muslime können es nicht haben, können weder Furcht, noch Hunger noch Liebe oder Angst empfinden. Man hat sie entmenschlicht, um die eigene Vorstellung, die auf der Grundlage einer herbeiphantaiserten Gemeinsamkeit gebildet wurde, aufrecht erhalten zu können. Und dieses Fundament wäre mit einem Schlag beseitigt, würde man Muslimen Menschlichkeit zugestehen.

TajfelNun hat die Gruppenzuordnung noch einen Zweck, der über die Not, sich eine Identität, eine soziale, keine personale, zu geben, hinausgeht: den der Sicherung von Ressourcen durch den Ausschluss anderer – und damit die letzte Zutat aus dem Robber’s Cave Experiment.

Und wieder denkt man: Robber’s Cave, das waren Jungen, keine Erwachsenen: Erwachsene wissen, dass der Zugang zu Ressourcen nicht von eingebildeten Zuordnungen abhängt, dass sich z.B. deutsche Politiker und deutsche Funktionäre, die allesamt die fiktive Eigenschaft teilen, deutsch zu sein, munter selbst bedienen und der Schaden, der von ihnen jährlich angerichtet wird, duch Klientelpolitik und Bevorzugung ihrer deutschen Spezies, deutlich höher ist als alle Kosten, die entstünden, ließe man Angehörige von als fremd etikettierten Gruppen an den vorhandenen Ressourcen partizipieren.

Wozu also das Beharren auf eingebildeten Kategorien, um andere von Ressourcen auszuschließen? Man kann nicht anders als ein unrühmliches Treten nach unten anzunehmen, ein Treten, das Getretene nicht diejenigen zur Rechenschaft ziehen sieht, die sie getreten haben, sondern ihrerseits nach unten treten lässt …

Die Angst der Mittelschicht vor dem sozialen Abstieg!

Kein Platz für Andersdenkende: Intolerante Sozialwissenschaften

Ist es nicht interessant, dass die deutschen Sozialwissenschaften (und nicht nur die deutschen) die Diversität, die Toleranz und Akzeptanz Andersdenkender predigen, dass sie gegen Diskriminierung zu Felde ziehen und sich für Vielfalt einsetzen, dies aus einem Fach heraus tun, das all dies nicht ist: tolerant, divers, vielfältig, und, so muss man anfügen auch nicht interessant?

Es ist dies einer der Widersprüche des täglichen Lebens, einer der Widersprüche, der sich aufgrund sozialer Prozesse ergibt, für die diejenigen, die vorgeben, sie würden soziale Prozesse in der Gesellschaft untersuchen, regelmäßig dann blind sind, wenn sie im eigenen Umfeld stattfinden, wenn sie selbst Teil dieses Prozesses sind – und nicht nur dann. Deshalb gilt Toleranz immer für die anderen, nie für diejenigen, die Toleranz fordern.

Guinness black is beautifulDass nicht nur die deutschen Sozialwissenschaften sich in einem Schließungsprozess befinden, in dem nur noch bestimmte Ideen zugelassen sind, während andere Ideen ausgeschlossen werden, dass Sozialwissenschaften allgemein eine Abwärtsspirale der politischen Korrektheit durchlaufen, die sie das in Menge produzieren lässt, was man im Englischen als Junk Science bezeichnet: Unnütze Studien, die z.B. nachweisen wollen, dass Frauen in Vorständen den Profit des Unternehmens erhöhen oder die gezeigt haben wollen, dass jedes Recht, das ein Land an Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle vergibt, das Bruttosozialprodukt um 320 US-Dollar pro Kopf erhöht.

Um zu sehen, dass es sich bei diesen vermeintlichen Studien um Junk Science handelt, muss man sich nur ins richtige Leben begeben und sich überlegen, wie es möglich sein soll, dass sagen wir zwei Frauen mehr im Vorstand dazu führen, dass der Guiness-Absatz von Diageo in Argentinien um 5% steigt. Oder man muss sich nur überlegen, wie die Tatsache, dass Schwule sich jetzt Kinder kaufen dürfen, dazu beitragen soll, dass der Export, also das Zugpferd des Bruttosozialprodukts in Deutschland, angekurbelt wird und gerade nicht in den Ländern, aus denen die Bestellkinder geliefert werden. Das reicht bereits, um derartigen Unsinn als ebensolchen zu entlarven, ohne dass man sich Fragen wie der nach Kausalität und Korrelation überhaupt stellen muss.

Dass die Sozialwissenschaften dabei sind, sich in eine Sekte zu verwandeln, die nur noch bestimmte Ideen zulässt, die nur noch bestimmte Gegenstände beforscht, sofern sie überhaupt forscht und in denen mehr Betrachtungen als Ergebnisse publiziert werden, fällt immer mehr Wissenschaftlern auf. Das neueste Beispiel stammt aus den USA, wird demnächst in Behavioral and Brain Science veröffentlicht und geht mit der Sozialpsychologie hart ins Gericht. Duarte et al. (2014) haben es verfasst, und es sei an dieser Stelle allen Lesern als Weihnachtslektüre empfohlen.

Science Left BehindWie fast alle Sozialwissenschaften, so ist auch die Sozialpsychologie links unterwandert, anders formuliert: unter Sozialwissenschaftlern finden sich deutlich mehr Personen, die sich politisch links ansiedeln als solche, die von sich sagen, sie wären in der Mitte beheimatet, rechts oder gar liberal. Die sozialwissenschaftlichen Prediger der Diversität sind selbst eines nicht: divers. Und sie sind es über die vergangenen Jahrzehnte betrachtet immer weniger geworden. Vielmehr stellen sich Sozialwissenschaften in den meisten westlichen Ländern als linke Projekte dar, als Projekte, die gar nicht tolerant gegenüber rechten oder liberalen Ideen sind.

Dies, so Duarte et al., trage die Gefahr von Selbstselektion, Schließung und Group Think in sich, und das ist natürlich ein Euphemismus, denn, wie Duarte et al. selbst beschreiben, hat diese Schließung längst stattgefunden, ist Selbstselektion von Linken in die linken Sozialwissenschaften längst die Normalität, hat diese Normalität längst dazu geführt, dass die Mehrheit der Professoren offen zugibt, dass sie Bewerber, die nicht links sind, selbst bei besserer Eignung nicht einstellen würden (Inbar & Lammers, 2012).

Dass in Sozialwissenschaften ein für alle, die nicht links sind, feindliches Klima herrscht, das längst dazu geführt hat, dass bestimmte Ideen nicht mehr gedacht werden (dürfen) und diejenigen, die sie dennoch denken, negativ sanktioniert werden, haben mutige Forscher schon mehrfach und früh gezeigt: Abramowitz et al. (1975) haben ein fast identisches wissenschaftliches Papier von Kollegen bewerten lassen, dabei haben sie nur eine Winzigkeit verändert: die Darstellung eines Ergebnisses. Eine Studie, die die mentale Stablilität mit politischer Ideologie in Verbindung brachte, kam einmal zu dem Ergebnis, dass Linke mental stabiler sind als Rechte, einmal waren Linke mental instabiler als Rechte. Kollegen, die mit diesen Ergebnissen konfrontiert wurden und sich politisch links verorteten, bewerteten das Papier von Abramowitz et al. besser, wenn es das Ergebnis hatte, dass Linke mental stabiler sind als Rechte. Kollegen, die sich politisch rechts einordneten, hatten diesen Bias in der Bewertung nicht.

confirmation biasMit anderen Worten: Sozialwissenschaftler, die sich politisch links verorten, diskriminieren gegen Personen, die sich nicht als politisch links zu erkennen geben, sie bewerten Forschungsergebnisse danach, ob sie ihrer politischen Überzeugung entsprechen, und sie verzerren als Folge Forschung in einem wissenschaftlichen Feld, machen aus wissenschaftlicher eine ideologische Forschung, die nur noch auf der Suche nach Bestätigung für die eigene Weltsicht ist (confirmation bias) und alle Ergebnisse, die der eigenen ideologischen Überzeugung widersprechen, ausblendet, bekämpft und in keinem Fall toleriert.

Sozialwissenschaftler und ihre Wissenschaften sind auf dem besten Weg, eine religiöse Sekte voller linker Überzeugungstäter zu werden, die sich aufgrund ihrer verzerrten Wahrnehmung immer weiter von der Realität und der Normalität der Gesellschaft entfernen, die sie umgibt. Und weil dem so ist, sind Sozialwissenschaften nur noch für Ideologen interessant, deshalb zieht es vor allem linke politische Aktivisten in die Sozialwissenschaften, in denen sie ihr ideologisches Zerstörungswerk fortsetzen und die Sozialwissenschaften in einer Welle von gleichgeschalteter, langweiliger, linker und vor allem politisch korrekter Forschung ertränken.

Duarte et al. (2014) beenden ihren Beitrag mit einer Reihe von Empfehlungen, die dafür sorgen sollen, dass Sozialwissenschaften zu dem werden, was die derzeitigen Sozialwissenschaftler angeblich so wichtig finden: divers, vielseitig und tolerant:

  • Zunächst müssen Professoren der Sozialwissenschaften zugeben, dass ihr Fach zu einem ideologisch homogenen Feld verkommen ist. Eine Hürde, die in Deutschland doppelt hoch ist, denn sie beinhaltet nicht nur Einsicht, sondern auch Mut, Mut den Mund aufzumachen.
  • Dann müssen in den Sozialwissenschaften Diversität und Vielfalt Einzug halten, z.B. in Form von Kritik an politisch korrekter Forschung oder von Kritik am Feminismus, dessen Vertreter Ressourcen verschlingen ohne auch nur ein produktives Payback zu produzieren.
  • Dies setzt voraus, dass sich Sozialwissenschaftler ihrer eigenen Bigotterie bewusst werden und sich selbst zum Forschungsgegenstand machen, denn nur auf diese Weise können die Doppelstandards aufgedeckt werden, die viele unter ihnen auf der einen Seite Diversität predigen lassen, wie dies z.B. die Gender Studies unablässig tun, um auf der anderen Seite alle diejenigen zu bekämpfen und zu denunzieren, die diverse Meinungen, also Abweichungen von der Ideologie der Gender Studies formulieren.
  • Schließlich fordern Duarte et al. zwei Kröten, die in Deutschland vermutlich niemand schlucken wird: Einerseits sollten Publikationen, die bewusst von der herrschenden Meinung, also der politischen Korrektheit, abweichen, gefördert werden. Andererseits sollte ein neues Wertesystem für Sozialwissenschaftler gelten, nämlich eines, das diejenigen, die ihre Fehler aussitzen wollen und sich mit Kritik an ihren Veröffentlichungen nicht beschäftigen, derart in der Reputation beschädigt, dass sie die Hochschule verlassen müssen. Da mit dem letzten Punkt alle Vertreter der Gender Studies, die es bis zum heutigen Tag nicht geschafft haben, auch nur die einfachsten Fragen nach den Grundlagen ihrer angeblich doch wissenschaftlichen Betätigung zu beantworten, von Hochschulen beseitigen würde, kann man sich ungefähr vorstellen, wie beliebt die entsprechende Forderung in Deutschland sein wird.

Die Krisensignale, die sich für uns eher anhören, wie das letzte Röcheln, das demjenigen entkommt, der gerade erwürgt wird, die Krisensignale in den Sozialwissenschaften werden immer häufiger thematisiert. In den USA werden sogar Anstrengungen unternommen, um wissenschaftliche Standards wieder zu sichern und die ideologisch-linke Unterwanderung der Sozialwissenschaften zu beseitigen. Und in den USA haben Wissenschaftler, linke Wissenschaftler im vorliegenden Fall, die Hoffnung, dass es gelingen kann, die Sozialwissenschaften wieder zu einer Wissenschaft zu machen.

Für Deutschland teilen wir diese Hoffnung nicht. Da es in Deutschland nicht einmal möglich ist, einen Diskurs darüber anzustrengen, ob bestimmte Fächer an Hochschulen etwas verloren haben, geschweige denn darüber zu diskutieren, ob es für Hochschulen förderlich sein kann, wenn sie immer mehr zu Marionetten eines politischen Willens werden, der in Ministerien festgelegt wird und vor Ort durch die Armee der Politkommissare, die zwischenzeitlich an Hochschulen installiert wurde, umgesetzt wird, sehen wir nicht, wie es gelingen soll, Sozialwissenschaften in Deutschland wieder zu einer Wissenschaft zu machen.

P.S.

Duarte et al. sprechen in ihrem Text von “liberals”, was auf die Verfasstheit des US-amerikanischen Parteiensystems zurückgeht und für Deutschland am besten mit “links” übersetzt wird, wobei “links” nicht bedeutet, dass diejenigen, die sich links bezeichnen, auch links sind, also den Wurzeln der politischen linken Ideologie in der Arbeiterbewegung Rechnung tragen, sondern nur, dass sie sich für links halten.

Abramowitz, Steven I., Gomez, Beverly & Abramowitz, Christine V. (1975). Publish or politic: Referee Bias in Manuscript Review. Journal of Applied Social Psychology 5(3): 187-200.

Duarte, José L., Crawford, Jarret T., Stern, Charlotta, Haidt, Jonathan, Jussim, Lee & Tetlock, Philip E. (2014). Political Diversity Will Improve Social Psychological Science. To be published in Behavioral and Brain Science.

Inbar, Yoel & Lammers, Joris (2012). Political Diversity in Social and Personality Psychology. Perspectives on Psychological Science 7(5): 496-503.

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