Junk Science: Homosexuelle werden auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert

Nick Drydakis wird langsam zu einem Dauergast auf ScienceFiles.

In der Vergangenheit hat er bereits herausgefunden, dass die Häufigkeit von Geschlechtsverkehr das Verdienst in die Höhe treibt. Warum das so sein soll? Niemand weiß es.

Dann hat Drydakis herausgefunden, dass Homosexuelle weniger mit ihrer Arbeit zufrieden sind als Heterosexuelle, umso weniger, wenn sie sich geoutet haben, und – schlimmer noch – dass Homosexuelle schlechter bezahlt werden als Heterosexuelle.

Drydakis ist “A Man on a Mission” wie es scheint.

junk_scienceNun hat Nick Drydakis die Reihe der Junk Science um einen weiteren Beitrag bereichert, in dem er aus seiner Sicht nachweist, dass Homosexuelle auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden. Der Beitrag ist in Human Relations erschienen und wird von Sage umsonst feil geboten. Wer ihn haben will: Hier ist der Link.

Die Schlussfolgerungen im Beitrag, sie sind voller Generalisierungen:

Sexuelle Minderheiten sind mit schwerwiegenden Fehlwahrnehmungen und Hürden auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert.

Schwule werden beim Versuch, einen männerdominierten Berufe zu ergreifen, diskriminiert, Lesben beim Versuch, einen frauendominierten Beruf zu ergreifen.

Es gibt einen statistisch signifikanten und negativen Effekt, der von einer homosexuellen Orientierung auf die Berufschancen ausgeht.

Kurz: Homosexuelle werden am Arbeitsmarkt diskriminiert, und zwar alle.

Diese allgemeinen und weitreichenden und hoch generalisierten Schlussfolgerungen basieren auf 5549 Bewerbungsschreiben, die 144 Studenten von 12 Universitäten im Vereinigten Königreich an potentielle Arbeitgeber verschickt haben. Dabei haben sich immer Paare von Studenten auf dieselbe Stelle beworben, Paare, die sich durch eine Angabe im Lebenslauf unterschieden haben: Einer, der beiden Studenten hatte in seinem Lebenslauf den Hinweis, er habe Fähigkeiten (finanzielle und organisationale) im Rahmen seiner Tätigkeit für die Schwulen und Lesben Union an seiner Hochschule erworben, der andere hatte entweder einen Hinweis auf die entsprechende Tätigkeit im Rahmen einer Studenten-Union, die mit Menschenrechten befasst ist oder keinen entsprechenden Hinweis, das geht aus dem Text von Drydakis nicht genau hervor.

Wie dem auch sei, Schwule und Lesben (die sind für Drydakis mit den Aktivisten in schwulen und lesbischen Studenten-Unionen identisch) werden seltener zu Job-Interviews eingeladen als die Vergleichsgruppe (wer auch immer die Vergleichsgruppe sein mag). Und dieses Ergebnis ist die Grundlage, auf der die oben zitierten weitreichenden Aussagen basieren.

Eine ziemlich dünne Grundlage.

Setzt die entsprechende Interpretation doch eine Reihe von Annahmen voraus.

Versetzen wir uns in die Rolle eines Angestellten einer Personalabteilung, denn es sind Angestellte in der Personalabteilung, im HR-Management, die die Bewerbungen lesen und nicht “Unternehmen”, wie Drydakis meint.

Dieser Angestellte ist mit einer Reihe von Bewerbungen auf Stellen konfrontiert, darunter zwei, die Herr Drydakis lanciert hat. Angesichts der Arbeitsmarktlage sind es vermutlich zwei Bewerbungen unter mindestens 50 Bewerbungen.

Unser Angestellter ist also mit in jedem Fall mehr als zwei Bewerbungen konfrontiert.

Er beginnt den Filterprozess.

Er sucht nach geeigneten Kandidaten anhand einer Kriterienliste, die er hoffentlich vorliegen hat, die er aber nicht immer anwenden kann, weil die Anschreiben und Lebensläufe, die er erhält, unterschiedlich sind, weil manche Lebensläufe Angaben, die er bräuchte, nicht enthalten, während andere die entsprechenden Angaben und noch mehr Angaben enthalten, die er für relevant und wichtig erachtet.

DrydakisIIIIrgendwann während er die Bewerbungen durchsieht, stolpert er über die beiden Bewerbungen der Drydakis-Dummies, die sich nach Ansicht von Drydakis nur darin unterscheiden, dass eine der beiden Bewerbungen, den Hinweis auf den Aktivismus in einer Schwulen und Lesben Union enthält (woraus der Personaler dann schließen muss, dass der entsprechende Bewerber schwul oder lesbisch ist).

Dass die beiden Bewerbungen zudem Lichtbilder enthalten, die nicht identisch sind, lassen wir außen vor, und dass belegte Kurse, Ethnizität und Familienstand, selbstberichtete Persönlichkeitscharakteristiken, Fähigkeiten und Freizeitaktivitäten ausreichende Kriterien sind, um zwei Studenten als gleich bis auf den schwulen oder lesbischen Aktivismus anzusehen, das wollen wir auch mit ihm zusammen annehmen.

Machen wir alle diese sehr großzügigen Annahmen, dann müssen wir für unseren Angestellten in der Personalabteilung annehmen, dass ihm diese Gleichheit im Bewerberprofil auffällt.

Wir müssen ferner annehmen, dass ihm nicht nur diese Gleichheit auffällt, sondern auch der für Drydakis entscheidende Unterschied, der in der sexuellen Orientierung, also im schwul-lesbischen Aktivismus bestehen soll.

Zudem müssen wir annehmen, dass dieser Unterschied und nur dieser Unterschied dazu führt, dass die Bewerbung des schwulen und lesbischen Aktivisten ausgesondert wird, während die des Bewerbungs-Partners nicht ausgesondert wird.

Wir müssen darüber hinaus annehmen, dass es keine anderen Gründe für diese Aussonderung gibt, dass der Angestellte in der Personalabteilung also in ähnlicher Weise auf die sexuelle Orientierung fixiert ist, wie Herr Drydakis.

Ziemlich viele Annahmen, wie wir finden.

Geht man seinen Analysen vor diesem Hintergrund etwas auf den Grund, dann ergeben sich folgende Zusammenhänge:

Für männliche Bewerber:

  • In 64,5% der Bewerbungen wurde mindestens einer der beiden Bewerber eingeladen.
  • In 58,7% der Bewerbungen wurden beide Bewerber eingeladen.
  • In 8,6% der Bewerbungen wurde nur der heterosexuelle Bewerber eingeladen.

Für weibliche Bewerber:

  • In 65,9% der Bewerbungen wurde mindestens einer der beiden Bewerber eingeladen.
  • In 60,1% der Bewerbungen wurden beide Bewerber eingeladen.
  • In 5,7% der Bewerbungen wurde nur der heterosexuelle Bewerber eingeladen.

Es sind die 8,6% bzw. die 5,7%, die Drydakis stören. Sie sind der Ausdruck von Diskriminierung, so meint er.

Nun muss man bedenken, dass die 5549 Bewerbungsschreiben von nur 144 Studenten, darunter 72 heterosexuelle und 72 homosexuell aktivistische Studenten verschickt wurden.

knoweldge gapJeder Student hat somit bis zu 39 Bewerbungen verschickt. Jeder Bewerber geht mit maximal 39 Bewerbungen in die Berechnungen von Nick Drydakis ein. Rechnerisch wäre es daher möglich, dass die insgesamt 312 Fälle, in denen kein homosexuell-aktivistischer Bewerber zum Bewerbungsgespräch eingeladen wurde, immer die selben 8 Bewerber betroffen hat, denn 312 / 39 = 8.

Ob dem so ist, könnte man leicht prüfen, hätte Drydakis seine Ergebnisse im Hinblick darauf dokumentiert, ob sich die Einladungen über die Bewerber gleich verteilen. Das hat er aber nicht getan. Das an sich ist schon erstaunlich, denn eine Angabe der Verteilung des Einladungserfolgs über die Bewerber, z.B. als Mittelwert mit Standardabweichung, ist eigentlich Standard. Fehlt die Angabe, dann muss man Schlimmes befürchten.

Aber selbst wenn eine Gleichverteilung der Einladungen bzw. Ablehnungen über die Bewerber zu beobachten wäre, so ist die Annahme, dass es ausgerechnet der homosexuelle Aktivismus gewesen sein soll, auf den Angestellte in Personalabteilungen fixiert sind, doch eine eher gewagte Annahme.

Aber selbst wenn die Angestellten in Personalabteilungen die Fixierung von Drydakis auf die sexuelle Orientierung teilen und nicht etwa negativ auf studentische Aktivisten reagieren, dann wäre noch zu zeigen, dass Diskriminierung und nicht andere Erwägungen hinter ihrer Entscheidung stehen, vermeintlich homosexuelle Bewerber nicht einzuladen.

Möglicherweise hat man im Unternehmen negative Erfahrungen mit homosexuellen Bewerbern gemacht, negative Erfahrungen, die man nie und nimmer der sexuellen Orientierung zugeschrieben hätte. Aber seit es Aktivisten wie Drydakis gibt, haben die entsprechenden Orientierungen eine Prominenz erreicht, die für sich schon dafür sorgt, dass die Anti-Diskriminierungs-Aktivisten das Gegenteil dessen erreichen, was sie erreichen wollen.

Und um den Reigen zu schließen: Wenn manche Homosexuelle nicht mögen, dann ist auch das zu akzeptieren. Man kann freie Bürger ebenso wenig dazu zwingen, einem homosexuellen Aktivisten ein Zimmer zu vermieten oder einen Arbeitsplatz zu geben, wie man sie dazu zwingen kann, einem feministischen, sozialistischen, rechtsextremen oder natonalistischen Aktivisten ein Zimmer zu vermieten oder einen Arbeitsplatz zu geben. Eine Demokratie muss das aushalten und sich damit abfinden, dass für viele z.B. Personalverantwortliche bereits das Bekenntnis eines Bewerbers zu einem beliebigen Aktivismus ausreicht, um sich für andere Bewerber zu entscheiden.

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9 Responses to Junk Science: Homosexuelle werden auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert

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  2. Der letzte Satz bringt es auf den Punkt. Denn Unternehmen haben in der Regel große Probleme mit Mitarbeitern, die ihre privaten Angelegenheiten über das Unternehmensziel stellen. Politischer Aktivismus birgt zusätzlich die Gefahr, dass ebendiese Mitarbeitern andere Angestellte im Sinne ihres Aktivismus aufwiegeln und zusätzlich zur nicht erbrachten Leistung auch noch für Aufruhr sorgen. Daher ist es kein Wunder, dass das Kennzeichen “…-Aktivist” die Alarmglocken in den Personalbüros klingeln lassen. Emanzer hat hierzu ein passendes Beispiel gefunden, obwohl da sicherlich auch noch andere Kriterien zur Nichteinstellung herangezogen werden können:

    https://emannzer.wordpress.com/2015/03/01/jasna-und-der-strick-der-faser/

  3. meier, hans (kempten) says:

    ZU den Schwulen kann ich nix sagen. Was den Sex betrifft: Ich sage das meiner Frau: Je mehr Sex wir haben, desto mehr verdiene ich. Mich freuts. Und sie irgendwie auch.

    Ist ein gutes Sex-Förderungs-Programm, diese Aussage.

  4. hgb says:

    “..denn es sind Angestellte in der Personalabteilung, im HR-Management, die die Bewerbungen lesen und nicht “Unternehmen”, “…
    Danke für diesen Punkt, denn er wird so gerne vergessen: Unternehmen sind nur eine Eintragung im Handelsregister und ohne Menschen nichts.

    ” Aber seit es Aktivisten wie Drydakis gibt, haben die entsprechenden Orientierungen eine Prominenz erreicht, die für sich schon dafür sorgt, dass die Anti-Diskriminierungs-Aktivisten das Gegenteil dessen erreichen, was sie erreichen wollen.”

    Ich denke, daß das die Einführung des AGG die Personalverantwortlichen zu einem bestimmten Verhalten zwingt, um sich vor möglichen Diskriminierungsvorwürfen zu schützen. Um mich rechtlich einigermassen sicher zu bewegen, muss ich eigentlich eine Bewerbung, die eine Angabe zu einem oder mehreren der Diskriminierungsmerkmale enthält (Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft,
    des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder
    der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen (vgl. § 1 AGG)), sofort ablehnen und zurückschicken. Lade ich einen solchen Bewerber ein und er erhält die Stelle nicht, laufe ich Gefahr, wegen Diskriminierung verklagt zu werden.

    So gibt es viele Personalabteilungen, die genau aus diesem Grund die Bewerbungen mit Bild und/oder auch Geburtsdatum nicht akzeptieren.

    Damit hätten sich im obigen Fall die Bewerber also selbst herausgekickt.

    So gilt wohl auch für die oben erwähnte “Studie”: wenn ich weiss, was ich sehen will, sehe ich es auch im Kaffeesatz.

  5. lernender says:

    “Lade ich einen solchen Bewerber ein und er erhält die Stelle nicht, laufe ich Gefahr, wegen Diskriminierung verklagt zu werden.”

    So ist es. Und genau das verwundert mich immer und immer wieder, warum Leute, die
    solche Gesetze verabschieden, nicht das mögliche Verhalten derer, die von diesen Gesetzen gegängelt werden, abstrahieren können.

    Die aufgrund niederen Instinkten von der Politik völlig gehypten marginalen Minderheiten LLGBTTIS bekommen jetzt aus nachvollziehbaren Gründen überhaupt keine Einladung mehr, unter Personalern wird unter verdeckter Hand von der “Risikogruppe V” gesprochen – völlig egal wie qualifiziert diese sein können.
    Niemand hat großartig Lust, bei eventuellen Differenzen, sich irgendeinem homophoben Vorwurf gefallen zu lassen.

    Der Staat ist die Ursache (!) der jetzt tatsächlich definitiven und nachvollziehbarer Diskrimininerung! Der Staat (und die Medien) haben diese soziale Ungleichwertigkeit geschaffen, die Homolobby darfs ausbaden.

    Richtig so!

  6. N_K says:

    “Junk Science: Homosexuelle werden auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert”

    Wann Wer Wie oft und Warum Welche Öffnung von Oben, Unten, Hinten oder Vorn Aktiv oder Passiv bevorzugt, interessiert doch außer den Wichtigtuern niemand. Wenn sich also Minderheiten in sexuell anderer als allgemein gewohnter “Richtung” verhalten wollen – bitte sehr, das ist ihr eigenes Vergnügen. Allerdings wäre es langsam an der Zeit, mit diesem Gehabe aufzuhören, die überwiegende Bevölkerungsmehrheit mit ihren Schweinereien zu drangsalieren bis zum Übergeben und es auch noch “regenbogenbunt” in der gegenderten Schule oder gleich im Kindergarten zu “lehren” und (- wenn’s schon “geht” -) auch zu “üben”. (Erwachsene könnten ja den ganz Kleinen womöglich auch noch “zeigen”, wie’s geht und/oder ihnen “behilflich” sein… Oder etwa nicht?)
    Allerdings könnte aber auch geschehen, daß einigen “Nicht-gegenderte-Lesben-Schwulis” (also Gegnern dieser Praktiken) der Kragen platzt und dieses Platzen dann ein bereits randvolles Faß zum Überlaufen bringt. Womöglich mit dem Ergebnis, daß überwunden geglaubte (auch tätliche) Anfeindungen wiederkehren. Im übrigen sollte bei unserer politisch korrekten Liebe zu den “Muselmanen” auch einmal deren Einstellung und Reaktion zu solchen Minderheitsgruppen bedacht werden und dann an evtl. Folgen durch Zuwanderung.

  7. emannzer says:

    Es passt (nicht so) ganz, Michael – aber das Muster ist dasselbe:

    “Auch ein interessanter Ansatz: Einfach mal zum Chef gehen, wenn man meint, dass das eigene Gehalt zu niedrig ist.”

    Dies’ ist ein Zitat von Christian Schmidt, Alles Evolution, als er über ein anderes Thema sinnierte. Mehr hier: https://allesevolution.wordpress.com/2015/04/09/warum-mich-der-feminismus-anekelt/

    Mein Kommentar dazu war der folgende:

    Na, das mache man mal den Frauen klar, die seit Jahren an eine Lohndiskriminierung glauben und meinen, dass dahinter System stecke.

    Diese Sorte ist mittlerweile so konditioniert und medial gepampert, dass sie meinen, solches gar nicht nötig zu haben. Und außerdem habe es ja eh’ keinen Sinn, denn gegen das Patriarchat kommt man eben nicht an …

    Das ihnen schon im Ansatz der Mumm fehlt, solches zu artikulieren und sich hinter ‘anderen’ zu verstecken, sollte man ihnen nicht mal übel nehmen, denn sie haben es ja nicht anders gelernt.

    Es erinnert an “Die Quote” und “das steht mir zu!”

    (Hoffentlich) Unschwer kann man daran erkennen, in welcher Opfer-Position diese, pardon, Minderheiten sich positionieren wollen. Es ist ein Meta-Grundmuster, dass sich wohl nicht nur bei vielen findet, sondern auch weidlich versucht wird, auszunutzen.

    Man könnte es eventuell auch ganz platt formulieren:
    Schuld sind immer die Anderen!

    Oder, etwas süffisant ausgedrückt:
    Sie haben mehr Sex, verdienen aber weniger?

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