Die explorative Tagung

Data speak to me!

Diese Aufforderung richten quantative Sozialforscher regelmäßig an ihre Daten, wenn sie so gar keine Ahnung davon haben, was sie einmal forschen könnten, was sie erwarten und worauf hin sie ihre Daten analysieren wollen.

SPSS FAEntsprechend wird dem Datenmaterial z.B. mit einer Faktorenanalyse, regelmäßig in der Voreinstellung ab SPSS-Werk, zu Leibe gerückt und interpretiert, was herauskommt.

Explorative Verfahren nennen quantitative Sozialforscher Methoden wie die Faktorenanalyse, die, zu ihrer Ehrenrettung sei es angemerkt, auch konfirmatorisch eingesetzt werden kann, also zur Bestätigung einer theoretischen Annahme.

Explorative Verfahren, also die Aufforderung “Data Speak to me!”, sind unter quantitativen Sozialforschern relativ schlecht angesehen. Wer sie als Allein-Statistikmittel einsetzt, nicht theoriegeleitet vorgeht und dafür keine konkreten Gründe hat, der gilt als Datenfuzzi, als einer, der dem Output in SPSS auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist.

Explorative Verfahren sind dagegen für viele qualitative Sozialforscher zentral, denn qualitative Sozialforscher wollen oftmals verstehen, was sie nicht verstehen, lernen, was sie nicht kennen, hören, was sie angeblich nicht erwarten, denn sie beanspruchen oftmals, ihrem Forschungsgegenstand ohne jegliche Voreinstellung zu Leibe zu rücken. Wie sie, bar aller Voreinstellung, überhaupt in der Lage sind, ihren Forschungsgegenstand zu finden, ist eine Frage, die bislang unbeantwortet geblieben ist.

Und obwohl explorative Verfahren in der Findungsphase, da, wo man sich seinem Forschungsgegenstand nähert, eine Funktion als Lieferanten von Hypothesen, die man dann testen kann, erfüllen, sind sie doch in letzter Zeit arg strapaziert und auf Felder ausgeweitet worden, die advers zu jeglicher Erkenntnis sind. Sie sind zum netten Gespräch, zum Austausch unter Gleichgesinnten oder zum andächtigen Lauschen im Experteninterview verkommen und dienen regelmäßig dazu, dem Forscher, der von Methoden keine Ahnung hat, die Möglichkeit zu bieten, die Ideen, die er nicht hat, von Dritten geliefert zu bekommen.

Leider hat die qualitative Sozialforschung bislang noch keine Befragungsmethode entwickelt, die nicht nur die Ideenlieferung, sondern auch die Interpretation der Ideen leistet, aber das ist vermutlich nur eine Frage der Zeit.

Explorative TagungDenn: Die Entwicklung neuer qualitativer Verfahren schreitet stürmisch voran.

Gestern hatten wir noch das Tiefeninterview, bei dem sich Befragter und Befragender darum streiten, wer auf der Couch liegen darf, heute haben wir die explorative Tagung.

Die explorative Tagung ist für alle geeignet, die:

  • finanzielle Mittel für eine Tagung ausgeben müssen, bevor sie verfallen,
  • keine Idee haben, zu welchem Thema sie eine Tagung ausrichten sollen,
  • keine Erwartung dahingehend haben, was bei der Tagung herauskommen soll,
  • sicherstellen wollen, dass eine Reihe von Beiträgen zur Tagung eingereicht wird, und zwar von Leuten, die zwar auch keine Idee haben, aber den freien Kontext der explorativen Tagung zu schätzen wissen, um zu sagen, was sie schon immer einmal sagen wollten;

Entwickelt wurde die Methode der explorativen Tagung von Pia Schmid (Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg), Eva Labouvie (Otto-von-Guericke-Universität Madgeburg) und Michaela Frohberg (Koordinierungsstelle für Frauen und Geschlechterforschung Sachsen-Anhalt).

Beschrieben wird die neue Methode des “anything goes” wie folgt:

“Für jeden Beitrag werden etwa 45 Minuten (30 Minuten Vortrag, 15 Minuten Diskussion) zur Verfügung stehen. Wir möchten bewusst auf eine thematische Einschränkung verzichten und stattdessen ein breites interdisziplinäres Spektrum an Themen zusammenführen. Alle interessierten Nachwuchswissenschaftler*innen, die sich mit Forschungsthemen und der Vorstellung von Projekten an der Tagung beteiligen möchten, bitten wir um Zusendung von Arbeitspapieren (ein bis drei Seiten) bis zum 31. Mai 2015 an folgende Adresse:
Michaela.Frohberg@ovgu.de

Alle Leser, die zum “5. Landesweiten Tag der Genderforschung in Sachsen-Anhalt” einen Vortrag beisteuern wollen, welchen Vortrag auch immer, sind aufgerufen, ihre Idee an Michaela Frohberg zu richten.

Gibt es etwas, was Sie schon immer einmal sagen wollten? Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür. Die explorative Tagung, die das Land Sachsen-Anhalt, seines Zeichens ein Nehmerland im Länderfinanzausgleich, finanziert, macht es möglich.

Haben Sie auch keine Idee, aber die Fähigkeit, viele Worte um nichts zu machen? Melden Sie sich bei Michaela Frohberg. Wenn es darum geht, Steuergelder zu ver(sch)wenden, dann ist jedes Mittel recht.

Haben Sie zwar keine Ahnung von Wissenschaft, aber viel von Geschlecht? Ihre Idee und ihr Vortrag sind gefragt. Melden Sie sich als Nachwuchswissenschaftler unter der eMail-Adresse, die oben genannt ist.

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... concerned with and about science

4 Responses to Die explorative Tagung

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Die explorative Tagung | netzlesen.de

  2. Binnen IHHHHHHHHHHHH says:

    Das ist fast so gut, wie der Umschwung durch Lesben 1989: was müssen diese Tanten
    für Kindheitserlebnisse gehabt haben, um deratige Bewußstseinsstörungen an den Tag legen zu müssen. Eines ist sicher, auch bei Pia, Michaela und Eva: die Regel kommt und geht !

  3. hgb says:

    Mögliches Thema, passend zur Tagung:
    Konstruiert die asynchrone Vorteilsnutzung der explorativen Tagung ein dezentrales Aktionspotential der neuen Indikation und kanalisiert sie immer eine suboptimal biologische Neutralität im Vergleich zur Option des Interfaces?

    • Kosendey says:

      Herrlich… ups ich meinte X*lich 😉
      Mir scheint aber, es reicht wenn man diesen verwirrten Frauschaften den Link zu Harald Eia`s Video schickt:


      In einer knappen halben Stunde wird sämtlicher Genderquatsch, zu recht, im Klo runtergespült…

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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