NoLympia: Eine Blamage auch für die Meinungsforschung

Kräftigt blamiert hat sich die Forschungsgruppe Wahlen aus Mannheim, die Hausdemoskopen des ZDF, mit ihrer Vorhersage des Ausgangs des Hamburger Referendums über die Olympiabewerbung der Stadt: 56% der Hamburger, so die Forschungsgruppe, würden eine Bewerbung Hamburgs befürworten, 44% sie ablehnen.

Tatsächlich lehnten 51,6% der 651.589 Hamburger, die sich am Olympia-Referendum beteiligt haben, eine Bewerbung Hamburgs ab, 48,4% befürworteten die Bewerbung.

Nolzmpia7,6% daneben. Das ist heftig und mit dem Anspruch, die eigenen Befragungen seien repräsentativ, nicht in Einklang zu bringen.

Entsprechend müht sich Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen in der Welt, das Vorhersage-Fiasko zu erklären, und zwar so:

‘Beim Olympia-Referendum in Hamburg haben wir erstmals eine telefonische Sonntagsbefragung gemacht, die offensichtlich nicht ausgereicht hat, um die Breite der unterschiedlichen Standpunkte in der Bevölkerung abzubilden’, sagte Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen im Gespräch mit der ‘Welt’. Im Auftrag des ZDF hatte die Mannheimer Forschungsgruppe am Tag der Abstimmung eine telefonische Umfrage durchgeführt. Dabei wurden 3800 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte angerufen.”

Wie seltsam, wo in der Regel 1000 zufällig ausgewählte Befragte ausreichen sollen, um die Repräsentativität des Ergebnisses zu gewährleisten, reichen dieses Mal nicht einmal 3800 Befragte, um dieselbe zu erreichen und auch nur in die Nähe des tatsächlichen Ergebnisses zu kommen.

Wo liegt das Problem?

Es ist die falsche Art der Befragung, sagt Matthias Jung, nicht Exit-Poll, also Interviewer vor dem Wahllokal postiert habe man, sondern telefonische Interviews durchgeführt. Deshalb sei die Vorhersage falsch gewesen.

Worin nun liegt der Unterschied zwischen einer Exit-Poll-Befragung und den telefonischen Interviews?

Nun, die Befragten für Letztere werden nach den Kriterien ausgewählt, die Meinungsforschungsinstitute regelmäßig anführen, um die von ihnen behauptete Repräsentativität ihrer Ergebnisse zu belegen.

FGWBei Exit-Poll Befragungen verlassen sich Meinungsforscher seltsamerweise nicht auf die doch angeblich so unfehlbare Repräsentativität per Zufallsauswahl. Vielmehr suchen sie die Wahllokale, vor denen sie ihre Interviewer postieren, danach aus, dass die dort in der Vergangenheit zu beobachtende Verteilung der Stimmen, dem späteren Gesamtergebnis recht nahe gekommen ist, und sie postieren ihre Interviewer in Wahlkreisen, die als Hochburgen jeweils einer Partei gelten, um schnell sehen zu können, in welchen Hochburgen die Stimmen abschmelzen und in welchen nicht. Anders formuliert: Sie, die ansonsten nicht müde werden, die Repräsentativität ihrer Umfragen zu betonen, sie täuschen und suchen Wahlkreise zur Hochrechnung des Endergebnisses gerade nicht nach Repräsentativität, sondern nach besonderen, nicht repräsentativen, also nach Alleinstellungs-Merkmalen aus.

Mit guten Grund, denn was herauskommt, wenn sich Meinungsforscher auf ihre behauptete Repräsentativität verlassen, das sieht man in Hamburg: gut 8% daneben und alles andere als repräsentativ, sondern verzerrt.

Das Fiasko von Hamburg, es hat für die Branche entsprechend erhebliche Konsequenzen, wurde doch deutlich, was man von der angeblichen Repräsentativität zufällig gezogener Befragter zu halten hat: Nichts.

Daran ändert auch der lahme Verweis auf das Experiment nichts, das angeblich durchgeführt worden sei. Es ist mehr als deutlich geworden, dass selbst Zufallsstichproben von 3800 Befragten, also mehr als dreimal die normale Anzahl von Befragten, nicht einmal in die Nähe einer repräsentativen Stichprobe kommen. Entsprechend kann man die auf vermeintlichen repräsentativen Auswahlen basierenden Studien, die gerade wieder an allen Ecken und Enden aus dem Boden schießen, in der Pfeife rauchen: Sie sind ihr Geld nicht wert!

Und was von der Aussage Jungs zu halten ist, nach der 3.800 zufällig gezogene Befragte nicht ausreichen, um “die Breite der unterschiedlichen Standpunkte in der Bevölkerung abzubilden”, wo die Breite der Standpunkte doch eher beschränkt war, dichotom um genau zu sein und eine Entscheidung mit zwei Alternativen, nämlich ein Für und ein Wider Olympia umfasst hat, das kann sich jeder selbst denken.

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Neues vom Klimawandel: Ist der Wahnsinn eine Frau?

Wir kapitulieren wieder einmal vor der Masse der Leserhinweise!

Schon vor gut zwei Jahren haben wir über ein Pamphlet berichtet, das mit dem Titel “Ist der Klimawandel ein Mann” überschrieben im schulischen Unterricht eingesetzt wird, um Schüler ganz offensichtlich zu indoktrinieren und  – wie man wohl in Anpassung an das trendende Wort der Hetze sagen muss: Geschlechterhetze zu betreiben.

Maßgeblich verantwortlich für das unsägliche und unsäglich dumme Pamphlet war Gotelind Alber, die überall als Diplom Physikerin gehandelt wird und dennoch nichts anderes zu tun scheint, als in Gendernetzwerken Steuergelder einzusammeln.

Prof FacepalmNun hat sich besagte Gotelind Alber wieder zu Wort gemeldet. Nicht, dass sie etwas Neues zu sagen wüsste. Nein. Sie erzählt immer noch denselben Unsinn- nunmehr in der ZEIT. Und wenn Sie sich bislang gewundert haben, warum die ZEIT ihnen fast täglich die eMailBox mit Gratis-Abonnement-Angeboten vollmüllt, nun wissen sie warum. Wer Unsinn druckt, wie den, den Alber von sich gibt, der hat entsprechende Probleme, Leser, die dafür bezahlen wollen, zu finden.

Klimakonferenz: Der Mann als Klimarisiko“, so der Titel eines Beitrags, den man bereits nach diesem Titel aus der Hand legen kann: Fehlschluss der unzulässigen Generalisierung; Fehlschluss der Bejahung des Konsequens: Ein Satz, zwei Fehlschlüsse: Gotelind Alber.

Den Inhalt dessen, was folgt, kann man schnell zusammenfassen: Männer fahren mehr und größere Autos als Frauen, deshalb tragen sie mehr als Frauen zum Klimawandel bei. Zudem essen Männer mehr Fleisch als Frauen und kümmern sich weniger um die Kinder als Frauen, was abermals Männer als verantwortlicher für den Klimawandel auszeichnet.

Dicke Autos, mehr Autofahren und mehr Fleisch, das macht die männliche Umweltsau, während das weibliche Umweltlieschen zuhause sitzt und sich ums Kindlein kümmert.

Oh No!Und so wie der Mann ein Klimarisiko ist, sind es auch die Männer, die mehr fahren als die Frauen. Der Tag an dem Durchschnittswerte auch zum Gebrauch durch Dipl. Physikerinnen freigegeben wurden, die sich als Mitglieder in Gendernetzwerken verdingen müssen, er war ein rabenschwarzer Tag. Der Tag, an dem der Durchschnitt zum normalen und vor allem modalen Rollenbild einer mathematikfeindlichen Genderbewegung geworden ist, die von Standardabweichung noch nichts gehört hat.

Aber lassen wir das, denn die Sprache von Logik und Mathematik, sie ist eine Sprache, die die Diplom Physikerin Gotelind Alber nicht verstehen wird, sie versteht nur Gendersprech.

Damit Männer sich von der ihnen zugewiesenen Rolle des Klimarisikos befreien können, ist es zunächst einmal notwendig, dass Männer nicht mehr zur Arbeit pendeln, dieselbe also niederlegen und entsprechend auch kein Geld mehr nach Hause bringen, von dem Frau und Kind(er) unterhalten werden.

Lkw-Fahrer im Besonderen sind aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen und sich vor allem zu weigern, Waren zu transportieren, die für das Klima schädlich sind. Hier ist in erster Linie an alle Waren zu denken, die zur Kinderpflege und Kinderernährung vorgesehen sind, denn der Mensch ist das größte Klimarisiko: Der Mensch verbraucht Ressourcen, die nicht nachwachsen, er heizt seine Wohnung mit fossilen Brennstoffen, er fährt Auto mit fossilem Brennstoff, er isst Fleisch und verbaut nicht nachhaltige Werkstoffe nicht nur in Kinderzimmern, kurz: Er ist das Klimarisiko par excellence, das es zum Schutz des Klimas zu vermeiden gilt.

Wie die jährliche Statistik zeigt, ist die Notwendigkeit der Nachwuchsvermeidung mitnichten in den Kernbestand des Wissens der Bevölkerung eingegangen. Allein 2014 kamen 714 996 Kinder in Deutschland zur Welt und immer sind es Frauen, die für die Geburt maßgeblich verantwortlich sind, was zeigt: Mütter sind das eigentliche Klimarisiko, über das es in Paris zu verhandeln gilt!

Schluss! Nein, ein Alber geht noch:

“Zu hoffen ist, dass dann der tief in unserer Kultur verwurzelte Mythos von der Beherrschung und Kontrolle der Natur, den der Klimawandel Lügen straft, überwunden werden kann.”

Nach Alber muss man Unsinn neu definieren. Wie seltsam, dass der Mythos der “Kontrolle der Natur” die Grundlage von nicht nur Berechnung, sondern auch von Gegenmaßnahmen gegen den Klimawandel ist. Wenn es nicht möglich ist, die Natur und damit auch den Klimawandel in Teilen zu beherrschen, wenn dies ein patriarchalischer Mythos ist, was will Alber dann eigentlich?

Wie dem auch sei, nehmt der Diplom Physikerin den Computer weg, jenes Zeichen einer patriarchalischen Naturbeherrschung, schaltet ihr den Strom ab, verweigert ihr die Heizung, denn all das, es sind nur patriarchalische Herrschaftsstrukturen, die den Mythos der Beherrschung der Natur aufrechterhalten sollen, oder war es die Herrschaft der Vernunft über den Wahnsinn?

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So kann man sich irren: Wanka im Traumland

Vor einigen Tagen hat das Statistische Bundesamt einen Rekord gemeldet: Derzeit gibt es in Deutschland so viele Studenten wie noch nie zuvor – ca. 2,8 Millionen!

Ein Grund zum Jubeln?

Ja, meint Johanna Wanka, die den Bildungsminister gibt:

“In diesem Jahr haben mehr als 500.000 junge Leute ihr Studium in Deutschland aufgenommen, fast 2,8 Millionen Studierende sind insgesamt an deutschen Hochschulen eingeschrieben – so viele wie nie zuvor. Der neue Rekordwert zeigt eindrücklich, wie attraktiv unsere Hochschulen sind.”

Die Hurra-Botschaft, die Wanka verbreiten will, lautet demnach: Je mehr Studenten, desto attraktiver deutsche Hochschulen. Attraktivität von Hochschulen ist für Wanka somit einzig eine Funktion von Studentenanzahl, nicht etwa von Qualität der Forschung, Lehre oder gar Lehrbedingungen – ganz so, als wäre es wünschenswert, dass fast jeder einen Universitätsabschluss geschenkt bekommt, denn dass die Ansprüche an Studenten und die Qualität der Ausbildung von Studenten mit einer steigenden Anzahl von Studenten bei gleichzeitiger Konstanz auf der Anbieterseite von Dozenten und Universität sinken, ist eigentlich eine Binsenweisheit.

Wanka begeht einen klassischen Fehlschluss der Bejahung des Konsequens, dessen Falschheit man einfach nachweisen kann, und zwar auch ohne auf formale Logik zu rekurrieren, denn:
Logik f dummies

  • Hätte Wanka recht, die Zahl von Inhaftierten würde die Attraktivität deutscher Gefängnisse belegen.
  • Hätte Wanka recht, die Zahl von Demenzkranken würde die Attraktivität deutscher Pflegeheime belegen.
  • Und hätte Wanka recht, die Zahl von Pegida-Demonstranten würde die Attraktivität der entsprechenden Demonstrationen belegen.

Interessanter Weise begeht Wanka hier denselben Fehlschluss, den auch diejenigen begehen, die denken, die hohe Zahl von Flüchtlingen würde die Attraktivität Deutschlands als Flüchtlingsziel belegen. Denn: Oftmals sind Handlungsergebnisse nicht das Ergebnis von Kriterien wie Attraktivität, sondern das Ergebnis von Alternativlosigkeit.

Entsprechend mag die hohe Zahl von Studenten in Deutschland weniger das Ergebnis der Attraktivität deutscher Hochschulen sein, vielmehr das Ergebnis von Alternativlosigkeit angesichts der Tatsache, dass Zugang zu bestimmten Gehaltsstufen nurmehr über den formalen Nachweis erfolgen kann, dass man seinen Hintern mindestens 3 Jahre in einem Bachelorstudium platt gesessen hat.

Tatsächlich gibt es eine Vielzahl von Meldungen aus der Realität, einer Realität, die im hermetischen Ministerium von Wanka, wo man mehr damit beschäftigt zu sein scheint, den neuesten Täuschungstext im Rahmen des Professorinnenprogramms zu entwerfen als damit, die Realität zur Kenntnis zu nehmen, nicht ankommt.

Da gibt es z.B. an der Universität Koblenz-Landau, genauer am Standort Landau Studenten, die ganz und gar nicht der Ansicht sind, die von ihnen gewählte Universität sei attraktiv:

EWH LAndau“***BILDUNGSSTREIK***
Überfüllte Hörsäle, zu wenig Dozenten und mangelnde Finanzierung.
Seit heute um 14:00 Uhr Streiken Studierende der Uni Koblenz-Landau am Campus Landau und setzen sich für bessere Studienbedingungen ein.
Der Streik ist vorerst auf 2 Wochen befristet. Innerhalb dieser Zeit sollen verschiedene Aktionen stattfinden. … Damit sich die Forderungen umsetzten lassen und wir eine weitere Verschlechterung der Studienbedingungen verhindern können, liegt es an euch Aufmerksamkeit zu erregen.”

Überfüllte Hörsäle, demotivierte und überstrapazierte Dozenten, zu wenig Mittel für die Aufrechterhaltung des Lehrbetriebs, kurz: Wanka’s Attraktivität deutscher Universitäten besteht offensichtlich nur in ihrem Traumland. In der Realität herrscht die Verwaltung von Mangel. In der Realität sitzen doppelt so viele Studenten in Seminaren, als das Seminar, dessen Räumlichkeiten und dessen Leiter eigentlich bewältigen können und das nicht nur in Landau. In der Realität sind die Studienbedingungen alles andere als attraktiv.

Aber wen kümmert schon die Realität. Das Ministerium, das sich angeblich um Bildung kümmert, es ist bekannt dafür, Ideologie vor die Realität zu setzen. Dass keine Frau an deutschen Hochschulen benachteiligt wird, hindert das Ministerium nicht daran, Männer zu benachteiligen und Frauenbenachteiligung als Legitimation zu behaupten. Dass viele Universitäten aus allen Nähten platzen und es mit den Finanzen der meisten Universitäten mau, bis ganz schlecht aussieht, kümmert ein Ministerium ebenso wenig, in dem eben einmal 300 Millionen für Frauenbevorzugung auf den Kopf gehauen werden.

Realität ist, was die Traumwelt stört, in der u.a. Bildungsminsterdarstellerin Wanka zu wandeln scheint.

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Herablassend apodiktisch: Neuer deutscher Journalismus

Herablassend apodiktisch – diese Qualifikation trifft nicht nur auf Journalismus zu, aber im Journalismus ist es besonders ärgerlich, wenn Schreiber denken, sie seien in der Lage, Leser von oben herab zu belehren.

Logik f dummiesAls apodiktisch bezeichnet Aristoteles in seiner Logik Aussagen, die keinen Widerspruch zulassen, d.h. der Wahrheitswert der Aussage ist unstrittig und selbstevident. Die wissenschaftliche Darlegung, also die Darlegung begründeten und wahren Wissens, ist nicht nur die höchste Form eines Syllogismus, sondern auch eine solche apodiktische Aussage für Aristoteles.

Damit sich ein Syllogismus, also die Übertragung eines Wahrheitswertes von Prämissen auf eine Konklusion als apodiktisch und wissenschaftliche Darlegung auszeichnet, müssen die Prämissen wahr, grundlegend, unmittelbar, bekannter als und kausal zur Konklusion sein. Kurz: eine apodiktische Aussage muss eine Vielzahl von Bedingungen erfüllen, damit sie als solche gelten kann.

Oder müsste, denn die Verbreitung apodiktischer Aussagen, ihre Präsenz im Alltag, steht in keinem Verhältnis zur Schwierigkeit, eine Aussage als apodiktische Aussage zu qualifizieren. Entsprechend ist die Bedeutung: “keinen Widerspruch zulassend”, die apodiktischen Aussagen bei Aristoteles u.a. aufgrund ihrer wohl-Begründetheit zugewiesen wird, zwischenzeitlich zur Darstellungsform geworden: Trägt man Aussagen in einer sprachlichen Form vor, die keinen Widerspruch zulässt, so das Kalkül, dann übertragen sich die Eigenschaften der ursprünglichen apodiktischen Aussage, z.B. wahr, bekannt, kausal auf das, was der Behauptende mit Verve von sich gibt. Das logische Kriterium ist zu einem rhetorischen Mittel geworden, einem vielverwendeten rhetorischen Mittel, das nicht nur den Zweig der Beraterindustrie hat begründen helfen, sondern sich in Zeitungen immer breiter macht.

Wir zitieren aus dem gestrigen RSS-Feed der Welt:

Was-Apodixis:

  • Was Sie bei E-Mails besser machen müssen!
  • Was sich im deutschen Tennis ändern muss!
  • Was beim Kauf von Rohstoffen jetzt zu beachten ist!

Die Was-Apodixis, sie basiert darauf, dass derjenige, der sie nutzt, suggerieren will, er sei auf dem Olymp des Wissens angekommen, sei ein solch intellektuelles Schwergewicht, dass er nicht nur weiß, was Sie, also Sie, bei E-Mails alles falsch machen, sondern auch wie Sie, Sie, ja wirklich: Sie, es besser machen müssen, nicht etwa können, nein müssen, denn ihre Fehler, ja, Ihre Fehler, sie sind so sehr zum Haare ausraufen, dass man Ihnen nicht mehr dabei zusehen kann, wie Sie sie machen.

Die Was-Apodixis hindert den, der sie hat, nicht daran, sich mit den Trivialitäten des Lebens zu beschäftigen. Wahres Wissen macht nicht vor Tennis halt und erklärt mit Inbrunst, “Was sich im deutschen Tennis ändern muss”. Gleichzeitig findet sich die Was-Apodixis auch beim Kauf von Rohstoffen, drückt sich hier in intimem Marktwissen aus, das der Wissende dankenswerter Weise nicht einsetzt, um selbst reich zu werden, sondern ausschließlich, um seine Leser zu belehren.

ApodixisDie Was-Apodixis wird in der Regel von der Wie-Apodixis ergänzt:

  • Wie man sein Weihnachtsgeld am besten investiert!
  • Wie sich ein Nischen-Studium auszahlen kann!
  • Wie man mit dem Klamottenkauf Gutes tun kann!

Im Gegensatz zur allumfassenden und statischen Was-Apodixis hat die Wie-Apodixis einen dynamischen Charakter. Sie ist darauf gerichtet, minderwertiges Handeln bei denen, die es begehen, mit dem Wissen des wohlwollenden Beobachters zu verbessern: Wie bei der Was-Apodixis gibt es auch bei der Wie-Apodixis keine Handlung, die zu trivial wäre, als dass sie nicht verbessert werden müsste.

Entsprechend wird der Fehlinvestition von Weihnachtsgeld der Krieg erklärt, denjenigen, die sich mit einem Nischen-Studium in ein Loch gegraben haben, aus dem sie scheinbar nicht entrinnen können, eine Leiter, nein, die Leiter gewiesen, und selbst dem egoistischen, selbstsüchtigen Konsum, wie er im “Klamottenkauf” seinen Niederschlag findet, wird der altruistische Ausweg gewiesen, dessen Kenntnis sich im Besitz des Allwissenden befindet, der angetreten ist, sein Wissen mit uns zu teilen – in Springers Welt.

Schließlich findet sich noch die Warum-Apodixis, eine besondere Form der herablassend apodiktischen Erklärung, die z.B. in der folgenden Form auftritt:

  • Warum wir in der Nacht auf Montag so schlecht schlafen!

Wie, sie schlafen nicht schlecht, in der Nacht auf den Montag? Ausgeschlossen, denn wir, wir schlafen in der Nacht auf den Montag nicht nur schlecht, sondern so schlecht. Wir, also auch Sie! Warum-Apodixis widmet sich kausalen Zusammenhängen, deren Kenntnis denjenigen, der sie nun teilt, vermutlich ereilt hat, als er in der Nacht auf Montag “so schlecht” geschlafen hat, dass er darüber nachgedacht hat, warum er “so schlecht” schläft. Die Ursache, die er nach drei Stunden Grübeln in viel zu fettem Essen und einem durch Alkohol zu benebelten Kopf mit entsprechenden Auswirkungen auf den Verdauungstrack ausgemacht hat, hat der so Erleuchtete dann in mutiger, wenngleich fehlschlüssiger Verallgemeinerung auf alle, uns alle, übertragen. So erhellt macht er sich nach durchwachter Nacht ans Schreibwerk, um seine neue Erkenntnis an uns alle zu verkünden: Warum wir in der Nacht auf Montag so schlecht schlafen!

Und wir, die wir trotz aller Behauptung, gut geschlafen haben, wir sehen, was den herablassend apodiktischen Journalismus ausmacht: Ein Geist, ein Kleingeist, der nur in Spuren von Logik erfasst wird, die hemmungslose Verallgemeinerung der eigenen Phantasien und keinerlei Verstand, der ein warnendes Wort dahingehend verlauten lässt, dass es dem eigenen mickrigen Kenntnissstand nicht angemessen sein könnte, versuchte man, andere zu belehren, in welcher Form von Apodixis auch immer.

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Kaufnix-Tag: Noch ein Paternalismus

Als Deutscher hat man es nicht leicht.

Immer gibt es einen, dem nicht passt, was man tut, einen, der sagt, wie es eigentlich und richtig geht.

Dickens_ScroogeZeigt man ziviles Engagement und geht zu Demonstrationen, z.B. in Dresden, ist es nicht recht, dann sind es die falschen Demonstrationen.

Hört man auf zu rauchen, der eigenen Gesundheit zuliebe und geht auseinander, wie ein Hefeklops, dann, weil man das falsche Substitut für Nikotin eingesetzt hat und sich nicht genug bewegt.

Setzt man sich ins Auto, um ins nächstgelegene Jogging-Reservat zu fahren, dann gibt es bestimmt einen, der darauf hinweist, dass öffentlicher Nahverkehr oder das Fahrrad besser für die Umwelt sind.

Kauft man nur noch Fair Trade und grüne Produkte, der Umwelt zuliebe, dann gibt es bestimmt einen Schlaumeier, der den Konsum als solchen verurteilt.

Was man auch tut, immer macht man etwas falsch.

Das bringt uns zur neuesten paternalistischen Intervention, dem Kaufnix-Tag. Was klingt, wie ein Festtag zu Ehren des Gallischen Pendant von Ebenezer Scrooge, ist eine ernstgemeinte paternalistische Intervention, mit der uns u.a. der Umweltökonom Niko Paech von der Universität Oldenburg dazu bringen wollen, “eine neue Balance zu finden”.

Der Kaufnix-Tag, er dümpelt schon seit Jahren unbemerkt als Gegenentwurf zum Black Friday vor sich hin, dem Tag, an dem man im angelsächsischen Ausland einen Deal macht, 30% off oder 75% off vom Ladenpreis.

kaufnixtagUnd dieses Jahr haben sich die deutschen Mainstream-Medien entschieden, das zu ändern. Welt, Spiegel oder n-tv bringen einen weitgehend gleichlautenden Beitrag, der mit “Konsumkritiker werben für Kauf-nix-Tag“, “Schoppen oder verzichten? Der Kauf-nix-Tag ist umstritten” bzw. “Pause vom Einkaufsterror. Das Schnäppchenfest mal ignorieren“, überschrieben sind (So viel zur Frage, ob deutsche Medien gleichgeschaltet sind oder nicht.).

Und sie sind voller weiser Einsichten diese Beiträge.

Etwa:

“Wir sind so reizüberflutet, wir leiden unter Konsumverstopfung und Konsum-Burn-out” sagt Umweltökonom Niko Paech von der Universität Oldenburg” im online Spiegel.

Oder:

“Wir sind so reizüberflutet, wir leiden unter Konsumverstopfung und Konsum-Burn-Out”, sagt er [Paech]. Ladenöffnungszeiten zu verringern bedeute ja nicht die Abschaffung des Konsums. “Man fängt sogar an, den Konsum wieder zu genießen”, meint Paech in der Welt.

Und:

“‘Wir leben brutal über unseren Verhältnisse, vor allem ökologisch’, sagt der Umweltökonom Niko Paech von der Uni Oldenburg” bei n-tv und legt dann los:
“Die Konsum-Kritiker wissen, dass sie gegen Windmühlen kämpfen. Umweltökonom Paech ist realistisch. Es gehe ihm nicht darum, Konsum abzuschaffen. Gestresste Verbraucher lockt er vielmehr mit dem Versprechen, sie würden profitieren, wenn die Ladenöffnungszeiten reduziert, verkaufsoffene Adventssonntage zum Beispiel abgeschafft würden. Der Käufer fange dann wieder an, Konsum zu genießen, wirbt Paech. “Wir sind so reizüberflutet, wir leiden unter Konsumverstopfung und Konsum-Burn-Out.” Wovon er dringend abrät, ist Konsum einfach einen Tag zu verschieben, das sei keine Lösung. Dadurch könnte der Einkaufsstress tags drauf sogar noch größer werden.”

Fassen wir die Einsichten, die der Umweltökonomen Paech über uns hat, zusammen:

  1. Wir leben brutal über unsere Verhältnisse.
  2. Wir sind reizüberflutet.
  3. Wir würden profitieren, wenn verkaufsoffene Adventssonntage abgeschafft würden.
  4. Wir leiden unter Konsumverstopfung und Konsum-Burn-Out.

Prüfen wir, ob zutrifft, was Paech über uns sagt.

  1. black fridayStimmt. Wir leisten uns immer noch Umweltökonomen, wie Niko Paech. Eine Konsumausgabe, denn Konsum ist definiert als Verbrauch von Ressourcen ohne Mehrwert, die man überdenken sollte. Das mag brutal klingen, aber Zeiten wie diese, die Paech zeichnet, erfordern brutale Maßnahmen, z.B. die Entfernung von Umweltökonomen wie Paech von Universitäten.
  2. Stimmt. Wir bekommen viel zu viel Unsinn zugemutet, Unsinn, der z.B. darin besteht, dass irgendein Umweltökonom meint, er könne Aussagen über uns machen, darüber, was wir sind. Seinsaussagen über Dritte machen zu wollen, ist etwas verwegen, zumal das einzige, was derartige Seins-Aussagen hervorrufen andere Seins-Aussagen sind, wie z.B.: Ich bin ärgerlich über Leute, die denken, sie könnten mir sagen, was und wie ich bin.
  3. Wir würden mitnichten profitieren, wenn wir uns an noch weniger Tagen mit noch mehr anderen durch die Innenstädte drücken und dort um die letzten Schnäppchen schlagen müssten. Es mag sein, dass sich Umweltökonomen wie Herr Paech, einfach während der Arbeitszeit in die Innenstadt von Oldenburg absetzen, und dort in Ruhe einkaufen können, weil die meisten anderen bei der Arbeit sind. Schön für ihn, aber nicht schön für uns.
  4. Wenn wir an Konsum-Verstopfung leiden und uns ein Konsum-Burn-Out plagt, was ist dann Paechs Problem? Wenn dem so wäre, dann würden wir ja gerade nicht in Massen durch Innenstädte wandern, immer auf der Suche nach dem Deal, dem Schnäppchen oder Stunden gebannt vor dem Rechner sitzen und warten, dass der Amazon-Deal endlich aktiv wird.

Uns scheint, der Herr Paech hat nicht so richtig durchdacht, was er hier behauptet. Insofern sich Herr Paech diametral widerspricht, wenn er Konsumwut anprangert und Konsum-Burn-Out feststellt, scheint er zu der Garde von Paternalisten zu gehören, die Gefallen daran finden, anderen etwas vorzuschreiben, zu denen, deren Selbstwert nur dann intakt ist, wenn sie kopfschüttelnd über das Verhalten anderer sinnieren und Verbesserungsvorschläge machen können. Das hat mehr mit Psychopathologie als mit Umweltökonomie zu tun.

Deshalb schlagen wir Herrn Paech vor, dass er andere in Ruhe lässt und dafür sein eigenes Verhalten zum Gegenstand seiner Betrachtungen macht. Wie wäre es, er spendet sein Dezembergehalt an die Flüchtlingshilfe, gibt seine Arbeit auf und zieht sich in eine Hütte in den bayerischen Bergen zurück, um dort zu meditieren und zu versuchen, seinen Carbon Imprint auf Null zu reduzieren, z.B. dadurch, dass er nicht heizt und sich auch andere Formen des verzichtbaren Konsums verkneift, der Umwelt zuliebe und um seinen Konsum-Burn-Out zu kurieren.

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