So kann man sich irren: Wanka im Traumland

Vor einigen Tagen hat das Statistische Bundesamt einen Rekord gemeldet: Derzeit gibt es in Deutschland so viele Studenten wie noch nie zuvor – ca. 2,8 Millionen!

Ein Grund zum Jubeln?

Ja, meint Johanna Wanka, die den Bildungsminister gibt:

“In diesem Jahr haben mehr als 500.000 junge Leute ihr Studium in Deutschland aufgenommen, fast 2,8 Millionen Studierende sind insgesamt an deutschen Hochschulen eingeschrieben – so viele wie nie zuvor. Der neue Rekordwert zeigt eindrücklich, wie attraktiv unsere Hochschulen sind.”

Die Hurra-Botschaft, die Wanka verbreiten will, lautet demnach: Je mehr Studenten, desto attraktiver deutsche Hochschulen. Attraktivität von Hochschulen ist für Wanka somit einzig eine Funktion von Studentenanzahl, nicht etwa von Qualität der Forschung, Lehre oder gar Lehrbedingungen – ganz so, als wäre es wünschenswert, dass fast jeder einen Universitätsabschluss geschenkt bekommt, denn dass die Ansprüche an Studenten und die Qualität der Ausbildung von Studenten mit einer steigenden Anzahl von Studenten bei gleichzeitiger Konstanz auf der Anbieterseite von Dozenten und Universität sinken, ist eigentlich eine Binsenweisheit.

Wanka begeht einen klassischen Fehlschluss der Bejahung des Konsequens, dessen Falschheit man einfach nachweisen kann, und zwar auch ohne auf formale Logik zu rekurrieren, denn:
Logik f dummies

  • Hätte Wanka recht, die Zahl von Inhaftierten würde die Attraktivität deutscher Gefängnisse belegen.
  • Hätte Wanka recht, die Zahl von Demenzkranken würde die Attraktivität deutscher Pflegeheime belegen.
  • Und hätte Wanka recht, die Zahl von Pegida-Demonstranten würde die Attraktivität der entsprechenden Demonstrationen belegen.

Interessanter Weise begeht Wanka hier denselben Fehlschluss, den auch diejenigen begehen, die denken, die hohe Zahl von Flüchtlingen würde die Attraktivität Deutschlands als Flüchtlingsziel belegen. Denn: Oftmals sind Handlungsergebnisse nicht das Ergebnis von Kriterien wie Attraktivität, sondern das Ergebnis von Alternativlosigkeit.

Entsprechend mag die hohe Zahl von Studenten in Deutschland weniger das Ergebnis der Attraktivität deutscher Hochschulen sein, vielmehr das Ergebnis von Alternativlosigkeit angesichts der Tatsache, dass Zugang zu bestimmten Gehaltsstufen nurmehr über den formalen Nachweis erfolgen kann, dass man seinen Hintern mindestens 3 Jahre in einem Bachelorstudium platt gesessen hat.

Tatsächlich gibt es eine Vielzahl von Meldungen aus der Realität, einer Realität, die im hermetischen Ministerium von Wanka, wo man mehr damit beschäftigt zu sein scheint, den neuesten Täuschungstext im Rahmen des Professorinnenprogramms zu entwerfen als damit, die Realität zur Kenntnis zu nehmen, nicht ankommt.

Da gibt es z.B. an der Universität Koblenz-Landau, genauer am Standort Landau Studenten, die ganz und gar nicht der Ansicht sind, die von ihnen gewählte Universität sei attraktiv:

EWH LAndau“***BILDUNGSSTREIK***
Überfüllte Hörsäle, zu wenig Dozenten und mangelnde Finanzierung.
Seit heute um 14:00 Uhr Streiken Studierende der Uni Koblenz-Landau am Campus Landau und setzen sich für bessere Studienbedingungen ein.
Der Streik ist vorerst auf 2 Wochen befristet. Innerhalb dieser Zeit sollen verschiedene Aktionen stattfinden. … Damit sich die Forderungen umsetzten lassen und wir eine weitere Verschlechterung der Studienbedingungen verhindern können, liegt es an euch Aufmerksamkeit zu erregen.”

Überfüllte Hörsäle, demotivierte und überstrapazierte Dozenten, zu wenig Mittel für die Aufrechterhaltung des Lehrbetriebs, kurz: Wanka’s Attraktivität deutscher Universitäten besteht offensichtlich nur in ihrem Traumland. In der Realität herrscht die Verwaltung von Mangel. In der Realität sitzen doppelt so viele Studenten in Seminaren, als das Seminar, dessen Räumlichkeiten und dessen Leiter eigentlich bewältigen können und das nicht nur in Landau. In der Realität sind die Studienbedingungen alles andere als attraktiv.

Aber wen kümmert schon die Realität. Das Ministerium, das sich angeblich um Bildung kümmert, es ist bekannt dafür, Ideologie vor die Realität zu setzen. Dass keine Frau an deutschen Hochschulen benachteiligt wird, hindert das Ministerium nicht daran, Männer zu benachteiligen und Frauenbenachteiligung als Legitimation zu behaupten. Dass viele Universitäten aus allen Nähten platzen und es mit den Finanzen der meisten Universitäten mau, bis ganz schlecht aussieht, kümmert ein Ministerium ebenso wenig, in dem eben einmal 300 Millionen für Frauenbevorzugung auf den Kopf gehauen werden.

Realität ist, was die Traumwelt stört, in der u.a. Bildungsminsterdarstellerin Wanka zu wandeln scheint.

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