Futurologie: Das bringt 2016

Selbstverständlich haben wir bei ScienceFiles auch einen Futurologen, einen Zukunftsforscher, der sein Ohr am Gras der Zeit hat und Letzteres wachsen hört. Wir haben ihn gebeten, zum Ende von 2015 doch vorherzusagen, welche Trends und Ereignisse die Sozialwissenschaften und angrenzende Wissenschaften im Jahr 2016 prägen bzw. heimsuchen werden.

crystal ballHier seine Prognosen (geordnet nach Fachbereichen), an denen wir ihn messen werden.

Historiker (Geschichtswissenschaften)

Nachdem sich Historiker jahrelang einer öffentlichen Ignoranz erfreuen konnten, stehen die Zeichen im Jahr 2016 auf Sturm, nein, auf Streit. Wie beim letzten Historikerstreit, so ist Herr Schickelgruber auch der Anlass für den neuerlichen Historikerstreit. Ist sein “Mein Kampf” nun das schlechteste und boshafteste Buch, das je geschrieben wurde, oder gebührt der Titel “furchtbarstes Werk aller Zeiten (fuWaZ) Lenins “Was tun” bzw. Stalins “Über die Opposition”?

Kulturwissenschaft

Die Kulturwissenschaften sehen 2016 einem Jahr der Wahrheit entgegen, einem Jahr, in dem auch der letzte Kulturwissenschaftler erkennen wird, dass das Ausleihen, manche sagen auch Stibitzen von Methoden, Theorien und Fragestellungen aus anderen Fachbereichen keine Grundlage ist, auf der sich ein eigenständiger Fachbereich bauen lässt.

Kriminologie

Kriminologen werden sich im Jahr 2016 verstärkt mit white collar crime und mit Kulturwissenschaftlern beschäftigen.

Betriebswirtschaftslehre

Es ist immer schwierig, für die Betriebswissenschaften oder BWL, wie sie liebevoll abgekürzt werden, eine Prognose zu machen. Zu diffus ist das Fach, zu selbstreferentiell die Tautologien, auf denen das Fach baut. Soviel sich derzeit sagen lässt, wird auch im Jahre 2016 die Diskussion darüber, ob die Nachfrage nach den Produkten eines Unternehmens wichtiger für den Unternehmenserfolg ist als die Höhe der Ausgaben für Marketing, viel Raum einnehmen. Wie all die Jahre zuvor, wird die Diskussion damit enden, dass sich die Marketing-Fraktion gegenüber der Nachfrage-Fraktion behauptet. Zudem stehen die Zeichen gut für die Schaffung eines neuen Marketing-Controllings, das ergebnis-zielorientiert darauf hinsteuern wird, dass die Nachfrage-Fraktion durch ihre Veröffentlichungen keinen Zwist mehr unter BWLern auslöst.

Psychologie

Psychologen werden sich 2016 verstärkt um Betriebswirte kümmern, ergebniszielorientiert versteht sich und vor dem Hintergrund, dass der DSM-VI um eine weitere Störung, nämlich die Schwall-Sucht ergänzt werden soll. Die Schwall-Sucht wiederum scheint unter Betriebswirten endemisch zu sein.

Volkswirtschaftslehre

2016 ist für die Volkswirtschaft das Jahr der Dilemmata. Da ist zunächst das Keynes-Dilemma, das die VWL nun schon seit den 1930er Jahren plagt: Wenn der Staat 10 Millionen ausgibt, und damit einen Wachstumsschub von 8 Millionen auslöst, dann macht der Staat 2 Millionen Verlust. Der Realwelt Verlust steht im Gegensatz zu den Voraussagen von Keynes. Ein existenzielles Dilemma. Auch das nächste Dilemma ist existenziell: Modelle, die auf Schätzungen aufbauen, resultieren in Schätzungen und nicht in Wahrheit, dieses auch als naives-Induktionsproblem der Willkür bezeichnete Dilemma hängt auch 2016 wie ein Damoklesschwert über den Vorhersagen der führenden VWL-Auguren – nicht, dass es sie hindern würde, vorherzusagen, was politisch-korrekt ist und wofür sie bezahlt werden.

Gender Studies

Gender Studies, die aufgrund des vorhandenen kognitiven und inhaltlichen Vakuums nicht nur der Fachvertreter Gefahr laufen, zu implodieren, werden durch einen sensationellen Fund am Leben erhalten: Auf den Sklavenmärkten des alten Roms gab es ein Gender Pay Gap. Für männliche Sklaven wurde im Durchschnitt 23% mehr bezahlt (unbereinigt und ohne Berücksichtigung der Verwendungsweise) als für weibliche Sklaven. Um diese historisch monumentale Ungerechtigkeit zu beseitigen, wird die Einrichtung eines Opferfonds gefordert, aus dem die Hinterbliebenen, die sich vornehmlich an der Humboldt und der Freien Universität in Berlin auf und im Umkreis von Gender-Lehrstühlen finden, lebenslang entschädigt werden sollen.

Politikwissenschaft

Die Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft wird sich pre-emptiv auflösen, um einer Machtergreifung durch Mitarbeiter des Wissenschaftszentrums Berlin zuvorzukommen. Die deutsche Gesellschaft für Politikwissenschaft soll sich nach bislang unbestätigten Berichten von Insidern bereits aufgelöst haben, wenn nicht, dann wird sie sich im Laufe des Jahres 2016 auflösen, wegen fehlender öffentlicher Anerkennung und Wirkung.

Historiker

Historiker streiten 2016 darüber, ob Machtübernahmen von Büchern ausgelöst werden oder ob staatlich finanzierte Institutionen notwendig sind, um Machtübernahmen zu initiieren.

Qualitative Sozialforschung

Im Bereich der qualitativen Sozialforschung bahnt sich ein Methodenstreit an. Grund ist die neuentwickelnde Methode der sich selbstbefragenden Fallstudie, bei der ein Forscher seine eigene Theorie durch die Befragung von sich selbst validiert. Der Hinweis des renommierten Sozialforschers Günter Einzelfall, der sich selbst zur Methode der Selbstbefragung befragt hat und zu dem Schluss gekommen ist, dass er sich aufgrund sozialer Erwünschtheit nicht trauen kann, wird zu erheblichen Konflikten führen.

Quantiative Sozial- und Umfrageforschung

Quantitative Umfrageforscher stehen 2016 vor zwei grundlegenden Problemen: (1) Ist eine zufällig gezogene Stichprobe, die zufällig nur 1000 Männer im Alter von 25 bis 35 Jahren umfasst, repräsentativ für die deutsche Gesellschaft oder müssen zur Herstellung von Repräsentativität ältere Männer hinzugewichtet werden?
(2) Der Chef von Forsa hat auf dem Münchner Oktoberfest bei einem Losverkäufer 1000 Lose gekauft. Darunter war kein Hauptgewinn. Hat die Betrugsklage des Forsa-Chefs vor dem Amtsgericht München Aussicht auf Erfolg?

Kriminologie

Kriminologen werden sich 2016 um Losverkäufer auf dem Münchner Oktoberfest kümmern.

Jura

Juristen stehen 2016 vor einem Berg von Problemen. Das neben der Festsetzung eines arbeitslosen Grundeinkommens von 4000 Euro netto für Juristen über die Neufassung des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes wichtigste Problem besteht in der Frage, ob ein straffälliger Anwalt, der einen Meineid begangen hat, um die tatsächliche Unschuld seines Mandanten auch zu beweisen, selbst belangt werden kann und wenn ja, weswegen.

Kriminologie und Psychologie

Kriminologen und Psychologen werden sich 2016 verstärkt um Juristen kümmern.

Liberaler Paternalismus

auch: Cass Sunsteinianismus. Cass Sunsteinianer haben entdeckt, dass der Grund dafür, dass Menschen suboptimale Entscheidungen in ihrem Leben treffen, darin zu finden ist, dass Menschen frei entscheiden können. Entsprechend steht 2016 im Zeichen der Unterordnung der Bürger unter die Entscheidungshilfe des Staates. Dem Grundsatz des paternalistischen Liberalismus entsprechend können Bürger wählen, ob sie sich unter staatliche Handlungsaufsicht begeben oder unter staatlicher Handlungsaufsicht verbleiben wollen. Es soll ja niemand gezwungen werden!

Soziologie

Auf dem 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, der 2016 in Bamberg stattfinden soll, bahnt sich Ärger an: Die Fraktion der Wut-Soziologen, Problem-Soziologen, auch pegida-Soziologen (postenlos, entrechtet, geringverdienend, illusionslos, demotiviert, alternativlos) genannt, die aus bestenfalls zeitlich befristeten Halbstellen-Inhabern in prekären Lebensverhältnissen besteht, wird den Aufstand proben und vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie eine ausreichende Beteiligung an den Devisenzahlungen des Bundes verlangen, die der Vorstand jährlich einstreicht. Ob der Aufstand vom Zentralkomitee der DGS durch die Schaffung von Besetzungsfreiheit auf Stellen an soziologischen Instituten, die derzeit nur auf Grundlage des richtigen Geschlechtsbuches vergeben werden, abgewendet werden kann, ist derzeit noch unklar.

Sozialarbeit 

Sozialarbeiter werden sich 2016 verstärkt um Wutsoziologen (oder Problemsoziologen) kümmern und versuchen, den gesellschaftlichen Randgestalten einen Weg auf den ersten Arbeitsmarkt zu weisen. Sollte dies scheitern, so haben Sozialarbeiter doch zumindest sich einen Weg auf den ersten Arbeitsmarkt gewiesen.

Medienwissenschaft

Für Medienwissenschaftler ist 2016 ein entscheidendes Jahr. Bislang konnten sie noch zu den Lügenpresse-Vorwürfen schweigen. 2016 müssen sie sich dazu stellen. Zwei Fraktionen zeichnen sich ab: Eine Fraktion ist bereit, den Fachbereich in Lügenpressenwissenschaft umzubenennen, eine Fraktion tendiert dazu, den Fachbereich in Wut-Medienwissenschaft umzubenennen.

Evolutionspsychologie

Evolutionspsychologen werden auch 2016 mit dem Problem ringen, dass ihre einfachen Modelle der Komplexität der Wirklichkeit, die sich z.B. im Unterschied zwischen Hans Maier und Karl Müller (beide kinderlos trotz egoistischem Gen) niederschlägt, nicht gerecht werden.

Klimaforschung (Kosmoklimatologie)

Klimaforscher lachen – auch 2016. Angesichts der Effekte, die kosmologische Einflüsse auf das Erdwetter haben, von interstellaren Staubwolken, über Sonnen-Eruptionen bis hin zum Magnetfeld der Erde, können sie nicht anders als zu lachen, ob der Annahme, menschliche Aktivitäten hätten einen erheblichen Einfluss auf Veränderungen des Klimas, wie sie durch die genannten Phänomene hervorgerufen werden. “Eine Badewanne voller Wasser macht keinen Tsunami”, so ein beliebtes Bonmot der erheiterten Klimatologen.

Archäologie

Archäologen werden auch 2016 Unmengen ritueller Gefäße und Opferbecken ausgraben, mit denen sie ihrer Phantasie der blutrünstigen Alten freien Lauf lassen. Und auch 2016 werden sie nicht zugeben, dass der Kopf der Nofretete eine Fälschung ist, für die vermutlich die Frau von Ludwig Borchardt Modell gestanden hat.

Soweit die Vorhersagen des ScienceFiles-Futurologen. Wir können uns hier nur anschließen und unsererseits die Gewissheit verbreiten, dass 2016 kommen wird, ob wir wollen oder nicht und dass es deshalb besser ist, sich damit abzufinden und allen Lesern ein

Frohes Neues Jahr

zu wünschen.

In weiser Voraussicht haben wir ein prognostisches Werk der britischen Futurologentruppe “Spitting Images” aus dem Archiv geholt. Es zeigt treffsicher, welche Diskussion das Jahr 2016 prägen wird.

Auch 2016 kann Unterstützung ScienceFiles nicht schaden!

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Hetze – Renaissance eines DDR-Begriffs

Hetze, ein Begriff, der bei Wikipedia immer noch in erster Linie mit “Eile” und erst in zweiter Linie mit Äußerungen, deren Zweck darin bestehen soll, mit Verunglimpfung Hass oder Angst zu schüren, in Verbindung gebracht wird. Dieser Begriff der Hetze, er hat sich ganz plötzlich in den öffentlichen Diskurs eingeschlichen.

GT Hetze

Wie die Suchgeschichte des Begriffs bei Google Trends zeigt, war er bis ins Jahr 2007 weitgehend ungenutzt. Seither hat er eine Renaissance erfahren und in den letzten Monaten des Jahres 2015 ist er zu ganz neuen Höhen der sprachlichen Verwendung aufgestiegen.

Dies ist vornehmlich darauf zurückzuführen, dass Hetze als Begriff in den Medien zur Allzweckwaffe geworden ist, die es einerseits ermöglicht, Aussagen dritter als eben solche zu klassifizieren (oder zu diskreditieren) und die andererseits jegliche Begründung der entsprechenden Klassifikation unnötig macht. Etwas ist eben Hetze.

Heiko MaasWer derzeit in Google News nach dem Begriff der “Hetze” sucht, erhält rund 164.000 Fundstellen in deutschsprachigen Medien. Eine entsprechende Suche für die Jahre 2004 bis 2005 erbringt nicht einmal 100 Einträge.

Medien machen Begriffe populär – oder sind es Politiker, die Begriffe wie “Hetze” im Mund führen – Politiker wie Heiko Maas, der es alleine auf 12.800 Einträge bringt, in denen in Medien über seine Verwendung des Begriffs “Hetze” berichtet wird?

Kurz: Hetze ist ein Begriff, der in Deutschland erst in letzter Zeit gebrauchsfähig wurde. Zuvor war er das offensichtlich nicht, wie schon die Abbildung aus Google Trends zeigt. Hetze ist als Begriff salonfähig geworden, um vermeintlichen Rassismus, Gewaltaufrufe oder sonstige Äußerungen zu bezeichnen, die aus dem rechten politischen Spektrum kommen. Im Zusammenhang mit linker Gewalt – wie unlängst in Leipzig – ist nicht von Hetze die Rede.

Ältere unter den Lesern, die im Westen Deutschlands aufgewachsen sind, werden sich erinnern, dass in ihrer Jugend Hetze trotz NPD Wahlerfolgen, dem Auftauchen und Verschwinden von Republikanern, trotz Neuer Rechter und trotz Wehrsportgruppe Hoffmann kein Begriff war, der allgemeine Verwendung gefunden oder gar Eingang in die Medien gefunden hätte.

Klar, es gab den Paragraphen 130 des Strafgesetzbuches  “Volksverhetzung”, aber selbst dort ist von Hetze nicht die Rede.

Hetze ist dagegen ein häufig gebrauchter Begriff in der DDR gewesen. Die erste Verfassung der DDR aus dem Jahre 1949 kennt etwa die Boykotthetze, die Mordhetze und die Kriegshetze, durchaus auslegungsfähige Konstrukte, die genutzt wurden, um diejenigen, die das Regime kritisiert haben, wegzuschließen und aus dem öffentlichen Leben zu entfernen.

“Art. 6. Alle Bürger sind vor dem Gesetz gleichberechtigt. Boykotthetze gegen demokratische Einrichtungen und Organisationen, Mordhetze gegen demokratische Politiker, Bekundung von Glaubens-, Rassen-, Völkerhaß, militaristische Propaganda sowie Kriegshetze und alle sonstigen Handlungen, die sich gegen die Gleichberechtigung richten, sind Verbrechen im Sinne des Strafgesetzbuches. Ausübung demokratischer Rechte im Sinne der Verfassung ist keine Boykotthetze”.”

Auch im Strafgesetzbuch der DDR ist der Begriff der “Hetze” prominent vertreten. Das Strafgesetzbuch von 1968 in der Fassung von 1974 kennt u.a. die staatsfeindliche Hetze und die faschistische Hetze, abermals zwei Konstrukte, die an Vagheit kaum zu überbieten sind und genutzt werden konnten, um Regimegegner zu beseitigen.

§ 106. Staatsfeindliche Hetze. (1) Wer mit dem Ziel, die sozialistische Staats- oder Gesellschaftsordnung der Deutschen Demokratischen Republik zu schädigen oder gegen sie aufzuwiegeln,
1. Schriften, Gegenstände oder Symbole, die die staatlichen, politischen, ökonomischen oder anderen gesellschaftlichen Verhältnisse der Deutschen Demokratischen Republik diskriminieren, einführt, herstellt, verbreitet oder anbringt;
2. Verbrechen gegen den Staat androht oder dazu auffordert, Widerstand gegen die sozialistische Staats- oder Gesellschaftsordnung der Deutschen Demokratischen Republik zu leisten;
3. Repräsentanten oder andere Bürger der Deutschen Demokratischen Republik oder die Tätigkeit staatlicher oder gesellschaftlicher Organe und Einrichtungen diskriminiert;
4. den Faschismus oder Militarismus verherrlicht, wird mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf Jahren bestraft.

Und:

§ 92. Faschistische Propaganda, Völker- und Rassenhetze. (1) Wer faschistische Propaganda, Völker- oder Rassenhetze treibt, die geeignet ist, zur Vorbereitung oder Begehung eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit aufzuhetzen, wird mit Freiheitsstrafe von zwei bis zu zehn Jahren bestraft.

DDR FahneDie beiden zuletzt zitierten Paragraphen machen dreierlei deutlich: (1) Der Begriff der Hetze wurde in der DDR genutzt, um Kritik am System zu verhindern und Meinungsfreiheit abzuschaffen (§106). Er wurde (2) darüber hinaus genutzt, um die sozialistische Ideologie als hetzefrei darzustellen, denn Hetze ist etwas, das nur von Staatsfeinden oder Faschisten betrieben werden kann, nicht jedoch von Systemvasallen oder -nutznießern. Schließlich (3) zeigt die Nutzung des Begriffs der Hetze in der DDR, wie leicht es ist, über einen vagen, aber negativ konnotierten Begriff jegliche inhaltliche Auseinandersetzung mit Inhalten, die von wem auch immer als Hetze bezeichnet werden, zu unterbinden und die entsprechende begründungslose Bewertung zu nutzen, um Meinungsfreiheit zu beseitigen und das sozialistische System als sakrosankt darzustellen.

Und eben in dieser Form der Verwendung scheint der Begriff der Hetze eine Renaissance zu erleben:

(1) Wie in der DDR werden nur Personen aus dem rechten politischen Spektrum  als zur Hetze fähig angesehen.

(2) Wie in der DDR zeichnet sich der Begriff durch eine Vagheit aus, die inhaltlich nach Belieben gefüllt werden kann.

(3) Wie in der DDR wird der Begriff “Hetze” als Allzweckwaffe genutzt, um im Rundumschlag eine inhaltliche Auseinandersetzung über strittige Themen zu verhindern und die Entsprechenden als Hetzer Bezeichneten zu diskreditieren und aus dem öffentlichen Diskurs möglichst auszuschließen.

(4) Wie in der DDR so macht die Nutzung des Begriffs “Hetze” den Begriff der Demokratie zur Travestie, denn wie in der DDR wird der Begriff genutzt, um eine demokratische Auseinandersetzung über bestimmte Themen zu verhindern.

Es ist unbestritten, dass es Personen gibt, die zu Gewalt gegen Dritte aufrufen, weil ihnen deren Religion, Meinung oder Aussehen nicht gefällt. Derartige Personen hat es immer gegeben, und es wird sie immer geben. Eine funktionierende Demokratie kann und muss mit diesen Personen leben. Und weil eine funktionierende Demokratie mit diesen Personen leben kann und muss, stellt sich die Frage, warum der DDR-Begriff der “Hetze” eine Renaissance erlebt und abermals genutzt wird, um Freiheitsrechte einzuschränken.

DDR GrenzeDie Antwort ist einfach: Warum war es in der DDR notwendig, abweichende Meinungen zu unterbinden? Weil die DDR eine Partei-Diktatur war, deren Herrschaft auf eigens ausgebildeten Kadern beruht hat, die u.a. als inoffizieller Mitarbeiter die Stabilität des Systems gewährleisten sollten. Obwohl rund 2 Millionen Ostdeutsche Mitglied der SED und ihrer Blockparteien waren und die Anzahl der IMs beträchtlich war, ist die Mehrheit der 18 Millionen Ossis weder Kader, noch Genosse, noch IM gewesen. Schlimmer noch: Sie hatten Bedürfnisse, die den Interessen der Kader, Genossen und IMs zuwider gelaufen sind: Sie wollten ein Auto in einer anderen Jahresfarbe, einen Kühlschrank nicht erst nach 5 Jahren Wartezeit und unter der Voraussetzung vorausgehender Heirat und Südfrüchte im Laden um die Ecke und nicht im heimlich angestellten Westfernsehen. Kurz: Sie hatten Bedürfnisse, die das Regime nicht erfüllen konnte, wie alle Planungssysteme, die Mangel verwalten. Entsprechend war es notwendig, sie zu kontrollieren und vor allem daran zu hindern, sich über ihre Wünsche und Bedürfnisse mit anderen auszutauschen und dem Regime am Mangel die Schuld zu geben, also in der Diktion der DDR staatsfeindliche Hetze zu betreiben.

 

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Mutter Angela

Kultur ist schon etwas Lustiges. Generationen von Wissenschaftlern, Anthropologen, Soziologen, Philosophen, haben sich abgemüht, zu bestimmen, was Kultur ist und doch ist die Frage, was man unter “Kultur” zu verstehen hat, nach wie vor eine offene.

HofstedeVielleicht ist Geert Hofstede mit seiner “Software of the mind” am nähesten dran, an dem, was Kultur ist: eine Art, die Welt zu sehen, die denen, die kulturelle Kollegen sind, wie Harold Garfinkel es genannt hat, gemeinsam ist.

Wer kulturelle Kollegen sind? Na diejenigen, die eine Kultur, eine Art und Weise, die Welt zu sehen, gemeinsam haben. Das ist übrigens ein Musterbeispiel für einen Zirkelschluss und ein schönes Beispiel dafür, welche Probleme sich mit der Definition von Kultur verbinden.

Alfred Kroeber und Clyde Kluckhohn haben mehr als 200 verschiedene Definitionen von “Kultur” verglichen. Hier ist ihr Extrakt:

“Culture consists of patterns, explicit and implicit, of and for behaviour acquired and transmitted by symbols, constituting the distinctive achievements of human groups, including their embodiment in artefacts; the essential core of culture consists of traditional (i.e. historically derived and selected) ideas and especially their attached values; culture systems may, on the one hand, be considered as products of action, on the other, as conditional elements of future action.” (aus: Kroeber, Alfred Louis & Kluckhohn, Clyde (1952). Culture: A Critical Review of Concepts and Definitions. Cambridge: Cambridge University Press, p.181).

Handlungserwartungen sind demnach der Kern von Kultur. Man erwartet ein bestimmtes Verhalten als Reaktion auf eigenes Verhalten, geht davon aus, dass man das Verhalten von Kulturfremden auf Grundlage von Artefakten und Symboliken, von Werten und Normen ihrer Kultur erklären und verstehen kann – Voraussetzung dafür ist, dass einem die entsprechenden Werte und Normen etwas sagen.

Yushau Shuaib und Angela Merkel sind zueinander kulturfremd. Sie sind keine kulturellen Kollegen. Yushau Shuaib ist Journalist, Autor und Muslim und schreibt unter anderem für die Daily Post, die in Lagos erscheint:

May Allah bless Chancellor Merkel of Germany [Möge Allah den deutschen Kanzler Merkel segnen], so hat er gerade getitelt.

FDP Shuaibür Shuaib, der sich gleich zu Anfang als Muslim identifiziert, ist Angela Merkel eine “große Frau unserer Dekade”. Während manche arabischen und muslimischen Regenten, so schreibt Shuaib, ihre Länder mit Terror und Krieg überziehen und in blasphemischer Weise behaupten, dies im Namen von Allah zu tun, während sie Teile ihrer Bevölkerung zur Flucht zwingen, öffnet Angela Merkel, so seine Bewertung, in großherziger Weise die Grenzen von Deutschland, um einer Million Flüchtlingen Sicherheit und Hilfe zu bieten.

Sie verlangt viel von der deutschen Bevölkerung, da ist sich Shuaib mit dem Herausgeber des Time Magazin, das Angela Merkel gerade zur “Person of the Year 2015” gemacht hat, einig. Anders als der Herausgeber des Time Magazin fragt sich Shuaib jedoch, warum Merkel die Grenzen Deutschlands für eine Million Flüchtlinge geöffnet hat.

Seine Antwort zeigt, wie Kultur die Wahrnehmung und Bewertung von Fakten beeinflusst. Shuaib, wie gesagt, ist Muslim und betont die Einheit der Menschen, wie sie im Koran beschrieben ist:

“O mankind, fear your Lord, who created you from one soul and created from it its mate and dispersed from both of them countless men and women”

Ein Muslim, der im Einklang mit dem Koran lebt, ebenso wie ein Christ, der im Einklang mit der Bibel lebt, er kann für Shuaib nur ein guter Mensch, einer voller Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft sein. Und so ist es kein Wunder, dass er auf dieser kulturellen Basis eine Erwartung formt, die er als Erklärung für das von ihm als großherzig bezeichnete Verhalten von Angela Merkel anbietet: Sie sei eine praktizierende Christin, religiös nach eigener Angabe, Tochter eines Pastors und sagt von sich, sie wisse, dass ein höheres Wesen als Menschen vorhanden sei und dass man die Welt in Verantwortung für andere gestalten müsse.

Und schon ist die Erklärung – kurz vor der Heiligsprechung – fertig, die Yushau Shuaib seinen (nigerianischen) Lesern für das Verhalten von Merkel anbietet: Religiosität und Nächstenliebe, Gottesfürchtigkeit, Hilfsbereitschaft und Christentum, das sind die Zutaten seiner Erklärung.

Lauter Zutaten, die in der öffentlichen Diskussion in Deutschland keinerlei Rolle spielen, wenn es darum geht, die Öffnung der Grenzen für Flüchtlinge durch Angela Merkel zu erklären. Da die CDU immer noch das C für Christlich im Parteinamen trägt, ist das Fehlen jeder Referenz zum Christentum, zu Nächstenliebe und Religiosität zumindest erstaunlich.

Indes fragt in Deutschland niemand danach, warum Angela Merkel sich entschlossen hat, Deutschland auch offiziell zum Einwanderungsland zu machen. Statt Erklärungen gibt es Bewertungen: genau zwei, nämlich enthusiastisches Gutfinden der Zuwanderung und vergrätzte Katastrophenstimmung angesichts der Zuwanderung.

Nichts dazwischen.

Das sagt auch etwas über Kultur, über die politische Kultur in diesem Fall, die nur noch in Extremen möglich ist, nicht mehr in Maßen, nicht zielorientiert und schon gar nicht mit jener Zutat, die alleine Verständigung möglich macht: dem anderen etwas zu-gute-halten.

Yushau Shuaib würde sich gehörig wundern, er, der denkt, gute Handlungen müssten auf einer ethischen, in seinem Fall einer religiösen Grundlage basieren. Aber hier ist er eben kulturfremd mit den meisten Deutschen.

Während es für Menschen in Nigeria nachvollziehbar zu sein scheint bzw. Shuaib glaubt, dass es nachvollziehbar ist, wenn man auf christliche und muslimische oder humanistische Werte von Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft zurückgreift, um in diesem Fall das Verhalten von Angela Merkel zu erklären, kann man in Deutschland damit keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken, schon weil es niemand glauben würde.

Im sozialen und reichen Westen liegen Statusängste oder moralische Profilierungssucht als kulturelle Handlungsmuster näher als humanistische Werte und damit zwangsläufig auch als Handlungsmotiv – Hilfe gegen Auszeichnung …

Das sind kulturelle Unterschiede.

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Vorabdruck: Ulrich Kutschera – “Das Gender-Paradoxon”

Das Jahr 2016 bringt nicht nur neue Steuern, Abgaben und neue Bußgelder, es bringt auch Food for Thought in der Form eines neuen Buches von Ulrich Kutschera, das im LIT-Verlag erscheinen wird und den Titel “Das Gender-Paradoxon” trägt.

Und auch wenn wir nicht in allem mit dem Autor übereinstimmen, schon weil wir die starke individuelle Variation unter Menschen, auch oder gerade innerhalb der Gruppen von Männern bzw. Frauen für relevanter halten als Unterschiede zwischen den beiden Gruppen ( oder im Hinblick auf die “vernünftigen Sachargumente der deutschen Frauenbewegung” oder die beiden “Menschentypen”), so sind wir dennoch der Ansicht, das neue Buch von Ulrich Kutschera ist ein wichtiger Beitrag zur Ent-Genderung der Wissenschaft.

Wer wissen will, was es mit John Money auf sich hat, das Schicksal von Bruce Reimer, dem vielleicht ersten Todesopfer der Gender-Ideologie nachvollziehen will, wer wissen will, worin die Verbindung zwischen Bruce Reimer und dem Bildunsplan in Baden-Württemberg zu sehen ist, wer den religiösen Ursprung und die religiösen Grundlagen der Gender Ideologie entdecken will, wer fundiert über Unterschiede informiert werden will, die sich aus XX bzw. XY-Chromosomenpaaren ableiten lassen, und wer die “Gender-Ideologie in allen ihren Facetten” inklusive einiger “Erfahrungsberichte des Autors” beleuchtet haben will, der darf auf das neue Buch von Ulrich Kutschera gespannt sein.

Wir veröffentlichen an dieser Stelle mit der Genehmigung des Autors einen kleinen Teaser, der dazu gedacht ist, die Zeit bis zur verspäteten Bescherung durch den LIT-Verlag zu überbrücken:

13297-0 Genderparadoxon Kutschera“Seit der Veröffentlichung meines Bestsellers Tatsache Evolution. Was Darwin nicht wissen konnte (Februar 2009) werde ich regelmäßig von Journalisten kontaktiert mit der Bitte, mich nicht nur mit dem Kreationismus, d. h. den auf Realwelt-Phänomene übertragenen biblischen Schöpfungsglauben, sondern auch mit der GenderIdeologie öffentlich auseinanderzusetzen. Die Grundgedanken dieser Geschlechter-Weltanschauung“ lassen sich wie folgt verdeutlichen.

Im November 2014, nur wenige Tage nach dem 100. Todestag des Urvaters der modernen „Sex-Forschung“, August Weismann (Freiburg i. Br.), ist in dessen Bundesland Baden-Württemberg ein sogenannter „Entwurf zum Bildungsplan 2015“ der Stuttgarter Landesregierung bekanntgeworden. Nach Veröffentlichung dieses Dokuments gab es bundesweit Proteste – warum?

Vertreter der Gender-Ideologie wollten für alle Schulen und Fächer vorschreiben, dass die Schüler von nun an „gendersensibel“ erzogen werden. Man plante, z. B. Achtklässler (ca. 14 Jahre alt, mitten in der Pubertät) im Biologieunterricht zu fragen, ob sie wirklich „heterosexuell seien oder sein wollen“. Weiterhin sollte vermittelt werden, dass die „Heteronormalität“, d. h. die Tatsache, dass etwa
95 % aller Männer und Frauen über einen evolutionär verankerten, dem anderen Geschlecht zugewandten „Fortpflanzungstrieb“ verfügen, als konservativ-reaktionäre Weltanschauung zu gelten habe. Die Vater/Mutter-Kind-Familie sei überholt, während eine homoerotische Neigung als frei wählbarer Life Style propagiert wurde. Proteste aus ganz Deutschland haben dann bald dazu geführt, dass der Ministerpräsident Baden-Württembergs, der hinter diesen genderistischen Irrlehren stand, seinen Vorschlag zurückgezogen hat.

Da ich mich, unabhängig von diesem Vorfall, im „WeismannJahr 2014“ u. a. im Fachjournal Nature mit dem Darwinischen Feminismus auseinandergesetzt hatte, begann ich mit der systematischen Sichtung meiner Aufzeichnungen zum Gender-Thema.

Der Text baut auf der 4. Auflage meines Lehrbuchs Evolutionsbiologie (2015) auf und stellt eine Erweiterung der dort zusammengetragenen Sachverhalte dar. Er kann mit acht runden „Sex/Gender-Geburtstagen“ in Verbindung gebracht werden:

1. Vor 150 Jahren (1865) wurde die deutsche Frauenbewegung gegründet, die mit vernünftigen Sachargumenten der damaligen Diskriminierung des weiblichen Teils der deutschen Bevölkerung entgegengetreten ist. Im selben Jahr hat der deutsche Biologe Julius Sachs (1832–1897) ein Lehrbuch verfasst, in welchem eine erste SexGender-Definition niedergeschrieben war.

2. Vor 70 Jahren (1945) wurde auf der Gründungsversammlung der Vereinten Nationen (UN) in San Francisco/Kalifornien (USA) die Gleichberechtigung von Mann und Frau festgeschrieben, die dann 1958 im Grundgesetz verankert worden ist.

3. Vor 60 Jahren (1955) hat der US-Psychologe und Erziehungswissenschaftler John Money (1921–2006) die aus Zwitter (Hermaphroditen)-Studien abgeleitete „Gender-Theorie“ formuliert, welche besagt, dass Menschen als geschlechtsneutrale Unisex-Wesen geboren werden und erst später eine erzieherische Prägung in männliche bzw. weibliche Richtung erfahren.

4. Vor 50 Jahren (1965) ist Bruce (David) Reimer in Kanada als eineiiger Zwillingsbruder zur Welt gekommen. Der Junge wurde zum „Beweis“ der Gender-These als Säugling kastriert und zu einem Mädchen
umgestaltet – der gepeinigte Kastrat beging 2004 Selbstmord.

5. Vor 30 Jahren (1985) ist ein Artikel „Sex and Gender“ in der Serie Annual Review of Psychology erschienen, wo diese Begriffe präzise
definiert worden sind, mit Kritik an der feministischen Gleichmacher-Ideologie. Im selben Jahr hat John Money in einem Fachbeitrag dargelegt, dass der biblische Schöpfer ein Hermaphrodit sei („manwoman God“), d. h. seine Lehre hat vermutlich auch eine religiöse Komponente.

6. Vor 20 Jahren (1995) ist auf der Pekinger Weltfrauenkonferenz (Beijing, China) die „Gender-Agenda“ beschlossen worden (Macht-Gleichstellung von Mann und Frau). Diese auf Moneys Geschlechter-Dogmatik basierende Lehre ist daraufhin unter dem Pseudonym „Gender Mainstreaming“ (GM) von der damaligen rot/grünen Bundesregierung als verbindliche Leitlinie umgesetzt worden. Das Doppelwort GM wird oft fälschlicherweise mit „Frauenförderung bzw. Gleichberechtigung“ übersetzt. Dahinter verbirgt sich jedoch ein radikal-feministisches Umerziehungsprogramm, basierend auf dem
Moneyistischen Glaubenssatz, das Geschlecht des Menschen sei nicht primär biologisch bestimmt, sondern gesellschaftlich-sozial konstruiert und daher form- und wandelbar. Diese Sicht ist mit dem
biblischen Kreationismus geistesverwandt.

7. Vor zehn Jahren (2005) wurde entdeckt, dass sich Mann und Frau, wie die Säugerarten Schimpanse/Mensch, um ca. 1,5 % genetisch voneinander unterscheiden. Dieser „große Erbgut-Unterschied“ basiert auf einer evolutionär herausgebildeten Geschlechter-Verschiedenheit (Sexual-Dimorphismus), die wiederum auf die unterschiedlichen Größen und Funktionen der Geschlechtszellen (XY- bzw. XX-Gameten) zurückgeführt werden kann (Anisogamie). Diese gravierenden Mann-Frau-Unterschiede resultierten 2005 in der Konsolidierung der bereits 1993 eingeführen geschlechtergerechten Tier- bzw. Menschen-Forschung, die international als Gender-Biomedizin (GB) bezeichnet wird.

8. Vor einem Jahr (2014) wurde die GB als neue, der soziologisch begründeten GM-Ideologie (Moneyismus) entgegen gerichtete Wissenschaftsdisziplin auf internationaler Ebene etabliert.

In diesem Fachbuch, das stellenweise den Charakter einer Fakten- bzw. Textesammlung zeigt, wird zunächst dargelegt, was Biologen seit ca. 1735 unter „Sex“ verstehen, und dass dieses Wort von Erziehungs- bzw. Sozialwissenschaftlern im Sinne von „erotische Akte“ verwendet wird. In verschiedenen Kapiteln wird die Entwicklung der Gender-Ideologie in all ihren Facetten beleuchtet, wobei auch Erlebnisberichte des Autors aufgenommen worden sind. Das Buch ist als Nachfolge-Titel meiner Monographie Design-Fehler in der Natur konzipiert und steht daher in der bewährten Tradition der LIT-Serie “Naturwissenschaft und Glaube“.

Die in diesem Text zusammengetragenen Fakten, Theorien und Modelle sind weder religiös noch politisch motiviert (ich bin ein ungläubiger Nichtwähler und Kriegsdienstverweigerer). Wie in meinen Büchern zur Pflanzenphysiologie und Evolutionsbiologie wurden sämtliche Aussagen mit soliden Quellen belegt.”

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Vorabdruck: “Mein Kampf”

Seit Wochen steigert sich anscheinend die Vorfreude bei all denen, die auf das Erlöschen eines bestimmten Urheberrechts warten, jenes Urheberrecht, das der Bayerisches Freistaat seit 70 Jahren anwendet, um begierige Leser vom Bestseller nationalsozialistischer Propaganda fernzuhalten.

Nun ist es bald soweit: Ab 2016 darf “Mein Kampf” in Deutschland wieder gedruckt werden. Schlimmer noch: Ab 2016 kann sich in Deutschland (theoretisch) jeder Bürger ein eigenes Urteil über den Hitlerschen Kampf oder Krampf, je nach Auffassung, bilden: Seinen “Werdegang zum Antisemiten” nachvollziehen, nachdem ihm nach eigener Aussage bis zum zarten Alter von 14 Jahren, das Wort “Jude” unbekannt war und seine seltsamen Ausführungen über die “weiße Rasse” lesen (und vielleicht mit den ebenso seltsamen Ausführungen über “weiße Männer” vergleichen, die heute aus Ecken kommen, die sich für emanzipiert halten).

Kurz: in wenigen Tagen könnten Deutsche tatsächlich der Ansicht sein, sie würden wie mündige Bürger behandelt.

Könnten!
Konjunktiv!

Denn das werden sie natürlich nicht.

Getreu dem Motto: Deutsche darf man mit “Mein Kampf” nicht alleine lassen, “haben im Münchener Institut für Zeitgeschichte ein gutes Dutzend Historiker mehr als drei Jahre an einer wissenschaftlich kommentierten Ausgabe von ‘Mein Kampf’ gearbeitet.” Vermutlich haben sie sich dieser Mühsal nicht ohne pekuniäre Gegenleistung oder im Schwange altruistischer Hingabe zur Volkserziehung unterzogen. Eine Mühsal muss es gewesen sein, denn die nunmehr “kommentierte Version” von “Mein Kampf” hat die 781 teilweise nur mit Mühe lesbaren Seiten vom originalen “Mein Kampf” zu nicht mehr lesbaren 1.948 Seiten aufgebläht.

1.167 Seiten haben die Historiker aus München zu den 781 ursprünglichen Seiten ergänzt, um deutlich zu machen, was sowieso offensichtlich ist: Hitler war ein Rassist, ein Antisemit, ein sozialistischer Nationalist und darüber hinaus ein wenig begabter Autor, der es nicht schafft, seine Leser in den Bann seiner Worte zu schlagen.

Wieso sind 1.167 Seiten notwendig, um 781 Seiten zu kommentieren, die Offensichtlichkeiten, persönliche Betrachtungen und Ansichten beinhalten?

Zwei Antworten drängen sich auf:

  1. Die Finanzierung des Münchner Instituts für Zeitgeschichte musste für drei Jahre sichergestellt werden.
  2. Unter Historikern hält sich ein irrationaler Glaube an die mystische Wirkung von “Mein Kampf”, eine Wirkung, die darin zu bestehen scheint, dass ein Leser vom eben noch Demokraten per Lektüre von “Mein Kampf” zum Rassisten und Anti-Demokraten mutiert, allein, aufgrund der mystischen Wirkung dieses deutschen Schriftgutes.

Wenn (1) der Fall ist, dann wurde diese Finanzierung damit erkauft, dass einem Buch, das seine Bedeutung vornehmlich aus der Zuschreibung von Symbolik entnimmt, einer Symbolik, die das Buch zum Alpha und Omega Nationalsozialistischer Verbrechen, zum Ausgangspunkt allen Übels macht, weitere Bedeutung verliehen wird.

Wenn (2) der Fall ist, dann sollten sich die entsprechenden Historiker in ärztliche Behandlung begeben, denn sie glauben daran, dass Menschen von Büchern gesteuert werden können – andere Menschen natürlich, nicht die Historiker. Menschen wie Sie und wir, denen bislang “Mein Kampf” vorenthalten wurde, um uns zu schützen, zu schützen vor der magischen Wirkung jenes Werkes, das der Teufel mit den magischen Augen, wie ihn Albert Speer beschrieben hat, geschrieben hat.

Nicht, dass man diesen Historikern, ob der Art und Weise, in der sie Bürger zu Menschen ohne Urteilsvermögen erklären, ihre Weltsicht gerade rücken müsste …

Denn selbstverständlich kann man dem tumben Volk, diesen vom mystischen “Mein Kampf” Verführbaren, dieses Werk nicht unkommentiert zugänglich machen. Am Ende lesen sie Passagen wie die folgende vollkommen unkritisch, bar jeder Einordnung und bar jeglichen Hinweises auf deren historische Abartigkeit und Einmaligkeit:

mein kampf(aus Mein Kampf, S.410-413): “So treten die Kommissionen zusammen und “revidieren” das alte Programm und verfassen ein neues (die Herrschaften wechseln dabei ihre Überzeugungen wie der Soldat im Felde das Hemd, nämlich immer dann, wenn das alte verlaust ist!), in dem jedem das Seine gegeben wird. Der Bauer erhält den Schutz seiner Landwirtschaft, der Industrielle den Schutz seiner Ware, der Konsument den Schutz seines Einkaufs, den Lehrern werden die Gehälter erhöht, den Beamten die Pensionen aufgebessert, Witwen und Waisen soll in reichlichstem Umfang der Staat versorgen, der Verkehr wird gefördert, die Tarife (…) sollen erniedrigt und gar die Steuern, wenn auch nicht ganz, aber doch so ziemlich abgeschafft werden.

Manches Mal passiert es, daß man doch einen Stand vergessen oder von einer im Volk umlaufenden Forderung nichts gehört hat. Dann wird in letzter Eile noch hineingeflickt, was Platz hat, so lange, bis man mit gutem Gewissen hoffen darf, das Heer der normalen Spießer samt ihren Weibern wieder beruhigt zu haben und hochbefriedigt zu sehen. So kann man innerlich also gerüstet im Vertrauen auf den lieben Gott und die unerschütterliche Dummheit der wahlberechtigten Bürger den Kampf um die “neue Gestaltung” des Reiches, wie man sagt, beginnen.

Wenn dann der Wahltag vorbei ist, die Parlamentarier für fünf Jahre ihre legte Volksversammlung abgehalten haben, um sich von der Dressur des Plebs hinweg zur Erfüllung ihrer höheren und angenehmeren Aufgaben zu begeben, löst sich die Programm-Kommission wieder auf, und der Kampf um die Neugestaltung der Dinge erhält wieder die Formen des Ringens um das liebe tägliche Brot: Dieses heißt aber beim Parlamentarier Diäten.

Jeden Morgen begibt sich der Herr Volksvertreter in das Hohe Haus, und wenn schon nicht ganz hinein, so doch wenigstens bis in den Vorraum, in dem die Anwesenheitslisten auf liegen. Im angreifenden Dienste für das Volk trägt er dort seinen Namen ein und nimmt als wohlverdienten Lohn eine kleine Entschädigung für diese fortgesetzten zermürbenden Anstrengungen entgegen.

Nach vier Jahren oder in sonstigen kritischen Wochen, wenn die Auflösung der parlamentarischen Körperschaften wieder näher und näher zu rücken beginnt, beschleicht die Herren plötzlich ein unbezähmbarer Drang. So wie der Engerling nicht anders kann, als sich zum Maikäfer zu verwandeln, so verlassen diese parlamentarischen Raupen das große gemeinsame Puppenhaus und flattern flügelbegabt hinaus zum lieben Volk.

Sie reden wieder zu ihren Wählern, erzählen von der eigenen
enormen Arbeit und der böswilligen Verstocktheit der anderen, bekommen aber von der unverständigen Masse statt dankbaren Beifalls manches Mal rohe, ja gehässige Ausdrücke an den Kopf geworfen. Wenn sich diese Undankbarkeit des Volkes bis zu einem gewissen Grade steigert, kann nur ein einziges Mittel helfen: der Glanz der Partei muß wieder aufgebügelt werden, das Programm ist verbesserungsbedürftig, die Kommission tritt erneut ins Leben, und der Schwindel beginnt von vorne.

Bei der granitenen Dummheit unserer Menschheit wundere man sich nicht über den Erfolg. Geleitet durch seine Presse und geblendet vom neuen verlockenden Programm, kehrt das ‘bürgerliche’ wie das Äproletarische’ Stimmvieh wieder in den gemeinsamen Stall zurück und wählt seine alten Betrüger.

Damit verwandelt sich der Volksmann und Kandidat der schaffenden Stände wieder in die parlamentarische Raupe und frißt sich am Gezweig des staatlichen Lebens weiter dick und fett, um sich nach vier Jahren wieder in den schillernden Schmetterling zu verwandeln.

Es gibt kaum etwas Deprimierenderes, als diesen ganzen Vorgang in der nüchternen Wirklichkeit zu beobachten, diesem sich immer wiederholenden Betrug zusehen zu müssen. Aus solchem geistigen Nährboden schöpft man im bürgerlichen Lager freilich nicht die Kraft, den Kampf mit der organisierten Macht des Marxismus auszufechten.
Ernstlich denken die Herrschaften auch nie daran. Bei aller zugegebenen Beschränktheit und geistigen Inferiorität dieser parlamentarischen Medizinmänner der weißen Rasse können sie selber sich nicht im Ernste einbilden, auf dem Wege einer westlichen Demokratie gegen eine Lehre anzukämpfen, für welche die Demokratie samt allem, was drum und dran hängt, im besten Falle ein Mittel zum Zweck ist, das man anwendet, um den Gegner zu lähmen und dem eigenen Handeln freie Bahn zu schaffen. Wenn nämlich ein Teil des Marxismus zur Zeit auch in äußerst kluger Weise die unzertrennliche Verbindung mit den Grundsätzen der Demokratie vorzutäuschen versucht, dann möge man doch gefälligst nicht vergessen, daß in der kritischen Stunde diese Herrschaften sich um eine Majoritätsentscheidung nach westlich-demokratischer Auffassung einen Pfifferling kümmerten!”

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