Das erklärt einiges: Vom Redakteur “Computer” generierte Texte

Beginnen wir mit einem Dementi:

Weser kurierMoritz Dobler, der Chefredakteur des Weser-Kuriers, er hat dementiert, dass es beim Weser Kurier von “Robotern geschriebene Fussballberichte” gebe. Man experimentiere derzeit nur mit “computergenerierten Vor- und Nachberichten” für fünf regionale Amateurfussball-Ligen.

Die Idee von Kollege Redakteur Computer, an ihr lassen sich eine Reihe von Prämissen darlegen, die es wert sind, einmal ausgesprochen zu werden:

Wer mit computergeneriertem Text experimentiert, nur bei Spielberichten aus der regionalen Amateurliga versteht sich, der scheint der Ansicht zu sein, dass man die entsprechenden Leser auch mit dem abspeisen kann, was ein Computer an Textbausteinen zusammenklaubt.

Da der entsprechende Computer ja nicht vor Ort war, um das Spiel, dessen Bericht er zusammenklaubt, anzusehen, folgt die nächste Prämisse, die da lautet: Das,  worüber in der Zeitung berichtet wird, muss mit dem, worüber berichtet wird, nicht unbedingt eine Kongruenz aufweisen. Es geht nur darum, Leser abzuspeisen, so dass sie denken, sie würden einen Text lesen, in dem über etwas berichtet wird, worüber sich der Berichtende kundig gemacht hat.

Dass man allen Ernstes bei einer Zeitung denkt, man könne Computer Text generieren lassen, Text-Floskeln zusammensetzen lassen und auf diese Weise den Eindruck von Berichterstattung erwecken bzw. vorgaukeln, das lässt tief blicken: tief ist die Verachtung für die Leser, jene Textnachfrager, die Zeitungen brauchen, um die Werbeeinnahmen zu generieren, über die sie sich eigentlich finanzieren.

Computergenerierter TextUnd doch ist es nur der logisch nächste Schritt einer Zunft, die sich sowieso weitgehend aus den selben Texten von dpa bestückt und der redaktionellen Arbeit in weiten Teilen Adieu gesagt hat, was, wenn man die Ergüsse mancher liest, die sich Redakteur oder Journalist nennen, vielleicht auch besser ist.

Doch zurück zum computergenerierten Text beim Weserkurier. Den folgenden Text haben wir beim Weserkurier gefunden.

Ist der nun computergeneriert, aus Bausteinen zusammengesetzt oder fällt manchen Redakteuren wirklich derartiger nichtssagender Text ein?

“Neue Unterkünfte, die der Senat plane, sollen dazu führen, dass die Turnhallen schrittweise wieder freigegeben werden können. ‘Diese Zielsetzung steht unter dem Vorbehalt, dass die Zugangszahlen nicht weiter ansteigen’, heißt es in der Vorlage.

Den Landessportbund treibt die Sorge um, wie lange der Zustand andauert. Bei einer Mitgliederversammlung am vergangenen Wochenende hätten die Mitglieder betont, dass die Sporthallen schnellstmöglich wieder freigegeben werden sollten, sagte die Geschäftsführerin des Landessportbundes Bremen, Karoline Müller, vor der Sitzung. Die Mitglieder machten sich außerdem über den Zustand der Hallen nach der Freigabe Sorgen.”

Vielleicht wären Computer, die Text generieren, gar keine so schlechte Idee oder am Ende ist der Text bereits von einem Computer generiert?

Was meinen die Leser von ScienceFiles?

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12 Responses to Das erklärt einiges: Vom Redakteur “Computer” generierte Texte

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  2. user unknown says:

    Wie wahrscheinlich ist es wohl, dass man fremdsprachige Vor- oder Nachberichte über die regionalen Amateurliga findet, die man mit Google-Translate übersetzen kann?

    Es wird sich also um eine ganz andere Technik handeln, für die Google-Translate kein geeigneter Indikator ist.

  3. A.S. says:

    Das hier ist als Witz gedacht. Schon toll, dass Zeitungen jetzt derartiges im Ernst ausprobieren wollen.
    http://homepage.univie.ac.at/christoph.reuter/reuter/adorno.php

  4. Ochmonek says:

    Sehr geehrter Verfasser des Textes über Turnhallen,

    um den Turing-Test vollständig zu machen, bitte ich Sie, mir einige Fragen zu beantworten.

    1.) Die ScienceFiles-Redaktion beschreibt Ihren Text als nichtssagend. Ich sehe das anders, nämlich, dass die im Text erwähnten Personen keine konkreten Aussagen gemacht haben. Haben Sie den Versuch unternommen, von Frau Müller oder Anderen konkretere Aussagen zu bekommen?

    2.) Sind Sie selbst auf meine Fragen gestossen oder wurden Sie durch die ScienceFiles-Redaktion darauf aufmerksam gemacht?

    3.) Wie stehen Sie zur Verwendung des generischen Maskulinums hier in der Anrede und was hat das mit der Gretchenfrage zu tun?

    4.) Ich benuze hier das Pseudonym Ochmonek. Ist Ihnen dieser Name aus anderen Zusammenhängen bekannt?

    5.) Wieviele Rechtschreibfehler finden Sie in diesem Text und von welchem vermuten Sie, dass ich ihn absichtlich eingebaut habe?

    Mit freundlichen Grüßen
    Ochmonek

  5. Hajo says:

    Ich habe mal für ein Sci-Fi Computerspiel eine “Tageszeitung” im Spiel entworfen und programmiert. War erschreckend wie echt das am Ende wirkte allein mit Werbeteil, Sport- und Konzertberichten (der Rest wurde nie fertigestellt). Das einzige was im Hintergrund simuliert wurde waren die Ergebnisse der Liegen und Termine für die Tourneen.

    Glaube ich sofort, dass Rationaliserungsfans hier Möglichkeiten sehen, für ihre Publikationen mit weniger Menschen zu mehr Text zu kommen.

  6. Pingback: Dümmliche bis gefährliche Nachrichtenfälschungen – mikeondoor-news

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