Oh, Schreck: Konrad Lorenz war ein Nazi

das jedenfalls hat die Universität Salzburg erkannt und dem Verhaltensforscher flux den Ehrendoktortitel der Universität Salzburg entzogen.

Lorenz wird es wurscht sein, er ist 1989 gestorben.

Konrad_LorenzAlle anderen wissen nun, dass an der Universität Salzburg lauter aufrechte Personen sitzen, die im Dritten Reich in den Untergrund gegangen und sich dort als Widerstandskämpfer einen Namen gemacht hätten. In keinem Fall hätten sie sich – wie sie das Konrad Lorenz unterstellen – dem System angedient oder gar Entscheidungen für sich getroffen, die mit der herrschenden Ideologie in Einklang sind und für die es Browniepoints gibt.

Nein, Sie hätten dem Nationalsozialismus die Stirn geboten und sich nicht als „besonders engagierter Nationalsozialist dargestellt“, höchstens als besonders „engagierter Anti-Nationalsozialist“, heute jedenfalls, ob in den 1940er Jahren auch als Leib und Leben davon abhängig waren, dass man sich fügt, das wollen wir einmal dahingestellt lassen.

Wie dem auch sei, die wackeren post-Drittes-Reich-Widerstandskämpfer, die Lehnstuhl-Rebellen, sie haben Lorenz entehrendoktort und fühlen sich nun vermutlich gut auf ihrem Weg zur nazifreien Hochschule. Der erste Preis, der der ersten nazifreien Hochschule winkt, ist vermutlich der reine Saubermann in doppelter Ausfertigung.

Was wir jedoch nicht verstehen, ist Folgendes:

„Die Universität stellte zudem fest, dass Lorenz „durch die Hervorhebung der ‚Ausmerzung‘ bzw. ‚Auslese‘ als wesentlicher Maßnahme für das Überleben der Menschheit und ihrer Verbindung mit dem Rassismus und der ’nordischen Bewegung‘ als Grundlage des Staates wesentliche Elemente der rassistischen Ideologie des Nationalsozialismus verbreitet“.

Insofern die Universität Salzburg durch die Ausmerzung von Ehrendoktoren, die sich nicht ideologisch blütenrein verhalten haben, gerade belegt, dass diese Form der Auslese eine wesentliche Maßnahme für das finanzielle Überleben staatlicher Hochschulen im politisch korrekten Umfeld der ministeriellen Vorgaben ist, belegt sie doch, was Lorenz formuliert hat.

Wo also ist das Problem?

Wichtiger als die Ehrendoktorwürde für Konrad Lorenz ist übrigens der Nobel-Preis, den Lorenz gemeinsam mit Karl von Fritsch und Nikolaas Tinbergen für die Erforschung von Verhaltensmustern in Spezien erhalten hat.

Lorenz’s concepts advanced the modern scientific understanding of how behavioral patterns evolve in a species, particularly with respect to the role played by ecological factors and the adaptive value of behaviour for species survival. He proposed that animal species are genetically constructed so as to learn specific kinds of information that are important for the survival of the species. His ideas have also cast light on how behavioral patterns develop and mature during the life of an individual organism.“

Und wir haben gedacht, einen Ehrendoktor erhält man dafür, dass man besondere wissenschaftliche Leistungen erbracht hat. Nicht in Salzburg. Dort erhält man einen Ehrendoktortitel nur für die richtige Gesinnung.

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18 Responses to Oh, Schreck: Konrad Lorenz war ein Nazi

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  2. Dirk Wunderlich says:

    Na ja, heute wird immer noch „ausgemerzt“ – z. B. hier:

    [QUOTE]…ferner in der Erwägung, daß weitere Maßnahmen auf Ebene der Europäischen Union und der Mitgliedstaaten nötig sind, um Homophobie auszumerzen und eine Kultur der Freiheit, Toleranz und Gleichheit unter den Bürgern sowie in ihren Rechtsordnungen zu fördern…[/QUOTE]

    Entschließung des Europäischen Parlaments zu Homophobie in Europa vom 18-06-2006, Abs. I
    [url=http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+TA+P6-TA-2006-0018+0+DOC+XML+V0//DE]Angenommene Texte – Mittwoch, 18. Januar 2006 – Homophobie in Europa – P6_TA(2006)0018[/url]

  3. caruso says:

    Ich liebe die jetzigen Anti-Nazis. Es kostet ja nichts. Man fühlt sich nur wohler als rechtschaffener Mensch. Man bildet sich nämlich ein, „ich hätte mich besser verhalten.“ Ich möchte nicht erleben, daß jemand es beweisen müßte. Ich befürchte, die Enttäuschung über sich selbst wäre groß.
    K.L. war ein hervorragender Wissenschaftler. Auch wenn er in einem oder anderem falsch lag, nimmt von seinem Wert als Wissenschaftler nichts weg. Sagt eine alte Jüdin.
    lg
    caruso

  4. rote_pille says:

    Als Nächstes wird wohl auch die Evolutionstheorie durch Kreationismus ersetzt, weil irgendein Nazi das Wort „Selektion“ (falsch) verwendet hat. Und die Sportpaläste können wir in Deutschland auch gleich abreißen, weil sie Goebbels‘ heimliche Verbündete sind oder so ähnlich.

  5. pieter says:

    Was für Speichellecker. Aber Salzburg ist da nicht alleine. Welchem „Wissenschaftler“ kann man da noch irgendwas glauben .

  6. gartnercomms says:

    Die Vermutung liegt nahe, dass genau diese politisch korrekten Lemminge, die meinen, die Wahrheit gepachtet zu haben und um keinen Preis eine Abweichung von der (vorgegebenen) Mainstream-Ideologie erlauben, vor achtzig Jahren eben die damals herrschende Ideologie gestützt hätten.

    • Broadarrow says:

      Um in der Nazizeit Karriere machen wollte, musste man Systemling sein, auch wenn man in seinem Herzen ganz anderer Meinung war. Die überaus politisch korrekten Herrn Doktoren, die ihm fachlich nicht einmal das Wasser reichen können und jetzt den Doktortiel aberkennen, sind genausolche Systemlinge. Da darf man sich nicht wundern. Wahrscheinlich wird ihnen In 50 oder 70 Jahren auch der Doktortitel aberkannt werden, weil sie zu heute so politisch korrekt waren.

  7. Jürg Rückert says:

    Solche Vorgänge sind nicht nur auf „Nazis“ gerichtet. Vor Jahrzehnten fiel mir auf, wie gewisse Kopfjäger ausschwärmen, nicht um einer Wahrheitsfindung willen, sondern um eine Person zu zerstören. In diesem Sinne wies der „Spiegel“ nach, wie dilettantisch Scott seine Südpolexpedition ausgeführt hatte.
    Luis Trenker wurde 2015 ja auch abgearbeitet.
    Shakespeare ließ in J. Caesar sagen (Marc Anton): The good is often enterred with their bones, the evel lives after them … Auf deutsch: 99 Wohltaten werden vergessen, eine Nicht-Wohltat nie.
    Eibl-Eibeslfeldt ist überfällig: Viel, viel schlimmer als B. Höcke!

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  9. Trizonesier says:

    Da muß jetzt aber auch der Staatsanwalt ermitteln! Sofort die Knochen vom ollen Lorenz ausbuddeln und auf einer Anklagebank drapieren. Außerdem sofort einen „runden Tisch“ gegen Graugänse einrichten!

  10. “Die Universität stellte zudem fest, dass Lorenz “durch die Hervorhebung der ‘Ausmerzung’ bzw. ‘Auslese’ als wesentlicher

    Und als nächstes nehmen wir uns Darwin vor…
    Aber hat der überhaupt eine Anerkennung einer deutschsprachigen Uni? Und, wer wird dabei mehr beschädigt?

    Neu ist das alles nicht. Ich wurde schon beschimpft, weil ich den Namen Konrad Lorenz in einer Diskussion brachte. Da wurde mir erstmal klar, welch vermintes Gelände das ist.

    Hat Adolf Hitler eigentlich noch Ehrentitel, die man ihm aberkennen könnte? Der Kerl hat doch sicher noch nicht alle Ehrenbürgerschaften zurückgegeben.

    Daß Unterschiede da sind, daß die Entwicklung in ihrem einfachsten Mechanismus auf der Auslese von Unterschieden beruht, und daß es auch Unterschiede geben muß, um auslesen zu können, das alles kollidiert mit der Ideologie der Gleichmacherei. Solange wir nicht lernen, statt ‚alle sind gleich‘ zu sagen, ‚alle sind ungleich und das muß so sein‘, werden wir Entwicklung nicht verstehen.

    Carsten

    „Überhaupt ist es für den Forscher ein guter Morgensport, täglich vor
    dem Frühstück eine Lieblingshypothese einzustampfen – das erhält jung.“
    Konrad Lorenz, Das sogenannte Böse, Zur Naturgeschichte der Aggression

  11. Heiner says:

    Alles schon dagewesen, die Vorzeichen sind immer mal wieder anders, je nachdem, wie der Gesinnungswind grade weht.

    Vergleiche: Ehrenbürgerwürde für Nikolai Bersarin in Berlin

    Interessanterweise toben sich die Gesinnungsschnüffler immer zuerst an den Toten aus, und testen mit denen, wie die öffentliche Meinung reagiert, dann geht es an die Lebenden.

  12. rugai says:

    Schon erstaunlich wie zuverlässig und mühelos heuer jede neue Sau beklatscht wird, die man gesinnungsbereinigt durchs deutsche Dorf treibt – ich befürchte das hat sich in D (und Europa) der Jahre 33-39 (und in der McCarthy Ära) ganz ähnlich angefühlt.
    Bleibt die Tatsache bestehen, dass aus der Geschichte nur gelernt wird, dass man aus der Geschichte nix lernt (frei nach Gandhi)..

    Wäre ich Soziologe, hätte ich schon lange keine Haare mehr…..

  13. Hungerleider says:

    Wenn wir KL nicht hätten , wen hätten wir dann ? Typisch für Versager , einen Großen nach seinem Tode zu verleumden . Deutschland das Land der Schleimer und Verräter .

  14. Bernhard says:

    Faschismus ist eifach nur die „Totale Kontrolle“.
    Wer im Faschismus etwas ändern will ist somit ein potenzieller Selbstmörder,und wer überleben möchte hält sich da raus.
    Der Widerstand im dritten Reich hatte dies Erkenntnis inhaliert und folgerichtig erst
    nach erfolgreicher Ordenssammlung auf der Brust,und angesichts der Unvermeidbarkeit
    der Niederlage auf Überleben gesetzt. Die universitären Flachpfeifen verkaufen uns
    das dann als „Widerstand“
    Meine Hochachtung als Widerstandskämpfer gilt nur einem Georg Elser.
    „MeinKampf lesen“, verstehen und handeln. Und das Ohne Studium

  15. Pingback: Matthias‘ Woche – nicht-feministische Links der KW 51/15 - NICHT-Feminist

  16. Hosenmatz says:

    Am Ende prüfen die noch das Verhältnis von Max Planck und Carl Bosch zum Nationalsozialismus.

  17. altermann says:

    Herrlich geschrieben. Ich glaube, ich muss diese Formulierung demnächst klauen, weil sie so perfekt auf unsere Journaille zutrifft, die das Wort „Nazi“ gar nicht mehr aus dem Mund nimmt: „In keinem Fall hätten sie sich – wie sie das Konrad Lorenz unterstellen – dem System angedient oder gar Entscheidungen für sich getroffen, die mit der herrschenden Ideologie in Einklang sind und für die es Browniepoints gibt.“

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