Volksverräter und Kartoffelkäfer: Von der Relevanz des Irrelevanten

Es ist wissenschaftlich wirklich interessant. Jährlich seit 1991 trifft sich ein Häuflein von angeblichen Sprachwissenschaftlern, nennt sich Jury und kürt das Unwort des Jahres. Und jährlich wiederholt sich der Auftrieb in den Medien. Kein Medium, das sich nicht mit den in Darmstadt ansässigen Unwort-Umtriebigen gemein macht und deren Mahnung über der Deutschen Wortgebrauch an die versammelte Lesegemeinde und zumeist ohne redaktionelle Mehrarbeit weitergibt.

Welche Theorie man bemühen muss, um zu erklären, wie ein kleines Häuflein von Sprachwissenschaftlern, das sich Jury nennt, es jedes Jahr aufs Neue in die Medien schafft, ist eine Frage, die man nicht einfach beantworten kann. Zunächst fällt uns dazu die alte Theorie des Gatekeepings ein, deren Vertreter der Ansicht sind, Medien hätten eine Auswahlfunktion, d.h. sie würden aus dem Meer der Meldungen, das ihnen täglich auf den Tisch kommt, diejenigen auswählen, von denen sie annehmen, sie würden die Mehrheit der Leser/Seher interessieren.

Das ist eine sehr naive Theorie nimmt sie doch an, Medienvertreter hätten keine eigenen Interessen, die sie bevorzugt Meldungen verbreiten lässt, die diesen eigenen Interessen dienlich sind.

Der Agenda Setting Ansatz, der auf McCombs und Shaw zurückgeht und letztlich je nach Vertreter mehr oder weniger deutlich besagt, dass Medien aus Informationen auswählen und den ausgewählten Informationen durch die Auswahl Aufmerksamkeit und Bedeutung, also Salience zuweisen, scheint hier etwas passender, jedenfalls dann, wenn man annimmt, dass die Auswahl der Informationen durch Medienvertreter auf Basis des Interesses der entsprechenden Medienvertreter getroffen wird.

potthoff-medienwirkungsforschungNehmen wir daher an, dass Interesse und Motivation, die die Unwort-Jury treiben, mit denen der Medienschaffenden übereinstimmen, dass also beide: „sprachkritisch“ sein wollen, allerdings nur gegenüber „Pegida, AfD oder ähnlichen Initiativen“, wie es dieses Jahr in der Unwort-Wahlbegründung der Jury heißt. Ein Blick auf die Unworte der Jahre seit 1991 zeigt, dass die Feinde der Sprachkritik auf drei Begriffe gebracht werden können: Kapitalismus, Rechte und Eigentümer.

Kurz: Die Agenda, die die Jury mit ihrer Unwortwahl setzen will, ist eine sozialistische Agenda. Hier treffen sich die Unwort-Setzer wohl mit den Medienvertretern, deren Agenda eine ähnlich sozialistische zu sein scheint. Zudem wollen die Unwort-Juroren die „Grenzen des öffentlich Sagbaren“ anmahnen. Sie wollen nicht zensieren, nein, nur mahnen und dafür sorgen, dass bestimmte Begriffe nicht mehr verwendet werden oder ein öffentliches Klima schaffen, das die Nutzung der entsprechenden Begriffe nicht mehr erlaubt. Das ist natürlich keine Zensur, eher Sprachdiktatur. Auch hier treffen sich die Unwort-Geber mit den Unwort-Nehmern in den Mainstream Medien, die mit dem Advent des Internets ihre Deutungshoheit haben dahinschwinden sehen und sich mittlerweile mit so garstigen Dingen wie Kritik an ihrer Berichterstattung und Richtigstellung von öffentlich-rechtlichen Falschmeldungen, ganz zu schweigen von Begriffen wie Lügenpresse konfrontiert sehen. Wie gut, dass man mit Hilfe der Unwort-Geber einen Moment der moralischen Hoheit wiedererlangen und sich zum Opfer rechter Gesinnung stilisieren kann. Auch hier treffen die Unwort-Juroren mit ihrer Motivation den Kern dessen, was Medienschaffende zu motivieren scheint.

Und natürlich stehen Medienvertreter immer in der ersten Reihe, wenn es darum geht, „faschistischen und fremdenfeindlichen Hintergrund“, wie er sich z.B. in der Geschichte der deutschen Autobahnen, die Aufmarschrouten für den Zweiten Weltkrieg waren, darstellt, aufzuzeigen. Und so bekommen wir dieses Jahr das Wort „Volksverräter“ aufgetischt, ein wahrhaft faschistisches und fremdenfeindliches Wort, wenn man der essentialistischen Ansicht ist, der sich die Unwort-Jury angeschlossen hat, dass das Wort Volk nur Blutsverwandte und seit der Schlacht im Teutoburger Wald auch keinerlei Neuankömmlinge mehr umfasst und umfassen kann, dass Volk einmal und immer dasselbe Volk bezeichnet und deshalb alle, die nicht in 10ter Generation einen reindeutschen Vorfahren haben, ausschließt.

Es ist schon erstaunlich, welche Nachwirkungen die Nürnberger Rassengesetze in den Köpfen mancher auch noch im Jahre 2017 haben.

Volksverräter ist also das Unwort des Jahres 2016.

Wir haben es in der Redaktion vernommen und uns zunächst einmal betroffen angeblickt. Denn: In welchen Teilen der Unterwelt sind die Unwort-Geber nur unterwegs, um ausgerechnet auf den Begriff des Volksverräters zu kommen? Um die Irrelevanz des zum Unwort aufgebauschten Begriffs, der im Darmstädter Unwort-Echozimmer wohl hallt und hallt und hallt, aber außerhalb halt nicht, einmal deutlich zu machen, haben wir auf Google Trends nach der Häufigkeit von Suchen nach „Volksverräter“ (blau) gesucht und die entsprechende Häufigkeit mit der Häufigkeit von Suchen nach „Kartoffelkäfer“ (rot) verglichen.

kartoffelkafer

Das Ergebnis ist eindeutig und zeigt: Die Unwort-Geber zeichnen sich durch eine ungesunde Fixierung auf Begriffe aus, die außer ihnen kaum jemand zu benutzen scheint. Insofern sich die Medienschaffenden der öffentlich-rechtlichen und privaten Mainstream-Medien brav in den Dienst der unguten Unwort-Sache gestellt haben, haben sie dazu beigetragen, dass ein Begriff aus den verstaubten Archiven des tausendjährigen Reiches, der ansonsten nur im Echozimmer der Unwort-Geber hallt, eine bundesweite Verbreitung und entsprechende Normalisierung gefunden hat. Wenn es das Ziel war, den Begriff „Volksverräter“ wieder salonfähig zu machen, dann haben die Unwort-Juroren dieses Ziel mit Bravour erreicht.

„Psychopathologisch gestörte links-grüne Gutmenschen“: Ein Xing-Sturm im deutschen Kindergarten

Man könnte auch sagen, Linke entdecken die Vorteile des freien Marktes, denn diejenigen, die beleidigt sind, weil Jürgen Fritz auf Tichys Einblick argumentiert hat, dass [die meisten, viele, alle???] grünen und linken Gutmenschen psychopathologisch gestört sind, sie verlassen XING, löschen dort ihr Profil, denn XING betreibt auch XING News, und XING News wird von Roland Tichy herausgegeben, der auch Tichys Einblick herausgibt. Auf Tichys Einblick wiederum wurde der Beitrag von Jürgen Fritz veröffentlicht, jener Beitrag, in dem grüne und linke Gutmenschen als psychopathologisch gestört bezeichnet werden und in dem in einer Mischung aus Erkenntnistheorie und Freud argumentiert wird, warum (1) Fritz der Ansicht ist, grüne und linke Gutmenschen seien psychopathologisch gestört und (2) warum man deshalb nicht mit den psychopathologisch Gestörten reden soll.

Die Vergangenheitsform „wurde veröffentlicht“ ist hier auch insofern relevant, als der Beitrag zwischenzeitlich verschwunden ist. An seiner Stelle steht nun:

„Der Beitrag
“Warum Sie mit psychopathologisch gestörten Gutmenschen nicht diskutieren sollten“
hätte hier nicht erscheinen dürfen.
Unterstellung von Pathologie ist für TE keine politische Diskussionsbasis. Davon distanzieren wir uns ausdrücklich.
Roland Tichy und Redaktion bedauern das und bitten um Entschuldigung.“

Das ist schade. Doch der Reihe nach.

Zunächst einmal: Dass alle, die sich irgendwie von dem Beitrag, den Jürgen Fritz auf Tichys Einblick veröffentlicht hat, angesprochen fühlen, nun Xing verlassen, ist ihr gutes Recht. In einer freien Marktwirtschaft wird niemand gezwungen, Produkte zu kaufen, die er nicht will. Wer also nicht mehr Mitglied bei XING sein will, weil auf der Seite von Roland Tichy ein Beitrag von Jürgen Fritz veröffentlicht wurde, der ist zwar nicht unbedingt ein logischer Zeitgenosse, aber das ändert nichts daran, dass er seine Mitgliedschaft jederzeit beenden kann. Diese Freiheit hat er z.B. den zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Verurteilten voraus, die – selbst wenn sie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht nutzen, sich ihm entziehen, weil sie Beiträge, die dort veröffentlicht werden, nicht mögen, keine Möglichkeit haben, ihre Zwangsmitgliedschaft im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu beenden. Demgemäß müssten eigentlich all diejenigen, die nun ihre Mitgliedschaft bei XING beenden, für eine Abschaffung der GEZ-Zwangsgebühren eintreten, um die Freiheit auch denen zu verschaffen, die nicht in die Vorzüge des freien Marktes privater Unternehmen kommen.

Dann muss man jedoch feststellen, dass all diejenigen, die, weil Jürgen Fritz auf Tichys Einblick von „psychopathologisch gestörten Gutmenschen“ geschrieben hat, nun ihre Mitgliedschaft bei XING kündigen, weil XING News von Roland Tichy herausgegeben wird, mehrere Fehlschlüsse begehen. Denn auf XING News ist in der Vergangenheit offensichtlich kein Beitrag erschienen, der ihren ideologischen Groll geweckt hat, denn wäre in solcher Beitrag erschienen, dann hätten sie ihre Mitgliedschaft ja bereits in der Vergangenheit gekündigt. Sie bestrafen somit XING, obwohl XING gar nichts dafür kann. Damit liegt ein Verstoß gegen die erste der drei Regeln für die Überprüfung der Gültigkeit von Syllogismen vor, der besagt: „Der Mittelausdruck muss genau einmal distribuiert sein“. Für alle die es nachvollziehen wollen. Wer in Salmon Wesleys „Logik“ die Seiten 104 bis 110 liest, und zwar vor dem Hintergrund, dass die Aussagen „Roland Tichy ist Herausgeber der XING News“ und „Roland Tichy ist Herausgeber von Tichys Einblick“ Mittelausdrücke darstellen, dem sollte es nicht schwerfallen, nachzuvollziehen, warum die Kündigung der XING-Mitgliedschaft auf einem Fehlschluss beruht.

Wenn es also das Ergebnis eines Fehlschlusses darstellt, XING dafür abzustrafen, dass Jürgen Fritz auf Tichys Einblick einen Beitrag veröffentlicht hat, der den Abstrafern nicht gefällt, dann stellt sich die Frage, was sie erreichen wollen, denn die einzig logisch korrekte Reaktion wäre gewesen, Tichys Einblick nicht mehr zu lesen. Entsprechend wollen diejenigen, die XING kündigen, weil Tichy Herausgeber ist, wohl erreichen, dass XING seinerseits Tichy kündigt. Letztlich wollen die Abstrafer also gar nicht XING kündigen. Vielmehr hoffen sie, durch ihre Kündigung XING dazu zu veranlassen, Tichy zu kündigen.

Da es, wie oben festgestellt wurde, bislang keinen Artikel auf XING News und unter der Verantwortung von Roland Tichy gegeben hat, der als Anlass für eine aufgeregte und empörte Kündigung der XING Mitgliedschaft hätte dienen können, muss man schließen, dass der Beitrag von Jürgen Fritz auf Tichys Einblick als willkommener Vorwand benutzt wird, um die eigene Abneigung gegen Roland Tichy als Herausgeber von XING News publikumswirksam zu inszenieren. Trifft dies zu, dann haben wir es mit gefühlsgeleiteten, nicht rationalen (was schon durch den Fehlschluss eigentlich belegt ist) Akteuren zu tun, was wiederum die Argumentation von Jürgen Fritz bestätigen würde.

Die Argumentation von Jürgen Fritz: Man muss sie nicht teilen. Man muss sie nicht gut finden. Man muss sie nicht einmal lesen. Aber man sollte doch den Anstand aufbringen, (1) den eigenen Ärger darüber, dass etwas veröffentlicht wurde, was einem ideologisch nicht passt, nicht an unschuldigen Dritten auszuleben, (2) den eigenen Ärger, der sich am Begriff „grün–linke psychopathologisch gestörte Gutmenschen“ entzündet, zu begründen und (3) sich nicht als beleidigte Leberwurst im Kinderzimmer einzuschließen, sondern sich wie ein vernünftiger Mensch zu verhalten, wenn man nicht den Schluss nahelegen will, man sei psychologisch gestört.

Und aus diesen drei Gründen ist es schade, dass der Beitrag von Jürgen Fritz von Tichy gelöscht wurde und nur noch im Webcache (und in unserer Sicherung) zu finden ist.

Wir können uns noch an unsere Schulzeit erinnern, in der das Bonmot der „Streitkultur“, der „deutschen Streitkultur“ verbreitet war. Deutschland, so die Behauptung, sei eine Demokratie, in der man sich über alles, was begründet wurde, auseinandersetzen und streiten könne. Deutschland habe eine öffentliche Streitkultur.

Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein, als die Idee, in Deutschland gäbe es eine irgendwie geartete Streitkultur.

Es gibt in Deutschland bestenfalls eine „Beleidigte-Leberwurst-Kultur“. Wir können Sie derzeit auf Twitter im vollen Schwung sehen und XING sieht an der Zahl der Kündigungen von Mitgliedschaften, welche Ausmaße die Beleidigte-Leberwurst-Kultur hat.

Wenn alle, die in öffentlich-rechtlichen Medien als Wutbürger beschimpft wurden, als Problembürger abgestempelt wurden, die von Politikern als Pack bezeichnet oder als rechter Bodensatz abgekanzelt wurden, sich derart zieren wollten, wie es derzeit diejenigen tun, die auf Grundlage von Fehlschlüssen und motiviert über psychologische Befindlichkeiten, ihre XING Mitgliedschaft kündigen, was wohl in Deutschland los wäre. Derartige psychologische Befindlichkeiten, meint Fritz wohl, wenn er schreibt: „Grün-linke Gutmenschen meinen, wenn sie die Vorstellung unterschiedlicher Bewertungen, damit auch der Wertigkeit, mithin das Negieren von etwas zulassen, dass dann das Negative in sie hineinkäme und dies ihr Harmoniebedürfnis und ihr Bedürfnis mit allem verbunden, mit allem eins zu sein … und das eigene ich aufzulösen, konterkariert…“.

Wir stimmen mit dieser Argumentation insofern nicht überein als wir das Bedürfnis, die Umwelt so zu kontrollieren, dass Kritik und Argumente, die das ideologische Gefühlchen des Möchtegern-Kontrolleurs stören, beseitigt oder (auch beliebt) geblockt werden, nicht oder nicht nur das Ergebnis einer Psychopathologie darstellt. Es beschreibt zudem das, was Wilhelm Heitmeyer eine mangelnde Ambiguitätstoleranz genannt hat. Derartige Menschen sind nicht in der Lage, andere Meinungen und Ansichten, andere Deutungen und Theorien über die Welt zuzulassen, die die eigene gefährden. Sie sind deshalb nicht dazu in der Lage, weil sie kognitiv nicht in der Lage sind, ein Argument für die Richtigkeit der eigenen Weltsicht, die eigene Ideologie zu machen. Deshalb lehnen sie alles ab, was ihrer Weltsicht widerspricht, unabhängig davon, ob es argumentiert und begründet ist oder nicht.

Jürgen Fritz hat sich bemüht zu argumentieren. Er behauptet nicht einfach „grün-linke Gutmenschen“ wie er schreibt, seien psychopathologisch, er begründet dies. Damit geht er weit über das hinaus, was diejenigen dargeboten haben, die Menschen pauschal als Wutbürger bezeichnet haben oder bezeichnen. Bis heute gibt es keinerlei Versuch, die Behauptung X seien Wutbürger auch nur ansatzweise zu begründen. Fritz versucht dagegen, seine Ansicht zu begründen.

 

Wenn man also, wie viele derjenigen, die nun ihre XING Mitgliedschaft kündigen, tatsächlich einen Grund zur Kündigung hat, ob der begründeten Bewertung grün-linker Gutmenschen als psychopathologisch gestört, der jenseits des Beleidigten-Leberwurst-Syndroms liegt, der jenseits des Opportunismus liegt, der die Gelegenheit nutzt, um Tichy bei XING News auszuboten bzw. Druck auf XING auszuüben, um einen, den man ideologisch nicht mag, auszuboten, dann läge nichts näher, als sich argumentativ mit dem auseinanderzusetzen, was Jürgen Fritz schreibt, seine Prämissen zu hinterfragen, seine Schlüsse zu prüfen, die Schwächen an seinem Beitrag offenzulegen, die es in einiger Menge gibt (z.B. weil nicht klar ist, gegen wen sich Fritz genau wendet und was einen grün-linken Gutmenschen nach seiner Ansicht auszeichnet – außer der Beschreibung, die Fritz vornimmt), dann läge nichts näher als den Text von Fritz zu kritisieren, den Beitrag öffentlich zu widerlegen, die Aussagen über die Realität, die Fritz aus seinen Hypothesen über grün-linke Gutmenschen ableitet, zu falsifizieren, den logischen Zusammenhang seiner Argumentation zu hinterfragen…

TE pathologie.jpg

Wer sich um die öffentliche Kultur in Deutschland verdient machen will, dazu beitragen will, dass die vielbeschworene Streitkultur der 1980er Jahre zumindest in Ansätzen Wirklichkeit wird, der kann sich jederzeit mit dem Beitrag von Fritz auseinandersetzen und zeigen, dass alles, was Fritz schreibt, falsch ist. Wer den Beitrag nur dazu nutzt, seine Empörung zu veröffentlichen und sich zum XING-Selbstmörder zu machen, der sein Konto kündigt, um seine reine Gesinnung zur Schau zu tragen, der ist offensichtlich nicht daran interessiert, in Deutschland einen Dialog zu etablieren, eine Streitkultur, in der man auch über pointierte Texte diskutieren kann, die Begründungen und eine Argumentation enthalten. Er ist vielmehr daran interessiert diesen Dialog gerade zu unterbinden und sich in seine Schmollecke zurückzuziehen, in der Hoffnung, dass das große XING nun den bösen Roland in die Wüste schickt, so dass man mit zufrieden-verschlagener Miene wieder aus der Schmollecke in die ideologisch gesäuberte XING-Welt zurückkehren kann.

Willkommen im offenen ideologischen Vollzug Deutschlands, an dem sich leider auch Tichy durch die Löschung von Beiträgen und halbwarme Begründungen für die Löschung beteiligt.

Mehrheit findet Gutmensch und Lügenpresse akzeptabel

„Was meinen Sie: Sind diese Begriffe generell in öffentlichen Debatten und politischen Diskussionen akzeptabel?“. Diese Frage hat YouGov im Rahmen des YouGov-Omnibus gestellt, 1049 Teilnehmer am Omnibus haben die Frage beantwortet.

Demnach sind Gutmensch und Lügenpresse Begriffe, die von einer Mehrheit der Befragten als im öffentlichen Diskurs akzeptabel angesehen werden. Dagegen sind die Begriffe „Pack“ und „Arschloch“, die Sigmar Gabriel oder Joschka Fischer im öffentlichen Diskurs genutzt haben, für die Mehrheit der Befragten nicht akzeptabel.

chart-begriffe-in-der-debatte

Das ist ein eindeutiges Votum und eines, mit dem Moritz Wichmann von YouGov ringt, zeigt es doch nach seiner Ansicht, dass „problematische Begriffe“ der „politischen Rechte[n]“, dass „rechtes Vokabular“ für viele Deutsche akzeptabel sind. Die problematischen Begriffe „Gutmensch“ und „Lügenpresse“ grenzt Wichmann gegen „’normale‘ abwertende Beschimpfungen wie Luder und Arschloch“ ab, was einmal mehr zeigt, wie problematisch die Begriffe „Lügenpresse“ und „Gutmensch“ für Angehörige des Mainstream doch sind und wie normal für sie die Benutzung von Begriffen wie Arschloch, oder Pack doch zu sein scheint. Aber das ist ihr Problem.

Fangen wir zunächst mit der Feststellung an, dass Begriffe Begriffe sind. Ihre Bedeutung ist ihnen nicht immanent. Die Bedeutung von Begriffen ist der Gegenstand von Konvention und Übereinkunft. Irgendwie hat sich der Begriff Berg zur Bezeichnung von Erhebungen durchgesetzt, während der Begriff „grumph“ keine Mehrheit für seine Verwendung zur Bezeichnung von Erhebungen in der Landschaft erhalten hat. Also reden wir von Bergen, obwohl wir auch von Grumpf reden könnten.

Als Konsequenz ergibt sich, dass Begriffe keine Essenz haben, sie sind nicht irgendwie. Es gibt keine linken und keine rechten Begriffe. Die Bezeichnung „rechter Begriff“ oder „rechtes Vokabular“ ist eine Zuschreibung, die wertend gemeint ist. Wenn also von „rechten Begriffen“ die Rede ist, dann hat dies nichts mit den Begriffen als solchen zu tun. Es ist vielmehr der Ausdruck eines Interesses bei demjenigen, der einen Begriff wie „Gutmensch“ oder „Lügenpresse“ als rechten Begriff bezeichnet. Da mit dem Zusatz „rechts“ eine Abwertung vorgenommen werden soll, ist klar, dass die Bezeichnung „rechter Begriff“ oder „rechtes Vokabular“ von demjenigen, der sie vornimmt, genutzt wird, um die Verwendung des Begriffs, hier Gutmensch bzw. Lügenpresse in Frage zu stellen. Darin besteht offensichtlich sein Interesse.

Nun sind Gutmensch und Lügenpresse empirische Begriffe, die eine Behauptung über Individuen oder Organisationen aufstellen, eine Behauptung, die in beiden Fällen prüfbar ist. Wir haben z.B. den Begriff des Gutmenschen definiert, als – in aller Kürze – Person, die von missionarischem Eifer besessen ist und die andere mit ihrer Überzeugung, besser als diese anderen zu wissen, was gut für diese anderen ist, verfolgt und sich das Recht einräumt, durch Zwang, diese anderen zum Gutmenschenheil zu bekehren“. Auf Basis dieser Definition ist es problemlos möglich zu prüfen, ob eine bestimmte Person ein Gutmensch ist oder nicht.

Dasselbe gilt für den Begriff „Lügenpresse“. Die Behauptung hinter dem Begriff lautet: Die Presse oder Teile der Presse verbreiten Lügen und behaupten, die Lügen seien Fakten. Auch hier ist es einfach, den Vorwurf zu prüfen. So hat Markus Gärtner ein Buch mit dem Titel „Lügenpresse“ geschrieben, in dem er eine Fülle von Beispielen anführt, die nach seiner Ansicht deutlich machen, dass in Printmedien Lügen verbreitet werden. Es steht all denen, die den Begriff „Lügenpresse“ nicht mögen, offen, die Beispiele zu widerlegen und zu zeigen, dass die Behauptung, in der Presse würden Unwahrheiten verbreitet und es würde versucht, die Leser zu manipulieren, falsch ist. Gleiches ist auch für die Beiträge möglich, in denen wir gezeigt haben, wie falsche Meldungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk verbreitet werden. Jeder kann versuchen zu zeigen, dass unsere Argumentation falsch ist.

Seltsamerweise hat bislang noch niemand versucht, den Kern, der hinter „Gutmensch“ oder „Lügenpresse“ steckt zu entkräften und z.B. zu zeigen, dass alle Beispiele, die falsche oder bewusst falsche Berichterstattung in Medien auflisten, falsch sind und der Begriff der Lügenpresse somit nicht gerechtfertigt ist.

Stattdessen wird versucht, Begriffe wie Gutmensch oder Lügenpresse als rechte Begriffe zu diskreditieren. Und wer hat wohl ein Interesse daran, die Verwendung von Begriffen wie „Gutmensch“ oder „Lügenpresse“ zu unterbinden?

In jedem Fall ist der entsprechende Versuch, wie die Umfrage von YouGov zeigt, in die Hose gegangen. Die meisten Befragten sind der Ansicht, beide Begriffe seien in der öffentlichen Diskussion akzeptabel. Die selben Befragten sind mehrheitlich der Ansicht, dass Begriffe wie „Arschloch“ und „Pack“, die regelmäßig als Beschimpfung und eben nicht als empirischer Begriff gebraucht werden, nicht akzeptabel sind.

Wäre die SPD eine Volkspartei, die, wie dies unter Helmut Schmitt der Fall war, bei Bundestagswahlen in der Gegend von 40% der Stimmen zu finden ist, es sollte die Parteistrategen (sofern es sie gibt) nicht kalt lassen, dass die Begriffswahl von Sigmar Gabriel von 72% der Befragten als nicht akzeptabel bezeichnet wird. Nun ist die SPD keine Volkspartei mehr, sondern eine Partei, die auf dem Weg zur Bedeutungslosigkeit ist und dann, wenn Parteien unter 20% fallen, weicht in der Regel der Versuch, eine konstruktive Sprache zu sprechen dem Versuch, in ideologischer Apodiktik die eigene Position als unverrückbare Wahrheit darzustellen. Und wenn man selbst im Besitz der Wahrheit ist, dann müssen all die anderen, die diese Wahrheit nicht einsehen wollen, wohl uneinsichtiges Pack (oder rechtes Gesindel) sein.

 

Christlich soziales Würstchen

Auch Wissenschaftler erzählen Geschichten.

Es war einmal ein kleines bayerisches Würstchen. Das kleine bayerische Würstchen, es wäre gerne eine große Wurst gewesen, eine dicke fette Mettwurst, öffentlich bekannt und beliebt und geachtet und gefürchtet … von den Teewürsten und anderen wurstigen Varianten. Aber das kleine bayerische Würstchen, es war ein kleines bayerisches Würstchen, von dem niemand Notiz genommen hat. Da wurde er zur beleidigten Leberwurst. Und damit hatte er eine erkennbare Identität.

Wie, so hat sich das Würstchen gedacht, werde ich berühmt? Welches Marketing muss ich betreiben, um ein bekannter Hans Wurst zu werden? Und da kam ihm die Idee, für die reine Wurst zu streiten.

IMG_2686.JPGAggressoren, Hersteller von Wurst, die keine Leichteile enthält, ausgerechnet sie hat sich unser bayerisches Würstchen als Feind auserkoren. Nicht, dass die heimischen Weißwürste viel mehr Leichenbestandteile enthalten würden als die leichenteilfreien veganen oder vegetarischen Würstchen, aber das weiß der angehende Hans Wurst nicht. Darum geht es auch nicht.

Es geht um fünf Minuten Berühmtheit. Einmal auf Twitter trenden. Einmal mehr sein, als eine bayerische Landwurst, deren Versuche, Aufmerksamkeit zu erreichen, einfach nur wurstig und jedem wurst sind sind. Also hat das bayerisches Würstchen den veganen und vegetarischen Aggressoren den Krieg erklärt und verfügt, dass nur Wurst Leichteile enthält und dass es eben nicht wurst ist, dass Wurst keine Leichteile enthält.

Und siehe da, das bayerische Würstchen war mit einem Schlag ein Trend, auf Twitter und auf Facebook und die Medien, selbst ScienceFiles haben über ihn berichtet und die Redakteure sie haben ihn zur Kenntnis genommen und die Bürger, sie haben .. sie haben den Kopf geschüttelt, wegen dem Hans Wurst aus Bayern, der sie für dumm hält und meint, sie wüssten nicht, dass Teewurst keinen Tee enthält.

Und als wäre der Misserfolg nicht schon groß genug, haben wir von ScienceFiles herausgefunden, dass die wurstige Idee ein Plagiat ist. Es ist nicht der erste Versuch, mit und als Würstchen berühmt zu werden. Allerdings war das Original erfolgreich.

Demonstrationen gegen van der Bellen! Oder: Wie rot Medien eingefärbt sind

Nun ist er zum zweiten Mal zum Präsidenten Österreichs gewählt, der Alexander van der Bellen, und schon formiert sich der Widerstand!

Österreich-Präsident: Van der Bellen ist nicht normal, so heißt es in der ZEIT.

Von einem Schock für die Welt ist im Münchener Merkur die Rede:

„Mit seinem sensationellen Sieg zieht ein Demagoge in die Wiener Hofburg ein, dessen politische Unerfahrenheit und teilweise radikalen Pläne nur noch von seinen charakterlichen Schwächen übertroffen werden“.

Alexander van der Bellen beweist die Verdummung der Österreicher, so titelt der Focus.

Der Kölner Stadtanzeiger erblickt in van der Bellen die Galionsfigur der Zornigen und Abgehängten.

N-TV interessiert sich für die wahre Katastrophe hinter dem Erfolg von van der Bellen und erkennt sie in dessen Haltung: Verachtung.

Die Berliner Morgenpost sieht in van der Bellen den Präsidenten der Wutbürger und für Österreich ein intellektuelles 9/11.

Im Spiegel wird van der Bellen attestiert, er haben einen Sieg des Zerstörens errungen. Nun folge die politische Katastrophe für Österreich und die Welt.

Die SHZ tröstet alle, die von der Wahl van der Bellens erschreckt sind, damit, dass es Dummen möglich sein müsse dumm zu wählen, auch Österreichischen Dummen.

Die Tagesschau sieht im Sieg von van der Bellen eine Mahnung an alle Demokratien im Westen gerichtet.

Für die FAZ zieht mit van der Bellen ein Rächer in die Hofburg ein.

Die Neue Osnabrücker Zeitung beschwichtigt: Die Wahl van der Bellens muss nicht die Apokalypse sein.

Präsident Alexander van der Bellen: Das größte Fuck-you aller Zeiten, so heißt es kurz und bündig bei N.TV.

Angela Merkel will Alexander van der Bellen in einem Telefongespräch, das sie irgendwann in den nächsten vier Wochen zu führen gedenkt, an die westlichen Werte, an Toleranz und die Verantwortung der Österreicher für die freie Welt erinnern. Außenminister Steinmeier schmollt und konnte bislang nicht dazu bewegt werden, van der Bellen zu gratulieren.

Auf Sturm stehen die Zeichen bei der politischen Rechten, die das Ergebnis nicht anerkennen will. In mehreren Hauptstädten Deutschlands, in Paris, Amsterdam, in Berlin, Prag, Warschau und London sind Mahn-Fackelzüge mit Marschmusik geplant, deren Ziel die jeweilige Botschaft Österreichs ist.

Und die EU-Kommission will sich am Montag zu einem Krisentreffen treffen mit dem Titel, die EU nach der Österreich-Wahl: Fällt nun auseinander, was nicht zusammengehört, um eine Strategie zu überlegen, mit der man Österreich zurück in den Kanon der rechtschaffenden Staaten Europas zwingen kann. Die Ideen reichen von einem temporären Ausschluss Österreichs bis zu einem Betätigungsverbot für österreichische Wähler von fünf Jahren.

Alle Meldungen, die wir hier gesammelt haben, sind authentisch. Das Verhalten von Angela Merkel ist ebenso authentisch wie die Schlagzeilen, die wir oben wiedergegeben haben. Nur: Sie beziehen sich auf die Wahl Donald Trumps, nicht auf die Wahl Alexander van der Bellens.

Man wird im Zusammenhang mit der Wahl van der Bellens in den Medien nichts von dummen Wählern, vom Rächer in der Hofburg oder vom Präsidenten der Wutbürger, von Abgehängten oder charakterlicher Schwäche lesen. Und dass man dergleichen nicht lesen wird, obwohl man damit nach der Wahl von Donald Trump zugeschüttet wurde, ist der beste Beleg für die gleichgeschaltete ideologische Färbung deutscher Medien, die angeblich doch unabhängig und überparteilich sein wollen.

Dass man dergleichen im Zusammenhang mit der Wahl von Donald Trump lesen musste, ist ein Beleg dafür, dass Moral und Anstand im deutschen Blätterwald unter fallendem Lauf 

Aufruf zur Euthanasie: taz will Trump und AfD auslöschen

Bleibt Ihnen auch manchmal die Spucke weg?

ScienceFiles-Redaktionstöne:
„Wie will man manchen Menschen, z.B. taz-Redakteuren begreiflich machen, was zu weit geht, wenn diese Menschen keinerlei Verständnis von Anstand, Moral und Würde mitbringen und einfach nur Hass als Ausdrucksform beherrschen?

Bei der taz hat man also Euthanasie-Träume im Zusammenhang mit Trump und AfD. Scheinbar träumen die kleinen Redakteure in ihrer engen Stube davon, Trump ums Leben zu bringen und die AfD auszulöschen.

Das ist schon ein starkes Stück.

Ausgerechnet die taz-Redaktion, die so viel Mühe darauf verwendet, als Krone des Humanismus zu erscheinen, erweist sich als Hort derer, die unwertes Leben, wie man aus dem Blick zurück, erfahren kann, um die Ecke bringen wollen. Wie sonst sollte man den Hinweis auf Trump und die AfD lesen?

Haben doch weder Trump noch die AfD irgend etwas dahingehend verlauten lassen, dass sie an Euthanasie all derer denken, die ihnen nicht in den Kram passen.
Euthanasie fällt dagegen und völlig unmotiviert den Redakteuren der taz im Zusammenhang mit Trump und der AfD ein, so dass man eindeutige Vermutungen und noch dazu begründete Vermutungen über die Phantasien haben kann, die taz-Redakteure gerne umsetzen würden, wenn sie große und nicht kleine Lichter wären.

Gibt es eigentlich diesen deutschen Presserat noch, der von sich behauptet, er würde darüber wachen, dass Journalisten einem moralischen und ethischen Kodex folgen. Wenn es ihn noch gibt, dann muss er in einem Tiefschlaf versunken sein oder aus Personen bestehen, die die journalistische Verrohung, wie sie in dem oben dargestellten Tweet zum Ausdruck kommt, für normal halten.

In Zeiten von taz und Presserat, so muss man dann wohl formulieren, ist der Blick zurück wichtiger denn je.

The Right Honourable Lord Farage: Schwere Zeiten für die Rechtspopulismus gewöhnten Deutschen Medien

Nigel Farage ist in deutschen Medien nur mit dem Zusatz „Rechtspopulist“ bekannt. Der „Rechtspopulist Farage ist der erste britische Politiker“ (und auch der erste europäische Politiker) der Donald Trump nach seinem Wahlsieg getroffen hat, so heißt es z.B. in Medien, die sich als überparteilich bezeichnen.

Dass Nigel Farage nicht ohne den Zusatz „Rechtspopulist“ in deutschen Medien vorkommt, kann man zum Ausgangspunkt nehmen, um einmal mehr Rechtspopulismus real zu definieren, und zwar formal als das Vertreten populärer Inhalte, die den Medienmachern und den Mainstream-Politikern nicht, dafür aber großen Teilen der Bevölkerung gefallen. Die inhaltliche Bestimmung von Rechtspopulist muss für Nigel Farage dann wie folgt vorgenommen werden:

  • Nigel Farage

    Nigel Farage, MEP

    Kritiker der Europäischen Union;

  • Ablehnung öffentlicher Hilfsaktionen für wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen, vor allem keine Bailouts für Banken;
  • Expliziter Gegner von „Disgusting Windfarms“
  • Gegner von jeglicher Art von Volkserziehung insbesondere im Hinblick auf Drogen,
  • Gegner der Kriminalisierung von Rauchern;
  • Gegner unbeschränkter Einreise, Befürworter eines Qualifikationsystems zur Regelung der Immigration;
  • Sozialhilfe für Immigranten erst wenn sie mindestens fünf Jahre im Aufnahmeland gelebt haben;
  • Befürworter der Legalisierung von Handwaffen

Das sind einige der politischen Standpunkte, die einen Politiker, den die deutschen Medien als Rechtspopulisten bezeichnen, nicht um ihn vorteilhaft erscheinen zu lassen, u.a. auszeichnen.

In Zukunft werden sich deutsche Medien jedoch etwas einfallen lassen müssen, denn Farage ist dabei, Lord zu werden, jedenfalls deuten alle Zeichen in der britischen Welt auf seine Peerage hin. Somit wird es demnächst einen Lord Farage geben, der im Oberhaus seine Reden halten kann, wenn ihm danach ist.

Diese kleine Episode macht einen der wichtigsten Unterschiede zwischen der britischen und der germanischen Welt deutlich. Erstere funktioniert auf Basis von Leistung und Pragmatismus, Letztere auf der Grundlage von Bewertung und Essentialismus.


Hinweise für ScienceFiles?
Schreiben Sie uns.

Trump von Dummen gewählt? Die ARD manipuliert schon wieder

Die Ruhe im Blätterwald, der Schock, der sich offensichtlich bei denen, die mit Politik ihr Geld verdienen, eingestellt hat, sie sind bezeichnend. Wie nach dem BREXIT scheint es ein kollektives Pinch-Me zu geben, immer in der Hoffnung, es handle sich um einen Traum.

Aber es ist kein Traum.

Es ist Realität: Donald Trump wurde zum 45. Präsidenten der USA gewählt.

Entgegen allen Umfragen, entgegen allen Erwartungen, entgegen aller Mainstream-Pressearbeit hat Trump eine Mehrheit der US-amerikanischen Wahlmänner hinter sich versammelt. Es ist wie ein deja vu nach der britischen Abstimmung über den BREXIT, den niemand für möglich gehalten hat, und dennoch haben sich die Briten gegen die EU entschieden.

An allen Enden bröckelt das Gebälk des Staates in dem sich die etablierten politischen Kostgänger so bequem eingerichtet haben. Times, they are changing!

Wandel ist nun etwas, das man nur gut findet, wenn es in einer Weise stattfindet, von der man profitieren kann, und offensichtlich sehen immer mehr Politiker ihre Felle davon schwimmen, sehen sich konfrontiert mit einer Masse von Wählern, die sie schlicht nicht mehr wollen, die den Wechsel wählen, einfach um des Wechsels willen, weil man die etablierten Politikergesichter nicht mehr sehen und ihre eingeübten Leerformeln einfach nicht mehr hören kann.

Mit Donald Trump wurde einer von außen, einer außerhalb des US-amerikanischen Establishments gewählt, ein Fremder. Entsprechend befremdet sind die Reaktionen der deutschen Politiker: „Das ist ein Schock“, sagt Cem Özedemir und Sigmar Gabriel, erzogen in der Sprache der kommunistischen Internationalen sieht eine andere Internationale am Horizont, denn Trump sei ein: „Vorreiter einer autoritären und chauvinistischen Internationale“.

ard-trump-wahlUnd wieder sehen wir das Problem, das sich mit einem allgemeinen und gleichen Wahlrecht in freien Ländern verbindet: Es kann genutzt werden. In den USA haben es, wie die ARD, ganz schnell herausgefunden haben will, vor allem dumme Wähler, nein politisch korrekt: ungebildete Wähler genutzt, um für Trump zu stimmen. Das behaupten die ARDler allen Ernstes und unter Zuhilfenahme von Andrew B. Denison, der den Lesern als „US-Politologe“ untergeschoben werden soll.

Denison ist nichts dergleichen. Er ist Direktor der Transatlantik Networks, einem Institut mit Sitz in Königswinter, von dem wir nicht so richtig wissen, was es eigentlich macht, außer Denison als Talkshowgast zu promoten. Denison hat an der Universität Hamburg einen Magister in Politikwissenschaft erreicht und an der Johns Hopkins University in Baltimore in „European Studies“ promoviert. Seither scheint er in Deutschland als Direktor des Transatlantik Networks durch Talkshows zu tingeln. Nicht unbedingt die Pedigree, die man von einem US-Politologen erwarten würde. Schon gar nicht das, was Denison als Wahlforscher und entsprechenden Experten auszeichnet.

Aber genau in dieser Funktion hat ihn die ARD angefragt, und Denison hat die ARD beglückt: Die Wahl Trumps stelle die Gesetze der Politik auf den Kopf, so erklärt er und fügt an: „Die Umfragen [die alle Trump als Verlierer vorhergesagt haben] lagen deshalb daneben, weil sie die Bereitschaft zur Wahlbeteiligung bei ungebildeten Wählern, die vorher nie gewählt haben, nicht richtig einschätzen konnten. Wir sehen hier auch eine Well des Populismus, die in Meinungsumfragen schwierig zu erfassen ist“.

Ungebildete Wähler, ungebildete Erstwähler, die von richtigem Wählen keine Ahnung haben, so die angebliche Erkenntnis des angeblichen US-Politologen, sind für die Wahl von Donald Trump verantwortlich. Da sieht man, was passiert, wenn man Dumme wählen lässt, so die Meldung, die die ARD unters Volk streuen will. Populismus und Meinungsmache pur, denn: Ob Dumme Trump gewählt haben, ist eine Frage, die derzeit nicht beantwortet werden kann, weil es keine entsprechenden Daten gibt und ob es die entsprechenden Daten in Zukunft geben wird, ist eine Frage, die eher abschlägig beantwortet werden muss, da Intelligenztests in Meinungsumfragen nicht gut ankommen und deshalb nicht durchgeführt werden.

In Befragungen erhebt man die Schulausbildung, den Schulabschluss. Der Schulabschluss ist aber ein denkbar schlechter Indikator für Intelligenz. Man denke an den mangelnden Schulerfolg von Albert Einstein oder die Genderisten auf Universitätsprofessuren. Aber selbst wenn man Schulausbildung als Näherungswert für Intelligenz benutzen wollte, so könnte man dennoch keine Aussage darüber machen, ob die Wähler, die es nur zum Abschluss der Junior High School gebracht haben, dmmer sind als die, die einen Collegebesuch abgebrochen haben.

Warum behauptet Denison also, Trump sei es gelungen, so viele dumme Wähler zu mobilisieren, wie keinem Kandidaten vor ihm?

Die naheliegende Antwort stellt eine Verbindung zwischen kognitiver Dissonanz und dem Wunsch, zu diskreditieren her: Weil mit Trumps Wahl eingetreten ist, was nicht sein durfte, muss die Dissonanz zwischen dem, was nicht nur von Denison offensichtlich gewünscht wurde und dem, was geschehen ist, überwunden werden, und zwar so, dass der eigene Irrtum darüber, wie die Wahl wohl ausgehen wird, in einen Erfolg umgemünzt werden kann, in wahrer Kleinkindermanier: Bäh, der wurde ja von Dummen gewählt.

Psychologisch interessant ist dabei die implizite Selbsteinschätzung von Redakteuren in der ARD oder von Denison, man selbst sei natürlich intelligent und den dummen Trump Wählern überlegen. Wie kommen die nur auf diese Selbsteinschätzung?

Wie dem auch sei, in informierten Kreisen, die etwas von Wahlforschung verstehen und wissen, was man so kurz nach der Wahl sagen kann und vor allem, was man weder kurz noch lange nach der Wahl sagen kann, ist bekannt, dass alle Angaben auf so genannten Exit-Poll-Befragungen basieren, deren Verlässlichkeit etwas höher ist als die der falschen Vorhersagen zum Wahlausgang. Erfasst werden bei Exit-Poll-Befragungen eine Reihe von Informationen, darunter auch die Schulbildung.

Doch der Reihe nach:

trump-vote-religionDie Informationen, die es bislang gibt, weisen eher dahin, dass nicht überproportionale Wählermobilisierung durch Trump dessen Erfolg gebracht hat, sondern unterproportionale Wählermobilierung durch Clinton, bleibt Clinton doch bei den demokratischen Stammwählern, den African-Americans (88% für Clinton), den Latinos (65% für Clinton) und den jungen Wählern von 18 bis 29 Jahren (54% für Clinton) regelmäßig um rund 6% hinter dem letzten Ergebnis zurück, das Barack Obama erzielen konnte.

Andere Daten, die die Washington Post veröffentlicht hat, zeigen, dass es Trump gelungen ist, vor allem die Stammwählergruppen der Republikaner zu motivieren. 81% der Evangelisten, eine Art Protestanten, haben Trump gewählt und 61% der Mormonen.

Die umfassendste Zusammenstellung der Exit-Poll-Ergebnisse finden sich bei der New York Times. Demnach hat Donald Trump Vorteile bei den folgenden Wählergruppen:

  • Männer (53% für Trump);
  • Weiße (58% für Trump);
  • Wähler die 45 Jahre oder älter sind (53% für Trump);
  • Generell Besserverdienende mit mehr als 99.000 US-Dollar im Jahr
  • Personen mit High School Abschluss oder weniger (51%), das entspricht in Deutschland Personen mit einem Realschulabschluss oder weniger, also einem Hauptschulabschluss oder keinem Abschluss;
  • 67% Weiße ohne College Abschluss, d.h. Weiße, die keinen Bachelor-Abschluss an einer Hochschule erreicht haben.

Wer aus diesen Daten konstruieren will, dass vor allem ungebildete Trump gewählt haben, wie die ARD dies offensichtlich will, der will also durchsetzen, dass alle, die keine Hochschule besucht haben oder weniger als ein Abitur als Schulabschluss erreicht haben als dumm anzusehen sind. Das ist eine wilde Behauptung, die nur von Dummen aufgestellt werden kann. Ungeachtet davon sind die vermeintlich Dummen, offensichtlich klug genug, um zu den Besserverdienenden zu gehören.

Kurz: Der Versuch, die eigenen Dissonanzen dahingehend zu beseitigen, dass man die Wahl von Trump als das Ergebnis einer Mobilisierung von dummen Wählern ansieht, ist gescheitert. Indes offenbart alleine der Versuch, einen Wahlerfolg als Ergebnis der übermäßigen Beteiligung dummer Wähler darzustellen, ein erschreckendes Nichtverständnis dessen, was ein allgemeines und gleiches Wahlrecht aussagt: Egal, wie dumm ein Wähler ist, er hat ein Wahlrecht und zumindest klug genug, ein Wahllokal zu finden und eine Wahlmaschine zu benutzen, muss er schon sein. Die Frage, wie intelligent ein Wähler ist, spielt im Hinblick auf das Wahlrecht schlicht keine Rolle, und tatsächlich kann ein Wahlrecht in diesem Zusammenhang nur durch Entmündigung z.B. bei Debilität erlöschen, das schließt dumme Wähler aber komplett von Wahlen aus.

Wieder müssen wir also feststellen, dass es deutschen Journalisten und Direktoren von deutschen Instituten, die als US-Politologen verkauft werden sollen, nicht möglich zu sein scheint, einfache demokratische Verfahrensweisen zu akzeptieren. Sie wollen bestimmen, was die richtige Wahl ist und entsprechend diejenigen, die die aus ihrer Sicht eine falsche Wahl treffen, diskreditieren. Warum sie überhaupt am allgemeinen und gleichen Wahlrecht festhalten, ist vor dem Hintergrund dieser anti-demokratischen Anwandlungen eine Frage, die wir nicht beantworten können.

Nach aller Konvention, die in der Politikwissenschaft gültig ist, muss es sich bei solchen Anti-Demokraten entweder um Kommunisten oder um Faschisten handeln.


Hinweise für ScienceFiles?
Schreiben Sie uns.

Die gruppenbezogenen Menschenfeinde der ARD

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Rassimus ist eine Unterkategorie davon, kann man als Extrakt der Vielzahl unterschiedlicher Definitionen, die es derzeit gibt, wie folgt definieren:

  • Menschen werden aufgrund willkürlicher Merkmale wie Sprache, Rasse oder Alter in Gruppen eingeteilt.
  • Die Gruppeneinteilung wird dazu benutzt, den jeweiligen Gruppen aufgrund der die Gruppen definierenden Merkmale unterschiedliche Wertigkeiten zuzuschreiben.

Das ist die kürzeste Definition von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, die wir kennen. Und für all diejenigen, die sie gerade abschreiben um sie z.B. in ihren studentischen Arbeiten zu verwenden, es ist unsere, die Definition von ScienceFiles. Also bitte die Definition mit einer Quellenangabe kenntlich machen. Es kommt sowieso wieder bei uns an, über Plagscan, das regelmäßig bei uns fündig wird. Zuletzt von der HU-Berlin aus benutzt (ausgerechnet).

Doch zurück zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.
Stellen wir uns vor, Homosexuellen wird generell der Zugang zu öffentlichen Schwimmbädern verweigert oder Frauen werden nicht mehr zu öffentlichen Veranstaltungen wie z.B. Fußballspielen zugelassen, die Ismen, die in den aufgebrachten Medien, die in der ARD dafür verwendet würden, man kann sie sich lebhaft vorstellen.

Stellen wir uns vor, die Tatsache, dass in Ludwigshafen gerade ein kleiner Teil der BASF in die Luft geflogen ist und entsprechender Rauch verbreitet wurde, wird zum Anlass genommen, um darauf hinzuweisen, dass die Nähe zur BASF die Hauspreise in Ludwigshafen senkt. Nicht auszudenken, das aufgeregte Gegacker, das auf die Kapitalisten- und Bonzenfreunde, die so etwas anmerken, einprasseln würde.

Und jetzt stellen wir uns nichts vor, jetzt lesen wir einen Text von der Tagesschauseite vom heutigen Tag:

ard-kinder-menschenfeinde“Sie sind den Emissionen ausgesetzt, die die Erwachsenen produzieren: Rund 300 Millionen Kinder weltweit müssen extrem verschmutzte Luft einatmen. Das UN-Kinderhilfswerk warnt: Die verschmutze Luft sei mit verantwortlich für den Tod von jährlich 600.000 Kindern.“

Ist man bei der ARD der Ansicht, dass es Luft gibt, die von Kindern eingeatmet wird, und Luft, die von Erwachsenen eingeatmet wird? Wohl kaum, so dumm sind nicht einmal Redakteure der ARD, obwohl man manchmal am Wahrheitsgehalt dieser gerade gemachten Aussage zweifeln kann.

Entsprechend bleibt nur die folgende Interpretation:

Wenn Kinder verschmutzte Luft einatmen, dann ist dies schlimmer als wenn Erwachsene verschmutzte Luft einatmen. Warum ist das schlimmer? Weil allen Kindern die verschmutzte Luft, die von (allen) Erwachsenen produziert wurde, zum Einatmen vorgesetzt wird, während alle Erwachsene sich zu Mitschuldigen an der verschmutzten Luft, die einige von Ihnen herstellen, gemacht haben.

Die Dummheit ist nicht auszuhalten.
Nicht nur, dass jedes logische Gesetz bei der ARD außer Kraft gesetzt wird, wenn es mit dem verantwortlichen Redakteur durchgeht (z.B. der Unterschied zwischen einige und alle im Bezug auf Erwachsene), nein, wenn die Dämme der marginale Vernunft, die in öffentlich-rechtlichen Medien noch zu finden ist, einmal gebrochen sind, dann schwappt hervor, was so mancher Redakteur dort denkt, vom reinen, vom unbefleckten Kindlein, dessen Leben soviel mehr wert ist als das Leben eines Erwachsenen.

Lassen wir Erwachsene also extrem verschmutzte Luft einatmen. Sie sind ja dafür verantwortlich (alle). Aber Kindlein, Kindlein die daran sterben, welche Grausamkeit, 600.000 pro Jahr sterben an extrem verschmutzter Luft wie das „Kinderhilfswerk der UN“ festgestellt haben will, auf Basis welcher Daten auch immer. Die Datenquelle interessiert niemanden bei der ARD, es reicht, den Titel des Berichts „Saubere Luft für Kinder“ zu berichten. Sicher ist richtig, so muss der Redakteur glauben, was die UNICEF schreibt, denn bei der UNICEF arbeiten nur gute Kinderfreunde, denen offensichtlich Erwachsene vollkommen egal sind, so wie sie dem Redakteur bei der ARD, den man entsprechend in die Gruppe der Kinder einordnen muss, egal sind (wir nehmen mit allen Philosophen an, dass Selbsterhalt die Triebkraft menschlichen Lebens ist, deshalb die Einordnung in die Gruppe der Kinder).

Dass die guten Kinderfreunde bei der UNICEF ein Auskommen, ein recht hoch dotiertes Auskommen damit verdienen, in regelmäßigen Abständen Berichte zu veröffentlichen, in denen das Leid von Kindern so dargestellt wird, als lebten diese Kinder in einer Welt für sich, in der Erwachsene nur als Umweltverschmutzung und –schmutzer vorkommen, dass diese Berichte, den Interessen der UNICEF-Angestellten und dem Zweck der UNICEF dienen, auf Kosten der Allgemeinheit ihr vermeintlich gutes Werk zu tun, das kommt bei der ARD niemandem in den Sinn.

Dort werden die wenigen Neuronen, die sich in den Gehirnen der entsprechenden Redakteure noch mit der Verbreitung kognitiver Inhalte beschäftigen, weggeschwemmt von einer affektiven Welle purer Menschenfeindlichkeit, denn (1) werden alle Kinder als Opfer von allen Erwachsenen fein säuberlich getrennt, (2) wird den Kindern ein höherer Wert beigemessen, denn dass Sie „extrem verschmutzte Luft“ einatmen, ist berichtens- und beklagenswert, dass Erwachsene unter der gleichen Luftverschmutzung leiden, ist keiner Erwähnung wert, da alle Erwachsene in den Augen der Redakteure nicht so viel wert sind, wie alle Kinder.

Das ist gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Reinkultur, in öffentlich-rechtlichen Sendern, mit GEZ-Gebühren finanziert.

Bei Gender hört das Denken auf: Spiegel-Ableger Bento einmal mehr im Lügenmodus

In regelmäßigen Abständen veröffentlicht das World Economic Forum einen so genannten Gender Gap Report. Warum? Weil im Echozimmer, in dem sich die Beschäftigten vieler Nichtregierungsorganisationen aufhalten, immer noch der Ladenhüter der Frauenrechte nachhallt, auch im Jahre 100+ nach der Einführung des Wahlrechts für Frauen, das damals übrigens von vielen Frauen als unweiblich abgelehnt wurde.

Aber das ist Geschichte.

Dennoch veröffentlicht das World Economic Forum seinen regelmäßigen Bericht – weil es von den anderen Nichtregierungs- und Regierungsorganisationsmitgliedern erwartet wird, dass sie das tun, nicht weil es irgend einen besonderen Erkenntniswert hätte, schon weil es keinen Wert hat, die kulturellen Vorstellungen, die gerade im Westen en vogue sind, als Einheitsbrei gemischt über alle Länder dieser Erde zu streichen.

Wie absurd diese Vorstellung und letztlich der Bericht des World Economic Forum ist, zeigt sich z.B. an der Feststellung, das es 1000 Jahre dauern könnte, bis der Gender Gap in Südostasien geschlossen ist. Das steht in einem Bericht, dessen Autoren erwarten, dass sie ernstgenommen werden.

Aber es ist nichts absurd und abstrus genug, als dass es Marc Röhlig, der offensichtlich sein eigenes Echozimmer bewohnt, nicht mit seinem Sinn füllen könnte.

Es ist nun das zweit Mal, dass wir Röhlig dabei ertappen, wie er Falsches in die Welt setzt. Das letzte Mal hat er versucht, sich mit „das habe ich nicht richtig gelesen“ herauszureden. Wie er seinen neuen Versuch, die jugendlichen Bento-Leser hinters Licht zu führen, begründet – wir sind gespannt.

Dies ist, was Röhlig schreibt:

bento-luege-2„Frauen und Männer werden endlich gleich bezahlt – in etwa 170 Jahren

Frauen verdienen im Job weniger als Männer – diese Ungleichheit wird Gender Gap genannt. Das ist in Deutschland so, aber auch im Rest der Welt. Eigentlich sollte die Politik daran arbeiten, die Lohnlücke zu schließen.

Tatsächlich wird es schlimmer: Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen – bezogen auf ihre wirtschaftliche Chancen – sind so groß wie seit 2008 nicht mehr. Sie zu schließen, wird nach Sicht von Experten noch etwa 170 Jahre dauern.

Das steht in der jüngsten Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF). Seit 2005 erscheint der WEF-Bericht einmal jährlich und bewertet die Gleichstellung von Mann und Frau [welcher Mann und welche Frau wurden hier bewertet?] nach verschiedenen Maßstäben, darunter Bildungswege und Chancen auf dem Arbeitsmarkt.“

Wieder einmal schreibt Röhlig, was ihm ideologisch passt, was aber nichts mit dem Bericht des World Economic Forum zu tun hat. Fangen wir mit den 170 Jahren an, von denen Röhlig schreibt und von denen er behauptet, sie hätten ewtas mit einer Lohnlücke zu tun.

Haben sie aber nicht, denn:

“ All things held equal, with current trends, the overall global gender gap can be closed in 83 years across the 107 countries covered since the inception of the Report— just within the statistical lifetime of baby girls born today. However, the most challenging gender gaps remain in the economic sphere and in health. At the current rate of change, and given the widening economic gender gap since last year, it will not be closed for another 170 years (24)”

Die 170 Jahre, die der Gender Gap benötigt, um nach Ansicht der Autoren dieses politisch-korrekten, wissenschaftlich zweifelhaften und effektiv überflüssigen Reports, benötigt, um geschlossen zu werden, beziehen sich weder auf die angebliche Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, noch auf deren „wirtschaftliche Chancen“, sondern auf den Gesamtindex, den man beim World Economic Forum berechnet hat. Der Gesamtindex setzt sich aus einer Reihe von Sub-Indices zusammen, nämlich dem politischen Subindex, dem Gesundheits-Subindex, dem Bildungs-Subindex und dem ökonomische Subindex.

Die Lohnlücke, die Röhlig unbedingt in diesen Bericht hineinlesen will, kommt als wage equality tatsächlich vor, und zwar als Bestandteil des ökonomischen Teilindizes, der aber nur einen minimalen Beitrag zur Berechnung des Gender Gap Indexes leistet. Letzterer basiert auf so genannten Schlüsselindikatoren, nämlich:

  • wef_gender-gap-indexDem Bruttoinlandsprodukt;
  • Dem Bruttosozialprodukt per capita;
  • Der Bevölkerungsanzahl;
  • Der Wachstumsrate der Bevölkerung;
  • Dem Verhältnis Männer zu Frauen;
  • Dem Erfolg, mit dem ein Land sein Humankapital entwickelt;

Zudem gibt es eine Vielzahl von Länderindikatoren:

  • Der Anteil der Frauen, die arbeiten gehen;
  • Die Differenz in der Lohnhöhe zwischen Männern und Frauen;
  • Das geschätzte Einkommen von Männern und Frauen;
  • Der Anteil von Frauen in Führungspositionen;
  • Der Anteil von Frauen unter den Arbeitern in technischen Berufen und unter Selbständigen;
  • Der Anteil der Analphabeten nach Geschlecht;
  • Der Anteil von Männern und Frauen, die eine Schulausbildung aufnehmen;
  • Der Anteil von Männern und Frauen in sekundärer Bildung;
  • Der Anteil von Männern und Frauen in tertiärer Bildung;
  • Das Vehältnis männlicher zu weiblichen Neugeborenen;
  • Die Lebenserwartung von Männern und Frauen;
  • Der Anteil von Frauen im nationalen Parlament;
  • Der Anteil von Frauen in Ministerämtern;

Das sind nur einige der Indikatoren, die erhoben werden, um den Gender Gap Index zu berechnen. Es folgen noch 60 Indikatoren in den Bereichen (1) Beteiligung am Arbeitsmarkt; (2) Ökonomische Führung; (3) Zugang zu Ressourcen, (4) Zugang zu Technologie; (5) Familie, (6) Pflege, (7) Ausbildung und Kompetenzen und (8) Gesundheit. Rund 75 Indikatoren werden also genutzt, um den Gender Gap zu berechnen, einer davon hat mit dem zu tun, was Röhlig als Lohnlücke bezeichnet.

Hier eine Liste der Einzelindikatoren, aus denen sich der Gender Gap Index zusammensetzt für Deutschland. Wer will kann die vermeintliche Lohnlücke unter „ferner liefen“ suchen:

Diese Lohnlücke ist alles, was je in sein Echozimmer eingedrungen ist, wie es scheint. Sie zu schließen, werde 170 Jahre dauern, so behauptet er in der Überschrift. Das ist falsch, denn die 170 Jahre beziehen sich nicht auf die Lohnlücke, sondern auf den Gesamtindex, der sich aus weiteren 74 Indikatoren zusammensetzt.

Dann suggeriert er in seinem Text, dass Frauen weniger als Männer verdienen werde als Gender Gap bezeichnet. Das ist ebenso falsch, denn selbst die stupidesten Genderista wissen, dass die ideologisch richtige Bezeichnung Gender Pay Gap ist. Aber: Röhlig muss von seiner Lohnlücke dahin kommen, dass im Bericht des World Economic Forum immer von Gender Gap die Rede ist und nicht von Gender Pay Gap, also setzt er beides eben einmal gleich, um dann behaupten zu können, dass es 170 Jahre dauern wird, diese Lücke zu schließen.

Man wird den Eindruck nicht los, dass Röhlig selbst an den Stellen, an denen er von „wirtschaftlichen Chancen“ schreibt, das nur tut, um die abermalige Verwendung von Lohnlücke zu vermeiden, schließlich hat er in der Überschrift behauptet, dass die 170 Jahre, die sich auf den Gesamtindex aus 75 Einzelindikatoren beziehen, sich auf die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen beziehen. Kurz: Er will seinen Lesern suggerieren, dass Frauen gegenüber Männern so furchtbar benachteiligt werden, und zwar dann, wenn es um die Bezahlung geht.

Das genau ist das Problem mit politisch-korrekten Berichten wie dem des World Economic Forum, mit dem Klaus Schwab angetreten ist, seinen einst guten Namen in der ökonomischen Zunft, weiter zu zerstören. Ideologische Berichte werden von Ideologen wie Röhlig als Bestätigung ihrer eigenen Ideologie gelesen, unabhängig davon, was in dem Bericht steht. Dass selbst in der Zusammenfassung des Berichts zu lesen steht, dass ein großer Teil des Gaps zwischen Männern und Frauen darauf zurückzuführen ist, dass Frauen einfach nicht arbeiten gehen: „with the global average for women standing at 54%, compared with 81% for men“, dass aus diesem Grund auch weniger Frauen in Führungspositionen auftauchen und dass Frauen nicht beruflich vorankommen weil sie sich entschließen in Teilzeit zu arbeiten anstelle sich voll für den Beruf einzusetzen, dass viele Effekte aufeinander bezogen und Folgeeffekte sind, das ist offensichtlich zu kompliziert, als dass es von Röhlig auch nur zur Kenntnis genommen werden könnte.

Für ihn ist der Report, der immerhin 391 Seiten füllt, ein Bericht über die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen und so – nämlich falsch – stellt er es seinen Lesern dar.

Mit anderen Worten: Einmal mehr werden Bento-Leser belogen.