Gegen alles was Recht(s) ist: Das neue Bösartigkeits-Marketing

Marketing ist einer jener Bereiche der Betriebswirtschaftslehre, die sich durch besondere Willkür auszeichnen, einer jener Bereiche, bei denen man ernsthaft Probleme hat, von Wissenschaft zu sprechen. Dies mag die Ursache dafür sein, dass gerade im Marketing die „ergebnis-zielorientierten“ Leerformeln zu einem Markenzeichen der Zunft geworden sind, und es mag die Ursache dafür sein, dass die Ladenhüter der Marketing-Beliebigkeit regelmäßig unter so hochtrabenden Bezeichnungen wie Ethno-Marketing, Grünes Marketing oder Neuro-Marketing weiter vermarktet werden.

Marketing ist in erster Linie eine white-collar Tätigkeit der Mittelschicht, eine Tätigkeit derer, die sich viel lieber reden hören, als dass sie in der Lage wären, zuzuhören, von denen, die die ersten sind, die auf ihre eigenen Leerformeln und Manipulationsversuche hereinfallen und von denen, die die einzigen sind, die an die Wirkung des Marketing glauben: Denn bislang gibt es keine Studie, keine Untersuchung, kein Experiment, das belegt hätte, dass man mit Marketing auch nur einen Schokoriegel mehr verkauft als ohne Marketing oder dass man mit Marketing die Regierungspolitik auch nur in einem Punkt glaubwürdiger verkaufen kann als ohne Marketing.

Marketing ist wie Geldscheine. So lange an den Wert des Marketing geglaubt wird, so lange kann man nutzlose oder wertlose Marketingleistungen in Hochglanzbroschüren und sinnentleerten Werbespots verkaufen, wenn erst einmal Zweifel an der Wirksamkeit von Marketing aufgetaucht sind, dann ist Panik angesagt.

evil-gnomeUnd Panik muss die Herrschaften bei Scholz & Friends in Hamburg gepackt haben als klar war, dass der CDU-Wahlkampf 2017 nicht von Scholz & Friends geplant wird. Wenig verwunderlich glauben Politiker noch an die magische Kraft des Marketing, das gleich einem Werbe-Alchemisten aus Stroh Gehirn zu machen verspricht.

Wenn ein Großauftrag ausfällt, das damit verbundene Geld ausbleibt, dann ist das misslich, vor allem, weil es in der Willkür des Marketing so wenige Möglichkeiten gibt, für sich zu werben. Was will man für sich gegenüber der Konkurrenz ins Feld führen: Unsere Plakate sind genauso tumb wie die der Konkurrenz aber mehr hochglanz?

Nein, wenn man mit seinem Marketing-Latein am Ende ist, so wie Scholz & Friends dies wohl sind, dann muss man zum alten Trick des Marketing greifen und den gleichen Marketing-Mist unter einer neuen Bezeichnung, einem Bindestricht-Marketing vertreiben. Und wenn man so sehr mit seinem Marketing-Latein am Ende ist, dass einem nicht einmal ein neues Bindestrich-Marketing einfällt, ein Wein-Marketing oder ein Lifestyle-Marketing, dann muss man Trittbrett fahren und versuchen, über einen bereits etablierten Gravy Train an die Gelder von Parteien und Organisationen, an Steuergelder zu kommen.

Scholz & Friends scheinen aus diesem Grund das erfunden zu haben, was wir, weil die Kreativität weder bei Scholz noch bei seinen Freunden dazu ausreicht, ein neues Bindestrich-Marketing zu erfinden, als Bösartigkeits-Marketing bezeichnen wollen.

Das neue Bösartigkeits-Marketing hat nicht das Ziel, etwas zu verkaufen oder zu vermarkten, sondern im Gegenteil, denen zu schaden, die mit Erfolg etwas verkaufen oder vermarkten. Der Gegenstand von Bösartigkeits-Marketing ist nicht die Bewerbung eines Produkts, sondern die Bekämpfung eines Produkts. Die dafür angewendete Strategie des Bösartigkeits-Marketing besteht darin, einerseits Dritte zu denunzieren, andererseits sich selbst als guten Menschen, als Gutmenschen zu inszenieren.

Und wo kann man gleichzeitig fies, niederträchtig und bösartig sein und sich selbst als Gutmensch inszenieren? Wo kann man nach Lust und Laune versuchen, Dritten zu schaden und dabei sich selbst als Wohltäter an der Menschheit beweihräuchern? Richtig: Im Kampf gegen Rechte oder Rechtsradikale oder Rechtspopulisten oder Rechtsextremisten.

davaidavai2Und so hat Gerald Hensel, einer der Freunde von Scholz, dazu aufgerufen, nicht mehr bei Rechten zu werben: „Kein Geld für Rechts“, so hat er gefordert. „Liebe Kollegen“, so sein Aufruf, „lasst uns Breitbart und Co. vom Media Tropf abschneiden“. Unter „& Co.“ hat sich Hensel die „Achse des Guten“ ausgesucht. Warum die Achse des Guten? Vielleicht hat Hensel einen persönlichen Groll gegen Henryk M. Broder. Vielleicht passt ihm die Nase von Dirk Maxeiner nicht. Warum? Wir wissen es nicht und Hensel weiß es vermutlich auch nicht rational zu begründen. Marketing ist eben Beliebigkeit.

Der einzige rote Faden, der sich im Bösartigkeits-Marketing findet, führt zur Amadeu Antonio Stiftung (AAS) und deren Experten in Denunziation. Gemeinsam mit der AAS hat sich Hensel für „#keinGeldfuerrechts“ stark gemacht und der Werbedienstleister, den die Achse des Guten beauftragt hatte, er ist eingeknickt. So wie viele Unternehmen eingeknickt sind, weil deren Manager letztlich unter der selben Käseglocke leben, unter der auch Scholz und seine Freunde leben, eine Käseglocke, in der man sich gegenseitig von der Wirkung des Marketing überzeugt und entsprechend Angst hat, wenn ein Marketing-Hensel gegen Rechts Front macht, noch seine Werbung da zu platzieren, wo angeblich rechts ist.

Warum die Achse des Guten rechts ist, ist eine Frage, die man vermutlich nur dann beantworten kann, wenn man wie Hensel an den roten Stern von Stalin glaubt. Warum die Achse des Guten und nicht Steve Bannons Breitbart von Hensel angepinkelt wurde, ist leicht zu beantworten, denn wenn eine Ameise einen Elefanten anpinkelt, dann … eben.

davaidavaiBösartigkeits-Marketing ist darauf ausgerichtet, zu zerstören, und zwar aus Lust an der Zerstörung. Bösartigkeits-Marketing basiert auf einer Schizophrenie, denn Leute wie Hensel sind tatsächlich der pathologischen Ansicht, sie könnten als gut durchgehen, wenn sie aus purer Lust am Zerstören, Dritten schaden. Schließlich ist Bösartigkeits-Marketing ein Trittbrettfahrer-Marketing, das – wen wundert’s – auf gesellschaftlichen Diskursen aufsetzt, die unter der Käseglocke der Mittelschichts-Marketers immer noch als Themen angesehen werden, mit denen man sich profilieren kann.

Das eben ist das Elend des Marketing. Weil jede Theorie fehlt, weil keinerlei System im Marketing vorhanden ist, weil der Marketing-Mix so leer ist, dass man ihn mit nahezu jeder entsprechenden (Leer)Formel füllen kann, deshalb hängen Marketers immer und zwangsläufig hinter gesellschaftlichen Entwicklungen hinterher. Und so erklärt es sich, dass Hensel auf den Stasi-Zug aus Kahaneland aufgesprungen ist, der doch längst auf dem Abstellgleis geparkt ist.

Übrigens: Weihnachtszeit ist Spendenzeit!

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16 Responses to Gegen alles was Recht(s) ist: Das neue Bösartigkeits-Marketing

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  2. rote_pille says:

    Da haben sich die Marketingexperten ja eine besondere Form von Werbung ausgedacht.

  3. Gereon says:

    Der Schuß geht nach hinten los.
    Nicht nur ich sondern auch einige andere haben Scholz & Flockwart und deren Kunden, sowie allen, die als Blacklister von TichysEinblick, Achgut und Breitbart aufgefallen sind, mitgeteilt, daß ihre Produkte für mich nicht mehr infrage kommen.

    ConradElectronic, Ergo , Kellogs erwähne ich explicit, den TV-Sender tele5, der sich nicht zu schade war, zur Werbezeit Statements gegen die AfD einzublenden sortiere ich hier dazu. Den Sender hab ich aus meinem Receiver gelöscht.

    Alles, wofür Werbung gemacht werden muss, braucht man eh nicht wirklich, und ich finde, daß man deren fachistoides Gebaren gegen sie verwenden sollte.

    Ich hoffe, Tichy und Achgut kommen meiner Aufforderung nach und veröffentlichen eine Liste aller heren Blacklister, aufdaß sie meiner (und nicht nur meiner) Verachtung und Boykottierung anheimfallen.

  4. Brockenteufel says:

    Nun was Politik angeht, weiß ich es nicht, aber was den “Schokoriegel” anbelangt, da ist schon mancher Riegel mehr durch Marketing verkauft worden als .ohne. Und da gibt es auch Messungen, Untersuchungen und Experimente – die führt allein schon der Auftraggeber der Marketingkampagne durch. Wenn sich da kein Nutzen für ihn einstellt, ist die Marketingstrategie ganz schnell am Ende!

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  6. Roland says:

    Huch,

    Ich gehöre auch zu denen die an die Effekte von Marketing glauben. Unter anderem weil ich Marketing für die kleine Schwester der Propaganda halte, welche ja bekanntlich heute in PR umbenannt wurde (Aus Marketinggründen hihi).

    Dass Marketing funktioniert, erklärt sich für mich allein aus dem Versuch der Bekanntheitssteigerung. Weniger in dem verschiedenen Nuancen, wie man einem Produkt einer Fassade gibt. Je bekannter ein Produkt desto mehr potentielle Käufer wissen um das Produkt.

    Da ich Marketing für die kleine Schwester der Propaganda halte, ist es für mich historisch Bewiesen dass Marketing funktioniert. Viele viele Menschen reagieren affektiv. Diese Affektiertheit kann man zu seinem Vorteil ausnutzen.

    So wie es Edward Bernays behauptete und erfolgreich in seinen PR-Kampagnen anwendete. So wie Göbbels ihm nacheiferte und erfolgreiche Antisemitismuskampagnen heraufbeschwor.

    Wären Sie so freundlich eine Definition von Marketing abzugeben? Ich vermisse diese im Beitrag.

  7. Dr. McSchreck says:

    was ich schlicht nicht verstehe, ist der mehr oder weniger naive Glaube, große Unternehmen würden aus Imagegründen eher Werbung auf gemäßigt rechten Seiten stoppen als auf linken bis linksextremen. Der Weg, den man jetzt beschreitet, kann doch ein Riesen-Eigentor werden, wenn demnächst ganz viele eher linke Seiten keine Werbung mehr bekommen, weil Unternehmen mit denen nicht identifiziert werden wollen.

    Der Bursche hat meines Erachtens nicht sehr weit gedacht. Abgesehen davon, dass weder achgut noch Tichy wirklich weit rechts stehen….wenn Werbung bald nur noch politisch geschaltet wird, werden sich einige Linke bei Herrn Hensel bedanken für seine tolle Idee.

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  10. ordo ab chao says:

    man schaue sich lediglich an, wer es nötig hat zu “werben” & dies dann mit grenzdebilen Aktionen, Spots oä versucht…

  11. Volker says:

    Ich hoffe, Herr Maxeiner, Geschäftsführer von Achgut.com, findet einen guten Anwalt, der es versteht, einen der Tatbestände der üblen Nachrede (§ 186 StGB) oder der Verleumdung (§ 187 StGB) hier kausal zu belegen, um diesen Leuten, die heute wieder im Sinne “Kauft nicht bei Juden!” eben “Werbt nicht bei vermeintlich Rechten!” schreien, finanziell empfindlich weh zu tun, und so den ihren Beitrag zu leisten, dass wir diesmal aus der Geschichte gelernt haben und den Anfängen endlich wehren!

    Gerald Hensel sollte sich mal klar machen, dass er hier 1:1 so agiert, wie die tumben Nazis damals. Sind wir wieder kurz vor dem 1. April 1933?

    Und dass er damit seinem Arbeitgeber (AG), der Werbeagentur Scholz & Friends, großen Schaden zufügt, scheint er nicht einmal zu merken.

  12. alacran says:

    Schon interessant wer sich berufen fühlt gegen “Rechts” und “Rechtspopulismus” zu kämpfen und angeblich meinungsfreie Mitbürger in die “rechte” Schmuddelecke stellt, wenn ihm/ihr als linkspopulistischem(?) “Wohlmeinenden”, diese Meinung nicht zusagt!
    Der Bogen ist ja weit gespannt. Von Stasi-Kahane &Co über Maas-Schwesig,die “Zeit”,”Prantl-Prawda” und PR-Konsorten, bis in die Niederungen der Dortmunder StrunzdummenParteiDeutschlands, die Menschenrechte mit un-rechten Menschen verknüpft.
    Fehlt nur noch ein Politiker der den Menschen (die schon länger hier wohnen) sagt:
    “Wer “rechts” ist bestimme ich!”

  13. Plan B says:

    Vorab: Der Intention dieses Artikels, die Diffamierung Andersdenkender meinend, ist uneingeschränkt zuzustimmen.

    Nur was den Terminus „Marketing“ angeht, bitte tieferhängen, den Anspruch einer Wissenschaftlichkeit bezeichnend. Wie wir mit Mieses feststellen können, ist Information ein wesentlicher Faktor in einer freien Marktwirtschaft. Wer über genügend (oder sogar exklusive) Information über das Marktgeschehen verfügt (primär bestehende bzw. potenzielle Kundenbedürfnisse), der ist eher in der Lage, seine eigenen unternehmerischen Interessen in Erfolge umzumünzen; also im Wettbewerb mit seinen Konkurrenten Vorsprünge zu erzielen. Für nichts anderes steht das Instrument des Marketings in Unternehmen; gegliedert in Fachbereiche wie Marktforschung, Produktentwicklung, Werbung.

    Dass sich Großagenturen, wie in diesem Fall „Shame & Friends“, mit aufgeblasenem Verbaltuning im Markt bewegen (diverse Marketing-schträteschies), ist Teil der eigenen Vermarktung (denn die Gegenüber in den Unternehmensabteilungen sind teils schlichte Jungs – Mädels sind weniger beeindruckt; eigene Beobachtung -, die ihre Bedeutung verbal aufplustern möchten).

    Das klassische Marketing hat in Werbeagenturen nur eine Feigenblatt-Funktion; sie sind für Werbung und Sales Promotion zuständig, oder bedeutungsstärker. Kommunikation.

    Nun, lieber Herr Klein, die Frage, ob diese Marktkommunikation dafür sorgen kann, mehr Schokoladenriegel zu verkaufen (also in toto des Gesamtbedürfnisses nach Süßem) stellt sich so nicht. Die Frage muss lauten, kann ich als Produzent A mehr verkaufen als Produzent B. Und darüber geben natürlich die Panelerhebung Auskunft (eines der ältesten ist/war Nielsen); aber ob dies an der Werbung lag, insbesondere an der Höhe der Aufwendung?

    Henry Ford hatte auch keine klare Antwort darauf:
    „Ich weiß, dass die Hälfte meines Werbebudget rausgeschmissenes Geld ist. Ich weiß nur nicht, welche Hälfte.“

    • Plan B says:

      Peinlich: Mises, natürlich.

    • “Nun, lieber Herr Klein, die Frage, ob diese Marktkommunikation dafür sorgen kann, mehr Schokoladenriegel zu verkaufen (also in toto des Gesamtbedürfnisses nach Süßem) stellt sich so nicht. Die Frage muss lauten, kann ich als Produzent A mehr verkaufen als Produzent B. Und darüber geben natürlich die Panelerhebung Auskunft (eines der ältesten ist/war Nielsen); aber ob dies an der Werbung lag, insbesondere an der Höhe der Aufwendung?”

      Meinen Sie das wirklich? Da A mehr verkaufen kann als B, ohne dass ein Schokoladenriegel mehr verkauft wurde, ja selbst dann, wenn weniger Schokoladenriegel verkauft wurden, bemisst sich der Erfolg von Marketing also am zurückgehenden Absatz.

      Novel approach!

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