Totalitäre Amadeu-Antonio-Stiftung: Die Feigheit der Feinde der offenen Gesellschaft

Die Vorgeschichte der Posse, die sich zwischen dem Antaios-Verlag und der Amadeu-Antonio-Stiftung abgespielt hat, sparen wir uns. Es reicht, festzustellen, dass der Börsenverein des Deutschen Buchhandels es für notwendig gehalten hat, der AAS-Stiftung unentgeltlich eine Bühne bereitzustellen, um ein Gegengewicht, gegen den Antaios-Verlag zu setzen. Warum man ausgerechnet eine Stiftung, die mit öffentlichen Mitteln am Leben erhalten werden muss, weil auf einem offenen Markt keine Nachfrage nach ihren Leistungen besteht, einem erfolgreichen Privatunternehmen, das schon mehrere Bestseller verlegt hat, gegenüberstellen zu müssen glaubt. Vielleicht war es Verzweiflung, weil es halt niemanden gibt, der sich für nichts zu schade ist, außer der AAS-Stiftung.

Schildbürger von hier

Im Vorfeld zu dieser geplanten Konfrontation hat sich der Antaios-Verlag in einem offenen Brief an die AAS-Stiftung gewendet und „Gespräche auf Augenhöhe“, unser Chef mit Eurem, zwei Mitarbeiter von uns und zwei Mitarbeiter von Euch, angeboten. Wie nicht anders zu erwarten, hat die AAS-Stiftung gekniffen. Die Feigheit ist eben größer als die Überzeugung und das Feuer, das angeblich den Kampf für die Demokratie antreibt.

Nun haben manche Mittelschichtler, die so sehr von sich eingenommen sind, dass sie nicht mehr merken, wenn sie sich lächerlich machen, die Angewohnheit, einen bereits erfolgten Gesichtsverlust noch mit einer weiteren Peinlichkeit zu krönen: Im Fall der AAS-Stiftung besteht die neue Peinlichkeit in der folgenden Begründung der eigenen Feigheit.

„Eine Diskussion „auf Augenhöhe“ mit den Neuen Rechten würde bedeuten, dass wir unsere demokratischen Überzeugungen zur Debatte stellen. Grund- und Menschenrechte oder die offene Gesellschaft und ihre Errungenschaften zur Disposition stellen? Der Neuen Rechten entgegen kommen und ihre Meinungen diskutabel machen? Nein, dazu sind wir nicht bereit. Die Amadeu Antonio Stiftung wird der Neuen Rechten nicht die sehnlich herbeigewünschte Bühne bieten, um ihre Propaganda zu verbreiten.“

Fangen wir mit dem Begriff der „offenen Gesellschaft“ an. Die „offene Gesellschaft“ ist eine Schöpfung, die untrennbar mit dem Namen Sir Karl Raimund Poppers verbunden ist. Die offene Gesellschaft ist eine liberale, eine demokratische Gesellschaft, die sich durch zwei Dinge auszeichnet: Kritik und die Möglichkeit, die Regierung abzuwählen (Popper war zeitlebens ein Verfechter der Mehrheitswahl). Kritik ist für Popper die einzige Möglichkeit, Erkenntnis zu gewinnen. Er stellt diese Methode explizit denen entgegen, die eine geschlossene Gesellschaft wollen, die den Himmel auf Erden versprechen, wie Popper es ausgedrückt hat. Diejenigen, die den Himmel auf Erden versprechen, die Sozialisten und Kommunisten, die Gutmenschen und sonstigen Unverrückbaren im Geiste, sie sind Feinde der offenen Gesellschaft. Sie sind nicht bereit, ihre Überzeugungen zur Diskussion zu stellen. Sie sind nicht bereit, Kritik an ihren Überzeugungen zuzulassen. Sie sind Faschisten und Anhänger des totalitären Staates. Sie sind die Amadeu-Antonio-Stiftung, bei der man nicht bereit ist, die eigenen angeblich demokratischen Überzeugungen zur Debatte zu stellen.

Wer dazu nicht bereit ist, wer nicht bereit ist, zu lernen, ist per definitionem eine autoritäre Persönlichkeit, ein Dogmatiker, dem mehr an seiner Ideologie als daran gelegen ist, die eigene Überzeugung ständig der Kritik auszusetzen, um Schwachstellen oder Fehler ausmerzen und die eigene Überzeugung verbessern zu können. Wer Kritik fürchtet und Diskussionen aus dem Weg geht, lebt in einer geschlossenen Gesellschaft und in geschlossenen Gesellschaften, solchen, in denen die Amadeu-Antonio-Stiftung unterwegs ist, gibt es keine Demokratie, sondern die totalitäre Herrschaft einer Priestersekte, die über die sakrosankt gesetzten Inhalte der totalitären Ideologie, über die nicht diskutiert wird und die nicht kritisiert werden darf, wacht.

Insofern könnten die Mitarbeiter der Amadeu-Antonio-Stiftung in einer Diskussion mit der Neuen Rechten weder Grund- noch Menschenrechte noch die offene Gesellschaft und ihre Errungenschaften zur Disposition stellen, denn die AAS-Stiftung ist kein Teil der offenen Gesellschaft, sie zählt zu denen, die für Popper als Feinde der offenen Gesellschaft gelten. Die Feinde der offenen Gesellschaft sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie Grundrechte, wie das Recht, seine Meinung frei zu äußern, aushöhlen und in Frage stellen und Menschenrechte nur denen zugestehen, die die richtige Überzeugung, die, die nicht in Frage gestellt werden darf, haben.

Im Zweiten Band der offenen Gesellschaft schreibt Popper: “der Versuch, den Himmel auf Erden einzurichten, erzeugt stets die Hölle. Dieser Versuch führt zu Intoleranz, zu religiösen Kriegen und zur Rettung der Seelen durch die Inquisition“ (277).

Die Berliner Seelenretter, die zu feige sind, sich einer öffentlichen Diskussion zu stellen, haben einmal mehr deutlich gemacht, dass ihnen die Inquisition und die Bekämpfung derer, die anderer Meinung sind, näher liegt, als der demokratische Austausch, der in einer offenen Gesellschaft vorsieht, dass JEDE Überzeugung der Kritik unterzogen und durch Kritik verbessert werden MUSS. Durch ihre eigene Aussage haben sich die Mitarbeiter der AAS-Stiftung außerhalb dieses demokratischen Grundkonsenses gestellt. Sie sind damit per definitionem Feinde der offenen Gesellschaft.

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3 Responses to Totalitäre Amadeu-Antonio-Stiftung: Die Feigheit der Feinde der offenen Gesellschaft

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  2. Oder anders ausgedrückt. DieAAS-“Stiftung” weiss, daß sie keine wirklichen Argumente hat und vorbringen kann. Wer will schon freiwillig “untergebuttert” werden`?

  3. Ralf Pöhling says:

    Volltreffer. Die Frage ist: Lügt die AAS hier bewusst, um ihren kommunistisch/totalitären Background und damit ihre wahren Absichten zu verschleiern, oder halten die sich wirklich für den Verteidigungswall der Demokratie, der offenen Gesellschaft und der Menschenrechte? In letzterem Fall, haben sie Popper entweder nicht gelesen, oder nicht verstanden und deswegen fehlinterpretiert. Poppers offene Gesellschaft ist der Gegenwentwurf zur geschlossenen Gesellschaft und damit der Gegenwentwurf zum Kommunismus/Sozialismus.
    Ist die AAS nun ein kommunistisches U-Boot oder das Resultat mangelnder Bildung?
    Ich glaube, die wissen ganz genau, was sie da tun. Der Liberalismus wird hier von linksaußen ganz bewusst in Beschlag genommen und unterwandert. Ähnlich, wie es die Grünen zur Zeit versuchen, indem sie die Begriffe “Heimat” und “Patriotismus” in ihrem Interesse neu besetzen wollen. Es wird Zeit, Dinge beim Namen zu nennen. Die AAS ist eine Gefahr für die freie Meinungsäußerung und damit für die Demokratie. Popper war ein Anhänger der Demokratie, da sie als einzige Staatsform die Möglichkeit bietet, die Führung regelkonform abzustrafen und abzusetzen. Dummerweise entzieht sich die AAS als ungewählte und damit auch unabwählbare Institution genau dem Prozess, den sie angeblich verteidigen will.
    Also müssen andere Methoden her, sie von der Bildfläche verschwinden zu lassen.
    Es stellt sich die Frage, inwiefern die AAS eine verfassungskonforme Institution ist, und ob sie nicht verboten gehört.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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