Naidoo gegen AAS-Stiftung II: Codes, Chiffren und Irrsinn

Etliche Leser haben gefragt, wie die Verhandlung vor dem Landgericht Regensburg, ausgegangen ist, ob, die ungenannte Mitarbeiterin der AAS-Stiftung zur strafbewerten Unterlassung der Behauptung verurteilt wurde, dass Xavier Naidoo ein Antisemit sei. Nun, das Urteil ist noch nicht ergangen, aber aus dem, was der Richter den Parteien mit auf den Weg gegeben hat, kann man ableiten, dass er der Klage Naidoos stattgeben und der Mitarbeiterin der AAS-Stiftung auferlegen wird, die Beleidigung Naidoos als Antisemiten in Zukunft zu unterlassen.

Für alle, die im Prozedere an Landgerichten nicht so bewandert sind: Die Verhandlung fand vor einem Einzelrichter statt. In der mündlichen Verhandlung lässt sich der Richter von den Parteien noch einmal ihre Sicht der Dinge vortragen und sagt dann, was er von dem ganzen hält, welches Urteil also zu erwarten wäre, wenn er eines sprechen müsste. Im vorliegenden Fall hat der Richter angeregt, dass die Mitarbeiterin der Amadeu-Antonio-Stiftung sich verpflichtet, Naidoo nicht mehr als Antisemiten zu bezeichnen. Das hat die Mitarbeiterin, deren Anwaltskosten vermutlich die AAS-Stiftung und somit die Steuerzahler tragen, abgelehnt. Am 17. Juli wird der Richter daher das wenig überraschende Urteil verkünden.

Während wir für diesen Post recherchiert haben, sind wir aus dem Kopfschütteln kaum herausgekommen.

Fangen wir mit dem an, was vor Gericht in Regensburg nach übereinstimmenden Berichten erzählt wurde. Naidoo hat erzählt, dass er kein Antisemit sei, jüdische Freunde habe und ansonsten der Ansicht sei, ein Antisemit sei jemand, der „aktiv Menschen mit semitischer Herkunft diskriminiere“. Damit beweist Naidoo mehr Einsicht in wissenschaftliche Konzepte als die meisten der bezahlten Schergen der Bundesregierung.

Die immer noch namentlich ungenannte Mitarbeiterin der AAS-Stiftung, die durchsetzen will, dass sie Naidoo als Antisemiten bezeichnen darf, hat in der Verhandlung allen Ernstes ausgesagt, dass in der rechtsextremen Szene Codes und Chiffren verwendet würden, die man entziffern könne, wenn man in der Szene sei. Naidoo, so die von Zweifeln nicht zu Plagende, verwende diese Codes und Chiffren. Naidoo selbst sagt, dass er von entsprechenden Codes und Chiffren nichts wisse.

Das ist der Gipfel des Irrsinns.

Fangen wir hinten an.

Eine Mitarbeiterin der AAS-Stiftung behauptet, was X singt seien rechtsextreme Chiffren und Codes. Die logische Konsequenz dieser Behauptung ist, dass außer denen, die die Codes und die Chiffren kennen, niemand versteht, was X da singt, außer denen also, die sich manisch in diese Chiffren und Codes verrannt haben. Es gibt keinerlei Schaden, weil diejenigen, die die angeblichen Chiffren und Codes verstehen, sowieso diejenigen sind, die nicht mehr alle Tassen im Schrank haben und alle anderen, die Codes und Chiffren nicht verstehen.

Dessen ungeachtet will die Mitarbeiterin der AAS-Stiftung allen Ernstes argumentieren, dass die Chiffren und Codes, die nur Eingeweihte verstehen, Antisemitismus darstellen und deshalb derjenige, der sie benutzt, Antisemit sein müsse.

Ein klassischer Fehlschluss (Bejahung des Konsequens, einmal mehr), denn die Verwendung von Worten lässt nicht darauf schließen, dass der Verwender einen geheimen Sinn damit verbindet. Nehmen wir z.B. die AAS-Stiftung, die sich als Stiftung bezeichnet und damit suggeriert, dass ein Stiftungskapital in so großer Höhe vorhanden ist, dass alle Ausgaben der Stiftung daraus gedeckt seien. Manche von uns, die Stiftung noch in der Bedeutung verwenden (oder als die sprachliche Chiffre verstehen), die der Begriff einmal hatte, könnten daraus den Schluss ableiten, dass sich die AAS-Stiftung fälschlicherweise Stiftung nennt, obwohl die meisten Mittel der Stiftung von Steuerzahlern aufgebracht und von Ministerien freigiebig überwiesen werden. Die Bezeichnung Chiffre sei also ein Code, um die Öffentlichkeit zu täuschen. Im Gegensatz zu MitarbeiterINNEN der AAS-Stiftung würden wir einen solchen Fehlschluss jedoch nie begehen.

So wie wir auch davor zurückschrecken, eindeutige Verdikte über Menschen zu verhängen und sie pauschal zu Antisemiten zu erklären. Das, so haben Adorno et al. und nach ihnen Rokeach und viele andere festgestellt, ist Ausdruck von Dogmatismus, wie ihn meist nur eine autoritäre Persönlichkeit aufweist, die ihre Welt in apodiktischer Weise strukturieren muss, in Freund und Feind einteilen muss, um handlungsfähig zu sein und sich nicht vor der Komplexität, die die Welt nun einmal auszeichnet, so zu ängstigen, dass die bereits vorhandene Neurose zur Manie wird.

Wir würden nie soweit gehen zu sagen, Menschen, die sich ein apodiktisches Urteil über andere herausnehmen, ohne dieses Urteil sachlich und prüfbar zu begründen, seien human trash, wie die US-Amerikaner dies tun, aber wir haben Zweifel daran, dass derartige Menschen viel taugen können.

Während wir recherchiert haben, sind wir auf einen Beitrag von Matern Boeselager (nomen est omen) gestoßen, der in Vice veröffentlicht wurde. Wenn man den Beitrag klassifizieren sollte, dann wäre die Bezeichnung Hetz-Journalismus wohl am treffendsten für dieses Machwerk, in dem jeder Versuch zu berichten, aufgegeben wird. Das Ziel, das Boeselager mit seinem Beitrag verfolgt, ist bereits in der Überschrift deutlich: er will Naidoo zum Antisemiten erklären und lächerlich machen. Das scheint manchen, die man widerwillig zur Spezies „Mensch“ zählen muss, wohl etwas zu geben. Wenn sie andere mit Begriffen belegen können und sich schriftlich über diese anderen ereifern können, dann ist dies wahrscheinlich eine Form Surrogat-Orgasmus: Ich beleidige, also bin ich.

Wer sich der Tortur unterzieht, das zu lesen, was man bei Vice für veröffentlichungswürdig hält und was Beleg dafür ist, dass Vice seinen Mitarbeitern einen Hungerlohn bezahlt, dem sei geraten auf die bewertenden Aussagen zu achten, ohne die Boeselager nicht auskommt. Das Böse lagert im Adjektiv, wenn man so will. „Der Sänger“, so urteilt Boeselager, „versteht von Politik ungefähr soviel wie ein 14-Jähriger mit Fieber, der die Nacht auf Verschwörungs-YouTube verbracht hat“. Dieser Satz ist nicht nur deshalb, weil er auf genau einer Beobachtung von Boeselager basiert, obwohl er allgemeine Gültigkeit beansprucht, Unsinn, er ist es auch deshalb, weil Boeselager so jämmerlich wenig stilistische Mittel zur Verfügung hat, um sein Ziel „Naidoo diskreditieren“ zu erreichen. Würden wir jetzt die selbe Logik anlegen, die die Mitarbeiterin der AAS-Stiftung allen Ernstes vor Gericht vertreten hat, dann müssten wir Boeselager zum Rassisten erklären, schließlich ist Naidoo nicht-weißer Hautfarbe und das Bemühen von Boeselager, ihn zu diskreditieren und zu beleidigen, offenkundig.

Aber derartige Fehlschlüsse, die ja Aufschluss über die geistigen Fähigkeiten dessen, der sie macht, geben, überlassen wir lieber den MitarbeiterINNEN der AAS-Stiftung.

Widmen wir uns lieber dieser Aussage:

„Einmal ist die Rede davon, die Politiker ‚mit scharfer Schere von der Nabelschnur Babylons‘ zu trennen, was das Ganze auf jeden Fall in Richtung jüdische Geschichte lenkt.“ Babylon als Begriff sei also ein Beleg für Antisemitismus.

Der Boeselager hat keine Ahnung.

Babylon-System:

Babylon system is the vampire, yea! (vampire)
Suckin’ the children day by day, yeah!
Me say de Babylon system is the vampire, falling empire,
Suckin’ the blood of the sufferers, yeah!
Building church and university, wooh, yeah! 
Deceiving the people continually, yeah!
Me say them graduatin’ thieves and murderers
Look out now they suckin’ the blood of the sufferers (sufferers)
Yea! (sufferers)

Bob Marley war nach der Unlogik, die in der engen Welt von Herrn Boeselager anzutreffen ist, ein Antisemit.

Manche erzählen wirklich jeden Schei… und machen sich wirklich in jeder nur erdenklichen Art und Weise lächerlich, wenn sie die, die sie zu ihren Feinden erklärt haben, diskreditieren wollen.

 

Und so schreibt sich auch der Herr Boeselager in Wut, und Wut, dass wissen wir aus den Veröffentlichungen der AAS-Stiftung führt zu Hate Speech, die, wie uns Forschung zu Hate Speech erklärt, vornehmlich unter Dummen verbreitet ist.

Boeselager im Orginalton:

“Ich verfolge das Politische und mache mir dazu so meine Gedanken”, erklärte Naidoo am Dienstag vor Gericht. “Codes und Chiffren sind mir nicht bekannt.” Für ihn bedeute Antisemitismus, wenn man “aktiv Menschen mit semitischer Herkunft diffamiert”. Das ist schonmal eine ziemlich hinterhältige Definition, denn das würde theoretisch sogar Araber mit einschließen – im Prinzip also dasselbe dämliche Argument, wie zu behaupten, Araber könnten keine Antisemiten sein könnten, weil sie “ja auch Semiten sind“. Genau das bedeutet Antisemitismus aber nicht – der richtet sich ausschließlich gegen Juden.”

Für Boeselager gibt es keinen Zweifel daran, dass der Sänger, dem er oben noch den Verstand eines 14-jährigen attestiert hat, hier Qualitäten offenbart, die weit über die Fähigkeiten besagten firbigen 14jährigen hinausgehen und wissentlich und fälschlicherweise, Antisemitismus auf Semiten ausweitet.

Ein normaler Mensch, der nicht von Hass und Wut zerfressen ist und dem es nicht darum geht, andere, hier Naidoo, zu diskreditieren, der hätte hier Fairness walten lassen. Er hätte sich gesagt, ich weiß nicht, kann nicht wissen, ob Naidoo hier Araber mit einschließen will. Also gehe ich davon aus, dass Naidoo die selbe beschränkte Sichtweise auf Antisemitismus hat, die ich auch habe. Denn natürlich sind Araber auch Semiten und der Begriff „Antisemitismus“ ist mehr als unglücklich, wenn er sich nur auf Juden beziehen soll, denen dadurch die Möglichkeit genommen wird, ihrerseits antisemitisch zu sein.

Wir treffen hier auf das Problem, das wir oben schon angesprochen haben: autoritäre Persönlichkeiten, die ihre Welt nur mit apodiktischer Sprache strukturieren können, sind nicht flexibel genug, um die Moderne in ihrer Komplexität zu verstehen, geschweige denn zu verarbeiten. Sie klammern sich an ihre Sicht der Welt und unterstellen jedem, dessen Aussage sie nicht verstehen, eine böse Absicht.

So verhalten sich nur Manische, Menschen, die die Normalität menschlicher Interaktion, die auf gutem Willen und der Bereitschaft, anderen etwas zu Gute zu halten, basiert, längst verlassen haben und in der Unnormalität ihrer eingebildeten Welten leben.

Früher waren diese Welten geschlossen. Aber vermutlich wäre es für manche Diskriminierung, wenn man versuchte, Irre aus dem öffentlichen Leben zu entfernen. Denn wir sind doch alle gleichwertig – wie wir abermals von der AAS-Stiftung wissen, deren MitarbeiterINNEN nicht müde werden, diesen Unfug zu verbreiten, während sie andere als Antisemit beschimpfen.

Mehr dazu:

https://www.mittelbayerische.de/region/regensburg-stadt-nachrichten/xavier-naidoo-erscheint-vor-gericht-21179-art1663152.html

https://www.augsburger-allgemeine.de/panorama/Xavier-Naidoo-wehrt-sich-gegen-Antisemitismus-Vorwuerfe-id51482251.html

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19 Responses to Naidoo gegen AAS-Stiftung II: Codes, Chiffren und Irrsinn

  1. PI$$LAM says:

    Ist für die Ische nicht doch irgendwo in einer Klapse noch ein Plätzchen frei ??

  2. Jakob Sparrov says:

    Eine kleine Richtigstellung!
    Araber sind definitiv keine Semiten!
    Araber sind Hamiten!
    Und Noah hatte zwei Söhne. Den älteren Sem und den jüngeren Ham. So steht es in der Bibel.
    Die Nachkommen des Sem sind die Semiten (Juden), die Nachkommen des Ham sind die Hamiten (Araber).
    Als Beispiel führe ich ein durchaus gebräuchliches Wort der deutschen Sprache an.
    Die Bedeutung des Wortes (wortwörtlich) ist “Heiliges Gras der Araber” und heisst Haschisch. “Ha” bezieht sich auf die Hamiten und “Shish” heisst Heiliges Gras.
    Bedauerlicher Weise muß ich feststellen, dass hier (Semiten-Hamiten) immer wieder krasse Verwechslungen, bewusst oder unbewusst, “passieren”, die zu Irrtümern führen die Verwirrung stiften.
    Ähnlich, was die Verwirrung und die damit einhergehende Diffamierung eines Begriffes betrifft, verhält es sich mit Anomie und Anarchie. Anomie wird permanent als Anarchie bezeichnet und damit die Idee der Anarchie diskreditiert.

    • Michael Klein says:

      Das ist falsch.
      Semiten werden sprachlich definiert, seit von Schlözer irgendwann im 18. Jahrhundert den Begriff “Semit” eingeführt hat, um die Sprachfamilie der Semiten zu beschreiben. Zu den Semiten gehören damit:

      • Amharen,
      • Tigrinya,
      • Araber,
      • Hyksos,
      • Malteser,
      • Minäer,
      • Sabäer,
      • Amoriter,
      • Ammoniter,
      • Akkader/Babylonier/Assyrer/Aramäer,
      • Hebräer,
      • Kanaaniter,
      • Moabiter,
      • Nabatäer,
      • Phönizier,
      • Samaritaner.

      Das haben wissenschaftliche Begriffe so an sich, dass sie nicht auf Grundlage der Bibel definiert werden. Sie werden aber zuweilen vereinnahmt, so wie im vorliegenden Fall.

      • Roland says:

        Uh Herr Klein. Mit ihrer Liste haben sie sich doch glatt selbst widersprochen. Wenn Sie die Namen von Volksgruppen an der Sprache festmachen wollen, was ja auch richtig so ist, dann fallen aber “Kanaaniter” aus der Liste raus.

        Denn Kanaaniter gibt es nur als Bibelvolk. In der Linguistik hingegen gibt es nur den kanaanitischen Zweig innerhalb der semitischen Sprachfamilien. Dieser Zweig beinhaltet u.a. Hebräer, Moabiter und Phönizier. Kanaaniter ist demnach ein weiterer aus der Bibel vereinnahmter Begriff.

        In der Archäologie sind Kanaanäer und Phönizier ein und das selbe. Kanaanäer war lediglich die Bezeichnung der Hebräer für diese Leute, die im Mittelmeerraum als Phönizier bekannt wurden.

          • Roland says:

            Ich bitte Sie Herr Klein. Ihre Quelle belegt in keiner Weise dass ich falsch liege. Hier wurden “Kanaaniter” schlicht per Definition festgelegt, die lediglich Räumlich-Zeitliche Gesichtspunkte betrachtet. Kanaaniter sind, wer in Kanaan zur Zeit der Levante lebt. Das ist Wald und Wiesen Nominalismus, was sie mir hier unterschieben.

            Ethnien werden eigentlich anhand kultureller Eigenschaften bestimmt.

            Ihr Textausschnitt bestätigt das auch noch indirekt. In Ugarit wurde die erste Protoform des Alphabets gefunden. Ugarit ist eine eigenständige Sprache innerhalb der semitischen Sprachfamilie und als Stadtstaat gut dokumentiert. Die Phönizier haben das AlefBet zu ihrem bronzezeitlichen Standard entwickelt und im Mittelmeerraum verbreitet. Sie werden das in abertausenden Abhandlungen bei Archäologen, Historikern und Linguisten bestätigt sehen.

            Ihre Quelle basiert auf eine Definition, die kein wissenschaftlicher Konsens ist.

            • Michael Klein says:

              Vielleicht unterziehen Sie sich einfach einmal der Mühe, das verlinkte Buch in den relevanten Teilen zu lesen. Das hilft schon weiter. Der Ausschnitt war als Hinweis, nicht als vollständige Erklärung gedacht.

              • Roland says:

                Habe ich. Die Definition bzw, die Kriterien wonach Kanaaniter definiert wird, steht bereits am Anfang des Buches. Die haben Sie nicht ausgeschnitten. ABer das wüssten Sie sicherlich. Schließlich haben sie diesen äußerst relevanten Teil des Buches ja gelesen 😉

                Sie werden wohl ein paar mehr Worte verlieren müssen um klarzustellen, WARUM sie jetzt noch meinen ich läge falsch.

                Ich drück es mal in ihrem Duktus aus. Kanaaniter werden sprachlich definiert, um einen Sprachzweig innerhalb der Semiten zu bezeichnen. Dieser Sprachzweig umfasst Hebräer, Moabiter, Phönizier und Ugariter.

                Ein Volk der Kanaaniter existiert nicht. Lediglich in der Bibel wird Kanaaniter als Name für eine Volksgruppe benannt. Aber das haben Wissenschaftliche Begriffe an sich, dass sie nicht auf Grundlage der Bibel gebildet werden.

                Ihre Liste ist nachwievor falsch: Sie behandelt ein Gattungsbegriff in der Gleichen Ordnung in der sonst nur Artbegriffe enthalten sind. Oder sie enthält ein biblisches Volk.

                Ihr Quellverweis ändert daran nichts, er operiert nur mit unkonventionellen Unterscheidungskriterien. die nicht primär sprachlich sondern geographisch sind. Mit Kanaaniter sind dort u.a. Phönizier und Ugariter zusammengefasst worden, weshalb es kein Gegenargument für mein Standpunkt sein kann. Wohlaber liefert er ein Gegenargument für ihre Liste.

                Wegwegen ich mich frage, warum Sie mir das Buch überhaupt als vermeintliche Gegenargument an den Kopf geworfen haben? Einfach irgendetwas Verlinken mit der Behauptung “Da liegen Sie wohl falsch” ist keine zweckmäßige Disputationsnetiquette, da ihr Standpunkt durch so ein Verhalten nicht klargestellt wird.

                • Heike Diefenbach says:

                  Was solll denn der ganze Unsinn?!?!

                  “Semiten” sind (zumindest: außerhalb der Bibel) als Sprachgemeinschaften definiert. Das ist ein Erbe aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Das kann man bedauerlich finden oder nicht, aber es ist so, und wer heute von “Semiten” spricht, der bezeichnet Sprecher semitischer Sprachen.

                  “Anti-Semitismus” bezeichnet dementsprechend eine Ablehnung der Sprecher semitischer Sprachen – und nichts anderes.

                  Wenn man “Judenhass” meint, muss man”Judenhass” sagen.

                  Und ebenso gilt: Wenn man “Judenhasser” sucht, dann darf man nicht Leute betrachten, die ISRAEL nicht mögen, denn “Juden” ist ikein Synonym für “Israelis”.

                  “Volksgemeinschaften”, als die Sie, Roland, die Tigrinya oder die Sabäer, bezeichnen, sind nicht unbedingt welche:

                  Tigrinya ist eine Sprache, und die Europäer haben die Sprecher dieser Sprache als eine ethnische Gruppe aufgefasst und definiert. Ob die so Zusammengefassten das auch so auffassen, ist eine ganz andere Frage.

                  Als “Sabäer” wurden diejenigen bezeichnet, von denen man annahm, dass die Königin von Saba über sie herrsche, und lange Zeit war man ganz und gar nicht sicher, über wen bzw. welche Region die “Königin von Saba” geherrscht hat (falls es sie gab, versteht sich). Heute meint man, sie habe über eine Region im heutigen Yemen geherrscht, immer in der Annahme, dass es sie gegeben hat, wofür es bislang keinen klaren Beleg gibt. Im Fall der “Sabäer” wird also bestenfalls eine mythische, spekulative Bevölkerung eines Reiches, über das ein König/eine Königin herrschte, bezeichnet. Falls es ein solches Reich gegeben hat (und zumindest hierfür spricht einiges), ist unklar, ob dessen Bevölkerung dieselbe Sprache gesprochen hat, die man als “Sabäisch” bezeichnen könnte, und ob diese Bevölkerung eine “Volksgemeinschaft” darstellte oder sich aus Mitgliedern verschiedener ethnischer Gruppen zusammensetzte.

                  Da die antiken Bevölkerungen im heutigen Yemen, unabh. davon, ob es das Reich “Saba” nun gegeben hat oder nicht, Sprachen gesprochen haben, die zu den semitischen Sprachen gehören, werden sie zu den “Semisten” gezählt, eben weil “Semiten” eine Sammelbezeichnung für die Sprecher semitischer Sprachen ist.

                  Dasselbe gilt übrigens für die “Kushiten” etc. Und ebenfalls übrigens gibt es unter den sogenannten “schwarzen Juden” auf den Gebiet des heutigen Äthiopien Leute, die kuschitische Sprachen sprechen, weswegen sie zwar Juden sind, aber keine Semiten.

                  Die Realität ist – wie immer – nicht so einfach wie Ideologen sie machen, damit sie sie kognitiv bewältigen können. Für sie genügen die schlichten Paarungen von “Anti-Semitismus = schlecht” und “ich = gut”, Daher: “Ich nicht Anti-Semitit”.

  3. Jakob Sparrov says:

    P.S.
    Und gleich noch einer!
    Sprachlich sinnvoll müsste es heissen IDEOLOGISCH korrekt und nicht POLITISCH korrekt!
    Politik ist alles, was das menschliche Miteinander ausmacht, Ideologie (egal welche) ist aber nur ein winziger Bruchteil der Politik!
    Logisch! Oder?

    • Michael Klein says:

      Nein, das was das menschliche Miteinander ausmacht, nennt man “SOZIAL” nicht “POLITISCH”. Mit “politisch” bezeichnet man alles, was sich auf die Ordnung bezieht, die wiederum den Zugang zu Ressourcen regelt.

      • Jakob Sparrov says:

        Muss Ihnen leider widersprechen!
        Seit der Antike ist das “Zoon Politikon” nur zu gut bekannt. Dazu unterstelle ich allen Menschen, soziale Interaktion ausschliesslich aus politischen Gründen zu unternehmen. Es möge jeder selber in seine Seele schauen und ehrlich zu sich selbst sein! So ist das Lebewesen Mensch nun einmal von der Natur programmiert! Und das was wir hochtrabend “Wissenschaft” nennen ist auch nur der Versuch dieses Programm der Natur zu entschlüsseln.
        Abgesehen davon, wieviele Menschen waren zur Zeit als der Begriff “Zoon Politikon” kreiert wurde wirklich in dem Sinne in dem Sie Politik (s.o.) definieren, “politisch” aktiv, so dass der Begriff Z.P. auf alle angewendet werden konnte?
        Was die Semiten betrifft gebe ich Ihnen durchaus Recht, dass damit eine Sprachgruppe bezeichnet wird. Moderne Verwirrung eben. Sie haben damit nur meine Zeilen über die “Sprachverwirrung” (Anomie-Anarchie) bestätigt.
        Ich halte mich ans Blut! Die DNA ist noch lange nach dem Tod nachweisbar und Verwandtschaftsverhältnisse können nachträglich geklärt werden (Romanov-Windsor, mehr als 10% aller Asiaten sind Nachkommen des Djingis Khan).
        Aber was ist dagegen Sprache? Heisse Luft mit Geräusch, kaum ausgesprochen, schon wieder unwiederbringlich verhallt!
        Und dann wären da noch als gutes Beispiel die USA, he, he, he! Amtssprache Englisch. Das würde dann heissen, alle die US-Staatsbürger sind und Englisch sprechen gehören dann dem “Stamm” (DNA) der Amerikaner an? Die Ureinwohner werden sich bedanken!

        • Michael Klein says:

          Zoon politicon meint z.B. bei Plato gerade den politischen Menschen, der sich in der Polis engagiert und nicht den sozialen Menschen.

        • Heike Diefenbach says:

          Muss Ihnen leider widersprechen!

          “„Soziologie … soll heißen eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will.

          ‚Handeln’ soll dabei ein menschliches Verhalten (einerlei ob äußeres oder innerliches Tun, Unterlassen oder Dulden) heißen, wenn und insofern als der oder die Handelnden mit ihm einen
          subjektiven Sinn verbinden.

          ‚Soziales’ Handeln aber soll ein solches Handeln heißen,,
          welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten Sinn auf das Verhalten anderer
          (bezogen) und daran in seinem Ablauf orientiert ist.“ (Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft,
          §1)”

          “Sozial” wird in der Soziologie im Anschluss an Weber als ein aufeinanderbezogenes Handeln von Menschen verstanden.

          Und deshalb hat die Soziologie mit dem homo sociologicus zu tun.

          Sie unterstellt dabei eine komplexe menschliche Psychologie und grundlegende Bedürfnisse wie das Bedürfnis nach Nahrung und das Bedürfnis nach Sicherheit. Menschen haben alle möglichen Gründe, aufeinander bezogen zu handeln (in guter Absicht wie in Absicht der Vorteilsnahme), aber sicherlich nicht nur “politische”.

          Politisches Handeln ist lediglich eine Unterklasse von sozialem Handeln.

          Und das ist nicht nur eine beliebige Festlegung, sondern entspricht der condition humana und der menschlichen Psychologie. Jeder, der versucht hat, eine Ideologie oder “Politik” (z.B. das Wirtschaften ohne Privateigentum oder das gender mainstreaming) Menschen als Grundlage allen ihren Handelns aufzuzwingen, hat bislang relativ schnell einsehen müssen, dass das Ganze daran scheitert, dass Menschen andere Bedürfnisse haben, deren Befriedigung für sie dringlicher ist, und seien es nur Wünsche nach Urlaub außerhalb des Ostblocks oder Bananen ….

          Und in welchem Verhältnis Ideologie und Politik zueinander stehen, ist umstritten, schon deshalb, weil es keine allgemein geteilte Definition von “ideologie” und von “Politik” gibt.

          Übrigens:

          Was “Stamm” und “DNA” und “Sprache” und “Staaten” betrifft:
          Weder die Soziologie noch die Politikwissenschaft oder sonst eine Sozialwissenschaft legt ihren Konzepten (ausschließlich) biologische Komponeten menschlichen Daseins, wie z.B. die DNA, zugrunde. Und das vor allem deshalb, weil der DNA – außer, wenn sie ideologisch instrumentalisiert wird – im Aufeinanderbezogen-Handeln von Menschen (mit dem Menschen gewöhnlich Sinn verbinden,) in aller Regel keine Rolle spielt. Die Art und Weise, wie Leute “Verwandtschaft” konstruieren, spielt hingegen eine große Rolle dafür, wie sie bestimmten anderen Leuten gegenüber handeln.

          Und die Sprache spielt ddiesbezüglich auch eine erhebliche Rolle. Die “heiße Luft” in Form von Sprache ist nämlich keine, sondern sie transportiert Inhalte, die z.B. Wissenschaft erst möglichen machen, und vor allem pragmatische Signale, die klar machen, in welcher Situation sich ein Mensch überhaupt wähnt, zumindest, seit Menschen sprechen können und nicht mehr nur die Körper”sprache” interpretieren müssen, um zu signalisieren, ob sie jemand anderem gegenüber freundliche oder feindliche Pläne hegen.

    • Heike Diefenbach says:

      Und noch einer:
      Definitionen sind niemals LOGISCH, sondern eben das: Definitionen!

  4. eht says:

    Mal davon abgesehen, dass Behauptungen wie die Beschuldigung, jemand sei eindeutig Antisemit (eine schlimme Beleidigung), einwandfrei und nachvollziehbar bewiesen werden müssen (sonst kann man jedermann so aus dem Bauch heraus nennen, wie man gerade möchte):

    „Die logische Konsequenz dieser Behauptung ist, dass außer denen, die die Codes und die Chiffren kennen, niemand versteht, was X da singt, außer denen also, die sich manisch in diese Chiffren und Codes verrannt haben. Es gibt keinerlei Schaden, weil diejenigen, die die angeblichen Chiffren und Codes verstehen, sowieso diejenigen sind, die nicht mehr alle Tassen im Schrank haben und alle anderen, die Codes und Chiffren nicht verstehen.“ So ist es. Es kann keine Gefahr für andere von etwas ausgehen, was nach der vorgebrachten Argumentation niemand von „außen“ erkennt und kapiert, die spannende Frage wäre hier eher, wieso die AAS-Mitarbeiterin sich so gut auskennt. Und hoch interessant wäre es zu erfahren, welche Codes und Chiffren man links der Mitte potenziell verwendet, die man eventuell nur entziffern kann, wenn man der Szene angehört. Es hat ja übrigens 2015 (habe gegoogelt) schon einmal einen gerichtlichen Vergleich zwischen AAS und Nadoo gegeben. Zitat von der AAS-Website: „Überdies wurde klargestellt, dass die Amadeu Antonio Stiftung nicht Xavier Naidoo persönlich als Antisemiten darstellen wollte, dass die Stiftung aber weiter die Auffassung vertritt, dass Zeilen aus Naidoos Liedtext „Raus aus dem Reichstag“ als antisemitisch interpretiert werden könnten. … Es ging uns zu keinem Zeitpunkt darum, Xavier Naidoo persönlich anzugreifen. Doch es muss möglich sein, kritikwürdige politische Entwicklungen auch zu kommentieren. “ Inzwischen ist man offenbar „rigoroser“ geworden.

    • Heike Diefenbach says:

      “Raus aus dem Reichstag!” kann als antisemitisch interpretiert werden?

      Anscheind ja, denn die AAS-Mitglieder tun es ja. Ich weiß aber nicht, warum. Vielleicht bin ich nicht hinreichend historisch gebildet oder nicht verbiestert genug.

      Aber ich finde es bezeichnend, dass die AAS-Mitglieder so etwas lieber an den Haaren herbeiziehen als sich durch Kritik irgendwie angesprochen zu fühlen, denn ich jedenfalls fände andere Interpretationen für “Raus aus dem Reichstag!” deutlich naheliegender.

      Aber weil sich diese alternativen Interpretationen auf aktuelle Zustände und Aussagen über Insassen des Reichstagsgebäudes und deren Verhältnis zur Demokratiie beziehen, ist es psychologisch für die AAS-Mitglieder, deren Existenz ja von just diesen Leuten abhängt, wohl leichter zu verarbeiten, wenn sie Anspielungen auf die Vergangenheit in diese Worte hineininterpretieren.

  5. KaFi says:

    Nach meinem Kenntnisstand zählen Araber durchaus zu dem semitischen Völkern, wobei ich keine ethnologische Definition anbringen kann. Ich sehe auch nicht die Notwendigkeit dazu, denn nach der Logik von Herrn Boeselager dürfte es ja dann auch nicht zu den häufig zu beobachtenden Ausfallerscheinungen bei deutschen Wohlstandsgören und Bundestagsvizepräsidentinnen kommen, dass man als Deutscher mit Aussagen wie “Deutschland du mieses Stück Sch…”, “Deutschland verrecke” oder “Bomber Harris, do it again” um sich schmeisst. Wenn Deutsche einen derart hirnlosen, verzehrenden Hass aud die eigene Nation und Bevölkerung entwickeln, warum sollte ein Semit dann kein Antisemit sein können?

  6. Emanuel Petit says:

    Haha haha:
    Abraham sagt zu Bebraham, kann ich mal dein Cebraham?
    Herrlich ist’s, wenn 3-4 deutsche Geistewissenschaftler sich im Irrgarten der Definitionen mit allem Ingrimm mit Lehmklümpchen beschmeißen. Danke, Sie retten meinen Abend!
    Haha haha.. ..

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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