Warum Regierungen nicht nur die Organ-Spendebereitschaft beseitigen

Je mehr Studenten Hochschulen entlassen, umso mehr hat man das Gefühl, dass Erkenntnis, die einst Fachbereiche stolz in Sammelbänden und Zeitschriften publiziert haben, verloren gehen.

Die Verschulung der Hochschulen durch Bologna hat hier ganze Arbeit geleistet und sichergestellt, dass bestenfalls Fachidioten, schlimmstenfalls umfänglich Ahnungslose an Hochschulen in Menge hergestellt werden, ganz abgesehen von den Ideologen, den Kämpfern für das, was sie gerade für richtig halten, den auf Gender Beschränkten und – ja, zuweilen dem ein oder anderen, dem sein Studium nicht geschadet hat.

Ein Ergebnis, das man noch in den 1990er Jahren in vielen Publikationen vorfinden konnte, war unter dem Begriff „motivation crowding out“ bekannt. Die Erzählung ist einfach: Man kann die Motivation von Menschen, etwas zu tun, zerstören, wenn man sie bezahlt, so lautet sie. Die Erzählung ist zu einfach, wie die Forschung gezeigt hat, die vor allem von Urs Gneezy und Aldo Rusticchini zusammengetragen wurde: Geld zerstört die Motivation nur dann, wenn es zu gering ausfällt. “Pay enough or don’t pay at all”, war die Konsequenz, die Gneezy und Rusticchini auf ein Motto gebracht haben.

Nun kann man diese Ergebnisse sozialpsychologisch fassen und formulieren, dass Menschen, denen man zu sehr auf die Pelle rückt, im Bemühen sie zu einer bestimmten Handlung zu bewegen, misstrauisch werden, ein Effekt, den z.B. Frey und Oberholzer-Gee berichtet haben und der dazu führt, dass Menschen, die etwas befürwortet haben, dieses etwas plötzlich nicht mehr befürworten, weil ihnen Geld geboten wird oder allgemeiner, weil ihre Befürwortung plötzlich zum Gegenstand öffentlicher Einflussnahme gemacht wird.

Ergänzt man diese Ergebnisse nun noch um die Erkenntnis, dass z.B. zwischenmenschliche Hilfe eher erfolgt, wenn Helfer und Hilfesuchender in direktem Kontakt zueinander stehen, wenn der Helfer mit dem Bedarf des Hilfesuchenden konfrontiert ist, dann ergibt sich daraus die Erklärung dafür, dass Staaten Spendenbereitschaft ruinieren und dafür, dass Nudging nicht funktionieren kann.

Sozialisten aller Länder haben sich auf Nudging gestürzt, weil sie damit die Hoffnung verbunden haben, sie könnten ihre Bevölkerung endlich zu den Handlungen bringen, die sie, also die Sozialisten, für die richtigen halten.

Organspende ist eine solche Handlung.

Aus nicht näher erläuterten Gründen mischen sich Regierungen in die Organspende ein und haben in der Konsequenz die Organspende von einem inter-individuellen Akt zu einem anonymen Geschäft gemacht, das vollkommen intransparent und unter Ausschluss von Öffentlichkeit und Rechenschaft verläuft (Daten zur Erfolgs- und Überlebensquote bei Transplantationen muss man suchen, wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen) und einzig durch dem Hinweis auf die Nächstenliebe funktionieren soll.

Nächstenliebe zu einem anonymen Organempfänger, den der Spender in der Regel nicht kennt / kennen kann.

Nächstenliebe eines Spenders, der umsonst ein, zwei, mehrere Organe spendet, damit sie in Empfänger transplantiert werden und die Transplantationsindustrie sich daran gesund stoßen kann.

Nächstenliebe ist aber ein individuelles Konzept.

Man kann keinen Nächsten lieben, den man nicht kennt.

Man kann sich einbilden, einen Nächsten zu lieben, den man nicht kennt, so wie die Demonstranten, die derzeit durch deutsche Straßen ziehen, sich einbilden, sie würden irgendeine Form der Nächstenliebe für Flüchtlinge empfinden. Dass sie das nicht tun, zeigt sich schon daran, dass ihr Engagement für die Flüchtlinge zum einen ausschließlich verbaler und aktivistischer Natur ist, zum anderen alle Kosten und weiteren Notwendigkeiten, die sich mit der Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland verbinden an den Staat und die von ihm bezahlten Helfer delegiert werden. Das ist keine Nächstenliebe, das ist Heuchelei.

Heuchelei, die schnell als solche offenbar wird, wenn die entsprechenden Demonstranten mit den Kosten ihres Tuns, die z.B. darin bestehen, dass Ämter von ihnen Geld fordern, weil sie für Flüchtlinge gebürgt haben, konfrontiert werden. Dann ist das Jammern groß.

Mit Organspende ist es so ähnlich.

Source

Regierungen und Ärzteverbände versuchen, anonyme Nächstenliebe mit denen, die vermeintlich durch eine Organspende gerettet werden können, zu wecken, um auf diese Weise eine hohe Spendebereitschaft zu schaffen. Ärzteverbände sind als Lobby für ihre Mitglieder unterwegs, die einen direkten (finanziellen) Nutzen aus jeder Transplantation ziehen. Die Motivation der Regierung ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass man sich durch die Beförderung der Organspende als vermeintlich guter Mensch, der an anderen Menschen interessiert ist, inszenieren kann. (Aber vielleicht werden Politiker für ihr Engagement auch bezahlt.)

Nun gibt es sicher Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, eine Nächstenliebe zu Unbekannten entwickeln zu können glauben und auf dieser Grundlage bereit sind, Organe zu spenden, wenn sie erst einmal hirntot sind
Aber das sind nur wenige.

Zu wenige.

Also versuchen Regierungen, aus welcher Motivation heraus auch immer, die Organspende zu einer Art moralischer Verpflichtung zu erklären, die einzelne ihren Mitmenschen gegenüber hätten. Eine Variante anonymer Nächstenliebe und deshalb wenig erfolgreich, denn wie immer in solchen Fällen, sinkt die Bereitschaft, sich einer Handlung, die andere erwarten, auszuführen, je direkter man mit dieser Handlung konfrontiert wird.

Also immer noch zu wenige.

Nudging soll hier Abhilfe schaffen. Ärzteverbände und all diejenigen, die erzählen, sie wären aus Nächstenliebe an Organspendern interessiert, sind Feuer und Flamme für Nudging. Man solle alle Bürger zu Organspendern machen. Wer nicht wolle, müsse dies explizit erklären, so die Variante, mit der mehr Hirntote auf nutzenbringende Organe ausgeweidet werden sollen.

Die sozialistische Regierung in Wales hat es versucht.

Der Versuch ist, wie leicht vohersehbar war, gescheitert.

Die Anzahl der Spender hat sich durch Nudging von 101 auf 104 in ganz Wales erhöht. Das entspricht den jährlichen Schwankungen, die vor Einführung des Nudging normal waren.

Kein Effekt. Zahl immer noch zu gering.

Und über Zeit betrachtet scheint die Zahl der Spender eher zu sinken als zu steigen.

Die Erklärung dafür ist einfach. Viele Studien aus den 1990er Jahren haben die Dynamik dargestellt, die dazu führt, dass dann, wenn sich Regierungen ganz besonders um gesellschaftliche Bereiche kümmern, sich die entsprechenden Bereiche zum Schlechteren entwickeln.

Je mehr Geld die deutsche Regierung in Fertilität investiert, desto geringer ist die Fertilität. Je mehr Geld für Kinder bezahlt wird, desto weniger Kinder gibt es, weil die Zahl derer, die sich vom Staat dafür bezahlen lassen wollen, dass sie Kinder in die Welt setzen, zurückgeht, aufgrund offensichtlicher Übereinstimmungen mit dem Rotlichtgewerbe.

Je mehr die Werbetrommel für Organspende gerührt wird, je mehr Politiker und Regierungen sich die Organspende zur Aufgabe machen, desto weniger Spender gibt es. Der Grund dafür ist leicht zu benennen: Misstrauen.

Es ist eine der grundlegendsten menschlichen Eigenschaften dann, wenn man von anderen zu sehr in Richtung eines bestimmten Verhaltens gelenkt oder gelobt wird, misstrauisch zu werden und damit haben diejenigen, die ein bestimmtes Verhalten erwirken wollen, verloren.

Wer misstrauisch wird, der kümmert sich plötzlich um ein Thema, das ihn zuvor kaum interessiert hat.

Wer misstrauisch wird, der sucht Informationen zur Organspende und stellt fest: Ess gibt kaum welche, oder die, die es gibt, die muss man suchen, wie die

Nadel im Heuhaufen.

Viele Fragen, die sich nun einstellen, bleiben offen:

  • Wer verdient wie viel durch Organspende?
  • Wie hoch ist die Akzeptanzrate bei Transplantation von bestimmten Organen?
  • Wie sieht ein typisches Leben mit Spenderorgan aus?
  • Welche Überlebenswahrscheinlichkeit haben die Empfänger von Organen?
  • Welche Unterschiede in der Überlebenswahrscheinlichkeit gibt es mit Bezug auf unterschiedliche Organe?
  • Wie sicher ist die Diagnose „Hirntod“?
  • Welchen Einfluss haben Lobbyverbände von Ärzten auf die Entscheidung von Regierungen, sich für Organspende ins Zeug zu legen?

Wir haben vor einiger Zeit Informationen zum Thema „Organspende“ zusammengetragen.

Wer misstrauisch geworden ist und keine Antworten auf seine Fragen findet oder keine glaubwürdigen Antworten erhält, der wird das von ihm gewünschte Verhalten nicht zeigen. Deshalb sinken die Zahlen der Organspender.

Auf diese Weise ruinieren Regierungen jede zwischenmenschliche Interaktion. Mit Regierungen, die sich in zwischenmenschliche Interaktionen einmischen, werden die Interkationen anonymisiert und auf eine Gruppenebene übertragen, weg vom individuellen Spender und Empfänger, hin zur Gruppe der guten Spender und der freudigen Empfänger, beides natürlich Travestien auf die Wirklichkeit, denn der Kriminelle findet sich unter den Spendern, der Gewissenlose, der mit seinem Geld nicht nur die benötigten Organe, sondern auch gleich den korrupten Arzt kauft, er findet sich unter den Empfängern.
Anonyme Transaktionen gelebter Menschlichkeit oder Nächstenliebe wie die Floskeln gewöhnlich lauten, die benutzt werden, bedürfen eines besonderen Anreizes, um für die Menschen, die auf individueller Ebene in zwischenmenschlicher Interkation noch eine Handlungsmotivation gehabt hätten, interessant zu werden. Denn während Situationen eines direkten menschlichen Miteinanders eine entsprechende Handlungsaufforderung enthalten (Onkel gibt Niere für Enkel), ist dies in anonymen Situationen, wie sie Regierungen schaffen, nicht der Fall. Sie erfordern deshalb ein Mehr an Anreiz, um die gewünschte Handlung „Organspende“ zu erreichen. Mit jedem zusätzlichen Anreiz, den Regierungen einsetzen müssen, um Bürger zur Handlung „Organspende“ zu bewegen, wird aber die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Motivation, die vielleicht noch vorhanden war, vollständig beseitigt wird, weil die Bürger misstrauisch werden, ob der vielen Aufmerksamkeit, die ihre Regierung einer bestimmten gewünschten Handlung widmet.

Werden Menschen misstrauisch, haben Regierungen verloren. Das haben wir oben bereits ausgeführt.

Deshalb scheitern Regierungen regelmäßig in ihrem Bemühen, zwischenmenschliche Transaktionen an sich zu reißen und in ihrem Sinne und im Sinne der Lobbyisten, die Regierungen beeinflussen, zu gestalten.

Die Organspende ist nur ein Beispiel dafür, wie Regierungen freiwilliges menschliches Engagement vernichten, wenn sie versuchen, es zu fördern.

Die beste Politik wäre keine Politik, keine Eingriffe ins Private. Aber zu dieser Einsicht, die man haben könnte, wenn man die Ergebnisse sozialwissenschaftlicher Forschung zur Kenntnis nähme, die in den 1980er und 1990er Jahren veröffentlicht wurden, gelangen Politiker natürlich nicht. Zum einen setzt dies Kompetenzen, vor allem intellektuelle Kompetenzen voraus, die die meisten Politiker nicht haben, zum anderen: Was bleibt Polit-Darstellern als Möglichkeit der Inszenierung, wenn sie sich nicht mehr in zwischenmenschliche Beziehungen, die sie nun einmal überhaupt nichts angehen, einmischen können?

Nichts.

Deshalb werden Politiker weiterhin versuchen, sich zu kleinen sozialistischen Planern und Herrschern aufzuschwingen und ihre Bevölkerung zu von ihnen gewünschten Handlungen zu bewegen, und deshalb werden sie auch (tröstlicherweise) weiterhin mit diesem Bemühen scheitern.

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