Die Diktatur der Gutmenschen – Ein 1994 veröffentlichtes Buch, das verstört

In den Tiefen unserer Bibliothek haben wir ein Buch gefunden, das 1994 beim Alfred A. Knopf-Verlag in New York verlegt wurde: „Dictatorship of Virtue“, so der Titel, Richard Bernstein, der Name des Autors.

Ein Buch mit einem solchen Titel hat wenig Chancen im politisch korrekten Deutschland, in dem Verlag sich durch Buckeln gegen staatliche Finanzierung und vorauseilenden Gehorsam auszeichnen, übersetzt zu werden. Das Buch von Bernstein, es wurde nicht übersetzt.

Das ist bedauerlich, denn das Buch ist ein Zeitdokument, wie es sie nur selten gibt. Bernstein analysiert die verheerenden Wirkungen derer, die er Multikulturalisten nennt, also diejenigen, die Gleichstellung durchsetzen wollen, weiße Männer als Anfangs- und Endpunkt allen Übels ausgemacht haben, die all denen, die sie unter sich verorten Hilfe gegen Rassismus anbieten wollen und natürlich die sexuell Bewegten, die der Ansicht sind, nichts würde sie so sehr definieren, nichts ihre Umwelt mehr interessieren, als ihre sexuelle Orientierung.

Wie gesagt, das Buch von Bernstein ist im Jahre 1994 erschienen. Deshalb ist das, was Bernstein schreibt, so verstörend.

Multikulturalismus, so Bernstein, sei eine gute Idee gewesen. Die Betonung liegt auf gewesen, denn Multikulturalismus ist ein gefallenes Konzept, „Dérapage“, sagt er mit Blick auf den Multikulturalismus. Dérapage ist ein Begriff, den französische Historiker benutzen, um den Absturz der französischen Revolution von den hehren Höhen der Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit in die Niederungen der blutrünstigen Diktatur eines Robbespierre begrifflich zu fassen.

So wie die Ideale der französischen Revolution im Totalitarismus untergegangen sind, so ist auch der Multikulturalismus im Gutmenschentum untergegangen. Dérapage!

I am speaking of multiculturalism, which is the term that has emerged to encompass a host of activities, a number of different ways of seeing things, a set of goals that ranges from teaching first-graders in Oregon about the achievements of sub-Saharan African civilization to racial set-asides and quotas in newspapers on the East Coast. Certain other words are being used as well, most common among them ‘inclusion’ and ‘diversity’ …

Ich beziehe mich auf Multikulturalismus. Unter dem Dach dieses neuen Begriffes hat sich eine Reihe von Tätigkeiten eingefunden, verschiedene Sichtweisen auf die Dinge, die Zielsetzungen umfassen, die von den Erstklässlern in Oregon, denen die Leistungen der Zivilisationen in  Sub-Sahara Afrika vermittelt werden sollen bis zu Quoten und reservierten Positionen für nicht-Weiße bei Tageszeitung an der Ostküste reichen. Zuweilen werden auch andere Worte anstelle von Multikulturalismus benutzt. Am häufigsten sind „Inklusion“ und „Diversität“.

Multikulturalismus ist wie viele Begriffe vor ihm, vom Konzept, das er beschreiben sollte, zum Catch-All-Begriff der Linken entwickelt worden, der seinen Dienst als ideologischer Kampfbegriff tut, der nichts mit Multi- und schon gar nichts mit Kultur gemein hat, denn diejenigen, die ihn verwenden, haben keine Ahnung von Kultur, geschweige denn, von mehreren Kulturen.

I remember a scholar of China talking years ago about the Great Proletarian Cultural Revolution which raged in that county in the late 1960s and 1970s. Certainly, he said, the term referred to something momentous happening in China, but whatever it was, it was not Great, it was not Proletarian, it had nothing to do with Culture, and it was certainly not a Revolution. Similarly with multiculturalism. It does not have the kind of consistent or coherent set of ideas behind it to make it an ism exactly. That prefix ‘multi’ is, yes, applicable in theory, but in practice it is often a mask for what would more accurately be called ‘mono’. Most important, multiculturalism has no more to do with culture than the Cultural Revolution did.

 

Bernstein nimmt in seinem Buch das Konzept des virtue signalling bereits vorweg, wenn er schreibt:

In other words multiculturalism is good, unobjectionable, virtuous.

Bei Bernstein findet sich auch die Idee, dass diejenigen, die einen Begriff am häufigsten in den Mund nehmen und ihn am lautesten in die Welt schreien, diejenigen sind, die keinerlei Ahnung von dem haben, was der Begriff an Bedeutung an Gehalt trägt. Sie bewegen sich, wie Bernstein schreibt, in einer Welt aus linken Träumen.

The reality of culture is something that the ideological multiculturalists would despise, if they knew what it was. The power of culture especially the culture rooted in ancient traditions, is anathema to the actual goals and ideology of multiculturalism, which does not seek an appreciation of other cultures but operates out of the wishful assumption that the unknown, obscure, neglected, subaltern cultures of the world are actually manifestations of a leftist ideology born out of the particular culture of American and European universities and existing practically no place else.

Multikulturalismus und seine Mutationen, die im Anti-Rassismus, Feminismus, in LSBT… usw. zu finden sind, sind begriffliche Fassaden, hinter denen sich immer dieselbe Meldung verbirgt: Ich, der Jünger dieses Begriffes, ich bin gut und Du, der Kritiker des Begriffes bist böse. Die Methoden, die die Jünger des Multikulturalismus benutzen, um Kritiker zum Verstummen zu bringen, reichen von seiner Diskreditierung als Rassist (oder in Deutschland als Nazi) bis zu Versuchen, in einzuschüchtern oder seine berufliche Existenz zu zerstören.

Multiculturalism, in short, cannot be taken at face value, and that is what makes it so tricky. Nobody wants to appear to be against multiculturalism. Hence, the irresistible temptation of the post-1960s, radical-left inhabitants of a political dreamland to use the term ‘multiculturalism’ as a defence against exposure and criticism and to bring into service a vocabulary to which multiculturalism has an almost salacious attraction, words like ’racist’, ‘sexist’, ‘homophobic’. To put matters bluntly: the multiculturalist rhetoric has the rest of us on the run, unable to respond for fear of being branded unicultural, or racist, or (to get into the trendy academic lingo) complicit in the structures of hegemony imposed by the Eurocentric patriarchy and its strategies of domination.

Als affektives Mittel zur Unterdrückung von Kritik und Diskussion, verhindert der Multikulturalismus in seinen zahlreichen Mutationen öffentliche Debatten über drängende Fragen, er ist moralischer Relativismus, der dazu führt, dass negative Entwicklungen verharmlost werden und daraus entstehende Probleme nicht mehr gelöst werden können. Schüler sind nicht mehr deshalb schlecht, weil sie sich nicht genug anstrengen, sondern weil sie anders lernen oder weil sie sich nicht im Curriculum reflektiert sehen.

In such a way does multiculturalism limit discussion: it makes people afraid to say what they think and feel; it presents dubious and cranky interpretations and analyses as self-evident, indisputable truths. It often operates, not through the usual means of civil discourse and persuasion, but via intimidation and intellectual decree It rewrites history. It sanctions a cultivation of aggrievement, a constant claim to victimization, an excessive, fussy, self-pitying sort of wariness that induces others to spout pieties. And that, in turn, covers the public discourse of crucial issues with a layer of fear, so that we no longer speak forthrightly and honestly about such matters as crime, race, poverty, AIDS, the failure of schools, single-parenthood, affirmative action, racial preferences, welfare, college admissions, merit, the breakup of the family, and the disintegration of urban life.

[…]

Multiculturalism in this sense is a code word for an expanded concept of moral and cultural relativism.

[…]

My own belief is that the multiculturalist rhetoric has the effect of defining down many other forms of bad behaviour. Teenage pregnancy is transformed from a cause of shame into one of many ‘diverse forms of the family.’ Violence in schools is not an offense but the teachers’ ignorance of the ‘cultures’ of a diverse student population.’ Their pupils fail to learn, not because they do not study hard enough but because they have ‘different ways of knowing’ or because they do not see themselves ‘reflected’ in the curriculum. Anti-male, anti-white, and anti-Semitic bigotry in institutions of higher learning is coddled in the belief that it is the natural expression of the rage of the culturally dispossessed”.

So wie Bernstein den Multikulturalismus in seiner degenerierten Form beschreibt, erfüllt er alle Kriterien um als Faschismus gewertet zu werden. Unabhängig davon sind die Folgen des Multikulturalismus, die Bernstein im Jahre 1994 beschrieben hat, in fast jedem Bereich des öffentlichen Lebens zu sehen. Sein Buch ist in einer Weise zutreffend, die verstörend wirkt, aber letztlich nur die Konsequenz der Bestrebungen eines minder-intellektuell-begabten Mobs beschreibt.

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