Verstaatlichungs-Phantasie: Kühnert lebt im falschen Jahrhundert

Die geistige Heimat von Kevin Kühnert, sofern er einen Geist hat, der nach Heimat sucht, ist nicht der Haufen derer, die sich todesmutig am Gerippe einer einstigen Volkspartei festhalten, in der Hoffnung, man könne Wählern auch ideologische Leichname als wählbare Alternative präsentieren, nein, Kühnert wirkt wie eine Art moderner Catweazle, der durch Zauberei aus seinem Jahrhundert in der Zeit nach vorne transportiert wurde.

Summoning voters!

Deshalb hat es uns nicht verwundert, eine der Quellen der Ideen von Kühnert im Jahr 1919 in den Aktionszielen der USPD dingfest machen zu können. Darin heißt es:

Der Vergesellschaftung der kapitalistischen Unternehmungen ist sofort zu beginnen. Sie ist unverzüglich durchzuführen auf dem Gebiet des Bergbaus und der Energieerzeugung (Kohle, Wasser, Kraft, Elektrizität), der konzentrierten Eisen- und Stahlproduktion sowie anderer hochentwickelter Industrien und des Bank- und Versicherungswesens. Großgrundbesitzer und Forste sind sofort in gesellschaftliches Eigentum zu überführen. Die Gesellschaft hat die Aufgabe, die gesamten wirtschaftlichen Betriebe durch Bereitstellung aller technischen und wirtschaftlichen Hilfsmittel sowie Förderung der Genossenschaften zur höchsten Leistungsfähigkeit zu bringen. In den Städten ist das private Eigentum an Grund und Boden in Gemeindeeigentum zu überführen, und ausreichende Wohnungen sind von der Gemeinde auf eigene Rechnung herzustellen.“

Nicht nur die Ziele der USPD hat Kühnert ins 21. Jahrhundert teleportiert, auch die Naivität, die Linke immer ausgezeichnet hat, hat er mitgebracht. Denn Linke glauben nach wie vor, wenn ein erfolgreiches Unternehmen verstaatlicht würde, dann ändere sich dadurch nichts. Das Unternehmen bleibe weiterhin erfolgreich und Linke könnten ihre Utopien mit den Gewinnen realisieren. Obwohl die Geschichte wieder und wieder belegt hat, dass Unternehmen dann, wenn sie erst einmal verstaatlicht sind, dem Ruin entgegenstreben, obwohl mehr als einmal deutlich geworden ist, dass man Unternehmen nicht auf Basis einer abgebrochenen Ausbildung und von ein wenig Jobben im Callcenter führen kann, dazu gehört nämlich Knowhow, trauen sich Linke nach wie vor zu, das, was sie nicht kennen, das, von dem sie keine Ahnung haben, erfolgreich zu führen.

Vielleicht wäre Selbstüberschätzung und Dummheit zur Bezeichnung geeigneter als Naivität.

Die USPD, die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands, war eine Abspaltung von der SPD, die sich fortan MSPD Mehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands nannte. Die Abspaltung im April 1917 war eine Nachwirkung der Zustimmung der SPD-Fraktion im Reichstag zur Bewilligung der Kriegskredite im Jahr 1914. Die USPD hatte ein kurzes Wählerhoch in den Jahren 1919 und vor allem 1920, bevor sie in der Bedeutungslosigkeit versunken ist. Ihre Mitglieder waren in der Münchner Räterepublik aktiv. Der Streit innerhalb der USPD darüber, ob die Partei der Kommunistischen Internationale beitreten solle, hat abermals zu einer Spaltung geführt. Einen Teil der USPD zog es zurück unter die Fittiche der MSPD, dann wieder SPD. Ein Teil fand nahtlos eine politische Heimat in der Kommunistischen Partei Deutschlands, darunter deren späterer Vorsitzender Ernst Thälmann. Ein Teil hat bis 1931 weitergewurschtelt als USPD. Ihre kargen Reste sind 1931 in der SAP, der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands aufgegangen.

Kühnert scheint die Tradition der USPD 2019 wieder aufnehmen zu wollen.


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