Hass in Hass-Studien: Der schleichende Angriff auf unsere Demokratie durch Rechtsextremismus-Gewinnler

Wir haben uns schon heute morgen gefragt, nachdem wir die Ankündigung der Pressekonferenz der von Campact und Amadeu-Antonio-Stiftung gemeinsam verantworteten und vom Amadeu-Antonio-Stiftungs-Ableger „Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft“ (IDZ) in Jena wohl ausgewerteten „Studie“ zum #Hass im Netz gesehen haben, wie lange es wohl dauern wird, bis der ARD-Faktenfinder, in dem ehemalige (freie) Mitarbeiter der Amadeu-Antonio-Stiftung Unterschlupf gefunden haben, darüber berichtet.

Es hat bis 15.15 Uhr gedauert. Recht flott, wenn man bedenkt, dass zu diesem Zeitpunkt knapp drei Stunden seit der Veröffentlichung der Studie vergangen waren. Die Verbindungskanäle zwischen Amadeu-Antonio-Stiftung und ARD-Faktenfinder scheinen direkt und schnell zu sein.

Mit dem, was ARD-Faktenfinder über die „bisher größte Untersuchung zu Erfahrungen deutscher Internetnutzer mit Hatespeech“ zusammengeschrieben haben, wollen wir uns gar nicht aufhalten. Stattdessen zeigen wir im Folgenden, warum die Größe einer „Studie“ nichts über deren Qualität aussagt.

Wenn man ein Phänomen wie „Hate Speech“ erforschen will, ist es sinnvoll, eine Vorstellung davon zu haben, was Hate Speech eigentlich sein soll. Die Autoren des Ergebnisberichts der Studie Daniel Geschke, Anja Klaßen, Matthias Quent und Christoph Richter, die allesamt beim IDZ ihre Brötchen verdienen und somit mehr oder weniger Angestellte der Amadeu-Antonio-Stiftung sind, haben eine Vorstellung davon, was für sie „Hate Speech“ ist:

„Für die vorliegende Studie wurde folgende Definition zugrunde gelegt: Aggressive oder allgemein abwertende Aussagen gegenüber Personen, die bestimmten Gruppen zugeordnet werden, werden ‚Hate Speech‘ genannt bzw. synonym auch „Hassrede“ oder „Hasssprache“ oder „Hasskommentar“. (15).

Nun ist es vorteilhaft, wenn man eine solche Definition der eigenen Arbeit zugrunde legt, sicherzustellen, dass die Befragten, die 7.349 Befragten, die YouGov für die Auftraggeber befragt hat, dieselbe Definition von „Hate Speech“ haben, sie quasi teilen. Nach allem, was man dem Ergebnisbericht entnehmen kann, haben die Autoren nicht sichergestellt, dass ihre Definition die geteilte Definition ist. Es scheint eher so zu sein, dass die Autoren sichergestellt haben, die Frage, was Hate Speech denn sein soll, so offen wie nur möglich zu halten. So werden die Befragten allgemein danach gefragt, ob sie schon einmal Hate Speech bzw. Hasskommentare im Internet gesehen hätten. 40% sagen hier, dass sie schon einmal Hate Speech gesehen hätten. „Deutlich  häufiger“ sehen „jüngere Menschen im Alter von 18 – 24 Jahren“ Hate Speech, nämlich 73%, was den Autoren eine Betonung aber kein Hinterfragen wert ist.

Wären die Autoren Wissenschaftler, sie hätten hinterfragt, hätten den Zusammenhang zwischen Hate Speech und Zeit, die ein Befragter im Internet zubringt, analysiert und vor allem hätten sie sichergestellt, dass alle Befragte eine gemeinsame Bedeutung von Hate Speech teilen. Offenkundig ist dies nicht erfolgt, weshalb der Verdacht naheliegt, der sich bei empirischen Sozialforschern immer aufdrängt, wenn ein Zusammenhang radikal mit dem Alter abnimmt: Hysterie, Übertreibung, besondere Sensibilisierung oder, am wahrscheinlichsten: Die Unfähigkeit von jungen Menschen klare Kriterien zu bilden, nach denen sie bestimmte Beobachtungen klassifizieren. Anders formuliert: Was den jungen Befragten als Hate Speech vorkommt, mag einem älteren Befragten ein heftiges Lachen oder ein mildes, zuweilen auch mitleidiges Schmunzeln abringen.






Empirische Sozialforscher, denen es nicht darum geht, die öffentliche Debatte mit einer weiteren Junk Studie vollzurumpeln, um die langsam lächerlich werdende Erzählung der weiten Verbreitung von Hate Speech weiterzuspinnen, hätten sichergestellt, dass ihre jungen Befragten nicht durch besonders emsiges Hate-Speech-Sehen, die Ergebnisse verzerren oder, wenn man das verpasst hat, zumindest versucht, die Hysterie aus den Ergebnissen herauszufiltern.

Aber, wir leben in Zeiten, in denen angebliche Forscher entweder so naiv sind, dass sie alles, was ihnen gesagt wird, für die Wahrheit halten oder an dem, was ihnen gesagt wird, nur vor dem Hintergrund der Ideologie, der sie anhängen, interessiert sind.

Im vorliegenden Fall haben wir es wohl mit vermeintlichen Forschern der zweiten Art zu tun. Dies wird schon daran deutlich, dass die Definition von Hate Speech eigentlich keine ideologische Richtung impliziert. Hate Speech kann sich grundsätzlich gegen beliebige Zugehörige beliebiger Gruppen richten. Für die angeblichen Forscher aus Jena ist jedoch ausgemacht, dass Hate Speech ein Phänomen ist, das es nur am rechten Rand der Gesellschaft gibt.

Das erste Indiz, das diese Fixierung deutlich macht und damit klar zeigt, dass hier keine Forschungsergebnisse präsentiert, sondern Ideologie verkauft werden soll(en), findet sich darin, dass der Begriff „Rechtsextremismus“ sechs Mal in der Veröffentlichung vorkommt, die Begriffe „Linksextremismus“ und „Islamismus“ dagegen überhaupt nicht. Die einzige Verknüpfung von Hass und ideologischer Richtung findet sich als „Hass von rechts“. Alle ideologischen Zuschreibungen finden sich auf den ersten Seiten der angeblichen Studie, in Vorwort und vor allem in der Einleitung, die deutlich macht, dass die Autoren der Fixierung anhängen, Hate Speech könne nur von rechter Seite erfolgen, nicht jedoch von linker Seite.

Diesen Eindruck wollen die Autoren nicht nur bei den Lesern ihrer „Studie“ durch ihr Framing vermitteln, sie haben auch versucht, ihre Befragten dahingehend zu manipulieren, dass es möglich ist Hate Speech zum rechten Problem zu inszenieren, ganz so als wäre die linke Seite des politischen Spektrums vollkommen unfähig zum Hass, was die linke Seite des politischen Spektrums natürlich zu menschlichen Missgeburten macht, weil Hass von Psychologen nach wie vor als eine menschliche Grundemotion angesehen wird.

Aber im ideologischen Kampf von links ist kein Blödsinn groß genug, als dass er nicht eingesetzt würde. Ergo wollen uns die Autoren vom IDZ den Eindruck vermitteln, Hass sei rechts, nicht links. Übel wird diese ideologische Fixierung dann, wenn offen manipuliert wird, wie dies auf Seite 20 des Ergebnisberichts dargestellt ist. Diejenigen Befragten, die schon einmal Hate Speech im Internet gesehen haben wollen, was auch immer sie unter Hate Speech verstehen, wurden anschließend gefragt, auf welche Gruppen sich die von ihnen gesehenen Hate Speeches bezogen haben.

Die Liste, die den Befragten vorgelegt wurde, umfasst die folgenden Gruppen (20):

  • „Menschen mit Migrationshintergrund
  • Amtierende Politiker*innen
  • Muslim*innen
  • Geflüchtete Menschen
  • Politisch Andersdenkende
  • Arbeitslose Menschen
  • Frauen
  • Menschen, die nicht dem aktuellen Schönheitsideal entsprechen
  • Homosexuelle Menschen
  • Transsexuelle Menschen
  • Arme Menschen
  • Jüdinnen und Juden
  • Menschen mit Behinderung
  • Wohnungslose Menschen
  • Sinti*ze und Rom*nja“

Fällt Ihnen etwas auf?
Fällt Ihnen die ideologische Armut auf, die hier Manipulationsversuch geworden ist? Ein Forscher, der einen Forschungsgegenstand untersuchen will, dessen Ziel besteht darin, den Forschungsgegenstand in Gänze zu erfassen und sicherzustellen, dass er die Ergebnisse nicht durch seine Fragen vorherbestimmt. Ein Ideologe will genau das, Ergebnisse vorherbestimmen, Befragte durch suggestive und manipulative Techniken zum Opfer seiner eigenen ideologischen Phantasie machen, sie als Zeugen seiner ideologischen Onanie missbrauchen.

Die Liste oben wurde den Befragten vorgelegt. Listen legen vermeintliche Forscher vor, die sicherstellen wollen, dass Befragte nicht etwas antworten, das sie nicht hören wollen, z.B. das, was so offenkundig in der oben dargestellten Liste fehlt:

  • Männer,
  • Polizisten,
  • Mantafahrer,
  • Soldaten,
  • Kapitalisten,
  • Banker,
  • AfD-Mitglieder,
  • Die Gruppe der Befürworter des Brexit,
  • EU-Kritiker,
  • Bekennende Katholiken,
  • Konservative,
  • Rechte,
  • Burschenschaftler,
  • Kritiker der Gender Studies,

und so weiter. Es fehlt das komplette Spektrum der Personengruppen, die Linksextreme zwar regelmäßig mit Hate Speech überziehen, die sie denunzieren, die aber die Autoren, deren Aufgabe darin besteht, Hate Speech zu einem rechten Phänomen zu erklären, nicht genannt sehen wollen. Diese uralte Form der Manipulation durch Weglassen hat schon Kurt Holm in seiner Arbeit „Die Frage“ im Rahmen des ersten Bands von „Die Befragung“ aus dem Jahre 1975 thematisiert. Unter der Überschrift: „Wie manipuliert wird“, schreibt Holm: „Man formuliert geschlossene Fragen, ohne eine vollständige Liste von Antwortmöglichkeiten zu präsentieren. Antworten, die nicht erwünscht sind, werden als Antwortmöglichkeit nicht vorgegeben“ (64).

Damit ist alles zum neuesten Manipulationsversuch aus der Schmiede der Rechtsextremismus-Gewinnler der Amadeu-Antonio-Stiftung gesagt. Es handelt sich um einen neuerlichen Versuch, die Pluralität und Diversität der Realität zu verstümmeln und mit einer kruden Manipulation eine Stereotypisierung herbeizumanipulieren, die es erleichtert, an Steuergelder im Kampf gegen den Hass im Internet zu gelangen.

Dummerweise sagen nur rund 8% der Befragten, dass sie selbst schon einmal Opfer von Hate Speech geworden sind. Das hat zur Folge, dass die Autoren in der Folge, wie z.B. auf Seite 24 lausige 3% der Befragten als Indiz für eine „ausgeprägte Rohheit“ anführen müssen, während ihnen auf Seite 20 Angaben von 27% bis 36% der Befragten als „erschreckend hoch“ erscheinen. Wären sie Forscher, sie wären vermutlich darüber erleichtert, dass nur 27% der Befragten von sich behaupten, sie hätten überhaupt schon einmal einen Hasskommentar gesehen, der sich gegen Sinti und Roma richtet.

Aber in Jena geht es nicht darum, einem Thema gerecht zu werden und Entwarnung zu rufen, es geht gerade darum, die gesellschaftlichen Grabenkämpfe wieder anzufeuern und dafür zu sorgen, dass die Steuergelder, von denen die Schein-Erwerbstätigen auf dem Schein-Arbeitsmarkt, die bei Amadeu-Antonio-Stiftung oder IDZ eine Anstellung gefunden haben, sich auch weiterhin auf Kosten der Steuerzahler durchmogeln können.

Einen wissenschaftlich fundierten kritischen Ton zu dieser Junk Studie finden Sie nur bei ScienceFiles. Keinen kritischen Ton finden sie bei den Anstalten, die einen Informationsauftrag haben und aus diesem Grund ihre Konsumenten und potentiellen Konsumenten zur Zwangskasse bitten. Deren Aufgabe bestünde darin, Fehler und Manipulationen, wie sie sich in der Junk Studie aus Jena dann, wenn man weiß, wonach man sucht, in Windeseile finden lassen, aufzuzeigen.

Offenkundig fehlt ihnen dazu die Kompetenz und der Wille.


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