EchoKammerOrchester: Witz-Zentrum-Berlin hat Angst vor dem Forschungsgegenstand

Soziologie und Politikwissenschaft, Ihr Leser, waren nicht immer der Hort der selbstgefällig Feigen, der sie heute geworden sind, Hort derer, die viel über Andere reden, viel Erziehungsbedarf bei Anderen sehen, viel Hilfestellung für Andere geben wollen, viel an Anderen auszusetzen haben, an Anderen, vor denen sie so viel Angst haben, dass sie jeden Kontakt mit ihnen meiden.

Denn: Wären sie nicht zu feige und suchten Kontakt, sprächen Andere an, um von ihnen zu lernen, nicht um sie zu betrügen, ihre ganze schöne Welt, die sie inszeniert haben, um sich, akademischer Positionsinhaber und sonst nichts, über die Masse der Anderen zu erheben, sie könnte in sich zusammenstürzen. Realität war schon immer das Ende von Einbildung.



Das war nicht immer so:

Joachim Feest und Erhard Blankenburg haben sich in Polizeiautos gesetzt. Sie sind mit Streife gefahren und gelaufen, haben Beamten über die Schulter geschaut und dann den Möglichkeitsraum von Polizeibeamten in ihrem Buch “Die Definitionsmacht der Polizei” beschrieben. Karl-Dieter Opp und Dirk Kaesler haben harmlosen Passanten an Ampeln aufgelauert und geprüft, wie die Passanten auf den Bruch von Normen und Konventionen reagieren, und zwar in Abhängigkeit von der Kleidung der Normbrecher. Eine Forschung unter hohem persönlichen Einsatz, wie sich dabei herausgestellt hat. Dr. habil. Heike Diefenbach hat ihren damaligen Leiziger Studenten eine Erfahrung mit der Realität verpasst, die einige davon, sicher nicht so bald vergessen werden. Was passiert, wenn man in einem hochgeregelten Kontext wie der Kassenschlange bei Edeka, eine kleine Norm bricht, mindestens ein Student, zwei Polizeibeamte und ein Marktleiter können eine Anekdote dazu erzählen.

Die Zeiten, in denen Soziologen und Politikwissenschaftler nicht zu feige waren, mit denen, über die sie forschen, zu sprechen, die sind lange vorbei. Die Mehrheit derer, die heute als Soziologen oder Politikwissenschaftler gelten wollen, zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich – wie Klatschweiber – hinter dem Rücken der Betroffenen, die Mäuler über dieselben zerreißen wollen. Es wird nicht mehr mit Anderen, sondern über Andere geredet aus der Wolke selbst askribierter Wichtigkeit und Kompetenz im Überschwang der Leerformeln und nominalen Ungetüme, Worte, die maximale Länge mit minimalem Inhalt kombinieren.

Was aus der deutschen Soziologie und Politikwissenschaft geworden ist, das spottet jeder Beschreibung, und es findet ein geradezu monumentales Fanal am Reichspietschufer in Berlin, an dem das WZB, früher Wissenschaftszentrum, heute Witz-Zentrum Berlin beheimatet ist. Das WZB war einst die Wirkungsstätte von Ralf Dahrendorf, Max Kaase und Hans-Dieter Klingemann. Was man heute dort findet, sehen sie gleich.

Das WZB wird aus Steuergeldern, 75% Bund, 25% Land Berlin oder über Drittmittel, zumeist über die Deutsche Forschungsgemeinschaft eingeworben, also ebenfalls Steuergelder, finanziert. Das ist wichtig, denn mit der Akzeptanz von Steuergeldern geht die Verpflichtung einher, durch die eigene Tätigkeit einen Nutzen für alle Steuerzahler zumindest anzustreben.



Das hat man im Witz-Zentrum Berlin vergessen. Dort findet sich eine ganz besondere Form von Echozimmer, mehr eine Echokammer, in die für den 20. Januar eingeladen wird, um ein Buch, das zweifelsohne mit dem Geld der Steuerzahler geschrieben wurde, vorzustellen.

Herausgegeben wird das Buch von Wolfgang Schroeder und Bernhard Weßels. Weßels hat es in seiner gesamten Karriere nicht über Berlin hinausgeschafft., Schroeder hat es über die IG Metall und nach einem Zwischenspiel als Staatssekretär unter Matthias Platzeck in der Landesregierung Brandenburg als Professor nach Kassel und als Visiting Fellow ans Witz-Zentrum-Berlin verschlagen. Was ein ehemaliger Staatssekretär, der von der IG-Metall zur Professur gekommen ist und in der Grundwertekommission der SPD sitzt, als Gegenstand seiner Forschung ausgibt, das kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit und treffsicher vorhersagen: Parteipolitik, verpackt hinter dem Begriff des “Rechtspopulismus”, und weil es in der Politikwissenschaft Tradition ist, sich mit Parteien zu befassen, befasst sich Schroeder eben mit der AfD. Was sonst?

Es ist nun auch gar nicht mehr schwierig zu raten, zu welchem Thema das Buch, das am 20. Januar im Witz-Zentrum Berlin vorgestellt werden soll, geschrieben wurde. Na, erahnen Sie es?
Richtig: Die AfD.

Der Titel, der schon alles sagt, lautet: “Smarte Spalter: Die AfD zwischen Bewegung und Parlament”.

Das, was sich heute als Soziologe oder Politikwissenschaftler ausgibt, macht nicht einmal mehr den Versuch, Wissenschaftlichkeit zu heucheln. Die Ideologie ist ihm so sehr in Leib und Blut übergegangen, so sehr Bestandteil des eigenen Daseins, dass sie selbstverständlich auf Buchtitel gedruckt wird, gar nicht mehr bemerkt wird. Weiter von Wissenschaft, als diese …logen, die nicht mehr mit, sondern über andere sprechen, nein herziehen, die ihre Position für politische Propaganda benutzen und sich in den Dienst derer stellen, die sie finanzieren, kann man nicht mehr sein. Das WZB wird in weiten Teilen von Bund und Berliner Senat finanziert, der Kampf gegen den politischen Gegner derer, die sich gerade im Amt befinden und von dortaus Steuerzahler gerne weiter schröpfen wollen, er findet heute ganz offen und ungeniert statt. Politische Korruption ist nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel.



Wer das nicht glaubt, dem präsentieren wir nunmehr die Einzelheiten. Zunächst, die Ankündigung der Buchpräsentation:

“Wer vor zehn Jahren die Prognose gewagt hätte, dass sich in Deutschland eine rechtspopulistische Partei im parlamentarischen System verankern könnte, wäre als notorischer Pessimist gescholten worden. Heute ist die AfD im Bundestag und in allen Landesparlamenten vertreten. Die Partei verbindet Rechtspopulismus mit konventionellen Moralvorstellungen, durchdringt die sozialen Netzwerke mit ihrer Agitation und hat, stärker als andere Parteien, den Charakter einer politischen Bewegung. Das macht es schwer, sie zu erfassen. Wer sind ihre Wählerinnen und Wähler? Mit welchen Themen punktet sie im Parteienwettbewerb? Wie verändert sie das Parteiensystem und möglicherweise die Demokratie in Deutschland?”

Texte, deren Schreiber sich von “konventionellen Moralvorstellungen” absetzen, weil sie die eigenen für “unkonventionell, was sie auch nach 30 Jahren politischer Korrektheit noch für bemerkenswert halten, in denen der kommunistische Kampfbegriff der Agitation benutzt wird, kann man getrost als Ankündigung von etwas ansehen, das es nicht wert ist, weiter zur Kenntnis genommen zu werden, denn eines ist sicher: Wissenschaft ist es nicht. Es ist mehr oder weniger schlecht verkleidete Ideologie, die dem Ziel dient, Stimmung gegen eine Partei zu machen, die von den Pseudo-Intellektuellen, die manche Hochschule und das Witz-Zentrum Berlin besetzt halten, und die sich aus nicht nachvollziehbaren Gründen immer noch als intelligent und als Avantgarde der Bürger stilisieren, nicht gemocht wird. Und dass ein Lehrstuhl-Besetzer, der für die IG-Metall gearbeitet hat und im Kabinett Platzeck, aus SPD und CDU bzw. SPD und LINKE als Staatssekretär gearbeitet hat, die AfD nicht mag, ist nicht wirklich verwunderlich. Verwunderlich ist, dass die Antipathie heute ganz offen als Wissenschaft ausgegeben werden kann, selbst dann, wenn die Ausgeber gleich im ersten Satz ihre gesammelte Unkenntnis preisgeben.

Natürlich wäre niemand vor zehn Jahren als “notorischer Pessimist” gescholten worden, der das, was die Autoren für eine rechtspopulistische Partei halten, als Teil eines Parlaments angekündigt hätte. Auch vor 10 Jahren gab es bereits die CSU, die all die Kriterien erfüllt hat und bis heute erfüllt, die der AfD als Rechtspopulismus zur Last gelegt werden. Vor mehr als 10 Jahren zogen Republikaner und noch länger zurück die NPD in Landesparlamente ein. Deutschland hat eine lange Tradition des “Rechtspopulismus”. Dass die Herausgeber von “Smarte Spalter” dies nicht wissen, spricht für sich (da die Ankündigung auch der Klappentext zum Buch ist, muss man davon ausgehen, dass der Text von den Herausgebern geschrieben wurde) und zeigt, wie klein und hermetisch von der Realität abgeschlossen das Echozimmer, die Echokammer ist, in der sich am 20. Januar auf Kosten der Steuerzahler die folgenden Insassen zum EchoKammerKonzert zusammenfinden:

  • Wolfgang Schroeder, Herausgeber und ehemaliger Staatssekretär der SPD, heute Professor in Kassel, der sich mit dem politischen Gegner befasst;
  • Bernhard Weßels, Demokratieforscher, der schon bessere Tage gesehen hat (selbst interessante Texte hat er einst geschrieben);
  • Stephan J. Krämer, Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes und Mitglied im Stiftungsrat der Amadeu-Antonio-Stiftung;
  • Britta Haßelmann, parlamentarischer Geschäftsführer der Faktion Bündnis90/Grüne im Bundestag;
  • Malisa Zobel, Leiter der Kommunalen Integrations- und Entwicklungsinitiative;
  • Sabine am Orde aus der Redaktion der taz;

Sie alle kommen zusammen, um sich gemeinsam den Mund über die AfD zu zerreißen, um über deren Wähler zu reden, nicht mit ihnen, um über deren Abgeordnete zu schimpfen, nicht mit ihnen, um sich über die Politik der AfD zu beklagen, nicht bei der AfD zu beklagen, um sich über den Rechtspopulismus und seine Gefahren zu echauffieren ohne in diesem Happening der Emotion und Antipathie von Einwürfen aus der Realität gestört zu werden.

Diese Travestie auf Wissenschaft, die den kritischen Streit durch das gegenseitige Anschleimen in Bestätigung ersetzt, die Prüfung der eigenen Aussagen durch das gegenseitige Schulterklopfen und Selbstzufriedenheit in Überheblichkeit und das Sprechen mit Beteiligten durch das Hetzen hinter deren Rücken, ist eine Schande für die Wissenschaft, dass sie von Steuerzahlern finanziert wird, eine Unverschämtheit und gleichzeitig bezeichnend für die linke Selbstbedienungsmentalität, die dem zweiten Grundprinzip linker Befindlichkeit, neben der Feigheit geschuldet ist: dem Schmarotzen an Steuerzahlern.

Wir sind sofort bereit, dieses Urteil zu revidieren, wenn am 20. Januar nicht über die AfD, sondern mit der AfD geredet wird, wenn mindestens ein Vertreter der Partei aus dem Abgeordnetenhaus und ein Wissenschaftler, der sich nicht dadurch auszeichnet, dass er öffentlichen Auftraggebern in den Allerwertesten kriecht, unter den Eingeladenen zu finden sind, die ihre Kritik am oder Zustimmung zum Buch äußern.



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