SARS-CoV-2: Massenstudie bringt neue Erkenntnisse

Um SARS-CoV-2 ist es etwas ruhiger geworden. Die Stimmen, die – wie die WHO – vorsichtige Entwarnung geben, häufen sich, was insofern verwunderlich ist, als das Experiment auf der Diamond Princess, dem Kreuzfahrtschiff, das vor Yokohama in Quarantäne liegt, eine erschreckend schnelle und intensive Verbreitung des Virus, das einst 2019-nCoV war, zeigt. Derzeit sind von knapp 3.600 Menschen an Bord 634 infiziert, das sind 17,6%, eine erschreckend hohe Zahl. Mittlerweile gibt es auch die ersten beiden Toten zu beklagen.

Aber die WHO gibt Entwarnung.



Wir berichten heute die neuesten Daten zu SARS-CoV-2, die gerade in einer Veröffentlichung des “Novel Coronavirus Pneumonia Emergency Response Epidemiology Team” publiziert wurden. Die Studie stammt aus dem Chinesischen Center for Disease Control and Prevention. Was die Studie zu einer besonderen Studie macht, ist die Fallzahl. Alle bis zum 11. Februar erfassten Patienten sind in der Studie berücksichtigt, d.h.:

  • 44.672 Patienten, für die die Infektion mit SARS-CoV-2 bestätigt ist;
  • 16.186 Patienten, die im Verdacht stehen, infiziert zu sein;
  • 10.567 Patienten die anhand klinischer Kriterien als infiziert angesehen werden;
  • 889 Patienten, die positiv auf den Virus getestet wurden, aber keinerlei Anzeichen einer Infektion zeigen;

Auf Basis der 44.672 Patienten, für die eine Infektion mit SARS-CoV-2 bestätigt ist, haben die Autoren die Soziodemographie der an COVID-19 Erkrankten erstellt. Die folgende Tabelle zeigt die Ergebnisse:

Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Infizierten und das Risiko, an COVID-19 zu sterben. Die Case Fatality Rate beträgt 3,6% für 50-59jährige, 8% für 60-69jährige und 14,8% für Personen, die 80 Jahre und älter sind. Die Infizierten verteilen sich relativ gleich auf beide Geschlechter (man beachte, dass man in China weiterhin an dem biologischen Faktum zweier Geschlechter festhält), allerdings haben Männer ein deutlich höheres Sterberisiko (2,8% im Vergleich zu 1,7%). Erste Ergebnisse, die wir vor einiger Zeit präsentiert haben, sind davon ausgegangen, dass der Anteil von (älteren) Männern auch unter den Infizierten deutlich höher ist als der von Frauen. 1.716 Infizierte sind Ärzte und Krankenpfleger, eine erschreckend hohe Zahl, die außerhalb von China wohl fast jeden Krankenhausbetrieb zum Erliegen bringen würde.



Die nächste Tabelle zeigt weitere interessante Ergebnisse, die es so bislang nicht gab. Co-Morbiditäten spielen eine, aber keine sehr große Rolle. Wie man erwarten konnte, stellen Herz-Kreislauferkrankungen, die Co-Morbidität dar, mit der das größte Sterberisiko verbunden ist (10,5%), gefolgt von Diabetes (7,3%), was wohl damit zusammenhängt, dass der Virus über ACE-Rezeptoren in Zellen eindringt und Bluthochdruck (6,0%). Die Wahrscheinlichkeit an Bluthochdruck und Herz-Kreislaufleiden zu erkranken, nimmt mit dem Alter zu, so das man sich fragt, ob hier nicht ein statistisches Artefakt gemessen wurde oder umgekehrt, ob nicht Alter das größere Sterberisiko im Falle einer Infektion darstellt, sondern die benannten Co-Morbiditäten. Um dies zu untersuchen, wäre es notwendig, multivariate Modelle zu berechnen. Das haben die Autoren aus China leider nicht getan.

Was die Abbildung auch deutlich macht ist, dass eine schwere Erkrankung an COVID-19 mit einer fifty-fifty-Chance auf Überleben einhergeht. Da eine schwere Erkrankung eine Behandlung auf der Intensivstation nach sich zieht, hängt das Überleben einer großen Zahl von schwer Erkrankten von der Verfügbarkeit und Menge von Betten in Intensivstationen ab. Kein beruhigender Befund.

Schließlich haben die Autoren des chinesischen CDC die Geschwindigkeit dargestellt, mit der sich SARS-CoV-2 verbreitet hat.

Die unglaubliche Geschwindigkeit, mit der sich SARS-COV-2 in nur 30 Tagen über 1.386 Kreise und 31 Provinzen in China verbreitet hat, ist das Ergebnis, das den Autoren am bemerkenswerten zu erscheinen scheint, denn sie wiederholen es mehrmals und schließen ihren Beitrag mit der Warnung, dass der derzeitige Rückgang bei neu diagnostizierten Fällen der weitflächigen Quarantäne geschuldet sei, die die Chinesische Regierung eingeführt hat. Mit der Aufhebung der Quarantäne-Maßnahmen, so die Autoren, könne die Gefahr einer neuen SARS-CoV-2 Epidemie verbunden sein, eine Wiederkehr von COVID-19 in noch größeren Stil:

” In particular, this analysis chronicles the extremely rapid spread of the novel coronavirus despite extreme efforts to contain it. However, important questions remain including identification of the animal reservoir, determination of infectiousness period, identification of transmission routes, and effective treatment and prevention methods including further test development, drug development, and vaccine development (3–4,8–9). As an international community, we must all be responsible partners in surveillance, communication, response, research, and implementation of evidence-based public health and clinical practice. The massive vigorous actions taken by the Chinese government have slowed down the epidemic in China and curbed spread to the rest of the world. Although the epidemic appears to be in decline in the lead up to February 11, 2020, we may yet face more challenges. Huge numbers of people will soon be returning to work and school after the extended New Year holiday. We need to prepare for a possible rebound of the COVID-19 epidemic in the coming weeks and months.”


The Novel Coronavirus Pneumonia Emergency Response Epidemiology Team (2020). The Epidemiological Characteristics of an Outbreak of 2019 Novel Coronavirus Disease (COVID-19) – China, 2020. China CDC Weekly 2(x): 1-10. (Vorabveröffentlichung)



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