Das tägliche Quentchen Antisemitismus-Verschwörungs-Theorie

Am 4. Mai haben wir einen Beitrag veröffentlicht, in dem wir zeigen, wie bei der ARD die Versuche angelaufen sind, um Corona-Proteste zu einer rechtsextremistischen Veranstaltung umzudichten. Nicht zufällig sind diese Versuche just zu einem Zeitpunkt zu verzeichnen, zu dem Linksextreme am Rande einer Demonstration gegen die Maßnahmen, die zur Verhinderung einer SARS-CoV-2 Epidemie in Deutschland getroffen wurden, ein ZDF-Kamerateam aufgemischt und verprügelt haben.

Wir beobachten schon seit längerem, dass immer dann, wenn ein linksextremer Anschlag z.B. in Berlin erfolgt ist, der republikweite Aufmerksamkeit erreicht hat, Beiträge zu rechten Schlägern, der Gefahr, die Rechtsextremismus darstellt usw. aus dem Boden gestampft werden, um letztlich die linksextreme Gewalt aus den Schlagzeilen zu verdrängen und politische Gewalt als rein rechtes Problem inszenieren zu können.

Mit von der Partie ist in der letzten Zeit regelmäßig der Experte oder der Extremismusforscher oder der Rechtsextremismusforscher oder der Soziologe oder als was auch immer er gerade präsentiert wird, Matthias Quent, Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) in Jena, einem Ableger der Amadeu-Antonio-Stiftung. Er wird quasi als derjenige durchgereicht, der die Verschwörungstheorie liefern darf, die notwendig ist, um Proteste “ganz normaler Bürger” zu einem Happening der Rechten ummodeln zu können.



Und so haben wir den Wander-Schwätzperte einen Tag nachdem er bei der ARD zum Einsatz gekommen ist, nun beim ZDF getroffen. In einem Beitrag des ZDF-Morgenmagazins, verkündet Quent das vermeintliche Expertenwissen über die rechtsextreme Unterwanderung. Nachdem die “normalen Bürger” zu Wort gekommen sind und ihre – zum Teil wirren Gründe dafür angeben durften, warum sie gegen die Maßnahmen zur Kontrolle der Ausbreitung von SARS-CoV-2 sind, nimmt der Beitrag Fahrt in rechte Gewässer auf, subtil, von der Initiative Querdenker, über Widerstand 2020, der sich im Internet formiere(also bedenklich ist) zum Demokratischen Widerstand, bei dem man der Ansicht ist, in einem “de facto diktatorischen Hygieneregime” zu leben, reicht der Reigen, der durch den Begleittext von Alexander Eschment gerahmt (geframt) wird, und zwar so:

“Experten beobachten, dass vor allem Rechtsextremisten versuchen, diese Proteste zu vereinnahmen”.

Wer diese Experten sind, das sagt Eschment nicht. Aber im nächsten Schnitt kommt Quent zu Wort, so dass man denken könnte, er sei gemeint …

Wie also vereinnahmen die Rechtsextremen die Demonstrationen der “normalen Bürger”? Ihr Einsatz Herr Quent:

Matthias Quent: “Das sind ganz normale Bürger und Bürgerinnen, die verunsichert sind, da sind Menschen mit sehr geschlossenen antisemitischen Verschwörungsvorstellungen, es ist also ein diffuses Spektrum und wenn da jetzt Akteure reingehen, die klar politische Erfahrung, Programmatiken und auch Ziele haben, dann können die womöglich die Menschen hinter sich versammeln, die erstmal nur empört sind.”

Er ist wandlungsfähig, der Herr Quent.
In der ARD erzählt er dem Faktenfinder von den NPD-Funktionären, der AfD und den Rechtsextremen, die direkt zu anti-Corona-Maßnahmen-Demonstrationen aufrufen, bei denen sich dann “verunsicherte Menschen” einfinden, die “nach Antworten” suchen, die die “Politik offenbar nicht für alle befriedigend und verständlich liefert”.

Dem ZDF erzählt Quent eine andere Geschichte, eine von ganz normalen Bürgern und solchen mit “geschlossenen antisemitistischen Verschwörungsvorstellungen”, klingt klasse. Falls Sie eine Idee haben, was das sein soll, dann bitte im Kommentarbereich hinterlassen.

Die ARD bekommt also die Rechtsextremisten und das ZDF die Antisemiten. Jedem das seine und dem IDZ Steuergelder von allem, damit dort gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus gekämpft, verbal versteht sich, werden kann.

Die Konstante in der Erzählung von Quent ist Verunsicherung. Er, der Experte, Soziologie und (Rechts-)Extremismusforscher kann sich, bei Leuten, die andere Entscheidungen treffen, als er das tun würde, nichts anderes vorstellen, als dass sie “verunsichert” sind. Eigentlich ist auch Quent ein Vertreter der Groschenromanforschung, denn trivialer als seine Erklärung geht es eigentlich gar nicht. Etwas ist neu. Weil es neu ist, sind “die Menschen” verunsichert. Was sonst könnten “die Menschen” auch sein, angesichts von etwas Neuem, von Veränderung? Im Kopf von Quent gibt es nur eine Reaktion auf Neues: Verunsicherung. Und in dieser Einfachheit geht es weiter. Wer verunsichert ist, der sucht nach Halt, nach jemandem, der ihm Sicherheit bietet.

Man kann das Weltbild von Herrn Quent hier abrollen, wie eine Rolle Klopapier. “Die Menschen”, von denen er generell spricht, “die Menschen” sind kleine Trottel, vollkommen außerstande, anders als mit Verunsicherung auf neue Situationen zu reagieren und vollkommen unfähig, sich ein Bild davon zu machen, was die neue Situation für sie bedeutet. Um sich dieses Bild zu machen, brauchen die mentalen Kindlein im Körper eines Erwachsenen, die Quent gemeinhin als “die Menschen” bezeichnet, ein Deutungsangebot, eine Antwort, wie er das nennt. Diese Antworten können nur von denen kommen, die nicht “die Menschen” sind, rechtsextreme, die “politische Erfahrung, Programmatik und auch Ziele” haben und die verloren im Strom der Zeit treibenden “Menschen” abfischen. Oder Nicht-Menschen wie Quent, die “die Menschen” analysieren und mit korrektenAntworten versorgen, Antworten, wie sie die anderen Nicht-Menschen, die ebenso wenig verunsichert sind, im Weltbild von Herrn Quent, wie er selbst, die korrekte politische Elite, wie er wohl denkt, geben muss, damit die Verunsicherten nicht von Menschenfängern der Rechten eingesammelt werden.

Gehören Sie auch zu den Menschen, die darauf warten, von Rechten abgefischt zu werden? Oder sind Sie ein Quentscher Nichtmensch, der selbstverantwortlich handelt und, falls er Quent jemals in diesem Leben begegnet, darüber nachdenkt, wie er jenes Quentchen Wut, das dieser Schwätzperte mit seinen aus der Luft gegriffenen Trivial-Erklärungsangeboten auslöst, so deutlich macht, dass kein Zweifel daran entstehen kann, dass “Verunsicherung” nicht die Ursache war?

Wie dem auch sei. Wir haben vorgestern darauf hingewiesen, dass die Versuche, Widerstand gegen die Maßnahmen des social distancing zu einer rechten Angelegenheit umzudeuten, im vollen Gange sind. Verschwörungstheoretiker, wie Quent, die antisemitische (im ZDF) und rechsextreme (in der ARD) Dunkelmänner “die Menschen”, die in Strom der Zeit herumirren, abfischen sehen, sind ein fester Bestandteil dieser Versuche.




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