Letzte Woche hat Allianz Research ein Paper veröffentlicht, in dem die Kosten für einen Hard und einen Soft Brexit berechnet werden, und zwar für die EU. Ein Novum insofern, als die Kosten sehr detailliert aufgeführt werden.
Wie immer, wenn Ökonomen solche Berechnungen vornehmen, basieren sie auf Annahmen, die mehr oder weniger richtig sind. Im vorliegenden Fall ist der Text in einem Stakkato-Englisch geschrieben, dem man die Annahmen mehr oder minder abringen muss. Wir haben die folgenden gefunden:
- Importpreise aus der EU in das Vereinigte Königreich: +15%;
- Inflation steigt auf ca. 5% als Folge davon und für maximal ein halbes Jahr;
- Rückgang der Nachfrage nach importierten Waren aus der EU wegen Preissteigerung und Handelsabkommen mit anderen Ländern um rund 10%;
- Verlagerung der Handelsbeziehungen von der EU zu Commonwealth und den Ländern, mit denen ein Freih-Handelsabkommen (FTA) besteht. Bis zum Ende des Jahres sollen 22 solche FTAs abgeschlossen sein, an 16 wird derzeit verhandelt. Ein FTA mit Japan ist bereits abgeschlossen
Gibt es mit der EU kein Handelsabkommen, dann verteuern sich die folgenden Produkte aus der EU auf dem britischen Markt in der aufgeführten Höhe:
Als Konsequenz aus den höheren Preisen und einer Umorientierung der britischen Wirtschaft sinkt die Nachfrage nach EU-Produkten. Als Folge droht den EU-Mitgliedsstaaten ein dauerhafter Exportverlust in der Höhe von 33 Milliarden Euro pro Jahr. Am stärksten betroffen: Deutschland. Wir haben die Kosten, die den den 10 Top-Exporteuren aus der EU ins Vereinigte Königreich im Falle eines No Deal Brexit / Hard Brexit entstehen, aus dem Beitrag von Allianz Research entnommen und zusammengefasst:
Deutschland: 8.198 Milliarden Euro;- Niederlande: 4.827 Milliarden Euro;
- Frankreich: 3.629 Milliarden Euro;
- Belgien: 3.159 Milliarden Euro;
- Italien: 2.567 Milliarden Euro;
- Spanien: 2.091 Milliarden Euro;
- Irland: 1.418 Milliarden Euro;
- Schweden: 805 Millionen Euro;
- Dänemark: 739 Millionen Euro;
- Tschechei: 708 Millionen Euro;
Die Weigerung der EU-Kommission ernsthaft mit dem Vereinigten Königreich zu verhandeln, kostet EU-Bürger und Unternehmen eine ganze Stange Geld.
Und was machen die Verhandlungen?
Nach allem, was man so hört, nicht viel. Es gibt wohl immer noch Streit über den Zugang zu britischen Gewässern und über Staatshilfen. Es ist etwas still um das „Level playing field“ geworden, und es gibt Gerüchte, dass die EU-Kommission nun doch einen Kanada-style Deal anbietet, CETA+++, im entsprechenden Akronym. CETA+++ meint, wie im Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada entfallen nahezu alle Zölle auf die gehandelten Güter und es gibt prinzipiell keine Mengenbegrenzung im gegenseitigen Handel, prinzipiell deshalb, weil es welche, aber wenige gibt und an deren Beseitigung gearbeitet wird. CETA+++ wäre ein diesem Handelsabkommen ähnliches Handeslabkommen mit Zöllen auf einigen Gütern, die zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich gehandelt werden und wenigen Mengenbeschränkungen. Dienstleistungen sind von CETA+++ nicht umfasst.
Das Paper der Allianz kann hier nachgelesen werden.
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