“Informationen sind Schlüssel für Impfbereitschaft” – Der größte Blödsinn, seit es Sozialforschung gibt, kommt aus Hamburg

Wenn Sie wissen wollen, wie man Daten stets so interpretiert, dass sie zum eigenen Vorurteil oder zu dem passen, was man an Polit-Darsteller und MS-Medienhanseln verkaufen kann, dann sind Sie beim Hamburg Center for Health Economics (HCHE) richtig. Dort wird seit Monaten eine Befragung durchgeführt, die SARS-CoV-2 zum Gegenstand hat. Das Panel, das leider keines mehr ist, wie wir hier dargelegt haben, ist in seiner fünften Welle und heute wurden einmal mehr Ergebnisse veröffentlicht. Bevor wir zu diesen Ergebnissen kommen, zurück zur Dritten Welle. Damals hat Jonas Schreyögg angesichts einer sinkenden Impfbereitschaft folgendes von sich gegeben:

“Die Impfbereitschaft ist in allen sieben Ländern gesunken”, sagte Jonas Schreyögg, Wissenschaftlicher Direktor am Hamburg Center for Health Economics (HCHE). “Sie liegt zwischen 48 Prozent in Frankreich und 74 Prozent in Dänemark.” In Deutschland sei die Impfbereitschaft von 70 Prozent im April auf 57 Prozent im September gesunken. Als eine Ursache nennt Schreyögg im “Spiegel” die Zweifel an der Sicherheit eines Impfstoffes. Außerdem sei die Impfthematik komplex.”Die Ablehnung einer Immunisierung ist bei wenig gebildeten Menschen deutlich höher als bei gut gebildeten.”

Das – mit Verlaub – ist vollkommener Blödsinn, wenngleich es gerade unter denen, die sich für gebildet halten, in Mode ist, auf diejenigen, die man für ungebildet hält, weil sie anderer Meinung sind, herunterzuschauen und ihnen zu unterstellen, sie seien nicht in der Lage, komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Diejenigen, die diese Vorurteilsträger für ungebildet halten, dass sind Leute, die nicht studiert haben (z.B. Gender Studies), Leute, die nach dem Hauptschulabschluss eine Lehre gemacht haben, Leute, die nach dem Realschulabschluss bei einer Bank untergekommen sind. Im Vergleich zum Akademiker, der auf seine EinBildung nichts kommen lässt, sind diese Leute “bildungsfern”, also ungebildet, dumm… Aber natürlich trauen sich die “Akademiker” nicht, von dumm zu sprechen, also spreechen sie von “wenig gebildeten Menschen”.



Wir halten jede Wette, dass Herr Schreyögg so komplexe Zusammenhänge wie den Aufbau eines Verbrennungsmotors nicht in derselben Weise zu durchdringen in der Lage ist, wie ein Mechatroniker mit Hauptschulabschluss. Kurz: Ein Bildungsabschluss hat NICHTS mit Bildung zu tun. Wenn jemand einen Universitätsabschluss vorzuweisen hat, dann folgt daraus mitnichten, dass er intelligenter und fähiger ist, komplexe Thematiken zu verstehen als ein Hauptschulabsolvent. Wenn man an Hochschulen blickt, gewinnt man eher den Eindruck, dass ein entsprechender Abschluss mit geringerer Intelligenz und Fähigkeit, komplex zu denken, einhergeht.

Wer nun denkt, derartige Fehler der Interpreation eigener Daten seien ein Ausrutscher, der sieht sich getäuscht. Der Fehler hat Sytem. Er kehrt in unterschiedlicher Facette wieder, dahinter steht dieselbe Prämisse, die heute den folgenden Ausdruck findet:

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“„Wir sehen, dass vor allem die bisher unentschlossenen jungen Menschen nun eine Entscheidung getroffen haben“, erklärt Prof. Dr. Jonas Schreyögg, Wissenschaftlicher Direktor am HCHE der Universität Hamburg und ergänzt: „Darüber hinaus zeigt sich, dass die Impfbereitschaft steigt, je intensiver sich jemand mit dem aktuellen Geschehen befasst.“ So möchten sich 78 Prozent derjenigen, die die Nachrichten beispielsweise über TV und Zeitungen sehr genau verfolgen, impfen lassen. Im Vergleich dazu sind es nur 42 Prozent der weniger Informierten.”

Herr Schreyögg scheint “wenig gebildet, zumindest wenig informiert” zu sein, was die Fragen angeht, die in seiner eigenen Befragung gestellt werden, und er scheint grundsätzlich der Ansicht zu sein, dass diejenigen, die nicht von einer Hochschule bescheinigt bekommen haben, dass sie es schaffen, sich auch durch den größten Unsinn zu sitzen, um anschließend einen Abschluss in irgendwas Studies vorweisen zu können, weniger gebildet sind als die sogenannten Akademiker. Woher er das weiß ist unklar, so wie unklar ist, woher er weiß, dass die Impfbereitschaft steigt, je intensiver “sich jemand mit dem aktuellen Geschehen befasst” hat, so wie unbekannt ist, was dieses intensive Befassen, so es denn vorliegt, mit besserer Informiertheit zu tun haben soll.

Was tatsächlich gefragt wurde, zeigt die folgende Abbildung:

Quelle

“Wie genau haben Sie die Nachrichten über den COVID-19 Ausbruch verfolgt?”, so lautet die Frage.

Was man damit genau misst, wissen wir nicht. Indes liegt es nahe, die Assoziation zu haben, die auch Schreyögg hat, der wohl der Ansicht ist, der Begriff “Nachrichten” lege Nachrichtensendungen und Zeitungsmeldungen nahe, TV und Zeitungen, bei ihm. 

Was man damit SICHERLICH nicht misst, ist das, was Schreyögg mit Gewalt und Vorurteil in die Ergebnisse hineinlesen will, dass sich jemand, der sagt, er habe die “Nachrichten über den COVID-19 Ausbruch” sehr genau verfolgt, intensiv mit dem aktuellen Geschehen befasst hat. Die Anzahl der Irrtümer, die sich in diesem einen Satz Bahn brechen, ist beachtlich: Scheinbar denkt Herr Schreyögg, dass die Menge von TV-Sendungen, die man angesehen hat, ein Maß für die Intensität, mit der man sich mit COVID-19 befasst hat, ist. Stellen Sie sich vor, jemand hat jede Talkshow mit Karl Lauterbach gesehen. Die darin zum Ausdruck kommende Intensität ist eher eine manische Intensität, eine herausragende Leidensfähigkeit oder eine geistige Haltung, die man durch keinerlei Blödsinn aus ihrer Lethargie aufschrecken kann. Die Interpretation von Schreyögg basiert auf der Annahme, dass man in Nachrichtensendungen Informationen zu SARS-CoV-2 erhalten kann, die die “Impfentscheidung” anleiten, also Imformationen, die notwendig sind, um eine informierte Entscheidung zu treffen, Informationen über Nebenwirkungen, über die Wirkungsweise, über die Testphase, darüber, dass die klinischen Trials gar nocht nicht abgeschlossen sind, darüber, dass es unterschiedliche Meinungen zwischen Zulassungsbehörden zu den Impfstoffen gibt, die dazu führen, dass manche, z.B. die indische Zulassungsbehörde, BNT162b2 von Pfizer/Biontech gar nicht erst zugelassen hat...

Wie informiert fühlen Sie sich eigentlich durch TV und Nachrichten?

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Wie schätzen Sie das Ausmaß der Informationen zu COVID-19 in TV und Nachrichten ein?
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Wie schätzen Sie das Ausmaß der Informationen zu COVID-19 in TV und Nachrichten ein?

Unsere kleine Umfrage ist schon differenzierter als alles, was Herr Schreyögg von sich gibt, der offenkundig der Ansicht ist, wenn man nur TV und Nachrichten sehe, viel TV und Nachrichten sehe und dann von sich behaupte, man habe die Nachrichten sehr genau verfolgt, dann sei dies ein Indikator für Wissen… Es gibt Leute, die drücken sich Jahrzehnte lang an Hochschulen herum, und wissen immer noch nicht, dass es einen Unterschied zwischen Konsum und Verständnis von Nachrichten gibt. Wozu all die Sozialpsychologen ihre Studien durchgeführt haben, in denen regelmäßig herausgekommen ist, dass die Mehrzahl der Konsumenten von Nachrichten schon kurze Zeit nach der Sendung die Hauptthemen nicht mehr erinnern kann, wir wissen es nicht. In jedem Fall zeigt der Fall Schreyögg, dass man auch weitgehend ohne die relevanten Kenntnisse in empirischer Sozialforschung wissenschaftlicher Direktor am HCHE werden kann – HCHE = Hamburg Center for Health Economics.

Die Intensität, mit der sich jemand einen Gegenstand zur Brust nimmt, geht im übrigen mit der Anzahl von Zweifeln einher, die derjenige im Hinblick auf seinen Gegenstand entwickelt. Das kennt jeder, der sich intensiv mit einem Thema auseinandergesetzt hat. Es beginnt mit der Phase, in der man Neues liest, aufnimmt, lernt. Diese Phase geht in die: Mir-schlägt-alles-über-dem-Kopft-zusammen-Phase über, in der man denkt, man habe viel gelesen, wisse aber überhaupt nichts. Die dritte Phase beginnt damit, dass sich der Nebel klärt und ein gewisses Grundwissen hervortritt, das wiederum als Basis dienen kann, auf der man neues Wissen akquiriert, bewertet, aufnimmt. Und mit dem neuen Wissen kommt der Zweifel. Denn neue Ergebnisse widersprechen dem, was man gelesen hat und zu wissen glaubt, oder sie beleuchten einen bislang dunklen Spot und bringen etwas zum Vorschein, was anderen Dingen, die man zu wissen glaubte, widerspricht. Kurz: Es ist überhaupt nicht möglich, sich mit einem Gegenstand INTENSIV zu beschäftigen, ohne dabei Zweifel zu entwickeln.

Wenn die Abbildung oben keine Fehlkodierung zeigt, dann zeigt sie das Gegenteil dessen, was Schreyögg herauslesen will. Sie zeigt, dass etliche derjenigen, die sich rühmen, COVID-19 intensiv gefolgt zu sein, keinerlei Zweifel an Impfstoffen entwickelt haben, was sie eher als unkritische Zeitgenossen ausweist, die entweder nur behaupten, sie hätten sich intensiv mit COVID-19 befasst, weil es – wenn man z.B. denkt, man sei als Akademiker besonders intelligent – wichtig ist, auch so zu erscheinen und zu allem seinen Senf geben zu können, sich mit allem intensiv befasst zu haben, oder die sich zwar intensiv, im Sinne von häufigem Konsum, befasst haben, jedoch keinerlei Wissensgewinn aus diesem intensiven Konsum entnommen haben.

Insofern würden wir die Ergebnisse gerade umgekehrt interpretieren. Leute, die Nachrichten im Fernsehen oder in der Zeitung nicht sonderlich intensiv verfolgen, weil es, wie Sir Desmond Glazebrook einst gesagt hat, “part of the uniform”, also rituelles Verhalten ist, unter Leuten, die dieses rituelle Verhalten nicht zeigen, finden sich eher kritische Leute auf der Suche nach Informationen, die geeignet ist, um sich ein eigenständiges Urteil zu bilden, eines, unabhängig von dem, was in Nachrichtensendungen und Zeitungen als Information verkauft werden soll.



Unabhängiges Studium führt schnell zu der Frage, warum es kaum Informationen zu Nebenwirkungen von Impfstoffen gibt, für die die Frage von Langzeitfolgen schlicht ignoriert wird. Ist diese Frage erst einmal gestellt, ist der Schluss, dass in Nachrichtensendungen und Zeitungen nur eine Seite der Medaille, die polierte, präsentiert wird, nicht weit, und die nächste Frage drängt sich förmlich auf: Warum wird nicht über Nebenwirkungen berichtet? Warum wird Menschen die Möglichkeit vorenthalten, sich ein eigenes Urteil über Impfung und die damit verbundenen Risiken zu bilden, auf Grundlage möglichst vollständiger Informationen, die nicht nur die Vorteile, die in Nachrichtensendungen gelobhudelt werden, sondern auch die Nachteile umfassen?

Wer nach dieser Frage der Berichterstattung, den Nachrichten zu COVID-19 nicht kritisch bis irritiert gegenüber steht, dem ist nicht mehr zu helfen. Es handelt sich bei ihm vermutlich um jemanden, der seine Information und seine Urteilsbildung dem intensiven Betrachten von Talkshows und Nachrichten ent- bzw. vornimmt.

Sie sehen, man kann die Ergebnisse von Schreyögg auch ganz anders interpretieren. Und da die Fragen so allgemein und wider alle Regeln der empirischen Sozialforschung in Schreyöggs Umfrage formuliert sind, ist nicht zu entscheiden, welche Interpretation die richtige ist. Es ist nur zu entscheiden, welche Interpretation politisch-korrektes Anbiedern ermöglicht.

Übrigens ist die Überschrift über der Pressemeldung mehrdeutig. “Informationen sind Schlüssel für Impfbereitschaft”, lautet die Überschrift und gemeint ist, in der Welt des Vorurteils, die in Hamburg bewohnt wird, dass Leute, die besser informiert sind, sich natürlich auch impfen lassen werden. Indes lässt die Überschrift auch den gegenteiligen Befund zu, jedenfalls dann, wenn man nicht in ideologischer Engstirnigkeit befangen ist, je besser jemand informiert ist, desto geringer seine Impfbereitschaft, denn: Information ist der Schlüssel für Impfbereitschaft – wie wahr.



Seit Ende Januar 2020 besprechen wir Studien zu SARS-CoV-2. Damit gehören wir zu den wenigen, die das neue Coronavirus seit seinem Auftauchen verfolgt und den Niederschlag, den es in wissenschaftlichen Beiträgen gefunden hat, begleitet haben.
Eine Liste aller Texte, die wir zu SARS-CoV-2 veröffentlicht haben, finden Sie hier.

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