Phantasieland-Experten! Lauterbach und Kleber in trauter Unkenntnis über AstraZeneca und Blutgerinnsel

Ein Leser hat uns auf das folgende Interview, das Claus Kleber, ZDF heutejournal, mit Karl Lauterbach, dem gemeinhin als Gesundheits-Experten präsentierten Bundestagsabgeordneten der SPD, geführt hat. Aus diesem Interview haben wir die folgende Passage entnommen:

Claus Kleber: “Wie kommt das eigentlich, dass in Großbritannien, wo vielmal mehr, also über 10 Millionen Mal mit AstraZeneca geimpft worden ist, KEINE solchen Fälle [Blutgerinnsel] bekannt geworden sind. Kucken die nicht so genau hin?

Karl Lauterbach: “Also ein Grund könnte hier sein …” [fährt fort eine umfangreiche Erklärung dafür zu geben, warum im Vereinigten Königreich, wie er meint und Claus Kleber behauptet hat, KEIN Fall von Blutgerinnsel nach einer Impfung mit AstraZenecas AZD1222 aufgetreten ist…]

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Die beiden “Experten”, die den Zuschauern ihr Wissen mitteilen, der eine als angeblicher Journalist oder Informationsexperte, der andere als angeblicher Gesundheitsexperte, reden sich die Köpfe über Fake News heiß, die sie selbst in die Welt gesetzt haben, denn: IM VEREINIGTEN KÖNIGREICH SIND FÄLLE VON BLUTGERINNSEL NACH IMPFUNG MIT ASTRAZENECA bekannt geworden. Das Interview der beiden “Experten” ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich Leute eine Scheinwirklichkeit (ein Wolkenkuckucksheim) nicht nur aufbauen, sondern dieselbe für real halten (in dasselbe einziehen), um sich dann allen Ernstes über die Gründe dafür zu unterhalten, dass es das, was sie für real halten, es aber nicht gibt, gibt (bzw. im Wolkenkuckucksheim über die Mängel bei der Inneneinrichtung zu debattieren). Das passiert, wenn selbstgefällige Experten, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, bedeutungsschwanger und mit der Inbrunst ihrer fehlenden Kenntnisse über Dinge schwadronieren, von denen sie offenkundig nichts wissen.

Fangen wir beim Experten Kleber an, der einfach behauptet, es habe im Vereinigten Königreich keine Fälle von Blutgerinnsel nach Impfung mit AstraZeneca gegeben bzw. es seien keine bekannt geworden. Er könnte sich einfach bei richtigen Journalisten informieren, z.B. die Daily Mail lesen, die bei Fragen, die mit COVID-19 zusammenhängen, immer sehr gut infomiert ist. Hätte er das getan, er wäre zu folgender Passage vorgedrungen:

“And data from the Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA) regulator in the UK show more people have reported blood clots after having Pfizer’s vaccine than the Oxford one — even though Pfizer’s jab has not been suspended anywhere.

Up to February 28 there were 38 reports from approximately 11.5million doses of Pfizer’s jab, compared to 30 from 9.7m AstraZeneca doses. However, neither figure – the equivalent of one blood clot seen in every 367,000 jabs – is thought to be higher than the risk expected in the general population.

Daten der Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA [die britische Zulassungs- und Überwachungsbehörde für Medikamente] zeigen, dass mehr Blutgerinnsel nach einer Impfung mit dem Impfstoff von Pfizer als nach einer Impfung mit dem Oxford-Impfstoff (AstraZeneca) berichtet wurden, obwohl die Impfung mit Pfizers Impfstoff nirgends ausgesetzt wurde.

Bis zum 28. Februar wurden unter rund 11.5 Millionen mit Pfizer Geimpften 38 Blutgerinnsel berichtet, im Vergleich dazu wurde für 30, der rund 9,7 Millionen mit AstraZeneca Geimpften, ein Blutgerinnsel berichtet. In keinem Fall stellt das Auftreten von Blutgerinnsel, einmal unter 367.000 Impfungen, ein höheres Risiko dar, als es für das Auftreten von Blutgerinnsel generell in der Bevölkerung vorhanden ist.

Für den Fall, dass Kleber nicht gerne liest oder nicht lesen kann, gibt es eine schöne Grafik, die zeigt, dass Blutgerinnsel (blood clots) berichtet wurden, für AstraZenecas und Pfizers Impfstoff im Vereinigten Königreich.

Aus dem Vergleich zwischen Pfizer und AstraZeneca geht deutlich hervor, dass der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn entweder mindestens so uninformiert ist wie Gesundheitsexperte Karl Lauterbach oder mit dem Aussetzen der Impfung mit AstraZenecas Impfstoff eine politische Entscheidung getroffen hat, die er nun als “Sorge um die Menschen” vermarkten bzw. der Öffentlichkeit vorheucheln will.

Von Gesundheitsexperte Lauterbach erwartet man natürlich, dass er sich über die Dinge, zu denen er Experte zu sein, vorgibt, direkt informiert, also z.B.hier die wöchentlichen Yellow-Card Berichte, in denen die Häufigkeit und Schwere von Nebenwirkungen als Folge einer COVID-19-Impfung für das Vereinigte Königreich berichtet wird, nachliest, bevor er seinen Mund aufmacht, um der Öffentlichkeit eine vollmundige Erklärung zu präsentieren, eine, wie in diesem Fall, für etwas, das es nicht gibt. Er könnte natürlich auch bemüht sein, seinen Expertenstatus dadurch zu dokumentieren, dass er sich die Rohdaten zu Blood Clots, die man bei der MHRA bekommen kann, nämlich hier, direkt zu besorgen, um immer auf dem neuesten Stand zu sein.

Wie es die Unkenntnis nun einmal so will, hat Karl Lauterbach nichts davon getan. Er hat eine falsche Behauptung von Claus Kleber für bare Münze genommen, seine Stirn in tiefe Falten gelegt und – um die Peinlichkeit auf die Spitze zu treiben – eine Erklärung zusammengesponnen, die vermutlich alle Kriterien einer ad-hoc zusammengesponnenen Erklärung erfüllt, aber eben diesen einen Makel hat, dass etwas erklärt wird, das es nicht gibt.


Für Informationsexperte Kleber ist dies übrigens nicht der erste “blunder”, der ihm im Zusammenhang mit dem Vereinigten Königreich unterläuft. Es ist nur einer unter vielen, solchen zum Beispiel.



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