Delta und Windpocken: Humbug geht um die Welt

Ist es Torschluss-Panik?

Oder der Versuch, Menschen nach Strich und Faden zu belügen, weil man es sich angewöhnt hat, Menschen nach Strich und Faden zu belügen?

Oder ist es schlicht darauf zurückzuführen, dass sich derzeit Leute zu Daten äußern, deren Zustandkommen sie ebensowenig einzuschätzen vermögen wie sie in der Lage sind, die Daten korrekt zu interpretieren?

In den letzten Tagen hat der MS-Medien-Mob eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Im stetigen Bemühen, die so über alle Maßen furchtbare, tödliche, ansteckende Delta-Variante (b.1.617.2), die Länder verwüstet, Menschen en masse ums Leben birngt und ansonsten Krankenhäuser bis zum Dach füllen soll, als ebensolches Monster zu inszenieren, haben diejenigen, die von sich denken, sie seien Journalisten, und das, obwohl ihnen noch nie auch nur ein kritischer Gedanke gekommen ist, die Behauptung kolportiert, dass sich DELTA verbreite, wie die Windpocken. Die Windpocken verbreiten sich mit einem R0 von mindestens 8. Was das bedeutet, das zeigt die folgende Simulation:

Quelle

Interessant sind hier vor allem die beiden roten Kurven. Die dunkelrote Kurve zeigt das Infektionsgeschehen für Windpocken. Im Grundmodell, in dem es keine Immunität und zu Beginn keinen Genesenen gibt und in dem ein Ausgangsfall vorhanden ist, dauert es gut zwei Monate, bis die Windpocken durch die gesamte Population gegangen sind. Im Grundmodell von SARS-CoV-2 (rote Kurve), das wir hier mit einem weit übertriebenen R0 von 2,8 berechnet haben, wird dieser Zustand nie erreicht. Schon diese Abbildung macht deutlich, wie idiotisch der Vergleich mit Windpocken ist. Wir ordnen ihn zudem als kriminellen Versuch, Panik zu schüren ein. Aber dazu gleich.

Zunächst zwei Infektionsverläufe aus Indien und Großbritannien. In beiden Ländern hat “DELTA”, also b.1.617.2 “gewütet”. In beiden Ländern haben sich die Anzahl der positiven Tests und die Anzahl der Toten wie folgt entwickelt:

In beiden Ländern haben nach verlässlichen Angaben mehr als 99% der Bevölkerung die Delta-Todeswelle überstanden. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch die deutsche Bevölkerung die Delta-Todeswelle fast vollzählig und unbeschadet überstehen wird, ist somit hoch.

Ursprung der Behauptung, DELTA verbreite sich in dem selben Maße wie die Windpocken, die ein R0 haben, das mindestens 8 beträgt, ist das US-amerikanische CDC, ein Vortrag, der dort intern gehalten und in Parolen nach außen geleakt wurde. Keiner der Helden der trostlosen Nachricht, hat es als seine Aufgabe angesehen, nach dem entsprechenden Vortrag zu suchen, zu recherchieren, auf welcher Datengrundlage diese schon bei bloßer Betrachtung zwischen absurd und idiotisch zu verortende Aussage steht. Robert W. Malone hat das getan und die entsprechenden Folien veröffentlich. Wir haben wiederum die Folien herausgegriffen, auf denen die neueste Lüge geschaffen und gleich wieder vergessen wird.

Beginnen wir gleich mit dem Corpus-Delikti, der Folie, in der die Delta-Variante im Hinblick auf ihre Gefährlichkeit und ihre Fähigkeit, sich zu verbreiten, als GROSSER Kasten eingetragen ist, der in seiner Länge Windpocken (chicken pox) sogar in den Schatten stellt. Gleichzeitig wird behauptet, dass Delta gefährlicher sei als die Urvariante des CCP-Virus.

Welche Belege gibt es für diese abenteuerliche Behauptung?

Dass b.1.617.2 ansteckender sein soll als alles bislang Dagewesene, was SARS-CoV-2 an Variante hervorgebracht wird, wird mit dem Viral Load begründet, der bei DELTA-Infizierten höher sein soll, als er z.B. bei Alpha-Infizierten (b.1.1.7 aka: britische Mutation) sei. Eine höhere virale Ladung wird dann angenommen, wenn ein RT-PCR-Test weniger Zyklen benötigt, um genetisches Material von SARS-CoV-2 zu finden. Dass weniger Zyklen sich im Hinblick auf die virale Ladung eindeutig quantifizieren lassen, ungeachtet der Tatsache, dass es derzeit unzählige unterschiedliche RT-PCR-Tests gibt, ist wohl eine Mythe, eine nützliche Mythe.

Die Fallzahlen, die der Behauptung höherer Virenlast zugrunde liegen, sind nicht wirklich das, was man zur Grundlage weitreichender Schlussfolgerungen machen kann. Es ist, als würde man von einer Stichprobe, die 47 Fussballspieler umfasst, die alle weniger als 10 Spiele benötigen, um ein Tor zu schießen, schließen wollen, dass die neue Generation Fussballspieler, weil 47 von ihnen nur 10 anstelle von 12 Spielen benötigen, um ein Tor zu schießen, torgefährlicher sei als frührere Generationen, für die 22 Fussballspieler untersucht wurden. Das, um diesen Humbug einzuordnen.

Aber die neue Behauptung ist nicht nur, dass die Delta-Variante sich so schnell verbreitet wie die Windpocken, die Behauptung ist auch, dass die Delta-Variante gefährlicher sei, zu mehr Hospitalisierungen führe als bisherige Varianten. Belegt soll diese Behauptung mit der folgenden Folie werden:

Diese Ergebnisse stammen aus logistischen Regressionen. Die Koeffizienten, die von logistische Regressionen ausgegeben werden, sind in hohem Maße von der Fallzahl, auf der eine Analyse basiert, abhängig und, das kommt als Besonderheit hinzu, sie beziehen sich in den meisten Fällen auf eine Referenzkategorie, dann nämlich, wenn die verwendeten Daten kein metrisches Skalenniveau aufweisen. Die Wahrscheinlichkeiten einer Hospitalisierung oder einer Überweisung auf die Intensivstation werden hier in Form kategorialer Variablen gemessen, d.h. sie benötigen eine Referenzkategorie. Das heißt, jede der Angaben oben macht nur Sinn mit Bezug auf die Referenzkategorie. Verglichen mit z.B. Alpha-Infizierten haben Delta-Infizierte ein höheres Risiko, hospitalisiert zu werden.

Aber haben Sie das wirklich? Logistische Regressionen sind letztlich nichts anderes als Hochrechnungen. Sieht man einmal darüber hinweg, dass bei den Angaben oben nicht klar ist, was die zugrundliegende Fallzahl und was die Referenzkategorie ist, was die Angaben letztlich nutzlos macht, sind Hochrechnungen immer nur so gut wie die Daten, auf denen sie basieren. Deshalb wird in logistischen Regressionen ein Gütemaß, in der Regel Nagelkerkes r2 berechnet, das angibt, wie gut die Passung des logistischen Modells mit den zugrundeliegenden Daten ist. Seit wir die Arbeiten im Zusammenhang mit COVID-19 analysieren, die auf logistische Regressionen zurückgreifen, fällt uns das fast durchgängige Fehlen von Gütemaßen auf. In Kurz: Die entsprechenden Analysen sind nutzlos, denn niemand weiß, was sie aussagen, ob sie überhaupt etwas aussagen.

Zum Glück muss man sich nicht auf derartigen Junk verlassen, sofern man diesen Junk nicht für seine Zwecke BEnutzen will, denn Public Health England veröffentlicht regelmäßig die secondary attack rates für die Delta-Variante und das Risiko einer Hospitalisierung bzw. eines Versterbens, das mit Delta im Vergleich zu z.B. Alpha einhergeht. Diese Daten zeichnen ein gänzlich anderes Bild als es das US-amerikanische CDC aus welchen Gründen auch immer tut:

In der folgenden Tabelle sind die secondary attack rates für die drei Varianten Alpha (b.1.1.7), Beta (b.1.351) und Delta (b.1.617.2) dargestellt. Die Daten stammen von Public Health England und sind im Technical Briefing Nr. 19 veröffentlicht (Ende Juli).

Variante Reise innerhalb eigener Haushalt außerhalb eigener Haushalt
Alpha 1,5 10,2 5,6
Beta 1,8 10,0 3,0
Delta 1,7 11,0 5,8

Wie man sieht, unterscheiden sich die drei Varianten, Alpha (b.1.1.7), Beta (.b.1.351) und Delta (b.1.617.2) nur wenig. Um sich mit Delta anzustecken, sind innerhalb des eigenen Haushalts im Durchschnitt mindestens 9 Kontakte mit einer infizierten Person notwendig, außerhalb des eigenen Haushalt sind es durchschnittlich 17 und auf Reisen 59 Kontakte mit einem Infizierten, die durchschnittlich notwendig sind, um sich anzustecken. Alles gar nicht so einfach.

Auch um die Frage zu beantworten, ob Delta gefährlicher ist als Alpha, häufiger zu Hospitalisierungen und Tod führt, muss man keine Schätzungen mit logistischen Regressionen unbekannter Qualität zurate ziehen, man kann auch hier die Daten von Public Health England nutzen, die hier genau Auskunft geben:

Was das Sterben angeht, so ist Delta deutlich bescheidener als Alpha und Beta. Die Case Fatality Rate von Delta ist um das Neunfache geringer als die von Alpha und sie ist um das Siebenfache geringer als die von Beta. Von einer tödlicheren Variante kann demnach keine Rede sein. Auch die Frage, ob die Delta-Variante mit mehr Hospitalisierungen einhergeht, als es für Alpha der Fall war, ist eigentlich leicht zu beantworten. Man muss dazu nur in das Dashboard der britischen Regierung schauen und den Verlauf der Anzahl der Hospitalisierungen betrachten. Die erste Welle ist der Ur-Variante von SARS-CoV-2 geschuldet, die zweite Alpha (b.1.1.7), die dritte Welle (ganz rechts) ist das Ergebnis der Anstrengungen von Delta.

Und damit niemand auf die Idee kommt zu behaupten, die dritte Welle der Hospitalisierungen sei so klein, weil bei der dritten Well im Vereinigten Königreich weniger Menschen positiv getestet wurden als bei der zweiten, hier noch der Verlauf der positiven Tests pro Tag.

Das hatten wir zwar schon einmal, aber man kann es nicht oft genug darstellen.

Nun, nachdem die meisten Löcher, aus denen DELTA-Hysteriker kommen können, verstopft sind, bleibt nur noch ein Schlupfloch, um die extraordinäre Gefährlichkeit von Delta zu retten: Man muss behaupten, dass so Wenige hospitalisiert würden, sei ein Ergebnis von Impfungen, was natürlich mit der in der CDC-Präsentation gesponnenen Erzählung, dass Delta die Impfung “bricht”, also die COVID-Impfstoffe nicht, wie versprochen, vor Delta schützen, widerspricht, aber wenn man Hysterie verbreiten will, dann kann man auch solche Feinheiten keine Rücksicht nehmen. Schauen wir also, wie es sich mit dem Schutz vor Hospitalisierung durch Impfung verhält, eine Frage die wir in der Vergangenheit bereits untersucht haben. Die Antwort findet sich in der folgenden Tabelle:

Die Spalten drei bis fünf enthalten die Rohdaten, die dem Bericht von PHE entnommen sind. In den Spalten 6 bis 8 finden sich die prozentualen Anteile für Ungeimpfte (unvaccinated) und Geimpfte (vaccinated), wobei die Basis der Berechnug jeweils die Anzahl positiv Getesteter unter Ungeimpften bzw. Geimpften ist. Wie man deutlich erkennen kann, macht eine Impfung für Personen unter 50 Jahren weder bei der Wahrscheinlichkeit, sich mit erheblichen Symptomen im Krankenhaus einzufinden (EmergencyCare Visit) noch bei der Wahrscheinlichkeit, hospitalisiert zu werden (Hospitalization) noch bei der Wahrscheinlichkeit, zu sterben einen erheblichen Unterschied. Dies ist bei Personen, die 50 Jahre alt oder älter sind, anders. Hier scheint eine Impfung die Wahrscheinlichkeit, sich in die Notaufnahme zu begeben, hospitalisierung zu werden oder zu sterben, zu reduzieren. Indes muss man dieses Ergebnis mit Vorsicht genießen, denn die Impfquoten unter Personen, die 50 Jahre oder älter sind, liegen alle bei oder über 90%, bei Ungeimpften sind es häufig Vorerkrankungen oder bekannte Allergien, die eine Impfung verhindern. Wir haben es also mit einer selegierten Population zu tun, so dass die Ergebnisse für die 50+jährigen mit Vorsicht zu interpretieren sind und durch eine Analyse, in die Vorerkrankungen einbezogen werden, ergänzt werden müsste.

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Für uns viel interessanter sind die Spalten 9 bis 11, in denen wir den tatsächlichen Nutzen, den Zugewinn an Sicherheit durch eine Impfung berechnet haben. Die Prozentwerte, die rot gesetzt sind, beziehen sich auf die beiden dunkelblau hinterlegten Spalten darüber. Sie geben an, wie hoch der Anteil derjenigen ist, die nachdem sie eine Notaufnahme aufgesucht haben, hospitalisiert werden oder sterben. Ein Schutz durch Impfung, der eine relevante Ausprägung annimmt, ist bei unter 50jährigen eigentlich nur für das Risiko einer Hospitalisierung vorhanden. Hier scheint eine Impfung den Anteil derjenigen, die nach Besuch einer Notaufnahme hospitalisiert werden, deutlich zu senken, indes gilt auch hier, dass eine Analyse, die die Vorerkrankungen derjenigen, die hospitalisiert werden, kontrolliert, notwendig ist, um genaue Aussagen zu machen.

Ungeachtet davon kann man jedoch feststellen, dass der Schutz, der von einer Impfung für 50+jährige ausgeht, minimal ist. Der Unterschied bei Hospitalisierung beträgt lediglich rund 8%(punkten), der Unterschied bei den Anteilen der Verstorbenen ist mit 2%(punkten) zwischen Ungeimpften und Geimpften minimal. Das kann nur schwerlich als Begründung einer Impfung dienen. Was die Analyse in aller Deutlichkeit zeigt: Es gibt keinerlei Begründung oder Berechtigung, die sich aus der Wirksamkeit von Impfstoffen ergäbe, um Personen unter 50 Jahren zu impfen. Impfstoffe haben kaum einen Einfluss auf das Risiko der unter 50jährigen, eine Notaufnahme aufzusuchen, hospitalisiert zu werden oder gar zu sterben. Die Effekte sind lächerlich gering und stehen in heftigem Gegensatz zu den Anstrengungen von Politdarstellern, die ihre Impfung wie Sauerbier anpreisen, so dass man sich einmal mehr fragt, warum sie das tun.

Einmal mehr ist eine Erzählung, die COVID-19 zum Gegenstand hat, auf Lügen, Verdrehungen, Auslassungen und vermutlich auch die Unfähigkeit gebaut, Daten korrekt zu interpretieren. Einmal mehr ist die Richtung dieser Lügen, Verdrehungen, Auslassungen und Unfähigkeiten dieselbe: Panik verbreiten, SARS-CoV-2 Varianten inszenieren, die genutzt werden können, um Angst und Panik zu schüren. Aber dieses Mal sind wir weiter. Wir fragen nicht mehr, zu welchem Zweck diese Lügen, Auslassungen und Verdrehungen in die Welt gesetzt werden. Das ist offenkundig: Es geht um Kontrolle und darum, dass manche Polit-Darsteller vor Machtgeilheit nicht mehr gerade gehen können.

Unsere Frage heute: Wie lange lässt sich die Bevölkerung noch belügen und bleibt ruhig?



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