Der Preisexperte: Inflation mit Preissteigerung bekämpfen

Vielleicht hätten wir auch Management-Bücher schreiben sollen.

Sie wissen schon, diese Bücher, in denen Management-Experten, denen, die noch an sie glauben, empfehlen, die besten, die motiviertesten, die fähigsten Mitarbeiter einzustellen, um “Excellence” zu erreichen.

Jene Bücher, die Bibliotheken vollsumpfen, in denen das Geheimnis des Unternehmenserfolgs verraten wird. Psst: Das Produkt muss attraktiv, nachgefragt, gut bepreist sein, so dass der Umsatz die Kosten übersteigt und ein Gewinn übrig bleibt.

Jene topaktuellen Bücher, die immer die aktuelle Welle des Zeitgeists reiten, um den Managern von Unternehmern das neueste Virtue Signaling nahezubringen: Hissen Sie eine Regenbogenfahne, das wird die Kunden freuen und darüber hinwegtäuschen, dass sie in China produzieren lassen, von ethnischen Sklaven unter einem Regime, das Homosexualität nicht duldet.

Ja, vielleicht hätten wir solche Bücher schreiben sollen.
Dann wären wir heute Marketing-Experten, HR-Experten, Management-Experten, Six-Sigma-Experten, Preis-Experten …
Vorausgesetzt wir schaffen es, das damit unweigerlich verbundene Problem von Selbstrespekt zu lösen… was wir nicht geschafft haben. Deshalb gelten wir nicht als “Marketing-, Management-, HR-, Six-Sigma oder “Preis-Experten”.

Herbert Simon gilt als “Preis-Experte”.
Der Focus feiert ihn als “Bestsellerautor (“Am Gewinn ist noch keine Firma kaputt gegangen” – schon der Titel bürgt für Preis-Experten-Qualität)” und verbreitet die Einsichten, die der Preis-Experte für Unternehmen und über Verbraucher gewonnen hat. Einsichten, die sich auf die Frage reduzieren lassen, kann man gleichzeitig in einem Kanu mitpaddeln und vorausschwimmen? Anders formuliert: Kann man vor seinem Schatten davonlaufen?

Eine kurze Formel.
Die lange Version liest sich wie folgt:

“Herbert Simon rät angesichts der Inflation zu einem kräftigen Schluck aus der Pulle: Unternehmen sollten Preise, die sie von ihren Kunden verlangen, jetzt massiv erhöhen, um nicht selbst in die Verlustzone zu rutschen.
[…]
“Man muss vor die Kostenwelle kommen”, sagt Simon.
[…]
Wer jetzt versuche, über eigene günstige Preise den Wettbewerb auszustechen, gerate selbst in die Defensive: “Das wirkt wie ein Schraubstock auf die Gewinne”, sagt Simon. Angesichts schmaler Renditen im Handel, die oft zwischen drei und vier Prozent liegen, seien bei der derzeitigen Inflationsrate rote Zahlen programmiert. “Wer es nicht schafft, Preissteigerungen oberhalb der Inflationsrate weiterzugeben, rutscht in die Verlustzone”.
[…]
Dass die Verbraucher in den Läden nicht mehr mitkommen, befürchtet Simon nicht. Er glaubt viel mehr, dass die Nachfrage steigen werde, weil allen klar sei, dass gespartes Geld sich von allein entwerte.
[…]
Das Phänomen an der Ladentheke sei das gleiche geblieben, glaubt Simon. Erst versuchten die Verbraucher billigere Alternativen für das Produkt zu finden, das sie sonst bevorzugen. ‘Aber bei Preissteigerungen auf breite[r] Front verlieren sie schnell den Überblick.’ Der Maßstab verschwinde. ‘Der Verbraucher weiß dann nicht mehr, was bilig und was teuer ist. Er kauft einfach.'”

Treffen die Einsichten des Preis-Experten auf Sie zu? Gehören Sie auch zu denen, die Erspartes gehortet haben, um es nun, so schnell wie möglich auszugeben, damit es weg ist und keinen Verlust erfährt? Oder sind Sie eine dieser armen Seelen, die in der Welt von Simon einfach vom Tisch gebürstet werden, weil sie kein Geld, kein Erspartes, einfach nichts haben: Looser in der Preis-Experten-Welt.

Ja, die Preis-Experten-Welt. Sie erinnert an die Welt der Würstels, wie wir deren Bewohner noch in den 1990er Jahren liebevoll genannt haben. Sie wissen schon, diese dürren Gestalten ohne Muskulatur, in Birkenstock und weißen Socken, die sich darin gefallen, ganz schreckliche Dinge zu sagen, die sich in die Rational-Choice-Theorie geflüchtet haben, weil sie denken, die fehlende körperliche Attraktivität durch xxl-coole Sprache wettmachen zu können, kalte rationale Sprache, wie sie in Übernahme des Stereotyps meinten, das so viele irrtümlich teilen. Vermeintlich kalte rationale Sprache, die doch nichts anderes als Zynismus verpackt in Trivialitäten zuwege gebracht hat. Herbert Simon, der xxl-coole Preis-Experte erinnert uns an diese Würstels.

Er kickt all diejenigen, die bei Preissteigerungen nicht mithalten können, weil die Steigerung ihr verfügbares Einkommen schmilzt wie die Sonne Speiseeis, einfach aus dem Spiel. Kann man machen, Unternehmen haben keine soziale Verpflichtung und Leute, die nicht mithalten können, müssen sich eben etwas einfallen lassen, um aufzuschließen. Indes die Verbleibenden, sie gelten Preis-Experte Simon als Trottel, Trottel, die nach ein paar Tagen nicht mehr wissen, dass alles teurer geworden ist und die nicht bemerken, dass die Teuerung ihr Einkommen UND ihr Erspartes abschmilzt, Trottel, die das Geld aus dem Fenster werfen: “Heute leben wir in Saus und Braus und morgen gehören wir zu denen, die Preisexperte Simon aus seinem Spiel gekickt hat”, was notwendig dazu führt, dass das Mehr an Nachfrage, das er sieht, schon weil Inflation Geldwert vernichtet und Erspartes weniger wird, nachlässt, geringer wird, versiegt… Wohl dem Unternehmen, dass es geschafft hat, “vor die Kostenwelle zu kommen”, wie es im Simonschen Geschwafel heißt. Sie haben nun, Umsatz gemacht, Gewinn, Geld gehortet, sitzen auf “Erspartem”, das ihnen über die nachfragelose Zeit hoher Preise hilft, Erspartes, das von der Inflation im Wert reduziert wird … Hmmm, am Ende scheint dieselbe Kröte darauf zu warten, geschluckt zu werden. Das ist kein Wunder, denn Inflation ist, wie der Duden sagt, definiert als “anhaltende allgemeine Erhöhung des Preisniveaus und dadurch bedingter Rückgang der Kaufkraft einer Währung”. Viel Worte um “PREISSTEIGERUNG” als durch Inflation Bezeichnetes zu umschreiben.

Wenn Preissteigerung Inflation beschreibt und Inflation ausmacht, dann hat der “kräftige Schluck aus der Pulle”, dann haben die “massiv erhöhten Preise” von Simon zur Folge, dass die Inflation steigt und der Gewinn, trotz erhöhter Preise sinkt. Auf den ersten Blick ein “marginales” Problem, auf den zweiten eines, das Preissteigerungern verlangt, die so massiv sind, dass die Gewinnmarge gegen die aufgrund der immer schneller steigenden Inflation, wegen der massiv steigenden Preise, die Simon empfiehlt, verteidigt werden kann. Ein totes Rennen, das damit enden wird, dass Simon der Schwimmer vor dem Kanu von Simon dem Paddler im Kanu überholt, vielleicht sogar versenkt werden wird.

Ein hervorragendes Rezept, das Simon verbreitet. Nicht, weil er sich damit selbst versenkt, um in unserem Beispiel zu bleiben, nein, er hat kein “Skin in the game”, er versenkt mit seinen irren Ratschlägen einen Teil der Bevölkerung und heizt das Problem an, das zu lösen er vorgegeben hat. Nun ist ein Unternehmen ja nicht nur Verkäufer, sondern zumeist auch Käufer, Kunde für ein anderes Unternehmen, das, wie das erste Unternehmen, dem Rat von Preis-Experte Simon folgt, und die Preise kräftig erhöht, mit der Folge, dass alle in der Lieferkette nachgelagerten Unternehmen und Kunden höhere Einkaufspreise haben, und ihrerseits nun heftig erhöhen, um nicht nur die “Inflation”, sondern auch die Preis-Experten-Rat folgende Preiserhöhung auszugleichen. Ein nettes Spiel, das als sich selbstverstärkender Prozess in der Realität einfinden wird, einer, bei dem alle verlieren müssen… Es ist, als wollte man seine Gewinnaussichten im Russischen Roulette dadurch erhöhen, dass man statt einer, zwei Kugeln benutzt.

Mit anderen Worten: Ein Preis-Experte, einer, der viel gelesenen Preisexperten, die ihre Unkunde auf vielen Seiten ausbreiten, um denen, die noch unkundiger sind, die Möglichkeit zu geben, zum Preis-Experten-Jünger zu werden. Ich bin ein Simonist.

Unser Rat gegen Inflation: Warten Sie, bis die Inflation bei rund 1000% ist, kaufen Sie dann den Verlag, der Preis-Experte Simon verlegt, auf, für ein paar Trillionen Euros, das ist dann kein Problem, Peanuts, Portokasse, wie man bei der SPD sagt, und werfen Sie den Preis-Experten als ersten aus dem Sortiment.



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