Es ist eine verbreitete Manipulationsmethode unter entsprechend Gesinnten, Leuten, die man im eigenen Sinne zitieren oder verwenden will, eine wissenschaftliche Bezeichnung beizufügen, sie zu einem XY-Wissenschaftler zu machen, in der Hoffnung, man könne damit, das, was sie sagen, aufwerten. Schon diese Beschreibung zeigt, dass diejenigen, die eine solche Notwendigkeit sehen, Merkmale einer Person (im Gegensatz zu Persönlichkeitsmerkmalen) und nicht etwa deren Argumente oder Aussagen zu betonen, nicht in die Klasse der Wissenschaftler gehören, vielmehr Außenstehende sind, die sich mit Lorbeerem schmücken wollen, die ihnen nicht zustehen.
Marcel Fratzscher macht in seinem „Essay“ für „die ZEIT„, ausführlich von dieser Manipulationsmethode Gebrauch. Wir haben seinen „Essay“ hier auseinandergenommen. In diesem Post argumentiert Dr. habil. Heike Diefenbach, warum Fratzscher und Konsorten keine (Sozial-)Wissenschaftler sind und sein können.
Die Reaktion muss der Stärke des Angriffs entsprechen
Am verstörendsten an den Äußerungen Fratzschers ist die vollständige Unbewusstheit hinsichtlich seiner tatsächlichen Qualifikationen und Kenntnisse. Er hat offenbar keine Ahnung davon, dass das, was Leute wie er und die von ihm erwähnten Konsorten, betreiben, alles andere als Sozialwissenschaft ist, und maßen sich einen Status als Sozialwissenschaftler an, nur, weil sie von irgendeiner Uni (die vielleicht und in manchen Fächern mehr als in anderen in den 1950er-Jahren ‘mal einen guten Ruf genossen haben mag) einen Abschluss bekommen haben, der sie als Bachelor, Magister oder gar Doktor für irgendeinen thematischen Bereich ausweist. Aber akademische Titel sind eben nicht das, was einen Wissenschaftler ausmacht, ja, nicht einmal einen gebildeten Menschen.
Ein gebildeter Mensch weiß, dass in einer Gesellschaft, in der Menschen keinen Lebenssinn finden können, jedes moralische Prinzip in den Wind geschrieben wird bzw. Sinn und moralische Prinzipien ersetzt werden durch die Lust, anderen Menschen irgendeinen beliebigen Unsinn aufoktroyieren zu können, um sich selbst überhaupt irgendwie als selbstwirksam – von gewissen Leuten oft als (eigen-/)„mächtig“ missverstanden –, erfahren zu können, eine sterbende, wenn nicht tote, Gesellschaft ist.
In einer Gesellschaft, in der jeder Menschen auf einen Platzhalter für jeden beliebigen Anderen reduziert ist, niemand sich selbst zur Geltung bringen kann, weil er von Gleichschaltung und Gleichstellung zur technokratischen Herstellung von Pseudo-„Gleichheit“ erstickt wird – die als solche niemandem persönlichen Sinn geben kann, weil es sich bei ihr um ein relationales Konzept handelt, d.h. „Gleichheit“ gibt es nur im Verhältnis von etwas zu etwas anderem –, in einer solchen Gesellschaft hat niemand einen Antrieb oder sieht niemand eine Chance, sich mit dem, wer er oder sie ist, was er oder sie kann, zu tun bereit ist, einzubringen. Das dürfte derzeit insbesondere auf jüngere Leute zutreffen, denen es (zumindest bislang) nicht vergönnt war, ein anderes Leben kennenlernen zu können.
Ein Sozialwissenschaftler weiß, dass die erste Qualifikation eines Wissenschaftlers eine menschliche, keine per se wissenschaftliche, ist, nämlich diejenige, zu zweifeln, skeptisch zu sein, nichts ohne Weiteres zu glauben oder vollmundig nachzubeten, was z.B. seine politischen „Herren“ ihm zu verkünden vorgeben.
Für einen Wissenschaftler ist diese Eigenschaft aber insofern besonders wichtig als er sich darüber im Klaren ist, dass es immer Leute gegeben hat, die Wissenschaft – oder treffender: Wissenschaftler – für bloß ideologische Zwecke mißbraucht haben oder missbrauchen wollten, und dass er immer in der Gefahr steht, ein Missbrauchsopfer zu werden. Er weiß, dass seine beste Verteidigung gegen diese Gefahr ist, “to speak truth to power”, d.h. Leuten, die gerade an der „Macht“ sind, zu sagen, was wahr bzw. oder anhand wissenschaftlicher Methoden belegbar ist und was nicht, egal, welche Leute mit welcher Ideologie das gerade sein mögen.
Das ist seine beste Verteidigung, weil ihn das unattraktiv für Missbrauch durch diese Leute macht.
Ein Sozialwissenschaftler kennt seine fachspezifischen Konzepte, so z.B. das Konzept der “system justification”, der Systemrechtfertigung, nach dem Leute – manche mehr als andere, je nach ihrer Lebenssituation und ihren Persönlichkeitsmerkmalen – dazu neigen, existierende wirtschaftliche, politische, soziale Verhältnisse, denen sie unterworfen sind und von denen sie abhängen, zu rechtfertigen, zu verteidigen, gegen Kritik zu immunisieren. Das Konzept basiert auf der sozialpsychologischen Hypothese, nach der Leute ein Bedürfnis haben, die eigene Zufriedenheit mit dem Status quo zu erhöhen, indem sie Gefühle der Unsicherheit, der Bedrohung, u.a. angesichts sozialer Konflikte, zu reduzieren versuchen (s. Jost, John T., 2018: A Quarter Century of System Justification Theory: Questions, Answers, Criticisms, and Societal Applications. British Journal of Social Psychology 58(2): Seite 1).
Ein Sozialwissenschaftler ist im Stande, fachspezifische Konzepte anzuwenden, auch und zuerst auf sich selbst, statt zu meinen, er stünde aus irgendwelchen Gründen über „den Menschen“ (was ihn nicht unbedingt zu einem Über-Menschen machen würde, sondern schlicht zu einem Nicht-Menschen) und sei von allen Sätzen, die Sozialwissenschaftler postuliert haben, per se ausgenommen.
Zu den fachspezifischen Konzepten, die ein Sozialwissenschaftler kennt, gehört auch Robert K. Merton’s Anomietheorie (Merton, Robert K., 1938: Social Structure and Anomie. American Sociological Review 3(5): 672-682), die Merton darauf gründet, dass soziale Strukturen “…a definitive pressure …”, d.h. eine entscheidenden Druck, auf Leute ausüben können, sich in krimineller oder ausbeuterischer oder sonstwie sozial schwerlich wünschenswerter Weise zu verhalten.
Ein Sozialwissenschaftler, der gelernt hat, zur Kenntnis zu nehmen, was in den Sozialwissenschaften bereits erarbeitet und geleistet wurde (was eigentlich selbstverständlich sein sollte, wenn man sozialwissenschaftliche Kompetenz beansprucht), kommt dementsprechend auf die Idee, dass ein Wohlfahrtsstaat, der so weit ausgeweitet wurde, dass er sich zu einer Art steuerfinanziertem Lebensstil entwickelt hat, entsprechend genutzt wird – man kann ausgehend von der ihm ursprünglich zugrundegelegten Idee, nach der materielle Not (die diese Bezeichnung verdient) behoben werden sollte, von Missbrauch oder Ausbeutung sprechen –, eine solche soziale Struktur darstellt; offenbar macht Gelegenheit Diebe.
Wenn eine neue Volkspartei in einer Gesellschaft entsteht, dann ist dies für einen Sozialwissenschaftler Grund genug, zu untersuchen, warum so vielen Menschen die Neigung, das bestehende System zu rechtfertigen und zu verteidigen, abhanden gekommen ist, und welche sozialen Strukturen entstanden sind, die so viele Menschen als Anreize zu missbrauchs- und ausbeuterischem Verhalten setzend wahrnehmen – wenn es schon nicht Sozialwissenschaftler sind, die solche Strukturen identifizieren können oder wollen und diejenigen an der politischen „Macht“ (aber nicht unbedingt Herrschaft Ausübende) auf die Gefahren, die mit solchen Strukturen verbunden sind, hinweisen, wie es ihre Aufgabe wäre.
Warum erfüllen Leute wie Fratzscher und Konsorten diese Aufgabe nicht?
Warum betreiben sie selbst “system justification”, und warum wollen oder können sie soziale Strukturen, die Anreize zu missbräulichem oder ausbeuterischen Verhalten setzen, nicht als solche identifizieren?
Die einfachste Antwortmöglichkeit lautet: sie sind keine Sozialwissenschaftler, oder sie sind als solche schlichtweg unqualifiziert.
Dafür spricht auch, dass sie es vorziehen, Leute, die Kritik an den bestehenden Verhältnissen üben, von vornherein als angstbesetzt, dumm oder schlicht böse zu qualifizieren, als eine nüchterne Bestandsaufnahme darüber vorzunehmen, welche sozialen Strukturen Mißbrauch und Ausbeutung inwieweit ermöglichen oder gar einladen.
Und das verweist m.E. auf ihre Qualität als Menschen:
Eine nüchterne Bestandsaufnahme darüber vorzunehmen, welche sozialen Strukturen Mißbrauch und Ausbeutung inwieweit ermöglichen oder gar einladen, impliziert durchaus nicht, dass Leute, die sich entsprechend verhalten, angestbesetzt, dumm oder böse sein müssten; vielmehr verhalten sie sich situationsbedingt rational: warum nicht nehmen, was angeboten, wird, besonders dann, wenn man beobachtet, dass „alle“ anderen das auch tun und tun können, ungeachtet der Frage, ob sie jemals irgendeinen gesellschaftlichen Beitrag erbracht haben oder nicht?! Eine solche Betrachtung zielt also nicht darauf ab, Leute zu verurteilen. Demgegenüber verweist der Versuch, Leute, die Kritik an den bestehenden Verhältnissen üben, von vornherein als angstbesetzt, dumm oder schlicht böse zu qualifizieren, auf niedrige Motive; sie sollen verurteilt werden.
Und eine Unfähigkeit zum logischen Denken ist bei Fratzscher ebenfalls zu konstatieren: Wenn er Leute, die Kritik an den bestehenden Verhältnissen üben, von vornherein als angstbesetzt, dumm oder schlicht böse, jedenfalls als „Gegner“, qualifiziert, dann ist das letztlich ein moralisches Urteil, und dass jemand, der meint, Moralität komme einer vernünftigen Diskussion ins Gehege, bloß ein moralisches Urteil fällt, statt sich für eine vernünftige Diskussion offen zu zeigen, ist ein Widerspruch, von dem ich nicht weiß, wie ein zum logischen Denken fähiger Mensch mit ihm leben kann.
“Erkenne dich selbst” ist eine Maxime, von der Pausanias berichtet, sie habe über dem Orakel von Delphi gestanden. Vielleicht hat sie über dem Orakel gestanden, weil niemand seine eigene Zukunft und seinen eigenen Platz auf dieser Erde so gut vorhersehen bzw. bestimmen kann wie man selbst.
Als Sozialwissenschaftler sind Fratzscher und Konsorten fehl am Platz, und würden sie sich selbst kennen, wüssten sie das, und sie wüssten dementsprechend, dass es sie nur in Schwierigkeiten oder gar Verruf bringen kann, wenn sie als Sozialwissenschaftler zu posieren.
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Es gibt solche die aus Unwissenheit aber auch mit voller Absicht falsches
Zeugnis ablegen.
Vor Jahren habe ich vor einem Kölner Gericht zwei Gutachter darunter ein Prof. der Befangenheit überführt.
Der Prof. entschuldigte sich mit dem Argument “ er sei denen verpflichtet um Fördergelder und Lehrmaterial zu erhalten“
Der von der Handwerkskammer begründete es mit der Auftragsvergabe.
Am Ende verfallen alle diese dem „Schmiergeld“. Dumm sind sie nicht.
Den das Verlogene einzubinden erfordert schon gewissen Sachverstand.
Danke für den Beitrag.
Als normaler Bürger hat man ja immer bei jedem Beitrag von Fratzscher, Hirschhausen und Co. das unbestimmte Gefühl, dass es einfach nur Lohnschreiber sind, die für ihren abgesonderten Quatsch bezahlt werden.
Man muss als Lohnschreiber für politische Ideologie jedoch wahrscheinlich auch auf psychologischer Ebene einen Schaden haben, um nicht zu bemerken, was man mit seinem Verhalten gesellschaftlich anrichtet und auf wessen Seite man sich stellt.
Diese Leute sind einfach ohne jegliches Ehrgefühl.
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Es gibt solche die aus Unwissenheit aber auch mit voller Absicht falsches
Zeugnis ablegen.
Vor Jahren habe ich vor einem Kölner Gericht zwei Gutachter darunter ein Prof. der Befangenheit überführt.
Der Prof. entschuldigte sich mit dem Argument “ er sei denen verpflichtet um Fördergelder und Lehrmaterial zu erhalten“
Der von der Handwerkskammer begründete es mit der Auftragsvergabe.
Am Ende verfallen alle diese dem „Schmiergeld“. Dumm sind sie nicht.
Den das Verlogene einzubinden erfordert schon gewissen Sachverstand.
Danke für den Beitrag.
Als normaler Bürger hat man ja immer bei jedem Beitrag von Fratzscher, Hirschhausen und Co. das unbestimmte Gefühl, dass es einfach nur Lohnschreiber sind, die für ihren abgesonderten Quatsch bezahlt werden.
Man muss als Lohnschreiber für politische Ideologie jedoch wahrscheinlich auch auf psychologischer Ebene einen Schaden haben, um nicht zu bemerken, was man mit seinem Verhalten gesellschaftlich anrichtet und auf wessen Seite man sich stellt.
Diese Leute sind einfach ohne jegliches Ehrgefühl.