Wie die Regierungen ihre Bevölkerung zensieren/schützen: YOUTUBE Löschdaten

Die Regierungen in Europa nehmen ihre Aufgabe, die eigene Bevölkerung vor Inhalten zu schützen, die sie nichts angehen oder die aus anderen Gründen zensiert werden, sehr ernst. Dies zeigt die neueste Statistik (euphorisch als “transparency report” bezeichnet) von YOUTUBE, die die Forderungen nach Löschung, die Regierungen an YOUTUBE gestellt haben, zusammenstellt. Schon das erste Datum zeigt, wie sehr Regierungen um unser aller Wohl besorgt sind. Die Anzahl der von Regierungen gestellten Forderungen, dass Inhalte auf YOUTUBE gelöscht werden sollen, die im zweiten Halbjahr 2009 noch 1.031 betragen hat, ist im ersten Halbjahr 2017 auf 19.176 angeschwollen. Waren es im zweiten Halbjahr 2009 noch 41.772 Clips oder Videos, die gelöscht werden sollten, waren es im ersten Halbjahr 2017 schon 76.714. Die häufigsten Gründe, die für die Löschung angegeben werden, gehören in die Bereiche von „Privatheit und Sicherheit“ bzw. „Nationaler Sicherheit“. In ca. 80% der Fälle kommt YOUTUBE den Forderungen der Regierungen auch nach.

Um welche Forderungen es sich dabei u.a. handelt, zeigen die folgenden Beispiele aus Deutschland, die ebenso zeigen, wie private Motive über Regierungen transportiert werden, wie sie zeigen, dass das Jugendrecht in Deutschland eine optimale Grundlage der Zensur bietet.

Request
The German government requested that we restrict a YouTube video for violating local youth protection laws. The video’s soundtrack is a rap song that contains violent imagery and implicitly glorifies Al Qaeda and the Charlie Hebdo attack.
Outcome
We restricted access to 3 videos on YouTube in Germany.

Request
We received a request from the Minister of Justice of the Federal State Rheinland Pfalz to remove an image from Image Search on google.de depicting him as a supporter of Islamic Sharia law in Germany.
Outcome
We did not remove content.

Request
We received a request to remove 70 YouTube videos for allegedly violating the German Children and Young Persons Act.
Outcome
We restricted some of the videos from view in Germany in accordance with local laws.

Betrachtet man die Gründe, aus denen die deutsche Regierung (oder Gerichte) die Löschung von Posts auf YOUTUBE verlangen, dann stehen an erster Stelle “Privatheit und Sicherheit” (39%), gefolgt von diffamierenden Inhalten (28%). Hate Speech, um die so viel Aufhebens unter Heiko Maas gemacht wurde, schlägt mit genau 4% der Forderungen auf Löschung zu Buche, in einem Fall wurde von der deutschen Regierung verlangt einen Beitrag zu löschen, in dem die deutsche Regierung kritisiert wird.

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland in der Spitzengruppe der Lösch- und Zensierwütigen. Gemessen an der Anzahl der Forderungen auf Löschung, die YOUTUBE seit 2009 erhalten hat, rangiert Deutschland an sechster Stelle. Gemessen an der Anzahl der Clips oder Videos, auf die sich die Löschforderung bezogen hat, liegt Deutschland an siebter Stelle. Die Abbildungen zeigen, dass Russland und das Vereinigte Königreich, in denen zu 81% bzw. 71% Löschungen wegen „Nationaler Sicherheit“ verlangt werden, Spitzenreiter mit Bezug auf die Anzahl der Löschforderungen (Russland) oder die Anzahl der zu löschenden Clips/Videos (Vereinigtes Königreich) sind. Sie werden gefolgt von der Türkei bzw. Spanien, an dritter Stelle haben sich die USA festgesetzt.

Insgesamt zeigen die Daten wie normal es mittlerweile geworden ist, dass Regierungen das, was ihre Bürger im Internet zu sehen bekommen, zensiert bzw. aus dem Netz entfernt sehen wollen.

Wie gut, dass Regierungen auf ihre Bürger aufpassen und dafür sorgen, dass sie nichts zu Gesicht bekommen, das ihre Kenntnisse in einer ungewünschten und (für Regierungen?) schädlichen Weise erweitern könnte. Wie gut, dass Regierungen bereit sind, für ihre Bürger zu entscheiden, was gut für sie ist. Und wie gut, dass es das deutsche Jugendrecht gibt, das es erlaubt, den Jugendschutz zum Vorwand zu nehmen, um allen, Jugendlichen wie Erwachsenen, den Zugang zu dem, was die Regierung für unangemessen hält, vorzuenthalten.

Manipulation heißt jetzt Verhaltensbeeinflussung – ziviler Ungehorsam als Gegenmittel

  • Wann stehen Sie auf? Nach 8 Stunden Schlaf? Weniger ist ungesund, mehr ist zu lang!
  • Trinken Sie Alkohol? Mehr als die empfohlene Tagesdosis? Wenn ja, das ist ungesund, hören Sie damit auf?
  • Essen Sie gerne Schokolade, viel Schokolade, am Ende noch Nutella am Morgen? Das ist ungesund! Hören Sie damit auf!
  • Joggen Sie? Treiben Sie Sport? Treiben Sie ausreichend Sport? Ausreichend Sport zu treiben, ist wichtig für die Gesundheit. Fangen Sie damit an!
  • Kümmern Sie sich genug um Ihre Familie? Mindestens 2 Stunden pro Tag und nach der Arbeit sind Pflicht, vor allem für Väter.
  • Sehen Sie mehr als 2 Stunden pro Tag fern? Das ist nicht gut. Reduzieren Sie Ihren Fernsehkonsum!
  • Wie viele Stunden am Tag verbringen Sie vor dem Computer? Mehr als zwei? Auch falsch, weniger ist mehr. Kümmern Sie sich lieber um Ihre alten Eltern!
  • Sind Sie Organspender? Nein! Das geht nicht. Organsspende ist gelebte Solidarität. Deshalb noch heute einen Organspendeausweis beantragen!
  • Beziehen Sie Ökostrom? Wieso nicht? Sie werden doch wohl einen leicht höheren Preis bezahlen, um die nächsten Generation zu schützen?
Goebbels beim Schubsen

Goebbels beim Schubsen

Wieso wollen Sie eigentlich partout das nicht tun, was Ihre Regierung für richtig hält? Die Regierung sitzt nämlich voller Hyper-Intelligenter, die genau wissen, was gut für sie ist. Und zudem haben diese Hyper-Intelligenten ausschließlich und nur und vor allem und ansonsten nichts als ihr Wohl im Sinn. Also, warum zögern Sie, warum machen Sie nicht alles so, wie Ihre Regierung das will?

Nachdem freiwillige Appelle an die Bevölkerung, das Rauchen einzustellen, den Alkoholkonsum zu stoppen, die Arbeitszeit zu halbieren und vor allem die Produktion von Menschenmaterial zu erhöhen, nicht gefruchtet haben, hat sich die Bundesregierung entschlossen, den Rat von noch mehr Hyper-Intelligenten zu beherzigen und die eigene Bevölkerung zu schubsen, in die richtige Richtung zu schubsen, die richtige Richtung, in die die Bevölkerung von sich aus und nicht als ganzes zu gehen bereit ist.

Grundlage des Schubsen, so schreibt die FAZ ist:

“die Annahme, dass Menschen oft falsche, weil für sie langfristig ungünstige Entscheidungen treffen. Sie essen zu viel, sie rauchen, treiben zu wenig Sport oder sparen wenig für ihre Altersvorsorge, was sie später bereuen. Mit Hilfe einfacher psychologischer Methoden könnte man das Verhalten beeinflussen und die Entscheidungsfindung verbessern – so die von der Politik begierig aufgegriffene These von Thaler und Sunstein.”

Thaler und Sunstein sind zwei Ökonomen, die uns an dieser Stelle nicht weiter interessieren müssen. Sie gehören zu einer Fraktion von behavioural economists, die die Forschungsergebnisse von Amos Tversky und Daniel Kahneman nicht begreifen. Tversky und Kahneman haben wiederholt gezeigt, dass die Annahmen, auf denen der Idealtypus des rationalen Akteurs basiert, nicht für alle Menschen gelten, dass Menschen Entscheidungen aufgrund der unmittelbaren Umstände und aufgrund von Heuristiken treffen, die sich häufig als falsch erweisen.

Auf Basis dieser Ergebnisse bauen Thaler und Sunstein nun ein Kartenhaus, über dessen Eingangsschild dieses Mal nicht “Arbeit macht frei” steht, sondern: “Wir wissen, was gut für Dich ist”. Kein Wunder, dass Regierungen, die sich nurmehr darüber legitimieren, dass sie ihren Bevölkerungen vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben, zu Thaler und Sunsteins Methode der Selbstüberschätzung hingezogen sind und nun denken, mit der Methode habe sich ihnen alles Weltwissen mitgeteilt.

Klicken Sie, um in die richtige Richtung geschubst zu werden!

Klicken Sie, um in die richtige Richtung geschubst zu werden!

Nicht nur kommt das Wissen darüber, was gut für die Bevölkerung ist, auf die Regierung hernieder, auch das Wissen darüber, wie man die Bevölkerung dazu bringt, das zu tun, was gut für sie ist. Wir haben es somit mit einem doppelten Irrtum zu tun, einen gefährlichen, doppelten Irrtum, den eigentlich nur unintelligente und beseelte Wahnsinnige machen können, dem Irrtum, man könne anderen durch Planung zum Glück verhelfen, quasi deren Leben für sie leben.

Dieser Irrtum hat eine lange Tradition und ist in den vielen Versuchen, Sozialismus zu leben, am besten dokumentiert. Warum es notwendig sein soll, all die gescheiterten Versuche, die eigene Bevölkerung zu planen und zu führen, abermals zu wiederholen, nur um zu sehen, dass sie wieder scheitern, ist nicht nachvollziehbar und fasst ist man versucht, ein paar Überlebende des real existierenden Sozialsmus zu bitten, die Regierung in die richtige Richtung zu schubsen …

Aber nein, die Regierung wird nicht geschubst, die Hyper-Intelligenten in der Regierung, die immer genau wissen, was für Hans Peter Hampflinger in Obersuhl wichtig und richtig ist, sie wollen schubsen, damit Hans Peter Hampflinger 105 Jahre alt wird und sein Leben korrekt lebt, so wie es sich nach Ansicht der Regierung für ein normales und gutes Leben geziemt. Vorbei sind die Zeiten, in denen man nach seiner Fasson leben konnte, rauchen, trinken, auf der Couch sitzen nach Lust und Laune. Bald gibt es wieder Volksertüchtigung. Morgens ab 6 Uhr: Treffen auf dem Dorfplatz zur Körperertüchtigung.

Wieder die FAZ: “Kanzlerin sucht Verhaltensforscher; Psychologen, Anthropologen und Verhaltensökonomen sollen her und Angela Merkel helfen: Die Regierung will wirksamer regieren und den Bürgern einen Schubs in die „richtige“ Richtung geben.”

Kinder und Jugendliche werden in eigens eingerichteten Erfahrungsgruppen gesammelt, damit man sie in die richtige Richtung schubsen kann, die Richtung, die ihrem Leben den entscheidenden Twist gibt, damit sie ein gesundes Leben führen und immer genau wissen, was von ihnen erwartet wird.

Was ist eigentlich schlimmer:

  • zu wissen, es gibt Wissenschaftler, die sich anmaßen, sie wüssten, was für andere gut ist und diese Anmaßung auch noch als Wissenschaft verkaufen?
  • zu wissen, es gibt eine Regierung, die sich aus Personen zusammensetzt, die doch tatsächlich der Meinung sind, sie wüssten in irgend einem Punkt mehr über das Leben von Hans Peter Hampflinger als Hans Peter Hampflinger selbst über sein Leben weiß?
  • zu wissen, dass es Menschen in Entscheidungspositionen gibt, die nicht davor zurückschrecken in das Leben anderer zu intervenieren, ihnen vorzuschreiben und vorzugeben, wie sie wann und wo zu leben haben?
  • zu wissen, dass man von einem Haufen von Leuten regiert wird, die sich selbst überschätzen, die nicht in der Lage sind, ihre eigenen Beschränkungen zu sehen und doch tatsächlich denken, sie seien im Vollbesitz der Wahrheit und dies befähige sie, anderen zu sagen, was schlecht für sie ist?

Gar nicht so einfach, sich für eine der Alternative zu enscheiden.

Platon hat Sokrates die Worte in den Mund gelegt (hier in der Kurzform): “Ich weiß, dass ich nichts weiß”. Ob Sokrates dies nun gesagt hat oder nicht, sei einmal dahingestellt. Mit dem kurzen Statement will Platon die geistige Überlegenheit von Sokrates deutlich machen, seine geistige Reife, die einem Erkenntnisprozess folgt, eine geistige Reife, die man nachvollziehen kann, wenn man sich intensiv mit einem Thema auseinandergesetzt hat und mit jeder neuen Erkenntnis einen Wust von Fragen aufgeworfen hat, von denen man vor der neuen Erkenntnis nichts geahnt hat.

Politiker und angebliche Wissenschaftler, die denken, sie könnten für andere bestimmen, was gut für sie ist, können einen deratigen Erkenntnis-Prozess nie erlebt haben. Sie können nie einen Forschungsbereich so durchdrungen haben, dass sich ihnen trotz all der Erkenntnisse, die sie hatten, immer neue und immer mehr Fragen gestellt haben, Fragen, die auf Dinge verwiesen haben, die sie nicht kennen und Fragen, die sie haben vorsichtig werden lassen, vorsichtig in dem, was sie behaupten und in jedem Fall vorsichtig in dem, was sie anderen erzählen, ihnen raten.
Politiker und Thaler und Sunstein kennen diese Vorsicht nicht. Sie wissen genau, sind gewiss, kennen die Wahrheit, sie sind gefährlich, denn sie behaupten, sie könnten die Zukunft vorhersehen und für jeden einzelnen sein Leben so zimmern, dass es optimal verläuft (wobei sich immer die Frage stellt, optimal im Hinblick auf welche und wessen Kriterien).

 

Gegen solche politische Großmannsucht gibt es nur eine Form, sich zur Wehr zu setzen: ziviler Ungehorsam. Gegen eine solche Großmannsucht wird ziviler Ungehorsam zur Pflicht, um Schlimmeres zu verhindern. Also: keine Organe spenden, Rauchen, Trinken, keine GEZ Gebühren zahlen, Steuern nicht bedingungslos zahlen, zeigen, dass man sich nicht zu Spielball politischer Möchtegern-Götter macht und niemals machen wird, Unabhängig leben: keine Kinde, keine Ehe und keine zivile Partnerschaft … – uns scheint, das Überleben der Menschheit hängt davon ab, diesen Besserwissern ohne Kompetenzen, ihre Grenzen aufzuzeigen.

Nutznießer-Domino: Weiterbildung zum Jungenarbeiter*

Das Bundesforum für Männer, eine von Steuerzahlern finanzierte Veranstaltung, deren Wert sich uns bislang nicht erschlossen hat, hat im neuesten Newsletter auf eine Weiterbildung zum Jungenarbeiter hingewiesen, die von der Landesarbeitsgemeinschaft Jungenarbeit Baden-Württemberg e.V. angeboten wird, und zwar in Kooperation mit der Aktion Jugendschutz, dem Paritätischen Jugendwerk, mit “Pfundskerle” Fachstelle Jungen- und Männerarbeit Tübingen, der Akademie der Jugendarbeit, dem Kommunalverband Jugend und Soziales Baden Württemberg und der LAG Mädchen Politik. Finanziert wird das Ganze vom Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren des Landes Baden-Württemberg, und damit sich das Ganze für die Veranstalter lohnt, müssen Teilnehmer noch einen Obolus von 950 Euro für die Teilnahme entrichten. Dafür erhalten sie am Ende ein Zertifikat, das sie als weitergebilderter “Jungenarbeiter*” ausweist.

ajsDie ganze Weiterbildung ist ein perfektes Beispiel dafür, wie sich Netzwerke bilden, deren Zweck darin besteht, sich gegenseitig zu beschäftigen und zu unterhalten und sich ein Einkommen aus dem Säckel der Steuerzahler zu sichern, und zwar mit einer Dienstleistung, deren Nutzen nicht benennbar ist, eben der zertifizierten Weiterbildung zum Jungenarbeiter:

Der zertifizierte Jungenarbeiter ist zum geschlechterbewussten Handeln in der Arbeit mit Jungen fähig, das wird dadurch erreicht, dass er sich im Rahmen der Weiterbildung “kontinuierlich begleitet von zwei Experten und zusätzlich angeregt von externen Referent*innen” … “Anliegen, Haltungen und Arbeitsweisen fundiert” erarbeitet. Damit nicht genug, werden doch zudem im Rahmen der Weiterbildung “der eigene Stand und die Haltung in der Arbeit mit Jungen reflektiert und zum anderen werden theoretische Ansätze in geeigneter Form mittels Inputs, Vorträgen und Literatur besprochen. Übungen zur Selbsterfahrung sowie gelingende Methoden für unterschiedliche Settings … werden erprobt”.

Kurz: Der zertifizierte Jungenarbeiter kann also irgend etwas Geschlechterbewusstes machen, was auch immer es ist und wofür auch immer es gut sein soll. Er hat sich Anliegen und Haltungen erarbeitet und fundierten Input in geeigneter theoretischer Form besprochen, und Selbsterfahrung, die hat er auch. Bleibt nur noch zu klären, ob es Jungen gibt, die zertifizierte Jungenberater nachfragen, die sich selbst ein unbekanntes Anliegen und eine ebenso unbekannte Haltung mit einen völlig unbekannten, aber fundierten Input erarbeitet haben.

Paritätisches Jugendwerk

Paritätisches Jugendwerk

Allerdings gibt es das, dessen Nutzen und Zweck man nicht benennen kann, von dem man nur sagen kann, dass es halt geschlechtsbewusst ist, nicht umsonst, nein, man muss es sich in sieben Modulen und an insgesamt 15 Tagen, die sich über den Zeitraum von einem Jahr schleppen, in Karlsruhe ersitzen und zudem ein “Expert*innen-Interview” führen und schriflich ausarbeiten. Und natürlich muss man die Seminarliteratur lesen. Vor allem die Experteninterviews, nein die Expert*innen-Interviews lassen hoffen, auf Experteninterviews, wozu auch immer, in schriftlicher Ausarbeitung. Der Versuch, den Anschein wissenschaftlicher Arbeit aufrecht zu erhalten, ist wirklich bemerkenswert, bemerkenswert, weil er zeigt, wie weit die Veranstalter von wissenschaftlichem Arbeiten entfernt sind (es ist eher nicht so, dass man in der Wissenschaft sagt: “Ey, mach’ doch mal ein Experteninterview, pardon, ein Expert*innen Interview”).

Angesichts dieses vielversprechenden Angebots haben wir uns die Besetzung
des “Seminars” mit “zwei Experten” und externen “Referent*innen” etwas genauer angesehen, und zwar entlang einiger “Lern-Module”.

  • Modul 1 beschäftigt sich mit “Grundlagen der Jungenarbeit und der geschlechterbezogenen Arbeit mit jüngeren Jungen”. Verantwortlich sind Armin Krohe-Amann und Kai Kabs-Ballbach, die für sich die pädagogische Leitung des ganzen Zertifizierungs-Zirkusses beanspruchen, und bei denen es sich vermutlich um die angekündigten beiden Experten handelt, die die Seminarteilnehmer “kontinuierlich begleiten”.
    Pfundskerle

    Pfundskerle

    Sie sind die beiden Vorstände der Landesarbeitsgemeinschaft Jungenarbeit e.V. Baden-Württemberg, beide sind Dipl. Päds. Kai Kabs-Ballbach ist zudem noch als Bildungsreferent des Paritätischen Jugendwerks tätig – also bei einem der Kooperationspartner. Und wen wundert’s: Armin Krohe-Amann ist zudem Geschäftsführer des nächsten Kooperationspartners, nämlich von Pfundskerle e.V. der Fachstelle “Jungen und Männerarbeit in Tübingen”. Eine Hand wäscht hier die andere.

  • Pundskerle bieten übrigens Hilfe bei Lebensfragen unter den Motti: “Leben ist ein Abenteuer, Leben heißt Bewegung und heißt sich bewegen”. Das lässt einiges befürchten, für die zertifizierte Weiterbildung zum Jungenarbeiter, etwa in der Form: “Junge sein ist ein Abenteuer. Junge sein heißt Bewegung, heißt sich bewegen (- jedenfalls kannst Du nicht bleiben, wie Du bist).” Hinzu kommt Hilfe bei Gewalt durch Pundskerle e.V., unter dem Motto: Gewalt ist bedrohlich, zerstört Beziehungen und am Ende verlieren alle”. Das Angebot richtet sich, wie könnte es anders sein, an diejenigen, die in ihrer Partnerschaft gewalttätig geworden sind, nicht etwa an Opfer von Gewalt, die es unter den Pfundskerlen wohl nicht gibt. Und wer angesichts dieser platten Vorurteile jetzt den Drang verspürt, seinerseits gewalttätig zu werden, der mag sich an Pundskerle e.V. oder den dortigen Geschäftsführer wenden.
  • Modul 2 konstruiert Geschlecht und “Cross-Work” und beschäftigt sich mit dem Evergreen: “Mit dem anderen Geschlecht arbeiten”. Dieses Evergreen hat man Jahrtausende lang nicht als die Schwierigkeit erkannt, die es anscheinend für manche nicht-Arbeiter darstellt, aus geschlechterbewusster Sicht. Aber jetzt gibt es zu unser aller Glück Claudia Wallner, die von sich sagt, dass sie ein “politisch denkender Mensch ist”. Und das leitet sie in ihrer Arbeit. Ja.Und dann ist ihr noch wichtig: “meinen Beitrag zu leisten an der Weiterentwicklung einer gleichberechtigten Gesellschaft, die nicht länger Menschen in unterschiedlich wertvolle Kategorien einsortiert, je nach Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, sozialer Schicht oder Bildung. Insofern ist Mädchenarbeit, ein wesentliches Thema meiner Arbeit”. Angesichts der Fähigkeit von Wallner, in nur zwei Sätzen einen Widerspruch zu produzieren, und sich einmal gegen die Kategorisierung nach Geschlecht zu wenden, um sich dann für Mädchenarbeit einzusetzen, also eben doch nach Geschlecht zu kategorisieren, kann man die Qualität von Modul 2 auch ohne daran teilzunehmen, gut einschätzen. Aber: Wallner ist selbständig und vermutlich waren ihr Krohe-Amann und Kabs-Ballbach einen Gefallen schuldig.

Und so geht es weiter in den Modulen, in denen die Vortragenden alte Spezis sind, die im gemeinsamen Nepotismus aufgehen und sich durch verschiedene Veranstaltungen tingelnd die Türklinke in die Hand geben.

  • KraftprotzEtwa in Modul 3, in dem es um “Prävention (wovon?) mit Jungen oder ‘einfach’ mit Jungen arbeiten. Körperlichkeit und Kampfesspiele” geht. Kampfspiele betreibt Josef Riederle, und zwar als geschützte Wortmarke: beim Bundespatentamt (Register-Nr.:30758830): “Nur Personen, die die gesamte Anleiterweiterbildung (72 UE) absolviert haben, bekommen die Erlaubnis, den Begriff Kampfesspiele zu nutzen und damit mit Jungen zu arbeiten”. Also schreiben wir hier von Kampfspielen (und sparen uns ein “es”), das ist zumindest nicht als Wortmarke geschützt. Die geschützten Kampfspiele werden von Kraftprotz (noch eine geschütze Wortmarke) – Bildungsinstitut (nicht geschützte Wortmarke) für Jungen und Männer vertrieben und sorgen bei Jungen für einen positiven Umgang mit männlicher Kraft und Aggression, einer Stärkung des Selbstvertrauens und der Handlungsfähigkeit, einer Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen und eine Erfahrung von Werten.Das alles und noch viel mehr wird neuerdings nicht mehr in 72 UEs, sondern in 88 Übungseinheiten vermittelt, aus denen der geschulte Kampfspieler (das patentierte “es” bitte bei Bedarf einfügen), der sich nunmehr auch als solcher (mit patentiertem “es”) bezeichnen darf, hervorgeht, und zwar mit umfassenden Kenntnissen: so weiß er darum, dass Jungen raufen wollen, kennt die Grundsätze der gewaltpräventiven Arbeit mit Jungen, hat Einblicke in eine männliche Sozialisation, ein Mysterium, das bislang den meisten Menschen auf diesem Planeten verborgen geblieben ist, kann de-eskalieren, was auch immer, und kennt die Grenzen pädagogischer Arbeit, was sehr wichtig ist, damit man sagen kann, warum die eigene Arbeit keinen Erfolg erbracht hat. Schließlich kann ein Kampfspieler (plus patentiertes “es”) die eigene Präsenz steigern (wow!), und er hat sich mit Ehre und Scham auseinandergesetzt, und zwar bevor er Schiedsrichterkompetenz erwirbt. Und ganz zum Schluss, ganz am Ende, lernt der Kampfspieler (“es” !) die “sinnstiftende und fördernde Gestaltung von Angeboten für Jungen u.a. durch Rituale”.

Und so geht es weiter mit Olaf Jantz und Uli Boldt ehe im letzten Modul all diejenigen, die bis dahin ausgehalten haben, mit dem Pädagogen Reinhard Winter geschlagen werden.

  • Reinhard Winter hat ein Buch über den Sachgegenstand “Jungen” geschrieben, mit dem Untertitel: “Eine Gebrauchsanweisung”. Es sind derartige Untertitel, die deutlich machen, dass man das Buch nicht weiter lesen muss. Wer es dennoch tut, der erhält, wie man im Feuilleton der FAZ nachlesen kann, Hinweise zu Dingen, die er bislang nicht wusste: Es tue Jungen gut, so folgert Winter auf Basis einer “schlecht nachvollziehbaren Psychoanalyse”, wie es in der FAZ heißt, wenn die Rollenverteilung in der Familie klar sei: “ich Tarzan, du Jane”. Die Schule, so weiß Winter, ist für “Jungen eine extreme soziale Situation …, denn dort stecken sie in der Vergleichsfalle: Ihre hingeschnunzten Hausaufgaben werden stets mit den sorfälig ausgemalten Heften der ohnehin in ihrer Entwicklung weiter fortgeschrittenen Mädchen verglichen …”.

Weiter?

Können Sie noch weitere platte Vorurteile ertragen?

  • Gut. Weitere Fragen, die Reinhard Winter für besonders relevant im Bezug auf die Erziehung von Jungen, jenen unbekannten Wesen, die über Jahrtausende von Personen erzogen wurden, die keine Ahnung hatten, mit wem sie es zu tun haben, für relavent hält, Fragen wie diese: “Bis zu welchem Alter darf die Mutter ihren Sohn küssen? Soll ich meinem Sohn helfen, wenn er gemobbt wird?” Wie schaffe ich es, mit einem Jungen zu reden?” Man sieht, der Untertitel ist kein Zufall. Für Winter sind Jungen tatsächlich Sachen, die man als ebensolche behandeln muss, denn Jungen sind nicht in der Lage, ihrer Mutter zu sagen, dass sie mit ihrem ständigen Geküsse nervt oder ihr zu sagen, dass sie sich mit ihrer Hilfeserotik besser an ihre Altersklasse hält. Jungen sind nicht in der Lage, den Mund aufzumachen und um Hilfe zu bitten, wenn sie sie wollen und man kann sie auch nicht fragen, nein, ob sie Hilfe wollen, muss über ihre Köpfe hinweg entschieden werden. Sie sind eben Sache, Objekt, das man in die eine oder die andere gewünschte Richtung schiebt, natürlich immer mit der Behauptung, dass man nur ihr Bestes wolle und was soll man auch anderes, als über ihre Köpfe entscheiden, schon das Reden ist ja bekanntlich ein Problem, das Reden mit dieser seltsamen Spezies, die die Menschheit seit Anbeginn in ihren Reihen kennt und mit der umzugehen sie erst heute und durch die Hilfe von Reinhard Winter lernt.

Und damit reicht es (uns jedenfalls).

Geld aus dem Fenster werfenDas Einzige, was wir noch anzufügen haben, ist der Hinweis darauf, dass die “Weiterbildung zum Jungenarbeiter*”, die keinerlei erkennbaren Nutzen erbringt, ein vollständiges “Input”-Geschäft ist. Mit anderen Worten: Die Steuerzahler in Baden-Württemberg werden zur Ader gelassen, um dieses Mal nicht das Mädchen- und Frauennetzwerk dabei zu unterstützen, Steuergelder zu verbrennen, sondern das Jungen und Männernetzwerk, das nicht minder dazu fähig ist, Steuermittel zu verkonsumieren, also ohne Mehrwert zu verschleudern. Es wäre für das Bruttosozialprodukt in jedem Fall sinnvoller, die Mittel, die für die “Weiterbildung zum Jugendarbeiter*” verschwendet werden, 20 ausgewählten Gesellen aus der der Arbeiterschicht in die Hand zu drücken, mit dem Auftrag, sich selbständig zu machen.

Falls jemand denkt, wir sind hier mit den Jungenarbeitern zu hart ins Gericht gegangen, wir lassen uns gerne weiterbilden. Schicken Sie uns Studien und Untersuchungen, die belegen, dass von dem, was im Rahmen der weiterbildung zum Jungenarbeiter als “Input” vermittelt wird, nachweisbar auch nur ein positiver Effekt auf Jungen ausgeht, der ihnen keine Gewalt antut, sie nicht nach eigenem pädagogischem Gutdünken zu dem umerzieht, was für die Sache “Junge” angeblich richtig ist.

Was man übrigens mit dem Zertifikat macht, das am Ende übergeben wird, ist vollkommen unklar, schon weil die vergebende Stelle in keiner Weise befugt ist, Biildungszertifikate auszustellen. Entsprechend dürfte das vermeintliche Zertifikat eine Form der Brownie Points sein, die Novizen im Netzwerk der dieses Mal Jungen-und-Männerberater-Sekte die nächste Stufe der Hierarchie erreichen lässt, die ihnen Zugang zu zukünftigen aus Steuergeldern finanzierten Maßnahmen verschafft.

Schau Hin! […] – “Was für ein Dreck!” (O-Ton, Dr. habil. Heike Diefenbach)

Im Speckgürtel des Bundesministerium für FSFJ hat sich eine Aktion eingenistet, die Eltern zeigt, wie man richtig mit neuen Medien und mit alten Medien umgeht. SCHAU HIN! heißt die Aktion, deren Initiatoren ganz offensichtlich davon ausgehen, dass Eltern behinderte Deppen sind, die keinerlei eigenes Urteilsvermögen und keinerlei Kenntnisse in der Erziehung ihrer Kinder haben, schlimmer noch: Eltern könnten eigene von den staatlichen Vorgaben abweichende Erziehungsvorstellungen haben – wehret den Anfängen!

Schau besser nicht hinNachdem ich auf der Seite von SCHAU HIN! etwas herumgesurft habe und leider nicht sehen konnte, welche Antworten man erhält, wenn man der Aufforderung “Fragen Sie Frau Langer” folgt, um herauszufinden, was denn nun ein kindgerechter Umgang mit Medien ist, und mir wieder einmal den kollektiven Frust geholt habe, weil ich wieder einmal auf einer Seite des Bundesministerium zur Förderung aller Arten von Gleichmacherei feststellen musste, dass es wirklich Leute gibt, die der Ansicht sind, es gebe ein Grundrezept zur Behandlung aller Kinder, denn Diversität findet sich bestenfalls in Geschlecht, nicht jedoch im Individuum, wie gesagt, nachdem ich diesen Unsinn abermals als allumfassende Prämisse auf dieser “Gutmenschen-Seite” gefunden habe, hat mich der Frust dazu verleitet, den auf der Seite angebotenen Medienpass zu erwerben.

Meine Reise durch Fernsehland (Deutschland), Internetanien (Mauretanien, #Neuland), Gamespol (Interpol) und Handyitalien hat indes nur bis Gamespol geführt, dann hat es mir gereicht, gereicht ob der unglaublichen Stupidität, der primitiven Stereotype und der wirklich kaum mehr zu ertragenden Paternalisierung, die hier auf die Medienpasserwerber hereinprasselt.

Diese Form des Übergriffes kann man nur damit beantworten, dass man denkt, die Macher des Medienpasses müssen das, was sie da verzapfen, für relevant halten und was das über die geistige Verfassung dieser Macher sagt, will ich hier lieber nicht thematisieren.

Statt dessen hier meine Erfahrungen mit dem Medienpass.

Böse Jungen

Das erste Stereotyp, das einem anspringt, ist das des bösen Jungen. Fragen, die sich auf Jungen beziehen, thematisieren Probleme, Jungen als Probleme:

  • FernsehstundenplanMein 9-jähriger Sohn spielt jeden Tag 4 Stunden Computer, ist er deshalb süchtig?
  • Ich beobachte seit einiger Zeit, dass mein 12-jähriger Sohn Videos ins Internet stellt, die seine Mitschüler in peinlichen Situationen zeigt [zeigen], ist das noch Spaß oder sollte ich eingreifen?
  • Ich habe meinen 11-jährigen Sohn erwischt, wie er sich Filme aus dem Netz heruntergeladen hat, für die er noch viel zu jung ist. Wie soll ich mich verhalten?
    • Richtige Antwort: Sie verbieten ihm, solche Filme herunter zu laden und erklären Ihre Gründe dafür. Vereinbaren Sie mit Ihrem Sohn, dass er Sie in jedem Fall vorher fragen soll, wenn er etwas herunterladen möchte.
  • Manchmal, wenn ich beispielweise koche oder etwas erledigen muss, ist es ganz hiflreich, wenn unser 9-jähriger Sohn sich alleine mit Fernsehen beschäftigt. Ist das ok!
    • Richtige Antwort: Sobald die Besorgungen mehr als ein paar Minuten dauern, sollte ihr Kind beim Fernsehen nicht allein in der Wohnung gelassen werden.

Merke: Jungen sind ein Problem. Man darf sie nie unbeaufsichtigt lassen, denn sie nutzen die kontrolllose Zeit, um Filme herunterzuladen, Online-Spiele zu spielen und Mitschüler in peinlichen Situationen online zu outen.

Das nette Mädchen, das Anleitung braucht

Natürlich gibt es mit Mädchen keine Probleme. Sie sind nicht länger als gut für sie im Internet, stellen nichts ins Internet, was Mitschüler kompromittieren könnte, und natürlich laden Mädchen nie, perish the thought, Filme aus dem Internet, für die sie noch zu jung sind.

Nein: Mädchen sind führungsbedürftig, bedürfen der Anleitung:

  • schau_hin_appUnsere 8-jährige Tochter hat bald Geburtstag. Wir wollen ihr gern ein Computerspiel schenken. Was müssen wir beachten?
    • Richtige Antwort: Achten Sie auf die USK-Kennzeichung auf der Verpackung. Diese gibt Ihnen eine erste Orientierung, welche Spiele für welches Alter geeignet sind.
  • Meine 13-jährige Tochter spielt Onlinespiele auf Schüler-VZ [Wo sonst?]. Auf was sollte sie dabei achten?
    • Richtige Antwort: Achten Sie auf Spieleerweiterungen und Aktualisierungen, die hohe Kosten verursachen könnten.

Merke: Mädchen nutzen nur passiv. Sie bekommen die richtigen Spiele, wo Jungen einfach Online spielen, und Mädchen sind natürlich verantwortungsbewusst, würden nie 4 Stunden am Stück spielen, wie Jungen, wegen der Kosten bei Schüler-VZ. Plumper geht es kaum mehr.

Doch in diesem stereotypen Idyll gibt es neben Jungen noch andere Probleme: Großeltern! Großeltern sind ja dement und der Moderne nicht gewachsen, wie die Macher des Medienpasses wissen, und vor allem sind Großeltern nicht so gleichgeschaltet, wie dies gerade mit Eltern versucht wird. Entsprechend könnte es Großeltern geben, die nichts auf die staatlichen USK-Kennzeichnung geben und sich ein eigenes Urteil zutrauen, ob ein Computerspiel für ihre Enkel geeignet ist oder nicht (und vielleicht schenken Sie auch ein Computerspiel, das sich ihr Enkel gewünchst hat…?). Das kann nicht hingenommen werden:

  • Zum Schulbeginn haben die Großeltern unserem Kind (7) ein Spiel geschenkt, welches erst ab 12 Jahren freigegeben ist? Was sollen wir jetzt tun?
    • Richtige Antwort: Geben Sie das Geschenk den Großeltern zurück. Erklären Sie Ihnen, warum Sie das Spiel an Ihr Kind nicht weitergeben möchten und worauf die Großeltern beim nächsten Kauf achten sollten. Bitten Sie darum, sich vorher mit ihnen abzusprechen.

Auch eine Art, Großeltern zu sagen, dass sie sich aus der Erziehung des kostbaren Nachwuchses, dessen Wohlergeben schon die staatliche Agenda schmückt, heraushalten sollen. Großeltern als subversive Störer der richtigen Erziehung – öfter Mal was Neues.

Und natürlich sind Kinder Kinder, und deshalb müssen sie spielen, und zwar keine Lernspiele, nein:

    • Man hört sehr viel von Lernspielen für Kinder. Muss ich mein Kind auch noch nach der Schule dem Leistungsdruck durch anspruchsvolle Lern- und Denkspiele aussetzen?

Man beachte die Sprache. Kinder werden anspruchsvollen Lern- und Denkspielen ausgesetzt und natürlich wollen richtige Eltern das nicht müssen. Lernen außerhalb des schulischen Curriculum ist offensichtlich nicht erwünscht:

    • Richtige Antwort: Auch Kinder haben ein Recht auf Entspannung und sollen einfach nur Spaß am Spielen haben.

Wer es bislang als Kinderbesitzer noch nicht wusste, der weiß es jetzt:

Kinder sollen nicht außerhalb von Schulen mit Lernstoff konfrontiert werden, den das Ministerium nicht abgesegnet hat. Das sind die Anfänge von Anarchie. Großeltern sind von der Erziehung von Kindern fernzuhalten, denn Großeltern tragen den Keim der Überzeugung, als erwachsener Mensch verfüge man über eigenes Urteilsvermögen in sich. Das ist der Ursprung von Anarchie. Mädchen sind leicht anleitbare Puppen, die man richtig steuern kann, keine Gefahr von Anarchie. Dagegen ist Jungen nicht zu trauen, sie sind insbesondere von Großeltern und deren Geschenken fernzuhalten. Schließlich sind Eltern wirklich Deppen, denn man kann sie mit nichts alleine lassen, wie die Macher des Medienpasses wissen, schon gar nicht mit der Erziehung ihrer Kinder.

Wieso laufen Eltern eigentlich nicht Sturm gegen eine Seite wie “Schau Hin”, die versucht, sie zu staatstreuen Deppen zu degenerieren?

uskWäre es nicht an der Zeit, dass die Damen und Herren, die aus ihrer Sicht pädagogisch wertvolle Ratschläge wie die dargestellten geben, und von denen niemand weiß, welche Kompetenzen, Qualifikationen und Erfahrungen sie dazu befähigen, ihre Qualifikationen und die wissenschaftliche Fundierung ihrer Ansichten an die Öffentlichkeit weitergeben?

Wäre es nicht an der Zeit, dass diejenigen, die Kinderspielzeug nach USK bewerten, ihre Kriterien, dies zu tun, angeben. Also mehr als: “(“USK) ist eine von den Verbänden der Computerspielewirtschaft getragene Institution und hat ihren Sitz in Berlin. Ihr Träger ist die „Freiwillige Selbstkontrolle Unterhaltungssoftware GmbH“.  Gesellschafter dieser gemeinnützigen GmbH sind die Industrieverbände der Spiele entwickelnden, produzierenden und in Deutschland vertreibenden Industrie (BIU e. V. – Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware und  G.A.M.E. e. V. – Bundesverband der Entwickler von Computerspielen)”. Immerhin wird hier ein lukrativer Markt etabliert, der nicht nur die Kontrolle von Eltern, sondern auch den Verdienst an Eltern ermöglicht, und da wüsste man schon gerne, nach welchen Kriterien dies erfolgt.

Es gutmenschelt wieder: dieses Mal geht es Nutella an den Kragen

NutellaNa, haben Sie heute Ihr Brötchen mit Nutella bestrichen? Wenn ja, dann genießen Sie es, so billig wie bislang, bekommen Sie Ihren Zucker in Zukunft nicht mehr, jedenfalls nicht, wenn es nach der Deutschen Diabetes Gesellschaft geht. Dieselbe in Person Ihres Vorsitzenden, Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel, fühlt sich nämlich berufen, die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und SPD, die doch bereits mit so weltbewegenden Themen wie einer Frauenquote überladen sind, mit einer weiteren Absurdität zu überfrachten, nämlich der Forderung nach einer Kaloriensteuer:

Berlin – Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) begrüßt Überlegungen im Rahmen der Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD, künftig eine Steuer auf besonders kalorienreiche Lebensmittel zu erheben. „Dies wäre ein bedeutender Schritt, um Primärprävention bevölkerungsweit und nachhaltig in Deutschland einzuführen“, heißt es in einem Brief der DDG an die Verhandlungsführer beider Parteien im Ausschuss Gesundheit, Jens Spahn und Karl Lauterbach. Die Fachgesellschaft schlägt gleichzeitig vor, gesunde Lebensmittel steuerlich zu entlasten. Die Kaloriensteuer soll helfen, Ernährungsgewohnheiten zu verändern und Übergewicht zu bekämpfen. Übergewicht ist eine der Ursachen für Diabetes mellitus.

Gibt es eigentlich einen Zusammenhang zwischen Ärger und gesundheitlichen Schädigungen? Wenn ja, dann fordere ich, den Herrschaften von der DDG den Mund zu verbieten, als Form der Primärprävention und meiner Gesundheit zuliebe.

DDGWieder einmal sind also Gutmenschen angetreten, andere zu bevormunden und zu verhindern, dass andere in freier Entscheidung ihr Nutella wählen und den lahmen, nachhaltigen und nach nichts schmeckenden Brotaufstrich, den die DDG wohl empfehlen würde, abwählen. Das darf nicht sein und überhaupt, so weiß Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel: “Der bloße Appell an Verhaltensänderungen sei nachweislich gescheitert.” Ja sowas auch. Da sagt man erwachsenen Menschen, dass es nicht gut ist, Nutella zentimeterdick, ja überhaupt auf sein Brötchen zu schmieren, und was passiert? Ignoriert wird man! Das geht nicht, nicht mit einem Dr. med. Erhard Siegel, nicht mit einer DDG! All diejenigen, die nicht so wollen, wie die DDG, die werden schon sehen, was sie davon haben: Die DDG hat die Politiker zur Hilfe gerufen. Mt einer Kaloriensteuer, so frohlockt Siegel “hätten wir endlich eine effektive Strategie gegen das weitere Ansteigen der Volkskrankheiten wie Adipositas, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen”.

Das ist erstaunlich, was der Herr Dr. med da behauptet, so erstaunlich, dass man gerne wüsste, wo er seine Erkenntnis über die Wirksamkeit von Steuern auf Kaloriern (!sic) herhat. Alle Forschung, die vor allem im englischsprachigen Ausland und im Hinblick auf die so genannten Sin-Taxes durchgeführt wird, zeigt nämlich einträchtig, dass

  • die entsprechenden Steuern vor allem eines sind: wirkungslos im Hinblick auf die beabsichtigte Wirkung;
  • die entsprechenden Steuern sozial ungerechte Steuern sind, die in erster Linie die sozial Schwachen treffen, denen Gutmenschen doch normalerweise so zugetan sind;
  • die angebliche Entlastung der Gesundheitssysteme eine Illusion ist, da die frühere Mortalität der Kalorienfresser dazu führt, dass hohe Alterskosten, wie sie dem Gesundheitssystem z.B. durch Demenz oder Alzheimer oder Pflegebedürftigkeit entstehen, nicht anfallen;
  • die entsprechenden Steuern eine Form der paternalistischen Selbstbeweihräucherung sind, die langsam unerträglich wird;

Medical paternalismUnd darüber hinaus sind die entsprechenden Steuern nur als Fürsorge verpackt, denn sie dienen in erster Linie dazu, das Steuersäcklein zu füllen, und wozu sie in zweiter Linie dienen, kann man nur vermuten. Seltsamerweise haben Steuern, die einem Finanzminister und einem Etat zu Gute kommen, die also keinerlei direkten Nutzen für diejenigen haben, die sie fordern, eine wohltuende Wirkung auf die entsprechenden Forderer, fast so, als ginge von der Besteuerung Dritter eine Form der Genugtuung aus, die fast schon an Schadenfreude grenzt (oder auch nicht fast), aber das ist natürlich sozial nicht verträglich. Es ist schon besser, sich als besorgt um die Gesundheit Dritter, denen man im täglichen Leben eher aus dem Weg geht, als dass man sich im Zug auch nur für eine Station neben sie setzen würde, darzustellen.

Nun gibt es zwei Formen der fürsorglichen Besteuerer, solche wie Edgar Franke (SPD) und Erwin Rüddel (CDU), die fordern, die Steuern auf Nahrungsmittel, die mehr als 275 Kalorien pro 100 Gramm aufweisen, generell um 50% zu erhöhen. Davon wären Nutella, Kartoffelchips und Schokoriegel und Fast Food und Softdrinks und und und betroffen. Die andere Form der fürsorglichen Besorgnis, die dem netten Dieb-Syndrom entspricht (der Dieb, der erst 100 Euro stiehlt und dann, weil er ein schlechtes Gewissen hat, einen Euro zurückgibt), geht von Status Quo der Besteuerung aus, nimmt mit zunehmender Kalorienzahl mehr und lässt dafür bei den Nahrungsmitteln, die als gesund und (wie könnte es anders sein) nachhaltig angesehen werden, ein wenig nach. Das ist es dann wohl, was Richard Thaler und Cass E. Sunstein liberalen Paternalismus nennen, ein Unding, für das die beiden Sozialwissenschaftler verantwortlich sind und für das sie eigentlich aus der wissenschaftlichen Zunft ausgeschlossen werden müssten.

cartoon cavemenDenn sie geben allen Arten von Gutmenschen die Möglichkeit, eigene Versuche des rent seeking hinter angeblicher Fürsorge zu verstecken. Politiker tun das noch am ehrlichsten, indem sie generell nur in höheren Steuern zu denken in der Lage sind. Fürsorger wie diejenigen von der DDG tun dies im Verborgenen, und zwar über die Kriterien, die bestimmt werden müssen, um die nachhaltigen und vermeintlich gesunden Nahrungsmittel zu identifizieren. Bei dieser Bestimmung wollen die DDGler natürlich mitreden, und sie sind natürlich keiner Einflussnahme von Seiten Dritter zugänglich und haben natürlich auch keinerlei eigenen Nutzen davon, dass sie Dritten vorschreiben, was ihr jeweiliger Lebensstil kostet. Sie sind die puren Altruisten, die reinen Gutmenschen, die vor lauter Fürsorge über Dritte, dahinschmelzen wie der Schnee, der im Moment noch die Black Mountains ziert. Bei so viel Gutheit wird es mir regelmäßig so schlecht, dass ich darüber nachdenke, ob es nicht langsam an der Zeit wäre, eine Gutmenschen-Steuer einzuführen. Pro Gutmenschen-Vorschlag werden 100.000 Euro fällig, zu zahlen an diejenigen, die Gegenstand des Gutmenschen-Vorschlag sind.

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