Warum sind manche Leute für die Propaganda von Systemmedien anfällig?

Oder: Wie kommen ideologische Moden zustande?

Wie kommt es zum irrigen Glauben Menschen würden das Klima des Planeten bestimmen?
Wer hat die Lüge, dazu gäbe es einen wissenschaftlichen Konsens verbreitet?
Warum?
Warum wird diese Lüge von manchen geglaubt?

Was bringt Leute dazu, biologische Tatsachen in Abrede zu stellen und sich noch dümmer zu stellen, als sie es tatsächlich sind?

Das sind Fragen, die nicht erst uns beschäftigen.

Medien als Verbreiter von Ideologien, Medien, die Menschen den Klimawandel anlasten, alle Probleme, die sich aus politischen Entscheidungen nationaler Polit-Darsteller ergeben, Vladimir Putin zuschieben, die von morgens bis abends versuchen, Menschen denken, fühlen und handeln vorzugeben, sind die ersten, die genannt werden, wenn die Eingangs gestellten Fragen beantwortet werden soll.

Indes, ein medial gesendeter Inhalt ist deshalb noch kein vom Empfänger übernommener Inhalt.

Zwischen der Propaganda und der Übernahme von Propaganda, zwischen der Vorgabe ideologischen Unfugs und der Übernahme des Unfugs als eigene Meinung gibt es noch eine individuelle Entscheidung zu treffen. Die meisten von uns sind mit einer Ausstattung geboren, die es ihnen erlaubt, aufgrund kritischer Bestandsaufnahme ein eigenes Urteil zu erlangen. Die eigentliche Frage, die es zu beantworten gilt ist daher, warum es Leute gibt, die von diesen Möglichkeiten keinen Gebrauch machen?

Eine Antwort auf diese Frage haben wir bei Arthur Schopenhauer gefunden.

Schopenhauers Essay zur “Eristischen Dialektik” ist eine Sammlung von Kunstgriffen, die diejenigen anwenden, die man als Wortakrobaten bezeichnen könnte, vermeintlich intellektuelle Menschen, die versuchen, ihr nicht vorhandenes Wissen hinter vielen wohlklingenden Worten in unverständliche Sätze zu verhüllen. 38 entsprechende Kunstgriffe hat Schopenhauer gesammelt. Unter diesen 38 Kunstgriffen findet sich mit Kunstgriff 30 ein besonderer Schatz, dem man nicht nur entnehmen kann, wie ideologische Moden zustande kommen, sondern auch, was den sprachlichem Unsinn in den diese Moden gepackt sind, für bestimmte Leute so attraktiv macht, so attraktiv, dass sich manche dem Unsinn, den sie so wenig verstehen, wie dessen Schöpfer, verschreiben und Dritte, die darauf hinweisen, dass Unsinn nun einmal Unsinn ist, mit einer Energie und einem Haß verfolgen, den man nicht anders deuten kann als als pathologische Störung:

Die Kunst Recht zu behalten jpg“Das argumentum ad verecundiam [an die Ehrfurcht gerichtetes Argument]. Statt der Gründe brauche man Autorität nach Maßgabe der Kenntnisse des Gegners. [Jeder will lieber glauben als urteilen]: sagt Seneca […] man hat also leichtes Spiel, wenn man eine Autorität für sich hat […] Auch sind allgemeine Vorurteile als Autoritäten zu gebrauchen. Denn die meisten denken mit Aristoteles […] [was vielen richtig scheint, das – sagen wir – ist; Nikomachische Ethik, X, 2, 1172b36]: ja, es gibt keine noch so absurde Meinung, die die Menschen nicht leicht zu der ihrigen machten, sobald man es dahin gebracht hat, sie zu überreden, dass solche allgemein angenommen sei. Das Beispiel wirkt auf ihr Denken, wie auf ihr Tun. Sie sind Schafe, die dem Leithammel nachgehen, wohin er auch führt: es ist ihnen leichter zu sterben als zu denken. Es ist sehr seltsam, dass die Allgemeinheit einer Meinung so viel Gewicht bei ihnen hat, da sie doch an sich selbst sehn können, wie ganz ohne Urteil und bloß kraft des Beispiels man Meinungen annimmmt. Aber das sehn sie nicht, weil alle Selbstkenntnis ihnen abgeht.

[…] Die Allgemeinheit einer Meinung ist, im Ernst geredet, kein Beweis, ja nicht einmal ein Wahrscheinlichkeitsgrund ihrer Richtigkeit.

[…] Was man die allgemeine Meinung nennt, ist, beim Lichte betrachtet, die Meinung Zweier oder Dreier Personen; und davon würden wir uns überzeugen, wenn wir der Entstehungsart so einer allgemeingültigen Meinung zusehn könnten. Wir würden dann finden, dass Zwei oder Drei Leute es sind, die solche zuerst annahmen oder aufstellten oder behaupteten, und denen man so gütig war zuzutrauen, dass sie solche recht gründlich geprüft hätten: auf das Vorurteil der hinlänglichen Fähigkeiten dieser nahmen zuerst einige Andre die Meinung ebenfalls an; diesen wiederum glaubten viele Andre, deren Trägheit ihnen anriet, lieber gleich zu glauben, als erst mühsam zu prüfen. So wuchs von Tag zu Tag die Zahl solcher trägen und leichtgläubigen Anhänger: denn hatte die Meinung erst eine gute Anzahl Stimmen für sich, so schrieben die Folgenden dies dem zu, dass sie solche nur durch die Triftigkeit ihrer Gründe hätte erlangen können. Die noch Übrigen waren jetzt genötigt gelten zu lassen, was allgemein galt, um nicht für unruhige Köpfe zu gelten, die sich gegen allgemeingültige Meinungen auflehnten, und naseweise Burschen, die klüger sein wollen als alle Welt. Jetzt wurde die Bestimmung zur Pflicht. Nunmehr müssen die Wenigen, welche zu urteilen fähig sind, schweigen: und die da reden dürfen, sind solche, welche völlig unfähig eigne Meinungen und eignes Urteil zu haben, das bloße Echo fremder Meinung sind: jedoch sind sie desto eifrigere und unduldsamere Verteidiger derselben. Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht sowohl die andere Meinung, zu der er sich bekennt, als die Vermessenheit, selbst urteilen zu wollen; was sie ja selbst nie unternehmen und im Stillen sich dessen bewußt sind, – Kurzum: Denken können sehr Wenige, aber Meinungen wollen Alle haben: was bleibt da anderes übrig, als dass sie solche, statt sie sich selber zu machen, ganz fertig von Andern aufnehmen? …(Schopenhauer, 1995, S.60-64; nicht kursive Hervorhebungen durch uns)

Das ist eine der anschaulichsten Schilderungen des Zustandekommens von Moden und eine großartige Erklärung dafür, wie so leere und vor allem esoterische Ideologien wie der Genderismus oder der Klimawandelglaube sich etablieren können.

Allerdings lässt Schopenhauer eine Frage offen: Denn es ist zu erklären, warum manche eine wie er sagt: Meinung, übernehmen, ohne sie geprüft, d.h. rational durchdrungen und verstanden zu haben.

Zwei Antworten fallen uns ein: (1) Die Entscheidung für eine bestimmte “Meinung” ist vom Gefühl geleitet. Die entsprechende Meinung spricht Träge an, die auf der Suche nach Identität und einer Möglichkeit, sich zuzuordnen, aber des eigenen Denkens nicht im Stande oder willens sind. (2) Die vermeintliche Meinung kommt im Gewand wolkiger und monumentaler Begriffe daher, die leer sind wie z.B. Nachhaltigkeit, Toleranz, Solidarität oder soziale Gerechtigkeit, aber zum einen mit der Konnotation des Guten versehen sind, zum anderen das Versprechen mit sich bringen, gewinnbringend einsetzbar, zweckmäßig zur eigenen psychologischen oder materiellen Bereicherung zu sein.

Wie Schopenhauer schreibt, sind die Übernehmer fremder Meinugen, die des eigenen Denkens nicht fähig und des eigenen Urteilens nicht willig sind, eifrige und unduldsame Verteidiger der übernommenen Meinung, und deshalb verfolgen sie Andersdenkende mit ihrem Hass. Dummheit ist demnach auch für Schopenhauer die Grundlage, auf der Überzeugungstäter wachsen. Und weil die Überzeugungstäter keine Argumente, dafür aber viel Emotion haben, können sie die Verteidigung der von ihnen übernommenen Meinung nicht mit Vernunft und Argumenten führen. Entsprechend braucht es andere Mittel, um Kritiker mundtot zu machen.

Das bringt uns zum Kunstgriff 32:

“Eine uns entgegenstehende Behauptung des Gegners können wir auf eine kurze Weise dadurch beseitigen oder wenigstens verdächtig machen, dass wir sie unter eine verhaßte Kategorie bringen, wenn sie auch nur durch eine Ähnlichkeit oder sonst lose mit ihr zusammenhängt: das ist Pelagianismus; das ist Idealismus; das ist Spinozismus; das ist Pantheismus; das ist Brownianismus; das ist Naturalismus; das ist Spiritualismus; das ist Mystizismus, usw. […](Schopenhauer, 1995, S.66-67).

Die Reihe kann modernisiert fortgesetzt werden: das ist Rassismus, das ist Sexismus, das ist Antifeminismus, das ist Rechtsextremismus, Sie sind ein Corona-Leugner, Sie sind ein Klimawandelleugner usw. Auch hier erweist sich Schopenhauer als Kind seiner Zeit, wenn er annimmt, dass die Unterordnung unter den entsprechenden Begriff zumindest ansatzweise begründet werden müsste, und sei es auch mit noch so windigen Annahmen.

Indes reicht heute die Bezichtigung, die Denunziation, die Behauptung, X sei rechts, antifeministisch, rassistisch, sexistisch, Covidiot, Coronaleugner, Klimawandelleugner …, um im politisch-korrekten Echozimmer zur Persona non grata zu werden. Das führt notwendig zu einer Ausdünnung im Echozimmer, da die Häresien, die man gegen die dort waltende politische Korrektheit begehen kann, werden immer zahlreicher. Es immer schwieriger wird, keinen Frevel gegen den Fetisch irgendeines der Insassen zu begehen. Gleichzeitig wird der Widerspruch zwischen der ideologischen Idiotie, die in diesem Echozimmer herrscht und der Realität immer größer, so dass es den Echokammerinsassen zunehmen unmöglich wird, sich im Rahmen des Normalen zu artikulieren und sie immer frenetischer versuchen müssen, jeden Kontakt mit der Realität zu vermeiden oder anderen zu verunmöglichen.

Am Ende steht Wahnsinn, und wir sehen bereits die ersten Anzeichen dafür.

Wir dokumentieren sie zum einen in unserer wöchentlichen Wahl zum Denkbehinderten der Woche, zum anderen sind sie offenkundig in den Versuchen, noch den letzten Irren zur Normalität zu erklären…



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