Was ist an Schulen los? Das ist an Schulen los! Erfahrungsbericht eines Gymnasiasten

Wir fragen auf ScienceFiles häufig: Was ist an deutschen Schulen los? Angesichts von Anti-Rassismus-Kampagnen und an US-Wahlergebnissen verzweifelnden Schülern, angesichts von schulischen Leistungstests, die zeigen, warum Unternehmen über den Ausbildungsstand von Schülern klagen, und angesichts von immer mehr Belegen dafür, wie Schulen zur ideologischen Indoktrination genutzt werden, ist dies eine logische Folge.

Heute geben wir eine erste Antwort auf diese Frage, das heißt nicht wir, sondern ein Gymnasiast aus Baden-Württemberg gibt diese Antwort, in dem er aus seinem schulischen Alltag berichtet, von den kleinen und großen Indoktrinationen, denen Schüler ausgesetzt sind, von Lehrern, die intellektuell von so manchem ihrer Schüler abgehängt werden und von Ethiklehrerinnen, deren Ethik soweit reicht, dass sie auf missliebige Fragen durch den Ausschluss des Fragestellers aus dem Unterricht reagieren.

Wir hoffen, mit diesem Beitrag eine kleine Serie starten zu können und andere Schüler, die uns bislang still mitlesen dazu zu motivieren, ihre Erfahrungen mit ScienceFiles-Lesern zu teilen.


Dieser Artikel ist aus der Sicht eines Schülers der 12. Klasse/erste Jahrgangsstufe (also meiner Wenigkeit) verfasst, er ist sozusagen ein Insiderbericht. Eine letzte Information dieser „Einführung zur Einführung“: ich besuche eine gegliederte Schule, darunter befinden sich die Gymnasien: BTG(=BioTechnologisches Gymnasium) meine Schulart, TG(=Technisches Gymnasium) WG(=Wirtschaftliches Gymnasium) und schließlich SG(=Sozialwissenschaftliches Gymnasium)

meinungsfreiheitIm Folgenden beschreibe ich anhand von Lehrmaterialien und freilich subjektiven, wobei ich versuche möglichst deskriptiv in meinen Ausführungen zu bleiben, Tatsachenberichten wie man sich den „indoktrinatorischen Alltag“ eines (biotechnologischen-)Gymnasiasten ungefähr vorzustellen hat. Das Partikel „biotechnologisch“ ist dabei bewusst hinzugefügt, weil ich ein naturwissenschaftliches Gymnasium besuche, meiner Erfahrung nach ist der Einfluss diverser Ideologien an den sozialwissenschaftlichen Gymnasien wesentlich stärker, über das wirtschaftliche Gymnasium liegen mir bedauerlicherweise keine direkten Informationen vor. Meine Erfahrung ist allerdings, dass, je „härter“ sprich auf Empirie und Experiment, also auf Naturwissenschaft eine Schulform ausgerichtet ist, desto geringer wird der direkte Ideologische Einfluss. Ich beschränke mich daher fast ausschließlich in diesem Artikel auf „weichere“ Fächer, also Deutsch, Englisch, GGK(=Geschichte-Gemeinschaftskunde) und Ethik. Das ganze ist von meiner Wenigkeit oft humoristisch aufgelockert, aber keineswegs übertrieben.

Ursprünglich hatte ich vor, mich auf Schulmaterialien und einige subjektive Beispiele für Indoktrination zu beschränken, die vergangenen Wahlen in den USA haben allerdings wieder für einige…Verwerfungen gesorgt, um es vorsichtig auszudrücken. Diese Gelegenheit möchte ich nutzen. Da gibt es zum Beispiel einen Lehrer, er unterrichtet Informatik, und scheint ein Bildungs-Idealist zu sein, seine Arbeit ernst zu nehmen und uns (seine Schüler also) bilden zu wollen. Das Wörtlein „scheinen“ ist hierbei essentiell wichtig, denn wenn es um ideologische Feinde, in diesem Falle Donald Trump, geht, dann lässt er jegliche Hemmungen seines Scheinliberalismus fallen, dann will er seinen Schülern erzählen, was sie für gut zu befinden haben.

Formuliert hat er es etwa so: „Das hier (Bildung, Schule) ist wichtig. Seht nach Amerika, ihr müsst verstehen, wie die Welt funktioniert, dass wird euch hier beigebracht. Damit so etwas (Trump-Wahlsieg) nicht noch einmal passiert.“

Wir lernen also: Es ist sehr wichtig, über die Welt Bescheid zu wissen, gebildet zu sein, aber vor allen anderen Dingen: Die korrekte Ansichten zu vertreten. Ein Antichrist wie Donald Trump, der rechtfertigt nicht einmal eine Argumentation, nein, den darf man wann immer es einem beliebt als Drohmittel für seine Schutzbefohlenen verwenden.

Denn nichts anderes wird doch mit solchen billigen Manipulationstechniken bezweckt: Lernt brav, sonst kommt Donald Trump und….ja, was eigentlich? Auf jeden Fall nichts Gutes, so scheint es. Wir können also folgern: Lehrer zu sein ist eine Sache, Denken zu können eine Andere. Könnte er es nämlich, er würde nicht davon reden, Schülern „helfen“ zu wollen, die Welt zu verstehen, er wäre sich bewusst, dass ein gebildeter Mensch vor allem in der Lage ist, kritisch zu hinterfragen, unabhängig zu sein und nicht auf irgendjemanden vertrauen zu müssen, der einem die Welt erklärt, einem sozusagen die „Meinung bildet“. Am liebsten hätte ich ihn auf diese an Faschismus grenzende, auf jeden Fall „schülerverachtende“ Frechheit hingewiesen, aber ich war bedauerlicherweise nicht in der Stimmung dazu.

Ich bin an sich ein streitbarer, schwer von Autorität zu beeindruckender Mensch, aber gelegentlich brauche auch ich eine Auszeit, sich ständig und überall mit jedem anzulegen, ist Verschwendung. Den rationalen Widerstand spare ich mir für wichtige Gelegenheiten auf.

Kommen wir aber zunächst zu einem weiteren Punkt: Ideologische, nennen wir sie Verunreinigungen des Lehrplans bzw. von Lehrmaterialien. Vorbei sind die Zeiten, in denen man als Schüler mit einem Anspruch an Schulung in logischem Denken und vor allem an Philosophie in den Ethik-Unterricht kam. Heute sind es „feministische Ethikerinnen“ wie Carrol Gilligan, denen man erlaubt ihre essentialistischen Wortgirlanden auf Schüler, man muss es sagen, zu ejakulieren.

Der Text „Gerechtigkeit und Fürsorge“, wurde von ihr verfasst und findet sich in „Standpunkte der Ethik- Lehr- und Arbeitsbuch für die Gymnasiale Oberstufe“, herausgegeben vom Schöningh-Verlag.

Ich konnte den Text bedauerlicherweise nicht vollständig im Internet finden und ehrlich gesagt ist es mir zu schade, dafür extra Geld auszugeben, deshalb werde ich einiges handschriftlich kopieren um dem geneigten Leser eine Vorstellung zu verschaffen, worum es geht.

gibberish1„Mit dem Entwurf eines alternativen Standpunkts möchte ich die moralische Entwicklung aus zwei moralischen Perspektiven rekonstruieren […] Die Gerechtigkeitsperspektive, die man oft mit moralischen Urteilen schlechthin gleichsetzt, wird neu verstanden als eine Art und Weise, moralische Probleme aufzufassen; als alternativer Bezugsrahmen wird eine Perspektive der Fürsorge entwickelt“

An dieser Stelle unterbreche ich kurz. Lassen Sie es auf sich wirken, und vor allem: versuchen Sie, dieses Satzungetüm in einem einzigen Satz zusammenzufassen. Geht nicht? Oh doch: „Meiner Ansicht nach gibt es zwei verschiedene Arten von Moral: Gerechtigkeits- und Fürsorgemoral, bisherige ( wie wir gleich erfahren männliche) Moral, ist reine Gerechtigkeitsmoral.“

Das ist die Quintessenz dieses sätzelangen Umherschwafelns. Ein bisschen wollen wir uns noch in Gilligans Lyrik vertiefen:

„Die Unterscheidung zwischen Gerechtigkeit und Fürsorge als alternative Perspektiven oder moralische Orientierungen ist empirisch auf die Beobachtung gegründet, dass ein Wechsel der Aufmerksamkeitsfokussierung von Gerechtigkeitserwägungen zu Fürsorgeerwägungen die Definition dessen, was ein moralisches Problem konstituiert, verändert und dazu führt, dass die gleiche Situation auf unterschiedliche Weise wahrgenommen wird.“

I’m astonished! Unterschiedliche moralische Einstellungen führen zu einer unterschiedlichen Sicht auf moralische Probleme? Wer hätte das gedacht. Aber das Wörtlein „empirisch“ stört mich ein wenig. Denn es folgt kein Verweis auf ein Experiment, auf eine Beobachtung, sonder nur „dass ein Wechsel der Aufmerksamkeitsfokussierung von Gerechtigkeitserwägungen zu Fürsorgeerwägungen die Definition dessen, was ein moralisches Problem konstituiert, verändert […]“ Wie genau Carol Gilligan die telepathische Leistung erbracht hat, in die Köpfe von Menschen zu sehen und Ihre gerade eben konstruierten (man könnte auch sagen: ausgedachten) Moralperspektiven zu entdecken und so zu dieser für mich schwer nachvollziehbaren Schlussfolgerung zu kommen, diese Antwort bleibt sie leider schuldig, vermutlich auch deshalb, weil sie die beiden Perspektiven im gesamten Text nicht definiert.

Kommen wir zum feministischen Teil des Textes, der uns darüber aufklärt, dass Männer und Frauen völlig unterschiedliche Moralvorstellungen haben, und deswegen die gesamte bisherige Philosophie damengerecht umgedacht werden muss:

„Wenn die Moraltheorie eine kohärentere und begrifflich besser durchgearbeitete Perspektive der Fürsorge zur Verfügung stellen könnte, dann würde sie es den Frauen leichter machen, über ihre Erfahrungen und Wahrnehmungen zu sprechen, und sie könnte andere befähigen, zuzuhören und zu verstehen“

Wir lernen: Frauen sind, obwohl als Menschen zur sprachlichen Kommunikation fähig, nicht in der Lage, sich verständlich zu machen, aufgrund einer ominösen „Fürsorgeperspektive“, die sie vermutlich sogar daran hindert, deskriptive Aussagen zu treffen. Wie muss ich mir das als gerechtigkeitsorientierter Macho vorstellen? „Das schöne rote Haus hat einen tiefen bedrohlichen Keller, in dem arme Katzenbabys aufgepeppelt werden“. Fürsorglich genug? Ansonsten klingt Gilligans Text für mich ein bisschen wie die Neuauflage des Rufes nach dem „neuen Mann“ der sich immer und zu jeder Zeit her every whim anpasst. Aber das ist nur mein Eindruck. Wer trotzdem eine Idee hat, darf und soll sie gerne als Kommentar kund tun.

Das ist nur ein Beispiel für äußerst wirre Texterzeugnisse, von denen ich nicht genau weiß, was sie in einem Ethik-Lehrbuch verloren haben. Schulung in Wortmagie? Beliebiges Herummeinen als Ersatz für belastbare Beweise? Ich weiß es wie gesagt nicht.

Nun ist aber Schluß mit harmlosen Wortonanierern. Kommen wir zu den harten Ideologen und Genderisten, die insbesondere in einem gewissen Schulbuch ihr Unwesen treiben. Die Rede ist von Crossover, einem ergiebigen Fundus an seltsamen Schlussfolgerungen, Ideologie und Indoktrination. Wem dieses Englisch-„Lehrbuch“ nichts mehr sagt, der möge sich den Artikel „Schlimmer als im Dritten Reich: Indoktrination in Schulen dieses Mal von links“ auf Sciencefiles zu Gemüte führen.

Auf Seite 29 findet sich etwa der folgende Text. Der Titel, „Stay-at-home-Dads“ lässt bereits Schlimmes erahnen:

„When Christine Black dated photographer Mark Howells ten years ago, he told her that someday he wanted to raise their kids. Christine, a lawyer, thought that was just great. Nine years later, Christine Howells was a successful partner at a San Francisco law firm, while Mark spent his time at home with their 5-year old son, Micky, and infant daughter, Sarah. The 2006 US census reported that there were about 143,000 stay-at-home dads, a tiny number next to the 11 million stay-at-home mums. These men are social entrepreneurs challenging traditional definitions of manliness by throwing over one of the key measures of masculinity: the size of the paycheck. Men have to be tolerant. The solo stroller-pushing dad remains a target for unwanted advice.“

Die Zusammenfassung auf Deutsch: Bestimmte Männer sehen den Sinn des Lebens offenbar darin, sich an ihrem Nachwuchs auszurichten, in dem sie zuhause bleiben und Kinderwägen schieben, während Mutti (in diesem Fall sogar als Rechtsanwalt) den Familienunterhalt verdient. Allerdings stellen die Hausmänner nur die Minderheit dar, wenn man sie mit den Hausfrauen vergleicht(laut US census 143.000 zu 11 Millionen). Das macht diese Männer zu „social entrepeneurs“, einen Begriff, den es im Deutschen auch gibt, gemeint sind Unternehmer, die sich für die Lösung sozialer Probleme einsetzen. Hausmänner als Revolutionäre? Wie dem auch sei, nun schreibt sich der Autor zum ideologischen Orgasmus, denn nicht nur „social entrepeneurs“ , nein, auch Kämpfer gegen traditonelle Rollenbilder sind sie, Rollenbilder, deren Eckstein unter anderem die Höhe des Lohnauszugs ist. Und tolerant müssen Männer gegenüber dieser Entwicklung auch sein, schließlich würden sie wohl ohne diesen (vermutlich weiblichen Hinweis) jeden Kinderbuggy schiebenden und -fläschchenwärmenden „social entrepeneur“ wohl sofort traditionell maskulin verwemsen. Okay, einige Einschübe konnte ich mir nicht verkneifen, aber die Quintessenz dürfte klar sein.

Wir hatten vorhin ja eine „feministische Ethikerin“ zum Thema. Ob dort eine Begriffsverwandtschaft zu „arischer Physik“ oder „kommunistischer Mathematik“ besteht, ist nicht klar. Klar ist jedoch, dass Englischbuchverfasser(?) in Gestalt von Shaunessy Ashdown und Marilyn Clifford-Grein um einiges schlimmer sind, können sie es doch nicht lassen, ihre ideologischen Griffel von Statistiken zu lassen und Zahlenwerte in ihrem Sinne frei herum zu interpretieren. Was hat bitte die Anzahl an Hausmännern mit traditionellen maskulinen Rollenbildern die sich angeblich am Lohn ausrichten zu tun? Verschwinden jene dann einfach? Und was ist mit den Karrierefrauen? Mutiert der Lohn dann nicht plötzlich auch zu einem „key measure“, nur eben für Femininität als eine Art „Karrierefemininität“ oder wechselt dann das Geschlecht? Mal im Ernst: Wie dämlich muss man denn bitte sein, um diesen einfachen Widerspruch nicht zu erkennen.

Wie ideologisiert muss man sein, um in anderen Lebensentwürfen etwas Anderes zu sehen, als eben einen anderen Lebensentwurf. Das ist doch wieder genderistischer Essentialismus erster Güte. Wenn ich mich statt in die Toilette in das Waschbecken übergebe, ob des täglichen Unsinns den ich lesen muss, „challenge“ ich dann auch traditionelle Rollenmuster von Toiletten? Darüber sind Ashton et al bestimmt schon dabei einen Text zu verfassen.

crossover-2Crossover, so wird langsam klar, ist tatsächlich eine Überführung, eine Überführung in den Wahnsinn möchte ich schon sagen. Wahnsinn der einem in Lohnauszügen Eckpfeiler der Maskulinität und in Hausmännern Sozialunternehmer sehen lässt.

Nach einigen Beispielen (ich will den Leser nicht langweilen) komme ich nun einer Frage, um deren Beantwortung mich die Sciencefiles-Redaktion gebeten hat: Die Frage, wie ich mit dem täglichen Angriff auf meinen Intellekt umgehe?

Eine gute Möglichkeit ist meiner Erfahrung nach die direkte Konfrontation. Das ist nicht unbedingt die Methode, die einem immer Sympathien einbringt, aber zumindest mich entspannt es, unerträgliche logische Widersprüche in sich zusammenfallen zu lassen, das ist ein wenig wie ein Muskelkrampf, der sich löst.

Aber ich kenne auch einige Klassenkameraden, die noch kritisch zu denken in der Lage sind und gut finden, was ich mache. Ich glaube auch eher, dass sich bei Manchen eine gewisse passive Duldung nach dem Motto „lasst mich einfach in Ruhe“ einstellt, was ich gut nachvollziehen kann. Auch eine Methode, mir aber zuwider, weil ich Passivität gegen offensichtlichen Schwachsinn einfach nicht halten kann, das ist in etwa so, wie wenn ich lügen würde, ein schlechtes Gewissen, nichts getan bzw. gesagt zu haben.

Wie gesagt, nicht immer die sozial sinnvollste Methode. Ich bin zum Beispiel letztes Jahr im November mit meiner Ethik Lehrerin aneinander geraten. Es ging um Beispiele für Menschenrechtsverletzungen bzw. Verfassungsbrüche in Deutschland und Europa und da habe ich selbstverständlich die Frauenquote ins Spiel gebracht, die wenn ich mich nicht irre, auch bereits was ihre Verfassungs(nicht)konformität angeht auf diesem Blog thematisiert wurde. Ich erntete sehr schnell heftigen Gegenwind, der mich sehr überrascht hat, offenbar hatte ich einen wunden Punkt getroffen. Ich blieb in der für mich typischen kühlen, neutralen Art und stellte für mich logisch dar, was die Frauenquote verfassungsfeindlich und vor allem diskriminierend macht.

Die Lehrkraft steigerte sich dabei immer mehr in einen Zustand der Erregung hinein, der dann schließlich seinen Klimax im Märchen vom Patriarchat hatte (systematische Frauenunterdrückung, aber das ist ja das Gleiche in der feministischen Terminologie), es ging noch etwas weiter, endete dann mit meinem wohl ideologisch motivierten Ausschluss aus dem Unterricht für den Rest der Doppelstunde. Im Ethikunterricht wohlgemerkt, wo man von den Lehrkräften eigentlich eine besondere Toleranz bzw. Konfliktfähigkeit erwarten dürfte. Ich bin jedenfalls nicht ausfällig geworden, was man mir auch bestätigt hat.

Wie dem auch sei, ich will einfach meine Hochschulreife, der ganze Rest ist für mein zukünftiges Leben nahe an der Bedeutungslosigkeit.

Danke an alle Leser, die meine Ausführungen bisher durchgestanden haben, es war mein erster Artikel dieser Art, deshalb bin ich äußerst offen für Kritik, ansonsten hoffe ich, dass er einen Einblick gewähren konnte, wie es um den schulischen Alltag in Baden Württemberg/Deutschland aus der Sicht eines Schülers bestellt ist.

Zum Abschluss möchte ich auch noch ausdrücklich der ScienceFiles-Redaktion danken für die Möglichkeit, mich an meinem ersten Artikel überhaupt versucht haben zu dürfen.


Deutschland goes crazy: Schüler sind verzweifelt über die Wahl von Donald Trump

Manche öffentlichen Schulen in Deutschland führen bei Schülern zu mentalen Störungen.

Eigentlich hatten wir vor, nichts mehr über die US-Präsidentschaftswahl zu schreiben. Die Niederungen, in die sich viele deutsche Journalisten derzeit begeben, wollen wir einfach nicht mitmachen.

GarfinkelAber nichts ist so schön, wie ein gebrochener Vorsatz, jedenfalls dann, wenn es gute Gründe gibt, den entsprechenden Vorsatz zu brechen. Gebrochen haben wir unseren Vorsatz, um unserer alten Liebe, unserer alten wissenschaftlichen Liebe zu frönen: der Ethnomethologie.

Manche Leser werden sich noch an unseren Beitrag aus der Reihe „ethnomethodologisches Erschüttern“ erinnern, in dem wir von dem Geschlechterforscher berichtet haben, der gefordert habe, Liebeslieder zu verbieten. Die Methode des ethnomethodologischen Erschütterns zielt darauf, tiefsitzende und zumeist unbewusst in Handeln einfließende kulturelle Stereotype und Erwartungen offenzulegen. Erfolgreiches Erschüttern setzt voraus, dass Erwartungen, die als absolute Normalität gegolten haben und nicht hinterfragt werden, erschüttern werden.

Dazu musste man früher als Forscher richtig Hirnschmalz investieren, um sich eine entsprechende Strategie zu überlegen. Heute muss man einfach nur Beiträge in den Mainstream-Medien lesen oder Hinweise von ScienceFiles-Lesern verfolgen – oder beides. Tut man es, dann kommt man z.B. bei einem Beitrag des WDR an, der mit „Die Schüler haben gerufen: Trump – Buh!“ überschrieben ist. Der Beitrag berichtet von Traumata oder besser. Trumpata, die Schüler an nordrhein-westfälischen Schulen erlitten haben, einfach nur deshalb, weil in den USA ein Wahlausgang zu verzeichnen ist, der alle ihre Erwartungen wie Seifenblasen hat platzen lassen.

trump-schueler-mental-gestoert“An einem anderen Gymnasium, dem der Stadt Alsdorf (Städteregion Aachen), sagt die Englisch- und Chemielehrerin Rosa Rautenberg: „Unsere älteren Schüler waren nach dem Ausgang der Wahl verzweifelt und fassungslos.“ In einem Projekt hatten sich die Schüler acht Wochen lang intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Die meisten von ihnen seien sich sicher gewesen, dass Hillary Clinton letztlich das Rennen machen werde. Die Schüler erstellten eine Webseite zur Wahl, komponierten Lieder über Donald Trump, malten Cartoons und schrieben Appelle, ihn nicht zu wählen. „Der Diskussionsbedarf war am Ende sehr groß.“ In den kommenden Wochen will die Lehrerin die Rolle der USA in internationalen Beziehungen thematisieren.

Wenn Schüler derartige Projekte über acht Wochen verfolgen, bei denen man sich fragen muss, was sie in der Schule zu suchen haben, dann muss man feststellen, dass es an der Zeit ist, die verantwortliche Lehrkraft zu entlassen. Rosa Rautenberg scheint uns hier der erste Kandidat für den entsprechenden Rauswurf. Sozialisation, das Erlernen kultureller Erwartungen, deren Enttäuschung dann tatsächlich zu emotionalen Ausbrüchen von Verzweiflung, Ärger und zuweilen Wut führt, sie dauert normalerweise etliche Jahre, ja Jahrzehnte. Deutsche Schüler scheinen die entsprechenden ideologischen Erwartungen innerhalb erschreckend kurzer Zeit indoktriniert zu erhalten und dazu noch eine derart starke affektive Bildung an die Ideologie, die ihnen eingehämmert wurde, zu entwickeln, dass sie mit Verzweiflung und Fassungslosigkeit auf den Ausgang einer demokratischen Wahl, die in einem demokratischen Staat abgehalten wurde, reagieren. Welche Form von Gehirnwäsche wird in diesem Gymnasium in Alsdorf eigentlich praktiziert.

Welche Form von Gehirnwäsche es auch immer sein mag, sie wird nicht nur in Alsdorf und am Gymnasium praktiziert, nein, es gibt sie bereits an Grundschulen in Jülich:

“Selbst an Grundschulen ist der neue Mann im Weißen Haus das bestimmende Thema. „Am Morgen nach der Wahl gab es in den Klassenräumen richtige Sprechchöre“, berichtet Birgit Mertens, Integrationshelferin an der katholischen Grundschule der Stadt Jülich. „Die Kinder haben gerufen: ‚Trump – Buh'“, ergänzt sie. Die Stimmung sei aufgeheizt gewesen wie nach einem Fußballspiel.“Die Kinder waren sehr emotionsgeladen“, sagt sie. „Die Schüler aus der dritten und vierten Klasse haben sogar Ängste vor einem möglichen Krieg formuliert.“

how-to-thinkDas macht uns sprachlos. Es kommt nicht oft vor, dass wir sprachlos sind. Aber angesichts einer Indoktrination, die bei Sechs bis Zehnjährigen dazu führt, dass sie einem Mann, von dem sie nichts wissen, den sie nie gesehen haben, den sie nicht persönlich kennen, in aller Wahrscheinlichkeit auch nicht persönlich kennen lernen werden und dessen Aussagen sie bestenfalls ansatzweise verstehen, aber nicht begreifen können, mit Ablehnung und Buh-Rufen begegnen, sind wir sprachlos. Wer ist für eine derartige Indoktrination verantwortlich? Birgit Mertens scheint eine der richtigen Adressen zu sein. Entsprechend ist sie unser zweiter Kandidat für einen sofortigen Rauswurf, denn Grundschulen sind nicht der Ort, an dem Kinder zum irrationalen Pöbeln gegenüber Menschen, die sie nicht kennen, zur indivuumsbezogenen Menschenfeindlichkeit erzogen werden.

Was fast noch sprachloser macht, ist die Art und Weise, in der Andreas Schräter im WDR von diesen Reaktionen der Schüler an Gymnasien und Grundschulen berichtet. Ganz so, als seien diese Art von Reaktionen normal. Das sind sie jedoch nur, wenn man Hysterie zur Normalität und ideologische Indoktrination zum Gegenstand des Curriculum macht.

Und eine Gesellschaft, in der es für normal erachtet wird, wenn Kinder in Grundschulen und solche in Gymnasien, von denen man mehr Reife erwartet hätte, Angst vor dem weißen Mann haben, eine Gesellschaft, in der Kindern die entsprechende Angst regelrecht eingeimpft wird, eine solche Gesellschaft macht uns Angst. Gut, dass wir im Vereinigten Königreich leben.


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Schlimmer als im Dritten Reich: Indoktrination in Schulen dieses Mal von links

Wer keine Argumente hat, um Menschen zu überzeugen, muss u.a. dafür sorgen, dass Fragen, die ihn in Bedrängnis bringen, nicht gestellt werden, und Sichtweisen, die ihm nicht genehm sind, diskreditiert sind. Das macht Schulen als Ort der Indoktrination so wichtig.

„Die Stadt Essen ist von der französischen Grenze … km, von der belgischen Grenze … km entfernt (Atlas!). Wieviel Minuten braucht ein Flugzeug für diese Strecke bei 250 km Stundengeschwindigkeit? […] Auf dem Messtischblatt 1: 25 000 bildet die Innenstadt von Essen einschl. der Kruppschen Fabrik ein Rechteck von 10 x 6,5 cm. Wieviel km2 umfaßt das Rechteck (auf Ganze genau)? Wieviel Bomben von je 1000 kg wären zur Vernichtung dieses Gebietes erforderlich, wenn eine solche Bombe alle Gebäude im Umkreis von 50 m zum Einsturz bringt? … Wieviel Staffeln zu je 10 Flugzeugen müssten eingesetzt werden, wenn jedes Flugzeug zwei solcher Bomben mitführen könnte?“

Oder:

“Der jährliche Aufwand des Staates für einen Geisteskranken beträgt im Durchschnitt 766 RM; ein Tauber oder Blinder kostet 615 RM, ein Krüppel 600 RM. In geschlossenen Anstalten werden auf Staatskosten versorgt: 167 000 Geisteskranke, 8 300 Taube und Blinde, 20 600 Krüppel. Wieviel Mill. RM kosten diese Gebrechlichen jährlich? Wieviel erbgesunde Familien könnten bei 60 RM durchschnittlicher Monatsmiete für diese Summe untergebracht werden?“

Flessau_ Schule der DiktaturDie Schulausgaben stammen aus Schulbüchern, die im Dritten Reich zum Einsatz gekommen sind. Kurt-Ingo Flessau hat sie in seinem Buch „Schule der Diktatur“ als Beispiele für die Art und Weise, wie im Dritten Reich versucht wurde, Kinder und Jugendliche in Schulen auf Linie zu trimmen und mit der richtigen Ideologie zu versorgen, zusammengetragen [Das Buch von Flessau, das leider nicht mehr gedruckt wird, wie so viele kritische Bücher, ist übrigens sehr lesenswert!].

Schulen waren immer die Tummelplätze für diejenigen, die ihre ideologischen Finger nicht von Schülern lassen können, die ideologischen Missbrauch betreiben und ohne das Machtgefühl, Kinder und Jugendliche zu manipulieren, offensichtlich nicht leben können. Daran hat sich nichts geändert.

Heutige Schulen sind wieder die Tummelplätze von denen, die es nicht ertragen können, wenn Menschen eigenständige Gedanken haben und sich eigenständig Meinungen bilden, die von dem, was die Indoktrinateure für richtig halten, abweichen. Entsprechend finden sich in deutschen Schulbüchern, die für den Englischunterricht vorgesehen sind, Passagen wie die folgende, die uns ein Leser zugeschickt hat:

““We live in an era of globalization.“
How often have we heard this?
And how often have we really thought about what it means? Most people think they know what it is, but do they really?

The term ‘globalization’ has taken on a life of its own. It has become a sort of mystical, romantic term. Globalization is seen as a beneficial thing, even a cosmopolitan thing, a ‘hip’ thing. It is seen as cutting edge to „go global“. Many people feel that globalization is a great force bringing the world closer together. There are even new cuddly phrases like ‘global village’ which make us feel good about globalization bringing us all closer together. But when we think about what globalization really is – when we look beneath this surface glamour – we can see the true meaning of the word and the true proponents of this phenomenon.

Unfortunately, globalization is not brought about by elementary school children writing to internet pen-pals (as cozy as that sounds). The real agents of globalization are our friends the multinational corporations – the ‘super-companies’. Globalization is nothing more than the product of the multinational corporation’s search for profit. So, rather than being driven by positive things like a wish to bring the world closer together, globalization is driven by corporations seeking to maximize profits, and part of that search for profits involves the search for cheaper labor. Many companies move into less developed countries to take advantage of the lack of organization of labor there which allows these companies to pay below subsistence-level wages.

So, rather than making the world a more friendly place, globalization is leading to things such as „Export Processing Zones“ – places where millions of people – mostly women – make products which are then shipped into the more developed countries and sold for a huge profit. These zones are integral to what globalization is and does. So, the next time someone talks about the global community, ask yourself if this is something we really want.“

Für alle die des Englischen nicht mächtig sind, kann der Text einfach zusammengefasst werden: Globalisierung ist eine Erfindung der Großkonzerne. Großkonzerne haben die Globalisierung erfunden, um Menschen in armen Ländern auszubeuten und hohe Profite zu machen. Entsprechend macht Globalisierung die Welt nicht zu einem freundlichen Platz, sondern zu einem Platz, an dem vor allem Frauen ausgenutzt werden: „Wenn also das nächste Mal jemand von der globalen Gemeinschaft spricht, fragt Euch, ob Ihr das wirklich wollt“, so der letzte Satz dieses religiös-rechtsextrem-nationalistischen Textes, den man durchaus als Neuauflage der jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung ansehen kann. Nur sind es dieses Mal (noch) nicht die Juden, die die Weltverschwörung und dieses Mal nicht die Versklavung des deutschen Volkes, sondern die Versklavung von vor allem Frauen finanzieren, sondern gesichtslose Großkonzerne. Und während die Nazis die jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung propagiert haben, um die militärische Expansion zu legitimieren, wird in diesem Schulbuchtext die Rückbesinnung auf die eigene Scholle als Lösung für alle Probleme propagiert. Geschrieben hat diesen rechtsextrem-nationalistischen Text Emily McMillan

McMillan ist im Vereinigten Königreich dafür bekannt, als Angestellte von JP Morgan rund 11.000 Pfund gestohlen zu haben, um ihre Drogensucht zu finanzieren. Dafür ist sie zwischenzeitlich verurteilt worden. Offensichtlich ist man beim Cornelsen Verlag der Ansicht, eine ehemalige drogensüchtige Assistentin des Managements bei JP Morgan sei das geeignete Rollenmodell, mit dem man deutsche Schüler konfrontieren müsse.

crossover-2Cornelsen trägt die Verantwortung für diesen rechtsextrem-nationalistischen Text, mit dem Schüler der 12. Klasse im Englischunterricht traktiert wurden. Crossover 2 nennt sich das Schulbuch, das den Text enthält, geradezu prophetisch, denn Crossover bedeutet „Überführung“ und meint in diesem Zusammenhang wohl, dass Schüler, die bislang von linker Ideologie unbeeindruckt und der Ansicht waren, freier Handel, Globalisierung und Kapitalismus seien für den Wohlstand verantwortlich, der u.a. Gestalten wie Emily McMillan möglich macht, zur richtigen Anti-Kapitalistischen und Anti-Globalisierungs-Ideologie überführt werden müssen.

Das Bemühen, deutsche Schüler auf den richtigen Großkonzern-Hasspfad zu bringen, ist in Deutschland so immens, dass man selbst mit drogensüchtigen Kriminellen gemeinsame Sache macht. Und deutsche Schüler sind offensichtlich in keinem Schulfach mehr davor sicher, mit linker Ideologie abgefüllt zu werden. Das ist widerlich und zeigt, dass viele Linke kein Konzept von Anstand und Moral, von Respekt, Toleranz und Demokratie haben. Damit bleiben sie selbst hinter den Nationalsozialisten zurück, belegt doch die Analyse von Schulbüchern, die im Englischunterricht im Dritten Reichs benutzt wurden, dass „nicht alle Schulbücher jener Zeit die nationalsozialistischen Lehren wiedergegeben und die Schuljugend sich nicht in allen Fächern fortwährender direkter oder indirekter politischer Beeinflussung und Meinungsbildung ausgesetzt gesehen hat“ (Flessau 1977: 139).

Die moderne, linke Indoktrination kennt diese Schlupflöcher nicht. Schüler werden anscheinend nach Betreten der Schule pausen- und gnadenlos mit der richtigen Ideologie verfolgt, vom angeblichen Anti-Rassismus bis zum Anti-Kapitalismus.

Wer kontrolliert eigentlich den Inhalt von vermeintlichen Schulbüchern – wer die Qualifikation der Autoren? Und was machen Schulämter.


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Unterrichtsmaterial – Es ist #NichtEgal, wenn alle Schwulen heterosexuelle Menschen hassen

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat einmal mehr eine sinnlose Verwendung von Steuermitteln entdeckt: Sie ist Partner von YouTube bei der infantilen Kampagne #NichtEgal, mit der gegen – na, gegen was? Krieg im Südsudan? Armut in der Sahel-Zone? Prostatakrebs bei Männern über 60 Jahren? Wasserknappheit in Guinea-Bissau? Krieg in Syrien? Überfischung der Weltmeere? Oder gegen Hassrede im Netz vorgegangen werden soll?

Richtig. Das derzeit wichtigste Thema, das so wichtig ist, dass man eine Kampagne nach der nächsten starten muss, um notleidende Aktivisten vor Arbeitsamt und der Gefahr, Weiterbildung und tatsächliche Arbeit erleiden zu müssen, zu retten, das ist natürlich HATE SPEECH.

Hass.
Hass ist überall.
Sie wachen morgens auf uns sehen in den Spiegel. Was sehen Sie? Sich? Nein: Hass!
Sie schalten das Radio an. Was hören Sie? Hate Speech!
Sie fahren in öffentlichen Verkehrsmitteln und lauschen der Hassrede ihrer Mitfahrer. Sie kommen am Arbeitsplatz an und tauschen die Mitfahrer gegen Kollegen. Sie schalten ihren Computer an und was erwartet Sie? Hass. Hass auf allen Seiten. Ständig sind sie nur einen Klick vom Hass entfernt. Hass in Bannerwerbung. Hass auf den Seiten der Bundesregierung, bei WELT; Fokus und BILD, Hass im Computerspiel und natürlich: Hass in sozialen Netzwerken, vor allem, in sozialen Netzwerken. Und das ist natürlich nicht egal. Es ist nicht egal, ob irgendwo auf Youtube irgendwer mit irgendeinem anderen eine Hassrede teilt oder einen Hasskommentar oder einen Hasspost …

nichtegalUnd weil das #NichtEgal ist, deshalb gibt es Unterrichtsmaterialien, mit denen bereits in Schulen dafür geworben werden soll, den Hass zu hassen, also auf Hassreden so mit Hass zu reagieren, dass man die Hassrede löscht, den Hassredner denunziert und … ja, wir kennen das, von der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Neu bei #NichtEgal ist, dass die Unterrichtsmaterialien mit einer Definition von Hassrede beginnen, nein mit drei Definitionen.

Die erste Definition stammt von Anatol Stefanowitsch und findet sich in einer Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung:

“Hassrede .. ist kein sprachwissenschaftlicher, sondern ein politischer Begriff mit mehr oder weniger starken Bezügen zu juristischen Tatbeständen“, so schreibt Stefanowitsch für die AAS-Stiftung und belehrt seine Leser, dass Hassrede nur dann Hassrede ist, wenn Hassrede Volksverhetzung ist, wenn also, wie es in § 130 StGB steht, in einer Weise, die geeignet ist, „den öffentlichen Frieden zu stören, 1. gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert [wird] oder 2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet“ wird.

Hassrede ist also nur dann relevant, wenn sie geeignet ist den öffentlichen Frieden zu stören. Ob das, was Hubert K Fritz P. in der geschlossenen Facebook-Gruppe anvertraut, den öffentlichen Frieden stört? Hassrede im hier definierten Sinn ist auch eine Leugnung des Holocaust oder die Billigung der Willkürherrschaft der Nationalsozialisten, sofern beide öffentlich erfolgen.

NoHate3

Die Amadeu-Antonio-Stiftung lauert überall!

Die zweite Definition stammt aus einer Broschüre der – na? Richtig: Amadeu-Antonio-Stiftung. Dort lernen wir, dass Hassrede ein Konzept ist, das man „kaum“ katalogisieren oder definieren kann. Hassrede kommt nur vor, wenn es bereits eine „bestehende Diskriminierung von Gruppen aufgrund von Hautfarbe, Gender, Sexualität …“ gibt. Und Hassrede funktioniert nur: „wenn sie eine kollektiv verankerte Abwertung anspricht und im Einklang mit gesellschaftlicher Diskriminierung steht“.

Das ist eine erstaunliche Definition von Hassrede. Ob die Urheber dieser Definition wissen, was sie da schreiben? Tatsächlich binden sie die Existenz von Hassrede an vorhandene Diskriminierung. Um eine Hassrede zu führen, muss entsprechend eine Diskriminierung „kollektiv verankert“ und tatsächlich vorhanden sein. Ohne den Nachweis einer kollektiven Verankerung von Sexismus und ohne den Nachweis einer Diskriminierung nach Geschlecht ist entsprechend keine Hassrede möglich. Das erklärt manches, denn nur wer sich in einer gewissen Paranoia suhlt und überall, wo er geht und steht, Rassisten, Sexisten, Rechtsextremisten sieht und nur wer diesen seinen Einbildungen entsprechende tief sitzende Ressentiments unterstellt, quasi als Projektion der eigenen Ressentiments gegen diejenigen, die er als Rassisten, Sexisten oder Rechtsextremisten katalogisiert, ist fähig zur Hassrede und fähig dazu, überall Hassrede zu lesen und zu hören. Vielleicht hilft den Armen ja ein Hassrede-Entzug in einer geschlossenen Anstalt?

Die dritte Definition stammt von „No-Nazi-Net“, also von der AAS-Stiftung, die das No-Nazi-Net finanziert und lautet, wie folgt:

„Als ‚Hate Speech‘ bezeichnet man [nicht man, wir nämlich nicht] menschenfeindliche Äußerungen, die zu Gewalt, Ausgrenzung oder Benachteiligung gegenüber einer Person oder eine Gruppe von Menschen aufrufen, z.B. Volksverhetzung oder Leugnung des Holocaust“.

Auf den ersten Blick sind wir zurück bei Stefanowitsch und seiner Definition. Auf den zweiten Blick sind wir hier in einem Dilemma, denn nach der Definition von No-Nazi-Net ist die Leugnung des Holocaust keine Hassrede, während Stefanowitsch sie in seiner Definition eingeschlossen hat. Da die Leugnung des Holocausts keine Gewalt, Ausgrenzung oder Benachteiligung einer Person oder Gruppe von Menschen zum Gegenstand hat, sondern einen historischen Fakt bestreitet, kann die entsprechende Leugnung nach den Kriterien der dritten Definition keine Hassrede sein.

Was nun?
Ignorieren wir die dritte Definition, weil sie einen Widerspruch formuliert und die zweite Definition, weil sie so formuliert ist, dass Hassrede nur von Personen wahrgenommen werden kann, die einen psychologischen Schaden erlitten haben, dann sind wir zurück bei Stefanowitsch und seiner Gleichsetzung von Hassrede und Volksverhetzung. Warum man einen neuen Begriff einführen soll, um einen alten Begriff zu ersetzen, wissen wir nicht. Aber scheinbar macht es Stefanowitsch Spaß unnötige Komplexität zu schaffen. Lassen wir ihm seinen Spaß.

Somit liegt Hassrede dann vor, wenn in einer Weise, die den öffentlichen Frieden stören kann, zum Hass aufgestachelt wird, gegen andere, also durch eine andere nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe oder dann, wenn die Menschenwürde anderer dadurch angegriffen wird, dass sie wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden und wenn der Holocaust geleugnet und die Nationalsozialisten verharmlost werden.

Damit haben wir die zweite Aufgabe in den Unterrichtsmaterialien von #NichtEgal, die in Partnerschaft mit der Bundeszentrale für politische Bildung erstellt wurden, gelöst, die auf Basis der drei Definitionen gelöst werden sollte. Dass die drei Definitionen ausnahmslos von der AAS-Stiftung stammen, muss man wohl als Productplacement oder Schleichwerbung seitens der Bundeszentrale bezeichnen.

Nun, nachdem wir herausgearbeitet haben, was Hassrede sein soll und festgestellt haben, dass Hassrede Volksverhetzung ist und nichts anderes, nun können wir uns ans Werk machen, Aufgabe 3 zu lösen. Aufgabe 3 besteht darin, Hassreden zu identifizieren und wie immer, wenn man Schüler nicht in der Weise alleine lassen kann, dass sie zu kritischen Gedanken kommen, werden in den Unterrichtsmaterialien Beispiele gegeben. Folgende Beispiele:

  1. nichtegal2Alle Schwulen hassen heterosexuelle Menschen.
  2. Alle Ausländer sind gleich.
  3. Juden = Israel, Schwarze = Afrika.
  4. Wenn wir denen nicht zeigen, wo sie hingehören, haben wir nichts mehr zu lachen.
  5. Alle Muslime stellen die Scharia über das Grundgesetz.
  6. Wenn Ausländer klauen, ist es viel schlimmer, als würden Deutsche das tun.
  7. Meinungsfreiheit muss es auch mal ertragen können, dass ich Feministinnen scheiße finde.
  8. Diese Gutmenschen mit ihrem Genderwahn und ihrer ach so großen Toleranz können mich mal.
  9. Für ein Deutschland, das christlich bleibt.

Haben Sie bei den Beispielen bemerkt, wie sich langsam aber sicher eine bestimmte Ideologie einschleicht, die für sich in Anspruch nimmt, die einzig gültige Ideologie zu sein, das einzige Heil, das zum Vierten Reich führt?

Fangen wir mit (1), (2) und (5) an. Hierbei handelt es sich zum einen um empirische Aussagen, zum anderen um Allaussagen. Wenn jemand eine Allaussage über die Wirklichkeit aufstellt, macht er damit zweierlei: Er stellt eine Aussage auf, die man prüfen kann. Und er stellt eine Aussage auf, die schon mit einem Gegenbeispiel falsifiziert werden kann. (1), (2) und (5) sind somit keine Hassrede sondern empirische Aussagen, die falsifizierbar sind. Ein Schwuler, der keine heterosexuellen Menschen hasst, reicht zum Beispiel zur Falsifikation von Aussage (1). Aussage (2) ist darüber hinaus Unsinn, weil nicht klar wird, im Hinblick worauf und mit wem Ausländer gleich sein sollen. Ergebnis: Keine Hassrede.

hate_speech1Aussage (3) ist leicht als Unsinn zu erkennen, denn die Gleichsetzungen sind falsch, da außerhalb von Israel Juden leben und außerhalb von Afrika Schwarze. Ergebnis: Keine Hassrede.

Aussage (4) ist ohne Bezug sinnlos. Erst wenn man „denen“ mit Sinn füllt, also z.B. denen als schlechte Clowns oder Spaßverderber operationalisiert, kann man die Aussage sinnvoll interpretieren. Und in der Tat feststellen, dass dann, wenn wir Spaßverderbern nicht zeigen, wo sie hingehören, wir bald nichts mehr zu lachen haben. Ergebnis: Keine Hassrede.

Aussage (6) mangelt ebenfalls eine Bestimmung, denn schlimmer ist nicht nur ein zweistelliger Funktor im Hinblick auf die Vergleichsgruppe, es bedarf auch einer Bestimmung von schlimmer im Hinblick worauf: Schlimmer im Hinblick auf die Straffolge: Landen Ausländern schneller im Gefängnis als Deutsche? Schlimmer im Hinblick auf den Tatanlass: Ist die Not, die Ausländer zum Diebstahl treibt, größer als die deutscher Diebe? Ergebnis: Keine Hassrede.

Aussage (7) ist vollkommen richtig. Wenn Feministinnen nicht damit leben können, dass es Menschen gibt, die sie „scheiße finden“, dann haben sie eine Lebensleistung die den Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenalter signalisiert, nicht erbracht. Ergebnis: Keine Hassrede.

Aussage (8) können wir uns nur anschließen. Sie ist eine Aussage, die deutlich macht, dass der Aussagende in Zukunft bitte nicht mehr von Gutmenschen belästigt werden will. Das werden die entsprechenden Gutmenschen doch wohl akzeptieren und tolerieren oder? Ergebnis: Keine Hassrede.

Ob Aussage (9) aus dem Parteiprogramm der CDU oder der CSU stammt, konnten wir nicht klären. Dass es auch im Interesse der Katholischen Kirche ist, dass nicht alle Christen zum Buddhismus übertreten, ist ebenfalls klar, so dass man sich fragt, was die Aussage hier soll, wenn es nicht darum geht, die Offiziellen der Katholische Kirche als Hassprediger hinzustellen? Ergebnis: Keine Hassrede.

free Hate speechDie Frage, was mit den Beispielen und den gesamten #NichtEgal Unterrichtsmaterialien bezweckt werden soll, ist keine triviale Frage, denn unter den neun Beispielen kann nur jemand Hassrede finden, der bereits mit einer entsprechenden Voreinstellung, einem entsprechenden Vorurteil, einem entsprechenden Hass an die Aufgabe geht und mehr liest, als da steht, jemand der eine Ideologie an die Wirklichkeit heranträgt und auf deren Grundlage Aussagen bewertet, so dass eine Ablehnung von Feministinnen zur Häresie wird, also zur Hassrede und die Bezeichung Gutmensch zur böswilligen Verächtlichmachung. Entsprechende Menschen sind leider nicht in der Lage, ihre Bewertung von ihrer Wahrnehmung zu trennen. Sie sehen keine Menschen mehr, sie sehen nur noch Gruppen: Freunde und Feinde. Sie lesen keine Sätze mehr. Sie lesen nur noch Hassrede oder Nicht-Hassrede. Sie können einem Leid tun, diese Ideologen. Ihre Welt muss furchtbar sein. Überall sehen sie, was sie sich in ihren Köpfen zusammenbrauen – nirgends mehr, was ist. Erschreckend.

Was derartige Projektionen geistiger Abgründe allerdings in Schulen verloren haben sollen, und wie es sein kann, dass die Bundeszentrale für Politische Bildung für derartigen Unsinn Steuergelder verschwendet, sind Fragen, die man nicht einfach unbeantwortet lassen kann, zum einen haben Unterrichtsmaterialien ein gewisses Niveau zu erfüllen und dienen dazu, Schülern etwas beizubringen, nicht dazu, sie zu verdummen. Zum anderen hat auch die Bundeszentrale für politische Bildung mit Steuergeldern verantwortlich umzugehen.

Gibt es eigentlich noch den Bund der Steuerzahler oder den Bundesrechnungshof? Wenn ja, was machen die? Denn: Wofür Steuergelder ausgegeben werden, ist #NichtEgal.


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Schulische Indoktrination: Schüler spielen Flüchtling

Seit Staaten die Schulen übernommen haben, ist das Interesse von Politikern an den Möglichkeiten, die Schulen bieten, um Schüler zu indoktrinieren, stetig gewachsen. Dabei kommt die Indoktrination regelmäßig als Unterrichtung in angeblich für das Führen eines selbstbestimmten und glücklichen Lebens wichtigen Dingen daher.

Der Einbruch der Ideologie in die Schulen, die Instrumentalisierung des Unterrichts zur Indoktrination von Schülern, sie kommt häppchenweise:

Wie funktioniert das politische System Deutschlands? Kenntnisse über die politische Ordnung, sie sind wichtig, so wichtig, dass man nicht darauf vertrauen kann, dass Schüler sie sich dann, wenn sie notwendig werden, selbst aneignen.

Warum ist Rauchen schädlich und warum sollen Jugendliche keinen Alkohol trinken? Ein gesundes und glückliches Leben ist das Ziel der meisten, wenn nicht aller Menschen. Also ist es doch nur recht und billig, wenn in Schulen die Grundlagen dafür vermittelt werden, schon weil nicht vorstellbar ist, dass ein Raucher, der säuft, glücklich sein kann – und gesund.

KaninchenwerderWarum sind Frauen in Deutschland so selten Chef eines Unternehmens? Die deskriptive Frage ist das Einfallstor in die Indoktrination, die Vorurteile und Diskriminierung behauptet und Schüler dafür sensibilisieren will, wie schwierig es doch ist, weiblich zu sein. Nebenbei hat diese Sensibilisierung den positiven Begleiteffekt, dass die meisten Schüler keinerlei Fragen stellen, wenn sie später sehen, wie massiv ein weiblicher Lebensentwurf gefördert und aus Steuergeldern finanziert wird, während ein männlicher Lebensentwurf fast schon etwas ist, für das man sich schämen muss. Stellen Sie sich vor, sie sind ein Junge und wollen sich körperlich mit anderen messen. Einfach so. Unfassbar!


Und wo wir gerade bei Frauen und ihren Nachteilen sind, die in Schulen unbedingt thematisiert werden müssen, handelt es sich doch um Wissen, ohne das ein Schüler heute nicht mehr im täglichen Leben überleben kann, thematisieren wir doch Sex gleich mit. Das liegt nahe – oder? Sexuelle Orientierung und sexuelle Praktiken. Man kann seinen Bürgern heute nichts mehr selbst überlassen, nicht einmal das, was sie hinter verschlossenen Türen tun. Also muss man Schüler lehren und sie dafür sensibilisieren, wie vielfältig sexuelle Orientierungen und sexuelle Techniken sind und man muss sie Desensibilisieren, sonst denken sie am Ende noch, Sexualität hätte etwas mit Gefühl und Liebe und nicht mit Methode und Technik zu tun.

Die richtige und gute Gesellschaft, zu der Schulen ihren Beitrag leisten müssen, sie ist natürlich nur möglich, wenn es keinen Extremismus und keine Gewalt gibt. Der Einfachheit halber behandeln wir beides zusammen und mit Bezug auf das Dritte Reich. Das zeigt, nur Rechte sind zu Extremismus und Gewalt in der Lage, zu Terror und Kontrolle. Deshalb müssen wir den Anfängen wehren und unsere Schule zur rassismusfreien Schule erklären. Und wenn wir schon dabei sind, stellen wir unseren Schülern eine unauffällige Frage: Sind AfD und NPD mit dem Grundgesetz vereinbar? Und schon ist klar, AfD und NPD haben etwas gemeinsam.

Und natürlich funktioniert eine Gesellschaft nicht richtig, wenn der richtige Umgang mit Flüchtlingen nicht bekannt ist, wenn Bürger nicht wissen, welcher Umgang mit Flüchtlingen von ihnen erwartet wird. Deshalb gilt es, Schüler in den Umgang mit Flüchtlingen einzuüben und sie damit vertraut zu machen, dass es nicht schön ist, ein Flüchtling in Deutschland zu sein.

Zu diesem Zweck dürfen Schüler Flüchtling spielen, „Flüchtling für einen Tag“, wie das in Mecklenburg-Vorpommern heißt. Dort pfercht das Netzwerk Arbeit für Flüchtlinge, zweifellos auf Kosten von Steuerzahlern, rund 100 Schüler regelmäßig auf einer Insel ein, der Insel Kaninchenwerder und zwingt sie dazu, die Rolle von Flüchtlingen zu spielen. Die Idee hat dem Flüchtlingsrat Mecklenburg-Vorpommern, ein weiteres von Steuerzahlern finanziertes Sammelbecken von Menschen, die genau wissen, wie die Gesellschaft zu sein hat, so gut gefallen, dass er sie unterstützt. Also wird Schüler Gord zu Java Ahmadnejad, natürlich ein Iraner, der auf der Flucht vor den Ayatollahs ist, ein anderer wird zum Kurden, der aus dem Irak geflohen ist. Und gemeinsam werden sie durch den Gang der Behörden gescheucht, von der Erstaufnahmeeinrichtung, in die Ausländerbehörde, zum Jobcenter und in die Abschiebezelle: Flüchtling hautnah, live und in Farbe; Damit die Schüler sensibilisiert werden, für Flüchtlinge, Empathie entwickeln, für Flüchtlinge, oder so.

Unbestritten ist es kein Zuckerschlecken, als Flüchtling nach Deutschland zu kommen und in das Mühlrad der Institutionen zu gelangen. Unbestritten ist das Leben in einer Flüchtlingsunterkunft, ohne Privatsphäre, Tag und Nacht mit anderen zusammen, auf engstem Raum, etwas, das selbst den Langmütigsten irgendwann überschnappen lässt. Und sicherlich haben eine Vielzahl von Organisationen, die an Flüchtlingen verdienen, ein großes Interesse daran, dass Flüchtlinge so lange wie möglich in ihren Aufnahmestationen verbleiben und dort zum Faktor werden, mit dem die Höhe der staatlichen Grundzuweisen multipliziert werden kann. All das ist unbestritten, und all das, ist etwas, von dem die Schüler auf Kaninchenwerder nichts erfahren. Alles, was ihnen vermittelt wird, ist die institutionelle Rohheit die menschlicher Verfügungsmasse gegenüber gezeigt wird, wenn die Maschinerie des Verwaltungssystems Individuen negiert, sie zum Futter des Verwaltungssystems werden.

Sherif Robbers caveDas jedoch ist keine Besonderheit der Verwaltung von Flüchtlingen. Die Ignoranz des Verwaltungssystems gegenüber dem Individuum, sie könnte Schülern auch an anderen Beispielen gezeigt werden: Bürger weigern sich ihre Steuern zu bezahlen. Wie reagiert die Finanzbehörde? Ein Schüler hat eine abweichende Meinung und sagt im Unterricht, dass Schulen nur dazu da sind, Schüler zu indoktrinieren. Wie reagieren die Lehrer, wie die Schulleitung? Eltern haben kein Vertrauen in schulische Erziehung und wollen ihre Kinder selbst lehren. Sie schicken sie nicht mehr zur Schule. Wie reagiert die Schulbehörde? Eine Familie wird von ihren Nachbarn beim Jugendamt denunziert. Die Behörde schickt ihre Schergen, um danach zu schauen, dass bei der Familie auch alles mit kindgerechten Dingen zugeht. Wie wirkt sich der soziale Status der Familie auf ihre Behandlung durch die Jugendamtshäscher aus? Eine Kindergärtnerin erfährt, dass die Eltern eines Kindes der „rechten Szene“ zugehörig sein sollen. Wie ändert sich die Behandlung des Kindes im Kindergarten? Ein Sachbearbeiter hat keine Lust immer die Arbeit von Sachbearbeiterin B zu übernehmen, die in Teilzeit tätig ist und häufig wegen ihrer Kinder fehlt. Wie reagiert die Behördenleitung? Ein Arbeitnehmer schreibt auf Facebook einen Kommentar zu Heiko Maas. Der fühlt sich beleidigt und erstattet Anzeige. Welche Räder des pönalen Systems werden in Gang gesetzt? Wie reagiert der Arbeitgeber des Kommentators? Wie wird der Arbeitnehmer behandelt?

Es gibt sehr viele Möglichkeiten, Schülern die Unmenschlichkeit eines Verwaltungssystems darzustellen, das auf ideologischer und nicht auf rationaler Grundlage basiert. Warum ausgerechnet Flüchtlinge gewählt werden? „‘Die Teilnehmer sollen durch Selbsterfahrung erleben, wie es sich anfühlt, in einem fremden Land zu landen und sich dort zurecht finden zu müssen‘, sagt Mitorganisatorin Angela Leymannek vom Netzwerk für Füchtlinge“. Und das scheinen die Schüler auch mitzunehmen, dass man es als Flüchtling, als Angehöriger des Kollektivs der Flüchtlinge, als Teil der Gruppe der Flüchtlinge schwer hat: „Die Lage der Flüchtlinge könne er nun noch besser nachvollziehen“, sagt ein Schüler. Er hat die Lektion gelernt und wird in Zukunft sein Urteil nach Gruppenzugehörigkeit und nicht nach individuellen Merkmalen treffen. Flüchtling? Gut. AfD-Mitglied? Schlecht. Bildungsfern? Bemitleidenswert. Bildungsnah? Überlegen.

Das schulische Training, Muzafer Sherif hätte es nicht besser erfinden können. Aber Sherif ging es nicht darum, Schüler in die Lage zu versetzen, ein gutes und glückliches Leben führen zu können, sondern darum, das Entstehen von Vorurteilen, die jederzeit instrumentalisiert werden können, um Aggression und Gewalt gegen z.B. Andersmeinende zu entfesseln, zu verstehen und zu erklären. Liest man seinen Forschungsbericht, dann hat man den Eindruck, auch dem deutschen Bildungswesen geht es nicht um das glückliche Leben, sondern darum, Vorurteile in Schüler zu implementieren, die jederzeit aktiviert werden können, Schüler zu kollektiven Schafen auf der Suche nach dem Leitwolf zu machen.

 


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Attac(ke) auf Schüler: Österreich strebt nach Armut

Marx, Keynes, Hayek, Friedman, Felber – das ist die ökonomische Welt, wie sie österreichischen Schulbuchmachern gefällt. Sie kennen Felber nicht, Christian Felber, der hier in einer Reihe mit Hayek und Keynes und Friedman steht? Sie kennen keine ökonomische Theorie, kein ökonomisches Modell, keine ökonomische Forschung, die von Christian Felber stammt?

Das wundert uns nicht, nichts davon können sie kennen, denn es gibt nichts davon, keine ökonomische Theorie, keine ökonomische Forschung, kein ökonomisches Modell. Christian Felber hat nichts davon vorzuweisen. Warum er dennoch in die Phalanx von Ökonomen eingeordnet wird?

Christian-Felber-Lit.Cologne-2012.jpgFelber gehört zu den Gründern von Attac Österreich und popularisiert ein Wolkenkuckucksheim, das er Gemeinwohl-Ökonomie nennt. Deshalb muss er nach Ansicht von Sonja Hinteregger-Euller, die beim österreichischen Bundesministerium für Bildung (?) und Frauen Auskunft über Schulbücher gibt, in einem Schulbuch für Schüler der 7. und 8. Klassen enthalten sein.

Dazu Hinteregger-Euller: „Das Verständnis von heterodoxen Ökonomietheorien ist daher unerlässlich, da es in einem rezenten Ökonomieverständnis auch um die Dimensionen der Ökologie und des Gender geht“. [Rezent meint aktuell. Heterodox ist ein Begriff aus dem Kontext von Religionen und bezieht sich auf Glaubenslehren, die mit dem herrschenden Glauben nicht übereinstimmen. Offensichtlich ist es im Österreichischen Bildungsministerium normal, im Zusammenhang mit Wissenschaft auf eine religiöse Sprache zurückzugreifen.]

Warum auch nicht, wer Bildung und Frauen in einem Ministerium kombinieren kann, der kann auch Marx, Keynes und Felber kombinieren. Das macht schon Sinn, wenn man von Ökonomie keine Ahnung hat. Nun gibt es aber auch in Österreich noch Personen, die von Ökonomie etwas verstehen, die sich mit der Theoriegeschichte der Ökonomie auskennen und ganz allgemein ein Verständnis davon haben, was Wissenschaft ist und was nicht. Und das, was Christian Felber, Magister der romanischen Philologie, zusammenschreibt, wenn er über seinen Marketinggag „Gemeinwohl-Ökonomie“ schreibt, das ist keine Wissenschaft. Entsprechend regt sich Widerstand, der sich in einem offenen Brief niedergeschlagen hat, auf den Ulrich Berger auf SciLogs heute hingewiesen hat.

Darin heißt es u.a.:

„Als Ökonomen lehnen wir die Auswahl von Christian Felber, der vorwiegend als politischer Aktivist auftritt, über keine ökonomische Ausbildung verfügt und keine wirtschaftswissenschaftliche Publikation vorweisen kann, daher ab. Die von Felber propagierte Gemeinwohltheorie erfüllt nicht die üblichen Kriterien der Wissenschaftlichkeit.“

Das ist eindeutig und basiert auf der Prämisse, dass in Schulbüchern Inhalte vermittelt werden sollen, die dem Stand der Wissenschaft entsprechen. Das war vielleicht gestern so, ist es heute in Österreich (und nicht nur da) aber nicht mehr. Heute geht es darum, Schüler zu indoktrinieren und mit dem abzufüllen, das gerade als politisch opportun angesehen wird.

Und Gemeinwohl-Ökonomie ist sowas von politisch opportun und dabei vollkommen unwissenschaftlich, Gemeinwohl-Ökonomie appelliert direkt an den Sitz des Affekts im Gehirn und führt unter Umgehung aller mit dem Denken befasster Prozesse zu positiven Reaktionen bei denen, die es nicht gewohnt sind, ihr Gehirn zum Denken zu benutzen.

Um diese These zu belegen, genügt es, den Blick auf die angebliche Gemeinwohl-Ökonomie von Christian Felber zu richten. Darin heißt es u.a.:

  1. VWL f dummiesGemeinwohl-Ökonomie beruht auf Verfassungs- und Grundwerten die zu gelingenden Beziehungen führen.
  2. Der Anreiz für Unternehmen/Unternehmer besteht nicht mehr in Gewinn und Konkurrenz, sondern in Gemeinwohl und Kooperation.
  3. Das Bruttosozialprodukt wird durch das Gemeinwohl-Produkt abgelöst. Die unternehmerische Bilanz wird zur Gemeinwohl-Bilanz.
  4. Finanzmärkte werden abgeschafft [Dieser Punkt hat uns besonders erheitert, denn er beweist, dass der Philologe Felber ein Träumer sondergleichen ist. Was würden wohl seine Landsleute dazu sagen, wenn die Abschaffung der Finanzmärkte sie auf einen Schlag all ihres geliehenen Eigentum entledigen würde. Denn natürlich können Kredite, Hypotheken und Leasingverträge ohne Finanzmärkte nicht bestehen, müssen entsprechend gestrichen, zurückgerufen und gekündigt werden. Oder plant Felber mit der zwangsläufig folgenden Enteignungswelle, um Eigentum in Gemeinwohl zu überführen, das dann vom Felber-Trust verwaltet wird und gegen Mietzahlung an Gemeinwohl-Gläubige abgegeben wird?]
  5. „Die Einkommens- und Vermögensungleichheiten werden in demokratischer Diskussion und Entscheidung begrenzt: Die Maximal-Einkommen auf zum Beispiel das Zehnfache des gesetzlichen Mindestlohns.
  6. Demokratische Banken sind für ethische Sparanlagen zuständig und betreiben regionale Gemeinwohl-Börsen.
  7. Natur kann nicht zu Privateigentum werden. Wer ein Haus bauen will, muss das Land, auf dem sein Haus steht, mieten.
  8. Arbeit wird geteilt in Regel-Erwerbsarbeit, Fürsorgearbeit, Eigenarbeit und politische Gemeinwesenarbeit. Die Dauer der Regel-Erwerbsarbeit wird über das mehrheitlich gewünschte Maß bestimmt.

Ob sich Karl Marx in Gesellschaft eines Träumers oder eines politischen Opportunisten, wer weiß, wie Christian Felber wohlfühlen würde?

Bei so viel Unsinn weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Vielleicht bei ein paar grundlegenden Dingen:

Verfassungs- und Grundwerte sind nicht für gelingende Beziehungen verantwortlich. Oder haben Sie geheiratet, weil Ihr Partner sich zum Grundgesetz bekannt hat? Akteure und ihre Interessen sind für gelingende Beziehungen verantwortlich. Die Triebkraft menschlicher Aktivitäten, das was man als Conditio Humana bezeichnen kann, besteht u.a. darin, sich von anderen zu unterscheiden, sich mit ihnen zu messen, in irgendetwas besser als andere zu sein. Wer Konkurrenz aus menschlichen Gesellschaften streichen will, zeigt damit, dass er von Anthropologie und Sozialpsychologie überhaupt keine Ahnung hat und macht damit menschliches Zusammenleben unmöglich. Wie absurd die Vorstellung ist, man könne menschliche Gesellschaften nur auf Kooperation bauen, zeigt sich z.B. dann, wenn man sich vorstellt, die Attac-Mitglieder würden zur Kooperation mit dem AfD-Stadtverband Dresden gezwungen. Was dabei wohl herauskäme?

AnthemDas Problem besteht u.a. darin, dass sich die Interessen der Mitglieder von Attac und die Interessen der Mitglieder des AfD-Stadtverband Dresdens unterscheiden. Das ist bei Menschen so, dass sich ihre Interessen unterscheiden. Wer entsprechend Menschen ausschließlich Kooperation in dem von ihm erträumten Paradies verordnen will, der muss das Paradies zum Gefängnis umgestalten, muss den Menschen sagen, wie Kooperation stattzufinden hat, welchen Zielen Kooperation zu dienen hat, was erlaubt ist, was verboten ist und genau das ist es dann auch, was die Gemeinwohl-Ökonomie produzieren wird: Ein Gefängnis, gleich den Gefängnissen, in denen die DDR-Bürger oder die Bürger der Sowjetunion gehalten wurden. Ein Gefängnis, in dem ihnen vorgegeben wird, wie lange sie zu arbeiten haben, welche Gemeinwohl-orientierte oder Fürsorgearbeit sie in ihrer Freizeit zu verrichten haben, wonach sie streben dürfen, was die verdienen, besitzen und wie sie leben dürfen, denn alles, was es in der Gemeinwohl-Ökonomie an Maßnahmen gibt, muss dem Gott der Ökologie huldigen. Ist der Gott der Ansicht, die Tätigkeit von Hans Werner X verstößt gegen das Reinheitsgebot ökologisch einwandfreier gemeinwohlorientierter Betätigung, dann ist es um Hans Werner X oder seine Tätigkeit oder um beide geschehen. Denn die Natur ist wichtiger als das individuelle Leben. Nicht das gute Leben ist das Ziel der Gemeinwohl-Ökonomie, sondern die „Reduktion des ökologischen Fußabdrucks“.

Die Gemeinwohl-Ökonomie, sie hat ein totalitäres System zum Ziel. Wieso? Ganz einfach: Jemand muss bestimmen, was Gemeinwohl ist. Wer soll das sein? Sie, wir, der Papst, Bill Gates oder Christian Felber oder die Mehrheit? Egal, wer es ist, wir haben die Wahl zwischen einer individuellen Diktatur und dem, was Alexis de Tocqueville die Despotie der Mehrheit genannt hat. Freiheit geht anders. Aber Freiheit ist nicht, was Felber in seinem Gemeinwohl-Gefängnis vorschwebt. Er will ein sozialistisches Trainingslager, in dem die Menschen in der vorgegebenen Weise glücklich und gleichgeschaltet sind, in der das Leben in etwa so geregelt ist, wie dies Ayn Rand in Anthem beschrieben hat.

Nichts wird dem Zufall überlassen, alles ist geplant und nachhaltig und mit minimalem ökologischem Fußabdruck. Und damit dies auch gelingen kann, werden bereits Schüler auf Linie gebracht: „19. Um die Werte der Gemeinwohl-Ökonomie von Kind an vertraut zu machen und zu praktizieren, muss auch das Bildungswesen gemeinwohlorientiert aufgebaut werden. Das verlangt eine andere Form von Schule mit anderen Inhalte, z. B. Gefühlskunde, Wertekunde, Kommunikationskunde, Demokratiekunde, Naturerfahrenskunde, Körpersensibilisierung und Kunsthandwerk.“ So steht es im Begleitpamphlet zur Gemeinwohl-Ökonomie.

Soll man lachen oder heulen? Soll man, ob dem, was man in einem Extrem als Naivität, im anderen als völlige Verkennung der menschlichen Natur und der Erfordernisse eines Lebens auf der Erde ansehen kann, in Mitleid ausbrechen? Nichts davon. Die Attacke auf das Denkvermögen, sie ist in vollem Gange. In Österreichs Schulen wird bereits gelehrt, dass der Unsinn von Felber auf gleicher Stufe anzusiedeln ist, wie der zwar empirische falsche, aber doch als theoretischer Versuch zählende Beitrag von John Maynard Keynes. Felber mit Hayek oder Friedman in einem Zug zu nennen, ist sowieso eine Unverschämtheit. Wehret den Anfängen, so können wir nur sagen, wehret den Anfängen einer Verdummung von Schülern, deren Ziel darin besteht, sie zu Gemeinwohl-infiltrierten Marionetten am Faden des Gemeinwohl-definierenden Staates zu machen, zu Zombies der Moderne, Gemeinwohl-Zombies.

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist nämlich gemeingefährlich!

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Die Ideologisierung von Schulen: Schüler als Spitzel

Kauftnichtbeijuden„Eine Neuntklässlerin hatte bei Facebook die Aussagen Meusers gesehen. Sie schrieb daraufhin an die SV: „Ich finde, da wir eine Schule ohne Rassismus sind, sollten wir uns deutlich gegen Rassisten oder Rassistinnen zeigen und nichts von ihnen kaufen.“ Auf Aufforderung durch die SV hat die junge Schülerin recherchiert und umfangreiche Unterlagen aus dem Internet zusammengetragen.“

Der in der Rheinischen Post namentlich genannte Meuser ist Bäcker und backt entsprechend Brötchen. In seiner Freizeit tut er sich auf Facebook um und postet dort seine Meinung, seine Meinung, die eine „Neuntklässlerin“, die in ihrer Freizeit offensichtlich Dossiers gegen Andersdenkende erstellt, beanstandenswert findet. Und nicht nur die Neuntklässlerin auch der Förderverein des Leibniz-Gymnasium in Hackenbroich und die Schulleitung finden die Meinung, die Werner Meuser, Bäckermeister, in seiner Freizeit äußert, bedenklich. Deshalb wurde der Vertrag mit dem Bäckermeister gekündigt. Man will am Leibniz Gymnasium in Hackenbroich lieber „Brötchen und Teilchen“ von einem Bäckermeister, der nicht „offen Rassismus gegenüber anderen Kulturen zeigt“.

Die Angelegenheit aus dem Ortsteil Dormagens geht nun schon seit einigen Tagen durchs Netz, hat einige Aufregung verursacht und dazu geführt, dass viele für die Meinungsfreiheit des Bäckermeisters eingetreten sind. Wir wollen heute – wie gewöhnlich – die Punkte anfüttern, die in der Diskussion bislang fehlen.

Unsere Thesen:

Schulen sind Orte der Indoktrination geworden, an denen das Erlernen von Fähigkeiten in Deutsch, Mathematik, den Naturwissenschaften und Sprachen ganz offensichtlich nicht mehr im Vordergrund steht.

Schüler sind so sehr indoktriniert, dass selbst Neuntklässler, von denen man nun wirklich denken sollte, dass sie etwas Besseres mit ihrer Zeit anzufangen wüssten, sich als Nachwuchsstasi im Auftrag einer – wie sie meinen – guten Gesellschaft und in vorauseilendem Gehorsam andienen.

Die Argumente für unsere Thesen.

Beginnen wir mit dem gesunden Menschenverstand. Wie kommt eine Neuntklässlerin auf die Idee, ein Dossier des Rassismus gegen einen Bäckermeister anzulegen? Wie kommt dieselbe Neuntklässlerin auf die Idee, den Bäckermeister anzuschwärzen?

Kein Schüler kommt als flammender Rassismusbekämpfer und Denunziant zur Welt. Wenn Neuntklässler dazu geworden sind, dann stellt sich die Frage, wie dies möglich war. Die Antwort lautet: Durch Indoktrination – gelungene Indoktrination, wie sich nicht nur darin zeigt, dass die Neuntklässlerin fremden Menschen nachstellt, sie stalkt, sondern auch in der gewählten Sprache:
Grammatik fuer dummies.jpg

„Ich finde, da wir eine Schule ohne Rassismus sind, sollten wir uns deutlich gegen Rassisten oder Rassistinnen zeigen und nichts von ihnen kaufen.“

Bereits Neuntklässler sind nur noch in der Lage politisch-korrekte Floskeln abzusondern und von „Rassisten oder Rassistinnen“ zu faseln. Hier hat die schulische Erziehung, die man nicht mit Bildung verwechseln darf, offensichtlich Früchte getragen.

Die Indoktrination der richtigen Sprachverwendung steht in Tateinheit mit der derzeit beliebtesten ideologischen Indoktrination. Wer sich als guter Mensch aufspielen will, der erklärt sich zum Antirassisten. Organisationen, z.B. Schulen, die sich als gute Schulen, nicht etwa gut im Hinblick auf die Vermittlung von nützlichen Lerninhalten, sondern gut im Sinne von Gutmensch, inszenieren wollen, erklären sich zu „Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage“.

Der Missbrauch von Schulen dafür, ideologisches Wohlgefallen zu züchten und Schülern vorzugaukeln, sie würden sich in welcher Form auch immer auszeichnen, wenn sie sich in den Dienst einer Aktion stellen und der neuen Mode nachlaufen, um gegen Rassismus zu sein, er hat erhebliche Ausmaße angenommen und geht regelmäßig von Institutionen aus, die am Tropf von Institutionen oder Ministerien hängen, die ihrerseits die Gelder von Steuerzahlern missbrauchen, um Schüler zu ideologisierten Muppets zu machen, die nicht mehr selbst denken, sondern zu Soldaten der gerade als politisch-korrekt angesehenen Ideologie verkommen sind – obwohl eigenständiges Denken doch in Schulgesetzes als oberstes Ziel ausgegeben wird.
Schule ohne Rassismus 2.jpgIm vorliegenden Fall ist es die Initiative „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, die bundesweit dafür wirbt, dass „Schulen sich zu Schulen ohne Rassismus und Schule mit Courage“ erklären. Die Initiative wird getragen von der Aktion Courage e.V. SOS Rassismus, die auf Politiker wie Heiner Geißler als Beisitzer zurückgreifen kann, was im Hinblick auf die Finanzierung der Aktion Courage sicher kein Nachteil ist. Wo das Geld der Aktion Courage e.V. genau herkommt, ist ein Geheimnis, denn es gibt keinerlei Bilanz oder sonstige Form von Rechenschaftsbericht. Zur Transparenz fehlt offenkundig die Courage. Das Geld scheint indes nicht zu fehlen, denn die Aktion Courage e.V. ist einer der Hauptfinanzierer der Initiative „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, wobei sich die Initiative nicht über fehlende finanzielle Zuwendungen beklagen kann. Die Förderer stehen Schlange:

  • Die Bundeszentrale für politische Bildung;
  • Das Ministerium zur Förderung auch des größten Unsinns (BMFSFJ);
  • Die GEW;
  • Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge;
  • Die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, Leitstelle für Gleichstellung – gegen Diskriminierung von Berlin;

sie alle investieren Steuergelder in die Indoktrination von Schülern, damit Bäckermeister dabei ertappt werden können, wie sie eine unpassende Meinung auf Facebook äußern.

Die Initiative „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, sie ist ein Unternehmen mit ca. 26 Mitarbeitern, die u.a. Materialien erstellen, die wiederum gegen harte Währung an Schüler und Lehrer verkauft werden. Die Heiligsprechung als Kämpfer gegen den Rassismus (oder war es der Kapitalismus oder der westliche Imperialismus?), es gibt sie nicht umsonst. Allein das Metallschild, das Schulen an ihren Gebäuden anbringen dürfen, wenn sie zur Schule ohne Rassismus ernannt wurden, kostet 105 Euro. Die vielen öffentlichen Förderer, sie reichen offensichtlich nicht, um Profit zu machen.

Wie man Schule ohne Rassismus wird? Man sammelt die Unterschriften von mindestens 70% aller, die in der Schule als Schüler, Lehrer oder Hausmeister sind und schickt den Nachweis gemeinsam mit einer Verpflichtungserklärung an die Bundeskoordination, Ahornstraße 5, 10787 Berlin (Scheck für das Metallschild nicht vergessen!). Die Verpflichtungserklärung, sie ist ein Glaubensbekenntnis und lautet wie folgt:

Schule ohne Rassismus

Es ist sicher kein Zufall, dass keinerlei Definition dessen, was Diskriminierung oder Rassismus sein soll, vorgenommen wird. Im kompletten Start-Info, das darauf ausgerichtet ist, Schüler dafür zu instrumentalisieren, die Werbetrommel für „Schule ohne Rassismus“ zu rühren, gibt es keinerlei Erklärung dazu, was Rassismus sein soll.

Deshalb unsere Nachhilfe:

“I would define racism as follows: an attitude towards individuals and groups of peoples which posits a direct and linear connection between physical and mental qualities. It therefore attributes to those individuals and groups of people collective traits, physical, mental and moral, which are constant and unalterable by human will, because they are caused by hereditary factors or external influences, such as climate or geography” (Isaac, 2004, p.23).

Diese Definition von Benjamin Isaac ist eine der besten Definitionen von Rassismus, die wir kennen. Entsprechend besteht Rassismus darin, einem Individuum (1) kollektive Eigenschaften zuzuweisen, die (2) negativ zu bewerten werden und (3) es wegen dieser kollektiven Eigenschaften abzulehnen. Wenn demnach „Leute angepöbelt werden, die sich durch ihre Kleidung, Sprache oder Hautfarbe von anderen unterscheiden“, dann ist dies zunächst einmal Pöbelei und kein Rassismus, zum Rassismus wird es erst, wenn die Pöbelei nur deshalb erfolgt, weil jemand über seine Hautfarbe als Angehöriger einer Gruppe, der wiederum bestimmte negative Eigenschaften angedichtet werden, identifiziert wird, er als Individuum verschwindet und von einer eingebildeten Gruppe mit eingebildeten und negativ bewerteten Eigenschaften ersetzt wird.

Werner Meuser Screenshot2Was Bäckermeister Meuser auf Facebook verteilt hat (siehe Abbildung), ist entsprechend kein Rassismus, so dass der Angeklagte in allen Punkten freigesprochen werden muss, denn Meuser hat lediglich seine Ablehnung gegenüber Zuwanderung zum Ausdruck gebracht. Wer Zuwanderung ablehnt, ist kein Rassist, schon weil Rassismus seine Wirkung in Handlungen  gegenüber Menschen entfaltet und nicht in Facebook-Likes (Aus diesem Grund kann es auch keinen „Rassismus gegenüber Kulturen“ geben. Vielleicht bringt das jemand der Neuntklässlerin, die diesen Unsinn geschrieben hat, bei.).

Dass die Aktion der Neuntklässlerin aus Dormagen auf der Seite von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ als leuchtendes Beispiel präsentiert wird, zeigt daher, dass es nicht darum geht, Rassismus von Schulen zu verbannen, sondern Kritik und die Äußerung von Meinungen, die nicht als politisch-korrekt angesehen werden.

Also muss man sich fragen, wer hier die Rassisten sind: Diejenigen, die ihre Ablehnung von Zuwanderung, ihre Meinung äußern oder diejenigen, die sie wegen dieser Meinung denunzieren, verfolgen und (wirtschaftlich) schädigen?

P.S.

Übrigens hat die Schule ohne Rassismus in Dormagen, bei der man sich entscheiden sollte, ob man den Namen von Leibniz tragen will und damit für Offenheit und Logik stehen will oder als Schule ohne Rassismus sich ideologisch andienen will, gegen den Kodex der Schule ohne Rassismus verstoßen. Der Vertrag mit Bäckermeister Meuser wurde einseitig gekündigt, und zwar ohne Begründung und das, obwohl es unter Punkt 2 des Verpflichtungskodex heißt:

„Wenn an meiner Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, wende ich mich dagegen und setze mich dafür ein, dass wir in einer offenen Auseinandersetzung mit diesem Problem gemeinsame Wege finden, zukünftig einander zu achten.“

Die gemeinsame Achtung schließt Bäckermeister offensichtlich nicht mit ein.

Ein Leser hat uns gerade auf diesen Text über Pawel Trofimowitsch Morosow aufmerksam gemacht, der auf „Bluthilde“ erschienen ist. Darin geht es um das Schicksal des 15jährigen Morosow, der seinen Vater bei der sowjetischen Staatsmacht denunziert hat. Der Vater wurde daraufhin von den Repräsentanten der sowjetischen Staatsmacht ermordet, der Sohn von Unbekannten und posthum zum Helden des Sozialismus, dessen Loyalität dem Staat und nicht seiner Femilie gegolten habe, aufgebaut. Denunziation lohnt sich eben, nur nicht für den, der denunziert.

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Schule 2016: Kaderschmiede – Überwachungsstätte – totale Institution

Bildung, das war einmal. Seitdem in Regierungen und Ministerien Personen Einzug gehalten haben, die immer genau wissen, was richtig und vor allem, was falsch ist, wird Bildung abgeschafft.

Das ist kein Wunder, denn die ministerialen und politischen Verantwortlichen, sie wissen nicht, was man mit dem Hinweis will, dass der Zweck von Schulen darin besteht, Kindern und Jugendlichen das Instrumentarium beizubringen, das sie benötigen, um ein selbständiges Leben zu führen, also in erster Linie Lesen, Rechnen, Schreiben, Grundkenntnisse in Naturwissenschaften und Sprachen und Kenntnisse über die Funktionsweise der Gesellschaft, in der sie leben.

Lehrer und Schule in der DDREs ist auch kein Wunder, weil die ministerialen und politischen Verantwortlichen irritiert sind, wenn sie darauf hingewiesen werden, dass Wissen sich aus einem Korpus von Aussagen über die Realität zusammensetzt, die derzeit als bestätigt gelten.

Denn: Die ministerialen und politischen Verantwortlichen, sie wissen ganz genau, was richtige Bildung und richtiges Wissen ist, das in Schulen vermittelt werden muss. Sie kennen keinen Zweifel und keine Falsifikation, sind vielmehr im Besitz der einzig richtigen und wahren Kenntnisse. Und diese Kenntnisse, sie müssen Schülern eingetrichtert werden.

Entsprechend werden Bildungspläne geschrieben, in denen Schülern die richtige Form von Akzeptanz und Toleranz vermittelt werden soll. Abweichung nicht vorgesehen, denn wer abweicht, wer die Bildungspläne kritisiert, anmerkt, dass Schulen z.B. nicht der Ort sind, um politische Agitation zu betreiben oder sexuelle Präferenzen zu vermitteln, der ist ein Rechter oder ein Homophober oder beides.

Überhaupt gelten manchen bereits Grundschulen als homophobe Orte, weshalb es notwendig ist, bereits Grundschüler an den Gedanken zu gewöhnen, dass es Schwule und Lesben gibt, die sich einreden, sie hätten einen Kinderwunsch. Nicht, dass bereits Grundschülern Kenntnisse in Psychiatrie und Verhaltensstörung vermittelt werden sollen. Nein, sie sollen auf das eingenordet werden, was die politischen Verantwortlichen gerne als Normalität durchsetzen würden.

Dass schon Grundschülern die richtige ideologische Orientierung antrainiert werden soll, zeigt, wo der Feind steht: Eltern ist nicht zu trauen. Besser man entfremdet ihnen ihre Kinder so früh wie möglich, noch besser, man macht die Kinder zu Spionen des Staates im eigenen Elternhaus, eine Vision, die eine Reihe von Gutmenschen, die dafür sorgen wollen, dass Kinder Zugang zu Dritten haben, um von diesen Dritten gegen ihre Eltern unterstützt zu werden, bereits ausformuliert haben und in Bundestagsausschüssen vortragen.

Für George Orwell war der Gedanke, Kinder als Spione der Partei im Elternhaus einzusetzen, noch Dystopie. Heute soll der Gedanke zur Normalität erhoben werden und das Netz der Kontrolle darüber, dass Kinder auch der Norm entsprechen, der politisch-korrekten Norm, es wird immer enger. Schulpsychologen wachen darüber, dass Kinder und Jugendliche, die abweichen, nicht toleriert und schon gar nicht akzeptiert werden. Dauerhaft abwegige Ideen, wie z.B. der Hinweis von Schülern im Fach Ethik, dass die AfD eine demokratisch legitimierte Partei ist, werden entsprechend sanktioniert – negativ versteht sich.

Und natürlich weckt ein solches Schülerverhalten Verdacht, rückt die Eltern in den Fokus, die offensichtlich nicht ausreichend darauf hinwirken, Jugendlichen ihre verqueren Flausen über Meinungsfreiheit und demokratische Parteien auszutreiben. Vermutlich sind diese Eltern selbst Rechte, schlimmer: Rechtsextremisten aus der Mitte, die AfD wählen oder NPD oder sie gehören zum bewaffneten Untergrund … In jedem Fall müssen entsprechende Kinder überwacht und am besten, dem elterlichen Zugriff entzogen werden.

Wie gut, dass es mit dem Schulsozialarbeiter einen verlängerten Arm des Jugendamts in der Schule gibt, der schnellen Zugriff und Inobhutnahme des Schülers veranlassen und durchsetzen kann, denn auch Toleranz hat ihre Grenzen, Grenzen, die dann erreicht sind, wenn jemand sagt, die AfD habe demokratische Rechte und Meinungsfreiheit gebiete es, auch Mitglieder der AfD am öffentlichen Diskurs zu beteiligen und nicht wie Aussätzige zu behandeln.

Solcher Art Gedankengut ist in deutschen Schulen verpönt, denn in deutschen Schulen herrscht Toleranz und Akzeptanz, und wer denkt, die Darstellung der Entwicklung von Schulen zur totalen Institution, sie sei übertrieben, Schulen seien keine Überwachungsanstalt, die von staatlichen Stellen zum direkten Zugriff auf Schüler und als Mittel der Indoktrination und Sanktion nicht tolerierter und nicht akzeptierter Meinungen genutzt wird, dem sei ein Beitrag auf der Achse des Guten ans Herz gelegt.

Geschrieben hat den Beitrag ein Schüler mit Namen Christoph Schrön. Christoph Schrön erzählt vom Alltag an seinem Gymnasium in Württemberg, und zwar in einer sehr eloquenten Weise, die vermutlich auf eine Lektorierung durch Dritte zurückgeführt werden kann. Diese Lektorierung, dieser Schliff an Sprache und Ausdruck, ändert jedoch nichts an den Aussagen, die Christoph Schrön macht.

Wir haben uns eine Reihe von Aussagen herausgegriffen, die sehr deutlich machen, was aus manchen deutschen Schulen geworden ist und wollen die nun folgenden Passagen aus dem Text von Christoph Schrön mit der Empfehlung an den Schüler der neunten Klasse beginnen, die Schule zu wechseln, denn er ist offensichtlich bereits intelligenter als seine Ethiklehrerin (wozu es augenscheinlich nicht viel braucht), aber auch intelligenter als sein Chemielehrer und sein Gemeinschaftskundelehrer.

Jamula Indoktrination„[…] Ich bin Neuntklässler an einem württembergischen Gymnasium. Dort erlebe ich tagtäglich, wie Indoktrination von ideologisierten Lehrkräften an Schulen in großem Stile betrieben wird. Es fängt schon damit an, dass ein Chemielehrer, wenn er anstatt gelb, braun an die Tafel schreibt, sagt, er denke wohl schon wieder zu sehr an die AfD.

Aber es sind eben nicht nur solche kurzen Randkommentare. Im Gemeinschaftskunde-Unterricht wird beispielsweise zu Beginn der Stunde eine Folie auf den Tageslichtprojektor gelegt, auf der oben Wahlplakate der AfD und unten welche der NPD zu sehen sind. Dazwischen steht fett gedruckt: “Wo ist der Unterschied?”. Das vorhersehbare Ergebnis der Stunde lautet natürlich: Es gibt keinen.

Generell wird hier gelehrt, der böse amerikanische Kapitalist sei Schuld an allem Übel der Menschheit. Außerdem, daß Waffenexporte aus Deutschland die Kriege auslösen und ‘wir’ selbst schuld an ‘den Fluchtursachen’ seien, was Deutschland moralisch zur Aufnahme aller Flüchtlinge verpflichte.

In einer Ethikstunde wurde von einer Lehrerin erzählt, sie habe wirklich Angst davor, dass rechtsradikale Parteien wie die AfD, die ja Flüchtlingskinder erschießen wollten, durch Angst und Verblendung deutscher Bürger an die Macht kämen. Auf die Frage, was sie, wenn die deutsche Grenze illegal übertreten werde, tun würde, sagte sie lapidar, die Grenze werde nicht illegal überschritten und Waffen seien nie eine Lösung.

[…]

Vor einigen Tagen wurden an unserer Schule, anlässlich des deutsch-französischen Tages, Stellwände aufgestellt mit Schriftzügen wie ‚Terror kennt keine Religion‘ und in der großen Pause ein Rap in der Schulaula von den sechsten Klassen vorgetragen, dessen Aussage so viel bedeutet wie: ‚Keine Chance dem Fremdenhass und lasst die Grenzen weiter offen!‘ […].“

Vor allem Politikwissenschaftler und Bildungsforscher sollte diese Form der Indoktrination an den Alltag in sozialistischen Regimen, in China, der DDR, im Rumänien Ceaușescus erinnern, an Regime also, in denen Schulen dazu missbraucht wurden, politische Propaganda zu betreiben, den Nachwuchs auf Linie zu bringen und Elternhäuser zu identifizieren, die von der vorgegebenen Linie abweichen.

Für Goerge Orwell waren die Kinder, die ihre Eltern im Auftrag der Partei und in voller Überzeugung ausspionieren, die Eltern, die Angst vor ihren Kindern haben, ein krasses Bild, mit dem er seine Dystopie beschreiben wollte, in der Überwachung und Kontrolle jede Form von Freiheit vernichtet hat. Manche Schulen in Deutschland 2016 scheinen der Dystopie Orwells, die von den politischen Verantwortlichen als Normalität ausgegeben wird, schon sehr nahe gekommen zu sein.

Dass die Überwachung von Kindern und Eltern nicht erst in der Schule beginnt, kann in diesem Beitrag nachgelesen werden.

Wir haben es weit gebracht: Eigentlich ist die Vermittlung von Bildung durch staatliche Agenten eine Serviceleistung, die im Auftrag der Eltern, in derem Sinne und gegen Steuerentrichtung erbracht wird. Irgendwie hat sich unter politisch Verantwortlichen die Überzeugung festsetzen können, Bildung sie keine Serviceleistung des Staates, sondern die Gelegenheit, Eltern Erziehungskompetenzen zu entziehen und Kinder zu Agenten des Staates zu erziehen.

 
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Organspende in der Schule macht Schule

Organspende soll nach dem Willen der Techniker Krankenkasse, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und des Bundesgesundheitsministeriums Schule machen. Deshalb hat sich das Trio entschieden, Schüler mit Informationen zum Thema Organspende zu versorgen, denn Organspende, so wird Bundesgesundheitsminister Bahr nicht müde zu behaupten, ist ein „Akt der Nächstenliebe“. Ein Akt der Nächstenliebe muss es auch sein, denn der, der spendet, ist nicht tot, wenn er spendet:

„Für die Organentnahme wird der Körper des Spenders mit einem Schnitt vom Brust- bis zum Schambein geöffnet. Erst jetzt erleidet der Hirntote durch systematisches medizinisches Handeln jenen Tod, der uns durch seine Zeichen als Herztod bekannt ist – beispielsweise indem vor der Entnahme des Herzens mehrere Liter der kardioplegischen (herzlähmenden) Lösung in die große Körperschlagader (Aorta) gegeben werden und so der Herzstillstand herbeigeführt wird. Wenn der Herztod eingetreten ist, wird in der Regel noch Gewebe entnommen: Augen, Knochen und selbst eine Häutung kann erfolgen“. (Bergmann, 2011, S.11)

Spontanbewegung bei einer hirntoten Patientin - Quelle siehe Bildnachweis

Weil Hirntod nicht gleich Herztod ist, der Herztod erst durch die Entnahme der Organe herbeigeführt wird, sieht Sabine Müller, Bioethikerin an der Berliner Charité „Organentnahme von Hirntoten als Tötung an“. Eingetretener Hirntod als Startkriterium der Explantation ist eine Festlegung, die u.a. die Bundesärtzekammer vorgenommen hat und die den Vorzug hat, dass die Entnahme noch frischer (oder noch lebender) Organe ermöglicht wird. So schreibt der Allgemeinmediziner Dr. Fritz Reutter in seinem blog: „Der Zwang, Organe möglichst frisch zu verpflanzen, verhalf dem ‚Hirntod‘ zu seiner Bedeutung – Ende der lebenserhaltenden Maßnahmen und Startschuss für die Organentnahme. Immer lauter melden sich jedoch die Kritiker zu Wort: Hirntote leben noch“.

Ich will hier nicht die Diskussion aufnehmen, ob Hirntote noch leben oder nicht, aus meiner Sicht reicht der Verweis auf die Praxis der Anästhesie der vermeintlich Hirntoten, um irritierende Bewegungen und Reaktionen während der Entnahme der Organe zu verhindern:

„Trotz der juristischen Festschreibung als Leichnam ist nach wie vor der Umgang mit Hirntoten von Unsicherheit beherrscht, insbesondere bei Operationsschwestern und Anästhesisten. Sie sehen, wie der ‚überlebende Körper auf seine Öffnung und auf die kalte Nähr- und Konservierungslösung reagiert, die dem Spender vor der Organentnahme gegen Verwesungsprozesse eingeflößt wird und das Blut ausschwemmt. Um irritierende Reaktionen auf diese Eingriffe (wie Bewegungen, Hautrötungen, Schwitzen, steigender Puls und Blutdruck) zu unterdrücken, werden dem Hirntoten Schmerzmittel und muskelentspannende Medikamente verabreicht. Ein Großteil der Explantation findet unter Narkose statt“ (Bergmann, 2011, S.12)

Und:

„Die Hirntoddefinition erfordert den kompletten Ausfall aller Funktionen des gesamten Gehirns, dennoch bleiben bei vielen dieser Patienten wesentliche neurologische Funktionen erhalten. … Es sei nicht ganz falsch, im Zusammenhang mit der Organgewinnung von einem ‚justified killing‘ zu sprechen. … Sich daraus ergebende juristische Fragen, bis wann ein Mensch Objekt eines Tötungsdelikts ist, und bis wann er das Grundrecht auf Leben mit all seinen Schutzwirkungen genießt, scheinen unter der Prämisse des aus therapeutischen Gründen gerechtfertigten Tötens hinfällig zu werden“ (Bergmann, 2011, S.13)

Aber:

„Organspende macht Schule“, so wollen es Techniker Krankenkasse, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und  Bundesgesundheitsministerium. Das Trio hat sich verschworen, um Schülern den frühzeitigen Abschied von eigenen Organen zu erleichtern. Nein, ich bin ungerecht, Bundesgesundheitsminister Bahr hat uns unterrichtet, warum es notwendig ist, bereits Schüler auf ihren Hirntod vorzubereiten und darauf aufmerksam zu machen, dass ihr Körper dann möglicherweise für sie selbst (eben weil hirntot) nutz- und wertlos ist, nicht aber für andere: „Ich möchte daher“, so Daniel Bahr, „dass sich möglichst viele junge Menschen mit diesem Thema [Organspende] auseinandersetzen. Dass sie eine Entscheidung treffen und diese in einem Organspendeausweis dokumentieren“.

Wäre das bundesgesundheitsministerielle „Möchten“ ausschließlich in der von mir zitierten Weise erfolgt, es wäre vielleicht noch erträglich. Aber so ist es nicht erfolgt. Es hat Vorsätze, einen normativen Rahmen, einen, der kaum eine  Wahl mehr lässt: „Bundesgesundheitsminister Bahr zu diesem Projekt [Organspende macht Schule]: ‚Organspende kann Leben retten. Sie ist ein Akt der Nächstenliebe. Jeder von uns würde bei einer schweren Organerkrankung hoffen, ein neues zu bekommen. Das kann aber nur gelingen, wenn es auch Spender gibt“. Diese altruistisch-verquasten Vorsätze stehen unmittelbar vor dem bundesgesundheitsministeriellen „Möchten“. Wie viel Wahlfreiheit würden sich die meisten Deutschen noch selbst zugestehen, wenn ihnen auf diese suggestive Art zu verstehen gegeben wurde, was die richtige Wahl ist – oder willst Du etwa durch Organverweigerung dokumentieren, dass Du nicht zur Nächstenliebe fähig bist? (Ist Herr Bahr eigentlich Spender?) Wie viel Wahlfreiheit nehmen sich wohl Schüler, also junge Menschen die leicht beeinflussbar und auf der Suche nach einer Selbstdefinition sind?  Schämt sich Herr Bahr eigentlich nicht, dass er sich zum Teilhaber an der Übervorteilung Jugendlicher macht?

Nein, er schämt sich nicht, denn dass „Organspende macht Schule“ in die Schulen geht, hat genau den Grund, dass Jugendliche so leicht beeinflussbar sind (oder zunmindest als leicht beeinflussbar gelten). Dr. Elisabeth Pott, BZgA-Direktorin, verrät hier die ganze Karte: „Wir wissen aus unseren Untersuchungen, dass vor allem junge Menschen dem Thema sehr aufgeschlossen gegenüberstehen, wenn sie darauf angesprochen werden. Doch weniger als die Hälfte der 14- bis 25-jährigen ist gut oder sehr gut über Organspende informiert.“ Und da Jugendliche die kleinen Naivchen sind, die sie nun einmal sind, muss man beizeiten informieren, damit die Jugendlichen auch die richtige Wahl in ihrem Organspendeausweis dokumentieren. Welche Form der Information man unter der Überschrift „Organspende macht Schule“ zu erwarten hat und wie sehr sich Jugendliche in die Nächstenliebe-Ecke gedrängt fühlen, kann man sich angesichts der unverblümten Art, in der die Manipulation bereits in Pressemeldungen betrieben wird, gut vorstellen – sicherlich werden keine Zweifel am Hirntod geweckt.

Dieselben Politiker, die nicht müde werden, sich über den  Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in welcher Variante auch immer aufzuregen, haben ganz offensichtlich gar kein Problem mit dem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, wenn es um ihre  Zwecke der Nächstenliebe geht. Aber besondere Interessen erfordern besonderen Missbrauch. Zum „guten Zweck“ kann man weitreichende Entscheidungen Jugendlicher über das eigene Leben auch bereits mit 16 Jahren zulassen, während dieselben Jugendlichen weiterhin als politisch unmündig betrachtet werden.

„Was heißt das eigentlich, das Recht über Leben und Tod? Natürlich nicht, dass der Souverän das Leben in der selben Weise anordnen lassen kann wie das Sterben. Das Recht über Leben und Tod lässt sich nur auf eine ungleichgewichtige Weise ausüben, und zwar immer auf Seiten des Todes. Die Wirkung der souveränen Macht auf das Leben ist erst von dem Moment an ausübbar, da der Souverän töten kann. Es ist letztlich das Recht zu töten, das tatsächlich die Essenz dieses Rechts auf leben un Tod in sich trägt: Ab dem Moment da der Souverän töten kann, übt er sein Recht über das Leben aus. Das ist wesentlich ein Recht des Schwertes. Folglich besteht keine wirkliche Symmetrie innerhalb dieses Rechts über Leben und Tod. Ebenso wenig handelt es sich um das Recht, sterben oder leben zu machen. Es ist auch nicht das Recht, leben oder sterben zu lassen. Es ist das Recht, sterben zu machen oder leben zu lassen“ (Foucault, 2010, S.64).

Weitere Informationen zum Thema Organspende: Organspende ist gelebte Solidarität

Bergmann, Anna (2011). Organspende – tödliches Dilemma oder ethische Pflicht? Aus Politik und Zeitgeschichte 21-21/2011: 10-15.

Foucault, Michel (2010). Kritik des Regierens. Schriften zur Politik. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

Bildnachweis:
Schattenblick: Spontanbewegung bei einer hirntoten Patientin; Quelle:  Turmel, André, Roux, Alain & Bojanowski, Michel W. (1991). Spinal Man after Declaration of Brain Death. Neurosurgery, 28(2), S.299.