Alternative Fakten aus Sachsen-Anhalt: Wie die Politische Lügenproduktion funktioniert

Wie Politiker Behauptungen, über die Empirie aufstellen, die sich nicht halten lassen, um damit eine Wahrheit festzuschreiben, die es nicht gibt.

Wir haben vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass die verpflichtende Einführung der Schulsozialarbeit an Schulen dem Staat – hier vor allem dem Jugendamt – einen direkten Durchgriff auf Schüler und deren Eltern ermöglicht. Der entsprechende Text ist von einem Leser zum Anlass genommen worden, sich bei uns zu melden. Er selbst hat eine Reihe von Bedenken, die sich mit Schulsozialarbeit und u..a damit verbundener Verstöße gegen den Datenschutz verbinden und diese Bedenken in einer Reihe von Fragen an sachsen-anhaltinische Abgeordnete im Bundestag gerichtet, darunter Birke Bull-Bischoff von der Fraktion “DIE LINKE” und Burkhard Lischka von der SPD.

Die mehr oder weniger nichtssagenden Antworten, die er bekommen hat, ermöglichen es uns, den Prozess darzustellen, in dessen Verlauf politische Lügen produziert und vielleicht in einer Form der Selbsttäuschung von denen, die politische Verantwortung tragen wollen, Bürgern gegenüber vertreten werden, so dass am Ende das Gegenteil dessen, als Fakt verkauft werden soll, was sich in der Realität finden lässt.

So wird Birke Bull-Bischoff geradezu von ihrer Euphorie über die Schulsozialarbeit weggetragen, und sie begründet diese Euphorie über die „hervorragende Arbeit“ der Schulsozialarbeiter mit einem Verweis auf den „Endbericht der wissenschaftlichen Begleitung zum ESF-Programm „Projekt zur Vermeidung von Schulversagen und zur Senkung des vorzeitigen Schulabbruchs“.

“Schulsoziarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen leisten eine hervorragende Arbeit. Gern verweise ich in diesem Zusammenhang auf den Endbericht der wissenschaftlichen Begleitung zum ESF-Programm „Projekte zur Vermeidung von Schulversagen und zur Senkung des vorzeitigen Schulabbruchs“ von Prof. Dr. Thomas Olk (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), Prof. Dr. Karsten Speck (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg) und Thomas Stimpel (M.A. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) im Auftrag des Ministeriums für Arbeit und Soziales sowie des Kultusministeriums des Landes Sachsen-Anhalt, abrufbar unter https://www.schulerfolg-sichern.de/fileadmin/user_upload/schulerfolg-sic… . “

Ob Bull-Bischoff tatsächlich glaubt, in dem Endbericht werde die „hervorragende Arbeit“ der Schulsozialarbeiter belegt oder denkt, der Bürger, dessen Fragen sie beantwortet, werde den Endbericht sowieso nicht lesen, das sei einmal dahingestellt.

Wir haben den Endbericht gelesen.

Von 2007 bis 2013 hat das Land Thüringen „Projekte zur Vermeidung von Schulversagen und zur Senkung des vorzeitigen Schulabbruchs“ an Thüringer Schulen aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert. Insgesamt sind 59 Millionen Euro in die entsprechenden Projekte an 118 Schulen geflossen. Der „Endbericht der wissenschaftlichen Begleitung zum ESF-Programm ‚Projekte zur Vermeidung von Schulversagen und zur Senkung des vorzeitigen Schulabbruchs“ wurde von Dr. Thomas Olk (Martin-Luther-Universität Halle), Dr. Karsten Speck (Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg) und Thomas Stimpel, M.A. (der die Arbeit gemacht hat) erstellt und ist von diesen zu verantworten.

Für die wissenschaftliche Begleitung ist mit einiger Sicherheit ein sechsstelliger Eurobetrag angefallen, was bei 59 Millionen Euro gesamten Projektkosten vielleicht gar nicht so sehr ins Gewicht fällt.

Was würden Sie als Gegenstand einer wissenschaftlichen Begleitforschung ansehen, deren Forschungsauftrag u.a. lautet, die „Gelingsbedingungen, Wirkungen und Beurteilungen des ESF-Programms“ und „die Effizienz und Effektivität der durchgeführten Maßnahmen“ zu untersuchen?

Man würde sicher erwarten, dass im Endbericht untersucht wird, ob es durch den Einsatz der 59 Millionen Euro, um Sozialarbeiter an 118 Schulen zu installieren, gelungen ist, „Schulversagen“ zu vermeiden und den „vorzeitigen Schulabbruch“ zu verhindern.

Das würde man, schon weil Bull-Bischoff meint, der Endbericht würde die „hervorragende Arbeit“ der Schulsozialarbeiter belegen. Diese „hervorragende Arbeit“ kann im vorliegenden Fall nur darin bestehen, Schülern, die ohne Schulsozialarbeit ohne Abschluss die Schule verlassen hätten (entweder wegen Abbruch oder schlechter Leistungen = Schulversagen), zu einem Abschluss verholfen zu haben.

Das würde man erwarten.

Das methodische Design, das die beiden Lehrstuhlinhaber aus Halle und Oldenburg einsetzen, ist in jedem Fall so beschaffen, dass man diese Erwartung an den Inhalt eines Endberichtes erfüllen könnte, wenn man wollte.

Das methodische Design ist geradezu lavisch, wie man im Englischen sagt: Es wurde geklotzt, nicht gekleckert.

Qualitative Interviews mit 14 Schulsozialarbeitern, Netzwerkmitgliedern, Schullleitern, Lehrkräften und Netzwerkkoordinatoren wurden in vier Regionen von Thüringen geführt.

Zu zwei Zeitpunkten wurden Fragebögen an Netzwerkkoordinatoren, Schulsozialarbeiter, Jugendämter, Träger der Sozialarbeit, Träger der Netzwerkstellen verschickt. 290 Fragebögen kamen zurück. An 20 Schulen wurden Fragebögen verschickt, 3.356 Fragebögen wurden an Schüler, Lehrkräfte und Eltern verschickt. Wie gesagt, hier wurde nicht gekleckert, hier wurden richtig Kosten produziert.

Und herausgekommen ist Folgendes:

  • The Snout in the Trough

    Die Anzahl der Netzwerkstellen, die im Projekt „Schulversagen“ geschaffen wurde, ist genau die Anzahl, die geschaffen werden sollte.

  • Nach Anlaufschwierigkeiten werden Anträge auf bildungsbezogene Angebote, die von z.B. Schulsozialarbeitern an Netzwerkkoordinatoren gerichtet werden, auch bewilligt, weil sie die Voraussetzungen erfüllen.
  • Die zentrale Aufgabe, so erbringen qualitative Interviews, die Netzwerkkoordinatoren zu leisten haben, ist die Unterstützung der Schulsozialarbeiter.
  • Die Erwartungen, die Schulsozialarbeiter an die regionalen Netzwerkstellen haben, werden weitgehend erfüllt. Sie bewerten die regionalen Netzwerkestellen entsprechend.
  • Die Schulsozialarbeiter und Netzwerkkoordinatoren, die aus dem ESF-Programm bezahlt werden, sind der Ansicht, dass das Geld bei ihnen gut angelegt ist, weil sie ein wichtiger „Baustein zur Vermeidung von Schulversagen“ sind (65).
  • Die Autoren des Endberichts halten die Befristung der Projektstellen (Netzwerkkoordinatoren und Schulsozialarbeiter) für problematisch und fordern „Regelstrukturen“ (66)
  • Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts widmet sich weiteren drängenden Fragen im Zusammenhang mit Schulversagen und Schulabbruch:
    • Schulsozialarbeiter werden gefragt:
      • Ob die räumlich-technischen Randbedingungen in Ordnung sind;
      • Ob sie Unterstützung und Gremienzugang erhalten;
      • Ob sie von den Projektträgern unterstützt werden;
      • Welche Angebote sie machen;
      • Ob sie Zugang zu Schülern in besonderen Problemlagen haben;
      • Wie sie ihren Informationsstand zu Fragen von Schulversagen etc. einschätzen;
      • Ob sie mit ihrer Beschäftigung zufrieden sind;
    • Auch Lehrkräfte kommen zu Wort. Sie werden u.a. gefragt,
      • Wie sie den Bedarf an Schulsozialarbeitern (die sie entlasten sollen) einschätzen;
    • Eltern dürfen auch ein paar Angaben machen, darunter
      • Ob sie Kontakt zu Schulsozialarbeitern hatten und ob sie mit der Arbeit der Schulsozialarbeiter zufrieden waren: Nur 31% von denen, die Kontakt hatten, sagen, sie seien sehr zufrieden oder zufrieden gewesen. Erster Missklang

Der zweite Missklang zeigt sich, wenn man die Schüler befragt, die Opfer einer Einzelberatung durch Schulsozialarbeiter waren, wie sehr ihnen diese Einzelberatung geholfen hat: 45% der im Jahr 2012 befragten Schüler geben an, die Einzelberatung haben ihnen „gar nicht“ geholfen, während 23% meinen, sie habe ihnen „wenig“ geholfen.

Das ist deutlich.

In der Zusammenfassung der Ergebnisse liest sich das alles wie folgt (unser Digest):

Schulsozialarbeiter fänden gute „räumlich-technische Rahmenbedingungen“ vor, hätten „eigene Büros“, würden durch Schulen unterstützt, könnten an „Dienstberatungen, Konferenzen, Netzwerktreffen und Unterrichtsprojekten“ teilnehmen (101). Die Unterstützung der Schulsozialarbeiter durch die Projektträger sei gut. Die „fachliche Trägerunterstützung“ sei jedoch „noch ausbaufähig“. Die Schulsozialarbeiter würden eine „Vielfalt von Angeboten in den Schulen“ offerieren, darunter die „Einzelfallhilfe“ (s.oben). Sie würden einen „guten Zugang zu Schüler…gruppen in besonderen Problemlagen finden“. (102) Die Kooperation mit außerschulischen Akteuren lasse noch etwas zu wünschen übrig, zudem hätten die Schulsozialarbeiter wenig Kenntnisse über die „Regelungen und Strukturen des ESF-Programms“. Dafür wiesen sie eine „eher geringe Problembelastung auf“ (103).

Fehlt Ihnen etwas?

Stimmt, der Befund, den die Autoren auf Seite 91 des Endberichts aus ihrer Befragung der Schüler, die eine Einzelberatung durch Schulsozialarbeiter hatten und diese als gar nicht (45%) bzw. wenig (23%) hilfreich eingestuft haben, wird … sollen wir sagen: vergessen.

Fehlt Ihnen noch etwas?

Zum Beispiel im Hinblick auf den Gegenstand der 118 Schulprojekte? Sie erinnern sich vielleicht: Es ging ursprünglich nicht darum, Schulsozialarbeiter als Selbstzweck zu installieren und Netzwerke aufzubauen und sich zu freuen, wenn Netzwerkkoordinatoren und Schulsozialarbeiter und Lehrer gut miteinander auskommen bzw. behaupten, gut miteinander auszukommen? Nein, es ging um Schüler. Ja, Schüler, um die Schüler, die ohne Abschluss bleiben, weil ihre Leistungen zu schlecht sind oder sie der Schule fernbleiben.

Die „herrvorragende Arbeit“ der Schulsozialarbeiter, von der Bull-Bischoff oben geschwärmt hat, sie soll eigentlich in diesem Endbericht belegt sein. Wir zweifeln einmal zugunsten von Bull-Bischoff, dass sie meint, die hervorragende Arbeit bestünde im Aufbau von Netzwerken und im Bezug eines eigenen Büros, sondern darin, die Anzahl derer, die die Schule ohne einen Abschluss verlassen, zu reduzieren.

Nun, der erste Makel an der „hervorragenden Arbeit“ findet sich durch die Bewertung der Schüler, die man als Kernklientel ansehen muss. Diejenigen, die eine Einzelberatung erdulden. 68% derer, die das getan haben, sagen, das sei mehr oder weniger Zeitverschwendung gewesen.

Der nächste Makel ergibt sich, wenn man die zentrale Größe betrachtet, die das ESF-Programm EIGENTLICH adressieren sollte, war es doch das erklärte Ziel des Programms „Projekte zur Vermeidung von Schulversagen und zur Senkung des vorzeitigen Schulabbruchs“ den Anteil der Schüler, die ohne einen Schulabschluss bleiben auf 8,6% zu reduzieren. Bevor die 59 Millionen Euro in Schulsozialarbeiter und Netzwerkkoordinatoren investiert wurden, haben 12% der Schüler in Sachsen-Anhalt die Schule ohne einen Abschluss verlassen.

Die Projekte starten im Jahr 2007. Im Jahr 2007 verlassen noch ohne Einfluss von Schulsozialarbeitern 7,9% der Schüler in Sachsen-Anhalt die Schule ohne einen Abschluss. Im ersten Jahr der Laufzeit der Projekte schießt der Anteil der Schüler, die die Schule ohne einen Abschluss verlassen, auf 10,9% empor, um im zweiten Jahr der Laufzeit auf 10,7% zurückzugehen. Jahr drei der Laufzeit sieht 12,3% aller Absolventen in Sachsen-Anhalt ohne einen Schulabschluss bleiben, Jahr vier 12,4%. Im Jahr fünf der Laufzeit, wir sind im Jahre 2012 angekommen, verlassen 11,6% der Schüler eine Schule in Sachsen-Anhalt ohne einen Schulabschluss. Das Beste, was man von den Projekten sagen kann, ist dass sie keinerlei Einfluss auf den Anteil der Schüler, die ohne Schulabschluss geblieben sind, haben. Ob das die „hervorragende Arbeit“ ist, von der Bull-Bischoff schwärmt? Gemessen am Ziel der ESF-finanzierten Projekte, nämlich die Quote der Schulabsolventen ohne Abschluss auf 8,6% zu senken, muss man ein komplettes Versagen konstatieren. Die Quote liegt 2012 bei  11.6%, 3% höher. Ob das auf die „hervorragende Arbeit“ zurückzuführen ist, von der Bull-Bischoff schwärmt?

Zusammenfassend kann man feststellen, dass sich der Endbericht der wissenschaftlichen Begleitung des ESF-Programms „Projekte zur Vermeidung von Schulversagen und zur Senkung des vorzeitigen Schulabbruchs“, in keiner Weise einen Beleg dafür liefern kann, dass Schulsozialarbeiter „hervorragende Arbeit“ machen würden. Gemessen an dem Ziel, dem die Arbeit der Schulsozialarbeiter dienen sollte, muss man feststellen, dass sie vielmehr miserable oder gar keine Arbeit machen, was an dem liegen kann, was Olk, Speck und Stimpel (der, der die Arbeit gemacht hat), dann doch entweder nicht vermeiden konnten, in den Endbericht zu schreiben (weil sie auch morgen noch in den Spiegel schauen wollen) oder was dem Zensor entgangen ist: „Aber ebenso der zentralen Programmthematik: Schulversagen, muss noch immer ein Wissensdefizit konstatiert werden. Nach wie vor harren – bei Teile der Programmbeteiligten – die folgenden Fragen der Beantwortung: Was ist Schulversagen? Welche Ausprägungen von Schulversagen gibt es? Wodurch wird Schulversagen ausgelöst? Und nicht zuletzt: Welche präventiven und interventiven Strategien haben sich als erfolgversprechend erwiesen und wie können sie angewendet werden? Hier bedarf es weiterhin systematischer Wissens- und Kompetenzvermittlung” (115-116).

Es mag ein Grund dafür sein, dass die Schulssozialarbeiter in ihrem Bemühen, Schulversagen und Schulabbruch zu verhindern gescheitert sind, dass sie keinerlei Ahnung, keinerlei Vorstellung davon haben, was „Schulversagen“ ist, welche „Ausprägungen von Schulversagen“ es gibt, wodurch „Schulversagen ausgelöst“ wird und entsprechend auf keinerlei Kompetenzen, es zu verhindern. Wer nicht weiß, was er verhindern soll, wird auch wenig Erfolg dabei haben, das, was er nicht weiß, zu verhindern.

Aber darum geht es in all den Programmen, die von Politdarstellern wie Bull-Bischoff dann als Erfolg gefeiert werden, auch gar nicht. Es geht darum, Pöstchen zu schaffen, die eigene Klientel zu versorgen, eine Legitimation dafür zu finden, dass Schulsozialarbeiter, selbst nach bewiesener Nutzlosigkeit, an Schulen installiert werden, um die Kontrolle und den Zugriff des Staates auf Schüler und ihre Eltern komplett zu machen. Es geht darum, Geld ausgegeben zu haben und von sich sagen zu können, man tue etwas. Es geht nicht darum, Schülern zu helfen oder gar darum, die Menge derer, die ohne Schulabschluss eine Schule verlassen, zu reduzieren. Dieses Problem, das vor allem männliche Schüler betrifft, wurde von uns in einem Beitrag für die Zeitschrift für Pädagogik bereits 2002 als Problem erster Dringlichkeit benannt. Es folgte eine Diskussion darüber, wer daran Schuld ist, dass Jungen in der Schule schlechter abschneiden als Mädchen, der eine Welle von Arschkriecherstudien (Dr. Diefenbach schreibt lieber: Andien- oder Wasserträgerzuarbeit) gefolgt ist, in denen angeblich gezeigt wurde, dass weibliche Lehrer nicht schuld sind. Schließlich hat man sich darauf geeinigt, das Jungen an ihrem schlechteren schulischen Abschneiden selbst schuld sind. Deshalb kann man ihr schlechteres Abschneiden ignorieren.

Seit nunmehr 16 Jahren ist bekannt, dass Jungen deutlich schlechter in allgemeinbildenden Schulen abschneiden als Mädchen. Getan wird nichts. Denn letztlich ist es den politisch Verantwortlichen egal, ob ein oder zwei, oder 10.000 mehr Jungen als Mädchen die Schule ohne wirkliche Lebenschance verlassen. Wenn es Programme wie das in Sachsen-Anhalt gibt, dann werden Schüler, die keinen Schulabschluss erreichen, zum Vorwand genommen, um Geld auszugeben und Pöstchen zu schaffen. Damit dies nicht auffällt, wird wissenschaftliche Begleitforschung beauftragt, die man besser als politische Legitimationsbeschaffung bezeichnet und die sich als solche selbst entlarvt, wird doch auf Seite 37 die Feststellung, dass „Schulabgänger ohne einen Hauptschulabschluss … nach wie vor die zentrale Zielgruppe für die Maßnahme“ bleiben, das ist die Formulierung, die der Tatsache, dass das Programmziel weit verfehlt wurde, noch am nächsten kommt, um die völlig deplatzierte Mahnung ergänzt, dass „dies nicht zur Vernachlässigung mädchenspezifische Angebote führen“ dürfe. In Sachsen-Anhalt sind rund 2/3 derer, die ohne Schulabschluss bleiben, Jungen.

Wem angesichts von soviel Arschkriecherei übel wird, der lebt noch.

Derartige „Endberichte“ können nur damit erklärt werden, dass die Verfasser der Ansicht sind, ihr Bericht werde sowieso nicht gelesen, sondern diene einzig als Legitimation für den weiteren Einsatz von Steuergeldern, von dem man sich nicht durch eine tatsächlich wissenschaftliche Begleitforschung abschneiden will.

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Im Spinnennetz der Korruption oder Kinderarbeit im Selbstbedienungsladen der Gutmenschen

Aphorismen vorweg:

Der Widerspruch
(Fast)Nur in Deutschland kann man Schüler kollektiv zu einer freiwilligen und auf eigener Initiative beruhenden Tätigkeit abordnen.

Die Erziehungsdiktatur
Deutsche Schüler müssen zu eigenverantwortlichen Menschen erzogen werden, die auf keinen Fall eine von den Vorgaben abweichende Meinung haben.

Eine Stiftung oder ein Verein, so genau weiß man das nicht, benutzt Verbindungen in die Politik, um an Schulen jährlich rund 80.000 Schüler zum Arbeitseinsatz am sozialen Tag zu manipulieren:

„Am 13. Juli 2017 ist es wieder soweit. Zehntausende Schüler*innen bundesweit tauschen ihre Schulbank gegen einen Arbeitsplatz und spenden ihren Lohn an Schüler Helfen Leben. Somit unterstützen sie nicht nur Jugend- und Bildungsprojekte für Gleichaltrige in Südosteuropa und Jordanien, sondern haben auch die Möglichkeit, einen Tag lang in ihren Traumberuf zu schnuppern.“

Bei den angepriesenen Traumjobs handelt es sich nach Ansicht der Sozialen Tag Veranstalter um die folgenden:

„Deiner Kreativität sind fast keine Grenzen gesetzt: Ob Du schon immer einmal für Kinderrechte in einem Restaurant kochen oder gar im Tonstudio Beats bauen wolltest. Viele Arbeitgeber*innen kennen den Sozialen Tag schon und stellen dich gerne ein.“

Traumjobs eben.

SHL versuch einer Bilanz

Der Versuch einer Bilanz für “Schüler helfen leben”

Das Geld, das die Schüler erarbeiten, 706.033 Euro waren es immerhin im Jahre 2015 und somit 49% der Einnahmen des Vereins oder der Stiftung „Schüler helfen leben“, wird genutzt, um Projekte auf dem Balkan oder in Jordanien zu finanzieren. Zudem dient der soziale Tag dem Verein, vielleicht ist es auch eine Stiftung „Schüler helfen leben“ dazu, „Fundraising“-Aktivitäten zu entwickeln. Noch einmal 621.585 Euro aus Spenden von Gönnern kamen auf diese Weise im Jahr 2015 zusammen. Die genaue Herkunft der Spenden ist nicht zu klären. Die Transparenz des Vereins, der zwar einen Jahresbericht herausgibt, sich darin aber bemüht, die Mittelherkunft nach bestem Wissen und Gewissen zu verschleiern, hält sich in Grenzen.

In jedem Fall kann man feststellen, dass ohne den Sozialen Tag die Finanzierung des Vereins oder der Stiftung „Schüler helfen leben“ nicht möglich wäre. Umso besser, dass die politischen Verbindungen, die der Verein hat, Bundeskanzler Merkel und 9 Ministerpräsidenten zumeist SPD-geführter Regierungen halten ihre schützende und vermutlich auch geldbringende Hand über den Verein, genutzt werden können, um nicht nur Zugang zu Schulen zu erreichen, sondern auch dazu, als Quasi-Monopolist für einen Tag von Kinderarbeit zu profitieren.

Und alles, um vor allem auf dem Balkan, im Jahre 26 nach dem Ende des Jugoslawienkrieges dafür zu sorgen, dass die dortigen Menschen auch die richtigen Werte, Meinungen und Überzeugungen entwickeln. „Schüler helfen leben“ ist somit nichts anderes als ein Gesinnungsprojekt, bei dem es darum geht, Schüler und ihre Bereitschaft, sich für eine angeblich gute Sache vor einen Karren spannen zu lassen, auszunutzen, um Mittel für den ideologischen Kampf zusammenzuraffen, den ideologischen Kampf, der dann z.B. mit 120.220 Euro in Tirana (Albanien) mit folgenden Inhalten geführt wird:

exploitation2“Das Soziale Tag-Projekt 2016 “Gewalt ist keine Lösung” setzt sich für die Rechte von Frauen und Mädchen ein und kämpft gegen geschlechtsspezifische Gewalt.

Geschlechtsspezifische Gewalt – Problem einer patriachalen Gesellschaft
Geschlechtsspezifische und häusliche Gewalt sind weit verbreitete Phänomene in der albanischen Gesellschaft, die nicht nur Frauen und Mädchen negativ beeinflussen, sondern ganze Familien und Gemeinschaften. Ein politischer und rechtlicher Rahmen für Prävention vom geschlechtsspezifische Gewalt wurde geschaffen, um Frauen und Mädchen zu schützen, doch Gewalt wird oft immer noch als Familienangelegenheit akzeptiert und behandelt.

Obwohl die junge Generation Studien zufolge eine aufgeschlossene Haltung gegenüber Geschlechtergerechtigkeit hat, gibt es immer noch viele Kinder und Jugendliche die häusliche und geschlechtsspezifische akzeptieren und/oder selbst ausüben.

Gemeinsames Engagement für bessere Beziehungen

Mit dem Projekt wird ein Mentoring Bildungsprogramm für gesunde zwischenmenschliche Beziehungen in den Schulen entwickelt. Durch das Engagement verschiedener Akteure (Eltern, Lehrer*innen, Schüler*innen) trägt das Projekt dazu beim, geschlechtsspezifische Gewalt unter albanischen Jugendlichen zu beseitigen.

Da Projekt soll bewirken, dass Frauen und Mädchen, ebenso wie Jungen und Männer in Albanien mehr:
• Achtung und Respekt
• Unterstützung und
• Freiheit
von geschlechtsspezifischer Gewalt in ihren Beziehungen, Partnerschaften, Familien und Gemeinschaften erfahren und somit zu einer gesünderen Gesellschaft beitragen. [Alle Fehler finden sich im Original]”

Besonders interessant sind die Kernelemente, aus denen das Projekt besteht, nämlich aus Bildung, Engagement, soziales Marketing und Beeinflussung von Politik und Gesellschaft. Schüler in Deutschland, die man über ihre Bereitschaft, sich für eine angeblich gute Sache zu engagieren, ködert, finanzieren somit die Ausbildung von albanischen Jugendlichen zu politischen Kadern, die im ersten Schritt (Bildung) lernen, wie die richtige Sicht auf die Welt aussieht. Die im zweiten Schritt zu dem, was in der linksextremen Szene als „Multiplikatoren“ bekannt ist, weitergebildet werden sollen, also zu Kadern, die das Heil, das sie gerade erlernt haben, an Dritte weitergebend. Im dritten Schritt lernen die neuen Heilsträger, wie man mit Mitteln der Propaganda (soziales Marketing) die Heilsbotschaft unters Volk bringt, und im letzten Schritt werden ihnen noch die Techniken anerzogen, die notwendig sind, um politische Entscheidungsträger und deren Entscheidungen zu beeinflussen. Früher fand man derartige Ausbildungen in den „Kaderschmieden“ des Kommunismus, in sogenanten Parteischulen..

Aber seit der Erfindung des allein seligmachenden Wertkanons, der aus Genderismus, Vielfalt und Intoleranz gegenüber allen abweichenden Meinungen besteht, ist es nicht nur normal geworden, Schüler zum Gegenstand der entsprechenden Indoktrination zu machen, es ist auch schick geworden, Schüler arbeiten zu lassen, um andere Schüler indoktrinieren zu können.

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SED Parteischule Ballenstedt; Quelle: WolkenkratzerEigenes Werk, CC BY-SA 3.0,

Die Politik im Namen des Guten bedient sich schamlos des Idealismus derer, die das Leben noch keine Vorsicht gelehrt hat. Wenn jemand weiß, wo hier die Trennlinie zu Anwerbe- und Ausbildungsaktivitäten des IS verläuft, er möge es uns mitteilen.

Ansonsten kann man nur allen Schülern raten, sich von Sozialen Tag fernzuhalten und ein egoistisches Eremitendasein im nächsten Kaffee zu führen. Meditation über das eigene Leben und den Missbrauch, der im Namen des Guten betrieben wird, ist in jedem Fall hilfreicher als mit Kinderarbeit gegen Kinderarbeit anzukochen.

Der Hinweis auf den Sozialen Tag stammt von einem ScienceFiles-Leser, der persönlich betroffen ist:

„Ich möchte vorschlagen, sich einmal mit dem sogenannten “Sozialen Tag” zu befassen (d.h. kritisch, goes without saying), der Ende Juni/Anfang Juli an vielen Schulen in Deutschland wieder abgehalten wird (“Rasen rollen gegen Rassismus”;
http://www.schueler-helfen-leben.de/de/home/sozialer_tag.html).

Als Vater zweier Gymnasiasten bin ich gerade selbst davon betroffen. Kritisch zu bewerten ist m.E. daran der Mißbrauch des jugendlichen Idealismus für die Inszenierung eines medialisierten und – trotz aller Beteuerungen zum Gegenteil – politisch getriebenen Events. Mißbrauch, weil hier in unheiliger Kollusion von Politik und öffentlicher Prominenz mit den Schulleitungen ein “freiwilliges” soziales Engagement der Schüler “kollektiv organisiert” wird. Einerseits machen sich die Schulen zum Agenten einer angeblich privaten, unabhängigen Stiftung bzw. e.V.; siehe http://www.schueler-helfen-leben.de/de/home/sozialer_tag.html.

Andererseits ermöglicht die Politik dieser Organisation einen privilegierten, exklusiven Zugriff auf die Arbeitskraft der Kinder (bzw. Spendenfreudigkeit der Eltern oder Arbeitgeber), z.B. durch Ausnahmeregelung von der Pflicht zum Lohnsteuerabzug, der Gewährung von Unfallversicherungsschutz für diese Tätigkeit etc. etc. …“

Schüler und Eltern sind gefangen im Spinnennetz der Korruption, werden zunehmend zum Gegenstand politisch-korrekter Erziehung und zum Objekt, dessen sich die vermeintlichen Gutmenschen nach allen Regeln der Kunst bedienen.


Hinweise für ScienceFiles?
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Was ist an Schulen los? Das ist an Schulen los! Erfahrungsbericht eines Gymnasiasten

Wir fragen auf ScienceFiles häufig: Was ist an deutschen Schulen los? Angesichts von Anti-Rassismus-Kampagnen und an US-Wahlergebnissen verzweifelnden Schülern, angesichts von schulischen Leistungstests, die zeigen, warum Unternehmen über den Ausbildungsstand von Schülern klagen, und angesichts von immer mehr Belegen dafür, wie Schulen zur ideologischen Indoktrination genutzt werden, ist dies eine logische Folge.

Heute geben wir eine erste Antwort auf diese Frage, das heißt nicht wir, sondern ein Gymnasiast aus Baden-Württemberg gibt diese Antwort, in dem er aus seinem schulischen Alltag berichtet, von den kleinen und großen Indoktrinationen, denen Schüler ausgesetzt sind, von Lehrern, die intellektuell von so manchem ihrer Schüler abgehängt werden und von Ethiklehrerinnen, deren Ethik soweit reicht, dass sie auf missliebige Fragen durch den Ausschluss des Fragestellers aus dem Unterricht reagieren.

Wir hoffen, mit diesem Beitrag eine kleine Serie starten zu können und andere Schüler, die uns bislang still mitlesen dazu zu motivieren, ihre Erfahrungen mit ScienceFiles-Lesern zu teilen.


Dieser Artikel ist aus der Sicht eines Schülers der 12. Klasse/erste Jahrgangsstufe (also meiner Wenigkeit) verfasst, er ist sozusagen ein Insiderbericht. Eine letzte Information dieser „Einführung zur Einführung“: ich besuche eine gegliederte Schule, darunter befinden sich die Gymnasien: BTG(=BioTechnologisches Gymnasium) meine Schulart, TG(=Technisches Gymnasium) WG(=Wirtschaftliches Gymnasium) und schließlich SG(=Sozialwissenschaftliches Gymnasium)

meinungsfreiheitIm Folgenden beschreibe ich anhand von Lehrmaterialien und freilich subjektiven, wobei ich versuche möglichst deskriptiv in meinen Ausführungen zu bleiben, Tatsachenberichten wie man sich den „indoktrinatorischen Alltag“ eines (biotechnologischen-)Gymnasiasten ungefähr vorzustellen hat. Das Partikel „biotechnologisch“ ist dabei bewusst hinzugefügt, weil ich ein naturwissenschaftliches Gymnasium besuche, meiner Erfahrung nach ist der Einfluss diverser Ideologien an den sozialwissenschaftlichen Gymnasien wesentlich stärker, über das wirtschaftliche Gymnasium liegen mir bedauerlicherweise keine direkten Informationen vor. Meine Erfahrung ist allerdings, dass, je „härter“ sprich auf Empirie und Experiment, also auf Naturwissenschaft eine Schulform ausgerichtet ist, desto geringer wird der direkte Ideologische Einfluss. Ich beschränke mich daher fast ausschließlich in diesem Artikel auf „weichere“ Fächer, also Deutsch, Englisch, GGK(=Geschichte-Gemeinschaftskunde) und Ethik. Das ganze ist von meiner Wenigkeit oft humoristisch aufgelockert, aber keineswegs übertrieben.

Ursprünglich hatte ich vor, mich auf Schulmaterialien und einige subjektive Beispiele für Indoktrination zu beschränken, die vergangenen Wahlen in den USA haben allerdings wieder für einige…Verwerfungen gesorgt, um es vorsichtig auszudrücken. Diese Gelegenheit möchte ich nutzen. Da gibt es zum Beispiel einen Lehrer, er unterrichtet Informatik, und scheint ein Bildungs-Idealist zu sein, seine Arbeit ernst zu nehmen und uns (seine Schüler also) bilden zu wollen. Das Wörtlein “scheinen” ist hierbei essentiell wichtig, denn wenn es um ideologische Feinde, in diesem Falle Donald Trump, geht, dann lässt er jegliche Hemmungen seines Scheinliberalismus fallen, dann will er seinen Schülern erzählen, was sie für gut zu befinden haben.

Formuliert hat er es etwa so: “Das hier (Bildung, Schule) ist wichtig. Seht nach Amerika, ihr müsst verstehen, wie die Welt funktioniert, dass wird euch hier beigebracht. Damit so etwas (Trump-Wahlsieg) nicht noch einmal passiert.”

Wir lernen also: Es ist sehr wichtig, über die Welt Bescheid zu wissen, gebildet zu sein, aber vor allen anderen Dingen: Die korrekte Ansichten zu vertreten. Ein Antichrist wie Donald Trump, der rechtfertigt nicht einmal eine Argumentation, nein, den darf man wann immer es einem beliebt als Drohmittel für seine Schutzbefohlenen verwenden.

Denn nichts anderes wird doch mit solchen billigen Manipulationstechniken bezweckt: Lernt brav, sonst kommt Donald Trump und….ja, was eigentlich? Auf jeden Fall nichts Gutes, so scheint es. Wir können also folgern: Lehrer zu sein ist eine Sache, Denken zu können eine Andere. Könnte er es nämlich, er würde nicht davon reden, Schülern “helfen” zu wollen, die Welt zu verstehen, er wäre sich bewusst, dass ein gebildeter Mensch vor allem in der Lage ist, kritisch zu hinterfragen, unabhängig zu sein und nicht auf irgendjemanden vertrauen zu müssen, der einem die Welt erklärt, einem sozusagen die “Meinung bildet”. Am liebsten hätte ich ihn auf diese an Faschismus grenzende, auf jeden Fall “schülerverachtende” Frechheit hingewiesen, aber ich war bedauerlicherweise nicht in der Stimmung dazu.

Ich bin an sich ein streitbarer, schwer von Autorität zu beeindruckender Mensch, aber gelegentlich brauche auch ich eine Auszeit, sich ständig und überall mit jedem anzulegen, ist Verschwendung. Den rationalen Widerstand spare ich mir für wichtige Gelegenheiten auf.

Kommen wir aber zunächst zu einem weiteren Punkt: Ideologische, nennen wir sie Verunreinigungen des Lehrplans bzw. von Lehrmaterialien. Vorbei sind die Zeiten, in denen man als Schüler mit einem Anspruch an Schulung in logischem Denken und vor allem an Philosophie in den Ethik-Unterricht kam. Heute sind es “feministische Ethikerinnen” wie Carrol Gilligan, denen man erlaubt ihre essentialistischen Wortgirlanden auf Schüler, man muss es sagen, zu ejakulieren.

Der Text „Gerechtigkeit und Fürsorge“, wurde von ihr verfasst und findet sich in „Standpunkte der Ethik- Lehr- und Arbeitsbuch für die Gymnasiale Oberstufe“, herausgegeben vom Schöningh-Verlag.

Ich konnte den Text bedauerlicherweise nicht vollständig im Internet finden und ehrlich gesagt ist es mir zu schade, dafür extra Geld auszugeben, deshalb werde ich einiges handschriftlich kopieren um dem geneigten Leser eine Vorstellung zu verschaffen, worum es geht.

gibberish1“Mit dem Entwurf eines alternativen Standpunkts möchte ich die moralische Entwicklung aus zwei moralischen Perspektiven rekonstruieren […] Die Gerechtigkeitsperspektive, die man oft mit moralischen Urteilen schlechthin gleichsetzt, wird neu verstanden als eine Art und Weise, moralische Probleme aufzufassen; als alternativer Bezugsrahmen wird eine Perspektive der Fürsorge entwickelt”

An dieser Stelle unterbreche ich kurz. Lassen Sie es auf sich wirken, und vor allem: versuchen Sie, dieses Satzungetüm in einem einzigen Satz zusammenzufassen. Geht nicht? Oh doch: “Meiner Ansicht nach gibt es zwei verschiedene Arten von Moral: Gerechtigkeits- und Fürsorgemoral, bisherige ( wie wir gleich erfahren männliche) Moral, ist reine Gerechtigkeitsmoral.”

Das ist die Quintessenz dieses sätzelangen Umherschwafelns. Ein bisschen wollen wir uns noch in Gilligans Lyrik vertiefen:

“Die Unterscheidung zwischen Gerechtigkeit und Fürsorge als alternative Perspektiven oder moralische Orientierungen ist empirisch auf die Beobachtung gegründet, dass ein Wechsel der Aufmerksamkeitsfokussierung von Gerechtigkeitserwägungen zu Fürsorgeerwägungen die Definition dessen, was ein moralisches Problem konstituiert, verändert und dazu führt, dass die gleiche Situation auf unterschiedliche Weise wahrgenommen wird.”

I’m astonished! Unterschiedliche moralische Einstellungen führen zu einer unterschiedlichen Sicht auf moralische Probleme? Wer hätte das gedacht. Aber das Wörtlein “empirisch” stört mich ein wenig. Denn es folgt kein Verweis auf ein Experiment, auf eine Beobachtung, sonder nur “dass ein Wechsel der Aufmerksamkeitsfokussierung von Gerechtigkeitserwägungen zu Fürsorgeerwägungen die Definition dessen, was ein moralisches Problem konstituiert, verändert […]” Wie genau Carol Gilligan die telepathische Leistung erbracht hat, in die Köpfe von Menschen zu sehen und Ihre gerade eben konstruierten (man könnte auch sagen: ausgedachten) Moralperspektiven zu entdecken und so zu dieser für mich schwer nachvollziehbaren Schlussfolgerung zu kommen, diese Antwort bleibt sie leider schuldig, vermutlich auch deshalb, weil sie die beiden Perspektiven im gesamten Text nicht definiert.

Kommen wir zum feministischen Teil des Textes, der uns darüber aufklärt, dass Männer und Frauen völlig unterschiedliche Moralvorstellungen haben, und deswegen die gesamte bisherige Philosophie damengerecht umgedacht werden muss:

“Wenn die Moraltheorie eine kohärentere und begrifflich besser durchgearbeitete Perspektive der Fürsorge zur Verfügung stellen könnte, dann würde sie es den Frauen leichter machen, über ihre Erfahrungen und Wahrnehmungen zu sprechen, und sie könnte andere befähigen, zuzuhören und zu verstehen”

Wir lernen: Frauen sind, obwohl als Menschen zur sprachlichen Kommunikation fähig, nicht in der Lage, sich verständlich zu machen, aufgrund einer ominösen “Fürsorgeperspektive”, die sie vermutlich sogar daran hindert, deskriptive Aussagen zu treffen. Wie muss ich mir das als gerechtigkeitsorientierter Macho vorstellen? “Das schöne rote Haus hat einen tiefen bedrohlichen Keller, in dem arme Katzenbabys aufgepeppelt werden”. Fürsorglich genug? Ansonsten klingt Gilligans Text für mich ein bisschen wie die Neuauflage des Rufes nach dem “neuen Mann” der sich immer und zu jeder Zeit her every whim anpasst. Aber das ist nur mein Eindruck. Wer trotzdem eine Idee hat, darf und soll sie gerne als Kommentar kund tun.

Das ist nur ein Beispiel für äußerst wirre Texterzeugnisse, von denen ich nicht genau weiß, was sie in einem Ethik-Lehrbuch verloren haben. Schulung in Wortmagie? Beliebiges Herummeinen als Ersatz für belastbare Beweise? Ich weiß es wie gesagt nicht.

Nun ist aber Schluß mit harmlosen Wortonanierern. Kommen wir zu den harten Ideologen und Genderisten, die insbesondere in einem gewissen Schulbuch ihr Unwesen treiben. Die Rede ist von Crossover, einem ergiebigen Fundus an seltsamen Schlussfolgerungen, Ideologie und Indoktrination. Wem dieses Englisch-“Lehrbuch” nichts mehr sagt, der möge sich den Artikel “Schlimmer als im Dritten Reich: Indoktrination in Schulen dieses Mal von links” auf Sciencefiles zu Gemüte führen.

Auf Seite 29 findet sich etwa der folgende Text. Der Titel, “Stay-at-home-Dads” lässt bereits Schlimmes erahnen:

“When Christine Black dated photographer Mark Howells ten years ago, he told her that someday he wanted to raise their kids. Christine, a lawyer, thought that was just great. Nine years later, Christine Howells was a successful partner at a San Francisco law firm, while Mark spent his time at home with their 5-year old son, Micky, and infant daughter, Sarah. The 2006 US census reported that there were about 143,000 stay-at-home dads, a tiny number next to the 11 million stay-at-home mums. These men are social entrepreneurs challenging traditional definitions of manliness by throwing over one of the key measures of masculinity: the size of the paycheck. Men have to be tolerant. The solo stroller-pushing dad remains a target for unwanted advice.”

Die Zusammenfassung auf Deutsch: Bestimmte Männer sehen den Sinn des Lebens offenbar darin, sich an ihrem Nachwuchs auszurichten, in dem sie zuhause bleiben und Kinderwägen schieben, während Mutti (in diesem Fall sogar als Rechtsanwalt) den Familienunterhalt verdient. Allerdings stellen die Hausmänner nur die Minderheit dar, wenn man sie mit den Hausfrauen vergleicht(laut US census 143.000 zu 11 Millionen). Das macht diese Männer zu “social entrepeneurs”, einen Begriff, den es im Deutschen auch gibt, gemeint sind Unternehmer, die sich für die Lösung sozialer Probleme einsetzen. Hausmänner als Revolutionäre? Wie dem auch sei, nun schreibt sich der Autor zum ideologischen Orgasmus, denn nicht nur “social entrepeneurs” , nein, auch Kämpfer gegen traditonelle Rollenbilder sind sie, Rollenbilder, deren Eckstein unter anderem die Höhe des Lohnauszugs ist. Und tolerant müssen Männer gegenüber dieser Entwicklung auch sein, schließlich würden sie wohl ohne diesen (vermutlich weiblichen Hinweis) jeden Kinderbuggy schiebenden und -fläschchenwärmenden “social entrepeneur” wohl sofort traditionell maskulin verwemsen. Okay, einige Einschübe konnte ich mir nicht verkneifen, aber die Quintessenz dürfte klar sein.

Wir hatten vorhin ja eine “feministische Ethikerin” zum Thema. Ob dort eine Begriffsverwandtschaft zu “arischer Physik” oder “kommunistischer Mathematik” besteht, ist nicht klar. Klar ist jedoch, dass Englischbuchverfasser(?) in Gestalt von Shaunessy Ashdown und Marilyn Clifford-Grein um einiges schlimmer sind, können sie es doch nicht lassen, ihre ideologischen Griffel von Statistiken zu lassen und Zahlenwerte in ihrem Sinne frei herum zu interpretieren. Was hat bitte die Anzahl an Hausmännern mit traditionellen maskulinen Rollenbildern die sich angeblich am Lohn ausrichten zu tun? Verschwinden jene dann einfach? Und was ist mit den Karrierefrauen? Mutiert der Lohn dann nicht plötzlich auch zu einem “key measure”, nur eben für Femininität als eine Art “Karrierefemininität” oder wechselt dann das Geschlecht? Mal im Ernst: Wie dämlich muss man denn bitte sein, um diesen einfachen Widerspruch nicht zu erkennen.

Wie ideologisiert muss man sein, um in anderen Lebensentwürfen etwas Anderes zu sehen, als eben einen anderen Lebensentwurf. Das ist doch wieder genderistischer Essentialismus erster Güte. Wenn ich mich statt in die Toilette in das Waschbecken übergebe, ob des täglichen Unsinns den ich lesen muss, “challenge” ich dann auch traditionelle Rollenmuster von Toiletten? Darüber sind Ashton et al bestimmt schon dabei einen Text zu verfassen.

crossover-2Crossover, so wird langsam klar, ist tatsächlich eine Überführung, eine Überführung in den Wahnsinn möchte ich schon sagen. Wahnsinn der einem in Lohnauszügen Eckpfeiler der Maskulinität und in Hausmännern Sozialunternehmer sehen lässt.

Nach einigen Beispielen (ich will den Leser nicht langweilen) komme ich nun einer Frage, um deren Beantwortung mich die Sciencefiles-Redaktion gebeten hat: Die Frage, wie ich mit dem täglichen Angriff auf meinen Intellekt umgehe?

Eine gute Möglichkeit ist meiner Erfahrung nach die direkte Konfrontation. Das ist nicht unbedingt die Methode, die einem immer Sympathien einbringt, aber zumindest mich entspannt es, unerträgliche logische Widersprüche in sich zusammenfallen zu lassen, das ist ein wenig wie ein Muskelkrampf, der sich löst.

Aber ich kenne auch einige Klassenkameraden, die noch kritisch zu denken in der Lage sind und gut finden, was ich mache. Ich glaube auch eher, dass sich bei Manchen eine gewisse passive Duldung nach dem Motto “lasst mich einfach in Ruhe” einstellt, was ich gut nachvollziehen kann. Auch eine Methode, mir aber zuwider, weil ich Passivität gegen offensichtlichen Schwachsinn einfach nicht halten kann, das ist in etwa so, wie wenn ich lügen würde, ein schlechtes Gewissen, nichts getan bzw. gesagt zu haben.

Wie gesagt, nicht immer die sozial sinnvollste Methode. Ich bin zum Beispiel letztes Jahr im November mit meiner Ethik Lehrerin aneinander geraten. Es ging um Beispiele für Menschenrechtsverletzungen bzw. Verfassungsbrüche in Deutschland und Europa und da habe ich selbstverständlich die Frauenquote ins Spiel gebracht, die wenn ich mich nicht irre, auch bereits was ihre Verfassungs(nicht)konformität angeht auf diesem Blog thematisiert wurde. Ich erntete sehr schnell heftigen Gegenwind, der mich sehr überrascht hat, offenbar hatte ich einen wunden Punkt getroffen. Ich blieb in der für mich typischen kühlen, neutralen Art und stellte für mich logisch dar, was die Frauenquote verfassungsfeindlich und vor allem diskriminierend macht.

Die Lehrkraft steigerte sich dabei immer mehr in einen Zustand der Erregung hinein, der dann schließlich seinen Klimax im Märchen vom Patriarchat hatte (systematische Frauenunterdrückung, aber das ist ja das Gleiche in der feministischen Terminologie), es ging noch etwas weiter, endete dann mit meinem wohl ideologisch motivierten Ausschluss aus dem Unterricht für den Rest der Doppelstunde. Im Ethikunterricht wohlgemerkt, wo man von den Lehrkräften eigentlich eine besondere Toleranz bzw. Konfliktfähigkeit erwarten dürfte. Ich bin jedenfalls nicht ausfällig geworden, was man mir auch bestätigt hat.

Wie dem auch sei, ich will einfach meine Hochschulreife, der ganze Rest ist für mein zukünftiges Leben nahe an der Bedeutungslosigkeit.

Danke an alle Leser, die meine Ausführungen bisher durchgestanden haben, es war mein erster Artikel dieser Art, deshalb bin ich äußerst offen für Kritik, ansonsten hoffe ich, dass er einen Einblick gewähren konnte, wie es um den schulischen Alltag in Baden Württemberg/Deutschland aus der Sicht eines Schülers bestellt ist.

Zum Abschluss möchte ich auch noch ausdrücklich der ScienceFiles-Redaktion danken für die Möglichkeit, mich an meinem ersten Artikel überhaupt versucht haben zu dürfen.


Deutschland goes crazy: Schüler sind verzweifelt über die Wahl von Donald Trump

Manche öffentlichen Schulen in Deutschland führen bei Schülern zu mentalen Störungen.

Eigentlich hatten wir vor, nichts mehr über die US-Präsidentschaftswahl zu schreiben. Die Niederungen, in die sich viele deutsche Journalisten derzeit begeben, wollen wir einfach nicht mitmachen.

GarfinkelAber nichts ist so schön, wie ein gebrochener Vorsatz, jedenfalls dann, wenn es gute Gründe gibt, den entsprechenden Vorsatz zu brechen. Gebrochen haben wir unseren Vorsatz, um unserer alten Liebe, unserer alten wissenschaftlichen Liebe zu frönen: der Ethnomethologie.

Manche Leser werden sich noch an unseren Beitrag aus der Reihe „ethnomethodologisches Erschüttern“ erinnern, in dem wir von dem Geschlechterforscher berichtet haben, der gefordert habe, Liebeslieder zu verbieten. Die Methode des ethnomethodologischen Erschütterns zielt darauf, tiefsitzende und zumeist unbewusst in Handeln einfließende kulturelle Stereotype und Erwartungen offenzulegen. Erfolgreiches Erschüttern setzt voraus, dass Erwartungen, die als absolute Normalität gegolten haben und nicht hinterfragt werden, erschüttern werden.

Dazu musste man früher als Forscher richtig Hirnschmalz investieren, um sich eine entsprechende Strategie zu überlegen. Heute muss man einfach nur Beiträge in den Mainstream-Medien lesen oder Hinweise von ScienceFiles-Lesern verfolgen – oder beides. Tut man es, dann kommt man z.B. bei einem Beitrag des WDR an, der mit „Die Schüler haben gerufen: Trump – Buh!“ überschrieben ist. Der Beitrag berichtet von Traumata oder besser. Trumpata, die Schüler an nordrhein-westfälischen Schulen erlitten haben, einfach nur deshalb, weil in den USA ein Wahlausgang zu verzeichnen ist, der alle ihre Erwartungen wie Seifenblasen hat platzen lassen.

trump-schueler-mental-gestoert“An einem anderen Gymnasium, dem der Stadt Alsdorf (Städteregion Aachen), sagt die Englisch- und Chemielehrerin Rosa Rautenberg: “Unsere älteren Schüler waren nach dem Ausgang der Wahl verzweifelt und fassungslos.” In einem Projekt hatten sich die Schüler acht Wochen lang intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Die meisten von ihnen seien sich sicher gewesen, dass Hillary Clinton letztlich das Rennen machen werde. Die Schüler erstellten eine Webseite zur Wahl, komponierten Lieder über Donald Trump, malten Cartoons und schrieben Appelle, ihn nicht zu wählen. “Der Diskussionsbedarf war am Ende sehr groß.” In den kommenden Wochen will die Lehrerin die Rolle der USA in internationalen Beziehungen thematisieren.

Wenn Schüler derartige Projekte über acht Wochen verfolgen, bei denen man sich fragen muss, was sie in der Schule zu suchen haben, dann muss man feststellen, dass es an der Zeit ist, die verantwortliche Lehrkraft zu entlassen. Rosa Rautenberg scheint uns hier der erste Kandidat für den entsprechenden Rauswurf. Sozialisation, das Erlernen kultureller Erwartungen, deren Enttäuschung dann tatsächlich zu emotionalen Ausbrüchen von Verzweiflung, Ärger und zuweilen Wut führt, sie dauert normalerweise etliche Jahre, ja Jahrzehnte. Deutsche Schüler scheinen die entsprechenden ideologischen Erwartungen innerhalb erschreckend kurzer Zeit indoktriniert zu erhalten und dazu noch eine derart starke affektive Bildung an die Ideologie, die ihnen eingehämmert wurde, zu entwickeln, dass sie mit Verzweiflung und Fassungslosigkeit auf den Ausgang einer demokratischen Wahl, die in einem demokratischen Staat abgehalten wurde, reagieren. Welche Form von Gehirnwäsche wird in diesem Gymnasium in Alsdorf eigentlich praktiziert.

Welche Form von Gehirnwäsche es auch immer sein mag, sie wird nicht nur in Alsdorf und am Gymnasium praktiziert, nein, es gibt sie bereits an Grundschulen in Jülich:

“Selbst an Grundschulen ist der neue Mann im Weißen Haus das bestimmende Thema. “Am Morgen nach der Wahl gab es in den Klassenräumen richtige Sprechchöre”, berichtet Birgit Mertens, Integrationshelferin an der katholischen Grundschule der Stadt Jülich. “Die Kinder haben gerufen: ‘Trump – Buh'”, ergänzt sie. Die Stimmung sei aufgeheizt gewesen wie nach einem Fußballspiel.”Die Kinder waren sehr emotionsgeladen”, sagt sie. “Die Schüler aus der dritten und vierten Klasse haben sogar Ängste vor einem möglichen Krieg formuliert.“

how-to-thinkDas macht uns sprachlos. Es kommt nicht oft vor, dass wir sprachlos sind. Aber angesichts einer Indoktrination, die bei Sechs bis Zehnjährigen dazu führt, dass sie einem Mann, von dem sie nichts wissen, den sie nie gesehen haben, den sie nicht persönlich kennen, in aller Wahrscheinlichkeit auch nicht persönlich kennen lernen werden und dessen Aussagen sie bestenfalls ansatzweise verstehen, aber nicht begreifen können, mit Ablehnung und Buh-Rufen begegnen, sind wir sprachlos. Wer ist für eine derartige Indoktrination verantwortlich? Birgit Mertens scheint eine der richtigen Adressen zu sein. Entsprechend ist sie unser zweiter Kandidat für einen sofortigen Rauswurf, denn Grundschulen sind nicht der Ort, an dem Kinder zum irrationalen Pöbeln gegenüber Menschen, die sie nicht kennen, zur indivuumsbezogenen Menschenfeindlichkeit erzogen werden.

Was fast noch sprachloser macht, ist die Art und Weise, in der Andreas Schräter im WDR von diesen Reaktionen der Schüler an Gymnasien und Grundschulen berichtet. Ganz so, als seien diese Art von Reaktionen normal. Das sind sie jedoch nur, wenn man Hysterie zur Normalität und ideologische Indoktrination zum Gegenstand des Curriculum macht.

Und eine Gesellschaft, in der es für normal erachtet wird, wenn Kinder in Grundschulen und solche in Gymnasien, von denen man mehr Reife erwartet hätte, Angst vor dem weißen Mann haben, eine Gesellschaft, in der Kindern die entsprechende Angst regelrecht eingeimpft wird, eine solche Gesellschaft macht uns Angst. Gut, dass wir im Vereinigten Königreich leben.


Hinweise für ScienceFiles?
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Schlimmer als im Dritten Reich: Indoktrination in Schulen dieses Mal von links

Wer keine Argumente hat, um Menschen zu überzeugen, muss u.a. dafür sorgen, dass Fragen, die ihn in Bedrängnis bringen, nicht gestellt werden, und Sichtweisen, die ihm nicht genehm sind, diskreditiert sind. Das macht Schulen als Ort der Indoktrination so wichtig.

„Die Stadt Essen ist von der französischen Grenze … km, von der belgischen Grenze … km entfernt (Atlas!). Wieviel Minuten braucht ein Flugzeug für diese Strecke bei 250 km Stundengeschwindigkeit? […] Auf dem Messtischblatt 1: 25 000 bildet die Innenstadt von Essen einschl. der Kruppschen Fabrik ein Rechteck von 10 x 6,5 cm. Wieviel km2 umfaßt das Rechteck (auf Ganze genau)? Wieviel Bomben von je 1000 kg wären zur Vernichtung dieses Gebietes erforderlich, wenn eine solche Bombe alle Gebäude im Umkreis von 50 m zum Einsturz bringt? … Wieviel Staffeln zu je 10 Flugzeugen müssten eingesetzt werden, wenn jedes Flugzeug zwei solcher Bomben mitführen könnte?“

Oder:

“Der jährliche Aufwand des Staates für einen Geisteskranken beträgt im Durchschnitt 766 RM; ein Tauber oder Blinder kostet 615 RM, ein Krüppel 600 RM. In geschlossenen Anstalten werden auf Staatskosten versorgt: 167 000 Geisteskranke, 8 300 Taube und Blinde, 20 600 Krüppel. Wieviel Mill. RM kosten diese Gebrechlichen jährlich? Wieviel erbgesunde Familien könnten bei 60 RM durchschnittlicher Monatsmiete für diese Summe untergebracht werden?“

Flessau_ Schule der DiktaturDie Schulausgaben stammen aus Schulbüchern, die im Dritten Reich zum Einsatz gekommen sind. Kurt-Ingo Flessau hat sie in seinem Buch „Schule der Diktatur“ als Beispiele für die Art und Weise, wie im Dritten Reich versucht wurde, Kinder und Jugendliche in Schulen auf Linie zu trimmen und mit der richtigen Ideologie zu versorgen, zusammengetragen [Das Buch von Flessau, das leider nicht mehr gedruckt wird, wie so viele kritische Bücher, ist übrigens sehr lesenswert!].

Schulen waren immer die Tummelplätze für diejenigen, die ihre ideologischen Finger nicht von Schülern lassen können, die ideologischen Missbrauch betreiben und ohne das Machtgefühl, Kinder und Jugendliche zu manipulieren, offensichtlich nicht leben können. Daran hat sich nichts geändert.

Heutige Schulen sind wieder die Tummelplätze von denen, die es nicht ertragen können, wenn Menschen eigenständige Gedanken haben und sich eigenständig Meinungen bilden, die von dem, was die Indoktrinateure für richtig halten, abweichen. Entsprechend finden sich in deutschen Schulbüchern, die für den Englischunterricht vorgesehen sind, Passagen wie die folgende, die uns ein Leser zugeschickt hat:

“”We live in an era of globalization.”
How often have we heard this?
And how often have we really thought about what it means? Most people think they know what it is, but do they really?

The term ‘globalization’ has taken on a life of its own. It has become a sort of mystical, romantic term. Globalization is seen as a beneficial thing, even a cosmopolitan thing, a ‘hip’ thing. It is seen as cutting edge to “go global”. Many people feel that globalization is a great force bringing the world closer together. There are even new cuddly phrases like ‘global village’ which make us feel good about globalization bringing us all closer together. But when we think about what globalization really is – when we look beneath this surface glamour – we can see the true meaning of the word and the true proponents of this phenomenon.

Unfortunately, globalization is not brought about by elementary school children writing to internet pen-pals (as cozy as that sounds). The real agents of globalization are our friends the multinational corporations – the ‘super-companies’. Globalization is nothing more than the product of the multinational corporation’s search for profit. So, rather than being driven by positive things like a wish to bring the world closer together, globalization is driven by corporations seeking to maximize profits, and part of that search for profits involves the search for cheaper labor. Many companies move into less developed countries to take advantage of the lack of organization of labor there which allows these companies to pay below subsistence-level wages.

So, rather than making the world a more friendly place, globalization is leading to things such as “Export Processing Zones” – places where millions of people – mostly women – make products which are then shipped into the more developed countries and sold for a huge profit. These zones are integral to what globalization is and does. So, the next time someone talks about the global community, ask yourself if this is something we really want.”

Für alle die des Englischen nicht mächtig sind, kann der Text einfach zusammengefasst werden: Globalisierung ist eine Erfindung der Großkonzerne. Großkonzerne haben die Globalisierung erfunden, um Menschen in armen Ländern auszubeuten und hohe Profite zu machen. Entsprechend macht Globalisierung die Welt nicht zu einem freundlichen Platz, sondern zu einem Platz, an dem vor allem Frauen ausgenutzt werden: „Wenn also das nächste Mal jemand von der globalen Gemeinschaft spricht, fragt Euch, ob Ihr das wirklich wollt“, so der letzte Satz dieses religiös-rechtsextrem-nationalistischen Textes, den man durchaus als Neuauflage der jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung ansehen kann. Nur sind es dieses Mal (noch) nicht die Juden, die die Weltverschwörung und dieses Mal nicht die Versklavung des deutschen Volkes, sondern die Versklavung von vor allem Frauen finanzieren, sondern gesichtslose Großkonzerne. Und während die Nazis die jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung propagiert haben, um die militärische Expansion zu legitimieren, wird in diesem Schulbuchtext die Rückbesinnung auf die eigene Scholle als Lösung für alle Probleme propagiert. Geschrieben hat diesen rechtsextrem-nationalistischen Text Emily McMillan

McMillan ist im Vereinigten Königreich dafür bekannt, als Angestellte von JP Morgan rund 11.000 Pfund gestohlen zu haben, um ihre Drogensucht zu finanzieren. Dafür ist sie zwischenzeitlich verurteilt worden. Offensichtlich ist man beim Cornelsen Verlag der Ansicht, eine ehemalige drogensüchtige Assistentin des Managements bei JP Morgan sei das geeignete Rollenmodell, mit dem man deutsche Schüler konfrontieren müsse.

crossover-2Cornelsen trägt die Verantwortung für diesen rechtsextrem-nationalistischen Text, mit dem Schüler der 12. Klasse im Englischunterricht traktiert wurden. Crossover 2 nennt sich das Schulbuch, das den Text enthält, geradezu prophetisch, denn Crossover bedeutet „Überführung“ und meint in diesem Zusammenhang wohl, dass Schüler, die bislang von linker Ideologie unbeeindruckt und der Ansicht waren, freier Handel, Globalisierung und Kapitalismus seien für den Wohlstand verantwortlich, der u.a. Gestalten wie Emily McMillan möglich macht, zur richtigen Anti-Kapitalistischen und Anti-Globalisierungs-Ideologie überführt werden müssen.

Das Bemühen, deutsche Schüler auf den richtigen Großkonzern-Hasspfad zu bringen, ist in Deutschland so immens, dass man selbst mit drogensüchtigen Kriminellen gemeinsame Sache macht. Und deutsche Schüler sind offensichtlich in keinem Schulfach mehr davor sicher, mit linker Ideologie abgefüllt zu werden. Das ist widerlich und zeigt, dass viele Linke kein Konzept von Anstand und Moral, von Respekt, Toleranz und Demokratie haben. Damit bleiben sie selbst hinter den Nationalsozialisten zurück, belegt doch die Analyse von Schulbüchern, die im Englischunterricht im Dritten Reichs benutzt wurden, dass „nicht alle Schulbücher jener Zeit die nationalsozialistischen Lehren wiedergegeben und die Schuljugend sich nicht in allen Fächern fortwährender direkter oder indirekter politischer Beeinflussung und Meinungsbildung ausgesetzt gesehen hat“ (Flessau 1977: 139).

Die moderne, linke Indoktrination kennt diese Schlupflöcher nicht. Schüler werden anscheinend nach Betreten der Schule pausen- und gnadenlos mit der richtigen Ideologie verfolgt, vom angeblichen Anti-Rassismus bis zum Anti-Kapitalismus.

Wer kontrolliert eigentlich den Inhalt von vermeintlichen Schulbüchern – wer die Qualifikation der Autoren? Und was machen Schulämter.


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