Telepolis: Die Redaktion der minder Intelligenten? [AfDologie]

Der Titel ist natürlich eine Abwandlung des Titels „AfD: Die Partei für die weniger Intelligenten“, den Tomasz Konicz seinem Beitrag auf heise.de gegeben hat.

Der Beitrag ist bemerkenswert, aus vielerlei Hinsicht.

Aus sozial-psychologischer Hinsicht.

Es ist nicht erst seit den Studien von Amos Tversky und Daniel Kahneman bekannt, dass Menschen anfällig sind, für eine Vielzahl von Fehlurteilen und dass diese Anfälligkeit einhergeht, mit einer beeindruckenden Zahl kognitiver Fehlleistungen. Wie zum Beispiel der Tendenz, aus einer Fliege einen repräsentativen Elefanten machen zu wollen (Heuristik der Repräsentativität) oder der Prädisposition, alle Informationen, die man erhält nur und ausschließlich vor dem Hintergrund der eigenen Überzeugungen zu interpretieren (bekannt als Framing, overconfidence und Erwartungsbestätigungseffekt).

Die Realität fast ausschließlich vor dem Hintergrund der eigenen Erwartungen zu interpretieren, ist eine Eigenschaft, die vor allem dumme Menschen teilen, denn mit der Eigenschaft geht die Unfähigkeit, zu lernen, einher. Lernen ist nur möglich, wenn man zulässt, dass die Realität von eigenen Überzeugungen abweichen kann.
Gemessen daran muss man Konicz als einen dummen Menschen ansehen.

Aus psychologischer Sicht

Im Gegensatz zur Sozial-Psychologie, die sich mit Zwischenmenschlichem beschäftigt, hat die Psychologie innermenschliches zum Gegenstand. Auch hier ist der Beitrag von Konicz interessant, denn er offenbart eine gewisse Pathologie, die mit der Lust, andere in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen, einhergeht und somit als soziale Störung anzusehen ist. F91.2 oder F91.3 aus dem ICD-10 sind vermutlich die angemessenen Diagnosen für das Leiden von Konicz.

Aus inhaltlicher Sicht

Wie würden Roboter beim wahren-Ich abschneiden?

Auch wenn man den Inhalt des Beitrags von Konicz betrachtet, kann man nicht umhin, die Sozialpsychologie mit ins Boot zu holen, denn Konicz ist ein Musterbeispiel für Menschen, die es schaffen, in unterschiedlichen Zusammenhängen, Gegensätzliches zu behaupten, ohne dadurch kognitive Dissonanzen zu erleiden.

Konicz schreibt über einen Intelligenztest, der auf einer Seite, deren Domain, „dein-wahres-ich“, heißt, zu finden ist. Dieser Intelligenztest, ein Online-Intelligenztest, hat erbracht, so behaupten die Macher dieser Seite, dass ein niedrigerer Testwert mit einer Präferenz für die AfD bei Bundestagswahlen einhergeht. AfD-Wähler, so behauptet Konicz, hätten einen IQ von durchschnittlich 93 Punkten, Grüne von 99, SPD-Wähler von 100 usw. Es sei hier nur kursorisch angemerkt, dass es sich nicht um AfD-Wähler handelt, wie Konicz eigentlich wissen müsste, hat er doch selbst geschrieben, dass die IQ-Testteilnehmer nach ihrer Parteipräferenz befragt wurden, also danach, welche Partei sie wählen würden, nicht danach, welche Partei sie gewählt haben. In einem solchen Fall sprechen nur Dumme von Wählern, Dumme, die keine Ahnung von empirischer Wahlforschung haben.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie diejenigen, die mit allen möglichen Einwänden gegen Online-Umfragen auftreten, alle angeblichen Bedenken und methodischen Kenntnisse, die sie zu haben reklamieren, über Bord werfen, wenn ihnen ein Ergebnis in den ideologischen Kram passt.

Betrachtet man die Ergebnisse, die das wahre Ich angeblich produziert hat, dann kann man nicht anders, als mit dem Kopf schütteln, ob dieser kritiklosen, unkritischen Übernahmen von Ergebnissen durch Konicz, Ergebnissen,

von denen man nicht weiß, auf wie vielen Testpersonen sie basieren,
von denen man nicht weiß, auf welcher Stichprobe der Grundgesamtheit sie basieren;
von denen man nicht weiß, wie sie überhaupt zu Stande gekommen sind und somit nicht weiß, was sie überhaupt messen.

Um die letztere Frage zu beantworten hat eine Testperson aus der ScienceFiles-Redaktion den Intelligenztest des Wahren-Ichs mit einem nachweislich überdurchschnittlichen Ergebnis abgeschlossen. Auf dieser Grundlage können wir sagen, dass der Test kognitive Fähigkeiten, Mustererkennung, logisches Schlussfolgern und Sprachkenntnisse testet. Ob damit Intelligenz gemessen werden kann, ist eine andere Frage, die uns hier nicht interessieren muss. Es reicht der Hinweis darauf, dass die Frage, wie man Intelligenz misst, heftig umstritten ist:

• Für Phares (1984) setzt sich Intelligenz (a) aus der Fähigkeit, sich an neue Situationen anzupassen, (b) der optimalen Nutzung von Erfahrung(en), d.h. aus Lernen und (c) dem abstrakten Denken und dem Benutzen von Symbolen zusammen. Im Test des wahren-Ichs wird nur (c) gemessen.

• Gardner (1983) bestimmt Intelligenz als Art, die Welt zu betrachten. Für Gardner ergibt sich die Art, die Welt zu betrachten, aus sieben verschiedenen kognitiven Fähigkeiten: (1) linguistische Fähigkeiten, (2) logisch-mathematische Fähigkeiten, (3) räumliches Wahrnehmungsvermögen, (4) musikalische Fähigkeiten, (5) körperlich-kinästhetische Fähigkeiten, (6) interpersonale Fähigkeiten und (7) intrapersonale Fähigkeiten.
Im Test vom wahren-Ich werden nur (1) und (2) gemessen.

• Sternberg (1986) unterscheidet drei Arten von Intelligenz, die er in verschiedenen Problembereichen angesiedelt sieht, wodurch er allgemeine Intelligenz als allgemeine Problemlösefähigkeit betrachtet: (1) Der komponentenbezogene Aspekt der Intelligenz umfasst die kognitiven Prozesse, die bei der Problemlösung beteiligt sind. (2) Der erfahrungsbezogene Aspekt der Intelligenz beschreibt den Zusammenhang zwischen der inneren Welt eines Menschen und der äußeren Welt. (3) Der kontextuelle Aspekt der Intelligenz bezieht sich auf den Einfluss, den Menschen auf ihre Umwelt ausüben.
Im Test des wahren-Ichs wird keiner der Aspekte, die für Sternberg Intelligenz ausmachen, gemessen.

Was also ist der Test des Wahren-Ichs überhaupt wert? Das ist eine Frage, die man einen kritischen Journalisten zu stellen erwarten würde. Nur dumme Journalisten übernehmen, was ihnen vorgegeben wird. In dieser Hinsicht ist Konicz ein dummer Journalist.

Aus methodischer Sicht

Der Test des wahren-Ichs besteht aus 51 Testfragen. Damit werden IQ-Werte gemessen, die einen Mittelwert bei 100 haben, wenn sie eine theoretische Verteilung des IQ-Tests wiederspieglen und woanders, wenn es eine empirische Verteilung ist.

Wie werden aus den 51 Testfragen IQ-Werte? Eine wichtige Frage, denn die Fragen messen nicht alle dasselbe. Mindestens linguistische und logisch-mathematische Fähigkeiten, vielleicht auch räumliches Vorstellungsvermögen werden erhoben. Das sind unterschiedliche, nicht äquivalente Bereiche. Wie werden diese Bereiche zueinander abgegrenzt, wie gewichtet? Dass sie gewichtet werden, ist offenkundig, wenn aus 51 richtig beantworteten Fragen ein IQ von >113 werden kann.

Nur ein dummer Journalist, der sich in ein Ergebnis ideologisch verliebt hat, übernimmt es unkritisch und macht sich zum Büttel derer, die ihre Vorgehensweise vermutlich aus guten Gründen nicht transparent machen.

Und was ist mit denen, die diesen Test ausfüllen?
Ein Blick auf die Seite des wahren Ichs, zeigt, dass diejenigen, die sich von dieser Seite angesprochen fühlen, entweder Kinder und Jugendliche sind, die „geilen Sprüchen“ und „Horoskopen“ noch einen Sinn abgewinnen können, oder infantile Erwachsene, die den Sprung in die richtige Welt (noch) nicht geschafft haben. Unter beiden sind diejenigen, die eine Präferenz für die AfD angeben, nicht sonderlich breit gesät. Wir wetten daher, die Stichprobe des wahren Ich hat einen Altersbias und sie hat natürlich einen Schüler- und Studentenbias, denn der Unsinn, den derartige Intelligenztests darstellen, ist vor allem unter Schülern und Studenten und Ewigjungen, also denen, die Thomas Mann als Geck bezeichnet, verbreitet.

Hinzu kommt, das Testergebnis wird durch die Auflösung des Monitors, auf dem man den Test betrachtet, beeinflusst. Die Mustererkennungsfragen können auf einem Smartphone kaum sinnvoll bearbeitet werden, aber viele der Befragten haben den Test auf einem Smartphone bearbeitet.

Kurz: Was der Test misst, ist eine offene Frage, welche Aussagekraft seine Ergebnisse haben, entsprechend auch, nur die Frage, ob man diese Ergebnisse verallgemeinern kann, ist nicht offen: man kann es nicht. Nur ein dummer Mensch versucht, solche fast willkürlich zu nennenden Ergebnisse als Ausdruck des wahren-Ichs, als des Essentialismus‘ zu nehmen, der dieser idiotischen Namensgebung innewohnt.

Und damit sind wir zurück beim Text von Konicz.
Wir zitieren:

„Somit harrt der nun empirisch verifizierte Zusammenhang zwischen rechter Gesinnung und Dummheit weiterer wissenschaftlicher Studien. Gerade angesichts der Streitfrage, in welchen[m] Ausmaß Intelligenz angeboren oder im Zuge der Sozialisation angelernt wird. Zu klären wäre etwa, wie die konkrete rechte Ideologie, die immer mit einfachen Wahrheiten und der Präsentation von Sündenböcken operiert, die kognitiven Fähigkeiten der Betroffenen tangiert.“

Nur ein dummer Mensch spricht von einem empirischen Beweis und benutzt das Wort „verifiziert“ (schon gar nicht angesichts eines solchen Tests). Empirische Tests bestätigen, aber sie verifizieren nichts. Das ist Allgemeinwissen, das nur dumme Menschen nicht teilen. Zudem kann der Test des wahren Ichs nichts bestätigen, was gar nicht Gegenstand des Tests war. Er hat weder „rechte Gesinnung“ noch „Dummheit“ gemessen. Gemessen wurde das, was die Autoren des Tests als Intelligenz ansehen, und das wurde mit einer Präferenz für die AfD in Zusammenhang gebracht. Weder hat ein durchschnittlicher Testwert von 93 (wenn wir einmal davon ausgehen, er gebe einen Hinweis auf Intelligenz) etwas mit Dummheit zu tun, noch hat eine Präferenz für die AfD etwas mit einer rechten Gesinnung zu tun. Beide Mengen sind nicht äquivalent. Nur einem dummen Menschen ist nicht klar, dass man die AfD wählen kann, ohne eine rechte Gesinnung zu haben und in einem Intelligenztest schlecht abschneiden kann, ohne dumm zu sein. Auch in dieser Hinsicht qualifiziert sich Konicz als dummer Mensch.

„Es ist fraglich, ob die[die] es einfach dumme Menschen sind, die sich von der AfD angezogen fühlen. Die zentrale Frage, die der
wissenschaftlichen Klärung harrt, lautet eher, ob die AfD ihre Anhängerschaft durch ihre Ideologie dümmer macht.“

Immer wenn man glaubt, Blödsinn ließe sich nicht steigern, kommt ein Satz von Konicz. Die zentrale Frage, die nach unserer Ansicht der Klärung harrt, ist, ob die Mitgliedschaft in der Telepolis Redaktion Konicz dümmer gemacht hat… Aber Ernst beiseite. Da nichts über den Zusammenhang zwischen Dummheit und AfD-Anziehung bekannt ist, weil beides nicht gemessen wurde, ist der ganze Absatz, in dem sich Konicz angeblich Gedanken macht, Unsinn. Das einzige, was man diesem Absatz entnehmen kann ist, dass Konicz der Ansicht ist, die AfD-Ideologie sei dumm. Nur ein dummer Mensch ist der Ansicht, er könnte anderen sein eigenes Vorurteil unterstellen, ohne dass die anderen das merken, wie Konicz das tut.

„Die AfD wäre somit nicht einfach ein sozialer Magnet, der geringere Intelligenz anzieht, sondern eine Art politische Verdummungsfabrik, die den IQ der Betroffenen langsam, aber sicher in den Keller treibt. Im Umkehrschluss würde dies bedeuten, dass eine Loslösung aus dem Umfeld der AfD auch der geistigen Leistungsfähigkeit der Betroffenen zugute kommen könnte. (Tomasz Konicz)”

Dieser Absatz ist etwas für Psychiater. Uns reicht es festzustellen, dass das einzige, was man diesen Zeilen entnehmen kann, das Bemühen Konics ist, die AfD und die Menschen, die eine Präferenz für die AfD haben, zu diskreditieren. Die Hilflosigkeit, in der er das tut, erinnert sehr an die Diskussion um das Unterschichtenfernsehen, in dem diejenigen, die zum von Dr. habil. Heike Diefenbach als akademisches Prekariat bezeichneten Milieu gehören, versucht haben, ihre vermeintlich höhere Intelligenz als trennendes Merkmal gegenüber einer Unter- und Arbeiterschicht einzuführen, die es längst mit Blick auf Eigentum und Wohlstand überholt hat. Konicz scheint diesem prekären Milieu anzugehören und ein entsprechendes Verlangen zu verspüren, sich über seine vermeintliche Zugehörigkeit zu denen, die in einem haarigen Intelligenztest auf einer Kinder- und Jugendlichenseite besser abgeschnitten haben, von denen, die er unter sich wähnt, zu differenzieren. Das alles sind psychologische Verarbeitungsprozesse, die den Kreis dieses Posts schließen und zu dem Hinweis führen, dass die Diskussion darüber, ob Intelligenz angeboren ist oder nicht, in diesem Zusammenhang wirklich vollkommener Unsinn ist. Selbstverständlich kann man diesen Kreis nicht ohne den Hinweis schließen, dass der Umkehrschluss, von dem Konicz fabuliert, einen Fehlschluss der Bejahung des Konsequens darstellt.

Wie könnte jemand, der weder sprechen noch rechnen kann, die Fragen beantworten, die im Test vom wahren Ich gestellt werden? Gar nicht. Eben. Deshalb sind die Fähigkeiten, die man benötigt, um diese Fragen zu beantworten ERLERNT. Die Frage, ob die Beantwortung der Fragen auf Intelligenz schließen lässt, ist somit zur Frage, ob die erfragten Fähigkeiten einen Rückschluss auf Intelligenz zulassen, geworden. Aber das sind nur Fragen, die sich Menschen stellen, die nicht dumm sind. Konicz stellt sich diese Fragen nicht.

Zur Frage in der Überschrift: Ist Telepolis die Redaktion der minder Intelligenten? Auf Grundlage unserer Einzelfallstudie kann man diese Frage nicht affirmativ beantworten (ohne einen Fehlschluss zu begehen), aber eine kleine grammatische Veränderung des Satzes vom Dativ zum Genitiv macht die positive Antwort korrekt. In jedem Fall wäre wohl eine “Loslösung” der übrigen Redaktion von Tomasz Konicz der geistigen Leistungsfähigkeit in der Redaktion förderlich.

Gardner, Howard (1983). Frames of Mind. New York: Basic Books.

Phares, E. Jerry (1984). Clinical Psychology. Concepts, Methods, and Professionals. Homewood: Dorsey.

Sternberg, Robert J. (1986). Intelligence Applied. San Diego: Harcourt Brace Jovanovic.

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Muss heutzutage alles schwul oder gender sein?

Vor 40 Jahren hat Freddie Mercury jenes Lied geschrieben, das die “Night at the Opera” unvergesslich gemacht hat.

The Bohemian Rhapsody

Die Bohemian Rhapsody ist nicht nur musikalisch besonders, sie hat auch einen Text, der denen, die der englischen Sprache mächtig sind, seit nunmehr 40 Jahren Rätsel aufgibt.

Dabei ist der Text “straight forward”, wie Roger Taylor immer einmal wieder gesagt hat.

Und in der Tat:

Mama, just killed a man,
Put a gun against his head,
Pulled my trigger, now he’s dead.
Mama, life had just begun,
But now I’ve gone and thrown it all away.

Mama, ooh,
Didn’t mean to make you cry,
If I’m not back again this time tomorrow,
Carry on, carry on as if nothing really matters.

Too late, my time has come,
Sent shivers down my spine,
Body’s aching all the time.
Goodbye, everybody, I’ve got to go,
Gotta leave you all behind and face the truth.

Mama, ooh (anyway the wind blows),
I don’t wanna die,
I sometimes wish I’d never been born at all.

Mama, ich habe gerade einen Typen umgebracht, eine Pistole an seinen Kopf gehalten und den Abzug betätigt. Jetzt ist er tot. Mama, das Leben hatte gerade begonnen, und jetzt habe ich es weggeworfen … usw.

Straight forward eben.

Nun enthält die Bohemian Rhapsody auch Teile, die selbiger Roger Taylor immer als Nonsense bezeichnet hat, während Brian May bis heute der Ansicht ist, dass er nicht versteht, worum es in der Bohemian Rapsody eigentlich geht.

Bohemian Rhapsody is a Parody Song
submitted 2 years ago by arin3
This idea isn’t mine, but I have been pondering it and it makes sense. Freddie always said the song was just a bunch of lyrical nonsense, whereas the drummer, Roger, claimed it was ‘straightforward’; this is implying that the song is just about a guy who kills someone, like it says in the lyrics.
The theory is that the song is a satire of opera. The beginning ballad and rock part at the end is making fun of over-dramatisation; the operaic bit mimicking the nonsensical structure of how an opera is written. The title, Bohemian Rhapsody may be parodying a classical piece called Hungarian Rhapsody.
I could analyse possible interpretations of the song all day, but I thought I’d share this one.

Also wird interpretiert, seit Jahrzehten wird nun interpretiert, ob die Bohemian Rhapsody eine böse Satire auf die Oper ist oder einfach nur fun. Dabei ist jede Intepretation so etwas, wie ein Spiegel der Zeit, in der die Interpretierenden leben.

Und weil dem so ist, deshalb wird neuerdings behauptet, die Bohemian Rhapsody, das sei das Lied, in dem Freddie Mercury sein Coming Out hat, in dem er der Welt und vor allem seiner Mutter mitteilen wolle, dass er den heterosexuellen Freddie getötet und durch den schwulen Freddie ersetzt hat.

Tatsächlich hat Freddie Mercury den schwulen Freddie getötet, mit den Folgen von AIDS …

Ist das nicht ein schönes Armutszeugnis für die Zeit, in der wir leben, dass alles, was irgendwie geht, als schwules Coming Out, als Beleg für GenderDingsDa oder sonst einen politisch korrekten Unfug interpretiert wird?

Aber vermutlich hat Freddie Mercury vorhergesehen, dass er in vielfältigster Weise von Aktivisten missbraucht werden wird, die leider nicht über die Talente verfügen, die es ihnen erlauben, etwas Eigenes beizutragen und hat deshalb das folgende Lied geschrieben:

“I’m Going Slightly Mad”

When the outside temperature rises
And the meaning is oh so clear
One thousand and one yellow daffodils
Begin to dance in front of you – oh dear
Are they trying to tell you something?
You’re missing that one final screw
You’re simply not in the pink my dear
To be honest you haven’t got a clue
I’m going slightly mad
I’m going slightly mad
It finally happened – happened
It finally happened – ooh oh
It finally happened – I’m slightly mad
Oh dear!
I’m one card short of a full deck
I’m not quite the shilling
One wave short of a shipwreck
I’m not at my usual top billing
I’m coming down with a fever
I’m really out to sea
This kettle is boiling over
I think I’m a banana tree
Oh dear, I’m going slightly mad
I’m going slightly mad
It finally happened, happened
It finally happened uh huh
It finally happened I’m slightly mad – oh dear!
I’m knitting with only one needle
Unravelling fast its true
I’m driving only three wheels these days
But my dear how about you?
I’m going slightly mad
I’m going slightly mad
It finally happened
It finally happened oh yes
It finally happened
I’m slightly mad!
Just very slightly mad!
And there you have it!

Und das sagt Brian May zur Behauptung, die Bohemian Rhapsody sei Freddie Mercury’s geheimes Coming Out gewesen:

“Rubbish!”.

And there you have it!

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Die hohe Kunst, über Leichen zu gehen

Die hohe Kunst des Über-Leichen-Gehens besteht darin, den Blick nicht nach unten zu richten (SF).

Suchen Sie nicht nach dem Verfasser dieses Satzes. Dieses Bonmot stammt von uns.

Anlass für die Zeilen ist eine Form der kognitiven Beschränkung, die uns gerade begegnet ist, und zwar in Form eines Berichts auf Focus.de.

Blockupy-Mitorganisator Wilken lehnt Rücktritt von Landtagsposten ab“.

“Ich werde auf jeden Fall nicht zurücktreten”, so wird er zitiert. Und für seine Entscheidung gibt er die folgende Begründung:

“Am Nachmittag haben wir das gemacht, wofür Blockupy steht: bunter, lauter und entschiedener Protest, aber ohne Gewalt”, sagt Wilken der Zeitung.”

Die Auguren von ScienceFiles haben diese Reaktion von Wilken übrigens vorhergesagt!

Tajfel. social identityKognitive Beschränkungen finden sich in der Sozialpsychologie in einer Vielzahl von Varianten. Sie finden sich (1) als Umgang mit kognitiver Dissonanz, bei dem Fakten, die der eigenen Überzeugung widersprechen, schlicht ausgeblendet werden. Sie finden sich (2) als Bestandteil des panischen Versuchs, eine soziale Identität an Stelle einer personalen Identität zu setzen, bei dem die soziale Identität überhöht und von allem, was negativ sein könnte, freigehalten wird. Und sie finden sich (3) als Framing, bei dem Sorge getragen wird, dass bestimmte Folgen eigener Handlungen oder bestimmte Fakten, die mit eigenen Überzeugungen in Widerspruch stehen, gar nicht erst die Wahrnehmung erreichen.

Auf Ulrich Wilken passen alle drei Varianten des Umgangs mit der Gewalt, die den Auftritt von Blockupy in Frankfurt ausgezeichnet hat:

(1) Er beginnt seine Wahrnehmung erst am Nachmittag, gliedert den Vormittag und die heftige Gewalt am Vormittag einfach aus, erklärt sie zum Nicht-Bestandteil von Blockupy, was ungefähr der Behauptung entspricht, dass für den Fall, dass er und seine richtige Variante von Blockupy gar keine Demonstration angemeldet hätte, es dennoch zu den Ausschreitung der Chaoten gekommen wäre.

(2) Die soziale Identität von Blockupy, so definiert sie Wilken, ist bunt, laut und entschieden. In der sozialen Identität kommt keine Gewalt vor, also hat Blockupy in Frankfurt auch nicht zu Gewalt geführt. Die Geschädigten vor Ort, es wird sie freuen.

(3) Per Framing sorgt Wilken dafür, dass die Gewalt ausgeblendet wird: Sie wird auf den Vormittag verschoben. Blockupy war am Nachmittag. Sie wird aus der Beschreibung von Blockupy mit für Wilken positiv konnotierten Adjektiven “bunt, laut und entschieden” ausgegliedert und ist entsprechend nicht existent. Wo die Schäden in Frankfurt herkommen? Es ist ein Mysterium.

Blockupy1Die drei sozialpsychologischen Varianten der Ausblendung der Wirklichkeit, die hier berichtet wurden, werden von ihren Autoren übrigens als Abweichung vom Normalzustand beschrieben. Wer (1) anwendet, der kann mit Dissonanzen nicht umgehen und versucht, sich Ihnen zu entziehen. Wer sich mit (2) beschäftigt, ist mit dem Versuch gescheitert, eine eigenständige Identität aufzubauen, und wer (3) zum Opfer fällt, hat seine Versuche, rational zu handeln, eingestellt.

Was mit Personen ist, die alle drei Strategien nutzen, um die Wirklichkeit zu verleugnen, ist eine Frage, die derzeit mangels einer umfassenden Theorie noch offen ist.

Indes kann man die Aussagen von Ulrich Wilken, der immerhin als Vizepräsident des Hessischen Landtages eine gewisse Vorbildfunktion haben sollte, nutzen, um einen Präzendensfall, die Lex Wilken, zu schaffen, der sich auch anderweitig anwenden lässt.

Z.B. so:

Der Karlsruher SC ist Ende 2014 vom Sportgericht des DFB zu 40.000 Euro Strafe verurteilt worden, weil KSC-Fans im Zweitligaspiel beim 1. FC Kaiserslautern randaliert haben.

Das selbe Sportgericht hat den 1. FC Köln wegen Fanrandale zu einer Geldstrafe von 200.000 Euro verurteilt.

Beiden Vereinen empfehlen wir, die Lex Wilken zum Einsatz zu bringen und die Zahlung zu verweigern bzw. bereits gezahlte Strafen zurückzufordern, denn aus der Lex Wilken geht hervor, dass die Randale nichts mit dem KSC oder dem FC Köln zu tun hat.

Beide, der KSC und der  FC Köln sind Fussballvereine. Die Spieler der Vereine treffen sich mit Spielern anderer Vereine zum Ballaustausch, der zwei Halbzeiten á 45 Minuten in Anspruch nimmt. Die entsprechenden Spiele sind bunt, laut und entschieden und in jedem Fall gewaltfrei. Sofern also vormittags vor den Spielen oder nach den Spielen Gewalttaten zu verzeichnen sind, haben diese mit dem Fussballspiel keine Verbindung, die 22 Spieler treffen sich explizit zum Spielen und nicht zur Gewalt.

Im englischssprachigen Ausland gibt es den Begriff der “Nuremberg Defense”, Die Nuremberg Defense besteht darin, dass man seine eigenen Schandtaten damit rechtfertigt, dass man z.B. zum Öffnen des Gashahns im KZ-Auschwitz per Befehl aufgefordert wurde. Entsprechend hat nicht das Gehirn dessen, der den Hahn aufdreht, dessen Finger bewegt, sondern der Befehl, was letztlich die Schuld auf den Schultern von Himmler und Hitler ablädt.

Die Nuremberg Defense steht für eine Unwilligkeit, die Verwantwortung für eigene Handlungen zu übernehmen. Die Lex Wilken scheint eine neue Variante der selben Verteidigungsform zu sein, nun wird nicht mehr im Befehl Absolution gesucht, sondern in der Uhrzeit.

©ScienceFiles, 2015

Salience: Wenn die Unnormalität Feste feiert

Choice Values FramesSalience ist ein interessantes Konzept, beschreibt es doch das Zusammenspiel von zuweilen falscher Wahrnehmung und der Bildung von Stereotypen. Ein schönes Beispiel für Salience ist Risikowahrnehmung. Kaum jemand hat ein Problem damit, nach Pompeji zu reisen, obwohl der Vesuv jederzeit ausbrechen kann. Aber viele haben ein Problem mit Kernenergie, obwohl die Wahrscheinlichkeit einer Kernschmelze geringer ist, als die Ausbruchswahrscheinlichkeit des Vesuv. Die Erklärung für diese Fehlwahrnehmung wird in der Regel mit Salience gegeben: Fukushima ist überall und beeinflusst die Risikowahrnehmung von Kernenergie, über den Vesuv wird bestenfalls als Touristenattraktion berichtet, nicht jedoch als tickende Zeitbombe in einem dicht besiedelten Gebiet.

Ein anderes sozialpsychologisches Konzept wurde von Tversky und Kahneman als Ankerheuristik bezeichnet. Es beschreibt den Umstand, dass der Ausgangspunkt eines Denkprozesses dessen Ergebnis beeinflusst.

Testpersonen wurden gebeten, das Produkt zweier Zahlenreihen zu schätzen, wobei sie nicht länger als drei Sekunden auf die Zahlenreihen blicken konnten. Zahlenreihe 1: 1*2*3*4*5*6*7*8; Zahlenreihe 2: 8*7*6*5*4*3*2*1. Hunderte von Testpersonen an den Universitäten Stanford, British Columbia und Tel Aviv, kamen durchschnittlich zu einem Ergebnis von 512 im ersten Fall und von 2.250 im zweiten Fall. Das richtige Ergebnis in beiden Fällen lautet: 40.320. Offensichtlich wirkte die erste Zahl der Reihe als Anker, der das Ergebnis beeinflusst.

witchcraftVerallgemeinernd kann man sagen, dass die Voraussetzungen, mit denen man an ein Thema herangeht, das Ergebnis beeinflussen, wenn nicht gar determinieren. Ein Zusammenhang, der auch unter dem Namen “Framing” bekannt ist. Framing liegt vor, wenn Archäologen große Gefäße nur als Opferbecken und alles, was sie nicht verstehen, als rituelle Gegenstände zu interpretieren im Stande sind. Framing liegt vor, wenn Sozialarbeiter in allem, was nicht ihrer Vorstellung von normal entspricht, einen behandelswerten Zustand erblicken. Framing liegt vor, wenn Soziologen an alle Forschungsgegenstände mit einer affektiven Abwehrhaltung gegen das, was sie z.B. als Neoliberalismus ansehen, herangehen, und Framing liegt vor, wenn Politikwissenschaftler die Europawahlergebnisse besprechen ohne ein Wort auf die nicht vorhandene demokratische Legitimation der EU-Kommission zu verschwenden.

Und Framing grenzt an das Manische, wenn die eigene Wahrnehmung der Wirklichkeit nicht mehr hinterfragt wird und für bare Münze genommen wird. Der größte Narr ist derjenige, der nicht merkt, dass er sich lächerlich macht.

Dies bringt uns zu zwei Pressemeldungen deutscher Universitäten, die eine Verquickung von Salience und Framing/Ankereffekt zeigen, die nicht nur geeignet ist, Rückschlüsse auf den mentalen Zustand derer zu erlauben, die dafür verantwortlich sind, sondern die auch als sozialgefährlich einzustufen sind, denn sie graben an den Grundfesten der gesellschaftlichen Normalität.

Die erste Pressemeldung kommt aus Bielefeld und hat eine Tagung mit dem Titel “Female Intellectuals in the 20th and 21st Century” zum Gegenstand. Auszüge lesen sich wie folgt:

zif_logo“The 20th century has been named the “Century of the Intellectuals”. Numerous studies have portrayed the history of intellectuals. They all have a common trait: the blocking out of women. The aim of the conference is to enlarge the gallery of males, which the history of intellectuals has constructed, by adding portraits of women in the role of intellectuals and thereby correcting this gallery.”

Und an anderer Stelle:

„Wir wollen eine Debatte über die Frage eröffnen, ob und inwiefern das politische Engagement von Frauen über vorherrschende Idealtypen des Intellektuellen erfasst werden kann. Gibt es einen spezifischen Typus weiblichen Engagements oder bringt der Blick auf Frauen diese Typologie ins Wanken?“, sagt die Leiterin der Tagung, die Bielefelder Historikerin Professorin Dr. Ingrid Gilcher-Holtey.”

Die zweite Pressemeldung kommt von der Ernst-Moritz-Arndt Unversität in Greifswald und ist überschrieben mit: “Von vierzehn Frauen, die auszogen, um ihren Weg zu gehen”, eine moderne Version des Märchens von den Bremer Stadtmusikanten also. In dieser Pressemeldung heißt es:

Logo Uni Greifswald“Sie nehmen in Mecklenburg-Vorpommern Spitzenpositionen ein und könnten unterschiedlicher kaum sein: Sie organisieren Unternehmen, tüfteln an Enzymen oder physikalischen Phänomenen, konstruieren Maschinen, arbeiten als Richterin oder sind Journalistinnen. So unterschiedlich ihre Aufgabengebiete auch sein mögen, eines haben alle gemeinsam: Sie sind Karrierefrauen.”

Die beiden Pressemeldungen eignen sich hervorragend, um über die Diskussion dessen, was Salience bewirkt, das Framing der Autoren und vielleicht sogar ihren mentalen Zustand zu erschließen.

Beide Pressemeldung haben gemeinsam, dass sie so tun, als wäre die Tatsache, dass Frauen Karriere machen, dass es Frauen im öffentlichen Leben gibt, eine Errungenschaft des Genderismus. Anders formuliert: Beide Pressemeldungen arbeiten am Mythos der unsichtbaren Frauen, die über die Jahrtausende keinerlei Platz im öffentlichen Leben einer Gesellschaft gefunden hätten.

Dabei geht Frau Ingrid Gilcher-Holtey von der Universität Bielefeld gar so weit zu behaupten, dass Frauen aus der “Galerie der Intellektuellen des 20. Jahrhunderts” absichtlich, vermutlich von bösen Männern herausgehalten werden. Was Personen wie Gilcher-Holtey, die Verschwörungstheorien aus der untersten Schublade vertreiben (manche Verschwörungstheorien sind intelligent, aber die von Gilcher-Holtey ist nur primitiv), an Universitäten zu suchen haben, ist eine Frage, die andere beantworten müssen, ebenso wie die Frage, wieso öffentliche Fördergelder benutzt werden, um Treffen von Sektenmitgliedern an Universitäten zu organisieren, an denen sie dann ihrem Glauben huldigen können.

Was uns angeht, wir kennen keine Galerie der Intellektuellen, die nur Männer beinhaltet, aber wir kennen eine ganze Reihe von weiblichen Intellektuellen, obwohl wir noch nicht von den Sektenmitgliedern aus Bielefeld missioniert wurden. Ganz davon abgesehen, dass man sich kaum mehr retten kann vor Listen wie dieser, die die weiblichen Helden des 20. Jahrhunderts besingen sollen. Seltsamerweise fehlen dabei immer Frauen wie Emmy Noether (Mathematiker), Maria Mitchell (Astronom), Anna Atkins (Botaniker), Ida Freund (Chemiker), Lise Meitner (Kernphysiker), Ruth Benedict (Anthropologe), Phyllis Starkey (Biochemiker), Amanda Chessell (Informatiker), Mamie Clarke (Psychologe) und viele andere, die in ihren Fächern bekannt sind und in den vorhandenen Bibliotheken leicht auffindbar sind, jedenfalls dann, wenn einem die Manie, Frauen würden aus öffentlichen Galerien (was immer das auch sein mag) herausgehalten, nicht davon abhält, die Augen aufzumachen und sie zu benutzen.

Damit zur Pressemeldung aus Greifswald, die die Prämisse der Außergewöhnlichkeit weiblicher Karrieren feiert und auf der weiteren Prämisse basiert, dass man selbst als Frau Karriere machen kann, dann halt als Karrierefrau. Wie schön. Und damit die Nachricht auch wirklich ankommt, werden all die berichteten Unterschiede zwischen den 14 mecklenburg-vorpommerschen Stadtmusikanten beseitigt und ihr eines sie auszeichnendes Merkmal der Weiblichkeit gefeiert, das doch gar keine Behinderung ist und es selbst Frauen ermöglich, Karriere zu machen.

impact-factorWenn derartige Pressemeldungen überhaupt etwas erreichen, außer einem Kopfschütteln und einem Post auf ScienceFiles, der zeigt, in welchem manischen Frame sich die entsprechenden Verantwortlichen befinden (An ScienceFiles ist mit Dr. habil. Heike Diefenbach eine weibliche Intellektuelle beteiligt, aber mit dem Urteil und der Ratio von aktuellen Intellektuellen haben es die Manischen in Bielefeld nicht so, sie sind mehr darn interessiert, ihre eigene Unnormalität zu feiern. Das ist auf dem Rücken von Toten leicht möglich, denn die können sich nicht wehren, während Lebende Antworten geben können, die nicht in das ideologische Raster von Feministen passen könnten.), dann ist es eine Form von Salience, die all die Frauen, die es in der normalen öffentlichen Wahrnehmung gibt, von denen jeder Schüler schon einmal in dem ein oder anderen Zusammenhang gehört hat und von denen sicherlich jeder, der sich mit den entsprechenden Bereichen befasst, Kenntnis hat, als Abnormitäten dargestellt werden.

Sie werden zum unnnormalen Auswuchs im von feministischen Vorurteilen beherrschten Gehirn.  So will es die Manie derer, die denken, Frauen waren, bevor es den Feminismus gab, dumme, abhängige und vor allem hilflose Opfer fieser Männer. In ihrem Versuch, die Geschichte umzuschreiben und als patriarchalisch beherrschtes Gefängnis zu phantasieren, in dem außerhalb des eigenen Hauses für Frauen kein Platz war, werden die Frauen, die nicht in das phantasierte Stereotyp dieser Feminsten passen, eben als Kollateralschaden aus der Geschichte beseitigt. Ganz so wie sie meinen, es Männern vorwerfen zu können, und frei nach dem Motto: Besser keine Frauen als unterdrückte Frauen.

Bleibt abschließend noch festzustellen, dass die Anzahl der Frauen in Wissenschaft und Forschung, die Anzahl unter denen, die Patente anmelden und die Anzahl unter denen, die Wissenschaft und Intellektualität nach außen repräsentieren, nach wie vor geringer ist als die der Männer und dass sie es auch über die letzten Jahrhunderte war. Daran kann auch der Feminismus nichts ändern, denn über die Wahrheit haben Feministen keine Gewalt. Aber Wahrheit und Empirie interessieren Ideologen nicht, die versuchen, die Geschichte umzuschreiben.

Jedoch kann festgestellt werden, dass es Bereiche gibt, in denen sich eine große Anzahl von Frauen klumpt, die von einer geschlechtlichen Selbstbetrachtung beherrscht sind und deren wie es in der Wissenschaft neuerdings heißt “impact factor”, wenn es um Erkenntnis und Wissensfortschritt geht, gleich null ist.

Männer mit asozialen Gesichtszügen – Wissenschaftler als Brandstifter und Feuerwehr

Es ist wirklich überraschend, was man heutzutage wieder alles an Forschung vorfindet. Zuweilen habe ich den Eindruck, die wissenschaftliche Entwicklung seit 1900 ist vielen, die sich heute in den Institutionen der Wissenschaft bewegen, vollständig, aber zumindest weitgehend unbekannt. Deshalb will ich diesen Post mit dem Zitat eines Zitats aus einem Buch von Siegfried Lamnek beginnen, das 1979 erstmals veröffentlicht wurde:

Lamnek_abweichendes Verhalten“Diebe haben im allgemeinen sehr bewegliche Gesichtszüge und Hände; ihr Auge ist klein, unruhig, oft schielend; die Brauen gefältet und stoßen zusammen; die Nase ist krumm oder stumpf, der Bart spärlich, das Haar seltener dicht, die Stirn fast immer klein und fliehend, das Ohr oft hinkelförmig abstehend. Die Mörder haben einen glasigen, eisigen, starren Blick, ihr Auge ist bisweilen blutunterlaufen. Die Nase ist groß, oft eine Adler- oder vielmehr Habichtnase: die Kiefer starkknochig, die Ohren lang, die Wangen breit, die Haare gekräuselt, voll und dunkel, der Bart oft spärlich, die Lippen dünn, die Zähne groß. Im allgemeinen sind bei Verbrechern von Geburt die Ohren henkelförmig, das Haupthaar voll, der Bart spärlich, die Stirnhöhlen gewölbt, die Kinnlade enorm, das Kinn viereckig oder hervorragend, die Backenknochen breit – kurz ein mongolischer und bisweilen negerähnlicher Typus vorhanden” (Lombroso zitiert nach Lamnek, 1991, S.68).

Das Zitat stammt von Cesare Lombroso, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts versucht hat, Kriminalität als biologische Abnormität der körperlichen Entwicklung auszuweisen. Und nicht nur die im obigen Zitat beschriebenen Gesichtszüge, waren für Lombroso Anzeichen einer biologisch determinierten Delinquenz, sondern auch die Form und Größe des Schädels. Lombroso ist bis heute unter Kriminologen für seine Schädelvermessungen bekannt, denn besonders markante Schädel, in Größe, Breite und Form, so Lombrosos Ansicht, weisen den Kriminellen aus.

Im Zeitraffer haben wir uns ins 21. Jahrhundert bewegt und hier treffen wir nunmehr die Erben von Lombroso. Heute kleiden sich Biologisten in andere Begriffe, sind nicht mehr so deutlich und offen, wie Lombroso dies war, und deshalb schreiben sie von der fWHR, der facial width-to-height-ratio. Das Verhältnis zwischen Gesichtsbreite zu Gesichtshöhe ist also ihr Spielzeug und heute muss man seine Vorurteile nicht mehr, wie dies Lombroso getan hat, in Deskriptionen des Forschungsgegenstand kleiden, nein, heute kann man korrelieren. Und das wird getan, bar jeder theoretischen Fundierung und mit allem, was im Fundus der “nachhaltigen Werte”, wie von sie Nicht-Regierungsorganisationen global verbreitet werden, negativ bestimmt ist.

  • Carré und McCormick (2008) finden, dass Männer mit einer großen fWHR (also breit und kurz) aggressiver sind als Männer mit einer kleinen fWHR.
  • Stirrat und Peret (2010) finden, dass Männer mit einer großen fWHR nicht so vertrauenswürdig sind, wie Männer mit einer kleinen fWHR.
  • Haselhuhn und Wong (2012) wollen gar herausgefunden haben, dass Männer mit einer großen fWHR eher bereit sind, andere zu täuschen als Männer mit einer kleinen fWHR.

Pazzi criminialeKeiner der vermeintlichen Wissenschaftler hat sich die Frage gestellt, warum die fWHR mit all den negativen Eigenschaften zusammenhängen soll, die sie den entsprechenden Männern mit ihrer Forschung gerade anhängen wollen. Sie alle betätigen sich als Brandstifter und behaupten eine biologische Basis für diese negativen Eigenschaften, die sich eben mit der fWHR messen lässt. Derartige Behauptungen kann man nicht unabhängig prüfen, jedenfalls nicht mit den Untersuchungsanlagen, die biologistische Forscher gemeinhin verwenden und entsprechend ist es ziemlich einfach, deratige Behauptungen in die Welt zu schleudern.

Umso wichtiger sind Studien, wie die von Haselhuhn, Wong und Ormiston (2013), die umso bemerkenswerter ist, weil Haselhuhn und Wong mit dieser neuen Studie Ergebnisse hinterfragen, die sie selbst 2012 veröffentlicht haben. Sind unsere Ergebnisse das Ergebnis einer self-filfilling prophecy, so fragen sich die Forscher. Der Begriff der self-fulfilling prophecy wurde von Robert K. Merton in die Soziologie und die Sozialpsychologie eingeführt ,und er beschreibt eine Situation, in der die Furcht vor einem Ergebnis zu Handlungen führt, die dieses Ergebnis erst eintreten lassen. Das klassische Beispiel ist der Bankrun, bei dem Anleger aus Angst, ihr Geld durch den Zusammenbruch einer Bank zu verlieren, in Banken stürmen, um ihr Geld abzuheben und dadurch den Zusammenbruch der Bank erst auslösen.

Im Zusammenhang mit den Männern, die ein breites und kurzes Gesicht haben, besteht die self-fulfilling prophecy darin, dass die Männer mit dem breiten und kurzen Gesicht sich so fies verhalten, weil sie denken, dass das fiese Verhalten an sie herangetragen, von ihnen erwartet wird, weil sie wissen, dass Interaktionspartner ihre Gesichtszüge zum Anlass nehmen, eine Kooperation zu verweigern, sie schlecht zu behandeln, ihnen asozial zu begegnen, und dies entsprechend antizipieren und sich ihrerseits unkooperativ zeigen.

euheadofstateDass dem so ist, dass negativ bewertete Verhaltensweisen an bestimmte Personen herangetragen werden und diese Personen sich dann entsprechend verhalten, können Haselhuhn, Wong und Ormiston in insgesamt vier Experimenten zeigen, in denen sie Versuchspersonen vor eine Wahl zwischen einer prosozialen und dem, was sie als antisoziale Wahl ansehen, gestellt haben. Bei dieser Wahl ging es im Wesentlichen darum, Ressourcen aufzuteilen. Herauskam, dass mit einer zunehmenden fWHR weniger prosoziale Wahlen getroffen wurden. Wichtiger ist jedoch, dass Versuchspersonen, die mit Männern mit hoher fWHR als Interaktionspartner konfrontiert waren, deutlich weniger bereit waren, sich diesen gegenüber pro-sozial zu verhalten. Es scheint also, als würden Männer mit hoher fWHR sich nur deshalb anti-sozial verhalten, weil man ihnen anti-sozial begegnet oder wie Haselhuhn, Wong und Ormiston schreiben: “Across four studies, our results illustrated a self-fulfilling prophecy illustration for the link between men’s fWHR and behavior” (5).

Allerdings haben die Auoren nicht den Mut, die Konsequenz aus diesem Ergebnis zu ziehen und festzustellen, dass es Forscher wie sie selbst sind, die mit abstrusten Korrelationen soziale Erwartungen aufbauen, mit denen sich dann die entsprechenden Forschungsopfer konfrontiert sehen. Diese Form der Projektion eigener Vorurteile auf Dritte, die dann gegen Vorurteile ankämpfen müssen, ist zudem ein fester Bestand der Kriminologie und der Sozialwissenschaft. Er findet sich als sekundäre Devianz im labeling approach und beschreibt die Erwartung der Umwelt an ehemalige Kriminelle, wieder delinquent zu werden. Er findet sich als Stereotype Threat in der Bildungsforschung und wurde von Dr. habil. Heike Diefenbach auf Deutschland und hier insbesondere Migranten und Jungen übertragen: Erstere sind in der Schule schlecht, weil sie mit der Erwartung konfrontiert sind als Migranten in der Schule schlecht abzuschneiden, machen diese Erwartung zu ihrer Handlungsgrundlage. Letztere sind in der Schule schlecht, weil man sie ab der Einschulung als kleine Machos stereotypisiert, denen man den Machismo austreiben muss, was zum Ergebnis hat, dass sie sich erst in der von ihnen erwarteten Weise verhalten.

meaningoflifeLetztlich beschreibt die Forschung von Haselhuhn, Wong und Ormiston das Elend von Gutmenschen, wie z.B. Genderisten, die in der Welt nichts anderes als Frauenhasser erblicken können und Dritten mit dieser Erwartung begegnen. Sie projezieren ihre Ängste und Befürchtungen auf Dritte und wundern sich, wenn diese Dritte das nicht gut funden. Und so ist es kein Wunder, dass Dritte sich dann Genderisten gegenüber nicht freundlich verhalten, denn wer will sich schon vorverurteilen lassen.

Am Ende fällt sowohl genderistischer Interventionismus wie Forschungen, die alle möglichen theoretisch nicht begründeten Korrelationen suchen und finden, auf diejenigen zurück von denen Interventionismus oder Studie ausgeht. Sie projezieren ihre Vorturteile, zwingen unbeteiligte Dritte in ihre Vorstellungswelt und finden wenig überraschend wonach sie gesucht habe. Dies ist das Elende der atheoretischen Sozialforschung.

Carré, Justin M. & McCormick, Cheryl M. (2008). In your Face: Facial Metrics Predict Aggressive Behavior in the Laboratory and in Varsity and Professional Hockey Players. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences 275(1651): 2651-2656.

Haselhuhn, Michael P. & Wong, Elaine M. (2012). Bad to the Bone. Facial Structure Predicts Unethical Behavior. Proceedings of the Royal Society B: Biological Science 279(1728): 571-576.

Haselhuhn, Michael P., Wong, Elaine M. & Margaret E. Ormiston (2013). Self-Fulfilling Prophecies as a Link between Men’s Facial Width-to-Height Ratio and Behavior. PlosOne.

Stirrat, Michael & Perret David I. (2010). Valid Facial Cues to Cooperation and Trust: Male Facial Width and Trustworthiness. Psychological Science 21(3): 349-354.

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