Flaschenpost-Spiele für Erwachsene: Wie “Misinformations-Ökosysteme” Probleme schaffen

Im Winter 2020 haben Gabriel-Alexandru Toma und Adina-Gabriela Scripcariu in einem Artikel, der im Journal of Comparative Research in Anthropology & Sociology veröffentlicht wurde, das Konzept der „Misinformation ecosystems“, d.h. der Misinformations-Ökosysteme, vorgeschlagen

„… to make sense of the contemporary fake news phenomenon” (Toma & Scripcariu 2020: 65).

Sie definieren“Misinformations-Ökosysteme” als

“… interconnected chains of false or misleading reports that become real in their consequences … [und] discourse communities … Therefore, the performative character of mutually reinforcing false reports explains the social and political impact of fake news” (Toma & Scripcariu 2020: 65).

Misinformations-Ökosysteme bezeichnen nach den Autoren also „Diskursgemeinschaften“, innerhalb derer sich falsche oder irreführende Berichte, sagen wir treffender: Behauptungen, sozusagen fortpflanzen, indem sie – wie im „Flaschenpost“-Spiel, das in Großbritannien (heutzutage in mancher Hinsicht wahrscheinlich passenderweise) „Chinese Whispers“ heißt – von einem zum nächsten Element in der Kette weitergegeben werden. Im Zuge dieser Weitergabe verstärken sich die falschen oder irreführenden Behauptungen, werden vielleicht miteinander verbunden. Wer sie glaubt oder für möglich hält, tendiert dazu, auf der Grundlage dieser Behauptungen zu handeln, und dies erklärt für die Autoren, warum „fake news“ „soziale und politische Wirkung“ entfalten können:

blog.chrisrowbury.com

„The analysis indicates that false information could become real, given that people consider it real and act accordingly” (Toma & Scripcariu 2020: 67).

Wer z.B. – immer noch – der nachweislich falschen Behauptung Glauben schenkt, dass die bislang verfügbaren sogenannten Impfstoffe gegen Covid-19 einen nennenswerten Schutz vor Erkrankung und insbesondere vor schwerer Erkrankung bieten, der dürfte sich mehrfach impfen lassen, und dann, wenn er in der Folge der mehrfachen Impfungen Covid-19, vielleicht schwer, erkrankt, meinen, dass es die Impfungen gewesen seien, die ihn vor dem Covid-19-Tod gerettet hätten, statt die Impfungen als Ursache seiner Erkrankung an Covid-19 zu erkennen. Es handelt sich hier um einen Effekt aus der bekannten Gruppe der „framing“-Effekte, und wer sich im falschen Rahmen bewegt, kann nicht anders als aufgrund dessen, was innerhalb des Rahmens vorstell- oder denkbar ist oder als Faktum gilt, zu handeln, gegenenfalls eben auch falsch im Sinn von den Tatsachen widersprechend oder zumindest ihnen unangmessen.

Solches Handeln kann aber neue Tatsachen, oft: Probleme, in der realen Welt schaffen: So kann z.B. der Glaube, das Aufstellen von Windrädern würde dabei helfen oder wäre gar notwendig, um die Erde vor dem Verglühen aufgrund menschengemachten Klimawandels zu retten, dazu führen, dass sich das Kleinklima in der Umgebung der Windräder – aufgrund von Versiegelung enormer Flächen und Austrocknung des verbliebenen Bodens durch die Windrad-Aktivität – in genau die Richtung verändert, der durch das Windräder-Aufstellen entgegengewirkt werden sollte.

Oder der Glaube, jemand habe sein Leben der mehrfachen „Impfung“ gegen Covid-19 zu verdanken, kann dazu führen, dass er sich weiterhin impfen lässt oder andere Personen zur „Impfung“ ermuntert (wenn nicht gar: verpflichten will), was im Fall der „Impfungen“ gegen Covid-19 aber die Wahrscheinlichkeit für schwere Covid-19-Erkrankungen und ggf. schwere Nebenwirkungen erhöht. Aber je häufiger die falschen Behauptungen wiederholt werden und je häufiger sie durch Fehlzuschreibungen von Ursachen und Wirkungen zu einer Art Binsenweisheit aufgezogen werden, desto schwieriger wird es, sie als falsche Behauptungen auch nur zu benennen – z.B. durch entsprechende Zensur von Gegenbehauptungen, die ihrerseits als ‚fake news‘ bewertet werden –, geschweige denn, die Mittel, die für ihre Überprüfung notwendig wären, erhalten zu können. Das heißt, dass falsche Behauptungen auf der gesellschaftlichen Ebene dazu neigen, sich selbst zu bestätigen bzw. sich selbst zu legitimieren – obwohl sie falsch sind:

„Based on this consideration, the research depicts a typology of fake news that becomes real through a process of social validation and legitimation produced within ‘misinformation ecosystems’” (Toma & Scripcariu 2020: 67).

Es ist deshalb wichtig, “fake news” von Tatsachen zu unterscheiden. Zwar gibt es eine wahre Flut von Veröffentlichungen zum Thema „fake news“, wie sich jeder überzeugen kann, der dies als Stichwort in einer Google- oder DuckDuckGo-Suche verwendet, aber fast immer wird in diesen Veröffentlichungen davon ausgegangen, dass irgendwie klar sei, was „fake news“ seien und was nicht – und dies, obwohl “fake news” logischerweise ja nur dann ein Problem sein können, wenn eben nicht klar ist, was “fake” und was Fakt ist. So ist z.B. für Toma und Scripcariu einfach klar, dass es in Rumänien keine sogenannten schwarzen Ambulanzen gibt, die Kinder entführen, um ihnen Organe zu entnehmen und diese Organe zu verkaufen. Sie qualifizieren diese Behauptung als „fake news“ bzw. „urban legend“, aber der Grund, den sie dafür nennen, warum es sich hier um „fake news“ handeln soll, ist ein denkbar schlechter Grund:

„… the authorities tried multiple times to debunk the legend. The Minister of Internal Affairs and the Romanian Police denied on Facebook [!] the existence of ambulances that kidnap kids. The Romanian Police also posted on social media an official statement that children with missing organs had never been found in Romania. But despite the constant attempts of authorities to demystify the information about ambulances, the legend does not show any signs of disappearance from the public sphere” (Toma & Scripcariu 2020: 70).

Zu meinen, dass die Entscheidung darüber, was “fake news” seien und was nicht, getroffen werden könne, indem man auf jemanden verweist, der auch schon gesagt hat, dass wahr sei (oder sein müsste), was man selbst für wahr hält (ohne gute andere Gründe dafür zu haben), ist gelinde gesagt albern. Aber zu meinen, dass dieses Fehlargument ad auctoritatem Leute überzeugen würde, die anscheinend Gründe dafür sehen, den „Autoritäten“ nicht zu vertrauen, ist m.E. der Gipel der Naivität. Aber Toma und Scripcariu meinen dennoch – und wie so viele andere –, umstandslos beurteilen zu können, was „fake news“ sind und was nicht.

Woran erkennt man denn nun „fake news“?

Vielleicht daran, wer eine Behauptung aufstellt? Das funktioniert nicht (und entspricht dem Fehlschluss ad hominem). Es gibt nur einen einzigen Weg, „fake news“ zu erkennen, nämlich den, Behauptungen an den Tatsachen zu überprüfen. Das bedeutet aber, dass es gar keinen Sinn macht, von „fake news“ als genereller Kateogorie von Behauptungen zu sprechen: Von manchen Behauptungen ist bekannt, dass sie sachlich zutreffend oder sachlich unzutreffend sind, und von anderen nicht. Behauptungen, von denen dies nicht bekannt ist, können weder als falsch noch als wahr bezeichnet werden. Bevor ihnen das label „fake news“ verpasst werden kann, muss die entsprechende Behauptung als falsch erwiesen werden. Aber von welchem Nutzen wäre es, für eine als falsch erwiesene Behauptung die Bezeichnung „fake news“ zu benutzen, wenn es doch völlig ausreicht, von der betreffenden Behauptung als falscher Behauptung zu sprechen?! Mir fällt keiner ein, und deshalb ist „fake news“ m.E. ein Kampfbegriff, sonst nichts.

Dessen ungeachtet soll hier nicht bestritten werden, dass es Fälle gibt, in denen jemand bewusst falsche Behauptungen aufstellt und verbreitet, weil er damit bestimmte Interessen verfolgt. Der einzelne Spaßvogel oder Lügenbold dürfte jedoch schwerlich eine gesellschaftliche Bedrohung darstellen. Eine gesellschaftliche Bedrohung können hingegen „Misinformations-Ökosysteme“ gemäß der Auffassung von Toma und Scripcariu sein, weil im Fall ihrer Existenz auf systematische Weise falsche Behauptungen gemacht und verbreitet werden, unabhängig davon, ob dies absichtlich oder unabsichtlich geschieht.

Weil man aber nicht weiß, was eine Misinformation ist und was nicht, hilft auch das nicht viel weiter. Wenn man aber davon ausgeht, dass systematischer Misinformation ein entsprechendes Interesse an einer bestimmten Darstellung von „Realität“ zugrundeliegen muss, dann führt dies weiter, denn: Weil dieses Interesse nun einmal ein bestimmtes Interesse bestimmer Personen oder Organisationen (sagen wir der Einfachheit halber: (A)) ist, aber nicht oder nicht unbedingt das anderer Menschen oder Organisationen (B), wird (A), wenn ihm an der Durchsetzung seines partikularen Interesses statt an einem Kompromiss gelegen ist, sein partikulares Interesse nicht als solches formulieren, sondern zu allerlei verbaler Manipulation greifen, um das partikulare Interesse nicht als solches erscheinen zu lassen, sondern z.B. als eine Notwendigkeit oder als ein irgendwie höheres Interesse bzw. ein Interesse, das alle haben oder haben sollten. Letztlich läuft die Erkennung von wahrscheinlicher (!) Misinformation bzw. von wahrscheinlich (!) falschen Behauptungen daher vor allem darauf hinaus, zu prüfen, ob klar und sauber argumentiert und die Prämissen der Argumente benannt werden, oder ob statt dessen allerlei rhetorische Mittelchen zur Überredung oder Manipulation eingesetzt werden.

Und diesbezüglich sind die fünf Typen von „fake news“, die nach Toma und Scripcariu Misinformations-Ökosysteme konstituieren (Toma & Scripcariu 2020: 67), hilfreich, wobei es sich nicht tatsächlich um fünf Typen von „fake news“ handelt, sondern m.E. vielmehr um fünf manipulatorische Arten und Weisen bzw. fünf Elemente im verbalen Werkzeugkasten, mit Hilfe derer Misinformations-Ökosysteme operieren. Es handelt sich um

  • „recurrent occurrences“; ich nenne dies im Folgenden „Inszenierung von Relevanz durch Wiederholung“;
  • „scapegoat offensive“; ich nenne es: „Offensive gegen einen Sündenbock“
  • „pseudoscientific gaze“; ich nenne es: „Pseudowissenschaftlichkeit“
  • „combo strikes“; ich nenne es: „Mediale Luftnummer“
  • „humorous hijacks“; ich nenne es: „Humoristische Übernahme“

(Toma & Scripcariu 2020: 65).

Betrachten wir diese fünf Elemente etwas genauer:

  1. Inszenierung von Relevanz durch Wiederholung anlässlich realer Sachverhalte

Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wird in regelmäßigen Abständen auf das gelenkt, was A behauptet oder relevant setzen will, indem jede Gelegenheit ergriffen wird, beobachtbare Fakten oder Ereignisse mit der Behauptung in Verbindung zu bringen.

„This type of fake news becomes credible among susceptible categories [!] of the population because it refers to situations or events that exploit the feeling of fear … These situations are interpreted out of context, which leads to a sense of misunderstandings and collective confusion … so that people try to gain certainty by using imaginary correlations. News from this category has real-life consequences: people end up giving a certain definition to a situation due to wrong information and then act based on that definition” (Toma & Scripcariu 2020: 68).

Bei gutes Beispiel hierfür ist, wenn an einem heißen Sommertag Temperaturen gemessen werden, die die höchsten seit X [Sachdienliches einsetzen] sind und dies in einen Zusammenhang gebracht wird mit einer vermeintlichen Erwärmung der Erde aufgrund menschengemachten Klimawandels. Ein beobachtbares Phänomen wird also in einen Zusammenhang gebracht, der als Ursache-Wirkungs-Verhältnis ausgegeben wird oder ein solches suggeriert. Die Hoffnung ist die, dass das Faktum eines beobachtbaren Phänomens – eine Rekordtemperatur für irgendeinen Zeitraum – einfältigen Geistern suggeriert, dass auch das, womit das Faktum in Zusammenhang gebracht wird, ein Faktum sein müsse, sich also sozusagen die Qualität des Fakt-Seins vom Beobachteten auf das bloß Behauptete übertragen möge.

Dies würde vermutlich keine große gesellschaftliche Wirkung entfalten, würde dabei nicht an Angstgefühle appelliert. Wie Toma und Scirpcariu schreiben, ist die Inszenierung von Relevanz durch Wiederholung abhängig davon, dass es gelingt, bei Menschen Angstgefühle zu erwecken, oder anders gesagt: es geht im Kern darum, Angstgefühle erst auszulösen, um sie dann im Interesse von A ausbeuten zu können.

  1. Offensive gegen einen Sündenbock

Die Offensive gegen einen Sündenbock besteht darin, eine Person oder Gruppe von Personen für sozio-ökonomische Problemlagen verantwortlich zu erklären. Die Öffentlichkeit soll dadurch insofern irregeführt werden als sie dazu gebracht werden soll, ihre Aufmerksamkeit auf den Sündenbock zu richten statt auf die „… real causes of social problems“ (Toma & Scripcariu 2020: 70). Nach Toma und Scripcariu beruht die Offensive gegen einen Sündenbock auf einer vereinfachten Erzählung darüber, wie eine Gesellschaft funktioniert, und empfänglich für eine solche vereinfachte Erzählung – samit der Zuschreibung von Verantwortlichkeit an den Sündenbock – sind einfältige Leute, die eine solche vereinfachte Erzählung verstehen können und nicht durch Argumente überzeugt werden können (Toma & Scripcariu 2020: 70).

Derzeit erleben wir mit der Zuschreibung der Verantwortung für die Energie-Knappheit und die befürchtete Nahrungsmittelknappheit bzw. Preissteigerung für Getreideprodukte in Deutschland an Putin ein deutliches Beispiel für eine Offensive gegen einen Sündenbock – hier: gegen Putin. Dies ist eine sehr stark vereinfachte Erzählung, die tatsächlich nur sehr einfältige Menschen glauben dürften, denn Energie-Knappheit bestand nachweislich bereits vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine und wurde durch die unrealistischen und überflüssigen Ziele zur Reduktion von C02 in der Atmosphäre verursacht. Und was Nahrungsmittel-Knappheiten bzw. die Preissteigerungen für Nahrungsmittel betrifft, so waren und sind sie hauptsächlich ein Resultat der die Wirtschaften von Ländern überall auf der Erde ruinierenden Maßnahmen, die anlässlich des Auftauchens von SARS-CoV-2 getroffen wurden. Nur, wer durch diese Tatsachen, d.h. argumentativ, nicht überzeugt werden kann, kann durch die Inszenierung von Putin als Sündenbock irregeleitet werden bzw. von den fahrlässigen politischen Entscheidungen, die die eigene Regierung zu verantworten hat, abgelenkt werden.

  1. Pseudowissenschaftlichkeit

Pseudowissenschaftlichkeit

„… represents a type of fake news which contests a scientific discovery or a medical practice based on unreliable evidence. Unlike other fake news categories which are based on suppositions, in this case, a series of studies become subject of public debates and end up shaping public opinion” (Toma & Scripcariu 2020: 72).

Unter der Kategorie „Pseudowissenschaftlichkeit“ fassen Toma und Scripcariu also die Kritik an wissenschaftlichen Entdeckungen und hierauf basierenden medizinischen Eingriffe, „die auf unzuverlässigen empirischen Befunden“ basiert. Die Daten, auf denen die Studien beruhen, auf die sich die Kritik beruft, werden gemäß der Autoren

“… contested by the scientific community, but despite the scientists’ input, the fake news becomes very influential among the believing group” (Toma & Scripcariu 2020: 72),

d.h. von der “wissenschaftlichen Gemeinde” ihrerseits kritisiert, aber ihr Widerspruch bleibt unbeachtet, so dass die „fake news“ in der Gruppe der Gläubigen sehr einflussreich wird.

Von der Existenz von Pseudowissenschaftlichkeit im Sinn von Toma und Scripcariu haben wir einen aktuellen Nachweis, nämlich im Zusammenhang mit dem SARS-CoV-2-Virus bzw. Covid-19. So hat die Gruppe der Gläubigen, hier: politisch Verantwortliche, aber auch Pseudo-Wissenschaftler, die von Ersteren profitieren oder materiell gänzlich von ihnen abhängig sind, von Anfang an jede wissenschaftliche Entdeckung von gegen das Virus möglicherweise wirksamen anderen Mitteln als die Impfungen/Gentherapien zu verhindern versucht oder für unzuverlässig erklärt, ohne selbst zuverlässige Belege dafür zu liefern, dass die jeweiligen anderen Mitteln nicht wirksam oder weniger wirksam als Impfungen/Gentherapien sind. Auch in anderen Zusammenhängen mit Maßnahmen gegen Covid-19 haben Personen aus der Gruppe der Gläubigen verfehlte Kritik an Studien geübt (z.B. im Zuge des Fehlschlusses ad auctoritatem, dass sie nicht “peer-reviewed” seien), oder sie ignorier(t)en wissenschaftliche Studien, die ihren Glauben als falsch erweisen, gänzlich, wie z.B. Studien zum gesundheitlichen Schaden, der durch das Masken-Tragen entsteht. Trotz der Stimmen aus der wissenschaftlichen Gemeinde, die sich gegen die Pseudowissenschaftler durchgesetzt haben und inzwischen überall laut hörbar sind, halten die Gläubigen an dieser nicht nur unnützen, sondern schädlichen Praxis fest.

Dasselbe gilt für Kritik an wissenschaftlichen Studien im Zusammenhang mit der These vom menschengemachten Klimawandel: Wissenschaftlichen Studien, in denen die These falsifiziert wird, wird aus den Reihen der Gläubigen vermeintliche Kritik entgegengebracht bzw. vermeintliche Gegenbefunde, die auf Modellrechnungen basieren, bei denen herauskommt, was vorne als Annahmen hineingestopft wurde, oder auf ge- oder verfälschten Daten wie dies im Zusammenhang mit „Climategate“ bekannt geworden ist.

Sowohl im Fall von Covid-19 als auch im Fall der These vom menschengemachten Klimawandel erzeugen die Pseudowissenschaftler Konsequenzen in der realen Welt für Milliarden von Menschen und Gesellschaften überall auf der Welt: u.a. eine Pandemie von Impfschäden im ersten Fall und u.a. Energieknappheit und drastisch steigende Nahrungsmittelpreise im zweiten Fall.

  1. Mediale Luftnummern

Bei einer medialen Luftnummer handelt es sich nach Toma und Scripcariu (2020: 74) um

„… fake news that presents situations characterized by uncertainty and unreliable assumptions. Despite a sense of confusion associated with the news, information of this kind becomes credible mainly because media present it as being real and include it on the public agenda. This type of news refers to a topic that is presented as a threat to a vulnerable group, and the attempts of bringing the topic to public attention are assumed as methods to support a social cause … ‘Combo strikes’ [was wir hier wie gesagt ‘mediale Luftnummer’ nennen] news refers to an inexistent or barely existent phenomen. However, the countermeasures against the phenomenon and the popularization of the tropic through mass media make the phenomenon become real” (Toma & Scripcariu 2020: 74-75)

insofern als die Maßnahmen, die zur Bekämpfung des nicht oder kaum existenten Phänomens psychologische Folgen in Form von „hysteria“ (Toma & Scripcariu 2020: 75) oder, so möchte man hinzufügen, z.B. Reaktanz, haben kann und praktische Folgen wie z.B. die Einrichtung von neuen Haushaltsposten, für die Steuergelder aufgewendet werden, die dann für sinnvolle Verwendung nicht mehr zur Verfügung stehen. Die mediale Luftnummer schafft also eine medial inszenierte Schein-Realität, die keine oder kaum eine Fundierung in der Realität hat, aber Folgen in der Realität produziert, die normalerweise nicht im Interesse der großen Mehrheit der Menschen sind.

Ein Parade-Beispiel hierfür, das sich in diesem Zusammenhang wieder vielen von uns aufdrängen dürfte, ist die mediale Inszenierung einer Covid-19-Pandemie u.a. durch schockierende Bilder von auf offener Straße oder in Krankenhaus-Korridoren plötzlich zusammenbrechenden Menschen oder von der Errichtung von Zelten, die der medizinischen Notversorgung von Covid-19-Erkrankten dienen soll, noch bevor Fakten darüber bekannt waren, wie ansteckend und wie gefährlich Covid-19 tatsächlich war. Im Rahmen dieser medialen Inszenierung wurden alte Menschen als besonders durch Covid-19 gefährdete Gruppe dargestellt und Menschen, die sich nicht impfen lassen wollten, als „Oma-Mörder“ beschimpft, und die drastischen Maßnahmen wie Maskenzwang und Ausgangssperren, die Regierungen überall auf der Erde ergriffen, wurden (zumindest anfangs) als Maßnahmen zum Schutz der alten Menschen und – im Zusammenhang damit – zum Schutz der Krankenhäuser vor Überbelegung dargestellt. Zu den drastischen realen Folgen, die dies alles produziert hat, gehören u.a. der unnötige Aufschub von Behandlungen anderer schwerwiegender Erkrankungen wie z.B. Krebserkrankungen und die mutwillige Zerstörung ganzer Berufszweige oder industriellen Produktionsbereiche.

Die mediale Inszenierung eines (einmal mehr) angeblich drohenden Untergangs der Erde aufgrund menschengemachten Klimawandels ist eine weitere „mediale Luftnummer“, die enorme negative Folgen für Menschen überall auf der Erde produziert hat und weiter zu produzieren droht. Auch die seit Jahren aufgebauten und gepflegten Inszenierungen von „Rechtsextremismus“, „Rassismus“ oder „Homophobie“ als die Demokratie in Deutschland und das Zusammenleben der Menschen in Deutschland bedrohende Gefahren haben keine nennenswerte Basis in der Realität (wie die polizeiliche Kriminalstatisik, Erhebungen zum Ausmaß von Diskriminierung – s. hierzu Diefenbach 2019 – und die Alltagserfahrung zeigen), aber sie wurden zur Legitimation der Aufwendung von Steuergeldern für die Schaffung einer ganzen Reihe von Einrichtungen (wie z.B. der Anti-Diskriminierungsstelle) und Projekten samt der Stellen der dort Beschäftigten herangezogen und haben damit Angehörigen der prekären Mittelschicht zumindest zeitlich befristete oder Halbtags-Stellen finanziert und die Staatsquote erhöht, was aus Sicht einer linksgerichteten Regierung immer eine begrüßenswerte Sache ist, versprechen sie sich hiervon doch Wählerstimmen, weil kein Hund in die Hand beißen will, die ihn füttert. Diese und andere realen Folgen der medialen Inszenierungen von „Rechtsextremismus“, „Rassismus“ oder „Homophobie“ (samt all ihrer Verwandten wie „Anti-Islamismus“, „Anti-Feminismus“, „Anti-Semitismus“ etc. etc.) wie z.B. eine erhöhte Polarisierung der Gesellschaft sind im Interesse nur einer kleinen Minderheit von Menschen in Deutschland, aber durch ihre permanente Beschwörung in Medien als umfassende Gefährung der Demokratie in Deutschland wird in der Realität ein gesellschaftliches Klima geschaffen, in dem sich jeder, die die Relevanz all dieser -ismen und Anti-s in der Realität hinterfragt, verdächtig macht, die (inszenierte) gesamtgesellschaftliche Aufgabe von der Rettung der Demokratie unterlaufen zu wollen.

 

  1. Humoristische Übernahmen

Der letzte Typus von „fake news“, den Toma und Scripcariu nennen, sind humoristische Übernahmen. Sie beschreiben humoristische Übernahmen als „Misinformationskampagnen“ (Toma und Scripcariu 2020: 76), die auf tatsächlichen Misinformationskampagnen durch Andere – andere Personen oder Organisationen – aufbauen, die mit ihrer Kampagne das Ziel verfolgt haben, ihren Bekanntheitsgrad oder den ihrer Marke zu erhöhen, indem sie ge- oder verfälschte Materialien wie Fotos, Videos oder aus ihrem Zusammenhang gelöste Aussagen benutzen. Im Zuge einer humoristischen „Misinformationskampagne“ werden die Materialien des ursprünglichen Mis-Informierers ihrerseits in offensichtlicher und gewöhnlich satirischer Weise manipuliert und verbreitet. Die Zielsetzung des ursprünglichen Mis-Informierers wird dadurch erreicht; er oder die Marke wird tatsächlich bekannt(er),

„… but their popularity growth is generated rather by the ironic reactions and ridicule than by expected admiring reactions“ (Toma und Scripcariu 2020: 76),

was sicherlich nicht in der Absicht des ursprünglichen Mis-Informierers gewesen ist. Statt bekannt zu werden z.B. für seine Beliebtheit bei führenden Politikern ist er nunmehr bekannt für seinen Versuch, die Leute zu täuschen.

Die Autoren beschreiben beispielhaft für eine humoristische Übernahme einen Vorfall mit Bezug auf einen rumänischen Politiker namens Gabriel Oprea, der ein Bild gefälscht haben soll, auf dem er zu sehen ist, wie er mit Barack Obama Hände schüttelt. Nachdem dies bekannt wurde, sind eine Menge von ebenfalls, aber gewöhnlich offensichtlich, gefälschten Bildern in sozialen Medien aufgetaucht, auf denen Oprea händeschüttelnd mit der Mona Lisa, mit Adolf Hitler, mit Donald Trump, mit einen Astronauten, mit der Queen of England etc. zu sehen war. Oprea hat bis zuletzt behauptet, er habe Obama tatsächlich die Hand geschüttelt, aber seine Glaubhaftigkeit hat (weiter) dadurch gelitten, dass im Zuge der Diskussion um das Bild die Tatsache bekannt(er als vorher) geworden ist, dass Oprea auch seine Doktorarbeit plagiiert hat (Toma und Scripcariu 2020: 77-78).

Es ist schwierig, andere, diesem Beispiel äquivalente, Beispiele zu finden. Aber wenn man als eine humoristische Übernahme auch Fälle von „Misinformation“ durch ge- oder verfälschte Bilder, Videos oder Aussagen gelten lassen möchte, die auf ein vorheriges Ereignis oder eine vorherige Aussage durch jemanden, der sich oder seine Marke inszenieren wollte, beziehen, ohne dass das vorherige Ereignis oder die vorherige Aussage eine Misinformation im strengen Sinn gewesen ist, dann sind Beispiele relativ einfach zu finden.

Eines wären die ge-/verfälschten Bilder, die in der Folge von Joe Bidens Versuch aufgetaucht sind, seine physische (wenn nicht mentale) Fitness durch Inszenierung seiner selbst auf einem Fahrrad im entsprechenden Fahrrad-Outfit für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Biden ist bei diesem Versuch bekanntermaßen vom Fahrrad gefallen. Nachdem dies bekannt geworden ist, wurden in den sozialen Medien ge-/verfälschte Bilder ausgetauscht, in denen der Vorfall auf satirische Weise kommentiert bzw. der Vorfall als gescheiterter Versuch, Biden als physisch fit erscheinen zu lassen, markiert wurde.

Es handelt sich hier um mehr oder weniger klar erkennbare Satire, die als „Misinformationskampagne“ oder „fake news“ zu bezeichnen, ich für vollkommen verfehlt halte. Und dies hängt nicht am gewählten Beispiel; es gilt auch für das Beispiel von Gabriel Oprea, das die Autoren selbst gewählt haben, denn in beiden Fällen geht es den Bilder-Fälschern darum, eine vorher erfolgte Selbstinszenierung als solche erkennbar zu machen und sich über sie lustig zu machen. Es geht ihnen gerade nicht darum, dass möglichst viele Menschen das gefälschte Bild für echt halten, denn in diesem Fall würden die Satire als solche gar nicht erkannt und würde damit ihr Ziel verfehlen, nämlich das Ziel, menschliche Schwächen – z.B. Eitelkeit, „virtue signalling“, Sich-Als-Etwas-Darstellen-Was-Man-Nicht-Ist etc. – und menschliche Irrtümer durch Witz, Ironie, Sarkasmus oder Übertreibung erkennbar und sich über sie lustig zu machen (s. z.B. die Definition von „satire“ bei Merriam-Webster) Bei der humoristischen Übernahme wollen Bilder- oder Ausagenfälscher also gerade nicht misinformieren. Im Gegenteil – ihre Botschaft durch ge-/verfälschte Bilder beruht geradezu darauf, dass die Bilder als ge- oder verfälscht erkannt werden (können). Die humoristische Übernahme ist für mich deshalb keine Kategorie von „fake news“ (und sie hat normalerweise auch keine gesellschaftlich relevanten Konsequenzen in der Realität).

Täuschungsabsicht ist für viele andere Autoren ein definitorisches Merkmal von „fake news“, wie z.B. für das Center for Information Technology and Society at UC Santa Barbara (CITS):

“The term fake news means ‘news articles that are intentionally and verifiably false’… designed to manipulate people’s perceptions of real facts, events, and statements. It’s about information presented as news that is known by its promoter to be false based on facts that are demonstrably incorrect, or statements or events that verifiably did not happen”.

Es ist plausibel anzunehmen, dass diejenigen am meisten „fake news“ verbreiten, die erstens ein Interesse daran haben, möglichst viele Menschen über die Realität in einer bestimmten Angelegenheit zu täuschen – und dieses Interesse dürften Privatleute höchst selten haben –, und die zweitens die besten Möglichkeiten dazu haben, „fake news“ als solche in Umlauf zu bringen und als Tatsachen erscheinen zu lassen. Und das sind Personen bzw. Einrichtungen oder Organisationen, die Zugang zu den Ressourcen haben, die notwendig sind, um „fake news“ in weiten Umlauf zu bringen und mit dem Stempel offizieller Wahrheit zu versehen, z.B. öffentliche Stellen oder Nachrichtenagentueren mit „fake news“ zu „füttern“ und Personen anzuwerben, die „fake news“ z.B. aufgrund eines vermeintlichen oder tatsächlichen Expertenstatus‘ als Fakten zu legitimieren bereit sind, oder „Fakten-Checker“ zu unterhalten, um ggf. „fake news“ als geprüfte Fakten ausgeben zu können. „Fake news“ können auch am ehesten erfolgreich platziert und längerfristig am Leben erhalten werden von denjenigen, die die Möglichkeit haben, Befunde, die die „fake news“ als falsch erweisen würden, zu unterdrücken oder die Erarbeitung solcher Befunde zu be-, wenn nicht ver-hindern. Sie können wie niemand anders

“interconnected chains of false or misleading reports [schaffen, verbreiten und pflegen] that become real in their consequences” (Toma & Scripcariu 2020: 65),

während es jedem vernünftig denkenden und seine Umwelt beobachtenden Menschen klar sein sollte, dass es schwerlich blogger oder Betreiber kleiner YouTube-Kanäle, geschweige denn Inhalber von facebook- oder Telegram-accounts sind, die diese Möglichkeiten haben.

Merkmale oder Elemente von „Misinformation“ oder „fake neww“ wie die von Toma und Scripcariu genannten geben uns auch dann, wenn – oder besser: gerade deshalb, weil – man im einzelnen Fall die Einordnung unter „Misinformation“ oder „fake news“ für wenig sinnvoll oder gar irreführend betrachtet (wie ich im Fall der humoristischen Übernahme), Instrumente an die Hand, anhand derer wir unseren Blick für „fake news“ schulen können und uns durch Bezug auf diese Elemente oder Merkmale ein besseres Bild von der Wahrscheinlichkeit machen können, mit der es sich bei bestimmten Nachrichten oder Beschreibungen der sagen wir: Zustände, die von Personen in öffentlichen Ämtern oder Einrichtungen verbreitet und ggf. zur Grundlage ihres Handelns gemacht werden, um „fake news“ handelt.

Wenn von offizieller Seite keine oder keine belastbaren positiven Argumente vorgebracht werden, wenn eine Menge von Menschen den Eindruck hat, dass die ewig selben Behauptungen mit Bezug auf das ewig selbe Thema in erstaunlicher Gleichförmigkeit aus allen möglichen öffentlichen Kanälen auf sie niederprasselt, wenn bestimmte Bevölkerungsgruppen, die gar nicht in politischer Verantwortung stehen, zu Sündenböcken für gesellschaftliche Mißstände aufgebaut werden oder wenn der Entschluss, der Wissenschaft zu folgen (oder dem, was dafür gehalten wird oder was als Wissenschaft gelten soll), dort revidiert wird, wo die Wissenschaft politisch unerwünschte Fakten generiert, wenn eine Regierung sich ganz und gar unresponsiv zeigt und KritikER beschimpft oder mundtot zu machen versucht (sei es durch Zensur, persönliche Schädigung wie z.B. Einfrierung privater Konten oder durch Infragestellung demokratischer Grundrechte wie dem Demonstrationsrecht) statt auf Kritik mit prüfbaren Argumenten zu antworten, dann ist ein vernünftiger Bürger in einer Demokratie gut beraten, zu vermuten, dass politische Akteure mit der Verbreitung von „fake news“, jedenfalls mit systematischer Manipulation, der Bevölkerung beschäftigt sind, insbesondere dann, wenn die so aufgebaute und gepflegte Erzählung als Rechtfertigung für bestimmte Maßnahmen durch die Regierung benutzt wird, d.h. reale Konsequenzen in Aussicht stehen.

Es ist dann in seinem eigenen Interesse, sich nach Kräften selbst als sein eigener Fakten-Prüfer zu betätigen und seinem eigenen Urteil über “fake news” oder Misinformation zu vertrauen.


Literatur:

Diefenbach, Heike, 2019: Konstruierte Gruppenidentitäten als Grundlage identitätspolitischen Gedankengutes. Eine Replik aus statistisch-empirischer Sicht, S. 125-142 in: Kostner, Sandra (Hrsg.): Identitätslinke Läuterungsagenda: Eine Debatte zu ihren Folgen für Migrationsgesellschaften. Stuttgart: ibidem.

Toma, Gabriel-Alexandru, & Scripcariu, Adina-Gabriela, 2020: Misinformation Ecosystems: A Typology of Fake News. Journal of Comparative Research in Anthropology and Sociology 11(2): 65-82.



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