Ethnische Diversität reduziert Wahlbeteiligung! Wirklich? Tales of misery and imagination

Je höher die Ausländerquote in unmittelbarer Nachbarschaft, desto geringer die Wahlbeteiligung. Dieses Ergebnis hat André Förster gerade in der Zeitschrift „Electoral Studies“ veröffentlicht. Das Ergebnis ist auch dann stabil, wenn nach Bildung und Beruf kontrolliert wird.

Angesichts der erhöhten Zuwanderung von Flüchtlingen nach Deutschland hält Förster dieses Ergebnis für ein bedeutendes Ergebnis.

Produziert hat er es auf Grundlage von Aggregatdaten. Er hat also nicht die Wahlbeteiligung für einzelne Individuen, sondern nur für räumliche Strukturen, in seinem Fall für alle, die innerhalb eines Quadratkilometers wohnen im Aggregat. Diese „Grid-Daten“ des Statistischen Bundesamts teilen Deutschland in Quadrate zu einem Quadratkilometer ein, denen man dann Daten zuspielen kann: Die Arbeitslosenquote, den Ausländeranteil, die Wahlbeteiligung usw.

Entsprechend hat Förster keinen Zusammenhang auf individueller Ebene gemessen, sondern einen auf räumlicher Ebene. Damit aus einem solchen Zusammenhang etwas Sinnvolles wird, muss man ihn theoretisch unterfüttern, eine Theorie finden, die angibt, warum Wahlberechtigte, die mit proportional mehr Ausländern in ihrer Nachbarschaft konfrontiert sind, seltener wählen gehen sollten als Wahlberechtigte, die mit proportional weniger Ausländern in ihrer Nachbarschaft konfrontiert sind.

Eine solche Erklärung haben wir bei Förster, der den gerade veröffentlichten Beitrag als Teil seiner kumulativen Dissertation an der Universität Köln eingereicht hat, nicht gefunden. Das macht den Zusammenhang zu einem, der keine sozialwissenschaftliche Relevanz hat, denn man weiß nicht, ob es sich bei dem Zusammenhang um einen willkürlichen oder einen systematischen Zusammenhang handelt. Anders formuliert: Wenn Förster nach dem Rotweinverbrauch pro Kopf kontrolliert hätte, wären vermutlich ganz anderer Ergebnisse herausgekommen.

Dass gerade für Aggregatdaten häufig Korrelationen gefunden werden können, das zeigt Tyler Vigen seit Jahren mit Bravour. Dass diese Korrelationen häufig sinnlos sind, zeigt er ebenso. Deshalb ist eine theoretische Fundierung so wichtig. Leider fehlt sie bei Förster.

Norwegian Crude Oil kills! Tyler Vigen

Statt dessen finden wir in der Pressemeldung der Universität Trier einige Schlüsse, die Förster aus seiner Studie gezogen hat und die wir dann auch wirklich in seiner Dissertation wiederfinden.

„Es sei wichtig, ethnische Diversität als Faktor für politische Beteiligung in zukünftigen Studien zu berücksichtigen und langfristig zu beobachten“, so wird Förster zitiert.

Ein schlichtes „Warum“ macht diese Schlussfolgerung zunichte. Denn dass Förster einen Zusammenhang gefunden hat, das sagt als solches überhaupt nichts aus. Es sagt erst dann etwas aus, wenn Förster einen Grund dafür angegeben kann, dass Wahlberechtigte, die in einer Nachbarschaft leben, in der es viele Ausländer gibt, seltener wählen gehen als Wahlberechtigte, die in einer Nachbarschaft mit wenigen Ausländern wohnen. Tatsächlich spekulieren z.B. Anderson und Paskeviciute (2006), dass gerade Menschen, die mit viel ethnischer Diversität konfrontiert sind, eine höhere politische Mobilität aufweisen und entsprechend häufiger politisch partizipieren und wählen als Menschen, für die das nicht der Fall ist.

Wer nun recht hat, lässt sich leider im theorielosen Raum nicht entscheiden.

Aber vermutlich haben die Autoren viel Spaß mit ihren Spekulationen.

Was jedoch nicht geht, sind Spekulationen wie die folgende:

„Förster kommt anhand der Ergebnisse unter anderem zu dem Schluss, dass mehr Wahlrechte für Migranten auch die Einheimischen wieder verstärkt zurück an die Wahlurne bringen könnten. Deswegen sieht der Wahlforscher die Politik in der Pflicht, Formen der politischen Partizipation für Migranten zu prüfen“.

Diese Verbeugung vor der politischen Korrektheit, die auf keinerlei empirischer Basis steht, findet sich in der Dissertation von Förster in folgender Variante:

„However, it is also conceivable that ‚policies aimed at promoting the integration of immigrants might also succeed in bringing natives back to polling places” (Förster 2017: 93).

Warum sollte das so sein?

Wir wissen es nicht. Förster weiß es nicht, sonst hätte er es geschrieben. Er hat es nicht geschrieben, also weiß er es vermutlich auch nicht. Aber natürlich bringen derart unfundierte Behauptungen Browniepoints bei denen, die die Drittmittel an Universitäten in Ministerien vergeben. Das mag die Erklärung für eine Aussage sein, die auf einem Zusammenhang basiert (Wahlbeteiligung und Ausländeranteil), von dem wir (1) nicht wissen, welche Bedeutung er hat, weil es (2) keinerlei theoretische Erklärung für diesen Zusammenhang gibt, die zeigt, WARUM Wahlberechtigte mit vielen Ausländern in der Nachbarschaft seltener wählen sollten als Wahlberechtigte mit wenigen Ausländern in der Nachbarschaft. Uns fällt das ein oder andere an Theorie ein, aber das ist hier unerheblich: Förster ist nichts eingefallen. Das ist alleine entscheidend und weil ihm nichts eingefallen ist, kann er (3) daraus nicht den Schluss ziehen, dass deutsche Wahlberechtigte, die nicht wählen, häufiger wählen, wenn Ausländer ein Wahlrecht erhalten. Tatsächlich ist dieser Schluss so abwegig, dass man ihm nicht einmal mit gutem Willen folgen kann.

Die logische Struktur lautet:

  • Wahlberechtigte, in deren Nachbarschaft viele Ausländer leben, gehen seltener zur Wahl als Wahlberechtigte, in deren Nachbarschaft wenige Ausländer leben.
  • Daraus folgt für Förster: Wenn man den Ausländern ein Wahlrecht gibt, dann gehen die deutschen Wahlberechtigten, in deren Nachbarschaft viele Ausländer wohnen, häufiger wählen als bisher.

Das ist so großer logischer Unsinn, dass sich jeder Versuch, daraus Sinn zu machen, von selbst verbietet.

Leider sind Arbeiten wie die von Förster, in denen ein Datenfuzzi versucht, die Welt auf Grundlage von Korrelationen zu verändern, keine Seltenheit. Sie werden immer mehr zur Regel. Man erhält sogar einen Doktortitel dafür.

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Idiotentest für Journalisten oder Hoffnung für Wahlverlierer: Wahlsieger sterben früher

Es weihnachtet im British Medical Journal. Wie jedes Jahr, so gibt es auch dieses Jahr eine Vielzahl von Beiträgen, die sich ganz besonderen Gegenständen widmen und die Mitglieder der wissenschaftlichen Gemeinschaft mit food for thought und anderen intellektuellen Stimulanzien versorgen.

BMJEiner dieser Beiträge hat bei Scinexx.de die folgende Überschrift erhalten:

“Politiker: Wer gewählt wird, stirbt früher: Regierungschefs altern schneller und sterben meist früher als ihre unterlegenen Rivalen”

Und weiter geht es mit der Besprechung des erstaunlichen Ergebnisses:

“Erfolgreiche Politiker leben kürzer: Im Durchschnitt sterben Regierungschefs knapp drei Jahre früher als Politiker, die nicht an der Macht waren, wie eine Studie nun belegt. […] Bei vielen Regierungschefs kann man dies gut beobachten, unter anderem bei US-Präsident Barack Obama: Im Verlauf ihrer Amtszeit scheinen sie wie im Zeitraffer zu altern, sie bekommen graue Haare, mehr Falten und wirken erschöpfter als “Normalsterbliche” gleichen Alters. Verwunderlich ist dies nicht unbedingt, denn schon länger ist bekannt, dass anhaltender Stress auch die Zellen unseres Körpers schneller altern lässt.”

Genug der Tränendrüse, widmen wir uns dem Lachmuskel.

Andrew R. Olenski, Matthew V. Abola und Anupam B. Jena sind für die zitierte Studie verantwortlich, die mit einer Frage überschrieben ist: “Do heads of government age more quickly? Observational study comparing mortality between elected leaders and runners-up in national elections of 17 countries”.

Wie immer bei solchen Studien, spielt die Musik nicht da, wo die Ergebnisse berichtet werden, sondern in der mit “Methods” überschriebenen Sektion. Dort finden sich die folgenden Angaben über das Vorgehen der drei Mannen von Harvard.

Das Alter von Wahlsiegern und Wahlverlierern für 17 Länder, darunter die USA, Neuseeland, das Vereinigte Königreich, Deutschland, Polen und Frankreich wurde für die jeweils letzte Wahl, an der sie teilgenommen haben, bestimmt und das Todesalter der jeweiligen erfolgreichen und erfolglosen Kandidaten dazu gesellt. Die Differenz zwischen beiden Altern ist die abhängige Variable.

Die Daten wurden standardisiert, da das Alter von Wahlsiegern und Wahlverlierern zum Zeitpunkt der letzten Wahl systematische variieren kann, zudem wurde die durchschnittliche Lebenserwartung ausgehend vom Alter der Kandidaten auf Grundlage der entsprechenden Tabellen für Frankreich und das Vereinigte Königreich für alle 17 Länder dem Datensatz als Kontrollvariable hinzugefügt: “We chose the 17 countries that we analyzed because of their similarity to France and the United Kingdom, for which reliable life tables exist dating back to the 19th century”.

All diese Maßnahmen waren notwendig um sicherzustellen, dass die beiden Gruppen der Wahlsieger und Wahlverlierer sich im Hinblick auf ihr Todesrisiko nicht unterscheiden, so dass ein früheres Ableben der Wahlsieger auf deren Wahlsieg zurückgeführt werden kann.

Nun zur Bescherung:

Longevity politicians.medium“Without adjustment for life expectancy at time of last election, elected leaders lived 4.4 (95% confidence interval 2.0 to 6.6) fewer years than runners-up. However, elected leaders were also on average 3.8 years older in the year of their last election compared with runners-up (59.2 v 55.4). After adjustment for life expectancy, elected leaders lived 2.7 (0.6 to 4.8) fewer years than runners-up.”

Wahlsieger leben also, nach Standardisierung der Lebenserwartung und nachdem der Tatsache Rechnung getragen wird, dass Wahlsieger zum Zeitpunkt der Wahl im Durchschnitt schon 3,8 Jahre länger gelebt haben als Wahlverlierer 2,7 Jahre weniger als Wahlverlierer. Anders formuliert, sie werden durchschnittlich 1,1 Jahre älter als Wahlverlierer.

Springteufel in Geschenkbox oder: It’s a hoax!

Scinexx 2Ein guter noch dazu, denn bei Scienexx hat man nichts gemerkt und mit der Inbrunst der Überzeugung auf die Falten von Politikern wie Obama verwiesen und darauf, dass diese erschöpfter wirken als “Normalsterbliche” gleichen Alters – ein Datum, das nicht einmal die drei Hoaxer aus Harvard gemessen haben (Scinexx Special Invention?).

Nun ist die Studie von Olenski, Abola und Jena gut gemacht und leichtgläubige Gemüter, die sich mit Lektüre der Ergebnisse begnügen und die “Methods” und vor allem die “Limitiations of study” aussparen, sie können tatsächlich denken, dass die Ergebnisse valide sind.

Sind sie aber nicht, wie ein kurzer Blick auf die “Limitation of study” zeigt:

  • Die Daten für die 17 Länder, von denen die Autoren angenommen haben, dass sie alle repräsentativ für das Vereinigte Königreich und Frankreich sind, denn nur für diese beiden Länder hatten sie Lebenstafeln aus dem 18. Jahrhundert zur Hand, sie seien nicht auf andere Länder übertragbar, auf Holland zum Beispiel.
  • Auch Unsinn ist eine Limitation, etwa der folgende: “In both politics and statistics, power is critical. In post hoc calculations, the statistical power to detect an absolute difference of 4.4 post-election life years (our estimated difference between elected and runner-up candidates) in a single country comparison of 34 elected and 19 runner-up candidates (the UK sample) was 14%.” Boah!
  • Besonders pikant ist der Hinweis, die eigene Studie könne einen “Healthy Worker Bias” beinhalten. Damit wird der Befund beschrieben, dass Beschäftigte oft gesünder sind als nicht Beschäftigte, übertragen auf ihre Analyse heißt das, Wahlsieger, also Amtsinhaber sind gesünder als Wahlverlierer, was einerseits erklären mag, warum Wahlsieger durchschnittlich älter werden als Wahlverlierer, aber dummerweise die gesamte Analyse ad absurdum führt.

Kurz: Die gesamte Studie ist ein sehr gut gemachter Hoax, ein Scherz, wie er die Weihnachtsausgabe des BMJ jedes Jahr schmückt, und ein Scherz, von dem wir schon gespannt sind, wer alles auf ihn hereinfällt. Die diesjährige Liste der Durchfaller im Idiotentest für Journalisten wird von Scienexx angeführt. Wer in den Printmedien über die entsprechende Studie stolpert, der möge uns den Link dazu schicken, damit wir die Ergebnisse des diesjährigen Idiotentests für Journalisten auch angemessen dokumentieren können.

Hier geht es zum letztjährigen Idiotentest.

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Verbitterung und Zuwanderung: Wenn Meinungsforscher zu Meinungsmachern werden wollen

Wissenschaft zerfällt derzeit in fünf Gruppen:

  • Legitimationsbeschaffer, die politische Vorhaben, Moden oder Trends befüttern;
  • Möchte-Gern-Manipulateure, die sich bei Regierungen damit andienen wollen, dass sie auf Grundlage von fragwürdiger Forschung herausgefunden haben wollen, wie man Bürger traktieren muss, damit sie tun, was sie nach Ansicht Dritter tun sollen;
  • Akademisiserte Beleidiger, die das wissenschaftliche Idiom missbrauchen, um krude Beleidigungen zu verpacken;
  • Wissenschaftler, die sich nicht an die Öffentlichkeit trauen;
  • Eine handvoll Wissenschaftler, die versuchen, in der Öffentlichkeit Gehör für Wissenschaft und Bewusstsein für ihre Methoden, Methodologie und Ergebnisse zu schaffen.

Wohin die Studie gehört, über die wir im Folgenden berichten, das ist eine Beurteilung, die wir unseren Lesern überlassen.

Beginnen wir mit der PR.
Die folgende Beschreibung findet sich in der Pressemeldung des DIW:

diw_logo“Je verbitterter Menschen sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich wegen Zuwanderung nach Deutschland Sorgen machen. Das gilt für Frauen und Männer aus allen gesellschaftlichen Schichten. So lauten die zentralen Ergebnisse einer Studie auf der Basis von Daten der Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP), die Ökonomen des Ifo Instituts in München und der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg erstellt haben. Die Studie wurde jetzt als 800. SOEPpaper veröffentlicht.”

Problem- und Wutbürger sind also Verbitterungsbürger, verbitterte Bürger, so das zentrale Ergebnis des 800. SOEP-Papers, dem wir uns nun etwas Genauer widmen. Um das zu tun, messen wir das SOEP-Paper am Anspruch, den es nach Ansicht des DIW erfüllt:

“Das Gefühl von Verbitterung wird in der Psychologie als eine Mischung aus Ärger und Hoffnungslosigkeit beschrieben, die daraus resultiert, dass Menschen sich von anderen Menschen oder vom Schicksal benachteiligt fühlen.”

Das ist die SOLL-Beschreibung. Das, was gemessen werden soll. Verbitterung = Ärger und Hoffnunglosigkeit als Ergebnis von Benachteiligung.

Nun zur IST-Beschreibung, denn die Autoren des 800. SOEP-Papers, die gezeigt haben wollen, dass Verbitterung mit Sorgen über die Zuwanderung verbunden ist, deren Ursache ist, wie die Autoren in ihrem Paper suggerieren wollen, diese Autoren, Panu Poutvaara und Max Friedrich Steinhardt, sie haben Verbitterung bei Befragten wie folgt erhoben:

SOEP FP Equity“Die folgenden Aussagen kennzeichnen verschiedene Einstellungen zum Leben und zur Zukunft. In welchem Maße stimmen Sie persönlich den einzelnen Aussagen zu? Im Vergleich mit anderen habe ich nicht das erreicht,
was ich verdient habe.” Die Befragten haben die Möglichkeit, Ihre Zustimmung zu dieser Aussage auf einer siebenstufigen Skala von “Stimme überhaupt nicht zu” bis “Stimme voll zu” abzugeben.”

Und das soll Verbitterung messen.

Wer also der Ansicht ist, dass seine Anstrengungen nicht angemessen honoriert werden, weil er z.B. als Mann gegenüber Frauen bei der Rente benachteiligt wird oder weil sein Verdienst als Müllfahrer, ohne den das öffentliche Leben in Deutschland zusammenbrechen würde, hinter dem eines Politikers zurückbleibt, ohne den das öffentliche Leben in Deutschland weiterlaufen würde wie mit ihm, der ist also verbittert. Das behaupten die beiden Autoren des 800. SOEP-Papers.

Und deshalb haben sie die Aussage aus der Skala, in der sie sich befunden hat (siehe Abbildung oben), herausgelöst und dies damit begründet, dass die Aussage nicht mit Aussagen übereinstimmt, die Julian Rotter im Jahre 1966 zusammengestellt hat, um das von ihm entwickelte Konzept “Locus of Control” zu messen. Und weil es nicht mit diesen Aussagen übereinstimmt, deshalb sind die Autoren der Überzeugung, dass es sich bei der oben genannten Aussage um ein gutes Maß für Verbitterung handelt. Warum auch nicht?

Die Aussage, dass man im Vergleich zu anderen nicht das erreicht habe, was man verdient hätte, ist übrigens ein Lehrbuchbeispiel für Equität, für Fairness in der Behandlung. Offensichtlich sind die Befragten der Ansicht, die Auszahlung, die sie für ihre Anstrengungen erhalten, sei im Vergleich zur Auszahlung, die Vergleichspersonen für ihre Anstrengungen erhalten, nicht fair. Eine Ansicht, die man gut nachvollziehen kann, wenn man sich ansieht, wer heute alles Lehrstühle besetzen darf, sich als Politiker aufführen darf und was die entsprechenden Darsteller im Vergleich zu unserem Müllfahrer verdienen.

SOEP 800Was das mit Verbitterung zu tun hat? Wir wissen es nicht. Dafür wissen wir, dass es etwas mit der Wahrnehmung von Fairness zu tun hat, und wir wissen, dass die Antwort auf die Aussage keinerlei Hinweis darauf gibt, wem der entsprechende Befragte die Schuld dafür gibt, dass er nicht erreicht hat, was er verdient, ob er den Nachbarn, seine Ehefrau, den Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz oder den lieben Gott oder sich selbst verantwortlich macht, das weiß niemand. Man hätte einen Hinweis darauf gewinnen können, wenn man die restlichen Aussagen, die in der Skala vorhanden sind, berücksichtigt hätte. Aber genau das haben Panu Poutvaara und Max Friedrich Steinhardt nicht getan. Warum wohl?

Sie wollen lieber logistische Regressionen, was sonst, geordnete logistische Regressionen berechnen, bei denen dann herauskommt, dass mit steigender Zustimmung zu der Aussage, man habe nicht erreicht, was man verdient habe, die Sorgen über Zuwanderung größer werden. Und das ist quer durch die Sozialstruktur so, wie die Autoren zeigen, ohne sich zu wundern. Es ist für Gering- und Besserverdiener der Fall, für Angestellte, Rentner und nicht-Erwerbstätige (also z.B. Studenten), es ist für Gering- und Hochqualifizierte der Fall, für Männer wie Frauen, Junge und Alte, Ostdeutsche und Westdeutsche.

Und alles, weil die Befragten verbittert sind, wie die Autoren behaupten – eine wahre Volksverbitterung. Verbitterung, nur zur Erinnerung, soll eine Mischung aus Ärger und Hoffnungslosigkeit beschreiben, die daraus resultiert, dass Menschen sich von anderen Menschen oder vom Schicksal benachteiligt fühlen. Poutvaara und Steinhardt messen, dass jemand denkt, er sei nicht fair behandelt worden, unterstellen ihm er fühle sich deshalb benachteiligt und phantasieren, dass derjenige, dem sie unterstellen, er sei der Ansicht, benachteiligt worden zu sein, bestimmt ärgerlich und hoffnungslos ist.

Warum Autoren wie Poutvaara und Steinhardt überhaupt noch Umfragen auswerten, ist eine Frage, deren Antwort sich uns nicht erschließt. Weder hindern sie die Daten daran, das zu interpretieren, was sie phantasieren, noch haben sie Probleme damit, Befragten Dinge zu unterstellen, die die Befragten nie gesagt haben. Forschung als freies Phantasieren.

Was haben die Autoren gezeigt?

Sie zeigen, dass Menschen, die der Ansicht sind, sie seien nicht fair behandelt worden, sich mehr Sorgen “über die Zuwanderung nach Deutschland” machen. Vermutlich machen sich die entsprechenden Menschen auch mehr Sorgen über ihre Gesundheit und den globalen Terrorismus, nur haben Poutvaara und Steinhardt das nicht untersucht.

Eine weitere phantastische Glanzleistung vollbringen die Autoren, wenn sie “sich Sorgen machen” mit “negativer Einstellung” gleichsetzen. Wer sich also Sorgen über Zuwanderung macht, der hat ihrer Ansicht nach eine negative Einstellung zu Zuwanderern, was logisch zu dem Schluss führt, dass Eltern, die sich Sorgen über ihre Kinder machen, eine negative Einstellung gegenüber ihren Kindern haben müssen. Wer sich Sorgen über die Gesundheit seines Erbonkels macht, ist entsprechend als Erbschleicher enttarnt! Machen Sie sich eigentlich Sorgen über das, was alles als SOEP-Paper veröffentlicht wird?

Mit ihrer Phantasie wollen Poutvaara und Steinhard es jedoch nicht bewenden lassen. Ein wenig Unterstellung muss schon auch noch sein:

“Increasing bitterness is associated with growing worries about
immigration. One explanation is that those who are bitter have spiteful or envious preferences (Falk et al. 2005). They are deeply disappointed from life and wish to deny opportunities to improve one’s life also to others, including immigrants. An alternative interpretation behind the link between bitterness and attitudes towards immigration is that opportunities and potential success of others could make own failure hurt even more.”

Wer also denkt, er sei in seinem Leben hinter seinen Möglichkeiten geblieben, weil er nicht fair behandelt wurde, wer sich zudem Sorgen über die Zuwanderung nach Deutschland macht, der ist entweder eine gescheiterte Existent, die verhindern will, mit erfolgreichen Migranten konfrontiert zu werden oder ein bösartiger (spiteful) Neidhammel, der alles daran setzt, Zuwanderern die Möglichkeit, ihr eigenes Leben zu verbessern, zu verbauen.

Sind diese Unterstellungen, die auf keinerlei empirischer Basis vorgenommen werden, nun erschreckend, erstaunlich oder schlicht der Ausdruck wissenschaftlicher Boshaftigkeit, die von Neidhammeln ausgeht, die andere verunglimpfen, um darüber hinwegzutäuschen, dass sie es im Leben an keine oder nur eine drittklassige Hochschule geschafft haben, obwohl Hochschulen derzeit mangels Angebot so ziemlich jeden als wissenschaftlichen Mitarbeiter rekrutieren, sofern er seinen Namen richtig schreiben kann?

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Die Lösung des Problems: Zwangskastration für Rechtsextreme?

In der Kategorie Forschung, die (derzeit) niemand braucht, widmen wir uns heute einem Arbeitspapier, das den Titel “Intergenerational Correlations of Extreme Right-Wing Party Preferences and Attitudes toward Immigration” betitelt ist und von Alexandra Avdeenko und Thomas Siedler zu verantworten ist.

Das Paper, so steht unter “7. Conclusions”, berichtet die ersten Ergebnisse zur Intensität des intergenerationalen Zusammenhangs rechtsextremer Parteineigung sowie zu Einstellungen gegenüber Immigration. Die intergenerationalen Schätzungen, so heißt es weiter, deuten auf einen starken und statistisch signifikanten intergenerationalen Zusammenhang im Hinblick auf eine rechtsextreme Parteineigung bei Söhnen, nicht jedoch bei Töchtern hin. Männer, die bei rechtsextremen Eltern aufgewachsen sind, haben eine um 13 Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit, selbst eine rechtsextreme Parteineigung zu entwickeln. Des weiteren finden die Autoren, dass Kinder, während deren formativer Jahre (0 bis 16 Jahre) Eltern eine große Besorgnis über die Zuwanderung ausgedrückt haben, eine um 23 Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit haben, selbst über Zuwanderung sehr besorgt zu sein.

Kurz: Es gibt Menschen die Parteien zuneigen, die als rechtsextrem bezeichnet werden und die bei Eltern aufgewachsen sind, die auch schon den entsprechenden Parteien zugeneigt haben. Und dann gibt es noch Menschen, die sind bei Eltern aufgewachsen, die sich sehr besorgt über Zuwanderung geäußert haben und die sind auch sehr besorgt.

SOEPDieses Ergebnis haben Avdeenko und Siedler auf Grundlage der Daten des Sozio-Ökonomischen Panels berechnet. Die erklärte Varianz ihrer Modelle dümpelt zwischen 6% und 17%. Die theoretische Fundierung, die man zum Beispiel in Lerntheorien oder Sozialisationstheorien hätte suchen können, sofern es Bildungsforscher und Sozialisationstheoretiker gibt, die wahnsinnig genug sind, eine so flüchtige und instabile Variable wie die Parteineigung über Sozialisation oder Lerneffekte erklären zu wollen, fehlt bei Avdeenko und Siedler gleich ganz.

Was also macht man mit dem Ergebnis, das Avdeenko und Siedler produziert haben? Was folgt daraus, dass die Parteineigung, die Eltern für eine rechtsextreme Partei haben, eine Korrelation von 0.128 mit der enstprechenden Parteineigung der Söhne aufweist, wogegen die Parteineigung der Eltern für die Grünen mit einer Korrelation von 0.269 mit der entsprechenden Parteineigung der Töchter zusammenhängt?

Was folgt daraus, dass zwischen Müttern, die sagen, sie seien über Zuwanderung sehr besorgt, und deren Söhnen und Töchtern, die auch sagen, sie seien sehr besorgt über Zuwanderung, eine Korrelation von 0.254 bzw. von 0.269 im SOEP gemessen werden kann (wie auch immer)?

Was folgt daraus, dass Avdeenko und Siedler die formative Phase für Kinder vom ersten bis zum sechzehnten Lebensjahr verlängert haben – z.B. für die Dauer des Aufenthalts im Kindergarten?

Avdeenko Siedler IZAWir wissen es nicht. Allerdings stimmt es uns bedenklich, dass die Autoren kein Problem damit haben, ein “gender gap in the intergenerational association in right-wing extremist party affinity and attitudes towards immigration” (22) zu konstatieren. Es stimmt uns einerseits bedenklich, weil es bei Einstellungen zu Immigration in den Daten von Avdeenko und Siedler keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen, Söhnen und Töchtern gibt. Es stimmt uns andererseits bedenklich, dass Autoren nicht zögern, aus Modellen, deren Erklärkraft man bestenfalls als lausig bezeichnen kann, weitreichende Schlüsse zu ziehen.

Insofern ist die Überschrift vermutlich nicht zu weit hergeholt, denn Ergebnisse wie die von Avdeenko und Siedler warten nur darauf von jemandem, der sich für wohlmeinend hält, und deshalb Rechtsextreme am liebsten ausrotten würde, aufgenommen und in die Forderung in der Überschrift umgewidmet zu werden.

An Universitäten landauf landab wird regelmäßig über die Verantwortung von Wissenschaftlern diskutiert. Gerade wenn es um Modethemen wie den Rechtsextremismus geht, haben Wissenschaftler vor allem die Verantwortung, der aufgeladenen und irrationalen Stimmung keine weiteren affektiven Stimuli zu liefern. Um Letzteres zu verhindern reicht es gewöhnlich, die eigene Forschung theoretisch begründen. In manchen Fällen ist dies dann auch bereits das Ende der eigenen Forschung, denn wie will man z.B. theoretisch begründen, dass eine Parteineigung, also die Aussage, dass man eher einer als einer anderen Partei zuneigt, über Generationen vererbt oder anerzogen wird, und zwar vor dem Hintergrund, dass Parteineigungen im Verlauf eines Lebens wechseln wie die Windrichtung im Herbst?

Gott ist mit den Arbeitslosen

Wer regelmäßig zum Gottesdienst geht, der leidet weniger unter dem Verlust seines Arbeitsplatzes. Clemens M. Lechner, Friedrich-Schiller-Universität Jena, und Thomas Leopold, University of Amsterdam, sind für dieses Ergebnis verantwortlich und zudem der Ansicht, sie hätten die wichtige Rolle von Religioisität belegt, wenn es darum geht, mit kritischen Lebensereignissen umzugehen.

Starten wir bei den Prämissen:

Wer arbeitslos wird, der hat unglücklich zu sein, gesundheitlich zu leiden oder doch zumindest: es darf ihm nicht gut gehen, denn Arbeitslosigkeit ist kurz vor dem Tod das größte Unglück, das einem rechtschaffenden Bürger in Deutschland widerfahren kann. So will es die Folklore, wie sie von Universitäten dröhnt.

unemployment line godMan könnte zwar auch der Ansicht sein, dass die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses eine Chance darstellt, eine Chance, sich zu beweisen, sich nach einem neuen Arbeitsplatz umzusehen, sich am Ende selbständig zu machen, aber, nicht in Deutschland. Hier ist Arbeitslosigkeit ein Verdammnis, das nicht nur von den Gewerkschaften, die alles tun, um Arbeitslose aus tariflichen Arbeitsverhältnissen fernzuhalten, beklagt wird.

Nun gut: Arbeitslosigkeit macht unglücklich oder doch zumindest unzufrieden. Bleiben wir bei unzufrieden, denn die Lebenszufriedenheit ist als Frage in den Wellen des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) enthalten. Lechner und Leopold rechnen mit dem SOEP, also untersuchen sie den Einfluss von Religiosität auf Lebenszufriedenheit.

Was uns zum nächsten Problem bringt: Wie misst man Religiosität? Hat Religiosität etwas mit dem Aufsuchen von Kirchen zu tun?

Hat es, so sagen Lechner und Leopold, denn im SOEP ist die Frage nach der Häufigkeit des Kirchgangs enthalten. Lechner und Leopold müssen daher auf diese Variable zurückgreifen, weshalb die Kirchgangshäufigkeit zur Religiosität erklärt und mit der Lebenszufriedenheit korreliert wird.

Und siehe da: Wer häufiger in die Kirche geht, dessen Lebenszufriedenheit sinkt, nachdem er arbeitslos geworden ist, weniger als die Lebenszufriedenheit seltener Kirchgänger oder gar vom Kirchgang Abstinenter und sie erholt sich auch schneller: nach rund 3 Jahren Arbeitslosigkeit und wöchentlichem Kirchgang ist die Lebenszufriedenheit wieder da, wo sie vor der Arbeitslosigkeit war.

So ist das.

Mehr ist auf den acht Seiten des Beitrags von Lechner und Leopold, der im Journal for the Scientific Study of Religion gedruckt wurde, nicht an Aussage enthalten.

Nicht nur ist nicht mehr Aussage enthalten, es fehlen auch grundlegende Angaben zur Verteilung der Antworten, deskriptive Statistiken für die genutzten Variablen zum Beispiel. Das ist misslich, denn der Effekt von Arbeitslosigkeit auf Lebenszufriedenheit, den man aus Abbildung 1 heraus schätzen muss, bewegt sich im Bereich von relativ zufrieden (6,7 von 10). Zur Erinnerung: Die Lebenszufriedenheit wird auf einer Skala von 0 bis 10 eingeordnet, je höher der Wert, desto höher die Zufriedenheit.

Diejenigen, die im SOEP arbeitslos werden, geben vor der Arbeitslosigkeit eine Lebenszufriedenheit von 6,7 an, im ersten Jahr nach der Arbeitslosigkeit eine, von 6,3 bei wöchentlichem Kirchgang, und eine von rund 6 bei Kirchgangs-Abstinenz. Das ist kein großer Unterschied, von dem man gerne gewusst hätte, ob er zwischen den Gruppen der Kirchgänger signifikant ist, was, da er sich im Bereich von 4% bis 8% der Gesamtskala abspielt, eher unwahrscheinlich ist.

In jedem Fall muss man feststellen, dass Personen, die arbeitslos werden, nach dem Eintritt der Arbeitslosigkeit weniger zufrieden sind als zuvor. Das legt nicht unbedingt nahe, dass Arbeitslosigkeit mit erheblichen Einschnitten in das jeweilige Leben einhergeht. Wäre das so, man würde einen Absturz der Lebenszufriedenheit sehen. Wäre Arbeitslosigkeit wirklich die Katastrophe in der Lebensführung, die Lebenszufriedenheit, sie würde auf Werte um 2-3 abstürzen, sich nicht im Miniaturbereich relativer Zufriedenheit verändern.

Aber sei’s drum.

Häufiger Kirchgang führt, so Lechner und Leopold, nicht nur dazu, dass diejenigen, die arbeitslos werden, auch nach Eintritt der Arbeitslosigkeit kaum Einbußen in ihrer Lebenszufriedenheit hinnehmen, er führt auch dazu, dass sie in kurzer Zeit (2 – 3 Jahre) wieder zur vollen Höhe ihrer Lebenszufriedenheit gelangen, obwohl sie weiterhin arbeitslos sind.

Und jetzt, da sich die Frage nach dem warum, warum ist das so, geradezu aufdrängt, jetzt ist der Text von Lechner und Leopold zu Ende.

Also ist es wieder an uns, Hypothesen darüber zu bilden, warum häufiger Kirchgang die vorhandene Zufriedenheit von Arbeitslosen steigert.

Was zunächst einfällt, ist natürlich das Matthäus-Evangelium, 6: 26:

“Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn Speise? und der Leib mehr denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie?”

Wenn Vögel ohne Arbeit satt werden, dann natürlich Menschen erst recht, denn: “Seid ihr … nicht viel mehr denn” Vögel? Es fehlt hier natürlich die Angabe der unterscheidenden Kriterien, die Menschen zu mehr machen, aber wir nehmen das als Offenbarung Gottes hin und sehen: Kirchgang erhöht die Wahrscheinlichkeit die Grundlagen eines christlichen Sozialstaates vermittelt zu bekommen: “Sorget nicht für euer Leben”, euer himmlischer Vater vertreten durch die anderen Steuerzahler, die sich entgegen dem Rat des “himmlischen Vaters” doch um ihr Leben sorgen, sie ernähren euch doch.

Wenn das nicht zufrieden macht?

Der verlorene SohnUnd nicht genug damit, gibt es doch noch das Gleichnis des verlorenen Sohnes, das ein nicht näher genanntes Mitglied der Redaktion von ScienceFiles schon in ihrer Jugend verärgert hat: Sie kennen das Gleichnis des verlorenen Sohnes, des nichtsnutzigen Sohnes, der sich seinen Erbteil ausbezahlen lässt, ihn durchbringt, dann, abgebrannt bis auf sein letztes Hemd reuig zurückkommt, und von seinem Vater erfreut aufgenommen wird?

Etwa so: “Alles ist vergeben und vergessen. Drehen wir die Uhr zurück, tun so, als sei Dein Erbteil gar nicht ausbezahlt worden und leben ab sofort und üppig von den Früchten der Arbeit Deines Bruders. Der Trottel hat nämlich all die Jahre, die Du gebraucht hast, um Dein Erbe durchzubringen, gearbeitet und die Ressourcen angesammelt, die wir nun, da Du zurück gekehrt bist, fröhlich verbrauchen werden.”

Kein Wunder, dass man als Arbeitsloser durch häufigen Kirchgang mit seinem Leben zufriedener wird, wird doch die christliche Einsicht vermittelt, dass es nichts macht, anderen zur Last zu fallen, im Gegenteil: Es gehört sich so. Der himmlische Vater, der will das so.

Wie immer sind wir für andere Hypothesen offen.

Lechner, Clemens M. & Leopold, Thomas (2015). Religious Attendance Buffers the Impact of Unemployment on Life Satisfaction: Longitudinal Evidence from Germany. Journal for the Scientific Study of Religion 54(1): 166-174.

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