Normaler deutscher Wahnsinn: Eine Geschichte aus dem Alltag

Die Idee geht wie folgt: Bürger schließen sich in einem Staat zusammen, mit einem Vertrag, einem Gesellschaftsvertrag. Bürger treten eine Reihe von Rechten an den Staat ab, der sich im Gegenzug verpflichtet, das Leben seiner Bürger so angenehm wie nur möglich, so glücklich wie nur möglich zu machen, ihr Eigentum, ihre Sicherheit, ihr Leben zu schützen, Übergriffe abzuwehren, Übergreifende zu bestrafen. Kurz: Ein Staat ist eine Einrichtung die Sicherheit, Bequemlichkeit, Komfort und vielleicht sogar Glück der Bürger garantieren oder doch zumindest versuchen soll, herbeizuführen.

Das war die Idee. 

In der Realität sind Staaten administrative Monster, die ihren Bestand durch immer neue Schikanen, die sie den Bürgern auferlegen, rechtfertigen. Staaten sind Diebe, die Unsinns-Steuern erheben um Unsinns-Ausgaben zu rechtfertigen, die die Günstlinge des Staates reicher macht, eine Klasse, die von Steuerzahlern unterhalten wird und auf Kosten der anderen Bürger lebt. Und weil Staaten ihren Bürgern Steuern und Abgaben in noch vor 50 Jahren ungeahnten und für nicht möglich gehalten Höhen abknöpfen, zerstören sie deren Sicherheit (z.B. auch im Alter gut leben zu können), Bequemlichkeit (weil man durch die Steuern und Abgaben gezwungen wird, sich ständig zu verdingen, wenn man einen gewissen Lebensstandard nicht nur erreichen, sondern auch halten will) und Komfort, weil man durch ständige Übergriffe der Verwaltung, die in dicken Schreiben von Banken über veränderte AGBs, noch dickeren Schreiben von Versicherungen, über veränderte Bedingungen und extrem dicken Schreiben an Finanzämter, in denen man als Steuerzahler versucht, das Geld zurückzubekommen, dass Finanzämter zu unrecht geraubt haben, ihren Ausdruck finden, keine Ruhe und schon gar keine Gelassenheit finden kann.

Der ganz normale Wahnsinn, der Staat geworden ist und in Deutschland seine Bürger drangsaliert bzw. daran hindert, ein normales, effektives und zufriedenes Leben zu führen, wird in der folgenden Schilderung, die uns ein Leser geschickt hat, sehr deutlich. Es geht um ein alltägliches Ereignis, um etwas, das jedem widerfahren kann, eigentlich etwas, das man in kürzester Zeit aus der Welt schaffen könnte, wenn man nur wollte und wenn man nicht durch Regulationen, die nicht dazu gedacht sind, Bürgern einen effektiven Service zu bieten, sondern dazu, Verwaltungen, Organisationen und Institutionen auf Kosten der Bürger zu beschäftigen, daran gehindert würde:

 

Am 03.04.18 ist mir ein LKW in mein geparktes Auto gefahren, an der Stelle, an der ich seit 5 Jahren parke. Mein Auto war also nicht „falsch“ geparkt in dem Sinne, dass ich dadurch zum Unfall noch beigetragen hätte. Der LKW-Fahrer ist weitergefahren. Da ich jedoch just in dem Moment im Büro saß und den Schlag gehört habe, bin ich aus dem Haus gestürzt und dem LKW in Socken auf der Bundesstraße hinterhergerannt. Dank der Tatsache, dass die Ampel an der Bundesstraße rot war, konnte ich den LKW anhalten. Meine Nachbarn standen zu fünft im Hof, haben eine Zigarette geraucht und gemeint, als ich zurück kam, um die Polizei zu rufen, dass ich Glück hatte, dass ich den noch erwischt habe. Keiner hatte es aber für nötig gehalten, sich die Mühe zu machen das Kennzeichen zu notieren, denn die Ampel hätte ja auch grün sein können und dann hätte ich den LKW logischerweise nicht mehr erreicht, und mir wäre außer einer Anzeige gegen Unbekannt (ein Verfahren, das wahrscheinlich irgendwann im Sand verlaufen wäre) nichts geblieben.

Bis hierhin, dank MEINES Einsatzes: Glück im Unglück.

Ich rief die Polizei. Die Polizei hat alle Daten und Papiere aufgenommen. Ich habe von einer Anzeige wegen Fahrerflucht abgesehen. Mir ging es nur darum, dass jemand für die Schäden an meinem Auto aufkommt. Und genau da beginnt nun die Tragödie. Der rumänische Fahrer fährt für eine spanische Firma Güter aus, mit einer Zugmaschine und einem Aufflieger, die beide in Portugal zugelassen sind. Zudem hat die spanische Firma am 31.03.18 die Versicherung gewechselt.

Deshalb wurden mir vom Fahrer und der Polizei zwei grüne Karten gegeben, die der alten Versicherung und die der neuen. Dass die Grüne Karte der alten Versicherung gegenstandslos ist, ist weder dem Fahrer noch der Polizei noch mir aufgefallen. Auf dieses Detail habe ich leider nicht geachtet und mir beim Deutschen Büro Grüne Karte erst einmal den falschen Ansprechpartner besorgt. Auch die haben nicht gemerkt, dass ein Unfall für eine bereits abgelaufene Grüne Karte angegeben wird und haben mir brav die nicht mehr zuständige Allianz als Schadenregulierer genannt.

Die Allianz Versicherung (in diesem Fall für die Regulierung des Schadens nach deutschem Recht angeblich zuständig) hat alle möglichen Unterlagen von mir verlangt (Geschädigter, Schädiger, Fotos vom Unfall, Führerschein des Fahrer, Aktenzeichen bei der Polizei etc.). Nach sieben Tagen wurde ich dann gebeten meine Kontodaten anzugeben, da die Versicherung (Allianz) den Schaden regulieren wolle. Nach weiteren drei Tagen, in denen ich nichts von der Versicherung gehört habe, rief ich dort dann an und man sagte mir, dass die Allianz gar nicht zuständig sei, denn die Versicherung lief ja am 31.03.18 bei der Allianz in Spanien aus.

Bis zu diesem Tag hatte ich 10 Tage kein Auto, habe aber stundenlang rumtelefoniert und emails geschrieben. Sarkastisch könnte man sagen: Ist ja auch klar, schließlich willst DU ja auch dein Auto repariert haben.

Nun ging also alles von vorne los: Wieder beim Büro Grüne Karte angerufen, die neue (richtige) Versicherung erfragt, die richtige Versicherung kontaktiert. Wieder hat die Versicherung alle möglichen Details zum Unfallhergang gefordert. Wieder habe ich alles zusammengestellt und hingeschickt (auf meine Kosten versteht sich). Die Versicherung hat mich dann per Post gebeten anzugeben wie viel ich von ihr fordere. Diesmal allerdings habe ich an der Stelle zusätzlich einen Gutachter bestellt und einen Anwalt eingeschaltet.

Das war am 17.04.18

Nun ist der 30.04.18, und mein Anwalt schreibt mir, dass die gegnerische Versicherung behauptet, sie sei gar nicht zuständig, und das Deutsche Büro Grüne Karte habe eine falsche Auskunft erteilt.

Der Stand der Dinge ist also nun, dass ich seit 27 Tagen kein Auto habe. Mein Anwalt hat mir gesagt, dass es in solchen Angelegenheiten ewig dauert, bis man das Geld für die Reparatur des Autos bekommt. Ich werde also demnächst weiterhin kein Auto haben. Dieses steht angemeldet im Hof, d.h. jeden Tag zahle ich KFZ-Steuer und Versicherung. Der Witz an der ganzen Sache ist, dass mir ein Leihwagen wohl nur für die Zeit zusteht, in der das Auto in der Werkstatt steht, was laut Gutachten 4-5 Tage sind. D.h. wenn ich irgendwann mal das Geld für die Reparatur bekomme und das Auto dann real in der Werkstatt für 4 Tage steht, bekomme ich für diese 4 Tage einen Leihwagen. Das aber wahrscheinlich auch nur, falls bis dahin die zuständige Versicherung keine Insolvenz angemeldet hat.

Da nun aber auch noch möglicherweise das Büro [Grüne Karte] eine falsche Auskunft erteilt hat, so dass sich mein Anwalt wegen der möglichen falschen Auskunft mit der möglicherweise falschen Versicherung in Verbindung gesetzt hat oder was auch immer, dauert alles noch länger, und ich bin mir ziemlich sicher, dass die gegnerische Versicherung und das Büro (wegen der möglichen falschen Auskunft) für diesen Zeitverzug auch nicht aufkommen werden.

Das Lustige ist, dass ich mich zwar verarscht und ungerecht behandelt fühle (wieso weiß ich nicht, ist aber so), alles aber jedoch rechtlich exakt so laufen soll: Der Anwalt tut, was er im Rahmen des Rechtsstaates tun kann und darf, und die gegnerische Versicherung tut, was im Rahmen ihrer rechtlichen Möglichkeiten liegt. Somit ist das, was ich gerade erlebe, das gleichgewichtete Ergebnis, also der vom Gesetzgeber gewollte Ablauf in solchen Fällen.

Ich bin daher heil froh, dass ich einen Job habe, um mir die Schäden, die mir andere zufügen, in unserem Rechtsstaat leisten zu können. Darüber hinaus bin ich heil froh, dass mein Arbeitgeber es duldet und die Möglichkeit hat, mich von zuhause aus arbeiten lassen kann.

Das einzig positive ist nun, dass ich mir den Weg zur Arbeit „sparen“ kann und die entsprechende Zeit anstatt im Auto nun damit verbringen kann sciencefiles.org zu lesen 😉

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EU-Migranten als Geiseln in BREXIT-Verhandlungen?

In der BBC-Serie Colditz, in der es um das Gefangenenlager geht, das die Wehrmacht im Colditzer Schloss und im Zweiten Weltkrieg betrieben hat, fragt Major Moon, wie man es erklären könne, dass die britischen Gefangenen ständig versuchen würden, aus Colditz auszubrechen, während es für deutsche Gefangene in Britannien keinerlei Hinweise gebe, dass sie versuchen würden, nach Deutschland zu kommen. Hauptmann Ullmann tut sich in dieser Szene durch den lakonischen Kommentar hervor, dass man den Eindruck haben könne, deutsche Gefangene wollten gar nicht aus britischen Gefangenenlagern ausbrechen.


Irgendwie ist diese kleines Szene bezeichnend für eine Fehlwahrnehmung, die es in Deutschland immer gegeben zu haben scheint und die es wohl immer noch gibt. Manche Deutsche, vielleicht auch viele Deutsche sind der Ansicht, Deutschland sei das gelobte Land, nach dem sich andere Nationen sehnen. Menschen aller Herren Länder sehnen sich danach, im Land der hohen Steuern, der linken Chaoten und rechten Spaziergänger heimisch zu werden oder zu sein, um auf diese Weise dazu beitragen zu können, dass unnötige Programme wie „Demokratie leben!“ und nutznießende Organisationen wie die Amadeu-Antonio-Stiftung sich auch morgen noch von Steuerzahlern aushalten lassen können.

Wer sich an die post-BREXIT-Abstimmungsdiskussion erinnert, der wird sich an die Briten in Deutschland-Diskussion erinnern. (Doppelte) Staatsbürgerschaft wollten die Grünen für die armen Briten, die vom heimischen Brexit ereilt wurden und denen nun die Vertreibung aus dem Paradies bevorstand, erwirken. Schleunigst wurden die Exil-Briten zum politischen Faustpfand oder auch zur politischen Geisel genommen, um sie in kommenden Verhandlungen vorführen zu können.

Niemand hat sich in Deutschland je gefragt, wie viele Briten denn tatsächlich in Deutschland leben oder – umgekehrt – wie viele Deutsche im Vereinigten Königreich Zuflucht genommen haben. Wenn man die entsprechenden Migranten als Geisel nehmen will, dann ist es sinnvoll, sich dahingehend zu versichern, dass die Gegenseite nicht ein viel größeres Geiselpotential für sich in die Waagschale werfen kann.

PEW hat sich die Mühe gemacht, die Anzahl der Migranten aus EU-Ländern, die u.a. in Deutschland und im Vereinigten Königreich leben, zu schätzen.

Ergebnis:
Zum Ende des Jahres 2015 lebten 100.000 Briten in Deutschland. Unter den 5.330.000 Migranten aus der EU machen sie 1,9% aus. Die meisten EU-Migranten kommen aus Polen (1.930.000 Migranten), Rumänien (590.000 Migranten), Tschechien (540.000 Migranten), Italien (410.000 Migranten) und Österreich (260.000 Migranten) nach Deutschland.

Im Vereinigten Königreich sieht das Bild völlig anders aus. 320.000 Deutsche leben im Vereinigten Königreich. Sie stellen 11% der EU-Migranten im Land. Damit stellen Deutsche hinter Polen (700.000 Migranten) und Iren (500.000 Migranten) die drittgrößte Migrantengruppe, und zwar deutlich vor Migranten aus Frankreich und Italien (je 150.000).

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Land der Ahnungslosen: Deutschland ist Zensurweltmeister

Deutschland ist nicht nur Exportweltmeister, sondern auch Zensurweltmeister. Rothbardian, einem unermüdlichen Kämpfer für die freie Meinung, sei Dank, für den Hinweis auf eine Grafik, die man mehrmals betrachten muss, ehe einsickert, was die Grafik aussagt.

Die Grafik stammt von Statistika und basiert auf Daten des Projekts OpenDataCity. Und diese Daten zeigen, dass 61,5% der 1000 Videos, die 2012 weltweit am meisten angeklickt wurden, in Deutschland nicht verfügbar waren und sind. Die Zensur ist somit in Deutschland rund viermal so intensiv wie im Südsudan, rund 12 Mal intensiver als im Vatikan und in Afghanistan. Wer wissen will, was in der YouTube-Welt vor sich geht, der muss entsprechend in die Schweiz oder nach Österreich reisen, ja selbst im Vatikan ist man informierter als in Deutschland.

Deutschland ist das Land der Ahnungslosen.

deutschland-zensurweltmeister

Wie heißt es doch so schön in Artikel 5 des Grundgesetzes:

“(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.”

Auf Basis der Grafik kann man erst richtig würdigen, was in Artikel 5 Abs. 2 steht. Dort wird faktisch eine Freikarte zur Zensur erteilt, und zwar unter dem Deckmantel von Jugendschutz oder dem allgemeiner Gesetze. Beide erlauben es, die Meinungsfreiheit so zusammen zu zensieren, bis z.B. nur noch 38,5% der YouTube Videos, die man in freien Ländern ungehindert ansehen kann, in Deutschland verfügbar sind.

Zensur findet durch die Begrenzung der Information, der “allgemein zugänglichen Quellen” statt, indem Deutsche nicht nur bevormundet und von Informationen abgeschnitten, sondern effektiv daran gehindert werden, sich eine eigene Meinung zu bilden. Die präsentierten Ergebnisse machen die Behauptung, in Deutschland herrsche Meinungsfreiheit, geradezu lächerlich und ordnen Kampagnen, die das Wenige, was die bereits herrschende Zensur durchgelassen hat, weiter einschränken wollen, also die von Heiko Maas und dem BMFSFJ geführten Kampagnen unter den Stichworten Jugendschutz oder Hate Speech als das ein, was sie sind: Weitere Versuche, Deutsche daran zu hindern, sich eine unabhängige und nicht durch Zensur vorstrukturierte Meinung zu bilden.

Das Besondere an Deutschland ist nun, dass derartige Praktiken keinen Sturm der Entrüstung auslösen, sondern dass sich im Gegenteil willfährige Helfer einfinden, die den Zensoren als Hilfs-Zensoren dabei helfen wollen, Deutschland komplett von Informationen, die in anderen Ländern Normalität sind, abzuschneiden.

colditz-bbc-collectionIn der BBC-Serie „Colditz“ handelt die letzte Serie der ersten Staffel davon, wie zwei Kriegsgefangene erfolgreich aus der Festung Colditz fliehen und sich auf den Weg in die Schweiz machen. Wenige Meter vor der Schweizer Grenze, in einem Wald, fernab von jeder Siedlung treffen sie auf einen deutschen Zivilisten, der Verdacht schöpft, den nächsten Posten alarmiert und damit eine erfolglose Jagd auf die beiden Flüchtenden auslöst. Es scheint, dass für manche Deutsche vor der Menschlichkeit noch etwas anderes kommt, was man als Hass bezeichnen muss. Hass, der zur Anbiederung bei denen führt, die man für die Obrigkeit hält und der sich gegen die richtet, gegen die die Obrigkeit gerade vorgehen will. Die Kampagnen gegen Hate Speech zeigen diese Form des Deutschseins in besonders markanter Weise, da bei ihnen der Hass, den Aktivisten für andere Mitmenschen haben, in den Dienst der vermeintlichen Obrigkeit gestellt und auf diese Weise geadelt werden soll..


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Spektakel im Ersten: Der Flüchtling

Es gibt ihn in groß und in klein, in dick und in dünn, in jung und zuweilen auch in alt, er ist sympatisch oder weniger sympatisch, Syrer zumeist, gut zu Fuß, er tritt zu Hunderten oder zu Tausenden auf, er ist ein wirkliches Spektakel: Der Flüchling.

LivefeedEr, der Flüchtling, er eignet sich perfekt, um die eigene Gutheit zur Schau zu stellen. Muss es nicht furchtbar sein, vom Krieg vertrieben zu werden? Komm’ wir machen auf Mitgefühl oder besser noch: auf Empathie: “In diesen dramatischen Tagen und Wochen müssen wir Europäer uns an die Geschichte unseres Kontinents erinnern. Wir wissen, was das heißt: Krieg, Konflikte und Zustände, die einen dazu zwingen, zu fliehen.” Das sagt EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini, und die muss es wissen.

Schließlich ist die Geschichte von Krieg und Vertreibung für die meisten in Europa nur schlappe 70 Jahre her. Daran erinnert man sich leicht und schnell. Wie überhaupt, der gemeine Europäer hat natürlich einen Flüchtlings-Hintergrund, weiß, was es heißt zu fliehen, zu fliehen vor der Steuer nach Monaco, zu fliehen vor den Linken aus Leipzig, zu fliehen vor der Arbeitslosigkeit aus Ostdeutschland oder zu fliehen vor Kontinental-Sozialismus ins Vereinigte Königreich. Wir alle sind letztlich Vertriebene, Flüchtlinge im eigenen Europa: Wir sind die Flüchtlinge!

Deshalb freuen wir uns, wenn wir welche im LiveFeed sehen, die auch flüchten, denen wir unsere Empathie oder auch unsere Antipathie entgegenbringen können. Er eignet sich gut, dieser Flüchtling, für dies und das. Sein Humankapital lässt sich, wie gesagt, sehr gut einsetzen. Er ist Objekt von Hass und Liebe zugleich und damit auch jeder zugreifen kann und den Flüchtling in seinen vielen Facetten hautnah erleben kann, deshalb gibt es den LiveFeed.

Nur im LiveFeed hat man das richtige Feeling. Nur im LiveFeed kann man mitfiebern und warten, bis etwas passiert. Vielleicht fällt ja ein Flüchtling aus dem Zug. Vielleicht tauchen doch ein paar Rechte auf oder ein paar vermummte Linke, denn auf Dauer ist der LiveFeed doch etwas monoton, man sieht sich satt, am Flüchtling. Männer, Frauen und Kinder und Smartphones, Züge, Fußgänger, Busse und Polizei und Politiker, die in die Kamera grinsen und wichtiges sagen, alles im LiveFeed:

  1. syrien refugeesSPD fordert mehr Bundespolizisten (mehr zu fordern ist in)
  2. Merkel kündigt Maßnahmen noch im September an, nicht irgendwelche Maßnahmen, nein: schnelle Maßnahmen, schnell ist gut, schnell ist handlungsfähig, kompetent, schnell eben, fast so gut wie mehr.
  3. EU Staaten: Konsens über Militäreinsatz gegen Schlepper, Militäreinsatz im Mittelmeer, aber bitte im LiveFeed, live dabei sein, wie Schlepper erschossen werden – jetzt kommen wir der Sache schon näher.
  4. Brandenburg will 200 Flüchtlinge aufnehmen. Sind sie nicht goldig die Brandenburger? Sie wollen, was sie müssen.
  5. Glückliche Kinder im österreichischen Nickelsdorf: Der Flüchtling ist glücklich, glücklich und Kind – im LiveFeed glücklich. Deutschland ist glücklich. Die ARD ist glücklich.
  6. Polen will keine weiteren Migranten aufnehmen – Spielverderber!
  7. Ratlosigkeit nach EU-Außenministertreffen – Es ging um Busse, die einmalig gefahren sind, nicht zweimalig, denn zweimalig fahrende Busse haben im Gegensatz zu einmalig fahrenden Bussen eine Sogwirkung, ziehen noch mehr Flüchtlinge an.
  8. Steinmeier: Weiterreise nach Deutschland eine Ausnahme: Wegen der Sogwirkung!
  9. Erster Sonderzug mit Flüchtlingen in München eingetroffen: Flüchtlinge satt
  10. 6500 Flüchtlinge in Österreich angekommen – noch satter, richtig fett
  11. Bilanz der Nacht: 4500 Flüchtlinge in Bussen – einer geht noch?

Wie gut, dass es den gemeinen Flüchtling gibt, den fremdländischen Flüchtling, den man vorzeigen kann, den man von A nach B transportieren kann, von A, wo man sich freut, nach B, wo man sich freut. Ein Riesen-Spektakel und alles im LiveFeed. Gebührenzahlern wird etwas geboten, sie sitzen in der ersten Reihe, wenn der Flüchtling kommt.

Nur schade dass keine Rechten gekommen sind.
Und kein Buh-Ruf.
Nicht einmal eine Deutschlandfahne oder ein paar Gestalten in Springerstiefeln.
Trotz LiveFeed.
Aber vielleicht wird das ja noch. Der Livefeed, er läuft ja noch ein paar Stunden, bis zur Sondersendung:

“Brennpunkt in der ARD

Die ARD bringt nach der “Tagesschau” einen 15-minütigen “Brennpunkt”. Die Sondersendung vom Bayerischen Rundfunk heißt “Flüchtlingswelle nach Grenzöffnung” und bringt Berichte aus Ungarn, Wien und München.”

Noch einmal die Ereignisse des Tages kompakt. In der Hauptrolle: Der Flüchtling in seinen vielen Schattierungen. Aber immer der glückliche Flüchtling! Wie gut, dass es den Flüchtling gibt, zwischen den Länderspielen und vor dem Tatort – ein wahres Spektakel – auch ohne Rechte.

Und nun: Bier und Chips holen für die nächste Stunde im LiveFeed.

Es gibt Soziologen, die behaupten, Medien hätten eine Agenda Setting Funktion, sie würden Themen vorgeben, die dann gesellschaftlich bearbeitet werden. Manche Psychologen warnen davor, dass zu viel Fernsehen, die Realiltät verschwimmen und verlustig gehen läßt. Computerspiele sollen bei manchen dazu führen, dass sie nicht nur in Echtzeit spielen, sondern auch in Echtzeit denken.

Was der Realitätsverlust und die Echzeit-Welt im Hinblick auf Programmverantwortliche mit deren Agenda Setting Funktion zu tun hat, ist eine Frage, die wir im LiveFeed diskutieren sollten.

Und die Frage, wie der LiveFeed den Journalismus verändert, wie LiveFeeds immer mehr an die Stelle recherchierter Geschichten treten und über LiveFeeds der Zugriff und Durchgriff von Politik und Verwaltung auf die Bürger in Echtzeit möglich ist, ist eine Frage, die in den Sozialwissenschaften zumindest einmal gestellt werden sollte, z.B. unter dem Thema: Manipulation in Echtzeit!

Segregation: Bestandteil der “deutschen Kultur”?

von Dr. habil. Heike Diefenbach & Michael Klein

Sikh Metropolitan Police Officer

Wer schon einmal mit dem Flugzeug in London-Heathrow gelandet ist, der hat einen Eindruck davon erhalten, wie eine integrierte Gesellschaft aussieht. Die Passkontrolle führt ein Brite durch, der offensichtlich afrikanische Vorfahren hat, ein Brite mit offensichtlich asiatischen Vorfahren kümmert sich um die Touristen vom Kontinent, die auf der Suche nach der Tube (U-Bahn) verloren gegangen sind, und ein Polizeibeamter mit klar erkennbarem osteuropäischem Akzent nimmt sich derer an, die nicht verloren gingen, sondern verloren haben, was auch immer. Damit nicht genug: Der Tierarzt ist in Zimbabwe geboren, die Eltern des Augenarztes kommen aus Indien, der Postbote hat in seiner Kindheit noch ein paar Eindrücke in Guinea-Bissau mitbekommen, die Fragen, die Selbständige im Zusammenhang mit ihrer Steuererklärung haben, beantwortet ein offensichtlich aus Pakistan stammender Civil Servant, und wem dies alles noch nicht reicht, der kann in Job Centern unter den dort Beschäftigen einen Eindruck davon gewinnen, wie viel unterschiedliche Länder diese Erde doch hat. Anders formuliert: Die Gesellschaft des Vereinigten Königreiches ist das, was Migrationsforscher eine integrierte Gesellschaft nennen. Geht es um den Arbeitsplatz, dann zählen Qualifikation und Motivation – und nicht die Abstammung.

In Deutschland ist das anders. Hier gilt und europäisch einmalig, das ius sanguinis, das Blutrecht. “Deutsch”, so wird angenommen, ist eine mystische Eigenschaft, die sich über das Blut vererbt, als bislang unentdeckter Genzusatz zum Beispiel. Und dieser Zusatz zeichnet seine Träger vor allen aus, die nicht mit der Gnade des hämoglobinen Deutschtums ausgestattet sind. Dass diese Abstammungslehre die gleiche Abstammungslehre ist, die bereits die Nationalsozialisten angewendet haben, um Arier von Nicht-Ariern zu unterscheiden, sei hier nur angemerkt. Die mystische Kraft des Blutes ist jedenfalls so stark, dass sie über Generationen fortlebt, sich von Generation zu Generation quasi vererbt, und letztlich dazu führt, dass Migranten, die vor nunmehr mehr als 50 Jahren nach Deutschland eingewandert sind, immer noch als Fremde angesehen werden, als “Blutsfremde”. Das ist ein wissenschaftliches Rätsel.

Türkische Gastarbeiter – 1970

Als die illegalen Methoden vornehmlich deutscher Bauern, die in den 1950er Jahre Erntehelfer als Touristen getarnt nach Deutschland eingeschleust haben, durch Anwerbeabkommen mit Italien, Spanien, Griechenland, der Türkei und Portugal im Verlauf der 1960er Jahre legalisiert wurden, um letztlich den im Deutschland des Wirtschaftswunders grassierenden Arbeitskräftemangel zu beseitigen, erhöhte sich der Anteil der nicht-deutschen Erwerbstätigen unter allen Erwerbstätigen auf 11,9%, 11.9%, die am deutschen Wirtschaftswunder mitgearbeitet haben und, die mit zunehmender Dauer des Aufenthalts, immer weniger an eine Rückkehr in ihre Heimatländer dachten – was, rein menschlich betrachtet, kein Wundern ist.

Aber: Menschlichkeit hört bekanntlich da auf, wie uns die Genderisten und die Linken so gerne lehren, wo die Ökonomie anfängt, und insbesondere in Zeiten wirtschatflicher Rezession, wie sie 1973 mit der ersten Ölkrise eingeläutet wurden, muss dann jeder selbst sehen, wo er bleibt. Daher wurde der “Zuzug von Gastarbeitern” (ein Euphemismus übelster Sorte, wenn man bedenkt, dass die entsprechenden Gastarbeiter in ihren Heimatländern angeworben wurden) im Jahre 1973 durch ein Aktionsprogramm zunächst begrenzt, um dann in einen Anwerbestopp zu münden. Fortan erfolgt Einwanderung nach Deutschland hauptsächlich als Nachzug Familienangehöriger, ein Nachzug, den eine Gesellschaft, die um den Zentralmythos von Verwantschaft kraft Blut und Abstammung gebaut ist, Fremden, mit zwar anderer “Abstammungslinie”, aber doch vergleichbaren Befürfnissen des Blutes kaum verweigern kann.

"Gastarbeiter" bei der ArbeitEntsprechend wurde der Familiennachzug zähneknirschend ermöglicht, und gleichzeitig mit einer Reihe von Anreizen versucht, diejenigen, von denen zu erwarten war, dass sie ihre Familien nachholen, zur freiwilligen “Heimreise” zu bewegen, z.B. durch das Gesetz zur Förderung der Rückkehrbereitschaft von Ausländern aus dem Jahre 1983. Parallel zur Förderung der Rückkehrbereitschaft von Fremden nicht deutschen Blutes, die in manchen Fällen mehr als 20 Jahre in Deutschland gelebt, gearbeitet und Steuern bezahlt hatten, erfolge eine neue Einreisewelle, dieses Mal von deutschblütigen in der 5+ten Generation, die aus den verlorenen Ostgebieten und dem zerbrochenen Großreich der Sowjets zurückgeholt wurden. Und obgleich diese Migranten doch die deutsche Blutslinie teilen, jedenfalls dann, wenn man die Blutslinie von z.B. Wolhyniendeutschen, die sich im 19. Jahrhundert in der Westukraine angesiedelt haben, trotz aller zwangsläufig erfolgten Vermengungen des deutschen Urblutes mit Slawischen Einflüssen als fortbestehend ansehen will, waren und blieben sie – wie die ursprünglichen Migraten – Fremde in deutschen Landen.

Das zeigt eine bemerkenswerte Untersuchung, die Albrecht Glitz (2012) durchgeführt hat. Albrecht Glitz hat ein wahres El-Dorado von Daten, auf die er seine Untersuchung gründen kann: Für den Zeitraum von 1975 bis 2008 kann er auf Daten für alle in diesen Zeitraum sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, insgesamt auf rund 26 Millionen Versicherte für z.B. das Jahr 2008 zurückgreifen. Für alle im Zeitraum von 1980 bis 2008 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat er zudem Angaben über den Bildungsabschluss, die Beschäftigung, die Branche, in der sie beschäftigt sind, und Angaben zur Staatsbürgerschaft.  Auf Basis dieser Informationen berechnet Glitz zwei Indizes für Segregagtion, wobei der erste der beiden Indizes den Anteil von ausländischen Arbeitnehmern pro Unternehmen mit dem entsprechenden Anteil deutscher Arbeitnehmer ins Verhältnis setzt (Basis ist der jeweilige Anteil von Migranten oder deutschen Arbeitnehmern in einer Branche), während der zweite Index die Wahrscheinlichkeit für Migranten angibt, eher mit anderen Migranten als mit deutschen Arbeitskollegen zusammenzuarbeiten. Ein gutes Forschungsdesign, das bestehende Segregation als Abweichung von zufällig zu erwartetender Segregation ausweist, führt Glitz dann im Hinblick auf Segregation am Arbeitsplatz zu den folgenden Ergebnissen:

  • Zwischen deutschen und “fremden” Erwerbstätigen fndet eine erhebliche Segregation am Arbeistplatz statt.
  • Die Segregation deutscher von “fremden” Erwerbstätigen ist seit 1980 nahezu konstant gelieben.
  • Die Segregation ist für so genannte Spätaussiedlern höher als für Migranten der ersten Migrantengeneration (aus den 1960er Jahren).
  • Die Segregation lässt sich nicht über eine geringere formale Bildung von Migranten erklären.
  • Die Segregation lässt sich auch nicht über die Beschäftigungsart/-branche erklären.
  • Die Segregation ist am deutlichsten ausgeprägt für Asiaten, Türken, Afrikaner, Polen und Spätaussiedler (Table 3).

Leider endet die Arbeit von Glitz mit diesen deskriptiven Ergebnissen. Glitz versucht nicht, seine Ergebnisse, die allem widersprechen, was uns Politiker glauben machen wollen, z.B. dass Fremde sich nicht integrieren wollen oder sich aufgrund von Sprach- und Bildungsdefiziten nicht integrieren können, zu erklären. Das ist schade, geben seine Ergebnisse doch genügend Ansatzpunkte, um die offizielle Geschichte über den Umgang der deutschen Mehrheitskultur mit Fremden zu hinterfragen, und sie zeigen ganz deutlich, woran Integration bislang nicht scheitert: nicht am Bildungsniveau und nicht am von  Migranten ausgeübten Beruf. Und weil die Erklärung im Beitrag von Glitz fehlt, holen wir sie nun – soweit das Möglich ist – nach:

Auch nach rund 50 Jahren Migrationsgeschichte ist es in Deutschland nicht gelungen, eine Segregation zwischen Deutschen und “Fremden” am Arbeitsplatz zu beseitigen. Auch 50 Jahre nachdem die ersten Italiener, die ersten Griechen oder die ersten Türken nach Deutschland gekommen sind, finden sich offensichtlich subtile oder weniger subtile Strukturen am Werk, die z.B. Türken daran hindern, Finanz- oder Polizeibeamter, Zahn- oder Augenarzt zu werden. Die entsprechenden Strukturen können nichts mit dem Bildungsniveau der entsprechenden Deutschen mit Migrationshintergrund zu tun haben, wie die Analyse von Glitz zeigt und wie ein sich langsam zum Massenexodus auswachsender Brain-Drain zeigt, den Yalcin Yildiz (2012) für hochgebildete Türken beschreibt, die nach Abschluss ihrer schulischen und universitären Bildung in die Türkei gehen, um dort zu arbeiten und zu leben. Die Dramatik dieser Entwicklung kann man gar nicht hoch genug bewerten, handelt es sich bei diesen Deutschen türkischer Abstammung doch um Menschen, die in Deutschland geboren und zur Schule gegangen sind, die in Deutschland ihre Berufs- oder universitäre Ausbildung häufig in Bereichen abgeschlossen haben, in denen Arbeitgeber händerringend nach qualifizierten Arbeitskräften suchen (z.B. Maschinenbau oder IT). Was also steht dem Eintritt der entsprechenden hochgebildeten Deutschen “fremder Abstammung” in den Arbeitsmarkt entgegen? Ist es dasselbe, was dazu geführt hat, dass der Versuch, hochqualifizierte IT-Spezialisten mit der sogenannten Green Card nach Deutschland zu locken, gescheitert ist, weil gerade einmal 14.873 Spezialisten überhaupt in Erwägung gezogen haben, nach Deutschland zu kommen?

Akzeptable und nicht akzeptable Verkündungssäulen

Wen zwischen beiden sozialen Phänomenen eine Gemeinsamkeit besteht, wenn beide eine gemeinsame Erklärung haben, dann muss diese Erklärung mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Erklärung sein, die sich auf den Umgang mit “Fremden”, die Aufnahme von Fremden in die Mehrheitskultur, wie es Migrationsforscher gerne in kaum zu überbietendem Euphemismus bezeichnen, bezieht. Tatsächlich müsste man wohl eher von einer Ausgrenzung, von einem nicht-Mitmachen-Lassen sprechen als von einer Aufnahme, und insofern gehen Diskussionen über eine Parallelgesellschaft und hektische Integrationsgipfel, die dem Ziel dienen, Integrationswilligkeit bei Migranten (also mehrheitlich in Deutschland Geborenen) zu wecken, am Punkt vorbei. Nicht die Integrationswilligkeit von Migranten scheint generell das Problem zu sein, sondern die Aufnahmebereitschaft, die Akzeptanz und Toleranz der deutschen Mehrheitskultur, die sich durch ein Minarett in Köln Zollstock gefährdet sieht und jede Form der Abweichung als Fremdheit bewertet, gegen die man, vielleicht aus eigener Unsicherheit über das, was außer Blut die eigene kulturelle Zusammengehörigkeit ausmachen könnte, nur abwehrend und abweisend sein kann. Wobei noch zu klären wäre, nach welchen Kriterien “Fremdheit” bestimmt wird, also: Was macht ein Minarett “fremder” als die Arche von McDonalds? Bis zur Klärung dieser spannenden Fragen, die bislang, wie könnte es anders sein, in Deutschland unter Sozialwissenschaftlern eher nicht gestellt wird, muss daher festgehalten werden, dass  Briten ganz offensichtlich selbstbewusster sind als Deutsche, wenn es um die eigene kulturelle Zugehörigkeit geht, so selbstbewusst, dass sie es sogar ertragen können, von einem Briten asiatischer Abstammung ihr Steuersystem erklärt zu bekommen.

Literatur

Glitz, Albrecht (2012). Ethnic Segregation in Germany. Bonn: Institute for the Study of Labour.

Yildiz, Yalcin (2012). Abitur + Diplom + Doktor = Hartz IV? Der Massen-Exodus bildungserfolgreicher Deutsch-Türkinnen in die Türkei. In: Fereidooni, Karim (Hrsg.). Das interkulturelle Lehrerzimmer. Perspektiven neuer deutscher Lehrkräfte auf den Bildungs- und Integrationsdiskurs. Wiesbaden: SpringerVS, S.51-60.

Bildnachweis:
The Guardian
Harte Zeit
Schnieper Architekten

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